Prags Italien

Das Italiemische Kulturinstitut in Prag hat sich einen Standort ausgesucht, der sowohl über das nötige kulturelle Ambiente als auch einen historischen Hintergrund verfügt, der zum Zweck passt. Es befindet auf der Kleinseite sich unweit der Deutschen Botschaft an der Vlašská (Ecke Šporkova). Die hieß früher (auf Deutsch) Welsche Straße, in beiden Sprachen handelt es sich aber um einen altertümlichen Ausdruck für „italienisch“.

Rudolf II., der Prag für kurze Zeit zur Hauptstadt des Habsburgerreichs machte, war ein Liebhaber der italienischen Kunst der Renaissance und des Manierismus. Entsprechend ließ er Paläste und öffentliche Gebäude gestalten. Und die Handwerker, die er dafür aus Italien holte, siedelten hauptsächlich an der Vlašská an, die zum „italienischen“ oder eben „welschen“ Viertel wurde.

Rudolfs Nachfolger Matthias und Ferdinand II. brachten zu der künstlerischen auch noch eine religiöse Dimension in das Ganze hinein. Das Areal eignete sich, weil die Italiener katholisch waren, als sicherer Standort für gegenreformatorische Bestrebungen im mehrheitlich hussitisch-protestantisch geprägten Böhmen. Die Jesuiten wurden gefördert und ebenso der Bau von Klöstern und wohltätigen Organisationen.

1611 errichtete man daher an der Vlašská ein klösterliches Kranken- und Waisenhaus. Der aus Italien stammende Baumeister Bartolomeo Scotti führte 1724 große Umbauten durch, die im Kern das heutige Aussehen ganz im Sinne des Hochbarock prägen. Dazu gehörte die große Kapelle der Frau Maria und des Heiligen Karl Borromäus (kaple sv. P. Marie a sv. Karla Boromejskeho), in der der Architekt auch nach seinem Tode 1737 begraben wurde. Und auch der wunderschöne Arkadenhof innerhalb der Mauern des Hauptgebäudes ist sein Werk.

So funktionierte es bis zur Klosterenteignung durch Kaiser Joseph II. im Jahre 1789 das Ganze als Waisenhaus und Waisenschule. Bis 1804 befanden sich dort Mietswohnungen, aber danach fiel es wieder in Kirchenbesitz, wenngleich nicht in klösterlichen, sondern in den der italienischen katholischen Gemeinde. So wurde es bis Anfang des 20. Jahrhundert als Waisenhaus betrieben. Der Kommunismus stellte ein unwillkommene Unterbrechung dar. Seit 1990 ist es Sitz des Italienischen Kulturinstituts.

Das Institut bietet hier Sprachkurse und ausgewählte Kunst- und Kultur-Veranstaltungen (ähnlich wie das deutsche Goethe Institut) und hat das Gebäude sorgfältig in Schuss gehalten. Besonders die ehemalige (d.h. desekrierte) Kapelle mit ihren in Grisaille-Technik (monochrome Graumalerei) angefertigten barocken Deckengemälden (großes Bild oben) und ihren üppigen Stuckarbeiten, wird für Konzerte, Festveranstaltungen und Empfänge genutzt. Eine würdigere Atmosphäre für ein solches Institut lässt sich kaum denken. (DD)

Rosamunde aus Zbraslav

Und jetzt singen wir allesamt: Škoda lásky (wörtlich auf Deutsch: „Schade um die Liebe“). Sie kennen das Lied nicht? Dass Sie das glauben, liegt wahrscheinlich daran, dass Sie das Lied unter einem anderen Titel kennen. Wer weiß in Deutschland, dass das in Deutschland so populäre Stimmungslied Rosamunde eigentlich ein tschechisches Lied aus dem Jahre 1927 ist? Aus Zbraslav im Süden Prags, um genauer zu sein. Erst 1934 erfolgte die Übertragung ins Deutsche und 1938 wurde das Lied zunächst als reines Akkordeonstück auf Schallplatte von Will Glahé einer der ersten Millionseller in Deutschland überhaupt.

Und dann zog das Lied um die Welt. Unter dem Titel Beer Barrel Polka brachte Glahé, der inzwischen aus Überdruss an den Nazis in die USA ausgewandert war, das Lied mit seinem Musette Orchestra dort an die Spitze der Hitparade. Wenige Wochen darauf folgte die heute ungleich bekanntere Fassung der Andrews Sisters. Seither ist das Lied aus keiner fröhlichen Party und keinem großen Bierfest mehr wegzudenken. Die Menge der aufgenommenen Fassungen (darunter recht ungewöhnliche) ist unaufzählbar. Jede Blaskapelle der Welt kann es spielen.

Doch zurück nach Zbraslav. Dort gebar sich und wohnte Jaromír Vejvoda, der Komponist des Liedes. Der kam aus einer alten Kapellmeisterfamilie des Ortes und hatte dadurch schon von Geburt an die Polka im Blut, wie es so schön heißt. Die Leitung der Musikkapelle der Familie erbte er früh von seinem Vater. Er schien kein besonders aufregendes Leben geführt zu haben und kam selten weit aus dem Bannkreis seiner Heimat heraus. Nach dem Weltkrieg lebte er eine zeitlang in Teplice, aber das ist ja auch nur rund 90 Kilometer entfernt. Aber mit Škoda lásky hatte er die ganze Welt beglückt. Während des Zweiten Weltkriegs, als die Welt in Hass versank, waren sich die Menschen in aller Welt – egal auf welcher Seite sie standen – in der Liebe zu diesem Lied einig und sangen es von Herzen. Und das tun sie noch heute.

Vejvoda schaffte im Laufe seines Lebens noch mehrere Gassenhauer, etwa die heimatverbundene Polka Zbraslavská (auf Deutsch „In meinen Armen“ betitelt). Keiner wurde aber ein solches Stück echte „Weltmusik“ wie
Škoda lásky – Rosamunde – Beer Barrel Polka. Sein gleichnamiger Sohn setzte das Erbe des Vaters als Kapellmeister fort und durfte 2002 das Lied sogar in der berühmten Carnegie Hall in New York dirigieren.

In dem Haus, in dem Vejvoda lebte, ist heute ein gepflegtes und gemütliches Bierlokal/Restaurant, das den Titel seines berühmtesten Liedes
Škoda lásky trägt. Es scheint der zentrale Besuchermagnet des schönen, aber etwas abgelegenen Stadtteils zu sein und man feiert dort das Erbe des Komponisten heftig. Das Ganze ist recht authentisch, denn es kommen eher mehr Einheimische denn Auswärtige hierhin, um recht preisgünstig die gute alttschechische Qualität von Bier und Speisen und die rosamundehafte Stimmung zu genießen.

Drinnen ist ein kleines Museum (das heißt, es hängen viele Musikinstrumente und Bilder über Vejvodas Leben und Wirken an der Wand) und ab und zu spielen Kapellen auf, wobei selten ein ganz besonderes Lied im Repertoire fehlt… Draußen ist eine Plakette mit Portrait und dem Hinweis, dass der Schöpfer dieses Liedes hier gelebt habe (großes Bild oben), angebracht und der Schriftzug und die Noten des Liedes schmücken den Fries über dem Erdgeschoss. Sehr einladend – und steht man davor, geht einem die Melodie für den Rest des Tages nicht mehr aus dem Kopf. (DD)

Der Beginn der Finsternis

27-1621

Kaum einer der vielen Touristen bemerkt die 27 weißen Kreuze im Pflaster vor der Nordseite des Altstädter Rathauses. Wüssten sie, wofür diese Kreuze stehen, jagte es ihnen den Schauer den Rücken hinunter. Denn am 21. Juni 1621 (heute vor 398 Jahren) IMG_4735fand hier ein grausiges Spektakel statt, das den Pragern bis heute in den Knochen steckt. Vier ganze Stunden – von fünf bis neun Uhr morgens – verbrachte der Scharfrichter Jan Mydlář damit,  27 Menschen auf dem Schaffott zu Tode zu bringen. Es ging dabei ganz nach der ständischen Rangfolge. Die höchstrangigen Adligen wurden als erste und schnell durch Enthauptung hingerichtet. Wer niedrigen Ranges war, wurde vor seinem Tode noch gequält und langsam am Galgen erwürgt. Dem Rektor der Karlsuniversität, Jan Jessenius, wurde vor seinem Tod noch die Zunge herausgerissen. Nach seinem qualvollen Tod ließ man seinen Leichnam noch einmal vierteilen. Die Köpfe der Hingerichteten wurden zur Abschreckung am Altstädter Turm aufgespießt und zur Schau gestellt. Erst die 1631  im X27bZuge des wechselnden Schlachtenglücks im Dreissigjährigen Krieg einmarschierende sächsische Armee entfernte diese grausigen Zeugnisse des habsburgischen Terrors.

Am Ende waren es drei Hochadlige, sieben Ritter und 17 Bürger, die hingerichtet worden waren. Mögen in diesen Zeiten Hinrichtungen oft ein Vergnügungsspektakel gewesen sein, für die meisten Prager (und Böhmen) war diese Hinrichtung jedoch Vorbotin noch größeren Schreckens. Nicht nur, dass es skandalös erschien, dass so hochrangige und allgemein in hohem Ansehen stehende Herrschaften den öffentlichen Henkerstod erleiden mussten, nein, es war vor allem jedem klar, der das Blutbad oben auf dem Gerüst sah, dass nun für lange Zeit Böhmens Freiheit endgültig verloren war.

Weshalb war es dazu gekommen? Die Hingerichteten waren die führenden Vertreter des Böhmischen Ständeaufstandes von 1618. Mit diesem Aufstand wollten die Repräsentanten Böhmens die Freiheit des Landes vor den absolutistischen Bestrebungen des Habsburgers Ferdinand II. schützen und dessen Übernahme der böhmischen Krone verhindern. Zugleich wollten sie das hohe Maß an religiöser Toleranz und die Rechte der protestantischen und hussitischen Mehrheit im Lande schützen, die zurecht eine radikale Rekatholisierungspolitik durch den neuen Herrscher fürchteten, denn Ferdinand hatte klar gemacht, dass er sich an frühere Gesetze und Abmachungen, die die religiösen Freiheiten garantierten, nicht halten würde. Der Aufstand wurde zum Auslöser des Dreissigjährigen Krieges. Mit der Schlacht am Weißen Berg im Jahre 1620 vor den Toren Prags (wir berichteten hier) war die Sache der Stände und der Religionsfreiheit jedoch leider schnell verloren. Das Land wurde seiner Freiheit beraubt, ein einst stolzes Königreich wurde zur bloßen Provinz des Habsburgerreiches und brutal zwangskatholisiert.

X27aÜber Jahrhunderte war es quasi unmöglich, diesem für die Nationalseele traumatischen Ereignis gebührend zu denken. Das 1915 in Sichtweite der Hinrichtungsstätte der 27 Rebellen errichtete Denkmal eines anderen Märtyrers der Tschechen, Jan Hus, war ein erster Akt denkmalspolitischen Aufbegehrens (siehe hier). Erst nach der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei im Jahre 1918 wurden dann die 27 Kreuze zum Gedenken in das Pflaster eingelassen. Direkt daneben hängt an der Wand des Rathauses auch noch eine große bronzene Gedenktafel, die alle 27 Opfer des Schreckenstat auflistet – als Märtyrer, wie es dort heißt, eines freien Königreiches Böhmen.

Die Ära, die die Hinrichtungen einläuteten, wurde von den tschechischen nationalistischen Historikern späterer Zeiten (etwa Alois Jirásek; siehe früheren Beitrag hier) zur Epoche des Temno – der Finsternis – erklärt, die den Urgrund für alle tschechischen Unabhängigkeitsbestrebungen gelegt habe. Das tschechische Nationalbewusstsein wird bis heute davon geprägt. (DD)

IMG_9950Nachtrag (Abend des selben Tages): Den Tschechen bedeutet dieses Datum tatsächlich sehr viel. Als wir heute abend zufällig an der Stelle der Hinrichtung vorbei kamen, fand dort eine kurze (Spontan-?) Demo statt. Eine Gruppe, deren Mitglieder je eine Namenstafel von einem der Hingerichteten vor sich trugen, stellten sich bei den 27 Kreuzen auf und sangen die tschechische Nationalhymne. Das schienen sie mit der Forderung zu verbinden, das an der Stelle ein richtiges Denkmal errichtet werden sollte.

Kotěras Privathaus als Schaustück

Viele seiner Schüler prägten das Stadtbild des modernen Prags. Und er selbst sah sich wohl auch als kompromisslosen Wegbereiter einer neuen, funktionalistischeren Ästhetik in der Architektur. Diesen Anspruch wollte Jan Kotěra auch an seinem eigenen Domizil demonstrieren.

In den Jahren 1908-09 ließ er sich nach seinem eigenen Entwurf in der Hradešínská 1542/6 in Prag 10 seine Villa Kotěra (Kotěrova vila) bauen, die seine architektonischen Ideen möglichst rein umsetzen sollte.

Sicher, das Haus wirkt auf den ersten Blick von außen nicht beeindruckend und recht schmucklos. Aber bei näherem Hinsehen entpuppt es sich aber als Schaustück für Kotěras architektonisches Selbstverständnis. Auf der einen Seite ist das die Modernität. Es wurde auf jedes dekorative Element verzichtet (im Gegensatz zum ebenfalls modernistischen Jugendstil, dem Kotěra noch in seinem Frühwerk folgte). Die Formen sind geometrisch und die Außenfassaden kommen mit reinem Mauwerwerk oder groben Putz aus.

Auf der anderen Seite ist da die eine Burg erinnernde Silhouette des Gebäudes mit seinem Turm. Dadurch erinnert der erste Eindruck bereits an einen eher bodenständigen und folkloristischen Baustil – ist also durchaus wohnlich. Auch der Torbogen vor dem Haus deutet in diese Richtung. Ähnlich wie später in Amerika Frank Lloyd Wright wollte Kotěra Tradition und modernes Design miteinander verbinden. Sein berühmter Schüler Josef Gočár setzte diesen Ansatz später  fort, indem er den modernen Kubismus mit böhmischen Volkskunstmotiven versetzte, um einen Nationalstil für die Tschechen zu erschaffen – wenngleich es in diesem Fall wieder mit der Rückkehr zur Ornamentik kam,die Kotěra für überwunden geglaubt hatte (siehe früheren Beitrag hier).

Von Innen kann man das denkmalgeschützte Haus nicht besichtigen, da es ein privates Wohnhaus ist, wozu es ja auch entworfen worden war. (DD)

Gotteshaus in Konstruktivismus

Die Modernität dieser Kirche zeigt sich schon darin, dass sie sich gar nicht als Kirche bezeichnet wird, sondern als bloßes „Haus“. Das ist die Regel bei Gotteshäusern der Tschechoslowakischen (bzw. heute Tschechischen) Hussitischen Kirche (siehe früheren Beitrag hier), die das aktive Gemeindeleben und nicht die Kirchenhierarchie in den Mittelpunkt stellen.

Das gilt auch für das Hus Haus (Husův sbor) in der Dykova 1 in Prag 10, das zugleich Kirche, Kulturzentrum, Kino, Friedhof und soziales Projekt ist. Und der moderne Anspruch wurde hier auch mit ungewohnter Radikalität architektonisch umgesetzt. Gebaut wurde das Gebäude in den Jahren 1932/33. Der Architekt Pavel Janák hatte mit seinem Entwurf seine frühere kubistische Schaffensphase (siehe frühere Beiträge hier und hier) beendet und sich einem kompromisslosen Konstruktivismus verschrieben. Eine funktionalistische Ästhetik, die das Material und seine Formbarkeit in dem Mittelpunkt stellte, prägt das Gebäude. Eine solche Architektur, die damals mit Fortschritt und Freidenkertum verbunden wurde, hatte bis dato so gut wie nie in Gestaltung von Sakralbauten Eingang gefunden (eine Ausnahme in Prag hier).

Das von außen auffäligste Attribut des Gebäudes ist der sehr leicht und offen aus Pfeilern aufgebaute sechsstöckige Turm, dessen ersten drei Stockwerke auf einer metallenen Wendeltreppe erklimmbar sind, und auf dessen Spitze ein 700 Kilogramm schwerer Kelch (das Symbol der hussitischen Kirche) aus Kupfer weithin sichtbar ragt. 35 Meter ist der Turm hoch.

Der Turm steht neben dem quaderförmigen fünfstöckigen Hauptgebäude, in dem sich neben dem Predigtsaal zahlreiche Klub- und Veranstaltungsräumde finden. Eine seitlich angebrachte freie Treppe führt zum Saal. Der Saal für die Gottesdienste ist wie ein Amphitheater aufgebaut, um der Gemeinde die bestmögliche Sicht zu erlauben. Das alles ist geradezu als Gegenentwurf zur kaltholischen Barockarchitektur gedacht. Das verweist auf die Ursprünge der Hussistischen Kirche, die sich als radikalreformistische Srömung in den 1920er Jahren von der Katholischen Kirche abgespaltet hatte.

Eine Besonderheit, die sich häufig in hussitischen Kirchen findet, betritt man vom Erdgeschoss aus. Es ist ein zweistöckiges Kolumbarium (auch Urnenwand genannt; d.h. Aufbewahrungsort für Urnen Verstorbener), dessen Mitte im Untergeschoß von einem Springbrunnen – ein Lebenssymbol, das die christliche Botschaft unterstrechen soll – geschmückt ist.

Im Treppenhaus zum oberen Stock befindet sich ein großes und beeindruckendes Relief des berühmten Art-Déco-Bildhauers Jaroslav Horejc. Es stellt das Jüngste Gericht gemäß Neuem Testament (1. Johannes 3:14) dar: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer nicht liebt, der bleibt im Tod“. (DD)

Leopoldine in Edelstahl

Es wäre kein Haus, das dem zufällig vorbeikommenden Passanten irgendwie besonders auffallen würde – wäre da nicht diese ungewöhnliche, leicht asymmetrische stählerne Portikus im klassizistisch angehauchten Art Deco-Stil.

Den gab es da wohl anfangs nicht, denn als das Haus 1873 als eines der ersten in Vinohrady (Prag 2) gebaut wurde, war das Gebäude in der Anglická 391/17 (Ecke Balbínova) ein konventionelles Mietshaus im Neorenaissancestil und beherbergte lange Zeit im Erdgeschoss ein Café. 1911 wurde es umgebaut. Wahrscheinlich war es Jaroslav Mayer, ein Schüler des berühmten Wegbereiters der modernen Architektur, Jan Kotěra, der die heute noch erkennbare Spätjugendstilfassade entwarf, deren geometrische Muster erst bei näherem Hinsehen auffallen.

1919/20 sollte ein neuer Mieter einziehen, der das Mietshaus in ein Bürohaus umwandelte. Der Architekt Vilém Ptačinský baute das Gebäude zu einem Verwaltungsgebäude der im nahen Kladno ansässigen Poldi-Hütte (Huť Poldi), einer der großen Edelstahlproduzenten des Landes, um. Das dürfte auch die Edelstahlportikus erklären, die somit eine Art Werbung für das Produkt des Hauses war.

Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude weiter umgebaut, aber der Charakter der Fassade änderte sich nicht mehr grundlegend. Hauptsächlich wurde hier der Pensionsfonds der Firma verwaltet, die 1948 verstaatlicht wurde. Danach gehörte das Gebäude dem Bergbauministerium. Nach dem Ende des Kommunismus 1989 und der Re-Privatisierung wurden hier Mietbüros für verschiedene Firmen eingerichtet. Aber der Stahl vor dem Eingang blitzt immer noch blank und erinnert an die früheren Zeiten des Hauses als Eigentum der Poldi-Hütte.

Und das beschränkt sich nicht nur auf das Material der Portikus. Wenn man nämlich ein wenig genauer hinschaut, sieht man im Eingangsbereich unterhalb der Portikus auch das alte Traditionslogo der Poldi-Hütte, das das Profil einer Frau zeigt. Damit hatte der Firmengründer, Karl Wittgenstein (der Vater des berühmten Philosophen Ludwig Wittgenstein) seine eigene Frau in feinem Edelstahl (was sonst?) verewigt, die Leopoldine hieß. Ihr Kosenamen „Poldi“ gab der Eisenhütte ihres Mannes auch den Namen. (DD)

Masaryk-Enkel mit Fröschen

Dem Charme der putzigen Frösche, die diesen kleinen Brunnen bevölkern, kann sich wohl niemand entziehen. Deshalb wird er auch meist der Brunnen „bei den Fröschchen“ (U žabiček) genannt, obwohl er offiziell der Brunnen mit den Jungenskulpturen (Fontána s plastikami chlapců) heißt. Die beiden spielenden Jungen fallen den meisten Betrachtern aber nicht so auf wie die Frösche.

Dabei sollen für die Skulpturen der beiden Jungen sogar zwei Enkel des ersten Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk, Modell gestanden haben. Der bekannte Bildhauer Karel Dvořák (siehe auch frühere Beiträge hier und hier) schuf die auf einem Sockel in einem runden Brunnen stehende Gruppe mit Fröschen im Jahre 1948. Das pseudo-barocke Werk steht am Fußes des südöstlichen Teils des Parks am
Petřín-Berg und war Teil der großen Umgestaltung der öffentlichen Gartenanlage in den Jahren 1948/49.

Dass mit den Masaryk-Enkeln ein vager Bezug zur Ersten Republik und der Demokratie bestand, fiel niemandem auf, weshalb die die Bronzefiguren auch nach der Machtübernahme der Kommunisten, die ja Anfang 1948 erfolgte, stehen bleiben durften. Die Frösche wirken sowieso höchst unpolitisch oder gar über den Untiefen der Politik stehend. (DD)