Schöne Brücke zum einsamen Bahnhof

Wie wunderschön doch der Flusslauf der Moldau schon ein wenig außerhalb Prags ist – ganz gleich, ob der Weg flussaufwärts oder flussabwärts führt! Und dazu gehören auch die Brücken, die in immer größeren Abständen den Fluß queren, je weiter man sich aus Prag entfernt.

Sie ist weder groß, noch kann sie auf eine lange Geschichte zurückblicken, aber sie macht sich wirklich hübsch in der Landschaft: Die Fußgängerbrücke in Řež (Lávka v Řeži). Flussaufwärts in Richtung Prag sind es rund 10 Kilometer, flussabwärts bis Kralupy rund 9 Kilometer Uferweg bis zur nächsten (dann auch mit dem Auto befahrbaren) Brücke. Die Brücke eignet sich ergo als Ausgangs- oder Endpunkt schöner Spaziergänge oder Wanderungen durch das malerische und felsige Flusstal. Besonders die rechte Uferseite (Osten) eignet sich dafür vortrefflich. Aber nicht nur Wanderer und Ausflügler nutzen sie.

Für die Bewohner der kleinen, vier Kilometer südlich der Prager Stadtgrenze gelegene Ortschaft Řež (ein Teil der Gemeinde Husinec), die durch ihren Forschungsreaktor bekannt ist, den man von der Brücke aus auch sehen kann, erfüllt die Brücke einen durchaus elementaren und wichtigen Zweck. Die Eisenbahnlinie, die eine günstige Verbindung mit Prag bietet, befindet sich nämlich auf der anderen Uferseite der Moldau. Morgens und abends sieht man hier auch viele Berufspendler, die entweder von Řež nach Prag zur Arbeit oder von Prag nach Řež zum Reaktor fahren.

Der Bahnhof bzw. die Haltestelle von Řež liegt einsam und von keinem anderen Gebäude umgeben am gegenüberliegenden Ende der Brücke – angeschmiegt an die hohen Felswände des westlichen Uferareals. Man kann die Felsen auf dem großen Bild oben bewundern. Auf dem Bild links sieht man einen gerade einfahrenden Zug. Unter der Fußgängerbrücke verläuft übrigens noch eine kleine Gasleitung. Die heutige Stahlbrücke wurde erst im Jahr 2014 errichtet, allerdings auf Steinpfeilern einer älteren Brücke, die bei einem Hochwasser beschädigt worden war (über die konnte ich nichts herausfinden).

Bei der Fußgängerbrücke, die genau auf Flusskilometer 32,1 der Moldau liegt, handelt es sich um eine Stahlgitterkonstruktion. Sie ist rund 152 Meter lang und die Breite des Fußwegs beträgt 2,50 Meter. Die Maximalhöhe der Brücke ist genau 12,89 Meter. Damit ist sie ebenerdig zum Bahnhof gegenüber. Und da der Fluss hier allenfalls für Kanus und Paddelboote schiffbar ist, reicht die Höhe auch. Ansonsten wäre sie für große Schiffe ein Problem.

Mit ihrer feinen Gitterstruktur und ihrem teilweise grünen Anstrich fügt sie sich sehr harmonisch in die Umgebung ein. Und dann kann man natürlich auch die Aussicht von der Brücke selbst genießen, deren Fußweg mit auch bei Nässe rutschfest geriffeltem Tropenholz ausgelegt ist. Von dort aus erfreut man sich an dem ruhigen Lauf der Moldau durch die wildromantische Landschaft, die gerade hier besonders idyllisch ist. (DD)

Alles in Butter

Ja, wir lieben kleine dörfliche Heimatmuseen. Die zeigen Dinge Jenseits der bekannten großen Weltgeschichte und sind oft liebevoll von den Menschen vor Ort in Eigeninitiative gestaltet worden. Und sie repräsentieren oft ein Stück Heimat. Frage: Was zeigt ein Dorf, das Máslovice heißt, auf Deutsch übersetzt: Butterdorf? Ist doch klar: Butter – und alles, was dazu gehört.

Seit 1997 gibt es das Buttermuseum (Muzeum másla) in der Pražská 3 in Máslovice. Es befindet sich keine fünf Kilometer nördlich der Prager Stadtgrenze. Man erreicht den kleinen Ort Máslovice am besten, indem mit der Regionalbahn zu der netten kleinen Stadt Libčice fährt, und von dort mit der nahegelegenen kleinen Fähre überzusetzen, wo man in einem kleinen kleinen Naturschutzgebiet landet.

Vom Ufer der Moldau geht man aufwärts durch das Máslovická stráň (wörtlich übersetzt: Butterdorfer Seite) genannte Gebiet. Dabei handelt es sich um ein schönes kleines Tal, das von pittoresken Felsen und viel Wald umgeben ist. Es handelt sich hier um einen sehr alten Siedlungsraum. Schon vor 5000 siedelten hier auf den Berghöhen Steinzeitmenschen. Ob die schon Butter kannten, ist nicht bekannt. Man geht keine halbe Stunde hinauf und ist schon mitten im Ort. Der Weg dahin ist gut ausgeschildert.

Neben einer kleinen Dorfkapelle, die dem Heiligen Adalbert (tsch.: Vojtěch) findet man das in einem winzigen, aber niedlich anmutenden Dorfhäuschen mit einem zum Verweilen einladenden Vorplätz mit Bänken gelegene Buttermuseum. Man könnte nun meinen, das die Ortschaft, deren erster Namensbestandteil, nämlich Máslo, auf Deutsch Butter lautet, zumindest historisch das große Zentrum der Butterherstellung in Böhmen war, weshalb sie den Namen überhaupt trägt. Dem ist aber nicht so. Einige Zeit nach der Gründung des Museum ließ Bürgermeisterin Vladimira Sýkorová in einem Interview die Katze aus dem Sack: „Die Idee wurde geboren, wie es wäre ein Buttermuseum zu gründen, wenn wir schon die Butter im Dorfnamen haben. Zwar muss ich einräumen, dass der Name des Dorfes mit máslo (Butter) überhaupt nicht zusammenhängt und Máslovice wahrscheinlich nie etwas mit Butter zu tun hatte. Der Name leitet sich historisch vom Familiennamen eines Adligen ab, der sich hier niedergelassen hatte. Man nannte diese Familie Maslovci bzw. Maslovicové. Davon spricht bereits die erste schriftliche Erwähnung, Máslovice existierte hier bereits im Jahre 1052.“ Und so entstand in dem kleinen Ort eines von den nur zwei Buttermuseen der Welt; das zweite befindet sich im ungleich größeren irischen Cork.

Wie dem auch sei: Im Museum dreht es sich primär um Butter. Dass man sich seit längerem den Scherz erlaubt, den Ort stets mit Butter und nicht dem früheren örtlichen Kleinadel zu verbinden, zeigt das Ortswappen, das konsequent ein Butterfass präsentiert. Man findet es nicht nur auf der Straßenseite der Fassade des Museums, sondern auch auf den Eintrittstickets. Die sind übrigens so preisgünstig, dass sich Geiz verbietet. Und sogar Lady Edith durfte hinein – ohne Eintrittsgeld natürlich! Tschechen sind halt Hundenarren.

Drinnen gibt es erst eine kleine Dauerausstellung zur Dorfgeschichte, einen kleinen Raum für Sonderausstellung (als wir da waren, ging es um Lebkuchen) und dann ein größerer Raum, in dem sich alles um Butter dreht. Das sieht man Butterfässer in allen Farben und Formen, wie man im großen Bild oben sieht. Aber auch andere Maschineb werden bei der Butterherstellung benötigt, etwa die Milchzentrifuge, um durch Zentrifugalkraft Rahm und Magermilch voneinander trennen, weshalb man das Gerät auch Separator nennt. Hier sieht man eine motorisierte Variante der schwedischen Firma Alfa Laval, die in dieser Form in den 1920er Jahren eingeführt wurde. Firmengründer Gustav des Laval war auch der Erfinder.

Aber nicht nur die eigentliche Butterproduktion, für die solcherlei Gerätschaften benötigt werden, steht im Mittelpunkt, sondern auch das Drum und Dran. Etwa das Melken, die Viehzucht, die Viehfütterung und das Weideland. Vor allem aber auch, das. was zum heimischen Buttergenuss gehört. Zum Beispiel Butterdosen – ein meist unterschätztes Feld zum Austoben von künstlerischer Kreativität. Bunt geht es zu – und formenreich (manchmal auch praktisch, aber nicht immer).

Der besondere Stolz ist aber die Sammlung von Butterpapier, mit dem man die Blöcke kaufgerecht einwickelt. Hier wird Máslovice ganz weltstädtisch. Papiere aus 40 Ländern hat man zusammengetragen – links sieht man welche aus Indien, Thailand und Brasilien. Das verdankt man sicher dem Sammeleifer der dörflichen Bewohner selbst, die anscheindend mehr in der großen weiten Welt herumkommen als man auf den ersten Eindruck meinen könnte. Man ist beeindruckt.

Alles befindet sich auf kleinstem Raum, der aber so dicht gefüllt ist, dass man tatsächlich viel zu sehen bekommt. Jetzt fehlt nur noch der Genuss, in ein Stück Brot mit frischer Butter zu beißen. Nun, ab und zu gibt es Aktionstage, bei denen die Besucher selbst Butter im Fass schlagen kann, die man anschließend auf Brot zum Probieren serviert bekommt. Das werden wir irgendwann mal tun, wenn es die Zeit zulässt. Ansonsten hat das Museum einen – gemessen an seiner Größe – einen riesigen Souveniershop, in dem man sich auch mit Butterutensilien, darunter handwerklich hergestellte Butterdosen, eindecken kann. Dieses Museum als kleines Ausflugsziel zum Wochenende in schöner Umgebung – und alles ist in Butter! (DD)

Fiktive Ersatzgeschichte

Vor tausenden von Jahren opferten an diesem schaurigen Ort altslawische Druiden in nächtlichen Zeremonien Jungfrauen nach Riten, die vom Lauf der Sterne bestimmt waren, den sie mit Hilfe der heiligen Megalithblöcke genau berechnet hatten… Keine Sorge, das habe ich mir jetzt selbst ausgedacht. In Wirklichkeit gibt es das Stonehenge von Úvaly erst seit 2015.

Und zu dieser Zeit waren blutige Menschenopfer in Tschechien möglicherweise bereits illegal. Und den Gang der Gestirne kann man wohl durch diese Steine auch nicht so recht präzise bemessen. Die einzige höhere Macht, die hier eindeutig sichtbar wird, ist die Europäische Union, die aus einem ihrer Fonds diese Nachempfindung des echten Stonehenge (das sich ja in England befindet) mitfinanziert hat und auf diese Tatsache offensiv durch kleine (kultische?) Infotafeln hinweist.

Die Steine befinden sich in einem schönen und waldigen Wanderareal nahe der kleinen Stadt Úvaly, die rund 15 Kilometer östlich von der Stadtmitte Prags liegt und bei Ausflüglern sehr beliebt ist. Nun ja, eigentlich sind es Kunststeine, die nach dem Entwurf des Prager Architekturbüros MR|&|S hier aufgestellt wurden und keine echten Menhire (gemeinhin auch als Hinkelsteine bekannt). Die beiden Steinkreise, von denen man den kleineren oben im großen Bild sehen kann, und den größeren oberhalb rechts, dienen als Spielplätze für Jugendliche.

Die spielen da bei kleinen Rastaufenthalten vom Wandern tatsächlich gerne, wie wir beobachten können. Man kann hier prima Klettern üben, ohne zu tief zu fallen, wenn mal was schief geht. Das tschechische Stonehenge steht übrigens tatsächlich auf historischem Boden, wenngleich nicht in die Zeiten der Menhire und Megalithen zurückreichend. Hier stand dereinst ein befestigter Landsitz, der einem Adligen namens Albrecht Jan Smiřický von Smiřice, gehörte. Der gehörte zu den Initiatoren des Zweiten Prager Fenstersturzes, der 1618 den Dreissigjährigen Krieg auslöste (wir berichteten hier). Er erlebte die Niederlage nicht mehr, aber seine Familie wurde enteignet. Von dem Gebäude sieht man aber rein gar nichts mehr. Dafür hat man hier heute mit dem neuen Stonehenge ein Stück fiktiver Ersatzgeschichte. (DD)

Keltenfestung (auch später benutzt)

Nirgendwo sonst blühte dereinst die Kultur der Kelten so sehr wie im Süden Prags. So liegt am Ostufer der Moldau gegenüber des Stadtteils Zbraslav die Keltenstadt und -festung Závist (wir berichteten bereits hier), die die größte ihrer Art in Europa war. Weniger bekannt, aber die Größe des Ganzen noch einmal unterstreichend, ist die Festungswallanlage Šance (Schanze), über deren imposante Wälle heute teilweise ein Wanderweg führt.

Sie liegt oben auf dem Berg, der sich direkt hinter (östlich) des Berges von Závist befindet. Getrennt werden die beiden Oppidae (so der Archäologen-Fachbegriff) durch das tiefe und felsig-malerische Tal des Břežanský Baches (Břežanský potok). Das Tal war offenbar eine wichtige Weg- und Handelsroute, die nun kurz vor der Mündung des Baches in die Moldau von zwei Seiten durch je eine befestigte Siedlung verteidigt werden konnte.

Die Befestigungen der Siedlung Šance wurde wohl im 1. Jahrhundert vor Christus von Kelten der Eisenzeit (Latènekultur) erbaut. Es handelte sich primär um Erdwälle, auf denen sich (nicht mehr erhaltene) Holzpalisaden befanden und die an einigen Stellen durch (sichtbare) Gräben (Bild rechts) ergänzt wurden. Besiedelt war der Berg wohl schon lange vorher. Systematische Ausgrabungen gab es noch nicht, aber diejenigen kleineren Ausgrabungen, die stattfanden, förderten Artefakte aus der Bronzezeit (ca. 600 v. Chr.) zu Tage. Der Platz lud offenbar früh zur Besiedlung ein.

Es ist zu vermuten, dass die späteren Wallanlagen von Šance und Závist gleichzeitig und zu einem gemeinsamen strategischen Zweck erbaut wurden. Rund 15 Hektar (das sind 150.000 Quadratmeter) umfasst die Gesamtanlage. Die Wälle und teilweise auch die alten Wassergräben hoch oben auf dem Berg sind über Kilometer hinweg gut erhalten und gut zu besichtigen. Die örtlichen Behörden haben einen Keltenlehrpfad (Keltská stezka) eingerichtet, der über die Festung und die Natur des Areals informieren.

Ja, und die Natur ist tatsächlich beeindrucken. Nicht zuletzt ist das Ganze daher nicht nur ein geschütztes Kulturdenkmal, sondern auch ein Naturschutzgebiet. So nahe an der Stadt kann man atemberaubende Aussichten über riesige Waldlandschaften genießen. Der Wald im Gebiet der Šance zeichnet sich durch seinen hohen Reichtum an verschiedenen Baumarten aus.

Jedenfalls lädt das Areal die Prager Stadtbewohner zu herrlichen Ausflügen ein. Man kann und sollte sich auch die Zeit nehmen, die gegenüber liegende Wallanlage von Závist zu erwandern, auch wenn man beim Aufstieg sich ganz schön abrackern muss. Wer das nicht will kann von einigen Aussichtspunken am Wall der Šance dem gegenüberliegenden Gipfel sehen, auf dem Závist liegt.

Die keltische Besiedlung endete in der Zeit des Einfalls der germanischen Markomannen in das Gebiet des heutigen Tschechiens im 1. Jahrhundert nach Christus. Die Germanen ließen das Gelände offenbar brachliegen. Aber die immer noch imposanten Wallanlagen und die bis zu drei Meter tiefen und 15 Meter breiten Gräben bildeten immer noch im Notfall eine Verteidigungsanlage, die nutzbar war. Das scheint etwa während der Hussitenkriege im Spätmittelalter nach 1420 der Fall gewesen zu sein.

Auch im Dreissigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert und während der Angriffe Friedrichs II. auf Prag (1741 und 1757) wurden die Wallanlagen immer wieder kurzfristig als Verteidigungsanlagen reaktiviert. Das letzte Mal passierte das während des Prager Aufstandes (siehe auch hier und hier) vom 5. bis 8. Mai 1945 als tschechische Aufständische hier gegen deutsche Truppen kämpften, die sich vor der Roten Armee zurückziehen wollten – ein Kampf der in den letzten Kriegstagen noch zahlreiche Menschenleben kostete.

Heute könnte es nirgendwo friedlicher sein. Während man bei den Archäologen, die hier in den 1970er Jahren und Anfang dieses Jahrtausend nur geringfügige Ausgrabungen unternahmen, noch ein wenig warten zu müssen scheint, bis die Erschließung im großen Stil erfolgt, hat die lokale Politik uns hier jedenfalls ein schönes Lehr- und Erholungsgebiet beschert. Es lohnt sich jedenfalls, einen kleinen Ausflug hierhin zu machen. (DD)

Vom Schützenprivileg zum Freizeitparadies

Sie hat sich inzwischen zu einem kleinen Freizeitparadies für einheimische Prager, aber auch Touristen enwickelt: Die Schützeninsel (Střelecký ostrov). Vor der Altstadt liegend, ist sie heute zu Fuß über die Most Legii (Brücke der Legionen) erreichbar. Die wurde aber als die zweite Prager Moldaubrücke überhaupt in den Jahren 1898 bis 1901 (wir berichteten hier) erbaut. Sie ersetzte wiederum eine 1839-41 entstandene Kettenbrücke. Vorher musste man per Boot hinüberschippern.

Das war natürlich der Exklusivität der „Location“ angemessen. Die Flussinsel, die im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, war im 14. Jahrhundert im Besitz des Johanniterordens, der hier sogar eine kleine Festung errichtete. Als befestigter Standort spielte die Insel noch im Dreissigjährigen Krieg eine Rolle bei der Verteidigung der Stadt gegen die 1648 einfallenden Schweden. Aber schon 1562 hatte König Ferdinand I. den größten Teil der Insel den Stadtschützen der Altstadt gegeben.

Und daher hat die Insel auch ihren heutigen Namen. Hier praktizierten im Sinne des ihnen vom König verliehenen Privilegs zunächst die Schützen zur Verteidigung der Stadt, wobei sich das Ganze nach und nach zu einem gepflegten Hobby für Adel und auch das reiche Bürgertum entwickelte. Es bildeten sich Schützenvereine mit schicken Uniformen. Zunächst schoss man mit Pfeil und Bogen auf einen hölzernen Vogel, der auf einer Stange saß (was der Usprung der Redensart den Vogel abschießen ist), später auch mir Armbrüsten und Gewehren auf Zielscheiben. Dafür gab es am südlichen Ufer auch eine kleine hölzerne Schießhalle.

Die Halle brannte Anfang des 19. Jahrhunderts ab und wurde 1812 durch ein prächtigeres Gebäude im klassizistischen Stil ersetzt, für dessen Pläne sich der Architekt Josef Zobel verantwortlich zeigte. Dieses nunmehr steinerne und somit feuerfeste Gebäude, das eher einem schönen fürstlichen Palais gleicht, kann man heute noch fast unverändert bewundern, wenngleich es kurz vor dem Zweiten Weltkrieg um einen Restaurantanbau ergänzt wurde. Und immer noch war die Insel der Ort, wo sich die adligen und großbürgerlichen Schützen mehr oder minder exklusiv trafen. Deshalb wurd unter anderem ein Ballsaal eingerichtet. Der elitäre Anspruch änderte sich fast schon notgedrungen ein wenig mit der Fertigstellung der ersten Brücke 1841.

Mit ihr kam das Zeitalter der Veranstaltungen für die großen Massen. Meisterschaften für Bogenschützen gibt es hier zwar noch bis heute, aber der große erste Hit für die Massen im 19. Jahrhundert war die Industriemesse von 1872. Schon 10 Jahre später, am 18. Juli 1892, kam es noch dicker. Da führte nämlich der von von Miroslav Tyrš 1862 gegründete Turnerverband Sokol (Falke) sein 1. Sport-und Turnfest durch, an dem über 1600 Sportler teilnahmen. Dabei ging es weniger um Leibesertüchtigung, denn der Sokol verstand sich als politische Organisation zur Erkämpfung von Rechten für die Tschechen im Habsburgerreich. Mit dem Fest gelang ihm eine politische Demonstration der Stärke. Eine Gedenkplatte findet sich seit 1932 am Gebäude. Noch mehrmals fanden in der Folge hier Sokol-Feste statt.

Die nächste bemerkenswerte große Politveranstaltung war erste Arbeiter-Feier am 1. Mai 1890. Der Tag der Arbeit wird heute noch gerne von Kommunisten und Sozialisten gefeiert, obwohl er als offizieller und arbeitsfreier Feiertag – wie auch in Deutschland – erst von den Nazis während der Protektoratszeit (während derer die Insel bedauerlicherweise wieder exklusiv genutzt wurde, diesmal von der örtlichen Hitlerjugend) eingeführt wurde. Wie dem auch sei, auch dieses Schlüsselereignis der Geschichte fand hier statt und wird ebenfalls mit einer Gedenkplatte mit einem Relief voller wehender roter Fahnen in historischen Ehren gehalten. Die Gedenkplatte dürfte in den Zeiten des Kommunismus, wahrscheinlich in den 1960er Jahren angebracht worden sein.

Die 1901 eingeweihte neue Brücke zeichnete sich durch eine besonders prachtvolle Treppe im neobarocken Stil aus. Damit war die Entwicklung hin zu einem der nachgefragtesten Teil des öffentlichen Raums in Prag festgeschrieben. Sport wird hier – vor allem im südlichen Teil – weiter getrieben, meist Bogenschießen (Geschichte verpflichtet!), aber auch seltenere Sportarten. 2007 fand auf der Insel zum Beispiel die Weltmeisterschaft im Murmelspielen (Schussern) statt.

Aber die Insel ist mehr. Sie ist ein Freizeitparadies schlechthin. Der südliche Teil, der durch Schießhalle bzw. Restaurant vom Rest der Insel separiert ist, kann für geschlossene Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden. Nicht nur Sportveranstaltungen fallen darunter, sondern auch Rock-Konzerte und ähnliches. 1997 wurde sogar ein Open-Air-Kino eröffnet, das allerdings mit dem schrecklichen Hochwasser von 2002 wieder verschwand.

Das wahre Leben tobt jedoch im öffentlich frei zugänglichen Bereich nördlich des Gebäudes und der Brücke – also dem größten Teil des Inselareals. Ein herrlicher uralter Baumbestand, dessen Urspünge teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, lädt vor allem im Sommer zum Verweilen ein. Überall sieht man Menschen, die auf dem Rasen Picknicks abhalten und es sich gut gehen lassen. Es handelt sich um eine der schönsten Parkanlagen der Stadt.

Dazu gibt es die passende Infrastruktur – kleine Imbiss- und Kaffeestände, schwimmende Restaurants, die hier vertäut sind, Bootsverleihe und anderes sorgen dafür, das es dem Rast suchenden an nichts fehlt. Ab und an gibt es auch Großveranstaltungen. Regelmässig findet hier zum Beispiel der unterhaltsame Teil (Konzerte etc.) des Gay Pride Festivals mit Partystimmung statt. Es ist immer etwas los auf der Insel.

Meist ist es dann doch ein wenig ruhiger auf der Insel – trotz der vielen Besucher. Die kommen auch, um von der Nordspitze der Insel eine atemberaubende Aussicht zu genießen. Die Nordspitze ist einer der Orte, von dem aus man die Karlsbrücke (Karlův most) – die große Attraktion Prags – in voller Länge sehen kann. man sollte es sich nicht entgehen lassen. (DD)

Sandstein und künstliche Höhlen

Prag liegt an einer geologischen Bruchzone. Hier beginnt im Süden der Böhmische Karst mit seinen erodierten Kalksteinfelsen, von Norden ragt noch der letzte Ausläufer jenes Sandsteingebirges hinein, das noch weiter nördlich mit der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz seinen landschaftlichen Höhepunkt erreicht.

Schon alleine, weil sie direkt neben den großen Wohnbezirken Vysočany und Prosek (beide Prag 9) liegen, die sich beide auf einem steilen Abhang über dem Prager Tal befinden, sind die Sandsteinfelsen von Prosek (Prosecké skály) ein beliebter lokaler Ausflugsort. Aber der eigentliche Grund ist, dass es sich um ein landschaftliches Juwel mit viel Fels und viel Grün handelt. Und das Ganze ist gut erschlossen mit kleinen Wanderwegen und kleine Infotafeln (leider nur in Tschechisch, vermutlich, weil es abseits der normalen Touristenrouten liegt).

Die Beliebtheit bei den meist tschechischen Ausflüglern hat auch ihre Schattenseiten, denn eine Hauptattraktion musste deshalb geschlossen werden, nämlich die berühmten Höhlen von Prosek. Deren Gänge sind mehrere Hundert Meter lang. Möglicherweise gibt es sogar noch unerforschte Nebengänge, die verschüttet sind.

Nun gibt es im südlichen Karst viele natürliche Höhlen, die größte davon die Tropfsteinhöhle von Konĕprusy über die wir bereits hier berichteten. Aber im Sandstein kommen sie eher selten vor. Die Erklärung ist, dass die Höhlen hier künstlich sind. Seit dem 17. Jahrhundert wurde hier Sand abgebaut. Der erreichte Ende des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt, ehe er in den 1920ern eingestellt wurde. Der Abbau aus Höhlen (im Prinzip Minen) hatte gegenüber dem Tagebau den Vorteil, dass er im kalten Winter besser betrieben werden konnte, weil drinnen die Temperatur immer gleichmäßig über dem Gefrierpunkt befindet.

Über die Höhlen gibt es viele Legenden, die aber tatsächlich auch nur Legenden sind. Die bekannteste ist die, dass es sich um einen gigantischen unterirdischen Pilgerpfad aus dem frühen Mittelalter handle, der die nahegelegene Wenzelskirche, die angeblich vom Heiligen Wenzel selbst geweiht worden sein soll, mit dem Ort Stará Boleslav verbindet, wo der heilige im Jahre 935 ermordet worden war. Dann wäre der Gang über 20 Kilometer lang. Das ist natürlich ebenso Unsinn, wie das Gerücht, in den Höhlen hätten 1968 Sowjetsoldaten heimlich die Leichen von Erschossenen nach der Niederschlagung des Prager Frühlings verscharrt.

Historische Realität ist allerdings, dass die Höhlen Jugendliche zum Feiern von Parties oder einfach nur Vandalen anlockten. Es war am Ende nicht mehr möglich, die Eingänge offen zu halten. Anfang des Jahrtausends wurde von der Regierung des Stadtteils ein Pflegeplan verabschiedet, der die Felsen und ihre Umgebung schützen sollte. Das half, denn heute sieht das Areal nicht mehr vermüllt aus. Dabei wurden die Eingänge zu den Höhlen, die tiefer hinein führen, zugemauert. Einen Eindruck von der Höhlenszenerie vermitteln nunmehr kleine Eingänge von maximal 3 Meter Tiefe.

Darüber freut sich die Fauna. Ab und zu sieht man einen zugemauerten Eingang mit einer kleinen Fensteröffnung. Das ist für die Fledermäuse, die nun die wieder gewonnene Einssamkeit und die Abwesenheit von Vandalen als paradiesisch empfinden. Es herrscht eine wilde Artenvielfalt, etwa repräsentiert durch die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) oder das Große Mausohr (Myotis myotis) und viele mehr. Das ist schön!

Andererseits ist es legitim, die Höhlen auch als Touristenmagnet zu nutzen. Nur selten bekommt man so etwas schließlich so stadtnah geboten. Seit 2017 diskutiert die Stadtverwaltung eine Vorlage, ob man nicht doch wieder Abschnitte vorsichtig und im Einklang mit Naturschutzanliegen öffnen könne, dann aber nur mit geführten Touren für wirklich Interessierte. Das könnte, wenn es richtig gemacht wird, Prag als Ausflugsort eine spannende Komponente hinzufügen. (DD)

Kleines Dorf mit viel Geschichte

Dass man in der Nähe des Flusslaufs der Berounka rund 20 Kilometer südwestlich von Prag schöne Ausflüge durch die Natur machen kann, wurde an dieser schon öfters bemerkt (etwa hier). Zu erwähnen sind dabei aber auch die hübschen alten Dörfer, durch die man dabei wandern kann. Die winzige, aber um so malerische Ortschaft Koda mit ihren idyllischen Teichen ist eines von vielen Beispielen.

Das Dorf liegt inmitten des Nationalen Naturschutzgebiets von Koda (Národní přírodní rezervace Koda), das nach dem Ort benannt ist. Wir befinden uns hier in einem der artenreichsten und schönsten Teile des Böhmischen Karsts ( Český kras). Und es handelt sich um ein sehr kleines Dorf mit dennoch erstaunlich viel Geschichte.

Die Ortschaft selbst – ursprünglich wohl ein Holzfällerdorf – wurde 1429 erstmals erwähnt. Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs. Aber die Siedlungsgeschichte ist viel älter als es mittelalterliche Chroniken erahnen lassen. Oberhalb des Dörfchens kann man heute etwas abseits des großen (blau markierten) Wanderweges die Höhle von Koda (Kodská jeskyně) finden.

Die kann man einfach so betreten. Es wurde dafür gesorgt, dass der hintere Teil, der mehrere hunderte Meter weit reicht, nicht mehr durch einen sehr engen Durchschlupf erreichbar ist. So wird Schaden abgewendet und es ist der Sicherheit der Wanderer gedient. Der nunmehr als einziges sichtbare Eingangsbereich mit seinen glatten und geraden Wänden vermittelt aber ein Verständnis dafür, warum das hier so ein beliebter Siedlungsort war. Die an einem steilen Abhang im Walde befindliche Höhle wirkt fast wie ein gemauertes Gebäude.

1923 begannen hier mehrjährige Ausgrabungen, die bis in der 1930er Jahre andauerten und bei denen die Archäologen durch ihre Forschungen herausfanden, dass die Höhle von der Jungsteinzeit (ca 5000 v.Chr.) an über die Bronzezeit und die keltische Ära bis hin zum Mittelalter eigentlich ständig bewohnt gewesen war.

Jedenfalls war die Ausbeute der Archäologen an Keramikresten, Tierknochen (darunter Reste eines erlegten Mammuts), Werkzeugen enorm und gab viel Auskunft über einen besonders alten Siedlungsraum im alten Böhmen.

Weiter unten beim Orteingang erwartet uns eine andere und neuere geschichtliche Erinnerung – eine die uns gemahnt, dass die Tschechen im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Schreckensregime erdulden mussten. Die kleine Gedenktafel erinnert an den örtlichen Wildhüter Bohumil Žíhla, der am 27. Mai 1945 (19 Tage nach der deutschen Kapitulation) von betrunkenen Rotarmisten getötet wurde, als er seine Familie gegen selbige verteidigen wollte. Das war ein erstes Zeichen dafür, dass der Wechsel von der Naziherrschaft zur Sowjetbesetzung für die meisten Bürger des Landes alles andere als eine echte Befreiung war. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Burg auf dem Felsen – unbezwingbar

Die Aussicht auf die Fluss- und Felslandschaft ist von hier aus einfach fabelhaft. Das dürfte aber nicht der Grund gewesen sein, warum hier schon früh Menschen siedelten und eine kleine Burganlage bauten. In 40 Meter Höhe und von drei Seiten von schroffen Felswänden umgeben, war die Burg Kazín (Hrad Kazín) oberhalb des kleinen Ortsteils Lipence ein geradezu uneinnehmbares Refugium in gefährlichen Zeiten.

Spärliche archäologische Funde belegen, dass hier schon in der Steinzeit und vor allem in der Hallsteinkultur (frühe Eisenzeit) Menschen siedelten. Wandert man heute von Prag aus südwestlich die Berounka entlang, sieht man schon von weitem aus, wie die flache Flusslandschaft plötzlich in eine Berglandschaft übergehen. Und die wird immer pittoresker.

Schon bald sieht man steile Felsen in die Höhe ragen. Und diese Felsen (Bild rechts), die von einer Seite auch noch durch den Fluss gesichert waren, boten eine strategische Position, von der aus man das Areal gut beobachten konnte.

Das Ganze war wie geschaffen für eine geradezu uneinnehmbare Festungsanlage.

Die kann man, wenn man von hinten sich dem Felsen nähert, immer noch gut erkennen. Sie war offensichtlich in zwei Teile gegliedert. Zunächst geht man durch die als Landschaftserhebungen noch erkennbaren Reste der Wallgrabenanlage zur Vorburg (Bild links). Es handelte sich also eindeutig nicht um eine mit Steinmauern befestigte Burg, sondern um eine wahrcheinlich mit Holzpalisaden versehene Erdwallanlage.

Man geht weiter un die Landzunge zum Felsen verengt sich. Dort ist die zweite Wallgrabenanlage, die zur inneren Burg führt (Bild rechts). Das entspricht dem typischen Aufbau der meisten hiesigen Wallburgen. Dann ist man auf dem kleinen eingeebneten Hochplateau über dem Felsen. Solche oder ähnliche Burgen gab es schon in frühslawischer Zeit seit dem 6. Jahrhundert. Genau das bewog wohl im Jahre 1868 den örtlichen Gastwirt (damals wie heute lud der schöne Fluss hier viele Ausflügler ein), den malerischen Felsen mit seiner Burganlage Kazín zu nennen. Kazi oder Kazín war in der alten böhmischen Sagenwelt die heilkundige Schwester von Libuše, der Begründerin der Herrschaft der Přemysliden-Dynastie.

Damit hatte man den Ort mit einem populären Nationalmythos verbunden, was die Besucherzahl bis heute steigerte. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass der Ort auch nur das Geringste mit der Sage zu tun hat. Die Befestigung mit Wall und Graben dürfte wesentlich späteren Datums sein. Die Archäologen sind sich noch nicht ganz sicher und forschen noch. Frühere Grabungen und Bebauung am Rande haben die Beweislage schwieriger gemacht. Aber auf jeden Fall die Idee des Gastwirts aus touristischer Sicht eine hervorragnde. Der Ort ist für Ausflügler, Angler, Schwimmer, Schlauchbootfahrer ein Paradies und die Aussicht ist umwerfend. Felsen beschützen die Burg oben nicht mehr vor anrückenden Feinden, sondern vor Kletterern. Die sollten sich nicht hinauf wagen. Mit gutem Grund hat die Gemeinde das Klettern verboten, denn der Felsen ist nicht nur senkrecht steil, sondern aus bröckelig und es gab schon Tote. Aber auch ohne den Adrenalinkick des Kletterns ist das Ganze einen Besuch wert. (DD)

Baumveteran

Dieser Baum kann auf ein langes Stück Geschichte zurückblicken. Seit Urzeiten steht er im Čimický háj (wörtl.: Tschimitzer Hain) am Rande des nordöstlichen Stadtteils Čimice (dt.:Tschimitz) in Prag 8.

Der Hain ist ein kleines Naherholungsparadies für die Prager, die dort gerne spazierengehen (eine frühere Empfehlung findet sich hier). Er ist gut mit Rast- und Spielmöglichkeiten (für die Kinder) ausgestattet; die Wege sind komfortabel; kleine Teiche verschönern die Idylle.

Früher, als er noch Teil eines Gutsbesitzes in Bohnice war, bestand der Hain hauptsächlich aus Eichen und Buchen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er als öffentlicher Wald neu aufgeforstet. Lärchen und Linden dominieren nun das Erscheinungsbild. Aber es gibt einen wackeren Baumveteranen aus der alten Zeit, auf den die Forstverwaltung und die Einheimischen sehr stolz sind. Die alte große Sommereiche (großes Bild oben) zählt bereits mehr als 300 Lebensjahre. Sie ist mit Abstand der älteste Baum weit und breit.

Zu ihrer Sicherheit ist die Eiche umzäunt, sodass sie ihren ungebrochenen Lebenswillen ungestört zeigen kann. Innen ist sie weitgehend hohl und Bienen und ein Waldkauz haben sich drinnen eingenistet. Nur oben in den Wipfeln gibt es noch lebende Zweige. Von ihnen aus können nun die Jahrhunderte an Baumleben auf die Besucher – meist einheimische Familien (die Tschechen sind ein Volk von Wanderern) – hinabschauen. (DD)