Die Keltenburg über dem Elbtal

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An den Abhängen der Keltenburg bilden sich die Aufwinde, die Gleitschirmflieger gerne nutzen um die schöne Aussicht zu genießen. Viel weiß man noch nicht über die Anlage – außer dass ihr Standort strategisch gut gewählt war. Die Landschaft des unteren IMG_1543Elbegebiets (einige 40 Kilometer östlich von Prag) bei Přerov nad Labem ist flach. Der Berg, auf dem sich die Wallanlage befindet, ragt fast wie ein Monolith aus der Landschaft (links). Der steile Fels bietet Verteidigungsmöglichkeiten und die weite Aussicht verhindert, dass sich der Feind unbemerkt nähern kann.

Für einen Ort dieser geringen Größe ist Přerov sowieso ein lohnendes Ziel – mit seinem Renaissanceschloss (früherer Beitrag hier), seinem Freilichtmuseum und einem Motorradmuseum. Hängt man noch einem kleinen Spaziergang über die Ortsgrenze dran, kann man seine Reise in die Vorgeschichte antreten. Schon im 19. Jahrhundert hatten Archäologen auf dem Berg einige Funde gemacht, die auf eine Besiedlung in der Früh- und Spätbronzezeit hindeuteten. Seinen großen Ausbau, so weiß man nun, erfuhr das Areal aber erst durch die hier ansiedelnden Kelten. Nach dem 1. Jahrhundert n. Chr. blieb der Ort wohl weitgehend unbesiedelt bis dann nach dem 6. Jahrhundert die slawische Besiedlung erfolgte – eines von vielen Beispielen dafür, dass die frühen IMG_1542Slawen alte Wallanlagen der Kelten wieder Instand setzten und ausbauten (siehe u.a. diesen früheren Beitrag).

Man kann die Anlage nur noch durch die Wellung des Erdreichs erkennen. Es gab offensichtlich zwei konzentrische Wälle, die man immer noch gut erkennen kann. Der äußere nutzte die (wegen ihrer kreidezeitlichen Fossile geologisch interessanten) Steil- und Felsabhänge (Bild rechts). Dies ist der höhere und wesentlich steilere Teil und er dürfte guten Schutz vor Eindringlingen geboten habe.

Weiter innen – dahinter also – wird die Hochfläche, auf der sich vermutlich eine Siedlung befand, von einem immer noch sichtbaren niedrigeren Wall umzogen. Er lässt sich zum Beispiel IMG_1541auf dem Bild links gut erkennen. Von der Ortschaft unten aus hat man, wenn man die Hochfläche erreicht hat, immerhin über 50 Meter Höhenunterschied bewältigt. Landwirtschaftliche Nutzung und ein kleiner ehemaliger Steinbruch haben die Anlage ein wenig beschädigt, so dass nicht überall Erdwellen über die Außengrenze Auskunft geben.

Immerhin führt einem das landwirtschaftlich IMG_1536bebaute und da Feld den Umfang der Anlage deutlich vor Augen. Mit rund 20 Hektar handelte es sich um eine ausgesprochen großangelegte Festungsanlage. Der Kern des Ganzen, die sogenannte Akropole (Kultzentrum) dürfte, so haben luftarchäologische Forschungen in den 90er Jahren ergeben, immerhin 7 Hektar groß gewesen sein. Ganz systematische Ausgrabungen hat es bisher leider noch nicht gegeben. Mit gutem Grund könnte man hier noch IMG_1539viele kleine Sensationen erwarten. Seit 2009 steht das ganze Gelände daher unter Denkmalschutz, damit inzwischen nichts abhanden kommt.

Aber auch ohne keltische Schatzfunde lohnt sich der Aufstieg auf dem recht bequemen Weg (vorbei an einer kleinen Infotafel). Blickt man über den Rand des Walls braucht man gar nicht ein Gleitschirmflieger zu sein, um die schöne Aussicht über die weitläufige und sanfte Elbtallandschaft bei Přerov zu genießen. (DD)

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