Emanzipierte Schauspielerin

Das Denkmal von Otýlie Sklenářová-Malá ist schon etwas Besonderes. Denn Frauen spielten in der Denkmalskultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts eher eine untergeordnete Rolle. Dass sich das langsam änderte, war auch das Verdienst von Frauenorganisationen, die eifrig für die Gleichberechtigung kämpften. Böhmen war hier innerhalb des Habsburgerreiches führend.

Es gab bereits früh Vereinigungen wie den Böhmischen Frauen-Erwerb-Verein (Ženský Výrobní Spolek Český) von 1871 – ein Bildungsverein für junge Frauen aus armen Elternhäusern – und den 1865 gegründeten Americký klub dam (Klub amerikanischer Damen), der schon im Namen das Anliegen enthielt, den Stand an Gleichberechtigung zu erkämpfen, den Frauen im bereits weit liberaleren und fortgeschritteneren Amerika erreicht hatten.

Letzterer förderte auch besonders die Errichtung von Denkmälern, die die Verdienste von Frauen in der Geschichte und Kultur des Landes befördert hatten (siehe früheren Beitrag hier). Die Schauspielerin Otýlie Sklenářová-Malá hatte dies mit Sicherheit verdient. Schon als junge Frau hatte die Tochter eines Militärarztgehilfen 1862 erstmals in einer Laiengruppe in Wien auf der Bühne gestanden. Nach dem Umzug nach Prag wollte sie erst Opernsängerin werden, entschied sich aber dann doch für das Schauspiel. 1897 heiratete sie Josef Sklenář ,den Direktor des späteren Nationaltheaters, der sie förderte. Sie entwickelte einen neuen Schauspielstil, der den überzogenen Pathos früherer Bühnenpraxis ablegte, und streng realistisch war. Das war bis heute „trend-settend“. Sie beeinflusste Generationen tschechischer Schauspieler und Schauspielerinnen – vor allem, weil sie eine der ersten Schauspielrinnen war, die eine akademische Lehrtätigkeit ausübte. Von 1873 bis 1874 unterrichtete sie an der vom Komponisten Bedřich Smetana gegründeten Opernschule, von 1892 bis 1894 lehrte sie als Professorin an der Schauspielschule des Nationaltheaters und später am Prager Konservatorium.

Das mit Hilfe vonSpenden der „Amerikanischen Damen“ 1933 errichtete Denkmal wurde von dem damals wohl berühmtesten Bildhauer, dem Symbolisten Ladislav Šaloun (siehe u.a. früheren Beitrag hier) gestaltet. Es steht ganz prominent im kleinen, 1882 eingerichteten Čelakovský Park (Čelakovského sady) direkt neben dem großen Nationalmuseum (siehe auch hier) oberhalb des Wenzelsplatzes. Das ist kein Zufall. Sklenářová-Malá engagierte sich gerne für fortschrittliche und patriotische Anliegen, die für eine größere Selbständigkeit und Freiheit Böhmens standen. Das galt auch für den Bau des Nationalmuseums. 1873 hatte sie die vollständigen Einnahmen von 22 ihrer gefragten Gastspiele für das Projekt gespendet. (DD)

Nicht von Dvořák, aber trotzdem schön: Die Neue Welt

Wirklich entzückend ist es, das kleine bezaubernde Sträßchen im Burgbezirk mit dem Namen Neue Welt (Nový Svět). Erblickt man die Gasse, erklingt wie von selbst im Kopfe Antonín Dvořáks Meistersymphonie Aus der Neuen Welt (Z nového světa). Nur: Diese Gasse hat nichts, aber auch wirklich nichts mit Dvořák 1893 in New York uraufgeführtem Werk zu tun.

Denn mit der Besiedlung dieses Areals hatte man schon um 1360 begonnen. Von einer Neuen Welt sprach man deshalb, nicht weil man an das noch unentdeckte Amerika dachte, sondern weil es sich damals noch um eine neue Ansiedlung außerhalb des damaligen Burgbezirks handelte. Hier wohnten zunächst niedere Bedienstete der nahegelegenen Burg.

Immer wieder musste die mittelalterliche Bausubstanz größere Schäden hinnehmen. Nach 1420 kam es zu Zerstörungen im Verlaufe der Hussitenkriege und auch das große Feuer von 1541 (siehe auch Beitrag hier) richtete große Schäden an. Deshalb sind viele der malerischen Häuser, die heute das Herz jeden Besuchers entzücken, nicht die originalen Gebäude am Orte. Viele von ihnen sind selbst für den Laien erkennbar Häuser aus der Barockzeit des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Damals war das ursprüngliche Armenviertel eine zeitlang auch bei vermögenderen und bessergestellten Persönlichkeiten en vogue. Dass der Hofastronom Tycho Brahe hier zu Beginn des 17. Jahrhunderts lebte, wurde in diesem Blog bereits hier erwähnt.

Ob original mittelalterlich oder barock – das ist letztlich egal. Es ändert nichts am Gesamteindruck, der einfach entzückend ist. Die Tatsache, dass der Ortsteil bald wieder verkam und zum Armenviertel wurde, hat später jegliche Modernisierung verhindert. Was für die Bewohner damals schlecht gewesen sein mag, erfreut uns heute. Kein Stahl und Beton trübt die Stimmung. An Tagen außerhalb der Urlaubssaison, an denen weniger Menschen hier sind, fühlt man sich wie bei einer Zeitreise. Geht man bei Abenddämmerung durch die Gasse, blendet einen kein Neonlicht, sondern es sind altmodische Laternen, die Schummrigkeit verbreiten und das ganze schon irreal romantisch erscheinen lassen.

Unter den Häusern, die den rund 250 Meter langen Weg säumen, bieten einige Unterhaltung und/oder Erfrischung. Es gibt ein berühmtes Café, die Kavárna Nový Svět, das auch unter Einheimischen beliebt ist. Es gibt ein Theater, das Divadlo Ungelt, das – wiederum erstaunlich für ein touristsich so erschlossenes Areal – hauptsächlich ein tschechisches Publikum (in Tschechisch) adressiert. Dazu gehört ein Restaurant mit Biergarten (Restaurant Nový svět), das erst wie ein normales Touristenlokal aussieht, aber erstaunlich originelle Gerichte bietet. Der abgebildete Nachtisch ist Vanilleeis mit Roter Beete und Pesto. Das las sich auf der Speisekarte so verrückt, das wir es sofort probieren mussten. Es entpuppte sich als wahrer Avantgardegenuss, der wirklich gut die Gaumen kitzelte.

Eine Besonderheit ist ganz am Ende der Straße das Hotel U Raka. Es handelt sich bei dem kleinen Hotel um das einzige noch erhaltene Holzblockhaus in Prag. Es wurde 1739 das erste Mal urkundlich erwähnt – damals noch kein Hotel, sondern ein Wohnhaus und zwischendurch eine Schmiede. Man muss sich vor Augen halten, dass Nový Svět fast durch seine ganze Geschichte hindurch ein Platz für Arme war und erst im 20. Jahrhundert wieder“hip“ für Künstler und Touristen wurde.

Deshalb war das schöne Holzhaus auch von Verfall bedroht und in den 1980er Jahren arg heruntergekommen. Die Renovierung in den frühen 1990er Jahren und neuerliche Nutzung als kleines Hotel hat das Haus gerettet. „U Raka“ heißt übrigens auf Deutsch soviel wie „Zum Krebs“. Und tatsächlich ist das alte und namengebende Hausschild mit dem Abbild eines Krebses immer noch erhalten.

Auf jeden Fall hat die kleine Nový Svět trotz des Andrangs der Touristen, die sich diese selbst für die anspruchsvollen Prager Verhältnisse außerordentlich malerische Gasse nicht entgehen lassen wollen, noch viel von seiner Authenzität bewahrt. (DD)

Mutant an der Rinne

Nanu? Das Fallrohr einer Regenrinne ist anscheinend mutiert. Lebende Zellen wuchern. Ist es ein Geschwür? Oder ein gigantisches Verdauungsorgan? Könnte es gar gefährlich werden?

Noch unheimlicher wird es, wenn es bei Einbruch der Dämmerung von innen her dumpf und schummerig zu leuchten beginnt. Entstammt es gar einem anderen Planeten? Ein Alien? Nein, es entstammt der Werkstatt des Bildhauers David Černý, der eine anarchische Vorliebe für Skurrilitäten und Provokationen im öffentlichen Raum hat. Diese hier hört auf den Namen Embryo. Aber bietet der Name auch eine Erklärung für die mysteriöse Erscheinung und warum sie gerade hier ihr mysteriöses Unwesen treibt?

Über Černý berichteten wir ja bereits hier, hier, hier, hier, hier und hier. Aber wie kam sein Kunstwerk hier an die Regenrinne eines alten Gebäudes am Anenské náměstí (früher auch: Annen-Platz) 209/5 inmitten des Herzens der Altstadt? Die Antwort lautet: Dieses eher unscheinbare Gebäude ist ein Ort, an dem Widerständigkeit und Provokation dereinst am Ende siegreich triumphierten. In anderen Worten also genau der Ort für eine absurd-groteske und leicht beunruhigende Skulptur dieser Art.

Das alte Barockhaus beherbergt nämlich das berühmte Divadlo Na Zábradlí (Theater am Geländer). Das wurde 1958 gegründet als noch die Nachwehen des Stalinismus das Kulturleben hemmten und originelle und provokante Aufführungen kaum stattfinden konnten. Vor allem unter dem Regisseur Jan Grossman machte das Theater zu Beginn der 1960er Jahre klar, dass es sich an solche Restriktionen kaum halten werde. Die Spezialität des Hauses wurde das absurde Theater, etwas das nun gar nicht in die strenge Staatslinie des offiziellen Histomat passte. Immer wieder wurden politische Botschaften des Dissidententums in die Stücke geschmuggelt.

Und richtige Dissidenten arbeiteten dabei mit. Allen voran gehörte dazu kein Geringerer als Václav Havel, der berühmteste dissidentische Schriftsteller des Landes und später erster Präsident des Landes nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989. Er stieß in den frühen 1960ern zur Theatertruppe und versorgte sie mit Ideen. Eine Plakette neben dem Eingang erinnert stolz daran.

Der Prager Frühling erlaubte den Künstlern in den 1960ern immerhin zunehmend einige Freiheiten, die dann im August 1968 mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts unterbunden wurden.

Immerhin bot das kleine Theater weiterhin widerständigen Künstlern einen gewissen Unterschlupf und wenigstens ein wenig Einkommen vor allem für jene Schauspieler, Bühnenbildner und Autoren, die keine großen Engagements in Filmen oder den nationalen Bühnen mehr bekamen, weil ihnen die Kommunisten misstrauten.

1989 kam die Stunde der Freiheit, die Samtene Revolution. Grossman und Havel, die 1968 verbannt worden waren, kehrten zurück auf die Bühne des Theaters. Seither kann das Haus ungestört seinem unorthodoxen Schöpfungsdrang frönen.

Und am 9. Dezember des Jahres 2008 feierte man das 50. Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass wurde auch Černýs Embryo an der Fassade feierlich enthüllt, damit der exzentrische Grundcharakter des Theaters auch äußerlich und unmissverständlich sichtbar wurde. (DD)

Erfolgreichstes Theater

Unter einem Nationaltheater stellt man sich normalerweise einen riesigen Prachtbau vor. Dieses hier ist jedoch recht klein geraten. Da die Akteure Marionettenpuppen sind, wäre ein größeres Theater allerdings der guten Sicht auf die Bühne abträglich. Dafür kann das Nationale Marionettentheater (Národní divadlo marionet) sich rühmen, das wohl erfolgreichste Theater der Stadt zu sein.

Sein größter Bühnenheld, Mozarts Frauenverführer Don Giovanni, hat es immerhin schon auf fast 5000 Aufführungen gebracht. Draußen vor der Tür des Theaters steht er schon bereit, um Besucher anzulocken und dann auf der Bühne zu begeistern. Das gelingt ihm in der Vorführung nach der Regie des leider 2014 verstorbenen Karel Brožek, dessen Erbe somit weiter fortlebt, geradezu spielend. Überhaupt fokussiert sich das Theater primär auf Opernaufführungen. Dem Don Giovanni folgt meist die Zauberflöte (großes Bild oben, Regie: Alois Tománek), aber ab und an stehen auch andere Opern auf dem Programm.

Das Marionettentheater hat in Tschechien eine große und lange Tradition. Schöne, aus Holz geschnitzte Marionetten gehören in das Angebot jedes Souvenirshops in Prag (wobei man vielleicht erst einmal den theatereigenen Shop ausprobieren sollte, der ein natürlich ein besonders hochwertiges Angebot bietet). Und es gibt viele gute Theater in der Stadt. Aber dass es hierzulande sogar ein richtiges Nationaltheater der Marionetten gibt, ist sowohl konsequent als auch weltweit einzigartig.

Offiziell gibt es das Nationaltheater unter diesem Namen erst seit 1991, aber es kann natürlich auf eine längere Vorgeschichte zurückblicken. Man sieht es an dem eleganten Art Déco-Stil des Gebäudes inmitten der Altstadt in der Žatecká 1 an, dass hier schon in den Zeiten der Ersten Republik die Puppen auf der Bühne tanzten.

Říše loutek (Reich der Puppen) hieß das 1928 gegründete Theater damals und schon im Jahre 1929 sollte es einen besonderen Platz in der Geschichte des Marionettentheaterwesens zugewiesen bekommen. Als der französische Puppenspieler Jacques Félix Ende der 1920er Jahre einen internationalen Verband der Puppenkünstler gründen wollte, um dem Marionettenspiel die weltweite künstlerische Anerkennung zu erkämpfen, das es verdiente, war Prag vielleicht der naheliegendste Ort überhaupt für die Gründung. Und so wurde genau an jenem Ort, an dem sich heute das Nationaltheater befindet, im Jahre 1929 die UNIMA (Union Internationale de la Marionnette) ins Leben gerufen, die bis heute besteht. Die lustige Metalltafel an der Außenwand des Theaters mit den in einer Reihe sitzenden Marionetten im Stil des Kasperletheaters erinnern an dieses historische Ereignis.

Für den Pragbesucher ist das Theater natürlich ein Muss. Die Musik bei den Opern entstammt zwar meist einem Tonträger (für ein Orchester reicht der Platz drinnen nicht), aber die Vorführungen sind lustiger und unterhaltsamer als das Meiste, was „echte“ Operntheater manchmal bieten. Die Puppen und das Bühnenbild sind liebevoll gestaltet, die Puppenspieler agieren mit Spielfreude – wofür sie am Ende, wenn sie sich endlich einmal selbst zeigen können, viel Applaus bekommen.

Ein kleines Museum ergänzt das Angebot. Für Kinder (die an Einführungsworkshops teilnehmen können) ist das Nationaltheater sowieso die beste Art und Weise, in die Welt der Oper eingeführt zu werden. Und natürlich haben auch Erwachsene einen Riesenspaß daran. Dass das Theater das erfolgreichste in Prag ist, kommt schließlich nicht von ungefähr. (DD)

Schwarzlicht jenseits der Touristenströme

Über die sehr typische Tradition der Schwarzlicht-Theater in Prag hatten wir ja hier bereits geschrieben und einige von ihnen vorgestellt. Man arbeitet dort mit dem optischen Trickeffekt, dass Ultraviolettlicht im Dunklen weniger reflektierende Gegenstände für das menschliche Auge unsichtbar, andere aber besonders hell erscheinen lässt. Geradezu magische Tanz und Zaubervorführungen lassen sich auf diese Weise bewerkstelligen.

In den Zeiten des Kommunismus, als sie aufkamen, führten diese Theater ein populäres, aber auch als randständig subversiv angesehenes Dasein. Heute sind sie in der Regel hochprofessionelle Touristenunterhaltung. Obwohl erst 2007, also lange nach der Samtenen Revolution von 1989, gegründet hat das etwas abgelegene Black light theatre HILT in der Betlémská 286/5 (Altstadt) noch viel vom ursprünglichen Charme dieses Theatergenres bewahrt.

Gründer und seither auch Direktor, Regisseur und Haupttänzer (also die Seele des Ganzen) ist der ursprünglich aus Ostrava stammende Theodor Hoidekr und HILT ist folglich die Abkürzung für „Hoidekr Interactive Light Theatre“. Das Theater ist sehr klein und vermittelt noch eine ursprüngliche, recht „alternative Hinterhoftheater-Atmosphäre“. Es geht irgendwie sehr nett und familiär zu im HILT-Theater. Die Lässigkeit geht sogar soweit, dass man drinnen (wenngleich nicht mit Blitz) photographieren darf, was bei den anderen Schwarzlichttheatern meist strikt verboten ist.

Der Direktor verkauft oft sogar noch vorne vor dem Eingang selbst die Tickets. Die Technik ist längst nicht so ausgefeilt und professionell wie die bei den mittlerweile zu veritablen Unternehmen mutierten großen Schwarztlichtheater, aber es stimmt die Interaktion mit dem Publikum. Und man kann ein wenig eine authentischere Theater-Stimmung jenseits des großen Touristenbusiness erleben! (DD)

Funktionalismus und moderne Kunst

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Die Sammlung der Nationalgalerie in Prag ist so riesig, dass ihre verschiedenen Kunst- und Gemäldesammlungen in verschiedenen Gebäuden untergebracht werden mussten. Das Gebäude, das die Sammlung der moderneren Kunst (ab 2. Hälfte 19. Jahrhundert bis Gegenwart) beherbergt, zeichnet sich dadurch aus, dass es auch architektonisch zur Sammlung passt. IMG_5406Der Messepalast (Veletržní palác) in der Dukelských hrdinů 47 in Holešovice, ist für sich selbst genommen schon ein Dokument der Moderne schlechthin. Von außen mag das Bauwerk etwas monoton und abweisend wirken, aber dieser erste Eindruck verkehrt sich in sein Gegenteil, wenn man erst einmal drinnen ist.

Einen Bau im strengsten funktionalistischen Stil erbauten die beiden Architekten Josef Fuchs und  Oldřich Tyl in den Jahren 1925 bis 1928. Und entsprechend funktional war auch zunächst der Gebäudezweck. Nicht Kunstausstellungen, sondern Industriemessen gab es hier zunächst zu sehen. Das änderte sich mit dem Einmarsch der Nazis, die ein Schreckenskapitel in der Geschichte des Gebäudes eröffneten. Ab 1939 fungierte der Bau als Sammelstelle für Prager IMG_5411Juden, die in die Konzentrationslager abtransportiert werden sollten. Nach dem Krieg wurde er gottlob wieder einer friedlichen Nutzung überantwortet. In den Zeiten des Kommunismus war er Sitz einiger staatlicher Außenhandelsfirmen. Ein Feuer richtete 1974 großen Schaden an. Zwei Jahre später ging es in den Besitz der Nationalgalerie über. Ausgesprochen langwierige Renovierungsmaßnahmen begannen, die erst nach der Samtenen Revolution Anfang der 1990er Jahre zum Abschluss kamen. Das immer noch erstaunlich modern wirkende Gebäude, das schon fast selbst wie ein Kunstwerk erschien, wurde zum Ausstellungsort für Kunst- und zwar moderne Kunst.

Es gibt verschiedene Dauerausstellungen über drei Etagen mit einer Fläche von 13.500 Quadratmetern, die die großen internationalen (Picasso, Manet etc.) und vor allem heimischen Künstler repräsentieren. Die schiere Größe wird einem bewusst, wenn man das Atrium innen zum ersten Male erblickt. Und man sollte sich viel Zeit nehmen, um alles zu sehen, was es zu sehen gibt.

IMG_5413Zusätzlich gibt es noch zwei Etagen für wechselnde Ausstellungen. Dem gleichen Zweck dient eine große, sich über mehrer Stockwerke erstreckende Kunsthalle, die es erlaubt, Kunstwerke in Größenordnungen auszustellen, die sonst in kein Museum passen. Von 2016 bis 2017 durften die Besucher die sonst kaum zu präsentierenden Monumentalgemälde des Zyklus Das Slawische Epos von Alfons Mucha bestaunen. Das Bild links zeigt einen Blick in den Saal vom zweiten Stock aus während einer Ausstellung von Werken der deutschen Künstlerin Katharina Grosse, die hier gigantische Textilinstallationen mit Besprayung austellte. Das Ganze vermittelt immerhin einen gewissen Eindruck von der Größe des Saals – vor allem, wenn man die umherwandelnden winzigen Besucher im Auge behält, IMG_5416die fast schon etwas verloren wirken..

Daneben gibt es im Keller noch das Studio Hrdinů (Studio der Helden) ein modernes Experimentaltheater. Besucher wissen auch den Restaurantbetrieb des Museums zu schätzen, das berühmte Café Jedna, das auch Kaffee- und Kuchengenießer anzieht, die gar nicht das Museum besichtigen wollen. Jedenfalls ist es immer sehr schwierig, hier noch einen Platz zu finden. Das hat nicht nur etwas mit der Qualität der Kuchen und Speisen zu tun, sondern auch mit dem musealen Ambiente. Denn auch hier dominiert die glasklar strukturierte und ausgesprochen lichtdurchflutete Architektur, die den Innenraum des ganzen Gebäudes auszeichnet. (DD)