Gottesdienst empfohlen

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Kommt man von unten über die große Freitreppe sieht man, dass sie hoch auf einem Felsen liegen muss. Aber auch der Weg von der Seite ist beeindruckend, führt er doch IMG_8580über einen kleinen Ziergarten mit schönem Baumbestand, der mitten in der verkehrsreichen Gegend nahe des Karlsplatzes wie ein Ruheidyll anmutet. Kurzum: Die Kirche Sankt Johannes Nepomuk am Felsen (Kostel sv. Jana Nepomuckého Na Skalce) ist ein kleines barockes Schmuckstück.

Benannt wurde sie nach dem böhmischen Bischof Johannes Nepomuk, den, so heißt es, Kaiser Wenzel dereinst im 14. Jahrhundert von der Karlsbrücke werfen ließ – und zwar schon ein Jahr nach dessen Heiligsprechung 1729. In den Jahren 1730 bis 1738 wurde sie unter der architektonischen Leitung von Kilian Ignaz Dientzenhofer erbaut, dessen  bedeutende Bauwerke in Prag so zahlreich sind, dass man sie kaum aufzuzählen vermag.

IMG_8583Normalerweise nicht der Öffentlichkeit zugänglich, sollte man einfach einmal einen Gottesdienst dort zu besuchen (jeden Sonntag um 11.00 Uhr), um dabei zusätzlich die Gelegenheit zu nutzen, sich die Kirche von innen anzuschauen. Das lohnt sich!

Da ist zunächst einmal generell dieses barocke „Raumgefühl“, das man bei Dietzendorfers Werk so oft findet, und welches er in dem oktogonalen Schiff bei dieser Kirche noch einmal besonders vollendet verwirklicht hat.

Hinter dem Altar findet man eine besonders IMG_8584prachtvoll vergoldete Statue des Namenspatrons von Johann Brokoff, die jedem Besucher der Karlsbrücke bekannt vorkommen muss, diente sie doch als das Modell der Statue, die der Künstler dort aufstellen ließ (siehe früheren Beitrag hier).

Was der Raumwirkung aber endgültig ihre Erhabenheit verleiht, sind die Deckenfresken mit der Apotheose des Nepomuk aus der Hand des böhmischen Freskenmalers Jan Karel Kovář, der sie in den Jahren von 1738 bis 1748 realisierte. Sie lassen den Raum höher IMG_8587(und himmlicher) erscheinen als er in Wirklichkeit ist – ein Meisterwerk des barocken Illusionismus. Und wer sich die Malerei genau anschaut, wird auch entdecken, wo sich der Maler als Zuschauer IMG_8600der himmlischen Verherrlichung, der das Geschehen im Bild festhält, selbst verewigt hat.

Die Kirche ist heute übrigens die „Hauskirche“ der Deutschsprachigen Katholischen Pfarrei, die in besonders herzlicher Art vom österreichischen Pater Martin Leitgöb seelsorgerisch betreut wird. Selbst unregelmäßigen Kirchgängern oder Nichtkatholiken (was beides auf uns zutrifft) sei daher ein Besuch des Gottesdienstes empfohlen. (DD)

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