Bier: Authentisch und modern

Zu den Gegentrends zu der einförmigen Massen-Verpilsenerung von Bierlokalen in Prag gehört nicht nur das Entstehen origineller neuer Kleinbrauereien (von denen wir bereits einige etwa hier, hier hier, hier und hier vorstellten), sondern auch die Eröffnung von Prager „Filialen“ kleiner ländlicher Traditionsbrauereien.

Eine von diesen Traditionsbrauereien ist die Klosterbrauerei Osseg in der nordböhmischen Ortschaft Osek (die auf Deutsch früher Ossegg hieß), die bereits im Jahre 1241 von Zisterziensermönchen gegründet wurde. 1946 wurde die Brauerei zwar geschlossen, aber 2015 erstand sie wieder auf. Man hat also Anteil an einem echten Stück böhmischer Brau- und Biergeschichte!

Die weltlichen Nachfahren der Mönche haben nunmehr Ende 2018 in der Římská 45 in Prag 2 das Ossegg Praha aufgemacht! Das ist allerdings nicht nur eine einfache Kopie des Originals im Kloster Osek! Dafür sorgt schon Braumeister Filip Žaba, der dem bekannten Originallagerbier vor Ort neue Varianten an Bier hinzufügt, die dem städtischen Geschmack angepasst, aber doch höchst authentisch sind. Das Bier Ruthard 11 ist z.B. einem American Red Ale nachempfunden.

Mindesten fünf frisch gebraute und frisch gezapfte Biere nach Art des Hauses darf der Gast erwarten. Helle, halbdunkle, dunkle Biere – man sollte sie alle probieren. Die Getränkekarte erhält zudem sachkundige Erläuterungen über den Gehalt des Biere, etwa Stammwürze, Ingredenzien und Alkoholgehalt. Und kein Bier enttäuscht!

Chefkoch Vladimír Schnappel serviert dazu eine leichte (und „ehrliche“, wie die Homepage besagt) Variante traditioneller böhmischer Küche: Gut zur Stimulation des Biergenusses (und als „Unterlage“ zu selbigem), aber nicht zu arg schwer im Magen liegend. Das ist wohl im Augenblick der Trend bei neuen Bierlokalen in Prag.

Dazu passt auch die moderne Einrichtung mit schlichtem Schick, die vor allem ein etwas jüngeres Publikum anlockt. Die Speisekarte ist ausschließlich auf Tschechisch, was ein positives Anzeichen dafür ist, dass es sich nicht um eine Touristenkaschemme handelt (was man aber auch so merkt). Die Kellner sind aber des Englischen fehlerfrei mächtig und wir sind sowieso froh, dass unser Tschechisch mittlerweile immerhin hinreicht, das richtige Bier und das richtige Essen herauszufinden und zu bestellen.

In Osek sehen die Brauer das Prager Haus nur als einen ersten Versuch, das Ossegg in lokalen Varianten über die Klostermauern hinaus zu verbreiten, heißt es. Andere Filialen in Tschechien sind geplant, vielleicht expandiert man irgendwann auch mal ins Ausland. Wenn die Qualität so erhalten bleibt, kann man dem Projekt nur alles Gute wünschen. Authentisch tschechisch und modern – das Ossegg ist jedenfalls eine Bereicherung der Prager Bierszene! (DD)

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