Fundort mit Moldaublick

Hoch und steil über der Moldau ragt der Felsen empor. Schon alleine wegen der weiten Aussicht, lohnt es sich, die Řivnáč-Höhe (vrch Řivnáč) zu ersteigen, die am Flussufer zwischen den Ortschaften Roztoky und Úholičky rund 10 Kilometer nördlich von Prag gelegen ist – also ein schönes Wochenendziel. Aber es handelt sich um mehr, nämlich um eine archäologische Sehenswürdigkeit ersten Ranges.

In den Jahren 1881 bis 1883 erforschte der Mediziner und Amateurarchäologe Čeněk Rýzner das Areal, das sich als eine vorgeschichtliche Siedlungs- und Festungsanlage, die Hradiště Řivnáč, erwies. Er fand Reste von Wällen, Brandbestattungsgräbern und Keramikfunden in Hülle und Fülle. Das Wort „Amateur“ bedarf im Kontext von Rýzner übrigens einer Erklärung. Eigene Lehrstühle gab es damals kaum, weshalb die meisten Archäologen irgendwie formal „Amateure“ waren. Rýzner war aber mehr als voll auf der Höhe des archäologischen Wissens seiner Zeit, ja eine Kapazität ersten Ranges. Was er hier zu Tage förderte und systematisch erforschte, war einer der bedeutendsten Fundorte der sogenannten Řivnáč-Kultur, die als der böhmische Zweig der Kugelamphoren-Kultur ungefähr zwischen 3100 und 2700 v. Chr. bestand, und die in die Endphase der Jungsteinzeit (Übergang zur Bronzezeit) eingeordnet werden muss.

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Um bei Rýzner zu bleiben: Er hatte schon im Jahre 1880 im nahen Únětice die Aunjetitzer Kultur (siehe auch hier) erstmals mit Funden belegt und erforscht – ein böhmischer Zweig der frühbronzezeitlichen Kultur. 1884 sollte er etwa in Přemyšlení weitere bedeutende Ausgrabungen zur Řivnáč-Kultur machen. Ab 1888 war er sogar Gründungspräsident der renommierten und heute immer noch bestehenden Gesellschaft der Freude der Altertumskunde (Společnost přátel starožitností). Er gehörte zu den bedeutendsten Vertretern seiner Zunft in Böhmen und kann vielleicht sogar als ihr Stammvater bezeichnet werden.

Zurück zur Řivnáč-Höhe: Nach Rýzner gab es immer wieder Ausgrabungen, die wegen der langen Siedlungsgeschichte des Orte immer wieder fündig wurden. 1924 entdeckten Archäologen sogar einen Münzfund mit Denaren aus der Zeit um 1012, was belegte, dass die Anlage im frühen Mittelalter zumindest ab und an genutzt wurde. Manche Forschung fand unter schwierigen Bedingungen statt. Während des „Reichsprotektorats“ in der Zeit des Zweiten Weltkriegs fanden Ausgrabungen unter dem Archäologen Ivan Borkovský statt, der unter dem Druck der Nazis stand, wesentliche archäologische Funde als „germanischen Ursprungs“ zu erklären. Das ahm man ihm später übel, obwohl ihm ja kaum andere Möglichkeiten geblieben waren.

Weitere Ausgrabungen legten Funde aus anderen Epochen der Vorgeschichte frei – etwa aus der Trichterbecherkultur (ca. 4200-2800 v. Chr.) und der Glockenbecherkultur (ca. 2600.2200 v- Chr.). Schaut man sich das Areal an, versteht man, warum es eines der frühesten und langlebigsten Siedlungsorte im heutigen Tschechien handelt. Das sich über 0,2 Hektar erstreckende Areal liegt 120 Meter über der Moldau und ist von drei Seiten durch steile Felsen geschützt. Daher ließ sich die schmale Zugangsseite im Süden einfach durch Wall- und Grabenanlagen verteidigen. Der Ausflug auf die Höhe lohnt sich (man kann ihn mit einer kleinen Wanderung zur nahen Slawenfestung Leyý Hradec verbinden). Für den archäologisch Interessierten gibt es eine interessante Infotafel in Tschechisch, Englisch und Deutsch (!), die den Fundort erklärt. Und man kann die Aussicht auf den schönen Fluss genießen. (DD)

Gassenromantik

Wer als Tourist in Prag die Romantik alter verwinkelter Gassen sucht, wird meist auf das Goldene Gässchen (Zlatá ulička) auf der Burg oder die in die nahegelegene Neue Welt (Nový Svět) verwiesen. Heimische Kenner suchen hingegen den etwas außerhalb der Burgstadt (Hradčany) gelegenen Ortsteil Střešovice in Prag 6 auf.

Die kleine Gasse Na Kocourkách hat nämlich alles, was man in Sachen romantischer Gassen suchen mag. Da merkt man es kaum, dass sie definitiv nicht auf eine so lange Geschichte zurückblicken kann, wie die zuvor genannten Gassen, die mittelalterliche Ursprünge haben. Wir befinden uns nämlich in einer alten Arbeitersiedlung aus dem frühen 19. Jahrhundert. In dieser Zeit expandierte Prag im Zuge der Industriellen Revolution und einigermaßene Lebens- und wohnqualität konnten sich die Industriearbeiter nur etwas außerhalb des Stadtzentrums leisten.

Vorher war das heute recht dicht besiedelte Střešovice recht ländlich. Wo sich heute die Gasse befindet, gab es einen Weinberg mit entsprechendem kleinen Winzerhaus. Das Haus lässt sich zumindest bis in das Jahr 1685 zurückverfolgen. Denn in diesem Jahr findet man es in einer Stadtansicht aus dem in Wien erschienenen Buch Praga caput Regni Bohemiae (Prag, die Hauptstadt Böhmens) des niederländischen Vedutenmalers und -zeichners Folpert van Ouden-Allen, der sich des Titel eines kaiserlichen Kammermalers unter Kaiser Leopold I. rühmen konnte, dargestellt. Das Winzerhaus mit dem kleinen Brunnen davor gibt es immer noch – die Weinberge nicht mehr. Bis zum Jahr 1784 stand das Weingut noch völlig alleine in der damals wohl sehr pittoresken Felslandschaft. Heute ist es in die – übrigens wegen ihrer Enge autofreie – Wohngasse integriert. Aber ein Hauch von Ländlichkeit blieb. Und so nennen die Einwohner das Areal manchmal „das kleinste Minidorf Prags“ (nejmalebnější minivesničce v Praze). Im Jahr 2004 wurde die ganze Umgebung der Na Kocourkách zur Denkmalszone erklärt.

Eine gewisse Berühmtheit erlangte die Umgebung des Gasse während der Belagerung Prags (1757) durch die Preußen im Siebenjährigen Krieg. Direkt oberhalb bauten die Preußen, die die Stadt bereits umzingelt hatten, hier ihre Artilleriebatterien auf, um die Innenstadt und die Burg zu beschießen. Das richtete in Prag viel Schaden an, aber nach einigen Tagen mussten die Preußen abziehen, da ihnen die Österreicher in der Schlacht von Kolín eine blutige Niederlage hinzugefügt hatten, die eine Verlegung der Truppen nötig machte. Die Namen der oberhalb der Gasse liegenden Sträßchen erinnern daran, etwa die U první baterie (An der Ersten Batterie), die U druhé baterie (An der Zweiten batterie) bis zur sechsten Batterie.

Erwandert man die an einem Berghang gelegene Na Kocourkách vom hübschen alten Gutshaus Kajetánka (usedlost Kajetánka) und seinem Park im Tal des Brusnice-Baches, so kommt man zunächst an der vorgelagerten kleinen Kapelle an der Pod Andělkou (kleines Bild rechts) vorbei und muss dann den etwas versteckten kleinen Einstieg in die Gasse finden, die noch richtig altmodisch mit Pflastersteinen gepflastert ist. Die in eine Grundstücksmauer eingebundene Kapelle dürfte aus der Zeit der Ersten Republik zwischen den Weltkriegen stammen – ist also etwas moderneren Ursprungs.

Da es sich um keine Touristenmeile handelt, gibt es hier noch so etwas wie eine echte Nachbarschafts-Gemeinschaft. Sie sorgt immer wieder dafür, dass die Gasse auf gepflegt in Schuss ist. Um die Jahrtausendwende wurden größere Renovierungsmaßnahmen (inklusive der Errichtung von Nachahmungen der alten Gasbeleuchtung!) durchgeführt. Es ist schön, dass es so etwas noch gibt. Der minimale Nachteil, dass sich hier (weil es eben nicht Touristen anlockt) auch keine Kneipen oder Bistros befinden, um Besucher zu laben, wird gerne in Kauf genommen. Etwas unterhalb bietet ja die erwähnte Kajetánka mit ihrem Gartenrestaurant Abhilfe. (DD)

Ältester Park

Franz Kafka liebte ihn und suchte hier ab und an seine Inspiration, heißt es. Die Rede ist vom Chotek Park (Chotkovy sady), dem ersten öffentlichen Park in ganz Prag, der zugleich grandiose Aussichten auf Stadt und Burg bietet.

Seine Lage hoch über der Stadt, ganze nahe beim Burgberg und direkt unter dem vielleicht schönsten Renaissancepalast Prags, dem berühmten Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny), macht es dem Besucher leicht zu verstehen, wieso dies ein Ort der Inspiration sein kann. Und dann kommt noch der schöne alte Baumbestand hinzu! Dass der so alt ist, liegt eben daran, dass der Chotek Park eben schon so lange hier existiert.

Im Jahre 1832 wurde er noch als „Volksgarten“ angelegt und eröffnet, aber schon im Jahr 1841 nach dem Mann umbenannt, der seinen Aufbau veranlasst hatte: Graf Karl Chotek von Chotkow, der als königlicher Oberstburggraf zwar eigentlich für die Festungsanlagen der Stadt zuständig war, aber darüber hinaus als großer Förderer und Mäzen der Prager Infrastruktur auftrat. Den Park ließ er von dem Gartenarchitekten Josef Fuchs entwerfen, dessen Pläne dann vom Landschaftsgärtner Jiří Baul umgesetzt wurden.

Der Park wurde als englischer Garten (also ein Landschaftsgarten, der nicht dem barocken Modell des formalen Gartens folgt) konzipiert und sollte zugleich als eine Art botanischer Park fungieren. Heute gibt es hier 55 verschiedene Baumarten! Der Gartenarchitekt František Thomayer fügte um 1887 bis 1890 im Zentrum des Parks eine neoromantische Felsenlandschaft mit kleinem künstliche Wasserlauf, die besonders malerisch aussieht. Ihren optischen Abschluss erreichte sie aber 1913 durch die Errichtung des Denkmals für den Schriftsteller Julius Zeyer seit 1913, über das wir bereits hier berichteten, und das das Aussehen eines großen Felsens mit Höhle hat.

Und wenn man gerade beim Thema Skulpturen ist: Am Rande des zentralen Rasens steht die Stahlkonstruktion Nike 89. Nike war die griechische Göttin des Sieges und hier geht es natürlich um den Sieg der Demokratie über den Kommunismus, wie sie 1989 geschaft. Die Skulptur ist ein Werk des Bildhauers und Malers Pavel Krbálek, der nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in die Schweiz floh. Aus Freude über die neugewonnene Freiheit stellte er das Original der Nike 89 im Open Air Museum im japanischen Hakone aus, wo sie sogar einen Wettbwerb für abstrakte Statuen gewann. 2002 enthüllte er eine Replik in seiner neuen Heimat Luzern und 2003 diese hier im Chotek Park, wo sie die Tschechen daran erinnert, was sie 1989 an Großartigem gewonnen haben – ihre Freiheit!

Zu erwähnen ist noch die hübsche kleine Brücke, die über die nahe Autostraße zum nächsten Park führt, dem Letná Park (Letenské sady) . Sie wurde 1998 gebaut anstelle einer früheren Brücke aus den 1960er Jahren. Wichtiger ist jedoch die schöne Aussicht, die man am südöstlichen Rand des Parks genießen kann, der über einem steilen Abhang angelegt wurde. Schaut man geradeaus hinunter sieht man die Kleinseite und die Altstadt mit dem Flusslauf der Moldau dazwischen – samt den schönen Brücken der Stadt. Dreht man den Kopf dann etwas rechts, sieht (großes Bild oben) man die Burg auf gleicher Höher in all ihrer Pracht. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Auf den Prager Eiffelturm

Ein touristisches Muss für Schwindelfreie ist der Aufstieg auf den Aussichtsturm auf dem Petřín.

Er erinnert einen nicht nur zufällig an den Eiffelturm, nein, er ist eine relativ genaue Kopie der Pariser Sehenswürdigkeit, der Aussichtsturm auf dem Petřín-Berg. Zwar nur im Größenverhältnis 1:5 zum Original, aber dank des erhöhten Standorts auf dem an dieser Stelle 318 m hohen Berg erreicht er mit nur 63,50 Metern mit seiner Spitze die gleiche Höhe über dem Meeresspiegel wie das Pariser Vorbild.

Auf die Aussichtsplattform und den Balkon führen nicht ganz 300 Stufen (eine fehlt!) in einer doppelläufigen Wendeltreppe, von der man immer wieder wunderbare Blicke in die Umgebung und die Stahlkonstruktion hat. Im Kern des – im Gegensatz zum Vorbild – viereckigen Querschnitts befindet sich ein kleiner Aufzug, der für einen Aufpreis benutzt werden kann.

Oben angekommen kann man bei gutem Wetter (hier ist besonders die klare Sicht im Herbst zu empfehlen) bis zur Schneekoppe schauen. Ganz Prag liegt einem zu Füßen. Wäre der Turm etwas höher, hätte ich auf unsere Terrasse schauen können.

Und wieso kommt man auf die Idee, eine französische Attraktion zu kopieren?

Das war ein Projekt der großen Prager Jubiläumsindustrieausstellung von 1891. Die tschechische Wirtschaft wollte zeigen, was sie alles konnte. Neben dem beeindruckenden Industriepalast in Holešovice und dem Hanavský Pavilon (früherer Beitrag hier) auf der Letna Höhe, profitierte vor allem der Petřín von dieser Zurschaustellung tschechischen Könnens. Das Spiegelkabinett (siehe früheren Beitrag hier) und die Standseilbahn (hier) stammen auch von dieser Schau.

Die Anregung fúr den Aussichtsturm in Form des Eiffelturms kam vom Klub Tschechischer Touristen. Die beeindruckende Konstruktion des Architekten Vratislav Pasovský war in nur 6 Monaten beendet und hält, nachdem der Turm zwischenzeitlich als Fernsehturm gedient hatte und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war, nach letzten Renovierungsarbeiten bis heute.

Man kann ihn täglich bis in die Abendstunden hinein besteigen. Und abends wird er dann angestrahlt und leuchtet in den tschechischen Nationalfarben, was auch ein wenig französisch wirkt. (LSD)

Nicht von Dvořák, aber trotzdem schön: Die Neue Welt

Wirklich entzückend ist es, das kleine bezaubernde Sträßchen im Burgbezirk mit dem Namen Neue Welt (Nový Svět). Erblickt man die Gasse, erklingt wie von selbst im Kopfe Antonín Dvořáks Meistersymphonie Aus der Neuen Welt (Z nového světa). Nur: Diese Gasse hat nichts, aber auch wirklich nichts mit Dvořák 1893 in New York uraufgeführtem Werk zu tun.

Denn mit der Besiedlung dieses Areals hatte man schon um 1360 begonnen. Von einer Neuen Welt sprach man deshalb, nicht weil man an das noch unentdeckte Amerika dachte, sondern weil es sich damals noch um eine neue Ansiedlung außerhalb des damaligen Burgbezirks handelte. Hier wohnten zunächst niedere Bedienstete der nahegelegenen Burg.

Immer wieder musste die mittelalterliche Bausubstanz größere Schäden hinnehmen. Nach 1420 kam es zu Zerstörungen im Verlaufe der Hussitenkriege und auch das große Feuer von 1541 (siehe auch Beitrag hier) richtete große Schäden an. Deshalb sind viele der malerischen Häuser, die heute das Herz jeden Besuchers entzücken, nicht die originalen Gebäude am Orte. Viele von ihnen sind selbst für den Laien erkennbar Häuser aus der Barockzeit des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Damals war das ursprüngliche Armenviertel eine zeitlang auch bei vermögenderen und bessergestellten Persönlichkeiten en vogue. Dass der Hofastronom Tycho Brahe hier zu Beginn des 17. Jahrhunderts lebte, wurde in diesem Blog bereits hier erwähnt.

Ob original mittelalterlich oder barock – das ist letztlich egal. Es ändert nichts am Gesamteindruck, der einfach entzückend ist. Die Tatsache, dass der Ortsteil bald wieder verkam und zum Armenviertel wurde, hat später jegliche Modernisierung verhindert. Was für die Bewohner damals schlecht gewesen sein mag, erfreut uns heute. Kein Stahl und Beton trübt die Stimmung. An Tagen außerhalb der Urlaubssaison, an denen weniger Menschen hier sind, fühlt man sich wie bei einer Zeitreise. Geht man bei Abenddämmerung durch die Gasse, blendet einen kein Neonlicht, sondern es sind altmodische Laternen, die Schummrigkeit verbreiten und das ganze schon irreal romantisch erscheinen lassen.

Unter den Häusern, die den rund 250 Meter langen Weg säumen, bieten einige Unterhaltung und/oder Erfrischung. Es gibt ein berühmtes Café, die Kavárna Nový Svět, das auch unter Einheimischen beliebt ist. Es gibt ein Theater, das Divadlo Ungelt, das – wiederum erstaunlich für ein touristsich so erschlossenes Areal – hauptsächlich ein tschechisches Publikum (in Tschechisch) adressiert. Dazu gehört ein Restaurant mit Biergarten (Restaurant Nový svět), das erst wie ein normales Touristenlokal aussieht, aber erstaunlich originelle Gerichte bietet. Der abgebildete Nachtisch ist Vanilleeis mit Roter Beete und Pesto. Das las sich auf der Speisekarte so verrückt, das wir es sofort probieren mussten. Es entpuppte sich als wahrer Avantgardegenuss, der wirklich gut die Gaumen kitzelte.

Eine Besonderheit ist ganz am Ende der Straße das Hotel U Raka. Es handelt sich bei dem kleinen Hotel um das einzige noch erhaltene Holzblockhaus in Prag. Es wurde 1739 das erste Mal urkundlich erwähnt – damals noch kein Hotel, sondern ein Wohnhaus und zwischendurch eine Schmiede. Man muss sich vor Augen halten, dass Nový Svět fast durch seine ganze Geschichte hindurch ein Platz für Arme war und erst im 20. Jahrhundert wieder“hip“ für Künstler und Touristen wurde.

Deshalb war das schöne Holzhaus auch von Verfall bedroht und in den 1980er Jahren arg heruntergekommen. Die Renovierung in den frühen 1990er Jahren und neuerliche Nutzung als kleines Hotel hat das Haus gerettet. „U Raka“ heißt übrigens auf Deutsch soviel wie „Zum Krebs“. Und tatsächlich ist das alte und namengebende Hausschild mit dem Abbild eines Krebses immer noch erhalten.

Auf jeden Fall hat die kleine Nový Svět trotz des Andrangs der Touristen, die sich diese selbst für die anspruchsvollen Prager Verhältnisse außerordentlich malerische Gasse nicht entgehen lassen wollen, noch viel von seiner Authenzität bewahrt. (DD)

Essen im Bürgerschwimmbad

Ein ungewöhnlich gutes Restaurant braucht auch ein ungewöhnliches Gebäude. Das haben zumindest die Betreiber des Restaurace Občanská plovárna beherzigt, das sich das historisch bedeutende Bürgerschwimmbad am Moldauufer als Standort auserkoren hat.

Das schicke und qualitativ spitzenmäßige Restaurant ist unter der Letnáhöhe gleich neben der schön jugendstiligen Čech-Brücke (Čechův most, siehe auch hier) gelegen. Das Restaurant ist nicht ganz leicht zu erreichen, aber die Mühe lohnt sich!

Bevor man mit dem guten Essen und dem guten Wein beginnt, sollte man erst einmal mit dem Gebäude anfangen. Das war nämlich das erste öffentliche Schwimmbad in Prag überhaupt. Ja, und nicht nur in Prag, denn als es 1806 von dem adligen General und Badeliebhaber Ernst von Pfuel eingerichtet wurde, musste Wien noch drei und Berlin noch acht Jahre warten, bis dort ein erstes Flussbad für die Öffentlichkeit eingerichtet wurde.

Für einige Verwirrung sorgte die Tatsache, dass das Bad primär auch vom Militär genutzt wurde, um den Rekruten das Schwimmen beizubringen, aber gleichzeitig auch einfache Bürger hier im Fluss plantschen durften. Das gab grobe Reibereien und 1840 eröffnete man direkt daneben neue zusätzliche Becken und gründete somit das erste rein zivile Bürgerschwimmbad, wie es seither hieß. Der Architekt und Bildhauer Josef Kranner errichtete dazu gleichzeitig ein klassizistisches Gebäude für die Umkleidekabinen

Das Bad gedieh prächtig und so wurde 1876 das Gebäude großzügig erweitert, um einen Restaurantbetrieb hinzuzufügen. Das Datum kann man nunmehr über dem Eingang des riesigen Gebäudes in Stuck bewundern. 1906 übernahm die Stadt Prag das Bürgerschwimmbad, um es 1924 an einen Schwimmverein zu vermieten. In den Zeiten des Kommunismus verfiel es ein wenig und der Schwimmbetrieb wurde irgendwann in den 1960er Jahren eingestellt. Dazu trug auch bei, dass Schwimmen im kalten (und nicht immer ganz sauberen) Flusswasser inzwischen etwas aus der Mode geraten war und die Menschen geheizte Hallenbäder bevorzugten.

Das Ende des Kommunismus brachte Privatisierungswirrnisse mit sich. Die Nutzung als Kasino blieb umstritten und wurde beschränkt. Und 2019 eröffnet hier neben einem Ausstellungszentrum das neue Restaurant.

Womit wir bei Thema sind: Die Küche wird von den beiden Spitzenköchen Jan Mužátko und Filip Hošek geführt, die beide in Lyon bei dem großen französischen Starkoch Paul Bocuse gelernt haben. Man bekommt ästhetisch ansprechende und raffiniert wohlschmeckende Kost geboten. Und zwar zu vergleichsweise erschwinglichem Preis. Selten habe ich so etwas schlicht daherkommendes, aber Raffiniertes gegessen, wie die oben abgebildete kalte Erbsensuppe. Und auch die Entenpastete, die meine Frau bestellte, war exzellent! Die Nachspeisen nicht zu vergessen…. Die Speisekarte ist klein, was darauf hindeutet, dass hier wirklich frisch gekocht wird.

Dazu kommt eine feine Weinkarte mit vielen französischen, aber auch einigen ausgesuchten tschechischen Weinen. Die kann man im Sommer draußen auf der Terasse genießen. Da kann man die Schiffe auf der Moldau hin und her schippern sehen und in der Ferne die Türme der Karlsbrücke bewundern.

Und wenn es kälter wird, diniert man eben drinnen! Das Gebäude wurde schon 2004 (nach der Flut von 2002, die schwere Zerstörungen am Gebäude anrichtete) grundlegend saniert und modernisiert. Die moderne Einrichtung mit vielen klaren Flächen und viele Stahl hat den Schwimmbadcharakter des ganzen geschickt bewahrt. Auf zwei Stockwerken gibt es Sitzmöglichkeiten (das ganze könnte Großevents beherbergen) und alles glitzert und glänzt nur so. Den Köchen kann man von den meisten Plätzen bei der Arbeit zuschauen. Ein grandioser Ort! Ab und an gibt es hier auch in separaten Räumen Konzerte und Kulturveranstaltungen. Also wenn man sich so richtig Feines in ungewöhnlichem Ambiente gönnen will, ist man im Bürgerschwimmbad am rechten Ort. (DD)

Iwans Höhle in den Felsen

Es handelt sich um eine kolossale, geradezu atemberaubende Aussicht. Wenn man oben vom Gipfelkreuz hinunter auf die alte Abtei und den kleinen Wallfahrtsort schaut, dann leuchtet der Name St. Johann unter dem Felsen (Svatý Jan pod Skalou) unmittelbar ein.

Die Felsen, die die Kirche und das etwa 20 Kilometer südwestlich von Prag gelegene Dorf überragen, sind in der Tat beeindruckend. Betritt man unten die Kirche selbst, kommt der Gedanke schnell auf, dass man sie auch Johannes im, statt unter dem Felsen hätte nennen können. Das Gebäude führt nämlich tief in eine – als Kapelle verwendete – Höhle in den Felsen hinein.

Die Höhle ist nämlich der Grund, weshalb hier überhaupt eine Wallfahrtskirche erbaut wurde. In ihr soll der Heilige Iwan, ein frommer Eremit aus dem 9. Jahrhundert, dem dort Johannes der Täufer (daher der Kirchenname) erschienen war, seinem Einsiedlerdasein nachgegangen sein.

Zum ersten Male in den Chroniken erwähnt werden Kirche und gleichnamiger Ort 1037. Damals schenkte Herzog Břetislav I. von Böhmen den Besitz an die Benediktiner aus dem Kloster Ostrov. 1517 wurde das Ganze zu einer eigenständigen Abtei.

Ab dem 17. Jahrhundert erfolgte im Zuge der Gegenreformation der immer prachtvollere Ausbau des Klosters, das durch die Schönheit der Felslandschaft noch prachtvoller wirkte. 1657–1661 barockisierte der italienische Architekt Carlo Lurago die Kirche, die dann 1710 von Christoph Dientzenhofer noch einmal erweitert wurde. Das quadratische Klostergebäude selbst wurde 1726–1731 durch Kilian Ignaz Dientzenhofer errichtet.

Mit der kirchlichen Prachtentfaltung war es aber 1785 zu Ende, als Kaiser Joseph II. das Kloster im Zuge seiner Reformen enteignete und säkularisierte. Es wurde zwischendurch als Industrieanlage (Papierfabrik, Spinnerei) zweckentfrendet, dann zu Anfang des 20. Jahrhundert als Kuranlage. 1914 geriet es wieder in kirchlichen Besitz. Das blieb so bis 1949, als die Kommunisten zuerst ein Zwangsarbeitslager, dann ein Gefängnis und zuletzt eine Polizeischule daraus machten. 1994 kehrte das Gebäude in den Schoß der Kirche zurück. Dadurch wurde es, was es bis heute ist: Eine Wallfahrtskirche zu Ehren des Heiligen Iwan.

Die überwältigt nicht nur von außen, weil sie auf zwei Seiten von hohen und malerischen Felsen umgeben ist, sondern auch von innen. Im Hauptschiff kann man feinsten Barock bewundern, wobei neben 1695 entstandenen dem riesigen Altarbild über die Begegnung des Heiligen Iwan mit Johannes dem Täufer des Malers Johann Georg Heinsch vor allem die von Waldgetier umgebende Holzskulptur des Heiligen auf einem Podest mitten im Raum auffällt.

Aber die Hauptattraktion ist jedoch zweifellos die Höhlenlandschaft, die man betritt, nachdem man das Hauptschiff durchquert hat. Hier ist auch das (später in Barock gestaltete) Grab des Heiligen zu finden – obwohl sich Wissenschaftler nicht so recht sicher sind, ob er dort überhaupt liegt. Nach draußen fließt eine Quelle, aus der er getrunken haben soll, weshalb sich unzählige Pilger dort in Flaschen einen Vorrat für alle Fälle anlegen und mit nach Hause nehmen.

Das Dorf mit der Kirche liegt inmitten eines Naturschutzgebiets, das sich für herrliche Wanderungen eignet. Nur rund 20 Kilometer südöstlich des Prager Stadtzentrums gelegen, ist es ein überaus beliebter Ort für Wochenendausflüge. An einem sonnigen Sonntag kann es manchmal nur so von Touristen wimmeln. Aber auch das sollte einen nicht vom Besuch dieses wundervollen Ortes abhalten. (DD)

Die Berounka: Wandern von Srbsko nach Karlstejn

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Die idyllische Berounka bietet Gelegenheiten en masse für schöne Wochenendausflüge IMG_3788in die Umgebung von Prag (siehe auch hier und hier). Von Pilsen her aus dem Westen kommend, erstreckt sich ihr Lauf über fast 139 Kilometer, von insbesondere die letzten Dutzende von Kilometern vor ihrer Einmündung in die Moldau südlich von Prag Dank der Karstlandschaft (links) von atemberaubender landschaftlicher Schönheit ist. Zuletzt hatten wir die schöne Strecke entlang des Flusses von Beroun nach Srbsko (vorbei am „Matterhorn“). Man kann die Strecke auch um kaum etwas mehr als 1 1/2 Stunden verlängern, um bis nach Karlsteijn  zu gelangen, wo seit dem 14. Jahrhundert hoch über dem Ort die berühmteste königliche Burg des Landes thront (Beitrag hier).

IMG_3784Man verlässt das (leicht mit der Regionalbahn erreichbare) schöne Örtchen Srbsko (Bild links) und wandert am rechten Ufer entlang. Dort wird der bisher breit ausgebaute Wanderweg nach einer Weile zu einem eher kleinen Trampelpfad. Anscheinend nehmen die meisten Radfahrer und Wanderern von hier ab den asphaltierten und auch von Autos frequentierten Weg auf der anderen Uferseite. Das hat den Vorteil, dass man hier nun einen sehr einsamen und stillen Weg fast ungestört entlanggehen kann – vorbei an einer von den typischen kantigen IMG_3787Felsformationen des Böhmischen Krsts unterbrochenen Auen- und Felslandschaft.

Auch die Fauna scheint die Ruhe zu genießen. Mehrfach konnten wir auf dem Flussabschnitt Reiher (Bild links) beobachten, die ungestört im Wasser standen und wohl auf Fischbeute warteten. Nicht umsonst gehört auch dieser Teil des Flusses schon seit langem zu dem großen Naturschutzgebiet des Böhmischen Karst.

Vorbei an schönen Felsen schlängelt sich der Fluss zwei langezogene Kurven hin nach Karlstejn, dessen im Mittelalter angelegte Weinberge man schon von weitem sieht. Zwischendurch sieht man Rest von alten Brücken und IMG_3783durch das Tal schlängelt sich die Eisenbahnlinie, die nach (oder von) Prag führt. Der Fluß ist in der Regel seicht, der Weg eben und für unsere Lady Edith boten sich immer wieder Gelegenheiten, ein kleines Bad zu nehmen. Ein sehr erfrischender Spaziergang!

Am Ende kommt man in Karlstejn an, wo man entweder die Chance nutzt, die Burg und das kleine Dorf darunter zu besichtigen (oder dort einzukehren) oder vom kleinen Bahnhof aus wieder nach Prag zurückzukehren. (DD)

Zeitreise durch das Altstädter Rathaus

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Jeder Besucher in Prag hat es schon einmal gesehen, denn es steht mittendrin in der Touristenmeile: Das Altstädter Rathaus. Stündlich versammeln sich vor dem Gebäude am Altstädter Ring hunderte Menschen, um etwa die berühmte Astronomische Uhr (wir berichteten hier) zu bestaunen. Und hineingehen können die Touristen auch, denn im Rathaus werden schon lange (genauer: seit 1945) keine regulären Ratssitzungen (Ausnahmen sind IMG_5483besondere Festanlässe) mehr durchgeführt. Gegen Eintritt kann man also nun Turm, Kapelle und alte Ratssäle besichtigen.

Das Rathaus ist den Besuch wert und erlaubt so etwas wie eine historische Zeitreise durch die Geschichte der Stadt. Der damalige böhmische König, Johann von Luxemburg, gestand im Jahre 1338 den Bürgern der Altstadt den Bau eines eigenen Rathauses zu. Das finanzierten die Bürger mit einer Weinsteuer. Die Stadt wuchs in dieser Zeit und mit ihr das Rathaus, das um 1360 einen Anbau mit großem Ratssaal und 1364 den fast 70 Meter hohen Turm bekam, der das Gebäude heute noch äußerlich prägt. Und 1381 wurde die Kapelle (deren Erker man von draußen gut sehen kann) geweiht, die das Werk von keinem Geringeren als dem IMG_5489großen gotischen Baumeister Peter Parler ist, dem Erbauer des Prager Veitsdoms und des Kölner Doms. Und die oben erwähnte Uhr wurde 1458 hinzugefügt.

Früher bestand das heutige Prag aus mehreren verschiedenen Städten, weshalb zum Beispiel die Neustadt ihr eigenes gotisches Rathaus hatte (siehe früheren Beitrag hier). 1784 wurden Städte zu einer einzigen Stadt Prag zusammengelegt und das Altstädter Rathaus war seither eigentlich nicht mehr das Altstädter Rathaus, sondern das Prager Rathaus.

Mit dem Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung wurden die Verwaltungsaufgaben für die Stadt immer komplexer. In den Jahren 1838 bis 1848 ließ IMG_5490man durch die Architekten Peter Nobile und Paul Sprenger einen recht großen Anbau im passend neogotischen Stil erbauen, der allerdings bei Kämpfen 1945 schwer beschädigt und anschließend abgerissen wurde. Seither ähnelt das äußere Gesamtbild des Gebäude wieder dem, das es im Mittelalter hatte. Die Ratsherren tagen deshalb heute im Neuen Rathaus, das gar nicht so weit entfernt Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut worden war.

Drinnen kann man heute, wie gesagt, durch die Stilgeschichte der Jahrhunderte resien. Im Keller gibt es noch Reste eines romanischen Vorgängerbaus, aber vor allem bestimmt die Gotik Peter Parlers hauptsächlich den Bau. So zeigt die Kapelle (Kapelle der Heiligen Maria) einen Altar im IMG_5492feinsten Stile des 14. Jahrhunderts, und wendet man dann den Blick nach oben,  sieht man ein mit wunderschönen Fresken versehenes gotisches Rippengewölbe an der Decke. In einer Seitennische der Kapelle kann man übrigens in das Innenleben der Astronomischen Uhr schauen mit seinen mechanisch einherwandelnden Heiligenfiguren (Bild rechts). Das alleine macht den Besuch schon wert!

Im alten Ratssaal wiederum dominiert der Barock, gut sichtbar bei dem riesigen und prachtvollen Ofen. Und im 19. Jahrhundert schlug der Historismus zu. Schon im Eingangsbereich sieht man Mosaike an der Wand mit Szenen aus der Prager Stadtgeschichte. Sie stammen aus dem Jahre 1904 und sind AltRathaus1das Werk des berühmten Historienmalers Mikoláš Aleš (früherer Beitrag hier). Eines davon zeigt mit typisch historistischem Pathos, wie die Sagengestalt der Fürstin Libuše (früherer Beitrag hier), ein großer tschechischer Nationalmythos, gerade die große Zukunft der Stadt Prag weissagt. Sehr schön!

Und wer eine schöne Aussicht zu schätzen weiß, kann auch den Turm besteigen (oder den modernen Aufzug benutzen). Dort oben liegt einem die Schönheit Prags vor den Füßen! (DD)