Vom Schützenprivileg zum Freizeitparadies

Sie hat sich inzwischen zu einem kleinen Freizeitparadies für einheimische Prager, aber auch Touristen enwickelt: Die Schützeninsel (Střelecký ostrov). Vor der Altstadt liegend, ist sie heute zu Fuß über die Most Legii (Brücke der Legionen) erreichbar. Die wurde aber als die zweite Prager Moldaubrücke überhaupt in den Jahren 1898 bis 1901 (wir berichteten hier) erbaut. Sie ersetzte wiederum eine 1839-41 entstandene Kettenbrücke. Vorher musste man per Boot hinüberschippern.

Das war natürlich der Exklusivität der „Location“ angemessen. Die Flussinsel, die im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, war im 14. Jahrhundert im Besitz des Johanniterordens, der hier sogar eine kleine Festung errichtete. Als befestigter Standort spielte die Insel noch im Dreissigjährigen Krieg eine Rolle bei der Verteidigung der Stadt gegen die 1648 einfallenden Schweden. Aber schon 1562 hatte König Ferdinand I. den größten Teil der Insel den Stadtschützen der Altstadt gegeben.

Und daher hat die Insel auch ihren heutigen Namen. Hier praktizierten im Sinne des ihnen vom König verliehenen Privilegs zunächst die Schützen zur Verteidigung der Stadt, wobei sich das Ganze nach und nach zu einem gepflegten Hobby für Adel und auch das reiche Bürgertum entwickelte. Es bildeten sich Schützenvereine mit schicken Uniformen. Zunächst schoss man mit Pfeil und Bogen auf einen hölzernen Vogel, der auf einer Stange saß (was der Usprung der Redensart den Vogel abschießen ist), später auch mir Armbrüsten und Gewehren auf Zielscheiben. Dafür gab es am südlichen Ufer auch eine kleine hölzerne Schießhalle.

Die Halle brannte Anfang des 19. Jahrhunderts ab und wurde 1812 durch ein prächtigeres Gebäude im klassizistischen Stil ersetzt, für dessen Pläne sich der Architekt Josef Zobel verantwortlich zeigte. Dieses nunmehr steinerne und somit feuerfeste Gebäude, das eher einem schönen fürstlichen Palais gleicht, kann man heute noch fast unverändert bewundern, wenngleich es kurz vor dem Zweiten Weltkrieg um einen Restaurantanbau ergänzt wurde. Und immer noch war die Insel der Ort, wo sich die adligen und großbürgerlichen Schützen mehr oder minder exklusiv trafen. Deshalb wurd unter anderem ein Ballsaal eingerichtet. Der elitäre Anspruch änderte sich fast schon notgedrungen ein wenig mit der Fertigstellung der ersten Brücke 1841.

Mit ihr kam das Zeitalter der Veranstaltungen für die großen Massen. Meisterschaften für Bogenschützen gibt es hier zwar noch bis heute, aber der große erste Hit für die Massen im 19. Jahrhundert war die Industriemesse von 1872. Schon 10 Jahre später, am 18. Juli 1892, kam es noch dicker. Da führte nämlich der von von Miroslav Tyrš 1862 gegründete Turnerverband Sokol (Falke) sein 1. Sport-und Turnfest durch, an dem über 1600 Sportler teilnahmen. Dabei ging es weniger um Leibesertüchtigung, denn der Sokol verstand sich als politische Organisation zur Erkämpfung von Rechten für die Tschechen im Habsburgerreich. Mit dem Fest gelang ihm eine politische Demonstration der Stärke. Eine Gedenkplatte findet sich seit 1932 am Gebäude. Noch mehrmals fanden in der Folge hier Sokol-Feste statt.

Die nächste bemerkenswerte große Politveranstaltung war erste Arbeiter-Feier am 1. Mai 1890. Der Tag der Arbeit wird heute noch gerne von Kommunisten und Sozialisten gefeiert, obwohl er als offizieller und arbeitsfreier Feiertag – wie auch in Deutschland – erst von den Nazis während der Protektoratszeit (während derer die Insel bedauerlicherweise wieder exklusiv genutzt wurde, diesmal von der örtlichen Hitlerjugend) eingeführt wurde. Wie dem auch sei, auch dieses Schlüsselereignis der Geschichte fand hier statt und wird ebenfalls mit einer Gedenkplatte mit einem Relief voller wehender roter Fahnen in historischen Ehren gehalten. Die Gedenkplatte dürfte in den Zeiten des Kommunismus, wahrscheinlich in den 1960er Jahren angebracht worden sein.

Die 1901 eingeweihte neue Brücke zeichnete sich durch eine besonders prachtvolle Treppe im neobarocken Stil aus. Damit war die Entwicklung hin zu einem der nachgefragtesten Teil des öffentlichen Raums in Prag festgeschrieben. Sport wird hier – vor allem im südlichen Teil – weiter getrieben, meist Bogenschießen (Geschichte verpflichtet!), aber auch seltenere Sportarten. 2007 fand auf der Insel zum Beispiel die Weltmeisterschaft im Murmelspielen (Schussern) statt.

Aber die Insel ist mehr. Sie ist ein Freizeitparadies schlechthin. Der südliche Teil, der durch Schießhalle bzw. Restaurant vom Rest der Insel separiert ist, kann für geschlossene Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden. Nicht nur Sportveranstaltungen fallen darunter, sondern auch Rock-Konzerte und ähnliches. 1997 wurde sogar ein Open-Air-Kino eröffnet, das allerdings mit dem schrecklichen Hochwasser von 2002 wieder verschwand.

Das wahre Leben tobt jedoch im öffentlich frei zugänglichen Bereich nördlich des Gebäudes und der Brücke – also dem größten Teil des Inselareals. Ein herrlicher uralter Baumbestand, dessen Urspünge teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, lädt vor allem im Sommer zum Verweilen ein. Überall sieht man Menschen, die auf dem Rasen Picknicks abhalten und es sich gut gehen lassen. Es handelt sich um eine der schönsten Parkanlagen der Stadt.

Dazu gibt es die passende Infrastruktur – kleine Imbiss- und Kaffeestände, schwimmende Restaurants, die hier vertäut sind, Bootsverleihe und anderes sorgen dafür, das es dem Rast suchenden an nichts fehlt. Ab und an gibt es auch Großveranstaltungen. Regelmässig findet hier zum Beispiel der unterhaltsame Teil (Konzerte etc.) des Gay Pride Festivals mit Partystimmung statt. Es ist immer etwas los auf der Insel.

Meist ist es dann doch ein wenig ruhiger auf der Insel – trotz der vielen Besucher. Die kommen auch, um von der Nordspitze der Insel eine atemberaubende Aussicht zu genießen. Die Nordspitze ist einer der Orte, von dem aus man die Karlsbrücke (Karlův most) – die große Attraktion Prags – in voller Länge sehen kann. man sollte es sich nicht entgehen lassen. (DD)

Bier im Bischofspalast

Gute Bildungsbürger sollten sich das Gebäude des Vojanův Dvůr (Vojan Hof) natürlich wegen seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung für Prag anschauen. Es spricht dabei aber nichts dagegen, dort in der kleinen Brauereigaststätte gleichen Namens einzukehren und selbige näher zu inspizieren.

Der Name täuscht. Das Gebäude an der U Lužického semináře 119/21 auf der Kleinseite wurde zwar – genau wie der sich anschließende Vojan Park (Vojanovy sady) im 20. Jahrhundert nach dem Schauspieler Eduard Vojan benannt (früherer Bericht hier), der in der Gegend wohnte, aber es verdankt ihm keineswegs seinen Ursprung. Erstmals wurde das Gebäude 1248 erwähnt. Da war es nämlich der Palast oder Hof des Bischofs von Prag. Damals war das Nikolaus von Újezd, der sich vor allem durch den Ausbau der Prager Burg hervorgetan hatte. Als im 14. Jahrhundert die Prager Bischöfe zu Erzbischöfen aufstiegen, blieben sie weiterhin hier. Erst im 17. Jahrhundert zog es die Erzbischöfe in ein neues Domizil in die Altstadt. Der Hof fiel in den Besitz eines Klosters des Ordens der Karmelitinnen. Erst in den 1920er Jarhen wurde das Areal säkularisiert.

Entscheidend ist jedoch das Jahr 2018. Da eröffnet die Brauereigaststätte ihre Pforten. Die ist enorm beliebt bei den Unmengen von Touristen (aber auch eine nicht zu unterschätzende Zahl Einheimischer), die sich hier vorbeidrängen und im Sommer vor allem den Biergarten lieben. Ja, und obwohl das Vojanův dvůr mitten in einem touristischen Hotspot residiert, bekommt man für sein Geld hier reelle Qualität. Es handelt sich gewiss um eines der Top-Braulokale Prags.

Das liegt daran, dass die Betreiber schon wussten, wie man Qualität und Massentourismus verbinden kann. Schon 2014 hatten sie mitten im Gewühl der Altstad auf der anderen Moldauseite die Braugaststätte U tří růží (Bei den Drei Rosen) in der immer belebten Husova 10/232 (wir berichteten hier) gegründet und dort gezeigt, was sie konnten. Beide Lokale teilen sich Profi-Braumeister Tomáš Tuchyňa, der in beiden Brauereien durchaus für ein unterschiedliches Bierangebot sorgt – und zwar mit höchsten Qualitätsansprüchen. Hier sieht man das milde Halbdunkle (rechts) und das rötliche Rubín, ein leicht hopfiges Lagerbier.

Die Brauanlage kann man übrigens auf Anfrage besichtigen. Um das Trinken leichter zu machen, sollte man sich auch etwas zu Essen gönnen. Wie im U Tří růží bekommt man auch hier, was man von einer böhmischen Gaststätte so erwartet – deftige Küche mit Knödeln, Fleisch und was dazugehört. Uns schien die Zubereitung sogar ein wenig hochwertiger als im Schwesterlokal drüben auf der anderen Flussseite.

Nicht nur demjenigen, der wissen will, wie Bier in einem alten Bischofssitz schmeckt, sei diese Gaststätte empfohlen. (DD)

Radetzky im Exil

Mit Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky von Radetz tut man sich in Prag schwer. Seit über einem Jahrhundert ist sein Denkmal, das dereinst 1858 auf dem Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí) in Gegenwart von Kaiser Franz Josef eingeweiht wurde, ein politischer Zankapfel.

Weshalb? Nun, zunächst einmal war der gute Radetzky ja ein gebürtiger Böhme, denn er gebar sich 1767 auf Schloss Trebnitz (Třebenice) bei Sedlčany in Mittelböhmen. Trotzdem gilt er vielen Tschechen heute noch als der archetypische Österreicher und Repräsentant der Fremdherrschaft, die man erst 1918 abschüttelte. Als Militär, darin ist man sich einig, war er einer der großen Reorganisatoren des österreichischen Heeres in den Zeiten der Napoleonischen Kriege und ohne ihn, hätte das Land militärisch kaum bestanden. Er gilt heute als einer der maßgeblichen strategischen Architekten des Sieges bei der Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Bei seinen Truppen war der General außerordentlich beliebt. Sein Nachruhm wurde nicht nur musikalisch durch den berühmten Radetzky-Marsch von Johann Strauß sr. gesichert. Josef Roth setzte mit dem Titel seines Schlüsselromans Radetzkymarsch der alten Habsburgermonarchie, aber auch Radetzky ein literarisches Denkmal.

Alles das hätte ihm bei den Tschechen vielleicht nicht geschadet. Aber nach den napoleonischen Kriegen war er vor allem damit beschäftigt, das Habsburgerreich gegen alle Bewegungen zur Selbstbestimmung der einzelnen Völker im Reich zu verteidigen. In Italien siegte er in unzähligen Schlachten gegen die Unabhängigkeitsbewegung des Risorgimento. Als die ununterbrochene österreichische Siegesserie 1859 mit der verlorenen Schlacht von Solferino abriss, war Radetzky schon zwei Jahre im verdienten Ruhestand und ein Jahr tot und somit nicht verantwortlich für die Niederlage.

Man weiß also, warum ihm 1858 kurz nach seinem Tode ein Denkmal in Prag errichtet wurde. Das gußeiserne Denkmal war das Werk der Bildhauer-Brüder Josef und Emanuel Max, die mit der Planung schon 1851 (zu Lebzeiten des Generals) begonnen hatten, um dessen Sieg in der Schlacht bei Novara (1849) zu feiern . Zur Herstellung sollen erbeutete Kanonen der Gegner aus Radetzkys siegreichen Schlachten verwendet worden sein. Die sieht man auch am Fuß des Denkmal als Trophäen nachempfunden. Sicher, der Kampf gegen Napoleon war etwas, dessen Notwendigkeit jedermann in Böhmen einsah. Aber Radetzky war zur österreichischen Symbolfigur geworden und hatte sich als arger Feind von Autonomiebestrebungen ge-outet. Deshalb fand man in der Ersten Republik, dass er nicht in die Kulturlandschaft passte. Anfang 1919 montierte man das Denkmal von seinem Platz vor dem Kaiserstein Palast (früherer Beitrag hier), wo er einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte, ab und schaffte es in das Lapidarium, der Skulpturensammlung des Nationalmuseums.

Derartiges passierte damals nicht nur mit Radetzks Denkmal (von dem das Lapidarium – siehe Bild rechts – das kleine Ur-Modell der Künstler besitzt). So wurde zum Beispiel die Reiterstatue von Kaiser Franz I. aus dem berühmten Krannerbrunnen (früherer Beitrag hier) entfernt und ebenfalls ins Lapidarium verfrachtet. Aber dort wurde immerhin 2003 eine Replik wieder einegsetzt, denn inzwischen legt man in Prag viel wert auf die Herstellung des alten Stadtbildes. Immer wieder, so etwa 2008 und 2014, gab es Versuche, das Denkmal (oder eine Kopie) wieder auf dem Kleinseitner Ring zu postieren. Der Rat lehnte jedes Mal nach heftiger Debatte ab. 2015 gründete sich sogar ein Radetzky-Verein Prag (Spolek Radecký Praha), dessen Vorstandsmitglieder samt und sonders Tschechen sind, und der die Wiedererrichtung zu einem seiner Zwecke hat. Erfolg hatte man noch nicht. Irgendwie löst Radetzky immer noch mehr negative Feindbild-Emotionen aus als Kaiser Franz. Aber abgeschlossen ist der Fall noch nicht. Der Rat hat immerhin beschlossen, den Platz neu zu gestalten und dabei ist von einer Neu-Errichtung die Rede, aber entsprechende Entwürfe werden von den Baubehörden bisher immer wieder abgelehnt. Aber wenn es mit dem Ratsbeschluss einmal konkret wird, ist wieder mit harten verbalen Schlagabtauschen zu rechnen.

Ein schönes Denkmal hätte man jedenfalls, wenn man Radetzky wieder aufstellte. Die Max-Brüder hatten die Statue auf einen großen Steinsockel des Architekten Bernhard Grueber gestellt, der 1922 zerstört wurde. So bleibt ein zweistufiges Denkmal im Lapidarium. Die Statue des Geneerals und Marschalls mit einer österreichischen Fahne in der Hand befindet sich oben. Dieser Teil wurde übrigens von Emanuel Max entworfen. Darunter stehen im Kreis Soldaten aus Radetzkys Feldzügen als Schildträger (der General steht auf einem Schild wie Majestix, der von seinen Krieger getragen wird). Die haben zum Teil exotische Uniformen, die zeigen, dass die Armee Österreichs damals sich aus eien Vielvölkerstaat speiste. Putzig wirkt der Freiheitskämpfer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809 mit seinem Trachtenanzug und breiten Hut. Ob und wann er wieder auf den Kleinseitner Ringe gelassen wird, steht in den Sternen. Vorerst bleibt General Radetzky in seinem Exil im Lapidarium. (DD)

Jan Hus – Reformator und politisches Symbol

Heute ist nationaler Staatsfeiertag in Tschechien, der Tag der Verbrennung des Magisters Jan Hus (Den upálení mistra Jana Husa). Und verbrannt wurde Jan Hus heute vor 606 Jahren, am 6. July 1415. Das war wohl das, was man einen recht hinterhältigen Justizmord nennt. Und Jan Hus hält man seither hierzulande in Ehren, wovon diese Statue an der Fassade des leider etwas heruntergekommenen Wohn- und Mietshauses in der Husitská 191/47 deutlich zeugt.

Hus war – rund 100 Jahre vor Luther – so etwas wie eine Frührefomator. Er prangerte das politische Machtstreben des Klerus an, agitierte gegen den weltlichen Reichtum der Kirche, predigte in der Sprache des Volkes (also Tschechisch) und vertrat neue Vorstellungen über Ritus und Gottesdienst, etwa in Form des Laienkelchs, der später zum Symbol der von ihm ins Leben gerufenen Bewegung wurde. Das machte den Mächtigen in der Kirche keinen rechten Spaß und sie luden ihn ein, auf dem Konzil von Konstanz 1415 seine Thesen näher zu erläutern und sich zu rechtfertigen. Dazu wurde ihm mit einem Ehrenwort von Kaiser Sigismund freies und sicheres Geleit versprochen. Kaum angekommen, machte man ihm den schnellen Prozess und verbrannte ihn kurzerhand auf dem Scheiterhaufen als Ketzer. Als Folge dieses Wortbruchs kam es 1419 zu den Hussitenkriegen, die Böhmen verwüsteten. Die Hussiten, die in dieser Zeit keine eigene Kirche bildeten, blieben am Ende – nicht zuletzt wegen des militärischen Genies ihres Heerführers Jan Žižka – erfolgreich. Im Land herrschte danach ein recht hohes Maß an religiöser Toleranz, das den Hussiten und später den Protestanten zu Gute kam.

Das änderte sich mit der Schlacht am Weißen Berg 1620 und dem Dreissigjährigen Krieg. Die siegreichen Habsburger beendeten die staatliche Selbstständigkeit der Böhmen und unterzogen das Land einer anfänglich recht brutalen, aber langfristig durchaus wirksamen Zwangskatholisierung. Ende des 17. Jahrundert exisitierte das Hussitentum in Böhmen als vage historische Erinnerung, aber der vorherige Einfluss war gebrochen. Ohne, dass es ein wirkliches religiöses Revival gab, setzte jedoch im 19. Jahrhundert unter den Tschechen in Böhmen eine erneute Hus-Begeisterung ein. Diesmal war das Motiv mehr politisch. Der tschechische Nationalismus, der sich gegen Österreich und die Habsburger richtete, fand in Hus eine Art politischer Symbolfigur. Er stand für die Tschechen (in deren Sprache er gepredigt hatte) und war Opfer finsterer und natürlich deutscher Mächte geworden. Und möglicherweise stellt die Fassadenstatue des Jan Hus in der nach ihm benannten Husitská so etwas wie den Startschuss seines neuen Nachlebens als Nationalhelden.

Dass man den Reformator Hus prominent so darstellen konnte, hatte etwas mit dem 1861 verkündeten Protestantenpatent Kaiser Franz Josephs zu tun, das erstmals seit 1620 Nicht-Katholiken einen freien und vollständig gleichberechtigten Status als Religionsgemeinschaft garantierte. Vorher durften deren Glaubensbekundungen sich öffentlich nicht oder unter schweren Restriktionen manifestieren. Das Patent gab die Möglichkeit, Hus in der Weise als öffentliches Symbol vorzuführen, wie es hier in der Husitská geschieht. Das Haus samt Statue wurde im Jahr 1869 errichtet und wurde passend Dům U Jana Husi z Husince (Haus zum Jan Hus aus Husinec – wobei es sich bei Husinec um Hus‘ Geburtsort handelt) genannt. Es gibt durchaus Stimmen, die behaupten, dass das die erste Hus-Statue Böhmens sei. Und unzählige andere folgten daraufhin im ganzen Lande. Hus-Denkmäler sind heute aus keinem Stadt- oder Dorfbild mehr wegzudenken.

Dass hier Hus und nationale Politik eine Symbiose einging, ergibt sich schon, wenn man weiß, wer das bauen ließ: Karel Hartig war ein Bauunternehmer und begeisterter tschechischer Nationalist, der in fast jeder patriotischen Gesellschaft der Stadt Mitglied war. So war er (zusammen mit dem ebenfalls sehr patriotischen Bedřich Smetana) Mitglied in nationalen Singverein Hlalol. Und er brachte es später zum ersten Bürgermeister der 1881 gegründeten (damals noch selbständigen) Stadt Žižkov – eine Position, die er gerne dazu nutzte, möglichst viele Straßen und Pläztze nach Helden der Hussitenbewegung zu benennen. 1890 gehörte er zu den Mitgründern des Vereins für den Bau des Denkmals von Magister Jan Hus (Spolek pro zbudování pomníku Mistra Jana Husa). Und er hatte eine durchaus rabulistische Ader, so als er zum Beispiel 15. August 1869 anlässlich der Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag ein nationalistisches „Volkslager“ auf dem Vítkovberg (wo 1420 die erste siegreiche Schlacht der Hussiten stattfand) veranstaltete, das so aufmüpfig war, dass die Polizei es auflöste, und das ihm 10 Tage Haft einbrachte. Das betrachtete er wohl eher als Auszeichnung für seinen Kampfgeist. Er nutzte jede Gelegenheit, den Habsburger Autoritäten Hus politisch um die Ohren zu hauen.

Und Häuser, die er baute, bekamen fast immer einen entsprechenden Namen (etwa ein Žižka-Haus in der nahen heutigen Husitská 160/49). Aber keines der Häuser war skuptural so schön mit einer Statue ausgestattet wie dieses Haus zum Jan Hus aus Husinec. Hartig hatte dafür den damals sehr bekannten Bildhauer und Medailleur Fráňa Josef Heidelberg gewonnen, der selbst gerne hussitische Themen in sein Werk aufnahm. Mit den großen Pilastern, die die Nische umrahmen, in der der überlebensgroße Hus steht, passte Heidelberg sein Kunstwerk an den Neorenaissance-Stil des zweistöckigen Hauses an. Als Reformator, der die Bibel und nicht den verweltlichten Klerus für das Maß der christlichen Religion hielt, hält er ernst die Heilige Schrift in der Hand. Als politisches historisches Narrativ funktionierte „Hus“ für die Tschechen in der Tat. Die 1918 von den Habsburgern unabhängig gewordene Tschechoslowakei wählte sich das Hus’sche Motto Pravda vítězí (Die Wahrheit siegt) zum Wappenspruch, obwohl er eigentlich nur für die Geschichtsidentität eines Bevölkerungsteils relevant war. Die 1993 folgende Tschechische Republik behielt ihn bei. Es gibt seit 1920 (und seit 1971 unter diesem Namen) eine Tschechoslowakisch Hussitische Kirche, die sich eigentlich aus einer reformkatholischen Bewegung heraus gegeründet hatte, aber sich vor allem auch als Nationalkirche defiierte – und da passte Hus als namensgeber. Und es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass der heutige Hus-Tag kein religiöser Feiertag ist, sondern ein Staatsfeiertag. Irgendwie scheint die Saat aufeggangen sein, die 1869 Karel Hartig an der Fassade des Haus in der Husitská gesät hatte. (DD)

Der letzte Brief

Am 26. Juni 1950 – heute vor 71 Jahren – saß Milada Horáková in der Todeszelle im Gefängnis von Prag-Pankrác . Am nächsten Morgen würde sie am Galgen hingerichtet werden. Die tapfere demokratische Parlamentarierin, die schon von den Nazis verfolgt worden war, hatte auch gegen die Kommunisten Widerstand geleistet und war dafür nach einem farcenhaften Schauprozess zu Tode verurteilt worden (wir berichteten u.a. hier).

In ihrer letzten Nacht in der Zelle vor der Hinrichtung schrieb sie noch einen langen Brief an ihre 16jährige Tochter Jana. Er ist heute im Nationaldenkmal auf dem Vítkov ausgestellt – als eines der erschütterndsten und Herz ergreifendsten menschlichen Zeugnisse, die an die Grauen des Kommunismus in den Zeiten des Stalinismus im Lande erinnern.

In dem Brief (vollständige englische Übersetzung hier) sucht sie nach Worten des Trostes für die Tochter: “Bedauere mich nicht! Ich hatte ein wunderbares Leben. Ich akzeptiere meine Verurteilung mit Resignation und unterwerfe mich voll Demut. Mein Bewußtsein ist klar und ich hoffe, glaube und bete darum, vor dem Hohen Gericht Gottes bestehen zu können.”

Und als Lebensrat: „Untersuche, denke, kritisiere, ja, kritisiere hauptsächlich dich selbst. Schäme dich nicht, eine Wahrheit zuzugeben, die du erkannt hast, auch wenn du vor einiger Zeit das Gegenteil verkündet hast. Sei nicht hartnäckig in deinen Ansichten, aber wenn du etwas für richtig hältst, dann sei so bestimmt, dass du dafür kämpfen und sterben kannst. … Du musst deine Wurzeln dort niederlegen, wo das Schicksal für dich bestimmt ist, um zu leben. Du mussst Deinen eigenen Weg finden. Suche unabhängig danach, lasse Dich sich von nichts abbringen… Gehe einfach nicht auf einen falschen, unehrlichen und nicht mit dem Leben harmonierenden Weg. Ich habe meine Meinung oft geändert, viele Werte neu geordnet, aber was als wesentlicher Wert übrig blieb, ohne den ich mir mein Leben nicht vorstellen kann, ist die Freiheit meines Gewissens.“

Die Kommunisten hatten versprochen, den Brief nach der Hinrichtung der Tochter zuzustellen. Wie von ihnen zu erwarten war, taten sie das nicht und so lag er Jahrzehnte in einem Aktenschrank. Erst nach der Samtenen Revolution von 1989 wurde er gefunden und der Tochter Jana Kansky Horakova übergeben, die ihn nunmehr dem Museum des Nationaldenkmals überließ. (DD)

Freimaurerstadt Prag

Prag steht ein wenig im Ruf, eine Stadt der Freimaurerei zu sein. Inwieweit das je so gestimmt hat oder stimmt, lässt sich schwer mit Zahlen belegen. Aber auffällig ist es schon, wieviele Freimaurersymbole sich auf den Fassaden älterer Häuser in der Stadt befinden – etwa das oben abgebildete in der Křižíkova 457/125 im Stadtteil Karlín.

Das im Jahre 1905 vom dem Achitekten Bohumil Štěrba gebaute Neorenaissance-Haus ist mit schönen Sgrafitti versehen, von denen das im großen Bild oben gezeigte schon einige der bekanntesten mit der Freimaurerei verbundenen Symbole präsentiert. Da sind zunächst einmal die klassischen Insignien eines Maurers im quasi wörtlichen Sinne – Hammer und Schaufel, ergänzt durch ein Winkelmaß. Das Freimaurertum zielt auf die Verbindung von Menschen ab, die im Sinne aufgeklärter Vernunft, Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit „an sich arbeiten“. Leben wird als beständige Arbeit aufgefasst und die beiden Werkzeuge sollen genau dies symbolisieren, wobei der Hammer meist für eine Führungsposition in einer Loge (Meister) und die Schaufel für Reinigungsrituale (Unrat wegschaufeln) steht. Das Winkelmaß steht für Recht und Rechtschaffenheit.

Ebenfalls auf dem Bild sieht man noch die Sonne als Symbol, die meist für das Licht des Geistes und die weltlenkende Vernunft steht. Optisch wird sie manchmal mit dem Symbol des Auges der Vorhersehung verbunden, das sich in einem Dreieck befindet – ein Anzeichen dafür, dass das Freimaurertum neben der aufklärerischen Vernunft noch eine mystische Grundströmung aufweist. Dazu eigenen sich in der architektonischen Darstellung oft Giebel, wie man oberhalb links beim Haus zur Goldenen Sonne (dům U Zlatého slunce), einem frühklassizistischen Gebäude (ca. 1804) in der Na poříčí 1045/22 in der Neustadt. Meist ist das Augensymbol aber eindeutiger identifizierbar, wenngleich es doch meist mit dem Dreieck und der Sonne kombiniert ist, wie man oberhalb rechts auf dem spätbarocken Giebel des Hauses zu den Goldenen Sternen (U Zlaté hvězdy) in der Nerudova 48/171 auf der Kleinseite sehen kann.

Selten fehlt allerdings neben Hammer, Schaufel und Winkelmaß auch der Zirkel. Man erkennt ihn zum Beispiel deutlich in der Stuck-Kartusche über dem Eingang des Neorenaissance-Hauses (ca. 1890) in der Uruguayská 380/17 in Prag-Vinohrady im kleinen Bild links.

Der Zirkel symbolisiert in der Ikonographie der Logen die geistige und emotionale Arbeit des Freimaurers an der Entwicklung seiner Persönlichkeit, und der Zirkel verbindet zudem auch den einzelnen Freimaurer mit allen anderen Brüdern, wenn nicht gar mit der Menschheit und dem Universum.

Die Fülle der Freimaurersymbole, die man an den Häusern der Stadt findet, legte nahe, dass Prag und alte Böhmen ein interessantes Kapitel in der Geschichte der Freimaurerei bilden. Erfunden wurde sie hier aber nicht. Die erste echte freimaurerische Loge, die Premier Grand Lodge of England, wurde 1717 in London gegründet. Ihr erster Großmeister war ein gewisser Anthony Sayer. Die Legende besagt, dass die erste Loge in Prag schon 1726 – also sehr, sehr früh – durch Franz Anton Reichsgraf von Sporck (über dessen Prager Palais wir hier berichteten) gegründet worden sein soll, und dass Sayer dabei anwesend gewesen war. Die englischen Archivbestände zu Sayer wissen von solch einer Böhmenreise aber nichts. Der Gedanke, dass Sporck, der zweifellos ein augeklärter Geist war, der Freimaurerei frönte, taucht tatsächlich erst 1888 in dem Roman Hrabě Sporck des Schriftstellers Josef Svátek auf. Der war kein Freimaurer und daher nicht sonderlich eingeweiht – was man daran sieht, dass das Haus in der Jánský vršek 325/9 (Kleinseite), wo er die letzten Jahre verbrachte und das seit 1927 eine Gedenktafel (oberhalb rechts) ziert, mit einer Darstellung des Johannes des Täufers geschmückt ist – ein urkatholisches und definitiv nicht freimaurerisches Symbol.

Möglicherweise kam Svátek auf die Idee, weil sich nur wenige Schritte von seinem Haus entfernt ein hübsches zweistöckiges Barockhaus befindet – der Sporck Palast (Šporkův palác) in der passend so benannten Šporkova 321/12 auf der Kleinseite. An dessen Fassade befindet sich (Bild links) das Sonnen- und Augensymbol der Freimaurer. Dieser Palast hat allerdings nichts mit Franz Anton Graf von Sporck zu tun. Er gehörte vielmehr seinem tatsächlich freimaurerischen Neffen Johann Karl von Sporck, der den Palast um 1783 im spätbarocken Stil umgestalten ließ. Da war der Onkel, mit dem man ihn Svátek wohl verwechselt hatte, schon lange tot.

Kommen wir zu dem ersten nachweislichen Großmeister der Freimauerer in Prag: Philipp Joseph Franz Graf Kinský . Der wurde 1731 zusammen mit dem Premierminister Sir Robert Walpole als Freimaurer in einer Loge in London initiiert, wo er zu dieser Zeit als Botschafter in England für Kaiser Karl VI. residierte. Zurückgekehrt, gründete er 1741 nachweislich dokumentiert die erste Prager Loge, Zu den Drei Sternen. Innerhalb von wenigen Jahren folgten andere Logen – auch in anderen Teilen Böhmens, wie etwa die Loge La Sincerité, die 1742 bei Pilsen hauptsächlich von Offizieren gegründet wurde. Auf dem Familiensitz der Kinskýs, dem großen Prager Palais Kinský (Palác Kinských) am Altstädter Ring, sucht man allerdings vergebens nach Freimaurersymbolen, was wohl seinen Grund darin hatte, dass er 1755ff zunächst als Domizil der definitv nicht freimaurerischen Familie von der Goltz erbaut worden war. Als Ersatz sei hier deshalb oberhalb rechts ein Beispiel für Freimaurersymbolik an einem Haus, das zwar gar nichts mit Graf Kinský selbst zu tun hat, aber am immerhin Kinský Platz (náměstí Kinských 76/7, Smíchov, Prag 5) liegt. Das von Baumeister Josef Bečka 1891 erbaute Neorenaissancehaus zeichnet sich durch viele schöne Wandfresken aus, die Freimaurersymbole mit floraler Jugendstilornamentik kombinieren.

Das Florieren des Prager Freimaurertums hatte auch seinen Grund in der Toleranz, die die damalige Herrscherin, Maria Theresia, dem Freimaurertum entgegenbrachte – nicht zuletzt, weil ihr Mann,  Franz I. Stephan von Lothringen, sich ebenfalls schon 1731 in der britischen Botschaft von Den Haag in die Freimaurerei initiieren ließ. Aber die Freimaurerei atmete auch den Geist der Aufklärung, dem sich Maria Theresia als aufgeklärte Absolutistin verpflichtet fühlte. Deshalb ließ auch ihr Sohn, Kaiser Joseph II., der sich ebenfalls als aufgeklärter Monarch verstand, aber persönlich keine Verbindung zum Freimaurertum pflegte, ein hohes Maß an Toleranz und Verständnis gegenüber den Logen – auch in Prag – walten. Folglich finden sich im späten 18. Jahrhundert auffallend viele Freimaurersymbole auf den Fassaden Prager Adelspaläste. Links oberhalb sieht man dies auf dem Giebel des Thun-Hohenstein Palast (Thun – Hohensteinský palác) in Karmelitská 379/18 auf der Kleinseite, dessen Fassade in den Jahren 1741-45 gestaltet wurde. Bei der Familie Thun und Hohenstein vererbte sich das Freimaurertum über Generationen. Franz Joseph von Thun-Hohenstein soll zum Beispiel Mozart in die Freimaurerei eingeführt haben.

Über dem Portal des Thun Hohenstein Palasts findet man übrigens noch ein interessantes Freimaurersymbol: Drei Hände, die ineinandergreifen. Damit wollte man wohl den verbindenden Humanitätsgedanken unterstreichen, aber es sollte Ende des 18. Jahrhunderts eine noch tiefere Bedeutung erfahren. Als die Französische Revolution ausbrach, brach auch die Allianz zwischen Freimaurern und der sich aufklärerisch gebenden Obrigkeit auseinander. Unter Aristokraten wurde das Ganze deutlich unpopulärer. Der radikalere Geist französischer Logen, die meist offen antiklerikal waren (während in den englisch inspirierten Logen oft sogar Geistliche Mitglied waren), befeuerten das Image einer geheimen Weltverschwörung gegen die bestehende Ordnung. In Böhmen tat sich vor allem der Publizist Leopold Alois Hoffmann mit hasserfüllten Anti-Freimaurerpamphleten hervor (Beispiel hier). Hoffmann war in seinen frühen Jahren ein Aufklärer und trat 1783 einer Loge bei. Die Revolution machte ihn zum Reaktionär und er bespitzelte ab 1792 viele seiner früheren Freunde. Er trug dazu bei, dass Kaiser Franz II. die Freimaurer 1795 schlichtweg verbot. Und verboten blieben sie in Böhmen bis zum Ende des Habsburgerreichs 1918.

Aber das war nicht das Ende. Außerhalb des Habsburgerreichs legte sich die Panik über die freimaurerische Weltrevolution nach dem Ende der Napoleonischen Kriege. Nach der Gründung der Doppelmonarchie 1867 hielt das offizielle Verbot nur in der cisleithanischen (österreichischen) Hälfte an, nicht im ungarischen Teil, dessen erster Ministerpräsident von 1867-71, Gyula Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka, sogar selbst Freimaurer war. Das nunmehr eher laxe Verhalten der Behörden führte dazu, dass das Freimaurertum in Böhmen – ein Teil der österreichischen Reichshälfte – ausgesprochen vital blieb, wenn auch im Halbgeheimen. Jedenfalls tauchten Freimaurersymbole bald wieder an den Fassaden der Prager Bürgerhäuser auf, wie etwas an einem Wohnhaus in der Pařížská 130/26, das um 1893 im ehemaligen Judenviertel entstand (Bild oberhalb links). Trotzdem erklärt die offizielle Illegalität einen Teil der Handsymbolik. Die Freimaurer kannten von Anbeginn ein ausdifferenziertes System von Handschlägen als geheime Erkennungszeichen (schließlich handelt es sich ja auch um Geheimbünde), das nun von besonderem Nutzen war. Denn natürlich gelang es nicht, das Freimaurertum wirklich zu eliminieren.

Dazu trugen vor allem die sogenannten Grenzlogen, bei, die – wie die Bezeichnung schon nahelegt – vor allen in Orten Deutschlands und Ungarns existierten, die grenznah zu Böhmen lagen. Dort herrschte dadurch eine bemerkenswerte Internationaliät, die dem Grundgedanken des Freimaurertums sehr entgegenkam. Geheime Brüderschaften aus Prag gründeten sogar selbst eigene Grenzlogen, von denen die 1909 in Bratislava (das damals noch zu Ungarn gehörte) gegründete Loge Hiram zu den Drei Sternen die erste und größte war. Das Handsymbol (nun meist zwei Hände) gewann durch die Grenzlogen noch ein Dimension internationaler Verständigung. An dem um 1897 entstanden Neobarockhaus in der Na Zderaze 1947/3 in der Prager Neustadt befindet sich solch ein völkerverbindend anmutendes Symbol (Bild oberhalb rechts).

Jedenfalls florierte Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Freimaurerei im Stadtbild. So findet man zum Beispiel bei dem vom Architekten Adolf Foehr 1912 neugestalteten ehemaligen Haus der Allianz Bank (náměstí Republiky 1081/7), das heute Bankhaus am Republikplatz genannt wird, im Giebel einen Bienenkorb – ein typisches Freimaurersymbol, das u.a. für Fleiß und die guten Wirkungen gemeinschaftlichen Handelns steht. Das passte ja auch zum Bankgeschäft, das hier drinnen betrieben wurde…

Zu dieser Zeit gehörte allerdings auch nicht mehr sehr viel Mut dazu, sein Haus doch recht offen mit Freimaurersymbolen zu schmücken. Zwar waren die Logen in Böhmen weiterhin formell verboten, doch auch hier war die Revolutionsangst der neuen bürgerlichen Biedermeierlichkeit gewichen. Praktisch verfolgte die Obrigkeit niemanden mehr wegen seiner Zugehörigkeit zu einer Loge – selbst, wenn dies nunmehr so offen zur Schau getragen wurde wie nie zuvor. Eine mutige Widerstandspose, die kam wirklichen Mut erforderte. Niemals vorher und nachher fand man so viele Freimaurersymbole auf Prager Hausfassaden. Sie wurden fast so etwas wie ein Statussymbol für böhmischen Gemeinsinn. Die Obrigkeit verfiel bei dem Anblick auch nicht mehr in Revolutionsangst, wie dereinst 1795.

Die meisten Freimaurer agierten in dieser Zeit tatsächlich auch recht eher unpolitisch (oder zumindest nicht radikal orientiert politisch) und machten sich eher als Förderer des Gemeinwohls und der Wohltätigkeit einen Namen. Nicht mehr Aristokraten war die wesentlichen Träger der Bewegung, sondern aufstrebende Bürgerliche und auch zunehmend viele Juden, die seit 1848 die vollen Bürgerrechte im Reich besaßen und sich von der oft recht liberalen und überkanfessionellen und religionsübergreifenden Grundausrichtung der Logen angezogen fühlten. Wenn auch recht selten, so findet man auf dem 1890 gegründeten Neuen Jüdischen Friedhof ab und an Freimaurersymbole auf den Gräbern. Ein originelles Beispiel ist das Grab von Benjamin Fröhlich. Originell deshalb, weil die klassischen Freimarersymbole Winkel und Zirkel hier mit dem Emblem der österreichschen Eisenbahnen, einem geflügelten Rad, kombiniert werden. Fröhlich war anscheinend nicht nur Freimaurer, sondern definitiv Inspektor bei der 1868 gergündeten k.u. k. privilegierten Österreichische Nordwestbahn gewesen.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs endete auch das Habsburgerreich und damit das Verbot der Logen. Grenzlogen brauchte man nicht mehr, denn nun konnte es Logen im Lande selbst geben. Schon am 26. Oktober 1918 – also zwei Tage vor Ausrufung der Ersten Republik – wurde die erste tschechischsprachige Loge Jan Amos Komenský gegründet. Der Namensgeber Komenský (andernort als Comenius bekannt) war zwar als evangelischer Philosoph und Pädagoge des 17. Jahrhundert definitiv kein Freimaurer, aber durch die Namensgebung wollte man bewusst an die plurale und liberalere Glaubenswelt der Zeit vor der Zwangskatholisierung des Landes durch Habsburger im Gefolge der Schlacht am Weißen Berg von 1620 anknüpfen. Comenius war zu eine Chiffre für einen religiös toleranten und durchaus säkularen/republikanischen Nationalismus geworden. Diese Hinwendung hin zum historischen Erbe Böhmens vor der Zeit der Habsburger hatte sich schon vorher abgezeichnet. Freimaurersymbolik wurde zum Beispiel gerne mit der Prager Kulturblüte der Gotik in Verbindung gebracht, was man in dem putzigen kleinen Bild oberhalb links sehen kann, dass der Historienmaler Mikoláš Aleš 1903 an dem hyper-historistischen Wohnhaus in der Vinohradská 1233/22 (Ecke Italská) in Prag 2 (wir berichteten hier) anbrachte.

Wie dem auch sei: Die nunmehr etwas nationalere Positionierung entwickelte sich nicht in eine autoritäre, sondern eine republikanische oder reformliberale Richtung, wenngleich es zu einer langfristig unschönen Nationalitätenaufsplitterung der einst sehr internationalen Logen kam (etwa durch die deutschsprachige Loge Lessing zu den Drei Ringen). Etliche der führenden Figuren der neuen Republik waren Freimaurer, etwa Außenminister Edvard Beneš, Verteidigungsminister Milan Ratislav Stefanik und Finanzminister Alois Rašín. Entgegen vieler Gerüchte war Präsident Tomáš Garrigue Masaryk nie Freimaurer, wohl aber sein Sohn Jan Masaryk, der spätere Außenminister. Auch Prominente des Kulturlebens gehörten dazu, etwa der große Jugendstilmaler Alfons Mucha. Insgesamt sollte man sich aber davor hüten, die Zahl der Freimaurer im politischen Spitzenpersonal der Republik zu überschätzen. 1923 wurde die Nationale Großloge der Tschechoslowakei (Národní Veliká Lóže Československá) als Dachverband der Logen in Tschechien gegründet. Sie zählte 1928 rund 1600 Mitglieder – ein Bruchteil dessen, was andere einflussreiche Vereinigungen aufboten – etwa der nationale Turnerbund Sokol (früherer Beitrag hier), dem fast alle Führungskader in Politik, Kultur und Wirtschaft angehörten, und der in dieser Zeit rund 630.000 Mitglieder hatte. Obwohl trotzdem die Bedeutung des Freimaurertums in der Ersten Republik gewachsen war, schlug sich dies in den Fassaden der Stdt eher wenig nieder. Vermutlich waren Freimaurerinsignien im 19. Jahrhundert hier populärer, weil sie den Reiz des Widerständigen hatten, der ihnen nun fehlte. Man muss suchen, bis man entsprechendes findet – so wie bei diesem Haus in der Máchova 431/21 (Prag 2) aus den späten 1930er Jahren.

Aber sie haben überall sichtbare Spuren in der Stadt hinterlassen, die Freimaurer – etwa das Stuckrelief im Bild links auf dem Haus Široká 55/8 im Stadtteil Josefov (Prag 1). Daran ändeten auf die finsteren Zeiten im 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Totalitarismus, wenig. Dass die Nationalsoziaisten (1939-45) und die Kommunisten (1948-89) die Freimaurerei und alle ihre Organsiationen verboten, dürfte kaum jemandem überraschen. Die Mitglieder mussten im Untergrund wirken oder ins Exil gehen. Dieser Spuk hatte mit der Samtenen Revolution von 1989 ein Ende. Glaubens-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit wurden wieder geachtet und geschützt. Noch im selben Jahr gründete sich die Loge Jan Amos Komenský wieder und schon ein Jahr später die Nationale Großloge, die allerdings seit der Trennung von Tschechien und der Slowakei im Jahr 1993 nur noch eine Tschechische Nationalloge ist, während die Slowaken eine eigene haben. Heute gibt es jedenfalls eine vielfältige Freimaurer-Szene in Prag. 1990 wurde sogar die erste „gemischte“ Loge ins Leben gerufen, die Humanitas Bohemia, in der nicht nur Männer, sondern auch Frauen Mitglieder werden können. Einige kleinere neue Logen folgtem dem Beispiel. Denn trotz aller Betonung gesellschaftlicher Progressivität frönten die Logen bis dato einer puren Männerbündlerei – mit dem fadenscheinigen Hinweis, die mittelalterlichen Maurergilden, von denen sie ihren Namen ableiteten, hätten halt traditionell keine Frauen in ihren Reihen gehabt. Aber das ist nun – auch in Tschechien – vorbei. Schließlich sahen sich die Logen doch stets als Treiber gesellschaftlichen Forschritts. Um diesem anspruch gerecht zu werden, muss man auch den Mut zur Veränderung aufbringen, wenn es um einen selbst geht. (DD)

Der geköpfte Bürgermeister

Das Haus zum Schwarzen Kreuz (dům U Černého křížku) in der Martinská 419/5 ist einer jener vielen hübschen Bauten, die die Altstadt zur Altstadt machen, aber auf den ersten Blick meist nicht besonders auffallen. Das Eckhaus steht hier schon seit dem finsteren Mittelalter. Damals trug sich hier, so ist es überliefert, eine Schrecken erregende Begebenheit zu, die dem Haus aber dann doch zu trauriger Berühmtheit verhalf.

Der Historiker Václav Hájek z Libočan erwähnt sie in seiner berühmten Böhmischen Chronik von 1541: Die grausige Geschichte des Georg Schwerhammer. Es war im Jahre 1386. Schwerhammer war just zum Bürgermeister der Altstadt gewählt worden. Eines Tages verließ er der Geschäfte wegen sein Haus. Seine Frau blieb mit der neugeborenen Tochter zuhause und wollte diese baden. Beim Baden war das Kind unruhig, und weil kein Spielzeug zur Hand war, griff die Frau in die Tasche einer in der Nähe hängenden Jacke ihres Mannes. Dort fand sie das Amtsiegel des Bürgermeisters und gab es dem Kind zum Spielen. Nach dem Baden schüttete sie, wie das damals so üblich war, den Zuber aus dem Fenster aus. Sie bemerkte nicht, dass sich das Siegel im Wasser befand und mit aus dem Fenster geschüttet wurde.

Ein vorbeikommender Bürger fand das Siegel auf der Straße und brachte es ins Rathaus zum Ratsvorsitzenden Jakub Wölflin. Der zitierte Schwerhammer zu sich und fragte ihn nach dem Siegel. Ahnungslos wähnte er es bei sich zu Hause und wollte dort suchen. Aber die Ratsherren, die grinsend beobachteten, wie er suchte und suchte, wussten nun leider Bescheid und ordneten nach einer kurzen Weile die sofortige Hinrichtung wegen des sorglosen Umgangs mit heiligen Amtinsignien an. Vor seinem eigenen Haus wurde der Arme enthauptet. Am nächsten Tag wurde an der Stelle der Hinrichtung ein schwarzes Kreuz aufgestellt. Ob diese Geschichte wirklich so stattgefunden hat, ist ungewiss. Im 19. Jahrhundert war sie manchmal Gegenstand von politisierten Geschichtsdebatten, weil Schwerhammer ein deutscher Bürger der Stadt war, und man unterstellte, die schnelle und überzogene Hinrichtung sei ein Werk voreiliger tschechischer Ratsherren gewesen.

Wie dem auch sei: Das Haus, in dem er gewohnt und vor dem er den Tod gefunden haben soll, heißt immer noch nach dem schwarzen Kreuz. Ein gemaltes schwarzes Kreuz befindet sich auch auf der Wand. Schwerhammer soll auf dem im späten 18. Jahrhundert aufgelösten Kirchhof der gegenüber liegenden Kirche Sankt Martin in der Mauer (früherer Beitrag hier) begraben worden sein. Angeblich – ich konnte es bei Gottesdiensten allerdings bisher noch nicht bestätigt sehen – soll er dort ab und an noch mit dem Kopf unter dem Arm herumspuken und die Gläubigen zur mehr Ordentlichkeit im Hause gemahnen. Aber zurück zu dem, was gesichert ist: Das Haus zum Schwarzen Kreuz steht tatsächlich auf gotischen Grundmauern. Allerdings fiel der mittelalterliche Bau, in dem Schwerhammer gelebt haben mag, 1678 einem Feuer zum Opfer. Im Kern ist das heutige Erscheinungsbild daher barock. Barocken Ursprungs ist auch das in eine Kartusche gefasste Hausschild, das die Dreieinigkeit darstellt. Im Innenhof wurden wohl 1846 einige Umbauten im klassizistischen Stil durchgeführt, die man aber von außen nicht sieht. Jedenfalls dürfte Schwerhammers Geist, falls er dort noch spuken sollte, das Gebäude nicht unbedingt wiedererkennen. (DD)

Palais der Verschwörer

Es ist der 22. Mai 1618 – heute vor 403 Jahren. Für den nächsten nächsten Tag ist ein Treffen der böhmischen Stände mit Vertretern von König Ferdinand II. anberaumt. Der steht im Verdacht, die Ständefreiheiten und die verbriefte religiöse Toleranz in Böhmen beiseite schaffen zu wollen. Seine bisherigen Taten lassen diesen Verdacht zur Gewissheit werden. In seinem österreichischen Herrschaftsbereich hatte er den Protestantismus bereits rücksichtslos unterdrückt. Die größtenteils protestantischen Teilnehmer des Treffens sehen an diesem Abend nur eine Lösung: Revolution!

Und so nahmen vom schönen Smiřický Palais (palác Smiřických) an der nördlichen Seite des Kleinseitner Rings (Malostranské náměstí 6/18) die Ereignisse ihren Lauf. Am nächsten Tag, dem 23. Mai 1618, wurden die königlichen Statthalter Jaroslaw Borsita Graf von Martinitz, Wilhelm Slavata von Chlum und Koschumberg und der Kanzleisekretär Philipp Fabricius von den revolutionären Ständevertretern aus einem Fenster der Burg hinausgeworfen. Es war der Zweite Prager Fenstersturz (wir berichteten hier) mit dem der Böhmische Aufstand und damit der Dreissigjährige Krieg begannen.

Dass der Plan für den Aufstand im Palais Smiřický entstand, war natürlich kein Zufall, sondern hatte etwas mit dem Besitzer zu tun. Im Mittelalter hatten an dieser Stelle fünf gotische Häuser gestanden, die dem großen Feuer von 1541 zum Opfer fielen. 1573 wurde das ganze Areal von einem Mitglied der Familie Smiřický ze Smiřic gekauft, der hier einen Renaissance-Palast als Prager Familiensitz baute. Die Familie war ungeheuer reich und für ihren rebellischen Geist bekannt. Einer der Vorfahren hatte schon zu den führenden böhmischen Adligen gehört, die 1415 gegen die Verbrennung des Frühreformators Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz protestiert hatten.

Zikmund II. Smiřický ze Smiřic, ein Königlicher Rat unter dem religiös toleranten Rudolf II., baute den Palast im Jahre 1612 im barocken Stil um und ließ die für das Gebäude so charakteristischen oktagonalen Ecktürme anfügen. Und es war wiederum sein Sohn Albrecht Jan Smiřický von Smiřice, der hier zu dem Verschwörertreffen der Ständevertreter eingeladen hatte. Er gehörte zu den zentralen Persönlichkeiten des Aufstands. Er war nicht nur am Fenstersturz beteiligt, sondern wurde auch Teil der Direktionsregierung, die nach der Absetzung König Ferdinands über die weitere Strategie und die Verfassung beschließen wollte. Er war sogar als neuer und gewählter König im Gespräch, aber am Ende entschied man sich für Friedrich von der Pfalz. Das war möglicherweise ein Fehlentscheidung, denn Friedrich war unerfahren und leichtsinnig. Unter ihm verloren die Aufständischen die Schlacht am Weißen Berg im November 1620. Weil er nur einen Winter regierte, verspottete man Friedrich nunmehr als den „Winterkönig“.

Der Historiker Golo Mann sollte später schreiben, „wenn überhaupt einer die böhmische Rebellion hätte zum Sieg führen können, so wäre es Albrecht Jan Smiřický gewesen.“ Aber es sollte nicht so sein. Albrecht Jan Smiřický ze Smiřic erlebte weder den Kampfbeginn, noch die Schmach der Niederlage, denn er war im November 1618 an einer Lungenentzündung gestorben, nachdem er noch aus eigenen Mitteln ein Regiment mit über 1000 Mann für den anstehenden Kampf aufgestellt hatte. Seine beiden Schwestern stritten sich um das Erbe, was aber im Grunde sinnlos war, denn nach der Niederlage beschlagnahmte der Kaiser den Besitz aller Aufständischen. Der Smiřický’sche Besitz fiel an den erfolgreichsten und berühmtesten General der kaiserlich-katholischen Seite, Albrecht von Wallenstein (den kennt man ja von Schiller). Nach dessen Ermordung wechselte der Palais an der Kleinseite mehrfach den Eigentümer.

1763 wurde das Schloss von Jan Pavel Montág erworben, weshalb der Palast auch manchmal dům U Montágů, d.h. Haus beim Montág genannt wird. Der neue Besitzer ließ das Gebäude in den Jahren 1764/65 nach einem Entwurf von Josef Jäger, der auch den nahegelegenen Palais Grömling erbaut hatte, umbauen und vor allem vergrößern. Insbesondere wurde ein zusätzliche Stockwerk eingezogen, sodass es endgültig die äußerliche Gestalt bekam, die wir heute beim Vorbeigehen bewundern können. 1895 erwarb der Böhmische Landtag das Gebäude, wo es das eigentliche Landtagsgebäude im nahegelegenen früheren Palais Thun räumlich ergänzte. Und so blieb es bis heute. Das tschechische Abgeordnetenhaus (der Nachfolger des Landtags) tagt immer noch im Palais Thun und im Palais Smiřický befinden sich zusätzliche Büros, unter anderem die des Informationszentrums des Parlaments. Um die Sache für einen modernen Parlamentsbetrieb tauglich zu machen, wurde zwischen 1993 und 1966 noch einmal ordentlich renoviert. Daran, dass hier einmal ein Aufstand begann, der Europa erschütterte, erinnert heute nur noch eine bronzene Plakette, die an einem der Pfeiler der Arkaden angesbracht wurde. (DD)

Nusles Nationalhaus

Ende des 19. Jahrhunderts gehörte es in jeder böhmischen Stadt zum guten Ton, einen Ort zu schaffen, wo tschechische Kultur und Geselligkeit in großen Räumlichkeiten und Sälen zelebriert werden konnte – ein Stück nationaler Selbstvergewisserung im österreichisch bestimmten Habsburgerreich.

Auch die Stadt Nusle leistete sich anlässlich der Verleihung der Stadtrechte durch die k.u.k.-Regierung im Jahre 1898 ein solches, durch Bürgerengagement entstandenes Nationalhaus (Národní dům). Nusle verlor seine kurzlebige Eigenständigkeit zwar schon wieder im Jahre 1922 durch die Eingemeindung zur Hausptstadt Prag (heute daher ganz prosaisch Prag 4), aber das Gebäude steht hier immer noch in alter Pracht und altem Glanz an der Nuselská 2/1, Ecke Čestmírova – allerdings nicht mehr als Kulturzentrum, sondern primär als Bürogebäude, in dessen Erdgeschoss die örtliche Sparkasse ihre Filiale hat.

Schon im Jahre 1897, als sich abzeichnete, dass im nächsten Jahr Nusle eigenständige Stadt werden sollte, begann der Architekt Antonín Frič mit den Plänen für das Gebäude im Stil der Neorenaissance. Der Bau symbolisierte auch architektonisch den Beginn der neuen Ära, denn mit ihm verschwanden die letzten Reste des kleinen Dorfs, das hier noch bis vor kurzem existierte. Das Nationalhaus befindet sich auf dem ehemaligen Gelände eines kleinen Bauernhofs – heute ist es quasi das urbane Zentrum Nusles.

Wie bei Nationalhäusern üblich geriet man bei der Fassadengestaltung in wilde Tschechentümelei und patriotischen Überschwang. Das kann man schon bei dem bekanntesten Prager Bauwerk dieser Art, dem Národní dům in Vinohrady (früherer Beitrag hier) von 1894 beobachten. Meist sieht man Skulpturen oder Büsten von tschechischen Mythengestalten oder wichtigen historischen Persönlichkeiten des tschechischen Kulturlebens. Das Nationalhaus in Nusle ist da keine Ausnahme. Und schon gleich oben im Giebel thront als Schutzpatron des Landes der Heilige Wenzel mit wehendem Banner und stolzem Blick.

Etwas darunter sieht man rechts die der böhmischen Sagenwelt entsprungene Seherin Libuše, die dereinst in vorgeschichtlichen Zeiten Prag eine große Zukunft weissagte, und die durch ihre Heirat mit Přemysl, für den sie ihren Anspruch auf die Herrschaft Böhmens aufgeben musste, das bis ins 14. Jahrhundert im Lande regierende Geschlecht der Přemysliden begründete – jedenfalls, wenn man der Chronica Boemorum des Mönches Cosmas von Prag aus dem 12. Jahrhundert Glauben schenkt. Diese Hintanstellung der Seherin zugunsten ihres Mannes (aus geschlechterdiskriminierenden Gründen) sollte später zu Konflikten zwischen Männern und Frauen, die ja bekanntlich sowieso nicht zueinander passen, führen. Aber die patriotische Darstellung auf der Fassade des Nationalhauses stellt die beiden als harmonierende Nationsgründer dar.

Aber damals wollte man schon nicht mehr nur in der Sagenwelt schwelgen. Über dem Eingang befindet sich ein etwas revolutionäreres Statement, nämlich die Büste von Karel Havlíček Borovský, einem Teilnehmer der 1848er Revolution, der als Publizist mit seinen radikalen Forderungen nach mehr demokratischer Mitbestimmung Böhmens so sehr bei der Obrigkeit aneckte, dass er mehrfach verbannt wurde. Der Nationalheld thront mit trotzendem Blick über dem böhmischen Löwen.

Der neu angelegte Platz vor dem Nationalhaus wurde dazu übrigens passend Rieger Platz (Riegrovo náměstí) genannt, was die revolutionäre Botschaft unterstrich. Denn František Ladislav Rieger war ebenfass 1848er-Revolutionär und wirkte lange Zeit als Abgeordneter im Reichtsag und im böhmischen Landtag für die Rechte der Böhmen im Reiche. Das ist übrigens der Grund, warum die Nazis nach 1939, denen er definitiv zu liberal war, den Platz sofort nach dem irgendwie unverfänglicheren Heiligen Method benannten. Die Kommunisten, die 1948 die Macht ergriffen, fanden ihn auch zu liberal, weshalb der Platz seither Platz der Brüder Synek (náměstí Bratří Synků) benannt ist – nach den Brüdern Otto und Viktor Synek, die 1941/42 als Mitglieder des kommunistischen Widerstandes von den Nazis brutal hingerichtet worden waren. (DD)

Kompliziertes Erbe der Habsburger: Die Prager Hausnummern

Keine Frage: Die Kartusche aus feinem Stuck mit dem hübschen Löwenkopf macht schon etwas her. Sie befindet sich über dem Türsturz des um 1905 gebauten neobarocken Mietshauses in der Trojanova 1993/5 im Süden der Neustadt. Aber was bedeutet die Inschrift „Čís 1993“ in der Mitte? Jetzt ist vielleicht die Zeit gekommen, das gar nicht so leicht verständliche System von Hausnummern in Prag bzw. ganz Tschechien zu erklären.

„Čís“ steht hier nämlich für „Číslo“, was das tschechische Wort für „Nummer“ ist. Manchmal genügt auch das einfache „Č“, wie man auf dem Bild links, dem Eingang des neobarocken Hauses am Masarykovo nábřeží 238/20 erkennen kann. Dass Häuser nummeriert werden und eine Hausnummer sichtbar an der Fassade tragen, ist zwar für das Auffinden eines Hauses, das man aus irgendeinem Grunde besuchen will, sehr praktisch, ist aber historisch gesehen eine relativ neue Idee. Im Mittelalter hatte man allenfalls Straßennamen. Prag war aber nach heutigen Maßstäben klein und überschaubar. Zudem gab es Prag im eigentlichen Sinne noch nicht, denn die Stadt wurde erst 1784 aus den bis dato recht selbständigen Städten Altstadt, Neustadt, Kleinseite und Burgstadt zusammengesetzt. Da fand man sich auch ohne Nummern noch so einigermaßen zurecht.

Trotzdem stellte sich ab dem 14. Jahrhundert (der Blütezeit Prags unter Karl IV.) ein gewisses Gefühl der Unübersichtlichkeit ein. Es tauchten die ersten Hausschilder auf, die der Identifikation des Hauses für den Suchenden dienten (wir zeigten u.a. Beispiele hier, hier und hier), was aber auch nie so recht zielführend war. Die Häuser bekamen Schilder über der Tür angebracht, die zunächst meist auf Holz gemalt waren. In der Blütezeit des Hausschildes, dem Zeitalter des Barocks, wurden sie meist in reich ornamentierte Kartuschen aus Stuck eingefügt – mal gemalt, mal als Relief. Das waren oft regelrechte Kunstwerke und Statussymbole, wie man es etwa hier an dem passend Haus zur Blauen Traube (dům U Modrého hroznu) genannten Gebäude in der Husova 227/15 (Altstadt) sehen kann. In einer Nische sieht man zwei lebensgroße Männer als Relief eine weit überlebensgroße blaue Traube transportieren. Das Ganze entstand um 1726-1737 als hier zwei kleine gotische Häuser zu einem großen barocken Haus zusammengelegt wurden.

Solche Hausschilder hatten meist einen Bezug zum dem Gewerbe, das in dem jeweiligen Haus betrieben wurde (als eine Art Werbung), wofür wir bereits hier ein Beispiel zeigten. Die drei Ringe, die wir bei dem passend Haus zu den Drei Goldenen Ringen (dům U Tří zlatých prstenů) genannten, um 1840 klassizistisch modernisierten Gebäude aus dem Spätbarock sehen, könnten also auf einen Goldschmied als früheren Besitzer hindeuten. Hausschilder konnten aber auch andere Motive (Heilige, astrologische Symbole, Tiere, etc.) beinhalten. Es waren Bilder, die das Haus irgendwie einzigartig und erkennbar machen sollten. Da das aber nicht verpflichtend war, war aber nicht garantiert, dass das Haus, was man finden wollte, auch so ein Hausschild zum eindeutigen Erkennen hatte. Wegen Namensgleichheiten konnten zum Beispiel auch Verwechslungen entstehen. So gab es etwa etliche Gasthäuser, die sich „Zum Schwarzen Pferd“ (U Černého Koníčka) nannten und eine entsprechende Darstellung eines schwarzen Pferde als Hausschild hatten (Beispiele präsentierten wir hier, hier und hier).

Noch gravierender war das Problem bei Heiligenmotiven, bei denen vor allem die Maria so viele unzählige Male mit dabei war, dass sie aufhörte einem Alleinstellungsmerkmal auch nur nahe zu kommen. Hier sehen wir als Beispiel das von einer üppigen Barockkartusche mit Putten umrahmte kleine Marien-Hausschild des Hauses U Voglů am Malostranské náměstí 262/9 (Kleinseitner Ring) aus dem 18. Jahrhundert. Hausnummern aus Zahlen sehen zwar nicht so hübsch aus wie Hausschilder mit Marien- oder Pferdebildern, sind aber unverwechselbarer und eindeutiger zu identifizieren. Und wenn man den Namen oder das Hausschild kannte, wusste man noch lange nicht, wo sich das Haus befand. Man musste sich wahrscheinlich irgendwie durchfragen. Dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Teilen des Habsbugerreichs in einigen Städten sogenannte Häuserschematismen (so etwas wie Straßen- und Häuserverzeichnisse) veröffentlicht wurden (in Wien ab 1701), half ein wenig beim Auffinden – vorausgesetzt man war kein Analphabet, was aber ein Großteil der Bevölkerung damals noch war. Kurz: Es bestanden in jeder Hinsicht Möglichkeiten zur Optimierung in Sachen Hauskennzeichnung.

Dieses Projekt nahm in den Zeiten der Aufklärung Schwung auf. Im Jahre 1770 ordnete Kaiserin Maria Theresia, eine aufgeklärte Absolutistin, die Einführung von Hausnummern im ganzen Reich und beginnend mit Wien an. Das war komplizierter als man heute denken würde und folglich war das Nummernsystem noch etwas verwirrend für heutigen Beobachter. Hausnummern beruhen auf Voraussetzungen, die damals zunächst noch nicht exisitierten und erst im Absolutismus geschaffen wurden. Zur Erfassung und Nummerierung (anfänglich machten das Beamte mit Pinsel und Farbe, wie dereinst bei 4711 in Köln) muss man ja erst ein Bevölkerungs- Eigentümer- und Häuserregister haben. Unmengen von kleinen Kommission wanderten 1770/71 durch die Lande, klopften an Türen und erfassten, was sie erfassen mussten. In der Reihenfolge, in der erfasst wurde, wurde auch die Nummer vergeben. Als das fertig war, entwickelte sich langsam so etwas wie moderne Grundbücher, die dann auf Erlass von Kaiser Franz II. 1794 als Hauptbücher im Habsburgerreich verpflichtend wurden. Fortan wurden die Nummern bei Neubauten in der zeitlichen Reihenfolge des Baus in einer Stadt vergeben. Diese Art der Zählung nennt man Konskriptionsnummer. Oberhalb links sieht man ein Beispiel in der Záhřebská 876/29 in Prag-Vinohrady mit der Nummer 876 in Glas graviert (Ende 19. Jahrhundert).

Ja, die Konskriptionsnummer, für die es noch keine staatlich festgelegten Schilder gab, befeuerte die künstlerische Phantasie von Architekten, die sich bei der Kreation von Stuckornamenten nur so übertrafen – wie etwa bei dem Haus mit der im Jugendstil beadlerten“Čís 1659″ in der Laubova im Stadtteil Žižkov (Bild rechts). Aber: Bein Suchen einer Adresse war dieses System, das zwar die bürokratische Verwaltung (z.B. Steuer- und Abgabenerhebung) vereinfachte (was auch zunächst das Primärziel war), für den suchenden Bürger nicht wirklich hilfreich. Hausnummern, die chronologisch-numerisch aufeinander folgten, konnten in Wirklichkeit räumlich weit entfernt von einander liegen. Das riesige Bevölkerungswachstum und das Anwachsen der Städte verlangte nach einem anderen Nummersystem. Deshalb führte man im Habsburgerreich 1862 zusätzlich die sogenannte Orientierungsnummer ein. Das ist die heute auch in Deutschland übliche Hausnummer, bei der die Häuser in numerischer Reihenfolge in der jeweiligen Straße „aufgereiht“ sind. Mit einem solchen System konnte sich jeder mit Hilfe des Straßennamens und einer Zahl in einer Stadt orientieren. Das ist der Grund, warum man sie Orientierungsnummer nannte. Das System wurde wechselseitig praktiziert, d.h. die gerade Ziffern auf der einen, die ungeraden auf der anderen Seite der Straße. Das war keine Habsburger Erfindung, sondern wurde erstmals in Amerika (genauer: in Philadelphia 1780) eingeführt und trat dann 1805 in Paris seinen Siegeszug durch Europa an.

Aber was macht Prag so besonders und anders als andere europäische Städte? Nun, Tschechien gehört zu den wenigen Ländern, die beide Hausnummersysteme, die Konskriptionsnummer und die Orientierungsnummer, heute noch gleichzeitig verwenden. Auf Tschechisch: Číslo popisné und Orientační číslo, heutzutage meist čp. und čo. abgekürzt. Man kann die heutigen Nummernschilder leicht unterscheiden. Wie fast überall in der Welt handelt es sich um kleine und landesweit uniform gestaltete Metallschilder, die mit Emaille beschichtet und weiß beschriftet sind. In Prag/Tschechien sind die Schilder der Konskriptionsnummer rot und die Orientierungsnummern blau emailliert – so wie hier in der Ostrovní 225/1 in der Neustadt (Nové Město) bei einem Gebäude des Nova Scena-Theaters.

Diese einfache Methode der uniform gestalteten Emaille/Blech-Schildchen ist aber relativ neu. Im 19. Jahrhundert, als die Sache so richtig konsequent in der Stadt eingeführt wurde, überließ man die konkrete Ausgestaltung der Nummerierungspflicht noch der eigenen Kreativität der Hausinhaber. Deshalb sieht man an den Türen älterer Häuser manchmal kleine Kunstwerke – oft in Stuck (dabei oft an alte Hausschilder anspielend), aber auch in Glasgravur oder auch Buntglas. Letzteres macht sich besonders hübsch, wenn der Eingangsbereich von innen beleuchtet ist, wie man links am Beispiel des Hauses in der Americká 415/36 (ein Neorenaissancegebäude, ca. 1890) sehen kann.

Meistens sieht man dabei nur die Konskriptionsnummer. Spätestens mit der Einführung der Orientierungsnummer erwies sich nämlich die abschraub- und austauschbare Kleinplakette als wesentlich praktischer als eine große Stuckarbeit. Denn was ist, wenn sich Hausnummern ändern? Rechts sieht man eines der wenigen Häuser, bei denen sowohl Konskriptions- als auch Orientierungsnummer schon beim Bau des Hauses in Stuck fest in den Türsturz gegossen wurden. Heute hat das Haus die Nummer Gorazdova 333/18 (wie man an den hier hineinkopierten Blechplaketten sieht). Als das Haus 1905 gebaut wurde, befand man sich noch in der Podskalská 333/72. Die Straße wurde 1947 umbenannt und schon kurz nach dem Bau des Hauses hatte sich die Straße durch die Anlage des nahen Palackého náměstí (Palacký Platz) so verkürzt, dass die Orientierungsnummer 72 in 18 umgewandelt werden musste. In Blech stimmt das Ganze, während der Stuck weiterhin die alte Nummer verewigte. Kuriose Beobachtung: Die Stuck-Orientierungnummer wird nicht „čo“, sondern „čn“ abgekürzt. In den Anfängen sprach man nämlich oft salopp von der Neuen Nummer (čislo nové).

Aber: Die Konskriptionsnummer blieb stets, wie sie war, nämlich 333 – genau wie etwa die bei dem rechts abgebildeten Haus in der Varšavská 1338/15 (ca. 1880/90) in Prag 2. Das Fazit der Geschichte: Die Konskriptionsnummer ist äußerst langlebig , weshalb es zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem normierte Metallplaketten angebracht wurden, sinnvoll oder praktikabel war, sie in die Architektur des Hauses künstlerisch zu integrieren. Bei der Orientierungsnummer ist das eindeutig nicht der Fall. Nun hat sich aber die wesentlich praktischere Orientierungsnummer am Ende überall in der Welt durchgesetzt. In der Habsburger „Mutterstadt“ Wien wurden sie in einer Reform 1958 zwar formell beibehalten, de facto befindet sich seither an den meisten Fassaden nur noch die Orientierungsnummer. Manchmal ist die Konskriptionsnummer anscheinend noch innen im Hausflur angebracht.

Nur inTschechien und der Slowakei feiert die Konskriptionsnummer immer noch fröhliche Urständ – wenngleich immer mit der Orientierungsnummer verbunden, um die Orientierungslosigkeit der Menschen in den Straßen zu minimieren. Ganz gelingt das nicht immer, denn manchmal wird in irgendwelchen Verzeichnissen die Reihenfolge der Nummer (etwa 12/2100 statt 2100/12) vertauscht. In der Regel ist die Konskriptionsnummer die höhere Ziffer und damit leicht identifierbar (Beispiel rechts, das Neo-Rokokohaus in der Římská 1276/36). Aber es gibt auch Häuser, bei denen beide Nummern klein sind (etwa 14/13). Da wird es schwieriger. Erst, wenn man vor dem Haus steht, kann man die Nummern wegen der Farben der Schilder klar zuordnen. Das alles mag man kurios finden. Aber man verdankt der Weiterexistenz der Konskriptionsnummer immerhin auch das Weiterleben ausgesprochen hübscher und manchmal geradezu in künstlerischer wertvoller Form gestalteter Nummerierungen als integrales architektonisches Element in alten Häusern.

Ach ja, bevor man bei älteren Gebäuden jede in Stuck gearbeitete hohe Nummer über dem Türsturz für eine Konskriptionsnummer hält, sollte man darauf achten, dass das wirklich ein „Čís“ oder „Č“ davorsteht. Es gibt nämlich noch ein zusätztliches Element der Verwirrung in Sachen „Nummern auf Häusern“. Vor machen Ziffern steht nämlich die Abkürzung L.P., was eine Hausnummer (ganz gleich, welche) ausschließt. Die Abkürzung steht für léta Páně, was soviel heißt wie: Im Jahre des Herren. Und das bezieht sich auf das Jahr der Fertigstellung des Hauses, das hier zelebriert wird. In dem links gezeigten Beispiel, einem neobarocken Haus in der Římská in Vinohrady, ist das Baujahr 1904 und nicht die Konskriptionsnummer festgehalten, während die Hausnummer 1248/34 lautet. So kompliziert kann es hier in Prag mit der Nummeriererei bei Häusern sein. (DD)

Und hier noch mehr Bilder schöner Hausnummern aus Prag…

Noch ein Bild als Nachtrag: Eine feine Jugendstil-Konskriptionsnummer in der U Nových Vil 176/11 in Prag-Strašnice, entstanden um 1908.

Ein weiteres und seltenes Beispiel, wo beim Bau eines Hauses am Náměstí Míru in Vinohrady (im Stil des Neobarock, um 1902) die Konskriptionsnummer (1220) und die Orientierungsnummer (19) fest in Stuck gegeossen wurden, was sich später rächte. Denn später wurde aus der Orientierungsnummer 19 eine Nr.3 auf blauem Blech. Die Konskriptionsnummer blieb.