Schönes Nationaltheater

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Kein Besuch in Prag ist vollständig ohne den Besuch einer richtig gediegenen Opernaufführung. Etwa im IMG_8636Národni divadlo (Nationaltheater), einem vom Prager Architekten Josef Zitek erbauten img_2769Prachtbau, dessen Grundsteinlegung im Jahre 1868 stattfand und der 1881 in Gegenwart von Kronprinz Rudolf mit der Uraufführung der für das Ereignis extra komponierten Oper Libuše von Bedřich Smetana eröffnet wurde. Die Büste des Komponisten ziert (Bild rechts) heute das Foyer. Zwar brannte das Theater kurz nach der Eröffnung aus, aber schon 1883 konnte es wieder eröffnet werden.

IMG_8648Der Bau des Theaters war für die Tschechen im Habsburgerreich eine Frage des patriotischen Gefühls. Das Geld kam – nachdem der Böhmische Landtag auf Antrag des national gesonnenen Historikers František Palacký 1845 dem Projekt seine Zustimmung gegeben hatte –  durch von Bürgerspenden auf, die seit 1851 von einem Förderverein gesammelt wurden, dem alle prominenten Bürger Prags, die etwas auf sich hielten, angehörten. Bald wurde man auch fündig, was den Standort anging, nämlich die heutige Národní 223/2 in der Neustadt, direkt am Ufer der schönen Moldau gelegen. Besser ging es nimmer.

IMG_8638IMG_86421862 wurde schon einmal vorab ein provisorisches Theatergebäude eröffnet (Prozatímní Divadlo). Währenddessen wurde weiter Geld für das neue Gebäude gesammelt, und zwar mit solch einem Eifer, dass es sogar Kaiser Franz Joseph (der um den Zusammenhalt der Völker im Reich bemüht war) beeindruckte, der gleich 5000 Gulden spendete. Das nahm dem Projekt möglicherweise ein wenig die nationalistische Spitze und führte einen versöhnlicheren Ton ein. Für das Gebäude wurden Steine von allen böhmischen Gebirgen verwendet. Der Brand von 1881 veranlasste vereinzelt Tschechen dazu, deutsche Attentäter zu vermuten, die den Tschechen ein solches Nationalsymbol nicht gönnten (über eine der Folgen dieser Verschwörungstheorie berichteten wir hier), aber das war zu offenkundig „Fake News“. Und der Kaiser rettete die Situation, indem er dieses Mal gleich 13.000 Gulden für den Neuaufbau unter der Leitung des Architekten Josef Schulz spendete.

IMG_8643Als das Theater abermals (und abermals mit Smetanas Libuše) eröffnet wurde, gab es trotzdem und weiterhin zwischen den deutsprachigen und tschechischen Bewohnern Rivalitäten, die dazu führten, dass zwischen 1886 und 1888 die Erstgenannten das Deutsche Theater, die heutige Staatsoper (Státní opera, wir berichteten hier), erbauten, das mit 1041 Sitzen eindeutig größer war als das tschechische Nationaltheater. Heute kann man sagen, dass die Rivalität der Stadt gut tat, weil sie dadurch nun gleich zwei unglaublich schöne Opernbühnen aufweisen kann. Politisch sah die Sache damals aber vielleicht doch anders aus.

Triga-SchnirchWie dem auch sei: Das Nationaltheater braucht sich vor nichts und niemandem verstecken. Schon bevor sich der Vorhang überhaupt lüftet und die Musik beginnt, kann man sich an den kunstvoll geschnitzten Ornamentdetails und der goldstrahlenden Ausstattung des Gebäudes begeistern. An der Innenausstattung beteiligten sich die berühmtesten tschechischen Künstler der Zeit, etwa der Historienmaler Mikoláš Aleš (frühere Beiträge hier und hier). Die beiden Trigen úber dem Eingang stammen von dem damals sehr gefragten Bildhauer Bohuslav Schnirch (frühere Beiträge hier, hier und hier). Man sollte früh genug kommen und auch die Pause nutzen, um immer wieder Neues zu entdecken. Der historistische Bau im Stil der Neorenaissance strotzt nur so von kleinen Sehenswürdigkeiten, von denen es an dieser Stelle nur einen ganz kleinen Teil zu sehen gibt. (DD)

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