Vančura in Zbraslav

Die Kommunisten schlossen ihn 1929 aus der Partei aus, weil er sich nicht von Moskau gängeln lassen wollte, die Nazis richteten ihn 1942 hin: Der Schriftsteller Vladislav Vančura gehört gleich zu den Opfern beider Totalitarismen des 20. Jahrhunderts.

Vančuras in Tschechien bekanntestes Werk ist das 1931 erschienene Kinderbuch Kubula a Kuba Kubikula, das in deutscher Übertragung 1963 erstmals unter dem Titel Peterpetz und Peter Petermichel in die Buchläden kam. Es handelt sich um eine kleine Groteske über die beiden Bären Kuba Kubikula und dem etwas aufmüpfigen Kubula, dem die ihn ängstigende Hexe Barbucha erscheint, die aber nur verschwindet, wenn auch seine Angst schwindet.

Unter seinen anderen, heute weit weniger bekannten Werken befinden sich sozialkritische, aber auch historische Romane. Eigentlich hatte er Medizin studiert und war 1921 in den Prager Stadtteil Zbraslav gezogen, um mit seiner Frau dort eine Praxis zu eröffnen. Im Jahr zuvor hatte er sich bereits einer kommunistischen Literatengruppe angeschlossen und begann sich politisch zu engagieren. Er mag sich erhofft haben, bei der (in der Tschechoslowakischen Republik legalen) Kommunistischen Partei (KSČ) gleichgesinnte Freigeister zu finden, aber ab 1925 wurde immer mehr klar, dass die Partei strikt von Moskau „auf Linie“ gebracht wurde – eine Entwicklung, die 1929 mit der Übernahme der Führung durch den Stalinisten und späteren Präsidenten Klement Gottwald ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Vančura protestierte zusammen mit sechs anderen Schriftstellern mit dem berühmten Manifest der Sieben gegen die Gleichschaltungspolitik und wurde darob von linientreuen Kollegen öffentlich geschmäht (von denen einige nach der Machtübernahme der Kommunisten von 1948 selbst Opfer von Schauprozessen wurden). Der Ausschluss folgte umgehend.

1939 marschierten die Nazis in der Republik ein. Nicht nur literarisch leistete er Widerstand. etwa mit seinem Buch Obrazy z dějin národa českého (Bilder aus der Geschichte des tschechischen Volkes), das im gleichen Jahr erschien. Er schloss sich einer den Kommunisten nahestehenden Widerstandsgruppe, dem Národní revoluční výbor inteligence (Nationales Revolutionäres Geheimkomitee) an. Nach dem Attentat auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich, an dem er nicht beteiligt war, wurde er in seinem 1942 in seinem Haus in Zbraslav verhaftet und kurz darauf ohne Verfahren hingerichtet.

Nach dem Krieg wurden ihm posthum höchste Ehrungen zuteil – von den Demokraten bis 1948, von den Kommunisten danach. Und auch heute lebt sein Ruhm, primär als Autor des Kubula, fort. Was ihm im Leben verwehrt blieb, kam nun: allgemeine Anerkennung.

Auch in seinem heimischen Zbraslav wird er bis heute eingehend und eindringlich gewürdigt. Am Ende der nach ihm benannten Straße Vladislava Vančury steht direkt neben seiner vom Architekten Jaromír Krejcar 1926 im streng funktionalistischen Stil erbauten Villa (Nr. 635, zu sehen im Bild Mitte rechts) das im Jahre 1959 errichtete Denkmal. Die auf eine Sockel befindliche Büste des Schriftstellers ist das Werk des Bildhauer Karel Lidický. Es steht am Ende der Sackgasse direkt an jenem Waldabhang, an dem Vančura gerne spazieren ging, um sich inspirieren zu lassen.

Weiter oben kann mann einen hübschen kleinen achteckigen Altan, den Karlův stánek (Karls Stand), besichtigen. Der Aussichtspunkt (kleines Bild unten) wurde um 1850 im Neobarockstil erbaut und soll daran erinnern, dass Kaiser Karl IV. hier 1330 verweilte, um unten im Kloster das Grab seiner Mutter zu besuchen. Hier machte Vančura, so vermelden die Stadthistoriker, auf seinen Spaziergängen oft Rast, um die Aussicht über die Moldau zu genießen. (DD)

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