Martinsgans und Martinswein

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Das Sankt Martins-Fest ist eigentlich ein Brauchtum, das aus dem Traditionsfundus des altfränkischen Kulturkreis stammt. Dort, in den Grenzgebieten des heutigen Rheinlands, Frankreichs und Belgiens wirkte der gute Martin zunächst als Soldat, der einem Bettler einen halben Mantel schenkte. Später wurde er der Bischof von Tours, obwohl er sich aus Bescheidenheit vor der Wahl zu diesem Amt in einem Stall versteckt hatte. Die Gänse, die ihn dann aber verrieten, ließ er abends als Festmahl servieren – der Beginn des schönen Brauchtums der IMG_5523Martinsgans. Aber wieso feiert man hier in an der Moldau zwar anders, aber dennoch wild-begeistert den Rheinländer Sankt Martin?

Das verdankt man möglicherweise nicht dem Heiligen selbst, sondern Kaiser Joseph II., der um 1780 einen Erlass mit Nebenwirkung erließ. Am 11.11., dem Martinstag (für Kölsche auch Karnevalsbeginn!), sollten die Weinbergbesitzer die neue Weinernte kosten, um dann den Vertrag mit ihren (Pacht-) Winzern zu verlängern oder nicht zu verlängern. So wurde es festgelegt  – auch weil es naheliegend war, da in vielen Regionen des Reiches um diese Zeit der erste Wein verkostet wurde. Deshalb ist für die Tschechen dieser Tag zunächst einmal der Tag des jungen Weines. In Prag gibt es folglich keine großen Martinsumzüge mit Fackeln (die gibt es nur in einigen Ortschaften im katholischeren Mähren), sondern Weinfeste. Zu denen hat sich, weil kulinarisch passend, der Brauch des Martinsgansessens hinzugeschlichen, dem die Tschechen nunmehr begeistert frönen.

Das, was man auch in Deutschland manchmal Martinswein oder in Frankreich Beaujolais nennt, heißt hier Svatomartinské. Ob sich ein neuer Wein auch so nennen darf, ist seit 2005 in Tschechien genau geregelt. Die Jury des tschechischen Weinfonds (Vinařský fond), der seit diesem Jahr die Rechte für den Begriff Svatomartinské besitzt, IMG_5517entscheidet darüber nach einem komplizierten Kriterienkatalog, den aber über 300 tschechische Weinsorten bestehen. Die Flaschen der Weine, die den Test bestehen, dürfen auf dem Label das Symbol des Martins auf dem Pferd tragen (siehe großes Bild oben).

Die Auswahl ist also reich. Ergo lohnt es sich, am 11.11. die Weinfeste der Stadt (oder auch in den Weinregionen in Mähren) zu besuchen. In Prag galt lange Zeit der schöne Markt am Náměstí Jiřího z Poděbrad (Georg-von-Podiebrad-Platz) in Vinohrady (früherer Bericht hier) als das Martins-Weinfest schlechthin. Inzwischen hat das ungleich größere und opulentere Fest am Moldauufer (Náplavka, nahe der Smíchover Eisenbahnbrücke), das IMG_5515Svatomartinské Slavnosti, ihm ein wenig den Rang abgelaufen.

Hier bekommt man nicht nur einen überragenden Überblick über die Schaffenskraft der Winzer in ganz Böhmen und Mähren geboten, es gibt auch unzählige herrliche „Fressstände“ (auffallend oft, aber nicht nur mit Gänsespezialitäten). Dazu kommt noch ein abwechslungsreiches Musikprogramm (Bild links). Nimmt man dann noch die Aussicht auf die gegenüberliegende Burg und die Kleinseite hinzu, die sich besondern nachts gut macht, wenn alles beleuchtet ist, dann ist das Glück auf Erden nahe.

Sollte dann noch Platz im Magen sein, sollte man sich ein schönes Restaurant suchen, das eine gut zubereitete Martinsgans bietet. Dafür haben wir einen Tipp: Das U Kroka (Bei Krok) in der Vratislavova 20/28 in Prag 2. Seit 1895 gibt es hier schon das Restaurant, das IMG_5532nach Krok, einer der großen Sagengestalten Böhmens benannt ist. Die Namenswahl passt, denn wir befinden uns hier direkt am Fuße des Vyšehrad, dem legendären alten Burgberg, wo er residiert haben soll. Krok war – neben seiner Funktion als besonders weiser frühmittelalterlicher Richter – unter anderem der Vater von Libuše, der eigentlichen Begründerin der böhmischen Herrscherdynastie der Přemysliden, über die wir schon hier, hier, hier, hier und hier berichteten. Sie war es, die dereinst prophezeite, das Prag das werden werde, was es auch tatsächlich wurde, nämlich eine großartige Stadt.

Der Betrieb des nach Krok benannten Restaurants wurde nur in den Zeiten des Kommunismus unterbrochen, wo das Gebäude als Kindergarten fungierte. 2003 IMG_5530 - Kopieeröffnete man es wieder als Restaurant und seither ist es trotz seiner etwas versteckten Lage ein beliebter Ort nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische. Am Martinstag ist es jedenfalls selbst abends das von Tschechen besuchte Familienrestaurant schlechthin. Dazu trägt schon einmal die gemütliche Atmospäre bei. Die Einrichtung ist zwar seit einer Renovierung 2011 durchaus modern, hat aber trotzdem den altböhmischen Charme eines authentischen Gasthauses beibehalten. Und dann ist da natürlich der Martinsschmaus. Die Ganszubereitungen locken vor allem Einheimische an, die das Restaurant als Gehiemtipp betrachten. Die gebratene Gänsekeule, aber auch die besonders fein zubereitete Vorspeise aus geräuchertem Gänsefleisch (unteres Bild), die wir letztes Jahr probierten waren exzellent. Das U Kroka bietet eine moderne und darum nicht ganz so schwere Variante klassischer tschechischer/böhmischer Küche. Ja, und natürlich darf der oben abgebildete Svatomartinské (hier ein Blauer Portugieser) nicht fehlen. Und die Festfolge für das nächste Jahr (die auch die des letzten Jahres war, von dem die Photos stammen) steht damit auch fest: Zuerst das Weinfest in der Náplavka, dann das U Kroka. (DD)

Wiehls architektonisches Aushängeschild

Wenn ein berühmter Architekt ein Haus für sich selbst baut, darf er sich nicht lumpen lassen. Sein Haus muss letztlich Werbeträger und Aushängeschild für das Können des Meisters sein. Deshalb hat sich Antonín Wiehl 1896 beim Bau seines Hauses am Wenzelsplatz (Václavské náměstí 792/34, Ecke Vodičkova) zuerst einmal eine zentral sichtbare Lage gesichert und dann noch Künstler ersten Ranges als Mitstreiter einbezogen.

Keine Frage: Das Wiehlův Dům (Wiehl Haus) macht was her. Antonín Wiehl gilt als einer der führenden Vertreter des Neorenaissance, die – vor allem nach dem in Sichtweite liegenden und damals trendsettenden Bau des großen Nationalmuseums in diesem Stil – im Prag des späten 19. Jahrhunderts voll im Trend lag (früherer Beitrag hier). Bei der Gestaltung seines eigenen Hauses bediente er sich allerdings nicht der Stilelemente der italienischen Renaissance, wie er das sonst häufig tat.

Um seine patriotische Gesinnung zu zeigen, schien ihm ein Stil geeigneter, der typisch tschechisch bzw. böhmisch war. Folglich wählte er eine Nachempfindung der Jagiellonen-Gotik (Jagellonská gotika), ein Stil, der in Regierungszeit von Vladislav II.  – einem Mitglied der polnisch-litauischen Dynastie der Jagiellonen – im frühen 15. Jahrhundert seine Blüte erlebte. Der König hatte in der Nationalgeschichte einen Ehrenplatz, weil er damals die Glaubensfreiheit im Lande verteidigt hatte. Außerdem ging der gotische Stil zu dieser Zeit immer mehr in den der Renaissance über.

Das kann man an dem mit klassischen Bauelementen versehenen Erker zum Beispiel gut sehen. Überhaupt lag es Wiehl sehr daran, dass bei der Fassadengestaltung nicht gegeizt wurde. Daher gingen gleich zwei damals sehr berühmte Künstler ans Werk. Für die skulpturalen Ornamente zeichnete sich der Architekt Josef Fanta , der u.a. den Hauptbahnhof entworfen hatte (siehe hier und hier), verantwortlich. Und für die üppigen Malereien sorgte der auf Jagiellonengotik geradezu spezialisierte Historienmaler Mikoláš Aleš (frühere Beiträge hier und hier).

Dessen zierlich gemalten Bilder sollte man sich genau anschauen – und es gibt viele davon zu sehen. Neben zahlreichen allegorischen und rein ornamentalen Darstellungen, ist es vor allem der schöne „Zyklus des Lebens“ auf Höhe des zweiten Stocks, der das Haus zu einer Besonderheit macht.

Es zeigt den Lebensweg eines mittelalterlichen Menschen von der Taufe über Kindheit und Aufstieg zum erwachsenen Kriegshelden (der vom Kaiser vor den Prager Altstadttürmen geehrt wird) bis zum hohen Alter (mit seinen Enkeln) in einzelnen Bildern, die zwischen den Fenstern rum um die zwei Fassadenwände auf der Straßenseite führen.

Ein Stockwerk höher präsentiert der Maler allegorische Figuren über denen jeweils ein hintergründiger Sinnspruch steht. So etwa bei dem oben im großen Bild dargestellten Studenten, der ein Buch in der Hand hält. Darüber stehen die Worte: „Strom, jak vzroste, tak stojí“ (dt.: Der Baum steht, wie er gewachsen ist) – eine hübsche Versinnbildlichung von Bildung als Wert. Wiehl, so sagen die Architekturhistoriker, liebte es, wenn seine Häuser „Geschichten erzählten“, die zugleich moralisch belehrend und witzig waren.

Dieses humoristisch-gelehrsame Geschichtenerzählen ist Antonín Wiehl und seinen Mitstreitern Mikoláš Aleš und Josef Fanta bei diesem Haus jedenfalls bestens gelungen.

Und wer sich die Zeit nimmt, sich die Geschichten genauer anzusehen, der hat vielleicht Lust auf mehr davon, möglicherweise in gedruckter Form. Für ihn befindet sich im Erdgeschoss auch noch ein hübscher und großer Buchladen, der zum Bücherkauf einlädt. (DD)

Runde Festung

Umringt von monströsen Plattenbauten befindet sie sich mitten in einem kleinen, fast schon verloren wirkenden Parkidyll: die Festung Chodov (Chodovská tvrz). Sie ist eine kleine historische und architektonische Attraktion ersten Ranges, die man hier in der Ledvinova 86/9 im – ansonsten eher nicht so ansehnlichen – südlichen Stadteil Chodov (Prag 11) nicht erwarten würde. Man möchte fast von einer „runden Sache“ kalauern.

Die hübsche barocke Rundfestung, die man hier heute sieht, stand hier nicht immer. Im 14. Jahrhundert wurde an der Stelle zunächst eine kleine Wasserburg mit Graben erbaut, deren kleines Tor mit seinem charakteristischen gotischen Spitzbogen heute als Nebeneingang erkennbar ist.

Der alte Burggraben ist heute zugeschüttet und auch wasserlos. Nur bei dem alten Eingang hat man eine Vertiefung mit Holzbrücke angedeutet, um einen Eindruck vom Originalbau zu vermitteln.

Die Burg gehörte ursprünglich zu einem Kloster des
Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem, das sich in der Nähe befand, wurde aber 1420 von den Hussiten erobert, die sie erst einmal der umliegenden Gemeinde übergaben. Von da ab gab es immer wieder neue Besitzer, die das Gebäude auch immer wieder umbauten – zuletzt im 17. Jahrhundert im Barockstil.

1676 wurden wieder Ordensbrüder die Besitzer, diesmal die Benediktiner. Sie gestalteten in den Jahren 1687-97 bei einer völligen Runderneuerung die runde Festung zu einem Schloss um, wozu die festen Mauern für Fenster durchbrochen wurden. Auch der neue große – sehr barocke! – Eingang war Teil dieser Umgestaltung. Obwohl man klar die ursprüngliche Festungsarchitektur erkennen kann, ist das Gebäude dadurch wesentlich wohnlicher und „zivilistischer“ geworden.

Dadurch eignete sich das Ganze zunehmend zum wohnlichen Adelssitz. Als die Benediktiner die Festung 1727 verkauften, ging sie an die Adelsfamilie Goltz, die das Anwesen 1801 an die Familie Korb von Weidenfels verkauften. Zu dieser Zeit fand man das Barockdesign nicht mehr so recht „trendy“. Folglich wurde die Fassadengestaltung etwas klassizistischer im Sinne des Biedemeier angelegt als zuvor und der dazu passende Arkadenhof im Inneren wurde hinzugefügt. Das geschah so behutsam, dass der Grundcharakter des Gebäudes erhalten blieb.

1923 ging das ganze Areal in den Besitz der Stadt über. In den Zeiten de Kommunismus setzteerwartungsgemäß der allmähliche Verfall ein. Chodov wurde unter ihnen 1968 zu Prag eingemeindet und Schloss und Gelände wurden einem staatlichen Bauernhof zugeschlagen. In den frühen 1980er Jahren befand es sich in einem so deplorablen Zustand, dass man den Abriss erwog – eine Schreckenstat, wenn man die Einigartigkeit der Baugeschichte erwägt!

Das tat man am Ende dann doch nicht. 1984-88 renovierte der Architekt Miroslav Burian das Schloss. Auch der Park wurde neu gestaltet. Seither ist die alte Festung für den Stadtteil das Kulturzentrum, wo Ausstellungsräume, ein Heimatmuseum und kleine Konzertsäle für ein umfangreiches und gutes Kulturprogramm sorgen, inklusive eines kleinen gepflegten Restaurants. Die Festung wird so zu einem Lichtblick in der ansonsten eher trüben Umgebung. (DD)

Kontrastreiches Haus

Waren sich der Hausherr und seine Frau nicht einig, wie ihr Haus denn aus sehen sollte? Wollte sie es modern und progressiv und er lieber retro haben? Oder umgekehrt? Und einigte man sich dann, um den Ehestreit nicht eskalieren zu lassen, auf diesen Kompromiss?

Nein, die auf den ersten Blick so seltsam wirkende Fassade, die inmitten kubistischer Geometrie mit verschnörkelten historistischen Malereien in böhmischen Neo-Renaissancestil aufwartet, ist das Resultat zweier separater Bauphasen, die je durch zwei verschiedene Zeitstile repräsentiert wurden.

Die Modernisierer des großen Eckhauses am Senovážné náměstí 872/25 (Neustadt) wollten bei aller Progressivität und Innovationslust dann doch nicht die historisch überaus bedeutsamen Gemälde des Vorgängerbaus zerstören, sondern beschlossen, sie am Ende durchaus geschickt in die neue Fassade zu integrieren.

Und so verlief die Geschichte: In den Jahren 1887/88 baute der Architekt Rudolf Tereba dieses Mietshaus im Neorenaissancestil für einen Cafébesitzer, der sein Cafe im Erdgeschoss eröffnete, während der der Rest des vierstöckigen Hause (plus Dachgeschoss) vermietet wurde. Das Haus entsprach voll und ganz dem damaligen Modegeschmack. Aber der Besitzer wollte doch noch etwas besonderes.

Auf Höhe des dritten Stocks ließ er deshalb Wandmalereien anfertigen, wofür er keinen Geringeren als Adolf Liebscher gewinnen konnte. Der war damals einer der großen Stars unter den böhmischen Historienmalern. Seine Werke schmückten Prestigebauten wie das Nationaltheater und das Rudolfinum. Hier verewigte er von vielen Ornamenten und Putten umringt auf je einer Hausseite die Heilige Madonna und den Heiligen Wenzel. Ein Liebscher-Gemälde hämmerte man auch später nicht einfach von der Wand, nur weil man sein Haus ein wenig modernisieren wollte.

Die Zeit der Modernisierung kam 1921 als das Café einer Bank wich. Die wurde 1921/22 von den Architekten Theodor Petřík und Václav Pilc durchgeführt. Die vertraten eine tschechische Sondervariante des Kubismus, den sogenannten Rondokubismus, der die geometrischen Formen des Kubismus zur Darstellung folkloristischer Anspielungen verwendete.

Die nunmehr vertikal-linear strukturierte Fassade mit den zahlreichen Rund- und Halbrund-Elementen (insbesondere im Dachgeschoss) umrahmen nun sehr kontrastreich die Liebscherschen Malereien. Dazu verwendeten sie einen neuartigen Kunstmarmor – auch dies eine Innovation. Dadurch, dass die neuen Fassadenelemente streng weiß gehalten sind, während die alten Malereien farbig sind, wird der Kontrast noch größer – was dafür sorgt, dass das Haus zumindest auffällt und zunächst Rätsel aufgibt. (DD)

Whiskygenuss im Turm

Es geht nichts über einen richtig guten und rauchigen Whisky. Darauf braucht man in Prag nicht zu verzichten. Und wo geht man hin, wenn einem danach gelüstet? Da braucht man nicht lange suchen.

Der ideale Platz, wo man ihn in Prag genießen kann, befindet sich auf dem ersten und zweiten Geschoss des Heinrichsturms (Jindřišská věž) in der Neustadt nahe des Wenzelsplatzes. Die Lage und das Bauwerk
(wir berichteten bereits hier) lassen somit schon vom Ambiente her dieses Etablissement unschlagbar erscheinen. Und richtig: In der Whiskeria bar muss man sich einfach wohlfühlen. Wer’s nicht tut, ist selbst schuld.

Dazu trägt bei, dass nicht nur die alten Gemäuer, die gemütliche Holzvertäfelung, die unendlichen Regale mit Flaschen und die feinste „Britishness“ ausstrahlenden Ledersessel schon die richtige Stimmung aufkommen lassen. Aber vor allem sind es natürlich die exzellenten Whiskys, die man hier geboten bekommt, die alles übertreffen.

Die dicke und in Leder gebundene Whiskykarte weist über 400 Sorten auf, darunter Sorten, von denen man vorher nicht wusste, dass es sie gibt, die man aber hinterher nie wieder missen möchte. Wer sich nicht so recht auskennt, wird von der Bedienung (meist Tschechen in Kilts) fachkundig beraten. Man ist erstaunt, wie die sich auskennen! Null Wissenslücken!

Die meisten Whiskys sind natürlich aus Schottland, darunter auch viele der von mir besonders am Herzen und am Gaumen liegenden torfigen Whiskys der Inselregion. Zu den Whiskys, die ich mir hier fast immer gönne, gehört zum Beispiel der wunderbar ultra-torfige-rauchige Isle of Jura Prophecy.

Aber es gibt natürlich auch Whiskys aus den anderen bekannten Whiskyländern wie Irland, die USA oder Kanada. Japan und Indien fehlen auch nicht. Durch die Angebotsliste lernt man erst, wo überall Whisky distilliert wird! Das eigene Land, Tschechien, darf da natürlich auch nicht fehlen. Das Land produziert mittlerweile auch etliche Whiskysorten, die nicht ganz die Qualität der besten schottischen Whiskys erreichen, aber durchaus akzeptabel sind, wie zum Beispiel der links abgebildete Trebitsch Czech Malt Whisky. Ausprobieren sollte man sie auf jeden Fall einmal!

Der Trinkgenuss erhöht sich natürlich, wenn er von Essgenuss komplementiert wird. Und so hat die Whiskeria auch eine kleine, aber sehr feine Speisekarte, von kleinen Snacks über feine Küche hin zu originellen schottischen Delikatessen wie das berühmte Chicken Breast Haggis reichen. Mit solchem Essen schmeckt der Whisky noch besser. Slàinte Mhath! (DD)

Libušes Burg

Prag und Umgebung sind ein Paradies für Archäologen. Die Siedlungsgeschichte reicht weit zurück und immer wieder finden sich kaum mehr sichtbare Spuren dieser langen Vergangenheit im Landschaftsbild. So auch bei der Burg Děvín (hrad Děvín) im Naturschutzgebiet in der Nähe des Stadtteils Hlubočepy (Prag 5).

Schon in der Steinzeit siedelten hier Menschen, was nicht überrascht, wenn man die Lage des Ortes kennt: Hoch über der Moldau an einer Talverengung und geeignet zur Überwachung der Wasserwege. An solchen Orten bauten später gerne die Kelten Festungsanlagen (Wallburgen), die dann im 6. und 7. Jahrhundert oft wieder von den einwandernden Slawen genutzt wurden. Hier auf Děvín gab es wohl keine keltische Besiedlung und die Wälle, die man heute noch erkennen kann, sind daher erst von den Slawen gebaut worden.

Legenden verbinden den Ort mit der Sage vom Mägdekrieg. Demnach wurde die Burg von der Seherin Libuše erbaut. Die war sauer, weil sie aufgrund ihrer Talente Stammesfürstin hätte werden können, aber von den chauvinistischen Männern abgelehnt wurde, weil sie ja „nur“ Frau war. Stattdessen wurde der Mann, den sie erwählte, Herrscher der Böhmen. Und der hieß Přemysl und wurde somit der Begründer des späteren böhmischen Königsgeschlechts der Přemysliden.

Der Unmut der Frauen brach sich später dann Bahn in dem Mägdekrieg, bei dem die Frauen, die nun in den alten Chroniken mit den antiken Amazonen verglichen wurden versuchten, die Macht der Männer zu brechen. Das gelang nach anfänglichen Kriegserfolgen nicht und die Eroberung der Burg Děvín, die das Hauptzentrum des Aufstands gewesen sein soll, setzte dem Aufbegehren der Frauen ein Ende.

Möglicherweise erfolgte die Zuschreibung der alten Burganlage zu der überlieferten Sage, in der eine Burg dieses Namens erwähnt wird, erst in der frühen Neuzeit. Jedenfalls zeigen die Orts- und Flurnamen der Umgebung immer noch davon. Der schönste Aussichtspunkt vom Norden der Berghöhe hinunter in Flusstal und zur Stadt heißt nach einem der (männlichen) Helden der Sage, Ctirad (siehe früheren Beitrag hier). Etwas darunter liegt auf dem Hügel daneben (kleines Bild links) die Ortschaft Dívčí hrady, zu Deutsch: Mädchenburg – ganz klar auch eine Anspielung auf die Sage.

Aber das sind alles Legenden. Historisch wichtig und greifbar wird das Areal erst mit dem Bau einer richtigen steinernen Burg im Jahre 1338 durch Stefan von Tetin (Štěpán z Tetína), der unter König Johann aus dem Hause Luxemburg zahlreiche hohe Ämter innehatte. Dessen Nachfahren gerieten irgendwann in finanzielle Schwierigkeit und verkauften die Anlage an das nahegelegene Kartäuserkloster von Smíchov. Die Kartäuser waren wiederum während der Hussitenkriege den Hussiten ein Dorn im Auge, die dann 1419 die Burg überrannten. Als Kaiser Sigismund im nächsten Jahr die Burg zurückeroberte, blieb nichts brauchbares mehr übrig.

Die Stätte war fortan unbesiedelt. Nominell gehörte sie nun zur Ortschaft Zlíchov, die direkt unter der Burg liegt. Im Jahre 1513 kam man auf die Idee, die letzten Reste der Burg als Zieltestgebiet für neu angeschaffte Kanonen und Mörser zu nutzen. Das war’s dann…

Und so kommt es, dass man heute keine sichtbaren Reste des Mauerwerks der mittelalterlichen Burg mehr sieht. Im Erdreich sieht man jedoch Spuren von Wallaufschüttungen, die meist auf die slawische „Urburg“ hinweisen, die eine größere Fläche abdeckte als die Burg des 14. Jahrhunderts. Man kann auch erkennen, wie geschickt die natürlichen Felsabhänge in die Festung einbezogen wurden. (DD)

Barock für Prosper

Ein wenig gruselig ist er schon, der in Österreich, Süddeutschland und Böhmen verbreitete Brauch, in Kirchen im prachtvollem Ornat gekleidete Skelette von Heiligen in Glassärgen auszustellen. Deshalb dieses Foto, das irgendwie gut zum heutigen Halloweentag passt! Der Verblichene, der hier mit feinem Schleier überzogen aus seiner durchsichtigen Gruft schaut, befindet sich in der Kirche der Dreifaltigkeit (Kostel Nejsvětější Trojice) in der Spálená 81/6 in der Prager Neustadt.

Es handelt sich um die Gebeine des Heiligen Prosper, von dem über seinen Märtyrertod hinaus anscheinend nicht viel bekannt ist, und dessen Kirchenkalendertag am 13. März begangen wird. In der barocken Dreifaltigkeitskirche hat er jedenfalls eine schöne und würdige Ruhestätte gefunden.

Die Kirche wurde in den Jahren von 1708 bis 1713 für den Trinitarierorden auf dem Gelände eines aufgelassenen jüdischen Friedhofs erbaut. Das Geld dafür hatte der Oberste Münzmeister des Böhmischen Königreiches, Johann Ignaz von Putz, gespendet. Der ließ sich das etwas kosten, denn die Entwürfe stammten von dem Architekten Ottavio Broggio und als Baumeister fungierten Christoph Dientzenhofer und Johann Georg Eichbauer – kurz gesagt: die damaligen Meister des böhmischen Spätbarock waren involviert!

Im Zuge der Klosterreform Kaiser Josephs II. wurde das Kloster 1783 aufgehoben und die Kirche geschlossen, um im nächsten Jahr als Gemeindekirche wiedereröffnet zu werden. In den 1980er Jahren entstanden durch den Bau der Metro (Linie B) schwere Bauschäden. Das Gebäude war einsturzgefährdet, sodass es eine eine zeitlang geschlossen wurde und man sogar über einen Abriss nachdachte. Dieser Akt der Barbarei passierte gottlob nicht. Stattdessen stellte man sie 1992 unter Schutz und begann umgehend mit einer umfassenden Renovierung, die 2004 vollendet wurde. Seither erstrahlt die Kirche wieder in ihrem alten Glanz.

Im Jahre 2006 wurde das Gotteshaus der örtlichen Gemeinde der Griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei überlassen, die es wiederum ab und an für Gottesdienste der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche zur Verfügung stellt. Beide Kirchen gehören formell zur Katholischen Kirche, pflegen aber im wesentlichen den Ritus der Orthodoxen Kirchen. Anders als in genuin katholischen Kirchen kann man hier noch bisweilen Gottesdienste im alten Kirchenslawisch besuchen.

Bei der Kirche handelt es sich um ein besonders einfaltsreich konstruiertes Bauwerk des Barock mit einem fast quadratischen Innenraum, den in der Mitte eine Kuppel krönt, die außen bis auf eine kleine Laterne kaum sichtbar ist. Die Fresken sind das Werk des Malers Anton Schlachter, von denen viele bei einer Restauration 1879 überarbeitet und erneuert wurden. Der Hauptaltar ist wiederum das Werk des Malers und Bildhauers Franz Anton Maulbertsch, der hier in verschiedenen Formen das Thema der Trinität aufgriff, das der Kirche den Namen gab.

Darüber sollte man andere kleine Sehenswürdigkeiten nicht vergessen. Dazu gehört unter anderem ein Taufbecken aus dem Jahre 1552, das damals aus einer aufgelösten anderen Kirche herangeschafft worden war. Oder die um 1770 entstandene Kanzel mit ihren polychromen Holzschnitzereien. Und auch die Seitenaltäre mit ihren Barockgemälden sind sehenswert. Hübsch ist auch die Orgel aus dem Jahre 1894, die seinerzeit eine ältere Orgel aus dem späten 18. Jahrhundert ersetzte. Den Heiligen Prosper hätte es schlimmer treffen können als hier zu ruhen. (DD)