Zeitreise durch das Altstädter Rathaus

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Jeder Besucher in Prag hat es schon einmal gesehen, denn es steht mittendrin in der Touristenmeile: Das Altstädter Rathaus. Stündlich versammeln sich vor dem Gebäude am Altstädter Ring hunderte Menschen, um etwa die berühmte Astronomische Uhr (wir berichteten hier) zu bestaunen. Und hineingehen können die Touristen auch, denn im Rathaus werden schon lange (genauer: seit 1945) keine regulären Ratssitzungen (Ausnahmen sind IMG_5483besondere Festanlässe) mehr durchgeführt. Gegen Eintritt kann man also nun Turm, Kapelle und alte Ratssäle besichtigen.

Das Rathaus ist den Besuch wert und erlaubt so etwas wie eine historische Zeitreise durch die Geschichte der Stadt. Der damalige böhmische König, Johann von Luxemburg, gestand im Jahre 1338 den Bürgern der Altstadt den Bau eines eigenen Rathauses zu. Das finanzierten die Bürger mit einer Weinsteuer. Die Stadt wuchs in dieser Zeit und mit ihr das Rathaus, das um 1360 einen Anbau mit großem Ratssaal und 1364 den fast 70 Meter hohen Turm bekam, der das Gebäude heute noch äußerlich prägt. Und 1381 wurde die Kapelle (deren Erker man von draußen gut sehen kann) geweiht, die das Werk von keinem Geringeren als dem IMG_5489großen gotischen Baumeister Peter Parler ist, dem Erbauer des Prager Veitsdoms und des Kölner Doms. Und die oben erwähnte Uhr wurde 1458 hinzugefügt.

Früher bestand das heutige Prag aus mehreren verschiedenen Städten, weshalb zum Beispiel die Neustadt ihr eigenes gotisches Rathaus hatte (siehe früheren Beitrag hier). 1784 wurden Städte zu einer einzigen Stadt Prag zusammengelegt und das Altstädter Rathaus war seither eigentlich nicht mehr das Altstädter Rathaus, sondern das Prager Rathaus.

Mit dem Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung wurden die Verwaltungsaufgaben für die Stadt immer komplexer. In den Jahren 1838 bis 1848 ließ IMG_5490man durch die Architekten Peter Nobile und Paul Sprenger einen recht großen Anbau im passend neogotischen Stil erbauen, der allerdings bei Kämpfen 1945 schwer beschädigt und anschließend abgerissen wurde. Seither ähnelt das äußere Gesamtbild des Gebäude wieder dem, das es im Mittelalter hatte. Die Ratsherren tagen deshalb heute im Neuen Rathaus, das gar nicht so weit entfernt Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut worden war.

Drinnen kann man heute, wie gesagt, durch die Stilgeschichte der Jahrhunderte resien. Im Keller gibt es noch Reste eines romanischen Vorgängerbaus, aber vor allem bestimmt die Gotik Peter Parlers hauptsächlich den Bau. So zeigt die Kapelle (Kapelle der Heiligen Maria) einen Altar im IMG_5492feinsten Stile des 14. Jahrhunderts, und wendet man dann den Blick nach oben,  sieht man ein mit wunderschönen Fresken versehenes gotisches Rippengewölbe an der Decke. In einer Seitennische der Kapelle kann man übrigens in das Innenleben der Astronomischen Uhr schauen mit seinen mechanisch einherwandelnden Heiligenfiguren (Bild rechts). Das alleine macht den Besuch schon wert!

Im alten Ratssaal wiederum dominiert der Barock, gut sichtbar bei dem riesigen und prachtvollen Ofen. Und im 19. Jahrhundert schlug der Historismus zu. Schon im Eingangsbereich sieht man Mosaike an der Wand mit Szenen aus der Prager Stadtgeschichte. Sie stammen aus dem Jahre 1904 und sind AltRathaus1das Werk des berühmten Historienmalers Mikoláš Aleš (früherer Beitrag hier). Eines davon zeigt mit typisch historistischem Pathos, wie die Sagengestalt der Fürstin Libuše (früherer Beitrag hier), ein großer tschechischer Nationalmythos, gerade die große Zukunft der Stadt Prag weissagt. Sehr schön!

Und wer eine schöne Aussicht zu schätzen weiß, kann auch den Turm besteigen (oder den modernen Aufzug benutzen). Dort oben liegt einem die Schönheit Prags vor den Füßen! (DD)

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