Patriotische Schriftsteller und der Großvater des Präsidenten

Ende des 19. Jahrhunderts war es im tschechischen Bürgertum Böhmens en vogue, Hausfassaden mit patriotischen historischen Motiven zu dekorieren, die ein neues Selbstbewusstsein gegenüber dem österreichischen Habsburgertum zur Schau stellten. Selbst in diesem Kontext ist das vierstöckige Wohn- und Mietshaus in der Na Zderaze 1947/3 herausragend.

Es fängt schon mit der Wenzelskrone, dem wichtigsten Stück der böhmischen Kronjuwelen im Veitsdom, die gleich zweimal an den Erkern auf Höhe des ersten Stocks über einer Stuckkartusche prangt (großes Bild oben). So wie sie hier dargestellt wird, wurde sie vom Nationalheiligen Wenzel nie getragen. Vielmehr entstand sie in dieser Form als phantasiereiche Nachempfindung in der Zeit Karls IV. im 14. Jahrhundert. Ihre patriotische Symbolkraft schmälerte das nicht. In der Kartusche befinden sich die Wappen der drei Länder der böhmischen Krome – der zweischwänzige Löwe Böhmens (wir berichteten hier), der rot-weiß karierte mährische und der mit Silbermond versehene schlesische Adler. Über den Fenstern neben den Erkern befinden sich nochmals Nachbildungen der gesamten Kronjuwelen (Krone, Schwert und Szepter auf einem Kissen umrahmt von einem Lorbeerkranz; Bild oberhalb links).

Und als ob es nicht genug wäre, finden sich ebenfalls auf Höhe des ersten Stocks die Büsten zweier Schriftsteller, die so direkt nichts miteinander zu tun haben, aber beide für tschechisch-nationalistische Ideen standen. Karel Havlíček Borovský (Bild rechts; wir berichteten u.a. hier) ist von beiden in Tschechien zweifellos der bekanntere. Der von den habsburgischen Behörden mehrfach ins Exil verbannte Schriftsteller war Teilnehmer der Revolution von 1848 in Prag. Er profilierte sich als Begründer des modernen Journalismus in Böhmen, eckte mit satirischen Schriften bei der Obrigkeit an und galt bis zu seinem frühen Tode 1856 als der Wortführer des radikalen demokratischen Nationalismus der Tschechen.

Der Dichter Josef Václav Sládek gehörte der folgenden Generation an, die keine Revolution mehr betrieb, aber einem tschechischen Kulturnationalismus frönte, der den Tschechen einen besseren Platz innerhalb des Gefüges des Habsburgerreichs sichern sollte. Sládek hatte sich 1868 bis 1870 einige Zeit als Lehrer und Eisenbahn- und Landarbeiter in Amerika verdingt und schrieb nach seiner Rückkehr einige Stücke und zahlreiche Gedichte, die meist das ländliche Tschechentum verherrlichten, aber ab und an auch eine direkte politische und sozialkritische Botschaft vermittelten, wie etwa die 1892 erschienenen, sehr populären České písně (Tschechische Lieder). Im Gegensatz zu dem ständig verfolgten Karel Havlíček Borovský konnte Sádek jedoch dabei ganz friedlich seinem Beruf als Englischlehrer ander Handelsschule nachgehen.

Das neobarocke Haus, an dem sich beide Büsten befinden, wurde übrigens 1897 nach Plänen des Architekten Václav Vítězslav Chytrý auf Geheiß des recht vielseitigen Bauunternehmers, Industriellen, Okkultisten (der unter em Pseudonym Atom spiritistische Bücher verfasste) und Kulturmäzens Vácslav Havel gebaut. Der Nachname kommt einem ja irgendwie recht bekannt vor, oder? Und richtig: Es handelt sich tatsächlich um den Großvater des späteren Schriftstellers, Dissidenten und Präsidenten Václav Havel! An dem Zderaz genannten Ortsteil der Prager Neustadt, wo sich das Gebäude befindet, war dereinst das Gelände einer kleinen Burg aus der Zeit König Wenzels IV. im 14. Jahrhundert, deren letzte Reste 1892 bei der Erneuerung des Stadtteils entgültig verschwanden, nachdem sie schon Anfang des 17. Jahrhunderts nur noch als eine Ruine beschrieben worden war.

Auf Höhe des Erdgeschosses befindet sich neben dem Eingang eine bronzene, mit dem tschechoslowakischen Staatswappen geschmückte Gedenkplakette. Sie gedenkt des Publizisten und Journalisten Václav Vích, der zusammen mit seiner Frau Josefa aktiv am Widerstand gegen die Nazis teilnahm und, genau wie sie, einige Monate nach seiner Verhaftung im September 1942 in Berlin-Plötzensee in den sogenannten Blutnächten hingerichtet wurde. Das Schicksal der beiden wurde von später Zdeňka Víchová in dem Buch Za světlem svobody (Zum Licht der Freiheit) verewigt. (DD)

Wo Tschechen und Sachsen Freundschaft pflegten (und Ryšánek und Schlegl nicht miteinander redeten)

Sachsen und Böhmen lebten schon den europäischen Friedensgedanken vor, als von der EU noch keine Rede war. Das Sächsische Haus (Saský dům) in der Mostecká 55/3 (Ecke Lázeňská) auf der Prager Kleinseite ist das in Stein gebaute Denkmal dafür – wenngleich es heute nicht mehr ganz so aussieht, wie in seiner „sächsischen“ Zeit.

Im Jahre 1348 schenkte der deutsche Kaiser und böhmische König Kaiser Karl IV. den vormaligen, gemeinhin Vlašský dvorec (Welsches Gehöft) genannten Kaufmannsbesitz dem sächsischen Herzog Rudolf I. aus dem sächsischen Herrscherhaus der Askanier als Erbgut. Rudolf hatte als deutscher Kurfürst stets Karls Kaiserwahl unterstützt als diese anfänglich noch umstritten war. Das Verhältnis zwischen Böhmen und Sachsen hätte besser kaum sein können. Wenn er in Prag war, brachte Rudolf hier seinen Hofstaat mit. Im Kern war es fast so etwas wie eine Botschaft. Für die Sachsen in Böhmen war der Ort eine Anlaufstelle. Insbesondere gab es viele Studenten aus Sachsen, da das Land selbst keine Universität hatte, und Karl gerade die heutige Karlsuniversität (wir berichteten hier) gegründet hatte. Da die Wissenschaftssprache damals Latein war, ging das problemlos.

Zukunftsweisend war auch der von Karl mit dem Markgrafen von Meißen, Friedrich III. dem Strengen, geschlossene Vertrag von Pirna 1372, der die Grenzen regelte. Da Meißen ab 1423 in das Kurfürstentum Sachsen eingegliedert wurde, war damit auch im Grunde jede Grenzfrage zwischen Böhmen und Sachsen bereits vorab geklärt. Das geschah dann endgültig durch den Vertrag von Eger (heute Cheb) im Jahre 1459, den der böhmische König Jiří z Poděbrad (Georg von Podiebrad, über den wir bereits u.a. hier und hier berichteten) mit dem sächsischen Kurfürsten Herzog Wilhelm II. dem Tapferen abschloss. Diese Grenze wurde nie wieder verändert und ist eine der ältesten bestehenden in ganz Europa – ein Vorzeigeprodukt in Sachen europäischer Friedenspolitik. Dazu passt übrigens, dass König Jiří mit einer Denkschrift aus dem Jahr 1462, in der er eine föderative Friedensordnung für Europa vorschlug, so etwas wie der der geistige Erfinder der Europäischen Union ist.

Als das geschah, war das sächsische Herrscherhaus schon aus dem Saský dům in Prag ausgezogen. Als Karls Nachfolger und Sohn Wenzel IV. 1409 mit dem Kuttenberger Dekret die Karlsuniversität tschechisierte, verließen die deutschen (vor allem sächsischen) Dozenten und Studenten das Land. Dahinter steckte ein religiöser Konflikt zwischen Hussiten und Katholiken, der sich nationalistisch auflud. Während Böhmen in die Hussitenkriege schlingerte, war das aber für die Sachsen vielleicht sogar ein strukturpolitischer Glücksfall, denn sie nutzten die Chance, in Leipzig ihre erste eigene Universität zu gründen. Und Sachsen gehörte 1432 unter Kurfürst Friedrich II. von Sachsen zu den ersten deutschen Fürstentümern, das einen Sonderfrieden mit den Hussiten in Böhmen schloss und die Böhmen Böhmen sein ließ. Der oben erwähnte nachfolgende Frieden von Eger war nur eine Bestätigung einer Politik, die eine kleine „Delle“ erlebt hatte, aber im Kern konsequent fortbestand.

Und was geschah mit dem 1409 von den Sachsen verlassenen Saský dům? Das fiel 1503 einem Feuer zum Opfer, das auch zahlreiche Nachbarhäuser zerstörte. 1592 wurde es von Jan Rudolf Trčka von Lípa, einem der reichsten Adligen Böhmens und späterer Freund des berühmten Generals Wallensteins, Renaissancestil wieder aufgebaut. Möglicherweise war der Architekt der Tessiner Giovanni Battista Bussi di Campione, aber ganz genau weiß man das nicht. Auch von diesem Gebäude existiert nur noch das beeindruckende rustizierte Portal mit dem Wappen der Prager Kleinseite darauf. Ansonsten fiel das Renaissancegebäude einem völligen Umbau im klassizistischen Stil zum Opfer, der in den Jahren 1826 bis 1828 stattfand, und der sich durchaus gut ins bauliche Umfeld einpasst. Das ist im wesentlichen das, was man heute von außen sieht. Das Gebäude schmiegt sich an den mittelalterlichen Kleinseitner-Turm mit seinem Tor (siehe großes Bild oben), der die Karlsbrücke abschließt. Hier bei der Brücke hatte man eben dem Palast eine wirklich zentrale Lage in Prag gesichert.

Im späten 19. Jahrhundert erlangte das Gebäude durch den Schriftsteller und Journalisten Jan Neruda eine gewisse Berühmtheit. Damals existierte hier ein Gasthaus mit Namen „Zum Steinitz“ (U Štajniců). In einer seiner Kleinseitner Geschichten (Povídky malostranské), eine 1878 erschienene Sammlung von Erzählungen, die Neruda zwischen 1867 und 1877 in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht hatte, spielt das Lokal die Hauptrolle. Hier sitzen die beiden Herren Ryšánek und Schlegl jahrelang nebeneinander, ohne je ein Wort miteinander zu wechseln. Das berühmte Gasthaus existiert allerdings von lange nicht mehr. Heute befinden sich hier einige kleiner Läden, darunter eines der wenigen Lebensmittelgeschäfte der Kleinseite. Aber immerhin erinnert eine bronzene Gedenktafel neben dem Eingang daran, dass hier einmal das gedeihliche Verhältnis zwischen Tschechen und Sachsen seinen Anfang nahm. (DD)

Wo die US-Army die Moldau überquerte

Im März 1945 rückten amerikanische Truppen zum Rhein vor, um von dort aus in das Herz des Nazireiches vorzudringen. Leider hatte Hitler alle Brücken sprengen lassen. Nur eine intakte gab es noch. Aber wo? Die Amerikaner suchten und suchten. Erst im Jahr 1968 fanden sie sie in der Ortschaft Davle. Dort herrschten seltsamerweise Kommunisten und keine Nazis. Und der Rhein war es auch nicht, sondern die Moldau. Egal: Unbeirrt stürmten sie vor den Augen der verblüfften Tschechoslowaken beherzt die…

Moment, das stimmt irgendwie nicht…!? Fangen wir von vorne an. Die Amerikaner waren tatsächlich im März 1945 zum Rhein vorgerückt und Hitler hatte die Zerstörung der Brücken angeordnet, um den Vormarsch zu verhindern. Nur die Sprengung der Brücke von Remagen misslang den Nazitruppen. Man hatte wohl zu lange damit gewartet, weil sie die letzte Fluchtmöglichkeit für deutsche Zivilisten war, die vor der anrückenden Front und dem Kriegsgeschehen flohen. Ein später Versuch der Sprengung verursachte nur kleinere Schäden. Die Amerikaner nutzten die Gelegenheit und rückten dann am 7. März – heute vor 77 Jahren – über den Rhein vor. Der Versuch der Wehrmacht, die zurückzuerobern, scheiterte und Hitler ließ die Wehrmachtsoffiziere, denen es nicht gelungen war, die Brücke vor Ankunft der Amerikaner zu sprengen, kurzerhand hinrichten. Aber: Mit dem Heldenstück der Überquerung des Rheins durch die US-Army war das Ende Hitler-Deutschlands einen entscheidenden Schritt nähergerückt.

Aber was hat das mit Davle, der Moldau und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik zu tun, in der auf einmal die US-Army aufgetaucht sein soll? Die Geschichte ist fast so interessant wie die eigentliche Einnahme der Remagener Brücke und in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Sie beginnt in Hollywood. Die heldenhafte Erstürmung der Brücke war ja geradezu der ideale Stoff für einen richtigen Kriegsfilm mit viel Action und gloriosem amerikanischem Heldentum. Das Projekt reifte in den 1960er Jahren heran und bald machten sich Regisseur John Guillermin und Produzent David L. Wolper auf die Suche nach einem geeigneten Drehort. Man wurde fündig in der Tschechoslowakei. Das dürfte den heutigen Betrachter erstaunen, herrschte doch damals der Kalte Krieg und das Land gehörte eindeutig dem kommunistischen Bannkreis an. Aber vielleicht dennoch nicht ganz so eindeutig, denn es zeichnte sich schon der berühmte Prager Frühling ab – eine leichte Liberalisierungsbewegung innerhalb des Systems. Dabei öffnete sich das Land auch dem Westen gegenüber. US-tschechoslowakische Filmkooperationen waren auf einmal gar nicht so selten. So wurden zum Beispiel viele Folgen der bekannten US-Trickfilmserie Tom & Jerry in Prag produziert.

Als man also im Sommer 1968 in der (kommunistischen) Tschechoslowakei den geplanten Film The Bridge at Remagen (Die Brücke von Remagen) mit großem amerikanischen (z.B. George Segal und Robert Vaughan) und deutschem Staraufgebot (z.B. Sonja Ziemann) drehen wollte, fand man eigentlich ideale Drehbedingungen vor. Bei Prag gab es die in der Zwischenkriegszeit erbauten großen Barrandov-Filmstudios., die Hollywood-Format hatten (wir berichteten hier). Die Statisten waren billig. Es gab günstige Drehorte für Außenaufnahmen. In der nördlich von Prag gelegenen Stadt Most gab es ein altes Stadtviertel, das wegen des Braunkohleabbaus abgerissen werden sollte, und deshalb für richtig fetzige und realistische Straßenkampfszenen genutzt werden konnte. Und dann war da noch die Brücke. Die fand man rund 20 Kilometer südlich von Prag an der Moldau in der kleinen Ortschaft Davle. Nun ja, wenn man sich heute bei einem Ausflug in die – übrigens landschaftlich sehr, sehr schöne – Umgebung des Ortes, die Davle-Brücke anschaut, kann man es eigentlich nicht glauben. Es handelt sich heute um eine recht kleine Fußgängerbrücke, über die Großfahrzeuge, etwa richtige Panzer, kaum hinüberkämen, wie man am Bild oberhalb links erahnen kann.

Die originale Brücke von Remagen (Ludendorff Brücke), die zwischen 1916 und 1918 über den Rhein gebaut wurde, war nämlich ein Bauwerk von recht gigantischen Ausmaßen. 398 Meter lang, mit zwei großen Eisenbahnspuren und Gehwegen an den Seiten, die schon für sich fast so breit waren wie die gesamte Brücke von Davle. Beide Enden waren mit riesigen pseudo-mittelalterlichen Wehrtürmen geschmückt. Natürlich wäre es optimal gewesen, den Film am Originalschauplatz zu drehen. Nur war die Brücke 10 Tage nach ihrer Einnahme durch die Amerikaner zusammengestürzt. Es standen nur noch die Wehrtürme und bis 1976 (als sie abgerissen wurden, weil sie der Schifffahrt hinderlich waren) zwei Pfeiler. Hier konnte man nichts mehr drehen. Die lediglich 141 Meter lange Davle Brücke (Baujahr 1905) war zwar prinzipiell ähnlich als Stahlträgerbrücke konzipiert, war aber nur einspurig für kleine Regionalzüge angelegt. Sie ergänzte damit im Sinne einer irgendwie in beide Fahrtrichtungen funktionierenden Streckenführung die schon 1897 gebaute und ebenfalls einspurige Eisenbahnbrücke bei Vrané-Skochovice, die sich etwa 3,5 Kilometer flussabwärts befindet. Wir sehen sie im Bild oberhalb rechts.

Wie dem auch sei. Der Filmdreh verlangte den Beteiligten allerlei ab. Das fing schon mit der glaubwürdigen Kulisse an. Sieht man diesen Filmclip (man achte auf die Eingangssequenzen ab 5:40 min.), dann erkennt man, dass die Davle-Brücke mit zusätzlichen Trägern ausgestattet wurde, die sie größer erscheinen ließen. Auch stellte man an beiden Seite so etwas wie vage Nachbauten der Wehrtürme des Originals auf. Die Kameraführung war so geschickt, dass man nur dann, wenn man weiß, wie klein die Brücke realiter ist, ahnt, dass das niemals die kolossale echte Brücke von Remagen sein kann, über die ganze Panzerarmeen fuhren. Der Film lässt die Davle-Brücke beeindruckend erscheinen. Da die Remagener Original-Brücke am Ostufer des Rheins in einen Tunnel mündete, grub man auf in Davle einen kleinen Pseudotunnel in den gegenüber liegenden Felsen. Das soll enorme Geldsummen verschlungen haben. Sowieso sparte man an nichts. Rund 5000 meist tschechoslowakische Statisten, die in Nazi- oder US-Uniformen steckten, überfluteten geradezu das kleine Örtchen. Unmassen von Panzern, Jeeps und anderen Militärfahrzeugen mit deutschen, aber vor allem amerikanischen Abzeichen, hatte man aus alten Beständen der tschechoslowakischen und der österreichischen Armee, aber auch aus dem Requisitenlager von Barrandov zusammengeklaubt. Mitten im Kalten Krieg dürfte manch ein Bürger des Ortes über diesen Anblick verwirrt gewesen sein. Damit war er nicht alleine.

Inzwischen waren die Hardliner der tschecho-slowakischen Kommunisten und die Sowjetunion gleichermaßen irritiert über die Liberalisierungen des Prager Frühlings. Und auch über den den Film. Immer wieder kreisten sowjetische Helikopter und Flugzeuge über dem Drehort. Die Prawda streute Vermutungen des KGB, unter dem Vorwand einen Film zu drehen, wollten die amerikanischen Klassenfeinde ein „geheimes Waffenlager“ anlegen. Auch der ADN, der Nachrichtendienst der „DDR“, mutmaßte, es sei dies eine „Tarnoperation der CIA“. Man versuche Agenten und Sprengstoff ins Land zu schmuggeln. Um die so realistischen Effekte des Kriegsfilms zu ermöglichen, hatten die amerikanischen Filmmacher nun tatsächlich auch allerlei Sprengstoffe und Feuerwerkskörper mitgebracht. Die wurden ständig von der tschechoslowakischen Polizei untersucht, die überhaupt anfing, störend in den Verlauf der Dreharbeiten einzugreifen. Aber das war nur das Vorspiel.

Am 20. August 1968 beendeten von der Sowjetunion angeführte Truppen des Warschauer Paktes durch ihren Einmarsch in die Tschechoslowakei den Prager Frühling mit Gewalt. Der Film war noch nicht vollständig fertig gedreht, als das geschah. Die Filmarbeiten mussten sofort abgebrochen werden. „No shooting today because of shooting“, bemerkt das Filmtagebuch, kein (Film-) Schießen wegen (richtigem) Schießen. Insbesondere die amerikanische Filmcrew musste sich schnellstens absetzen. Einige schafften das mit eigenen oder schnell besorgten Fahrzeugen via Pilsen nach Nürnberg (die Grenze war noch weitgehend offen). Für die restlichen Mitglieder besorgte Produzent Wolper 20 Taxis, die es bis nach Gmünd in Österreich schafften. Die restlichen Filmaufnahmen drehte man improvisiert in Deutschland und Italien. Diese unliebsame Unterbrechung merkt man dem dem damals sehr erfolgreichen Film kaum an. In den USA kam er im August 1969 in die Kinos, in Deutschland im November des selben Jahres. Die Bürger der Tschechoslowakei bekamen erst nach dem Ende des Kommunismus 1989 die Gelegenheit, jenen Film zu sehen, der in ihrem Land gedreht worden war, und an dem auch viele Bürger des Landes als Statisten oder vereinzelt gar als Schauspieler (z.B. Karel Mareš) mitgewirkt hatten.

Nachdem sich der Lärm und der Trubel der Filmaufnahmen gelegt hatte, durch den die Brücke einmal den Atemhauch der Geschichte verspüren durfte, als hier mitten in den Zeiten des Kommunismus amerikanische GI und Militärfahrzeuge herumkreuzen durften, wurde es wieder ruhiger in Davle. Der regionale Zugverkehr, der während der Dreharbeiten unterbrochen war, nahm den Betrieb auf, bis er in den 1970er Jahren aus Rationaliserungsgründen wegen abnehmender Zugfrequenz aufgegeben wurde. Die Brücke wurde zur Fussgängerbrücke umgebaut und selbige wurde 1991 noch einmal kräftig renoviert. Dank des Filmes war sie ja endgültig zu einer Art Kulturdenkmal geworden. Im selben Jahr 1991 wurde 250 Meter flussaufwärts eine moderne Betonbrücke für den Autoverkehr eröffnet, um Davle noch besser an den Verkehr anzubinden. Im Bild oberhalb rechts kann man beide Brücken beieinander sehen. Und darunter fließt ruhig die Moldau, die und hier und heute eine interessante Geschichte erzählen könnte. (DD)

Kafka und (viel) mehr

Es ist eines der vielen Gebäude Prags, in denen auch Franz Kafka wohnte: Das Sixt-Haus (Sixtův dům) in der Celetná 553/2. Allerdings wohnte er hier nur ganz kurz vom August 1888 bis zum Mai 1889 als Fünfjähriger mit seiner Familie. In dieser Zeit hatte wohl Kafkas Vater Hermann mit einer Anklage wegen Hehlerei zu kämpfen, die aber kurz nach dem Auszug aus dem Haus fallengelassen wurde. Aber mit den Kafkas erschöpft sich die spannende Geschichte dieses Hauses im Herzen der Altstadt und die seiner Einwohner bei weitem nicht.

Das Haus mit der hübschen barocken Fassade lässt sich bis in das frühe 13. Jahrhundert zurückverfolgen. An den romanischen Ursprungsbau sollen innen noch einige Kellergewölbe erinnern. Es gab immer wieder kleinere Umbauten, mal im Stil der Gotik, mal im Stil der Renaissance. Im späten Mittelalter muss sich hier die Prominenz nur so getummelt haben. So soll hier der Frühhumanist und römische Volkstribun Cola di Rienzo eine zeitlang während seines Exils von 1350 bis 1352 gewohnt haben, über den später Richard Wagner Hitlers Lieblingsoper komponierte. Rienzo führte bekanntlich mit dem in Prag ansässigen Kaiser und böhmischen König Karl IV. eine rege Korrespondenz. Dann gab es noch den kaisertreuen italienischen Dichter Francesco Petrarca (der ebenfalls engen Kontakt zu Karl IV. pflegte, den er 1356 sogar tatsächlich in Prag besuchte) und sogar den durch das berühmte Theaterstück des Shakespeare-Zeitgenossen Christopher Marlowe berühmt gewordene Johannes Faust Das dürfte aber endgültig ins Reich der Legenden gehören und es ist nicht das einzige Mal, dass die Prager versuchen, den guten Faust irgendwie mit der Stadt in Verbindung zu bringen, die er anscheinend aber nie besucht hat (wir berichteten hier).

Back to reality: Das Haus ist nach Sixt von Ottersdorf benannt, einem Humanisten und böhmischen Ständemitglied, das sich stets für die Rechte der böhmischen Länder gegenüber königlichen und kaiserlichen Machtansprüchen eingesetzt hatte. Der kaufte das Haus im Jahre 1560. Seinen Nachfahren wurde die vererbte Neigung, politisch nicht allzu königlich-absolutistisch positioniert zu sein, zum Verhängnis. Sie nahmen 1618 am Ständeaufstand gegen Ferdinand II. teil, um die Unabhängigkeit des Landes und die Glaubensfreiheit in Böhmen zu erhalten. Als das mit der verlorenen Schlacht am Weißen Berg (1620) schief ging, wurde der Besitz der Otterdorfs 1621 von den Siegern konfisziert – was auch das Haus in der Celetná betraf.

Die Ironie des Schicksals wollte es, dass nun ausgerechnet der Kanzleisekretär Philipp Fabricius für 5000 Gulden zum neuen Eigner wurde. Er war ein „Opfer“ des Ständeaufstandes, nämlich einer jener Kaiserteuen, die beim berühmten Zweiten Prager Fenstersturz im Mai 1618 aus dem Fenster des Königssaal der Burg (wir berichteten hier) geworfen worden waren, es aber überlebt hatten (hier unser Bericht). Ab dem frühen 18. Jahrhundert gab es viele Besitzerwechsel bis es Mitte 19. Jahrunderts Eigentum von Wenzel und Anna Löschner wurde. Der Löschner-Familie gehörte es noch, als die Kafkas zur Miete in das Haus einzogen.

Heute scheint hier niemand zu wohnen, der es in die Schlagzeilen oder gar in die Geschichtsbücher bringt. Im Erdgeschoss befinden sich Läden, die sich an das hier meist in Scharen vorbeiströmende Touristenpublikum wenden. Aber es ist schön anzusehen. So wie es heute zu sehen ist, entstand es durch einen grundlegenden Um- und Neubau in der ersten Hälfte 18. Jahrhunderts. Die Fassade ist Hochbarock. Dass hier mal rebellische Geister wie Rienzo oder Ottersdorf wohnten, wollte man wohl in diesen zeiten konsolidierter Habsburgerherrschaft vergessen machen. Ein durch eine Stuckkartusche gerahmtes Bild der Mariä Himmelfahrt befindet sich in der Mitte der reich geschmückten Fassade – ein deutliches katholisches Bekenntnis. Oben (und für die Vorbeigehenden in der engen Gasse kaum sichtbar) befinden sich auf dem Dach vier Statuen sehr wehrhaft aussehender und gerüsteter Habsburger Kaiser. Sie wurden 1736 von dem bekannten Bildhauer Anton Braun angefertigt. Unter ihnen wohnte eben auch einmal Kafka, der später keine Gelegenheit ausließ, sich über die administrativen Aspekte des Habsburgerreichs, etwa im Roman Das Schloss (1926), zu mokieren. (DD)

Fische, Gewehre und ein Mord

Die großmäuligen Fische als Erkerstützen, die seltsamen Echsen und die Grimassen der Maskaronen auf der Fassade der unteren Geschosse wirken so putzig, dass man beim Anblick des großen vierstöckigen Wohn- und Geschäftshauses in der Spálená 284/1, Ecke Myslíkova, nichts Böses zu denken vermag. Gewehre oder gar ein Mord kommen einem nicht in den Sinn.

Es begann harmlos. Ursprünglich standen hier seit 1383 zwei gotische Häuser, die im Jahre 1808 von Wilhelm I. Fürst von Auersperg erworben wurden, der an ihrer Stelle ein großes Gebäude errichten ließ, das auch gewerblich und öffentlich nutzbar war, und dessen Fassade reich mit den Insignien der Adelsfamilie Auersperg geschmückt war. Zu den gewerblichen Mietern gehörte die Waffen- und Gewehrfabrik A.V. Lebeda. Immerhin baute die Firma kein Kriegsgerät, sondern Prunk- und Jagdwaffen im obersten Preissegment.

Anton Vinzenz Lebeda, der die Firma im Jahre 1820 gegründet hatte, belieferte sogar den kaiserlichen Hof. Kaiser Franz Josef war von den Lebeda’schen Gewehren so begeistert, dass er nach einer Vorführung 1852 gleich 21 Schießeisen verschiedenen Typs bei ihm kaufte. Lebeda achtete auch auf Ästhetik. Bedeutende Künstler der Zeit, etwa Josef Mánes, gestalteten die Gewehrschafte und -kolben. Antiquitätenhändler können heute riesige Geldsummen für ein altes Lebedagewehr verlangen. Lebeda selbst war übrigens mit der Neuadelsfamilie von Starck verwandt, deren Wappen er führte. Das kann man heute noch oben an der Ecke des Hauses unter dem Dach bewundern.

Später (Lebedas Firma, die nach seinem Tod von den anscheinend weniger geschäftsbegabten Erben betrieben wurde, schloss 1888 ihre Pforten) zog in das Haus noch das Institut für Chemie der Tschechischen Universität und das Labor für Pharmazeutische Chemie ein. Dann kam in den Jahren der Abriss und Neubau 1905 bis 1906. Das neue Gebäude nahm die Traditionen des neobarocken Vorgängerbaus auf und kombinierte sie vorsichtig mit dem damals ganz neuen und modernen Jugendstil.

Als Architekt zeichnete sich der Bauunternehmer František Buldra aus, dem wir unter anderem auch das Gebäudes des berühmten Café Louvre (wir berichteten hier) verdanken. Es gibt wohl Anhaltspunkte dafür, dass auch der renommierte Jugendstilarchitekt Osvald Polívka (über den wir u.a. hier, hier und hier berichteten) an den Plänen mitwirkte. Dafür spräche, dass in seinen früheren Werken Polívka gerne Barock und Jugendstil kombinierte (ein Beispiel zeigten wir bereits hier). Man sieht es unter anderen hier an dem wunderschönen Eingangsportal an der Myslíkova (Bild rechts).

In dem neuen Wohn- und Mietshaus gab es im Erdgeschoss einige Geschäfte, darunter das des Goldschmieds Václav Havrda. Am 12. Juni 1930 drang hier ein unbekannter Mann mit einer Pistole in der Hand ein. Im Laden war nur der Sohn des Inhabers, Rudolf Havrda, der sich zu wehren versuchte. Der Täter erschoss ihn kaltblütig und floh. Havrda starb noch bevor der Arzt kam, den vorbeikommende Passanten herbeiriefen. Der Fall erregte Aufsehen in den Medien ob seiner Brutalität. Mit Regierungsrat Josef Vaňásek nahm sich allerdings einer der berühmtesten tschechoslowakischen Kriminalpolizisten und Detektive seiner Zeit des Falles an. Er hatte zuvor die erste Drogenabteilung der tschechoslowakischen Polizei aufgebaut – eine Pionierleistung (auch wenn man der Drogenprohibiton skeptisch gegenüber steht). Er stand für die Einführung moderner wissenschaftlicher Methoden in die Kriminalistik.

Vaňásek, bekannt für sein methodisches Vorgehen, fand schnell heraus, dass sich der Verwalter des Hauses mit einem gewissen Anton Volovik zusammengetan hatte, der den Überfall ausführte. Beise Missetäter wurden der ihrer Strafe überantwortet. Das war einer der Fälle, die das Haus, aber vor allem auch Vaňásek berühmt machten. Vaňásek bekam 1968 in der populären (auf den Krimigeschichten von Jiří Marek basierenden) Fernsehserie Hrísní lidé mesta prazského (in Englisch: Sinful People of Prague; im Fernsehen der „DDR“ verkürzt: „Alte Kriminalfälle“) ein Denkmal für alle Zeiten gesetzt, denn die Hauptfigur, der Kriminalrat Karel Vacátko, wurde wohl ihm nachempfunden.

Heute ist hier alles friedlich. Unten residiert unter anderem ein Friseursalon und ein Pfandleiher. Es ist weder von Gewehren, noch von Mord die Rede. Die meisten Passanten werden wohl am ehesten von den niedlichen Fischen aus Stuck beindruckt sein. (DD).

Architektenpantheon

Hier feiert die Architektur sich selbst! Man könnte Stunden vor dem Gebäude verbringen, um die Geschichte der Baukunst in Böhmen zu studieren.

Wir stehen vor dem Bondy Haus (Bondyho dům)  Na poříčí  1059/43, Ecke Těšnov, in der Neustadt. Und hier findet man fast alle der großen Baumeister, die in Böhmen bis zur Zeit des Barock gewirkt haben. Allerdings nur in Stuck. Das vierstöckige Wohnhaus selbst wurde in den Jahren 1891/92 an Stelle eines früheren einstöckigen Gebäudes innerhalb eines Jahres gebaut, was im Kontext der Zeit eine erstaunliche Leistung war. Entworfen und gebaut wurde es von dem Architekten und Bauherrn František Kindl. Daher wird das Haus manchmal auch Kindlův dům genannt.

Eigentlicher Namensgeber und Bauherr des Bondyho dům war Gottlieb Lazar Bondy (für Tschechen auch: Bohumil Bondy). Der war ein jüdischer Geschäftsmann, der sich vor allem durch sein soziales und politisches Engagement einen guten Namen verschafft hatte. Er wirkte unter anderem in der Tschechisch-Jüdischen Bewegung (českožidovského hnutí) mit, die die liberalen Bestrebungen tschechischer Nationalreformer im Habsburgerreich untersützte. Ab 1883 war er sogar direkt gewähltes Mitglied im Böhmischen Landtag. Nebenbei bereicherte er noch die Geschichtsforschung mit seinem bahnbrechenden Quellenwerk K historii Židů v Čechách, na Moravě a ve Slezsku, 906-1620 (Zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien), das 1906 erschien.

An sich handelt es sich bei seinem Haus bautechnisch um eine damals nicht unübliche moderne Konstruktion aus Stahl, aber mit einer historisierenden Fassade, die das ein wenig verschleiert. Aber die skulpturale Ausstattung ist dennoch bemerkenswert. Bondy hatte dafür den berühmten Bildhauer Bohuslav Schnirch (wir berichteten über ihn u.a. hier, hier hier und hier) gewonnen. Der war ein Spezialist für Neorenaissance, weshalb man viele der üblichen klassisch-antik anmutenden Motive wiederfindet (Bild oberhalb links).

Um die Besonderheit der skulpturalen Ausstattung zu erkennen, die das Gebäude von der üblichen historistischen Mietshaus-Architektur des späten 19. Jahrhunderts abhebt, muss man den Blick nach oben schweifen lassen. Es beginnt bei dem charakteristischen Eckturm, der von drei Statuen gerahmt ist. Es handelt sich um Allegorien, die sich bereits um die Architektur drehen: Architektur, Baumeisterei und Ingenieurskunst.

Darunter, d.h. zwischen den Fenstern des obersten Stockwerks, befindet sich ein wahres Pantheon der böhmischen Architektur. Jeweils von einer Muschel gerahmt, befinden sich hier Büsten großer böhmischer Architekten bzw. von Architekten, die in Prag wirkten. Geordnet sind sie in chronologischer Reihe mit ihren Lebensdaten vom Mittelalter bis zum Barock im 18. Jahrhundert.

Die große Blüte der Gotik im Mittelalter ist präsentiert durch Abt Božetěch (Baumeister der romanischen Teile der Prager Burg), Matthias von Arras, Peter Parler (der Erbauer des Veitsdoms), Johann Parler (Bild links) , Peter von Prachatitz, Matěj Rejsek (siehe auch hier), Benedikt Ried.

Aus der Zeit der böhmischen Renaissance finden wir hier Meister Staněk (Bild rechts), der Erbauer der Dekanatskirche im nahen Tábor, und den im Tessin geborenen Architekten Paolo della Stella. Letzterer erlangte durch die Gestaltung der Königsgärten bei der Burg und das architektonisch originelle Jagdschloss Stern unsterbliche Berühmtheit in Prag.

Und dann sind da noch Baumeister der Barockzeit. Carlo Lurago, Giovanni de Capauli, Christoph Dientzenhofer, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Marco Antonio Canevale und Kilian Ignaz Dientzenhofer (Bild links), der u.a. in Prag die Johann-Nepomuk-Kirche auf dem Felsen (wir berichteten hier) erbaut hat. Insbesondere wegen der Tschechisierung der Orthographie bei den deutschen Namen (etwa Fišer statt Fischer bei Fischer von Erlach) muss man manchmal raten, wer hier wer ist. Aber das macht das Gebäude noch mehr zu dem Kultur- und Bildungsspaß, das es so schon ist. (DD)

Havel im Stil von Havel

Heute vor 10 Jahren starb Václav Havel. Der Schriftsteller, Dramaturg, Bürgerrechtler, Dissident und der erste frei gewählte Präsident nach dem Ende der kommunistischen Tyrannei nimmt immer noch einen besonderen Platz im Herzen der Tschechen ein.

Unzählige kleine und große Gedenkorte erinnern an ihn und es gibt sogar spezielle Touren für Touristen. Ein solcher Ort ist sein Geburtshaus, ein fünfstöckiges Jugendstilwohnhaus direkt am Rašín-Ufer (genauer: Rašínovo nábřeží 2000/78) in der Neustadt – mit Blick auf Moldau und Burg, wie es dem Spross einer bekannten großbürgerlichen Familie entsprach.

Hier lebte er von seiner Geburt im Jahre 1936 bis zum Jahr 1971 als er in den Stadtteil Dejvice auf der anderen Seite des Flusses zog. Zwischen 1986 und 1993 lebte er dann zusammen mit seiner ersten Frau Olga wieder im diesem Hause – ständig observiert von der Staatssicherheit, die sich im nebenan gelegenen barocken Šítkov Wasserturm (Šítkovská vodárenská věž) eingenistet hatte (unser Bericht hier). Die Agenten beobachteten 24 Stunden um die Uhr, wer denn so alles im Hause Havels einkehrte, der als Begründer der gegen das kommunistische Regime gerichteten Bewegung Charta 77 zu den bekanntesten Dissidenten im Lande gehörte. Erst 1993 zog er in den Präsidententrakt der Burg ein. Das hätte er womöglich schon 1989 tun können, aber er war halt kein Mann der Paläste und Staatskarossen (darüber berichteten wir hier).

Die kleine Gedenkktafel, die man am 18. Dezember 2019 in Gegenwart von Havels Bruder Ivan, anderen Verwandten und Prager politischer Prominenz einegweiht wurde, kann man glatt übersehen. Sie entspricht aber der bescheidenen und unprätenziösen Art Havels, der den heroischen Pomp anderer Gedenktafeln kaum zu schätzen wußte. Eigentlich ist neben dem Eingang des Gebäudes nur eine kleine Akrylplatte zu sehen, in die ein Papier eingegossen ist mit dem Text: „zde jsem taky žil“ – auf Deutsch: Hier habe ich auch gelebt!

Gestaltet hat das Ganze der Architekt und Designer Petr Hájek. Der Schriftzug ist in dem Schrifttyp von Havels Schreibmachine nachempfunden, mit der er seine ersten Stücke, etwa Das Gartenfest (Zahradni slavnost, 1963), geschrieben hatte. Überhaupt soll hier wohl mehr an den Schriftsteller erinnert werden, der über dem Dissidenten und Politiker oft vergessen wird. Wer meint, dass diese Tafel doch ein wenig absurd wirke mit ihrem seltsamen Text, hat recht. Havel, das sollten wir nicht vergessen, war vor allem ein Meister des absurden Theaters, das ihm am besten geeignet schien, die Absurdität des kommunistischen Regimes bloßzustellen. Man gedenkt hier also Havel im Stile von Havel. Havel hätte es gefallen. (DD)

Frühstück mit Mitterand

Es war ein weiterer Nagel im Sarg des kommunistischen Regimes: Das berühmte Frühstück mit Präsident François Mitterrand in der französischen Botschaft in Prag. Mit einer Denkmalsbüste haben es ihm die Prager gedankt. Die findet man fast überraschend am Eingang zu den idyllischen Palastgärten unterhalb der Burg an der Valdštejnská 158/14 auf der Kleinseite

Es erinnert an den denkwürdigen 9. Dezember 1988 (also heute vor 33 Jahren!). Am Vortag war mit Mitterand zum ersten Mal seit der Gründung der Tschechoslowakei 1918 ein französisches Staatsoberhaupt zum Staatsbesuch nach Prag gekommen. Treffen mit Präsident Gustáv Husák und allen wichtigen Granden des Landes waren angesagt. Und dann kam es: Am Morgen des 9. Dezember hatte Mitterand zu einem opulenten Arbeitsfrühstück in die französische Botschaft eingeladen – allerdings nicht die Repräsentanten der kommunistischen Obrigkeit, sondern eine Gruppe von acht Dissidenten aus dem Umfeld der Bürgerrechtsorganisation Charta 77 unter der Führung des Dramatikers Václav Havel. Einer der Teilnehmer, Karel Srp, Chef der 1984 verboteten und seither im Untergrund operierenden Jazz Sektion (die Kommunisten hielten Jazz für westlich-bourgeois-dekadent) sollte später resümieren: „Für mich war das besonders überraschend, weil ich ein halbes Jahr vorher noch Gefangener im Pilsener Gefängnis Bory war. Und plötzlich werde ich vom französischen Staatspräsidenten empfangen. Das war irgendwie ein irreales Erlebnis.“

Aber nicht nur irreal, sondern auch potentiell gefährlich. Denn jedem teilnehmer drohten schwee Repressalien durch das Regime. Das hatte sich mit der Unterzeichnung der Helsinki Schlussakte im Jahr 1975 zwar international rechtlich zur Einhaltung von Menschenrechten verpflichtet, meinte aber, dass der Westen schon nicht zu arg darauf drängen werde. Mitterand hingegen sandte mit dem Frühstück, das von langer Hand geplant war, ein für die Kommunisten schmerzhaftes Signal aus. Diese Art von Staatbesuchen, die nicht nur der kommunistischen Führung galten, sondern stets auch mehr oder minder geheime Treffen mit demokratisch und freiheitlich gesonnenen Dissidenten beinhalteten, nannte man „Doppeldiplomatie“. Begonnen hatte damit der niederländische Außenminister Max van der Stoel (wir berichteten), der sich 1977 mit dem Vizevorsitzenden der neu gegründeten Charta 77, dem Philosophen Jan Patočka, hatte. Und das hatten viele der Teilnehmer des Frühstück mit Mitterand noch in trauriger Erinnerung. Präsident Husák lud nicht nur umgehend van der Stoel von einem vorgesehenen Treffen aus, sondern er ließ den herzkranken Patočka ins Gefängnis stecken, wo er so brutal gefoltert wurde, dass er kurz darauf starb. Eine Welle von Repression gegen Dissidenten folgte. Das nutzte zwar auch langfristig der Charta 77, weil der wahre Charakter des Regimes nun einer großen Weltöffentlichkeit vor Augen gehalten wurde, aber der Preis dafür war hoch.

Nur: Diesmal passierte nichts. Oder noch weniger als nichts. Mitterand konnte es sich leisten, das Gespräch so in die Länge zu ziehen, dass er deutlich zu spät zu dem danach vorgesehenen Empfang bei Präsident Husák kam. Mehr noch: Am nächsten Tag, dem 10. Dezember, stand ausgerechnet Tag der Menschenrechte (dem Jahrestag der 1948 von den UN verabschiedeten Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte) auf dem Kalenderblatt. Und Charta 77 und andere oppositionelle Gruppen hatten – noch während Mitterand in Prag weilte – zu großen Demonstrationen eingeladen, an denen tatsächlich Tausende Menschen teilnahmen. Es war ein mediales Debakel für das Regime. Wie knnte es dazu kommen? Nun, Mitterand war Staatspräsident eines mächtigen Landes, und man konnte mit ihm nicht umspringen wie man es sich anscheinend gerade noch mit einem Außenminister eines kleinen Landes, vie van der Stoel, erlauben konnte. Aber es gab eine tiefere Ursache. Mit der Unterzeichnung der Helsinki Akte hatten sich die kommunistischen Herrscher erhofft, für rein nominelle Zugeständnisse bei den Menschenrechte westliche Wirtschaftsunterstützung zu bekommen, um ihre marode Planwirtschaft aufrechtzuerhalten. Aber 1988 merkte man, dass die durch kein Geld der Welt gerettet werden konnte. Und die Unterstützung der des sozialistischen Mutterlandes, der Sowjetunion, für verschärfte Repression, war auch nicht mehr das, was sie früher einmal war. Dort regierte Michail Gorbatschow, der auf vorsichtige Liberalisierung abzielende Reformen lancierte, so dass Hardliner wie Husák auch in der kommunistischen Welt immer mehr in die Defensive gerieten. Kurz: Der 1989 erfolgende Zusammenbruch des Kommunismus zeichnete sich ab, und fast wehrlos ertrugen die Prager Kommunisten, wie Mitterand einen weiteren Nagel in den Sarg trieb.

Schon im nächsten Jahr sollten die Dissidenten, die sich angst-, aber hoffnungsvoll mit Mitterand trafen, Vertreter eines erneuerten demokratischen Landes werden. Václav Havel war Präsident. Ein anderer Teilnehmer, Jiří Dienstbier, war Außenminister. Und einige jahre später war zum Beispiel Petr Uhl Menschenrechtsbeauftragter der Regierung des Landes. Er sollte später über das Frühstück mit Mitterand später sagen: „Für uns war das eine großartige Unterstützung, denn er war das erste Staatsoberhaupt, das sich mit uns getroffen hat.“ Für alle damaligen Dissidenten und aller Freiheitsliebenden in Tschechien überhaupt, hat der 9. Dezember einen hohen historischen Symbolwert. Seit langem gibt es an jedem 9. Dezember ein tschechisch-französisches Frühstück, bei dem sich nunmehr Repräsentanten zweier Demokratien treffen. Aber natürlich bedurfte es einer permanenteren und öffentlicheren Form des Andenkens. Ein Denkmal musste her. Und das initiierte nun Karel Srp, dessen immer noch aktive Jazz Sektion rund 300.000 Kronen sammelte.

Als Künstler wählten man den Maler und Bildhauer Jan Zelenka, der eine Bronzebüste mit dem lebensnahen Portrait Mitterands auf einem Steinsockel schuf. Die Büste wurde am 13. Juli 2015 in Gegenwart des tschechischen Präsidenten Miloš Zeman enthüllt, der in seiner Rede die „Tapferkeit von François Mitterrand“ lobte ihn dafür, dass er Gustáv Husák für dieses Frühstück oben auf der Burg habe warten lassen – womit der die Ironie der Geschichte und auch die Demütigung, die die Kommunisten dabei gefühlt haben mussten, fein beschrieb. Der ehemalige Außenminister Tomáš Petříček fasste zum 30. Jahrestag im Jahre 2018 die Bedeutung von Mitterands Geste treffend zusammen: „Das Frühstück in der Botschaft war gewiss auch einer der Schritte, die uns bis hin zur Samtenen Revolution geführt haben.“ (DD)

Vor 100 Jahren geboren: Alexander Dubček

Er war die große Leitfigur des Prager Frühlings von 1968. Vor genau 100 Jahren, am 27. November 1921, wurde Alexander Dubček in der slowakischen Stadt Uhrovec geboren. Der Sohn eines Tischlers hatte sich schon in den späten 1930er Jahren den Kommunisten angeschlossen. Aber schon bald nach der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei 1948 wurde klar, dass seine Auffassung von sozialistischer Entwicklung sich von denen seiner zu dieser Zeit strikt stalinistischen Parteigenossen deutlich unterschied.

Obwohl schon Parteisekretär in Bratislava, äußerte er offen Kritik an der Verfassungsrefom von 1958, die das Monopol der Kommunistischen Partei verankerte. Immer wieder setzte er sich für Opfer interner Säuberungen der Kommunistischen Partei ein und erreichte deren Rehabilitierung – ironischerweise galt das auch ausgerechnet für Gustáv Husák, der 1954 in einem Schauprozess als „bourgeoiser Nationalist“ zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, und der dann nach der Niederschlagung des Prager Frühlings Dubček absetzen und dessen Reformen rückgängig machen sollte.

Und in den frühen 1960er Jahren erreichte Dubček im slowakischen Landesteil tatsächlich einige Lockerungen in Sachen Meinungsfreiheit. Seine große Stunde kam, als er im Januar 1968 den Hardliner Antonín Novotný als Ersten Sekretär der KP ablöste und nun ein nationales Reformprogramm initiieren konnte. Die Abschaffung der Zensur, eine vorsichtige Dezentralisierung des Staates und sehr behutsame Anpassungen des Wirtschaftssystems an marktwirtschaftliche Prinzipien standen auf der Tagesordnung.

Im August war alles vorbei. Die Sowjetunion wollte derartige „liberale“ Alleingänge nicht tolerieren und 500.000 Soldaten des Warschauer Pakts marschierten ins Land ein. Dubček wurde schrittweise entmachtet und durch Husák ersetzt, der das Land einer „Normalisierung“ unterzog, wie die Machthaber damals die Rückkehr zur harten Diktatur euphemistisch nannten. Dubček wurde 1970 aus der KP ausgeschlossen und musste sich als Beschaffungsinspektor der Forstverwaltung von Bratislava verdingen.

Im November 1989 gehörte er mit Václav Havel zu den Anführern der großen Demonstrationen in Prag, die die Samtene Revolution einleiteten. Noch im Dezember des Jahres wurde er Präsident des Parlaments und konnte wesentliche Beiträge leisten, den Kommunismus zu beenden und eine neue Ära der Demokratie einzuleiten. Er hatte gerade den Vorsitz der slowakischen Sektion der neu gegründeten Sozialdemokratischen Partei übernommen, als er am 7. November 1992 bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn nahe der Stadt Humpolec ums Leben kam.

Im November 2009 wurde am heutigen Gebäude des Neuen Nationalmuseums in der Wilsonova 52/2 (Prag 1), das ab 1972 unter den Kommunisten als tschechoslowakisches Parlament (siehe unseren früheren Beitrag hier) fungierte, eine Gedenktafel mit einer Büste Dubčeks eingeweiht. Sie ist ein Werk des Bildhauers Teodor Baník. Das Gebäude diente noch nach dem Sturz des Kommunismus bis zur Auflösung der Tschechoslowakei als Parlament und es war Dubčeks letzte politische Wirkungsstätte als Parlamentspräsident.

Dubček zu ehren, war ein Anliegen, das tschechische und slowakische Repräsentanten gleichermaßen bewegte, und so nahmen bei der Einweihung des Denkmals der Präsident des Slowakischen Nationalrats Pavol Paška, der slowakische Kulturminister Marek Maďarič, die Präsidenten der Abgeordnetenkammer und des Senats des Parlaments der Tschechischen Republik Miloslav Vlček und Přemysl Sobotka teil. Die Inschrift auf dem Marmortafel ist sowohl in Tschechisch als auch Slowakisch gehalten und lautet übersetzt: „In diesem Gebäude arbeitete 1989-1992 als Präsident der Bundesversammlung der ČSFR Alexander Dubček.“ (DD)

Kleiner Flugplatz, große Geschichte

Als 1939 die Tschechoslowakei von den Nazis besetzt und zum „Protektorat“ umgewandelt wurde, war das allgemeine Verbot von Sport- und Hobbyfliegerei eine der vielen Schikanen für die Bürger des Landes. 1946, als der Spuk vorüber war, konnte man wieder losfliegen, was das Zeug hielt. Und so gründete man im südlichen Ortsteil Točná (Prag 12) noch in diesem Jahr einen Segelflugklub, der Teil des Tschechischen Nationalen Aeroclubs (Český Národní Aeroklub) wurde. Und man begann mit dem Bau eines kleinen Flugplatzes.

Schon in den 1930er Jahren hatte man die hügelige Umgebung wegen ihrer günstigen Aufwinde gerne für Segelfliegerei genutzt, aber jetzt ging man systematisch zu Werke. Und bereits 1947 kaufte man für das Flugfeld drei Motorflugzeuge, einen sowjetischen Doppeldecker vom Typ Polikarpov Po-2 und einen tschechischen vom Typ Aero C-104. Der Clou war ein Eindecker der amerikanischen Marke Piper J-3 Cub, den man aus ausgemusterten Beständen der US-Army erwarb. Und Anfang der 1950er Jahre gab es schon rund 20 Segelflugzeuge hier. Segelflugzeuge dominierten das Feld in Točná, denn zu diesem Zeitpunkt existierte noch ein Flugplatz im gegenüber an der Moldau liegenden Zbraslav, der häufiger für Motorflugzeuge genutzt wurde. Aber nicht nur dessen Auflösung im Jahr 1955 sorgte für einen weiteren Aufschwung in Točná.

Der Grund war eigentlich unerfreulich. Das unabhängige und freie Fliegerklubleben war den Kommunisten, die 1948 die Macht im Lande übernommen hatten, nicht geheuer. 1951 wurde die vom Regime gesteuerte Freiwillige Volksvereinigung für Aviatik (DOSLET) gegründet, die schon die 1953 der Union für die Zusammenarbeit mit der Armee (Svazarm) unterstellt wurde. Die war eine paramilitärische Organisation, die vor allem flugbegeisterte Jugendliche für den Dienst in Armee und Luftwaffe im Dienste des Weltkommunismus vorbereiten sollte. Das Vorbild dafür war die 1951 in der UdSSR gegründete Organisation DOSAAF.

Gottlob musste niemand, der hier unter quasi-militärischen Vorzeichen das Fliegen lernte, in irgendeinen Krieg. Im Kern war das wohl weiterhin so etwas wie Sportfliegerei, die hier betrieben wurde. Aber der Anschein, hier werde unermüdlich der proletarischen Revolution gedient, erhöhte die staatliche Unterstützung für den Flughafen. Eine 800 Meter lange und 100 Meter breite Landebahn wurde gebaut. Die Motorflugaktivitäten nahmen heftig zu und in den 1970er Jahren konnte man hier sogar Nachtlandungen und das Fliegen mit einem Hubschrauber lernen.

Das ging so bis zum Ende des Kommunismus 1989. Der Aeroclub Svazarmu Točná wurde aufgelöst und der ein freier Initiative entstandene neue Aeroclub Točná, wo man ohne kommunistische Indoktrination aus Spaß fliegen konnte, und nicht ständig den westlichen Klassenfeind in Visier nehmen musste. Der Aeroclub erwarb denn auch den Flugplatz als er 2008 privatisiert wurde. Es herrscht nicht nur ein reger Sportflugbetrieb…

Denn es gibt zum Beispiel auch Flugshows bei denen zuvörderst gerne eine alte Spitfire vorgeführt wird. Denn man ist hier auch sehr bewusst in Sachen Geschichte. Im Mai 1945 fanden in der unmittelbaren Umgebung besonders heftige Kämpfe während des Prager Aufstands gegen die Deutschen statt. Spaziergänger können einen Freiheitsweg 1938-1945 (Stezka svobody 1938-1945) erwandern, der auf Infotafeln die Geschichte schildert. Auch vor dem Flughafen befindet sich solch eine Tafel. Sie erzählt von der erstaunlichen Zahl derer, die noch vor dem Bau des Platzes hier vor Ort Segelflieger waren, dann beruflich Fliegen lernten und sich 1939 nach Großbritannien absetzten, um bei der Luftschlacht um England auf Seiten der Briten für die Freiheit zu kämpfen.

Einer von ihnen war Jan Šerhant. Der war 1939 Werkspilot der Schuhfirma Baťa und gerade mit der werkseigenen Lockheed Electra im noch freien Polen als die Deutschen in der Heimat einmarschierten. Er flog mit dem Flugzeug gleich weiter nachEngland und dient bis Kriegsende hochdekoriert bei der RAF. Die Electra, mit der er floh, steht seit 2015 restauriert auf dem Gelände des Flughafens Točná. Womit wir schon beim nächsten Thema sind: Dem Luftfahrtmuseum (Letecké Muzeum). Nur wenige Flughäfen dieser Größe haben so etwas. Immerhin kann man neben der Electra rund 10 alte Flugzeuge sehen, deren Ursprünge zum Teil bis zum Anfang der Ersten Rublik zurückreichen. Die größten Flugzeuge, zwei sowjetische Antonov An-2 (gebaut ab 1947), sieht man auf dem großen Bild oben. Ein Kinderspielplatz auf dem Museumsgelände rundet die Sache ab und macht den Flugplatz zum idealen Ort für Familienausflüge. (DD)