Rosa Torte oder Schmetterling?

Als die „rosa Torte“ bezeichnet die Presse das Gebäude in der Regel, wenn die Rede vom Hotel Don Giovanni ist. „Kitsch“ ist noch eines der milderen Attribute, die man in Architektenkreisen sonst so verwendet. Und auch drinnen – nun, man sieht es ja im großen Bild… Aber über Geschmack kann man ja bekanntlich immer und unendlich streiten. Sicher ist: Dieser Hotelbau gehört zu den auffälligsten seiner Art in ganz Prag.

Auf jeden Fall gibt es auch übertriebene Kritik. Etwa die, dass es optisch ein störender Fremdkörper in der Umgebung sei. Nun muss der Fairness halber gesagt werden, dass die Adresse in der Vinohradská 2733/157a im Stadtteil Žižkov, gelegen zwischen der Metrostation Želivského (wir berichteten hier) und Neuem Jüdischen Friedhof (auch hier), für Touristen und andere Gäste des Hotels sehr verkehrsgünstig gelegen ist. Aber bei dem unmittelbaren Umfeld handelt es sich gewiss nicht um das schönste in Prag. Drumherum verlaufen große Verkehrsachsen. Die Gebäude in der Nähe sind meist phantasielose Betonklötze. Unmittelbar vor dem Hotel befindet sich (was eigentlich sehr praktisch ist) ein unschöner Busbahnhof. Was immer man über Hotel sagen kann, es zerstört kein schönes historisches Stadtbild.

Weil aber das Hotel so verbissene Kritik seitens der Architekturkritiker erfuhr, ist es nur fair, dass an dieser Stelle auch einmal der Architekt Ivo Nahálky zu Wort kommen kann, der das postmoderne Gebäude in den Jahren 1993 bis 1995 erbaut hat. Der war den Kollegen sowieso ein Dorn im Auge, weil man sich bis dato in dem Mythos erging, dass hässliche Hotelgebäude in Prag ja immer das Werk von ausländischen Architekten im Dienste ausländischer Hotelketten seien. Nun ist Nahálky Tscheche. Und das Hotel ist heute (nachdem es erst der österreichischen Bogner- und dann der deutschen Dorint-Gruppe gehörte) auch noch seit 2016 in der Hand einer genuin tschechischen Hotelkette namens Czech Inn Hotels. Das kratzt das tschechische Selbstwertgefühl (zumindest in der höheren Liga der Architekturkritiker) arg an.

In einem Interview erklärte Nahálky 2018 im Nachhinein, er wollte „ein Gebäude … bauen, das zeitgemäß ist und gleichzeitig kein anderes kopiert“. Dann noch schwärmerischer: „Ich suche Inspiration in der Natur, die für alle Künstler eine unerschöpfliche Ressource ist.“ Und so, als ob er die Kritiker, die ihn unter Kitschverdacht stellten, noch einmal so richtig provozieren wollte, erzählte er von einem kleinen Laden am Rande der Altstadt, den er einst besuchte, und der präparierte Schmetterlinge verkaufte. Das hätte ihm die Idee gegeben: „In diesem Moment wurde mir klar, warum sollte ich nicht die Form eines Schmetterlings in das Gebäude einbetten? Die Idee wurde verwirklicht und ist da.“

Ja, die ein wenig versetzt übereinander gesetzten Stockwerke mit ihren geschwungenen Fassaden und ihren abgerundeten Ecken erinnern mit einiger Phantasie im Grundriss tatsächlich an Schmetterlinge, aber ganz aus der Welt schafft die Schichtung der Etagen mit ihrer Höhe den Rosa-Torten-Verdacht nicht wirklich. Macht nichts, denn es geht um mehr, denn – ganz und gar poetisch ausgedrückt – es sei ein „Gebäude, das ich als die perfekte Einheit von Außen und Innen betrachte, und für mich ist es der Höhepunkt menschlichen Einfallsreichtums.“

In der Tat: Betritt man die Hotelhalle, so steigert sich der außen gewonnene Eindruck noch einmal um das Unermessliche. Die Treppe fließt geradezu um den Mann, dem das Hotel seinen Namen verdankt: Mozart! Er schuf mit seiner im schönen Prag 1787 urausgeführten Oper Don Giovanni den großen Charakter, der Nahálky zu seinen Inspirationen verhalf. Und so steht Mozart nun unter einem glitzernden Sternenhimmel, der … nun ja, ich wollte eigentlich das Wort „kitschig“ nicht verwenden, tue es also auch nicht…. Der Sternenhimmel soll an ein Herz erinnern und damit an die gebrochenen Herzen erinnern, die der alte Schwerenöter Don Giovanni hinterließ. Seufz! Oder um noch einmal Nahálky zu Wort kommen zu lassen: „Es ist eine Geschichte, die dem Gebäude Geist und Form gab.“

Überall im Haus (auch auf den Zimmern, wie mir Freunde erzählten, die dort übernachteten) sind Mozart und seine Musik allgegenwärtig. Kostüme aus Inszenierungen von Opern (meist Don Giovanni, natürlich) finden sich allerorten in Vitrinen. Schon im Foyer stehen zwei (!) Klaviere, eines davon an der Bar. Sämtliche Konferenzräume sind natürlich nach Charakteren aus der Oper benannt, wobei mir entfallen ist, welche Rolle eigentlich die Person „Business Lounge“ in der Handlung hat. Auf jeden Fall: Was immer man in Sachen Geschmack dazu sagen will; irgendwie ist das Ganze stimmig.

Dazu, nebenbei bemerkt, offeriert das 4-Sterne-Hotel allen erdenklichen Service: Restaurants, Bars, Shops, Spa, Wellnessbereich, Konferenzräume, Friseur, Massagestudio und was man sonst in einem Hotel von internationalem Standard erwarten kann. Bei den Gästen scheint das Haus auch beliebt zu sein. Und trotzdem: Auch Jahrzehnte nach der Einweihung verfolgen die Kritiker den Bau mit Hass und versuchen, ihm den Titel „hässlichstes Gebäude Prags“ anzuhängen. In entsprechenden Rankings (etwa hier auf Platz 9) schafft es das Hotel auch in die Spitzenränge. Wie kommt das?

Nun, ich muss gestehen, dass ich im kargen architektonischen Umfeld das Gebäude schon immer wie einen putzigen Farbtupfer, nicht wie einen Fremdkörper empfunden habe. Gerade weil es sich an der Grenze von Kunst und Kitsch befindet, kann ich mir ein erheitertes Lächeln nie verkneifen, wenn ich daran vorbeifahre. Vielleicht darf man hinter der Architektur, der Innenausstattung und der überschäumenden poetischen Auslassungen des Architekten auch ein wenig Ironie und Witz vermuten. Das wäre in der Tat sehr tschechisch! Und damit kommt man wieder zu der Frage: Warum dieser Hass?

Vielleicht steckt dahinter eine kommunistische Verschwörung. Wer weiß? Womit wir bei der Vorgeschichte des Hotels sind. Es befindet sich auf einem ehemaligen kommunalen Gelände von großen Ausmaßen. Die bürgerliche Stadtregierung wollte das Gelände nach dem Ende des Kommunismus verkaufen. Das Hotelunternehmen kaufte es für 80 Millionen Kronen, die nun ins Stadtsäckel flossen. Die örtliche Kommunistische Partei (KSČM Praha 3) war dagegen und wollte das Ganze nur verpachten. Endgültig als Stich in das kalte rote Herz empfanden sie es, dass man nicht nur Land an einen Hotelkapitalisten verkaufte, sondern den östlicheren Teil des Geländes an Radio Free Europe – Radio Liberty, das in den Zeiten des Kalten Krieges so viel zum Untergang des Sowjetkommunismus beigetragen hatte (früherer Beitrag hier). Und dem trauert die KSČM bekanntlich immer noch nach. Weder Radio Free Europe noch das Hotel konnten die Kommunisten verhindern. Die Wut darüber saß tief. Noch 2012 beschwerte sich ein Kandidat über die damaligen Ereignisse, „ich versichere Ihnen, dass es uns bei der Baukommission gelungen ist, noch schlechtere Optionen zu verhindern. Es hätte eine noch größere und aufgedunsene Schachtel sein können.“ Ärger kann man seine Empörung über den Kapitalismus und seine Werke nicht ausdrücken.

Leider ist es mir noch nicht gelungen, der Verschwörung tiefer auf den Grund zu gehen, und zu zeigen, warum auch ausgesprochen bürgerliche Architektur-Kritiker sich ebenfalls recht despektierlich äußerten, wie etwa Zdeněk Lukeš („Dies ist die Art von Architektur, die Prag entehrt.“), der ehemalige Architekturberater von Präsident Václav Havel. Der war ja gewiss nicht des Kommunismus‘ verdächtig. Vielleicht gibt es ja keine Verschwörung. Vielleicht versteht nur keiner die Ironie hinter dem Gebäude. Ironisch zu sein, ist ja immer gefährlich, weil nur die wenigsten Ironie verstehen. Oder vielleicht steckt in dem Entwurf auch keine Ironie, sondern es handelt sich tatsächlich um Kitsch pur. Ist egal, ich finde das Gebäude irgendwie einfach schräge und mag es. Punkt! (DD)

Klassisch böhmisch und total hip

Wenn man eintritt, sollten die Augen nach oben gerichtet sein. Die Decke ist einzigartig. Von oben hängen Schweine in Stuck herab, so als ob die Schwerkraft für sie nicht gelte. Auch Hühner, grasende Kühe, Forellen, Enten, Hirsche und anderes Getier sieht man. Ja, im Grunde sieht man schon, was man gleich zum Essen bekommt (es sei denn, man ist Veganer)..

Wir befinden uns im Restaurant Vinohradsky Parlament in der Korunni 820/1, direkt am Náměstí Míru (Friedensplatz) im Stadtteil Vinohrady (Prag 2). Warum das Restaurant behauptet, das Parlament des Stadtteils Vinohrady zu sein, konnte ich noch nicht herausfinden. Das große Národní dům (Nationalhaus) von 1894, in dem das Restaurant residiert, ist zwar ein kommunales Kulturzentrum, aber keine Volksvertretung.

Auf jeden Fall ist das Vinohradsky Parlament eines der originellsten Restaurants in Prag, was die Innenarchitektur und -ausstattung angeht. Das gilt nicht nur für den Hauptraum, sondern auch für die Nebenräume, wenngleich auch ohne den animalischen Stuck. Jedenfalls trägt es dazu bei, dass das Restaurant zurzeit bei jung und alt total angesagt und hip ist.

Das Vinohradsky Parlament gibt es eigentlich schon seit 2014, aber erst nach einem größeren Umbau in der ersten Hälfte des Jahres 2019 bekam es den modernen Schliff, der es jetzt so einzigartig macht. Dafür sorgte das Architekturbüro Atelier PH5 unter der Leitung des bekannten Architekten und Designers Václav Červenka, der sich in Prag schon öfters der Gestaltung von Restaurants angenommen hatte (Beispiel: das Bistro Sisters), aber sich selten so wild austoben konnte wie hier im Vinohradsky Parlament.

Dabei ist das eigentliche kulinarische Angebot durchaus eher konservativ. Den umtriebigen Besitzern Viktor Kaplan und David Petřík, die übriges ein ganzes Netzwerk unterschiedlicher Restaurants unter dem Namen Together betreiben, ging es darum, traditionelle böhmische Küche ein wenig zu modernisieren (das macht Chefkoch Jan Pipal) und einem jüngeren Publikum, das mehr auf hippe Sachen steht, imagemäßig schmackhaft zu machen. Im Bild sieht man den Klassiker Tatarák s topinkou a česnekem in hauseigener Weise zubereitet. Das Konzept scheint voll auzugehen.

Der Grund mag sein, dass es halt ein alleinstellendes Merkmal als böhmisch-hip hat und daher nicht mit dem anderen Restaurant einen existenziellen Wettbewerb führt, das Kaplan und Petřík unmittelbar angrenzend im selben Gebäude betreiben, nämlich das Bruxx (wir berichteten bereits hier), das beweist, das Tschechen immer noch die besten Belgier sind und daher auch das beste belgische Restaurant überhaupt betreiben können. (DD)

Bestes Bier im alten Bahnhof

Draußen vor den Toren der Stadt findet man nicht selten Kleinbrauereien, die wahre Perlen der Braukunst hervorbringen. Es wäre eine schmähliche Unterlassung, in diesem Zusammenhang die Brauerei von Řevnice (Pivovar Řevnice) nicht zu erwähnen.

Etwas südwestlich Prags fließt der kleine Fluss Berounka in die Moldau. Er ist in eine wunderschöne felsige Landschaft eingebettet, die zurecht bei Pragern als Naherholungs- und Wochenendausflugsgebiet populär ist. Eine Wanderung durch das Flusstal kann einen auch durch den malerischen Ort Řevnice führen, und dann sollte man unbedingt in der Brauereigaststätte halt machen. Wenn man dann ob des guten Trunkes und der guten Speisen des Wanderns müde ist, kann man bequem mit dem Regionalzug nach Prag zurück fahren, denn der kleine Bahnhof des Ortes liegt ganz nahe. Offenbar wurde er in den 1990er Jahren einige hundert Meter verlegt, denn ursprünglich befand sich der Bahnhof in ebenjenem Gebäude, in dem sich heute die Braugaststätte befindet. Das hübsche Gebäude aus dem Jahr 1862 stand eine Weile ungenutzt als der Bahnbetrieb hier aufhörte. 2018 gründete der Unternehmer und Investor Petr Kozák, der ein besonderes Faible für die Wiedernutzbarmachung historischer Gebäude hat, eine Aktiengesellschaft für die Brauerei, deren Vorsitzender er wurde. Dann begann man nach den Plänen des Architekten Tomáš Šantavý mit dem Umbau des Gebäudes, das nunmehr auf gelungene Weise den ursprünglichen Charakter eines Bahnhofs mit den Bedürfnissen eines modernen Gastbetriebs vereinte.

Und 2020 konnte man in dem neu gestalteten Gebäude (Adresse: Pod Lipami 71/0) die Eröffnung feiern. Die Leitung des Betrieb übernahm der aufstrebende junge Brauer Roman Řezáč, der neben seinem Talent für die Braukunst auch eine Managementausbildung mitbrachte. Ihm stellte man noch den erfahrenen lokalen Braumeister Ladislav Chládek zur Seite. Das professionell agierende Team machte die Gaststsätte und Brauerei umgehend zum Erfolg. Im ersten Jahr gingen immerhin 900 Hektoliter über die Theke – nicht schlecht für eine Brauerei, die nur ihre eigene Gaststätte bedient. Die örtliche Bevölkerung der Umgebung und die vorbeipassierenden Wanderer und Radler bilden das ökonomische Rückgrat der Brauerei – was aber nur funktioniert, wenn sich der gute Ruf hoher Qualität hinreichend herumspricht.

Und über die Qualität kann man sich nicht beschweren. Da ist natürlich an erster Stelle das hervorragende Bier zu nennen, das höchsten Standards entspricht. Es gibt eine Art „Grundangebot“ von drei Sorten. Dazu gehört das leichte helle Bier mit 10° Stammwürze (Desítka) mit seienm milden Geschmack, das wir im Bild weiter oberhalb bewundern können. Dazu gibt es etwas herbere und rötlichere Bier mit 12° Stammwürze (Bild links) und ein Pale Ale (Golden Ale) mit ebenfalls 12° Stammwürze. Pale Ales sind – obwohl keine traditionell heimische Biersorte – in den letzten Jahren vor allem unter jüngeren Menschen sehr populär geworden. Aber eigentlich stehen nie nur drei Sorten Bier auf der Getränkekarte. Denn die Pivovar Řevnice legt wert auf schnell wechselnde Tagesangebote. man kann in relativ schneller Folge hier einkehren und bekommt wieder etwas neues. Rund sechs Sorten sind es fast immer. Ab und an wird auch ein Bier einer nahegelegenen Kleinbrauerei auf die Liste gesetzt. Variatio delectat! Das könnte das Motto der Brauerei sein. Und man erlebt bei keinem der Biere eine Enttäuschung.

Man scheut sich auch nicht, geradezu ulrta-leichte Biere mit geringer Stammwürze von 7 oder 8° zu brauen, die Tschechen normalerweise etwas belächeln, weil das das Marktsegment der fitness-bewussten Radfahrer das zu schätzen weiß, für die das Berounkatal ein wahres Ausflugsparadies ist. die Vielseitigkeit im Genuss zeigt sich nicht nur in der Bierauswahl, sondern auch bei der Speisekarte. Die präsentiert nicht nur die tschechischen Klassiker wie eigelegten Käse oder Gulasch mit Knödeln, sondern auch Gerichte internationaler Provenienz. Und das auch in ständigem Wechsel des vielseitigen Angebots. Das ist weder Bier noch Essen von der Stange, sondern frisch zubereitete Cuisine – deftig, aber gut!

Der Hefeknödel mit Pflaumenmus und geriebenen Quark (eine tschechische Spezialität), den wir beim letzten Besuch aßen (Bild links) war dann noch der krönende Abschluss. Zugegebenrmaßen recht reichhaltig und somit nur bedingt für den Beginn einer Wanderung zu empfehlen. Aber schöner kann man sich den Abschluss eines Ausflugs dafür kaum vorstellen. Der Bahnhof mit den Regionalzug nach Prag ist ja in unmittelbarer Nähe.

Und der alte Bahnhofsbau hat eine mehr als würdige Nutzung bekommen Dank Roman Řezáč und seinem Team in der Pivovar Řevnice. Die kann man übrigens auch bei schlechtem Wetter besuchen, denn sie verfügt nicht nur über den großen und einladenden Außenbereich, den wir oben im großen Bild sehen können. Auch innen wird die Braugaststätte ihrem Anspruch gerecht. Die hohe Bahnhofshalle wurde zu einer sehr modernen, aber auch sehr gemütlichen Gaststätte umgestaltet, die jederzeit zum Besuch einlädt. Alles in allem: Der Besuch wird empfohlen! (DD)

Liberales Stammlokal

An einen Ort zur gastlichen Einkehr mit diesem Namen kann man als Berufsliberaler nicht einfach vorbeigehen: Kavárna liberál – übersetzt: Café Liberal.

Wir befinden uns in der Heřmanova 1209/6 im sich immer mehr gentrifizierenden und manchmal etwas „alternativen“ und „hipsterigen“ Stadtteil Holešovice. Die Kavárna liberal gibt es hier schon seit 2012 und sie blieb seither so etwas wie ein fest etabliertes echtes Szenelokal. Das liegt womöglich an Gründer und Besitzer Jakub Štorek, der der eigentlich ganz schlicht und traditionell anmutenden Gaststube (d.h. einfache Holztische- und -stühle) irgendwie ein Flair von Intellektualität und Weltoffenheit zu verpassen verstand. Optisch genügte dafür eine einigermaßen gut ausgestattete Bar (Bild links) und ein paar lifestylige Langspielplattencover prätentiöser Musiker aus den 1960er und 1970er Jahren – oft französische Chansoniers – an den Wänden.

Und dann ist da noch der Name. Während man in westlichen Städten – etwa Berlin – in eher alternativhipsterigen Gegenden die Selbsbezeichnung „liberal“ besser unterlassen sollte, wenn man nicht neue Arten der Beleidigung auf sich ziehen will, ist Prag eben tatsächlich recht liberal. Und deshalb kommt der Name wohl an. Und er entspricht wohl auch teilweise dem Selbstverständnis von Gründer Štorek, der seine Kavárna als Ort freien kulturellen und politischen Austausches sieht. Immer wieder gibt es daher hier kleine Ausstellungen und Vernissagen oder auch (politische) Diskussionsveranstaltungen. So etwas macht in der Regel szenige Lokale noch szeniger.

Wobei Štorek, der ab und an wohl die „politische Korrektheit“ herausfordern will, durchaus bereit ist, Risiken einzugehen. Es ging noch an, als er sehr medienwirksam und mit Boykottdrohungen 2017 gegen das Rauchverbot, protestierte, dass die Regierung für Restaurantbetriebe verhängt hatte. Auch in der „Szene“ gab es schließlich Raucher. Im gleichen Jahr erlaubte er aber in seiner Kavárna eine Diskussionsveranstaltung mit dem rechten Agitator Martin Konvička, dem wild xenophoben Gründer und Chef des Anti-Islamischen Blocks (Blok proti islámu). Das hatte dann doch einiges Befremden in der hippen Szene von Holešovice und vor allem viele böse Kommentare in den Medien ausgelöst. Da er aber glaubwürdig versichern konnte, dass es ihm nicht um Sympathiebekundungen für Rechtsradikale, sondern um das in seinem Etablissement geltende Prinzip der Meinungsfreiheit für jedermann ging, vergab man ihm wohl schnell. Und die Szene, die hier übrigens recht vielfältig ist, blieb ihm treu. Wiederholt hat er das Manöver allerdings seither nicht mehr.

Aber kommen wir zum Kern der Sache: Was gibt es eigentlich zu Essen und zu Trinken? Die Speisekarte ist nicht lang, wechselt aber ständig. Es gibt die klassischen tschechischen Klassiker zum Bier. Die Wurstwaren sind überdurchschnittlich delikat und stammen von einem Hausmetzger. Aber auch ein paar nicht-tschechische Dinge findet man jedesmal auf der Karte. Und dazu gibt es (neben anderem) Bier von der Únětický pivovar (über die Brauerei berichteten wir bereits hier), die zu den populäreren Kleinbrauereien der Prager Umgebung gehört. Eigentlich alles im oberen Segment dessen, was man von einer Szenekneipe (also kein Haute-Cuisine-Restaurant) erwarten kann.

Wie schon gesagt: Der Name alleine verfügt schon über eine hohe Anziehungskraft für Freiheitsliebende. Und da es sich auch sonst ein ausgesprochen gut betriebenes, gemütliches und hochwertiges Lokal handelt, kehrt man auch sonst recht gerne hier ein. Im Sommer kann man an sonnigen Tagen auch draußen die Stimmung des Lokals genießen. Draußen auf dem Gehweg und vor allem auf dem Platz gegenüber, dem Řezáčovo náměstí, der von alten Bäumen beschattet ist, gibt es reichlich Tische und Sitzplätze. Im Sommer kann der Andrang recht groß sein (siehen den Blick aus dem Fenster im Bild links).

Nomen est omen. Die Kavárna liberál strahlt tatsächlich eine anziehend liberale Atmosphäre aus, die – wenn man dem Selbsttest glauben darf – tatsächlich Liberale wie unsereins (aber nicht nur die) anlockt. Was man an den glücklichen Gesichtern des Prager Teams (plus Regionalleiter aus Brüssel) der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit entnehmen kann, die man im Bild rechts sieht. Die zeigen, wie man sich von einem strapaziösen Arbeitstag hier in der Kavárna liberál bei Bier und Speisen bestens wieder rekreieren kann. (DD)

Mehr als nur eine Brauerei

Im letzten Beitrag berichten wir über das hübsche Landschloss Dolní Počernice mit seinem großen Park. Aber wer über Schloss Dolní Počernice (wir berichteten hier) spricht, darf vom Bier nicht schweigen!

Es ist natürlich aus historischer Sicht nichts Ungewöhnliches, dass zu einem Schloss, das ja ursprünglich immer so etwas wie ein Wirtschaftsbetrieb mit Selbstversorgung war, selbstredend auch eine Brauerei gehörte. Aber nicht alle von ihnen gibt es noch. Dafür, dass es die pivovar Počerňák (Počernicer Brauerei) gibt, kann und muss man auf jeden Fall dankbar sein. Das Gründungsdatum ist der Juni 2016, was nicht besonders alt und traditionsreich klingt. Aber die Brauerei baut auf viel Geschichte auf.

Die ursprüngliche Schlossbrauerei, die wohl schon im Mittelalter bestand, wurde 1884 zu einem größeren Wirtschaftsbetrieb erweitert, der dann die trinkfreudigen Bürger der Umgebung mit gutem Bier versorgte. In dieser Form bestand sie bis 1936. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Schloss, dessen integraler baulicher Bestandteil sie war und ist, bereits der Gemeinde Dolní Počernice. Pünktlich zum 70. Jahrestag der Schließung erstand die Brauerei wieder auf. Als Brauer war zunächst Marcel Jelínek für die Produktion des guten Gerstensafts zuständig, der bereits für etliche andere maßgeschneiderte Biersorten kreiert hatte. 2017 folgte ihm David Urban, der u.a. schon bei der Únětický pivovar (wir berichteten hier), einer der profiliertesten Kleinbrauerein in Prag, seine Sporen verdient hatte.

Rund drei hervorragende Sorten Bier sind fast immer im Angebot, etwa ein sehr süffiges Lager (tsch.: ležák), das quasi immer erhältlich ist. Nun darf man sich das ganze nicht als schlichte kleine Braugaststätte vom Lande vorstellen. Im Grund ist heute der ganze östliche Flügel des Schlosses ein einziger, aber vielschichtiger biergastronomischer Komplex. Der besteht aus drei Grundkomponenten. Die erste ist das eigentliche Braulokal an der Národních hrdinů 3 (Prag 9), was geradezu die Hauptstraße des kleinen Ortsteils Dolní Počernice. Obwohl in einem barocken Gebäude befindlich, ist es innen modern, aber gemütlich eingerichtet. Zum Bier kann man tschechische Bierlokalküche in guter Art genießen. Hier befindet sich auch die eigentliche Brauerei.

Komponente Nummer zwei ist das Restaurant Léta Páně (das heißt: Im Jahres des Herrn oder Anno Domini). Da kriegt man das Bier natürlich auch. Braugaststätte und Restaurant verbindet ein Innenhof, der oft im Sommer für Hochzeiten u.ä. genutzt wird. Das Restaurant, das am auf der anderen Seite der alten Burg am Schlosspark (daher auch eine große Terrasse!) gelegen ist, ist riesig und mit vielen Räumen ausgestattet, die für jede Feier geeigent sind. Die Einrichtung ist modern und geschmackvoll. Alles macht einen gediegenen Eindruck.

Auch die Kulinarik darf nicht unerwähnt bleiben. Die ist durchaus gehoben. Neben einigen tschechischen Klassikern gibt es auch internationale Cuisine. Rundum tiptop! Das gilt nicht nur, aber vor allem auch für die Deserts. Die Gebackenen Pflaumen mit Lebkuchen und Marzipaneis, die man links sehen kann, hatten es jedenfalls in sich!

Wie gesagt: Der Gebäudekomplex, der auch Panský Dvůr (Herrenhof) genannt wird, der zu Brauerei und Umfeld gehört, ist groß. Mit seinem Turm ist das alte Schlossgebäude fast ein Wahrzeichen der Gemeinde. Deswegen war auch noch eine Übernachtungsmöglichkeit für alle, die nach vielen guten Bieren nicht mehr nach Hause gehen können oder wollen, drin, die Penzion u Hastrmana, die ebenfalls dem höheren Qualitätssegment angehört. Für den lebensbejahenden Biertrinker ist die Brauerei in Dolní Počernice eben mehr als nur eine Brauerei. (DD)

Gutshaus zum Einkehren

Eingerahmt von modernen Hochhäusern und vielbefahrenen Straßen, bietet sich das Gutshaus Kajetánka (usedlost Kajetánka) in der Radimova 2393/12 in Břevnov (Prag 6) als eine wahre Ruheoase an. Der idyllische kleine Bach Brusnice wird vor dem Gebäude zu einem Teich mit üppig bebaumter Insel aufgestaut. Am Hang daneben liegt ein kleiner Park. Das ist schon schön.

Dazu lädt im und vor dem Gutshaus heute ein Restaurant mit Sommergarten zum Verweilen ein. Es gibt gepflegte Küche und ebensolche Getränke. Auch in diesem übrigens sehr hundefreundlichen Areal kann man es sich richtig gut gehen lassen. Touristen sieht man in diesem versteckten Ort fast nie, sondern nur Einheimische.

Der kleine Park mit dem Gutshaus ist das, was von den dortigen Ländereien übrig ist, die um 1628 Maria Eusebia von Sternberg hier erwarb. Um das nun entstehende Landhaus im feinen barocken Stil wurde ein großer Weinberg angelegt. Das Haus behielt seinen Zweck als Weingut noch bis ins 19. Jahrhundert, wovon man leider heute nichts mehr sieht. Der Sohn und Erbe der Maria Eusebia, Bernard Borsita von Martinitz, ließ 1665 nur wenige Meter bachabwärts die Kapelle Unserer Lieben Frau Maria von Altöttingen (Kaple Panny Marie Altöttinské) bauen, über die wir bereits hier berichteten. Dann verschenkte er das ganze Anwesen an den Theatinerorden, der es bis zu den Kirchenreformen Kaiser Josephs II. im Jahre 1783, die mit der Säkularisation des Besitzes endeten.

Die Zeit unter den Theatinermönchen war aber ebenfalls eine des Aufschwungs. So wurde das Gutshaus im Jahre 1760 noch um eine Orangerie ergänzt. Das oberhalb des Gutes befindliche Gebäude ist im klassizistischen Stil gehalten. Es handelt sich um einen zweiflügeligen Bau mit einer Rotunde im Zentrum. Die Orangerie gehört heute nicht mehr zum Parkareal, weshalb man ihn nur von außen durch einen Zaun besichtigen kann. Dafür wurde extra eine kleine Stufenempore im Park aufgebaut.

Nach der Säkularisierung wechselte das Anwesen immer wieder die Besitzer. Es kam zu Aufteilungen des landes in kleine Parzellen. Gebäude verfielen (etwa die Kapelle) oder wurden zweckentfremdet. Der Orangerie fügte die Umwandlung in ein Wohngebäude im Jahre immerhin keine tiefer gehenden Schäden zu. Das Gutshaus wurde 1878 in eine Fabrik für gewachste Leinwände transformiert, die leider drei Jahre später durch ein Feuer arg verwüstet wurde. Nacheinander wurde es in ein Ausflugslokal und ein Wohnhaus umgewandelt. Ein geplanter Abriss konnte gerade noch durch den Denkmalschutzverein Klub Za starou Prahu (Verein für das Alte Prag) verhindert werden. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 wurde es ein Heim von deren Jugendorganisation Pioniere. Da nutzte auch nicht mehr, dass das Gutshaus 1963 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Schaden war da.

Dieser Bericht (Achtung: Mit Bild für starke Nerven!) zeigt, wie es hier einige Jahre nach dem Ende des Kommunismus aussah. Es musste etwas getan werden. 2010 hat die Gemeinde die Ärmel hochgekrempelt und das Gutshaus gründlich renoviert. Es ist nun schon ein kleines Schmuckstück und ein willkommenes Ziel für örtliche Ausflügler.

Man kann es sich im dann im Restaurant gemütlich machen oder im Park umherschlendern, wo noch ein kleiner Kulturgenuss wartet, nämlich die Statuen der antiken Göttin Ceres (Bild links) und des Gottes Hermes. Sie wurden in den Jahren 1936/36 von dem bekannten Bildhauer Vojtěch Sucharda, dem Bruder des ungleich bekannteren Bildhauers Stanislav Sucharda (wir berichteten u.a. hier und hier), geschaffen, und kamen 1997 als Spende des Sucharda-Museums der nordböhmischen Stadt Nová Paka hierher. Alles das macht die Kajezánka zu einem sehenswerten Geheimtipp. (DD)

Familienbrauerei zwischen Industrieruinen

Ein Geheimtipp für Freunde guten Bieres: Beroun ist als Ausgangspunkt für überaus schöne Tagestouren durch das idyllische Tal der Berounka (Tipps brachten wir hier und hier) bei Ausflüglern aus dem nahen Prag zwar beliebt, aber ansonsten eine Industriestadt. Man muss Kenner sein, um an einer der unschönsten Ecken des Ortes, inmitten verfallender Fabrikhallen und einem Schrottplatz, in dem sich sogar abgewracktes Kriegsmaterial aus der Zeit des Warschauer Pakts befindet, eine richtig sensationelle und äußerst ungewöhnliche Biergaststätte zu finden: Die Rodinný pivovar Berounský medvěd (Familienbrauerei Berauner Bär).

Hat man sich nach rund drei Minuten Fußmarsch vom etwas gesichtlos modern gestalteten Bahnhof der Stadt durch die Öde des heruntergekommenen Fabrikareals in den Innenhof des Schrotthandels in der U Cukrovaru 135 gekämpft, steht man plötzlich davor. Wie ein properes und zünftiges Landgasthasthaus sieht es aus, wenn man sich die Umgebung wegdenkt. Und auch die bekommt nun irgendwie einen pittoresken und auch surreal inspirierenden Charakter, wenn man sie wiederum im Kontext der Brauereigaststätte sieht. Kurz: Der Weg lohnt sich. Was viel, aber nicht nur etwas mit den (mindestens) sieben Sorten Bier zu tun hat, die man hier frisch gezapft und gebraut genießen kann.

Zur Geschichte: Dokumentiert ist das Bierbrauen in Beroun (das es dort aber wohl schon vorher gab) seit dem Jahr 1295, als der böhmische König Wenzel II. Beroun der Stadt nicht nur königliche Stadtrechte verlieh, sonder -wichtiger noch! – den Bürgern das Recht zum Brauen und Mälzen. Das ließen sich die Bürger – gute Tschechen allesamt! – nicht zweimal sagen. Im 15. Jahrundert gab es alleine drei städtische Brauereien, von denen sich eine im Rathaus befand, damit die Ratsherren sich beim mühsamen Regieren der Stadt schnell erfrischen konnten. Daneben gab es viele nebenberufliche Brauereien in Bürgerhäusern, die meist von Frauen betrieben wurden. Im frühen 17. Jahrhundert beendete die Stadtregierung die Freiheit der Hausbrauereien und führte eine Stadtbrauerei mit einem hauptberuflichen Brauer ein. Sämtliche Gerätschaften und Vorräte dieses Betriebes wurden 1648 (dem letzten Jahr des Dreissigjährigen Krieges) von den einfallenden Schweden weggeschleppt und eine zeitlang war die Stadt nicht nur grausam „trockengelegt“, sondern auch pleite, da die Biersteuer auf gebrautes Bier ausblieb. Aber das renkte sich nach dem Frieden bald wieder ein. Jedenfalls war man in Beroun immer auf die eigene Brautrdition stolz, weshalb auch heute in der Familienbrauerei das Stadtwappen prangt.

Der nächste Schritt vorwärts kam 1871, als auf Initiative des Rates eine große Brau-Aktiengesellschaft geschaffen wurde, die im Jahr darauf in Betrieb ging. Das Zeitalter der Großbrauereien war angebrochen. Die Brauerei in Beroun war ein guter Regional-Champion. Allerdings in dieser Form nur bis zur Machtergreifung der Kommunisten im Jahre 1948, die die Aktienbrauerei umgehend verstaatlichten. Verdursten musste man in der Stadt nicht, denn es wurde zunächst einmal irgendwie sozialistisch weitergebraut. Aber nur bis 1978. Im Zuge der planwirtschaftlichen Zentralisierung wurden immer mehr lokale Braustätten geschlossen. Die in Beroun wurde zu einer Abfüllanlage für urquelliges Industriebier umfunktioniert. Nach dem Ende des Kommunismus ergab auch das keinen Sinn und im Jahr 1997 wurden die letzten Mitarbeiter entlassen. Das alte Brauereigebäude wich Wohnblöcken. War das das Ende? Nein!

Auftritt Hana Mayerová und ihr Mann Václav! Die beiden kauften das Areal einer alten Zuckerfabrik, das verfiel und Schrottplatz geworden war, und fingen an. Eine neue, wiederauferstandene Lokalbrauerei musste her! Professionelle Brauer waren beide nicht, aber gerade das eröffnete Möglichkeiten, wie Václav Mayer etliche Jahre später feststellte: “ Wir waren damals ein Unternehmen mit einem Haufen erfahrener Handwerker und handelten mit ‚Schrott‘. Dank dessen gelangten wir zu ausrangierten Geräten aus verschiedenen Lebensmittelbetrieben. Wir haben daraus die Brautechnik ein bisschen komponiert nach dem Motto, dass ein Laie alles kann, denn im Gegensatz zu einem Experten weiß er nicht im Voraus, dass es nicht geht.“ Und siehe da: Es ging! Einige der alten Braukessel sieht man sogar draußen am Wegesrand, wenn man noch zwischen den Industrieruinen die Brauerei sucht.

Es geradezu selbstgebastelte Ansatz führte zu einer irgendwie gleichzeit innovativen und traditionellen Braukunst. Man legte zusätzlich sogar eine eigene Mälzerei im nahen Dorf Suchomasty an. Und das Brauen in der Brauerei (die auf Wunsch besichtigt werden kann) erfolgt auf technisch einfachem und daher grundsolide bodenständigem Niveau. Der Sud wird zum Beispiel nicht computergesteuert elektronisch erhitzt, sondern wie früher mit einem Kaminofen. „Der größte technische Komfort in unserem Betrieb ist ein Sensor, der die Temperatur in der Brauerei misst und dem Brauer auf einer Messuhr anzeigt. Dadurch muss er nicht ständig mit einem Handthermometer herumlaufen“, erklärt Václav Maier. Aber genug zu Technik: Am Ende ist es ja die Qualität des Bieres selbst, die zählt.

Sieben Sorten Bier aus eigener herstellung gab es hier gezapft als wir hierher kamen. So zum Beispiel das herrlich herb-samtige Berounský medvěd – polotmavý speciál (Berauner Bär Spezial Halbdunkel), das man auf dem großen Bild oben vor dem wunderschön aus holzgeschnitzten Bären-Logo an der Wand der Bierhalle der Brauerei sehen kann. Oder das etwas hopfigere Berounský medvěd – tmavý speciál (Berauner Bär Spezial-Dunkel) oder das Berounský medvěd – Zlatý kůň (Berauner Bär – Goldenes Pferd), ein sehr leichtes Helles mit mildem Geschmack und nicht überhopft. Man sieht sie beide im Bild links nebeneinander. Man sieht dass ich nicht schnell genug geknipst habe, und die Biere bereits angetrunken waren – ein Beweis für die hohe und unwiderstehliche Qualität des Bieres. Die lässt zweifeln, ob es bei dem in der Gründungsgeschichte der Mayers als „Laien“ nicht um eine geschickte und werbewirksame Selbstmystifizierung handelt. Jedenfalls kann kein Profi das besser machen. Die Betreiber rühmen sich zudem, dass sie die Zutaten sehr schonend zubereiten, und dass sie unfiltrierte Hefe mit einem hohen Gehalt an Vitamin B verwenden. Biertrinken ist hier also nicht nur Genuss, sondern etwas Gutes für die Gesundheit. Menschen mit größeren Gesundheitsproblemen, bei denen normales Qualitätsbier nicht mehr wirkt, sei die stärkere Dosis empfohlen, der hauseigene Bierbrand mit 50 Prozent Alkoholgehalt.

Ja, und wer gut trinkt, soll wenigstens nicht schlecht essen. Und auch das ist garantiert in der Familienbrauerei Berounský medvěd! Natürlich findet man auf der Speisekarte die großen tschechischen Bierhaus-Klassiker, wie gegrillte Entenbrust, eingelegten Hermelin (eine Art tschechisches Camembert-Imitat, oder haben die Franzosen etwa den Hermelin nachgemacht?) oder die rechts abgebildete Fleischplatte mit einer Variation böhmischer Knödel. Aber es gibt auch eine etwas internationaler anmutende Steak-Karte. Die Qualität des Fleisches ist exzellent. Die tschechische Küche bekommt in ihrer Schlichtheit dadurch einen erhöhten und edlen Charakter. Wer (was in Tschechien gottlob eher selten ist) lieber vegetarisch genießt, der kann sich sogar an einer kleinen Salatplatte delektieren. Jedenfalls korrespondiert der hohe Standard des Bieres mit der des Essensangebots.

Und wohlfühlen kann man sich drinnen. Denn der Gastraum ist so gemütlich, wie es in einem Braurestaurant sein muss. Aber so richtig! Der Schrott und Verfall draußen (der sowieso eine großartige Kulisse für das Ganze bildet) ist in der ersten Sekunde vergessen. Denn tatsächlich ist die alte Industiriearchitektur ausgesprochen geeignet, die richtige Atmosphäre zu schaffen, die man für ein zünftiges Biervergnügen braucht. Dazu wurde das Ganze richtig hübsch dekoriert. Überall wurden sorgfältig Hopfengirlanden (Bierstimmung!) angebracht. Es gibt klassische, aber schon höherwertige Holzmöbel und alte Werbetafeln von Brauereien wurden an den Wänden angebracht. Die Räumlichkeiten sind groß genug für ab und an stattfindende Kulturveranstaltungen oder auch Festlichkeiten wie Hochzeiten.

Dazu wurden einige Wände mit entzückenden, teilweise geradezu humoristischen Wandmalereien geschmückt, die teilweise Szenen aus dem Brauerleben zeigen, aber auf bisweilen Überraschendes. Zum Beispiel das Sgraffito, das wir im Bild rechts sehen. Da wurde ein altes Waschbecken genutzt, um drumherum einen Brunnen mit der Statue des böhmischen Nationalheiligen Nepomuk zu malen. Nach hinten verliert sich das Ganze perspektivisch als Straßenzug. In das Gemälde wurden jedoch ein nicht als Sgraffito, sondern plastisch/realistisch gemaltes Portrait eines sitzenden Hundes und eine ebenso angefertige Katze eingefügt. Auf den ersten Blick denkt man, hier säße wirklich der Hund eines Gastes (in Tschechien ist das ja nicht unwahrscheinlich). Lady Edith, die mit dabei war, als wir hier einkehrten, fiel allerdings auf die optische Illusion nicht herein.

Wer nach einer längeren Wanderung entlang der Berounka nach einem geeigneten Abschluss eines schönen Erlebnistages sucht, kann sich wohl kaum etwas Besseres vorstellen. Lange Rede (dazu lädt die Brauerei ein!), kurzer Sinn: Ja die Familienbrauerei Berounský medvěd des Ehepaars Mayer ist ein absolutes „Muss“ für den Freund tschechischen Bieres! (DD)

Schloss mit Mordgeschichte

In den Außenbezirken Prag gibt es eine schier unendliche Zahl von kleinen Burg- und Schlossanlagen. Sie liegen fast samt und sonders außerhalb der großen Touristenströme, die meist nur den Hradčany (Burgbezirk) oberhalb der Kleinseite erreichen. Für die Einheimischen sind sie aber beliebte Ausflugsziele – allen voran Schloss Chvaly (Chvalský zámek) im heutigen Stadtteil Horní Počernice (Prag 20)

Eigentlich handelt es sich sogar um einen alten und sehr pittoresken Ortskern, dessen Zentrum die Burg bildet. Der Ort Chvaly existiert wohl schon seit dem 11. Jahrhundert. Eine Urkunde aus der Zeit des böhmischen Herzogs Soběslav I. weist es 1130 als Kirchenbesitz des Kapitels Vyšehrad aus. Die Burg gibt es aber erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, was man ersten schriftlichen Erwähnungen in Chroniken von 1428 entnehmen konnte. Die Burg gehörte nacheinander verschiedenen adligen Bürgern Prags. Vom Unglück verfolgt war Ritter Jiří Vtelenský z Vtelno, der Burg und Gut 1615 erwarb, weil er sich an dem Ständeaustand 1618 beteiligt hatte, der sich gegen die absolutistischen Bestrebungen und die Abschaffung religiöser Toleranz durch die Habsburger wendete. Nach der Niederlage des Aufstands 1620 wurde sein Besitz konfisziert.

Einige Eigentümerwechsel weiter, im Jahre 1652, fiel der Besitz in die Hände der Jesuiten, die wiederum nach einem Brand die im Kern noch recht finster mittelalterliche Burg in ein modernes Barockschloss umwandelten – so wie wir es im Großen und Ganzen heute noch sehen können. Zudem bauten sie als integralen Bestandteil des Schlosses eine Kapelle an, die der Heiligen Anna gewidmet war. Der Jesuitenorden wurde 1773 von Papst Clemens XIV. aufgelöst und so kam das Schloss in den Besitz eines gemeinnützigen Studienfonds, der hier bis 1848 residierte. In dieser Zeit (genauer: 1793/94) wurde die Kapelle umgebaut und vergrößert. Sie diente nun unter dem Namen Kirche der Heiligen Ludmilla als reine Gemeindekirche und gehört heute der Katholischen Kirchengemeinde des Ortes. 1825 wurde sie nochmals im neoromanischen Stil umgebaut, der heute ihren äußeren Eindruck prägt.

Was das Schloss anging, so gab es abermals eine Folge von Besitzerwechseln, die dem Gebäude nicht gut bekamen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde gar der südliche Flügel des Schlosses abgerissen. Die Substanz war in Gefahr. 1918 wurde deshalb das Schloss samt unmittelbarer Umgebung in Staatseigentum der neu gegründeten Tschechoslowakei überführt und vermietet. Der Verfall wurde dadurch allenfalls verlangsamt. Aber auch das endete 1951 mit dem Kommunismus. Das Ganze wurde nun in enen landwirtschaftlichen Staatsbetrieb überführt, was am Ende zur völligen Verwahrlosung und Zweckentfremdung führte. Gottlob verschwand der Kommunismus 1989 und man konnte sich endlich richtige Gedanken über eine angemessene Nutzung machen.

Seit 1993 befindet sich das Schloss nunmehr im Besitz der Stadt Prag bzw. seit einiger Zeit im Besitz des Stadtteils Horní Počernice. Nun plante man, das Schloss zu renovieren und einem Zwecks zuzführen, der seinem kulturellen und historischen Rang entsprach. Bis 2008 dauerten die Arbeiten, die zum Teil aus EU-Mittel finanziert wurden. Sie bezoegn die ganze Umgebung mit ein, denn das ummauerte Areal umfasst noch etliche barocke Wirtschaftsgebäude des Schlosses und einen um eine große Dorfplatzanlage gelegenen Ortskern mit alter Bausubstanz. Die Entwickler sahen hier das Potential für ein großes gehobenen Freizeit- und Kulturzentrum.

In einem der Wirtschaftsgebäude (kleines Bild links) befindet sich jetzt eine Kunstgalerie mit interessanten Wechsel-Ausstellungen. Auf dem Platz gibt es moderne Skulpturen, aber auch einen Kinderspielplatz. Mehrere Restaurants in historischen Gebäuden säumen den Dorfplatz. Alles ist in blitzblankem Zustand. Alles ist herrlich für Familienausflüge geeignet.

Das gilt auch für das Schloss selbst. Das enthält neben dem barocken Hochzeitssaal auch ein kleines Museum, das spielrisch und didaktisch stark auf Kinder als Publikum ausgerichtet ist, was aber keinesfalls Erwachsene abschrecken sollte. Dort kann man auch noch ein wenig zur Baugeschichte sehehn. Im ersten Augenblick denkt man im Keller, hier hätte sich damals ein Kerker befunden. Richtig düster, kalt und eng sieht es in dem finsteren Verließ aus. Stimmt aber nicht. Im Schloss gab es nie ein Gefängnis und in Wirklichkeit handelt es sich um eine Kühlkammer, wo man (der Kühlschrank war ja noch nicht erfunden) in der frühen Neuzeit im Winter gesammeltes Eis über den Sommer aufbewahren konnte.

Aber eigentlich geht es im Museum um Ortsgeschichte und um große Persönlichkkeiten, die Chvaly hervorgebracht hat. Dazu gehört unter anderem die Malerin und Graphikerin Ludmila Jiřincová. Den Tschechen noch bekannte dürfte der Trickfilmzeichner Zdeněk Smetana sein, der mit dazu beitrug, dass Tschechien in diesem Genre qualitativ so führend wurde. Dabei lernt man auch, das Smetana in den frühen 1960er Jahren Folgen der amerikanischen Kultserie Tom and Jerry in Prag gezeichnet hatte. Wer weiß heute noch, dass die amerikanischen Kapitalisten die Produktion ihren Serie aus Geldgründen outsourcten und die tschechoslowakischen Kommunisten – auch aus Geldgründen – diesen Job gerne übernahmen? Man lernt nie aus…. Im Museum von Schloss Chvaly kann man in einem kleinen Kino aber einen ur-tschechischen Trickfilm mit den von ihm geschaffenen Kobolden Křemílek und Vochomůrka (dt.: Fliegenpilz und Kasimir) bewundern.

Auch die Lokalgeschichte des Schlosses bietet Interessantes, wenn nicht gar Dramatisches, das didaktisch hübsch durch Comics-Wandtafeln präsentiert wird. Hier sieht man eine gruselige Mordgeschichte, die sich nach der oben erwähnten Enteignung des Ritter Jiří Vtelensk wegen seiner Beteiligung am Ständeaufstand 1618 abspielte. Einer der Justizräte, die die Prozesse gegen die Aufständischen leiteten, war ein gewisser Jan Daniel Kapr z Kaprštejn, der sich wie viele der Parteigänger der Habsburger hemmungslos am Besitz der Besiegten bereicherte. 1622 war er – nicht überraschend! – auf einmal zum Eigner von Schloss Chvaly geworden.

Lange konnte er die Früchte seiner Gier aber nicht genießen. Er behandelte seine Frau Anna, die ihn gegen ihren Willen heiraten musste, wohl recht schlecht. Zusammen mit ihrem eigentlichen Geliebten, dem Ritter Adam Zapský ze Zap, lauerte sie im November 1625 in einem nahegelegenen Wald dem bösen Ehemann auf, dessen Leben nun durch eine Kugel beendet wurde. Anna und Adam konnten ihr Liebesglück aber nicht lange genießen. Sie wurden schnell gefasst und zum Tode verurteilt. 1626 enthauptete der Scharfrichter Jan Mydlář , der schon 1621 die Hauptaufständischen hingerichtet hatte (wir berichteten hier), die beiden – erst sie, dann ihn. Diese schauerliche Geschichte (die eigentlich verfilmt werden könnte) wollte ich an dieser Stelle niemandem vorenthalten…

Ja, auch außerhalb des Zentrums kann Prag spannend sein. Ein Besuch von Schloss Chvaly bietet jedenfalls alles, was man sich für einen kleinen Wochenendausflug in der Umgebung Prags nur so wünschen kann, vor allem spannende Geschichten. (DD).

Bier im Bischofspalast

Gute Bildungsbürger sollten sich das Gebäude des Vojanův Dvůr (Vojan Hof) natürlich wegen seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung für Prag anschauen. Es spricht dabei aber nichts dagegen, dort in der kleinen Brauereigaststätte gleichen Namens einzukehren und selbige näher zu inspizieren.

Der Name täuscht. Das Gebäude an der U Lužického semináře 119/21 auf der Kleinseite wurde zwar – genau wie der sich anschließende Vojan Park (Vojanovy sady) im 20. Jahrhundert nach dem Schauspieler Eduard Vojan benannt (früherer Bericht hier), der in der Gegend wohnte, aber es verdankt ihm keineswegs seinen Ursprung. Erstmals wurde das Gebäude 1248 erwähnt. Da war es nämlich der Palast oder Hof des Bischofs von Prag. Damals war das Nikolaus von Újezd, der sich vor allem durch den Ausbau der Prager Burg hervorgetan hatte. Als im 14. Jahrhundert die Prager Bischöfe zu Erzbischöfen aufstiegen, blieben sie weiterhin hier. Erst im 17. Jahrhundert zog es die Erzbischöfe in ein neues Domizil in die Altstadt. Der Hof fiel in den Besitz eines Klosters des Ordens der Karmelitinnen. Erst in den 1920er Jarhen wurde das Areal säkularisiert.

Entscheidend ist jedoch das Jahr 2018. Da eröffnet die Brauereigaststätte ihre Pforten. Die ist enorm beliebt bei den Unmengen von Touristen (aber auch eine nicht zu unterschätzende Zahl Einheimischer), die sich hier vorbeidrängen und im Sommer vor allem den Biergarten lieben. Ja, und obwohl das Vojanův dvůr mitten in einem touristischen Hotspot residiert, bekommt man für sein Geld hier reelle Qualität. Es handelt sich gewiss um eines der Top-Braulokale Prags.

Das liegt daran, dass die Betreiber schon wussten, wie man Qualität und Massentourismus verbinden kann. Schon 2014 hatten sie mitten im Gewühl der Altstad auf der anderen Moldauseite die Braugaststätte U tří růží (Bei den Drei Rosen) in der immer belebten Husova 10/232 (wir berichteten hier) gegründet und dort gezeigt, was sie konnten. Beide Lokale teilen sich Profi-Braumeister Tomáš Tuchyňa, der in beiden Brauereien durchaus für ein unterschiedliches Bierangebot sorgt – und zwar mit höchsten Qualitätsansprüchen. Hier sieht man das milde Halbdunkle (rechts) und das rötliche Rubín, ein leicht hopfiges Lagerbier.

Die Brauanlage kann man übrigens auf Anfrage besichtigen. Um das Trinken leichter zu machen, sollte man sich auch etwas zu Essen gönnen. Wie im U Tří růží bekommt man auch hier, was man von einer böhmischen Gaststätte so erwartet – deftige Küche mit Knödeln, Fleisch und was dazugehört. Uns schien die Zubereitung sogar ein wenig hochwertiger als im Schwesterlokal drüben auf der anderen Flussseite.

Nicht nur demjenigen, der wissen will, wie Bier in einem alten Bischofssitz schmeckt, sei diese Gaststätte empfohlen. (DD)

Steak à la française in Vinohrady

Der Tscheche liebt Fleisch, wovon in Prag viele spezialisierte Fleischrestaurants zeugen. Die gibt es in unzählichen Varianten – mal deftig tschechisch, mal lateinamerikanisch und dann auch noch französisch. Und damit sind wir beim Bílá Kráva in der Rubešova 83/10 Praha-Vinohrady.

Um zu sehen, worum es geht, braucht man gar nicht erst hineinzugehen und die Speisekarte lesen, denn der Kopf eines Rindes ist bereits als Mosaik mit Kopfsteinen in den Gehweg gepflastert. Ein weißer Kopf, natürlich, denn Bílá Kráva heißt auf Deutsch soviel wie „weiße Kuh“. Das bezieht sich auf die Rindersorte, deren Fleisch hier ausschließlich serviert wird, das Charolais – eine uralte Rinderrasse, die in Frankreich traditionell vor allem in der Bourgogne gezüchtet wird, und die immer weiß ist. Die Rinder, deren Fleisch man im Bílá Kráva genießen kann, sind allerdings auf Tschechiens grünen Weiden groß geworden, was den Genuss nicht mindert.

Man beherrscht hier die klassische französische Methode, das Rind in 32 Teilstücke zu zerlegen und kann dann auf der Speisekarte auswählen, ob man ein Lendenstück, das klassische Rumpsteak, das netzförmig von Fettadern durchzogene Steak Arachnee oder eine ganz andere Sorte haben möchte. Auf dem großen Bild oben sieht man die Variante für Entscheidungsschwache, auf die dann letztlich meine Wahl fiel: Drei Sorten auf einmal – Faux filet, Rumpsteak, Onglet (Hanger). Alles wird mit sehr fein zubereiteten Beilagen nach Wahl (hatte mich gegen Frittiertes entschieden) serviert. Auch die kleine Desertkarte kann sich sehen lassen (oberhalb rechts das herbfeine Schokoladenfondant). Ein Lob für Chefköchin Víťa Bajčanová!

Massenabfertigung muss man nicht befürchten. Das Restaurant ist in drei kleine Räume aufgeteilt, wodurch das Ganze sehr gemütlich und intim wirkt. Dazu trägt auch die Holztäfelung bei, die dem Bílá Kráva den atmosphärischen Anstrich eines alten französischen Landgasthauses verpasst. Überall an den Wänden schmücken irgendwie geartete Rindermotive (etwa der links gezeigte Rinderschädel).

Das gilt selbst für die Toilette, wo man (zumindest in der Herrenabteilung) noch kleine Zitatensammlungen über gutes Essen im allgemeinen und Rind im speziellen präsentiert bekommt. Das ist eben der hintersinnige Humor der Tschechen, den man so liebt.

Die Bemühungen um französische Cuisine und Lebensart sind auch den Franzosen selbst nicht verborgen geblieben, die ja normalerweise auf Versuche, ihrem Savoir-vivre nachzueifern, eher müde belächeln. Die Französische Botschaft in Prag (früherer Bericht hier) hat auf ihrer Website jedenfalls eine klare Empfehlung für das Restaurant ausgegeben, was einem wahren l’adoubement gleichkommt. (DD)