Die Abenteuer eines Brunnens

Mitten in der Altstadt steht dieser schöne klassizistische Brunnen. Bis er da stand, hatte er viele Reisen und Abenteuer erlebt. Wir verdanken ihn dem Kaufmann Jakob Wimmer, der während der Zeit der Napoleonischen Kriege als Armeelieferant zu Reichtum und später sogar zu dem Titel Jakob Freiherr von Wimmer kam, und der als Mäzen gerne Geld für die Verschönerung Prags spendete. Deshalb ist der Brunnen auch als Wimmer-Brunnen bekannt.

Dessen Reise begann 1797 an seinem ursprünglichen Lageort, der Nationallee (Národní Třída) von dem er nur wenige Jahre später auf den nahegelegenen Jungmann-Platz (Jungmannovo náměstí) verlegt wurde. Einige Jahre später ging es zun Bethlehemplatz (Betlémské náměstí), wo er sich immerhin bis 1882 aufhalten durfte. Dann ging die Reise weiter zum Vrchlický Garten (Vrchlickeho sady), wo er direkt vor dem neu errichteten Hauptbahnhof stehen und sprudeln durfte. Das währte bis 1951, als die Reise mitten in die Altstadt zum Kohlenmarkt (Uhelný trh) ging, wo er immer noch steht. Der war früher nicht der schöne Platz, der er heute ist, sondern – wie der Name sagt – der Kohlenmarkt in dessen Mitte ein schäbiges großes Kohlelager stand. Das war weder schön noch zeitgemäß und zur Neugestaltung war der Brunnen genau das Richtige. Der Platz wurde der schönen Altstadtumgebung angepasst, eine große moderne öffentliche Toilettenanlage diskret darunter angelegt und in seine Mitte der Wimmer-Brunnen gestellt, der sich hier nun so richtig nett macht.

Und nun zum Brunnen selbst: Der ist das Werk des klassizistischen Bildhauers Franz Xaver Lederer. Nur eine Minderheit der Kunstkenner hält die Skulptur, die in der Mitte des rund drei mal drei Meter messenden Brunnenbeckens herausragt, für eine Darstellung von Adam und Eva. Plausibler und Mehrheitsmeinung unter Kunstkennern ist, dass die beiden Figuren – ein junger Mann, ein junges Mädchen – zu einer Allegorie des Weinbaus gehören. Beide schmiegen sich an einen Sockel in Baumgestalt, der üppig von Weinreben (und Rosen) umwunden ist. Er reicht ihr Trauben (und nicht sie ihm einen Apfel!). Darüber thront ein Schwan, der Wasser nach oben speit, das dann den Stamm herunterrinnt. Was man heute sieht, ist übrigens eine Kopie, denn das Original fiel der Erosion anheim und wird nun sicher im Lapidarium des Nationalmuseums im Stadtteil Holešovice aufbewahrt.

Die Abenteuer des Brunnens waren übrigens mit seiner Versetzung auf den Kohlemarkt nicht zu Ende. 1974 beschädigten betrunkene Schüler eines Prager Gymnasiums Budweis die Skulpturen so, dass große Reparaturen und am Ende die Verschickung des Originals ins Lapidarium nötig wurden. 1989 bis 1998 wurden die unterirdische Toilette und anderer Kellerstrukturen neugebaut und der Brunnen verschwand für diese Zeit sorgfältig zerlegt im Lager. Ruhe kehrte danach nicht ein, denn 2011 randalierte ausgerechnet der 20jährige Sohn von Bürgermeister Pavel Bém, der sich dabei allerdings schwer verletzte, so sehr in und auf dem Brunnen, dass wieder Riesenschäden entstanden und die weibliche Statue gar geköpft wurde. Auch das wurde wieder repariert, aber man hofft doch, dass der Brunnen ab nun doch endgültig den Frieden findet, den er als Kunstwerk verdient. (DD)

2 Gedanken zu “Die Abenteuer eines Brunnens

  1. Ich wollte nur schnell sagen, dass die randalierenden Gymnasiasten gemäss Wikipedia nicht aus Budweis kommen, sondern vom Gymnasium Budějovická, was in Prag selber steht. Aber das mit dem Bürgermeistersohn tönt schon tragisch, der soll nämlich bei seiner Vandalismusaktion sogar eine Hand verloren haben, weil ein Teil der Statue auf ihn gefallen ist :/

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