Flugzeuge, Flugzeuge, Flugzeuge!

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Das ist, wenn man in tradierten Rollenklisschees denkt, das Museum für kleine Jungs schlechthin! So viele Flugzeuge an einem Ort! Ja, es sind rund 300 Stück, die man im Luftfahrtmuseum (Letecké Muzeum) von Prag Kbely bestaunen kann- von außen oder sogar mit Einblicken ins Cockpit. Und auch sonst so alles, was Flug- und Technikbegeisterte so begeistern kann!

IMG_4212Im Stadtteil 19, etwa 9 Kilometer nordöstlich vom Stadtzentrum wurde im Jahre 1923 ein kleiner Militärflughafen zu Prags erstem großen Zivilflughafen umgewandelt – eben der Flughafen Kbely. 1937 wurde der Passagierflughafen nach Praha-Ruzyně verlegt, wo er auch heute noch zu finden ist (siehe früherer Beitrag hier). Einige Wirtschaftgebäude des alten Zivilflughafens befinden sich heute übrigens im Zoo, wovon wir bereits hier berichteten. Kbely wurde wieder Miitärflughafen (und wird teilweise immer noch so genutzt). Und immer wieder wurde der Flugplatz seit den 1930er Jahren IMG_4282Austragungsort von großen Flugshows. Sowohl unter der Nazibesetzung als auch unter dem Kommunismus blieb das Gelände militärisch genutzt. 1967 erkannte man das Potential für die Öffentlichkeit wieder, aber nicht mehr in Form von Flugschauen, sondern als eine improvisierte Flugzeugausstellung. Die wurde im nächsten Jahr, dem 50. Jubiläum der Tschechoslowakischen Luftwaffe, als ständiges Museum permanent institutionalisiert.

Das Museum ist seither immer größer und moderner geworden. Tatsächlich handelt es um eines der größten Luftfahrtmuseen der Welt überhaupt. Es ist von Mai bis Oktober geöffnet. Der Eintritt ist frei und die IMG_4214erklärenden Tafeln sind sowohl in Tschechisch als auch in Englisch gehalten. Die Fluggeräte stehen teilweise draußen, aber meist doch in Hangars, die thematisch geordnet sind – die Pionierzeit 1918-24 (in der das Land eine florierende Flugzeugindustrie aufbaute), die Luftwaffe der späten Ersten Republik bis 1938, die Zeit des Zweiten Weltkriegs mit einer ausführlichen Würdigung des heldenhaften Einsatzes tschechischer Piloten IMG_4267bei den alliierten Luftwaffen (besonders bei der Luftschlacht um England), das Aufkommen der Jets und die Entwicklung der Luftwaffe nach 1945. Vereinzelt gibt es auch Zivilflugzeuge – insbesondere auch Segelgleiter – zu bewundern, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Entwicklung der Militärluftfahrt in der Tschechoslowakei und Tschechien. Neben Flugzeugen sind auch eine Reihe von Hubschraubern zu sehen, aber auch Marschflugkörper (kleines Bild rechts) und Luftabwehrkanonen und -raketen.

IMG_4284.JPGInsbesondere die früheren historischen Flugzeuge in den Hangaren hat man oft didaktisch originell und anschaulich aufbereitet, indem man mit Schaufensterpuppen in historisch korrekter Kleidung oder Uniformen szenisch mit den Flugzeugen kombinierte (kleines Bild links). Das schafft die Illusion von echter Flugpionierromantik.

Man lernt obendrein eine Menge interessanter historischer Details – etwa über den Widerstand gegen die Nazis. Dazu gehörte nicht nur subtil betriebene Sabotage der Arbeiter in den von den Deutschen übernommenen Flugzeugfabriken (wertvolle und knappe IMG_4271Materialien wurden zu Spielzeug verbaut), sondern auch Versuche, die eigentlich verbotene Hobbyfliegerei mit Segelfliegern weiter zu betreiben. Deshalb ist auch der kleine Hängegleiter (Bild links), den sich der Ingenieur Josef Kubát aus Lipnice 1941/42 bauen wollte, um damit über die Landschaft zu fliegen, die eigentliche kleine Sensation des Museums. Weniger das Fliegen selbst war lebensgefährlich, sondern dabei (oder beim Flugzeugbau) nicht von der Gestapo erwischt zu werden, die privaten Menschen (unter Androhung von Höchststrafen) diesen Freizeitspaß grundsätzlich IMG_4265untersagte. Er bekam eine Warnung, dass man ihm auf der Spur sei, weshalb er das halbfertige Gerät heimlich versteckte. In diesem Zustand ziert es heute das Museum.

Großen Raum nimmt natürlich die Luftwaffe in kommunistischer Zeit (etwa die MiG 15 auf dem Bild links) ein, die natürlich primär mit sowjetrussischen Kampfflugzeugen ausgestattet war. In der Anfangszeit nach dem Zweiten Weltkrieg musste man sich aber auch hier mit teilweise umgebauten Restbeständen deutscher Flugzeuge begnügen, die zum Teil noch unfertig in den Flugzeugwerken in der Tschechoslowakei standen. Die IMG_4260ersten Düsenjets waren tatsächlich unter der Bezeichnung Avia S-92 firmierende Varianten des ersten deutschen Düsenjägers, der Messerschmidt Me 262. Auch eine umgebaute Me 109 als Trainingsflugzeug mit rotem Stern (Bild rechts) findet sich. Ein seltsamer Schnörkel der Luftfahrtgeschichte.

Man muss sich schon mehrere Stunden Zeit nehmen, um das alles zu verarbeiten. Dafür wird man mit viel Technik und einigen sehr interessanten Geschichtslektionen belohnt. (DD)

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