Neo-Renaissance: Schnirchs Haus

Er gehörte zu den wichtigsten Vertretern des Neo-Renaissancestils im Böhmen des späten 19. Jahrhunderts: Der Bildhauer Bohuslav Schnirch (frühere Beiträge hier und hier). Dass er sich sein eigenes Haus, das Dům Bohuslava Schnircha, in diesem Stil erbauen ließ, erstaunt daher nicht. Es liegt in einer heute recht unansehnlichen Nebenstaße an der Grenze von Vinohrady und Neustadt in der Mikovcova 548/5. Dass es sich um ein architektonisch und künstlerisch bedeutsames Gebäude handelt, mag man in der Umgebung leicht übersehen, sollte man aber nicht.

Als Architekten hatte Schnirch (ja, ich weiß, der Name klingt lustig!) Antonín Wiehl gewonnen, einen prominenten Vertreter des Historismus in der Baukunst, der das zweistöckige Haus in den Jahren 1874/75 realisierte. Es war nicht nur Wiehls erstes Wohnhaus im Neo-Renaissancestil, sondern eines der ersten dieser Art in Prag überhaupt.

Dabei orientierte sich Wiehl nicht an dem damals beliebten venezianischen Stil des 15. Jahrhunderts, sondern am florentinischen des Quattrocento. Es wirkt daher ein weniger archaischer und temperamentvoller als viele andere Gebäude der Neorenaissance in Prag. Seine Fenster mit Rundbögen und die schwere Rustizierung der Fassade (die ab dem ersten Stock allerdings nur aufgemalt ist) wirken ausgesprochen wuchtig. Über dem mittleren Fenster im ersten Stock sieht man zudem noch ein kleines Freskengemälde mit kleinen Putten im Renaissancestil.

Die eigentliche Besonderheit sind aber die Sgraffiti an der Fassade (eine Technik der bildlichen Darstellung, bei der verschiedenfarbige Stuckschichten auf die Wand aufgetragen und anschließend in den für das Bild sinnvollen Schichten freigelegt werden). Diese Technik hatte man in Prag zur Zeit des Baus des Hauses gerade wieder künstlerisch „wiederentdeckt“ (etwa beim Palais Schwarzenberg bei der Burg, das als Vorbild gedient haben mag).

Die Sgraffiti an der Fassade sind das Werk des Malers František Ženíšek, mit dem Schnirch unter anderem bei der Gestaltung des Nationaltheaters zusammengearbeitet hatte. Die streifenförmigen Sgraffiti trennen optisch die jeweiligen Geschosse des Hauses und zeigen Motive aus der klassischen Mythenwelt und den Reliefs der Trajanssäule in Rom. Schnirch selbst steuerte mit seiner Stuckplastik einer Gorgo über dem Eingangsbogen ebenfalls ein Gestaltungselement hinzu.

Drinnen gibt es wohl noch das wohlerhaltene und -restaurierte Interieur mit Fresken und vielen skulpturalen Elementen. Das Haus befindet sich aber in Privatbesitz, so dass man es leider nicht so einfach besichtigen kann. (DD)

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