Fiktive Ersatzgeschichte

Vor tausenden von Jahren opferten an diesem schaurigen Ort altslawische Druiden in nächtlichen Zeremonien Jungfrauen nach Riten, die vom Lauf der Sterne bestimmt waren, den sie mit Hilfe der heiligen Megalithblöcke genau berechnet hatten… Keine Sorge, das habe ich mir jetzt selbst ausgedacht. In Wirklichkeit gibt es das Stonehenge von Úvaly erst seit 2015.

Und zu dieser Zeit waren blutige Menschenopfer in Tschechien möglicherweise bereits illegal. Und den Gang der Gestirne kann man wohl durch diese Steine auch nicht so recht präzise bemessen. Die einzige höhere Macht, die hier eindeutig sichtbar wird, ist die Europäische Union, die aus einem ihrer Fonds diese Nachempfindung des echten Stonehenge (das sich ja in England befindet) mitfinanziert hat und auf diese Tatsache offensiv durch kleine (kultische?) Infotafeln hinweist.

Die Steine befinden sich in einem schönen und waldigen Wanderareal nahe der kleinen Stadt Úvaly, die rund 15 Kilometer östlich von der Stadtmitte Prags liegt und bei Ausflüglern sehr beliebt ist. Nun ja, eigentlich sind es Kunststeine, die nach dem Entwurf des Prager Architekturbüros MR|&|S hier aufgestellt wurden und keine echten Menhire (gemeinhin auch als Hinkelsteine bekannt). Die beiden Steinkreise, von denen man den kleineren oben im großen Bild sehen kann, und den größeren oberhalb rechts, dienen als Spielplätze für Jugendliche.

Die spielen da bei kleinen Rastaufenthalten vom Wandern tatsächlich gerne, wie wir beobachten können. Man kann hier prima Klettern üben, ohne zu tief zu fallen, wenn mal was schief geht. Das tschechische Stonehenge steht übrigens tatsächlich auf historischem Boden, wenngleich nicht in die Zeiten der Menhire und Megalithen zurückreichend. Hier stand dereinst ein befestigter Landsitz, der einem Adligen namens Albrecht Jan Smiřický von Smiřice, gehörte. Der gehörte zu den Initiatoren des Zweiten Prager Fenstersturzes, der 1618 den Dreissigjährigen Krieg auslöste (wir berichteten hier). Er erlebte die Niederlage nicht mehr, aber seine Familie wurde enteignet. Von dem Gebäude sieht man aber rein gar nichts mehr. Dafür hat man hier heute mit dem neuen Stonehenge ein Stück fiktiver Ersatzgeschichte. (DD)

Keltenfestung (auch später benutzt)

Nirgendwo sonst blühte dereinst die Kultur der Kelten so sehr wie im Süden Prags. So liegt am Ostufer der Moldau gegenüber des Stadtteils Zbraslav die Keltenstadt und -festung Závist (wir berichteten bereits hier), die die größte ihrer Art in Europa war. Weniger bekannt, aber die Größe des Ganzen noch einmal unterstreichend, ist die Festungswallanlage Šance (Schanze), über deren imposante Wälle heute teilweise ein Wanderweg führt.

Sie liegt oben auf dem Berg, der sich direkt hinter (östlich) des Berges von Závist befindet. Getrennt werden die beiden Oppidae (so der Archäologen-Fachbegriff) durch das tiefe und felsig-malerische Tal des Břežanský Baches (Břežanský potok). Das Tal war offenbar eine wichtige Weg- und Handelsroute, die nun kurz vor der Mündung des Baches in die Moldau von zwei Seiten durch je eine befestigte Siedlung verteidigt werden konnte.

Die Befestigungen der Siedlung Šance wurde wohl im 1. Jahrhundert vor Christus von Kelten der Eisenzeit (Latènekultur) erbaut. Es handelte sich primär um Erdwälle, auf denen sich (nicht mehr erhaltene) Holzpalisaden befanden und die an einigen Stellen durch (sichtbare) Gräben (Bild rechts) ergänzt wurden. Besiedelt war der Berg wohl schon lange vorher. Systematische Ausgrabungen gab es noch nicht, aber diejenigen kleineren Ausgrabungen, die stattfanden, förderten Artefakte aus der Bronzezeit (ca. 600 v. Chr.) zu Tage. Der Platz lud offenbar früh zur Besiedlung ein.

Es ist zu vermuten, dass die späteren Wallanlagen von Šance und Závist gleichzeitig und zu einem gemeinsamen strategischen Zweck erbaut wurden. Rund 15 Hektar (das sind 150.000 Quadratmeter) umfasst die Gesamtanlage. Die Wälle und teilweise auch die alten Wassergräben hoch oben auf dem Berg sind über Kilometer hinweg gut erhalten und gut zu besichtigen. Die örtlichen Behörden haben einen Keltenlehrpfad (Keltská stezka) eingerichtet, der über die Festung und die Natur des Areals informieren.

Ja, und die Natur ist tatsächlich beeindrucken. Nicht zuletzt ist das Ganze daher nicht nur ein geschütztes Kulturdenkmal, sondern auch ein Naturschutzgebiet. So nahe an der Stadt kann man atemberaubende Aussichten über riesige Waldlandschaften genießen. Der Wald im Gebiet der Šance zeichnet sich durch seinen hohen Reichtum an verschiedenen Baumarten aus.

Jedenfalls lädt das Areal die Prager Stadtbewohner zu herrlichen Ausflügen ein. Man kann und sollte sich auch die Zeit nehmen, die gegenüber liegende Wallanlage von Závist zu erwandern, auch wenn man beim Aufstieg sich ganz schön abrackern muss. Wer das nicht will kann von einigen Aussichtspunken am Wall der Šance dem gegenüberliegenden Gipfel sehen, auf dem Závist liegt.

Die keltische Besiedlung endete in der Zeit des Einfalls der germanischen Markomannen in das Gebiet des heutigen Tschechiens im 1. Jahrhundert nach Christus. Die Germanen ließen das Gelände offenbar brachliegen. Aber die immer noch imposanten Wallanlagen und die bis zu drei Meter tiefen und 15 Meter breiten Gräben bildeten immer noch im Notfall eine Verteidigungsanlage, die nutzbar war. Das scheint etwa während der Hussitenkriege im Spätmittelalter nach 1420 der Fall gewesen zu sein.

Auch im Dreissigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert und während der Angriffe Friedrichs II. auf Prag (1741 und 1757) wurden die Wallanlagen immer wieder kurzfristig als Verteidigungsanlagen reaktiviert. Das letzte Mal passierte das während des Prager Aufstandes (siehe auch hier und hier) vom 5. bis 8. Mai 1945 als tschechische Aufständische hier gegen deutsche Truppen kämpften, die sich vor der Roten Armee zurückziehen wollten – ein Kampf der in den letzten Kriegstagen noch zahlreiche Menschenleben kostete.

Heute könnte es nirgendwo friedlicher sein. Während man bei den Archäologen, die hier in den 1970er Jahren und Anfang dieses Jahrtausend nur geringfügige Ausgrabungen unternahmen, noch ein wenig warten zu müssen scheint, bis die Erschließung im großen Stil erfolgt, hat die lokale Politik uns hier jedenfalls ein schönes Lehr- und Erholungsgebiet beschert. Es lohnt sich jedenfalls, einen kleinen Ausflug hierhin zu machen. (DD)

Wo die Tschechen christlich wurden

Ein älteres Gotteshaus als dieses wird man in Tschechien nicht finden. Die Kirche des Heiligen Klement (Kostel sv. Klimenta) gibt es seit dem Jahr 884. Da war es erst ein Jahr her, dass sich der böhmische Herzog Bořivoj I. am Hofe des großmährischen Herrschers Svatopluk I. hatte taufen lassen.

Bořivoj und vor allem seine Frau, die spätere Heilige Ludmilla, betrieben darob in ihren böhmischen Landen (die damals mehr oder weniger den heutigen Großraum Prag umfassten) eine forcierte Politik der Christianisierung. Dazu gehörte auch, dass sie auf dem Gelände ihrer Stammburg Levý Hradec nahe der Ortschaft nur wenige Kilometer nördlich von Prag gelegenen Ortschaft Roztoky oben auf dem Berg eine Kirche errichteten. Nach dem Tode Bořivojs konnte auch in der Regierungszeit der seiner beiden Söhne Ludmilla offenbar über das Gefolge und große Teile des herzoglichen Besitzes verfügen. Vor allem wurde sie Vormund des Enkels, dem späteren Herzog und Heiligen Wenzel.

Das brachte sie in Konflikt mit Wenzels Mutter Drahomíra, die sich um ihren Einfluss gebracht sah, und 921 die Schwiegermutter mit einem Halstuch erwürgen ließ. Dem guten Wenzel wiederfuhr 928 oder 935 (genau weiß man das nicht) ebenfalls ein blutiges Ende zuteil als er von seinem Bruder (und Nachfolger) Boleslav ermordet wurde. Bei allen diesen innerfamiliären Mördereien unter den Přemysliden ging es nicht zuletzt darum, was für ein Christentum sich von der Kirche des Heiligen Klement aus verbreitete. Sollte man sich religiös, kirchenorganisatorisch und machtpolitisach nach Westen – zum Deutschen Reich – orientieren, wie Ludmilla und Wenzel es wollten? Oder Distanz halten, wie es Boleslav (langfristig erfolglos) versuchte?

Diese Fragen wurden allerdings schon bald nach dem Bau der Kirche andernorts entschieden, denn schon um 885 hatte Herzog Bořivoj damit begonnen, den Stammsitz von Levý Hradec auf die von ihm gegründete Prager Burg zu verlegen. Dort gab es auch eine neue Kirche, die heute nicht mehr erhaltenen Kirche der Jungfrau Maria, und bald darauf die zu einem Kloster gehörende Georgsbasilika (wo u.a. die Heilige Ludmilla beerdigt wurde). In deren Besitz fiel übrigens Levý Hradec 1233. Da war es mit der Burg aber schon vorbei, denn der deutsche Kaiser Heinrich III. zerstörte Burg und Kirche im Zuge seines Feldzugs gegen den böhmischen Herzog Břetislav I.. Während die Burg aufgegeben wurde und verfiel, wurde die Kirche immerhin wieder aufgebaut, diesmal im romanischen Stil. Im 14. Jahrhundert fügte man dem Gebäude ein Presbyterium hinzu und gotisierte es durchgängig.

Aus dieser Zeit stammen die sensationellen Fresken in der Apsis. Sie sind sowohl wegen ihres Erhaltungsstandes als auch wegen ihrer künstlerischen Gestaltung bemerkenswert. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria, die Passion Christi (Bild rechts) und Darstellungen der Kirchenväter Augustinus, Hieronymus, Gregor und Ambrosius.

Auch böhmische Heilige werden berücksichtigt. Aus einer Nische schaut uns der Heilige Adalbert (im Tschechischen Vojtěch genannt) an. Der wurde 983 unter Herzog Boleslav II. zweiter Bischof von Prag, das er zum eigentlichen Kirchenzentrum Böhmens machte. Insofern steckt eine gewisse Ironie darin, dass er hier abgebildet ist, trug er dadurch zum weiteren Niedergang der Bedeutung der ersten Kirche des Landes bei, die heute eine einfache katholische Gemeindekirche ist. Dass neben ihm auch die heilige Ludmilla in Ehren gehalten wird, versteht sich von selbst, da sie tatsächlich eng mit der Blütezeit der Kirche verbunden ist.

1684 wurde die Kirche umfassend vergrößert. Ein barockes Schiff wurde angebaut, was wohl einige Fresken zerstörte. Dabei wurde auch der Glockenturm errichtet. Von außen sieht man nun eine für viele Kirchen im Lande typische Mischung von Gotik und Barock am Werke. Wenn man es nicht wüsste, könnte man auf den ersten Blick so nicht erkennen, wie alt die Kirche in Wirklichkeit ist.

Aber auf den zweiten Blick! Dazu bedurfte es der Ausgrabungen, die in den Jahren 1939 bis 1941 unter der Kirche vorgenommen wurden. Die förderten die Grundmauern einer Rotunde mit kleiner Apsis zu Tage, die lange Zeit vor dem heute sonst sichtbaren Kirchengebäude gebaut worden sein muss. Das Ganze kann man heute bei einer Führung durch einen kleinen Treppeneinstieg im Inneren der heutigen Kirche besichtigen.

Man kann sogar durch ein Gitter einen kleinen Eindruck vom Innenraum dieser uralten Kirchenrotunde gewinnen (Bild rechts). Die Kirche aus der Frühzeit des hiesigen Christentums war damals wohl recht klein. Zunächst glaubte man, dass es sich tatsächlich um jenen Bau von Herzog Bořivoj und seiner Ludmilla handelte, in dem das Christem in Böhmen begann. Neuere Forschungen des Archäologen und Mediävisten Petr Sommer haben jedoch ergeben, dass die Mauern wohl auf die Zeit um das Jahr 1000 zu datieren sind. Es ist hochwahrscheinlich, dass die Urkirche in Wirklichkeit nur ein kleiner Holzbau war, der die Zeitläufe nicht lange überstanden hat.Nichts ist von ihm geblieben.

Wieder aus dem Keller mit den alten Grundmauern aufgestiegen, kann man noch einige schöne Grabsteine aus dem 16. Jahrhundert bewundern. Hier posiert Lady Edith (der Kirchenführer hatte erlaubt, dasss sie in die Kirche durfte, weil es draußen furchtbar regnete – so sind die Tschechen, wen es um Hunde geht!) vor dem Grabdenkmal von David Boryně ze Lhoty, einem Adligen, der 1565 unterhalb im Moldautal das Schloss Roztoky erworben hatte, das er danach im Renaissancestil umbaute. Die Nachfahren verloren das Schloss nach dem gescheiterten Ständeaufstand von 1618 als die siegreiche Habsburger Seite das Anwesen konfiszierte. David Boryně ze Lhoty, der das gottlob nicht mehr erleben musste, ließ sich bezeichnenderweise nicht unten im Tal beerdigen, sondern in der Klementkirche – ein Zeichen, welch eine Symbolkraft hinter dem Gebäude immer noch steckte.

Und draußen kann man noch ein wenig die alte Burganlage erkennen, zu der die Kirche gehörte. Es hanelt sich um eine Anlage aus dem 9. Jahrhundert. Bořivoj war der erste böhmische Herrscher, dessen Existenz wirklich erwiesen ist. Bei Burgen aus dieser Vorzeit gab es keine Zinnen, Steinmauern und Burgfriede. Meist wurde ein großes Areal mit einem Erdwall umgeben, auf den dann Pallisaden aus Holz gesetzt wurden. Und so sieht man von der Burg Levý Hradec eigentlich heute nur die recht großen Erdwälle.

Die kann man umwandern. Im ganzen Areal ist ein Lehrpfad mit Tafeln errichtet, die über archäologische und historische Details von Burg und Kirche informieren. Die Kirche kann man normalerweise nur von außen besichtigen, außer an Wochenenden. Dann steht ein Führer bereit, der einem die Kulturschätze der doch recht kunstvollen Kirche erklärt. Sollte er nicht unmittelbar auffindbar sein, sollte man in die nahegelegene Medová Kavárna (Honig Café) gehen, und zwar aus zwei Gründen: (a) weil dort ausgezeichneten Kuchen und Kaffee gibt und (b) weil die beim Guide anrufen, der dann auch sofort kommt. Die Hilfsbereitschaft (auch auf Englisch) kennt keine Grenzen. (DD)

Vom Wildschweinjäger zum Asteroiden

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert liebten es die Tschechen, ihre Wohnbauten mit nationalgeschichtlichem Pomp auszustatten. Damit unterstrich man seine vom österreichischen Habsburgertum abgesetzte patriotische Gesinnung.

Ein besonders schönes Beispiel für in Stuck gegossene Nationalmythologie befindet sich auf dem Giebel des U Bivoje genannten vierstöckigen Mietshauses. Dort oben sieht man ihn ankommen, den wackeren Helden Bivoj – ein erjagtes Wildschwein auf dem Rücken tragend. Muskulöse slawische Krieger, wie frisch dem Bodybuilding-Studio entsprungen, begleiten ihn.

Holde Damen warten am nahen Tor, von denen eine Kazi heißt und sich in Bivoj umgehend verliebt. Kazi ist eine Schwester von Libuše, der legendären Begründerin des böhmischen Herrschergeschlechts der Přemysliden (siehe auch hier). Schließlich hatte der Eber, den Bivoj erlegte, bereits die ganze Umgebung von Kavčí hory im Süden von Prag verwüstet und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Kein Jäger hatte ihn töten können – nur eben der wackere und starke Bivoj. Gleich wird Kazi den toten Eber zu Füßen gelegt bekommen. Und dahinschmelzen….!

Die schöne Sage von Bivoj und Kazi aus der Frühgeschichte Böhmens entstammt der Dalimil Chronik aus dem 14. Jahrhundert, die übrigens die älteste überlieferte Chronik in tschechischer Sprache ist. Und Bivoj wurde, so heißt es in ieser Chronik, reich belohnt durch die Liebe von Kazi. Der gemeinsame Sohn Rodislav sollte zu Ehren der Heldentat einen Eberkopf im Wappen führen dürfen. Und noch 1980 nannte man einen Asteroiden (Nummer 5797) nach Bivoj. Die Unsterblichkeit war gesichert.

Das große Jugendstil-Wohnhaus, an dessen Giebel sich das sehr opulente Stuckrelief befindet, wurde in den Jahren 1909/10 von dem Architekten Václav Řezníček erbaut, der in Prag zahlreiche Jugendstilhäuser erbaut hat. Es steht am Rande des Ostrčil Platzes (Ostrčilovo náměstí 518/1), der 1952 nach dem Komponisten Otakar Ostrčil benannt wurde. Im Erdgeschoss befindet sich heute übrigens eine Filiale der Stadtbücherei.

Der Künstler, der das Stuckrelief gestaltet hat, schuf damit eine besonders dynamisch aufgebaute Szenerie, die unter den vielen schönen Fassaden mit altböhmischen Legenden und Sagen-Motiven, die es in Prag zu sehen gibt, (früheres Beispiel hier). Hier wurde der besondere Effekt auch dadurch erreicht, dass der wackere Bivoj sich unter des Last des gewaltigen Ebers, den er erledigt hat, nach vorne beugt und dreidimensional aus dem Relief ragt. So wird Bivoj der optische Mittelpunkt der Darstellung.

Darüber sollte man nicht – aller Überwältigung zum Trotz – übersehen, dass das Haus auch noch außer dem Giebel und seinem Legendenbild viel zu bieten hat. Die beiden Erkertürme an den Ecken verleihen ihm einen burgähnlichen Charakter, der die archaische Szene aus der frühen Slawenzeit unterstreicht. Überall befinden sich Stuckornamente in feinstem Jugendstil, wie etwa die oberhalb rechts abgebildete Maskaron. Da das Haus direkt bei den schönen Wiesen im Tal des Botič liegt, lohnt sich ein kleiner Spaziergang dahin auf jeden Fall. (DD)

Kleines Dorf mit viel Geschichte

Dass man in der Nähe des Flusslaufs der Berounka rund 20 Kilometer südwestlich von Prag schöne Ausflüge durch die Natur machen kann, wurde an dieser schon öfters bemerkt (etwa hier). Zu erwähnen sind dabei aber auch die hübschen alten Dörfer, durch die man dabei wandern kann. Die winzige, aber um so malerische Ortschaft Koda mit ihren idyllischen Teichen ist eines von vielen Beispielen.

Das Dorf liegt inmitten des Nationalen Naturschutzgebiets von Koda (Národní přírodní rezervace Koda), das nach dem Ort benannt ist. Wir befinden uns hier in einem der artenreichsten und schönsten Teile des Böhmischen Karsts ( Český kras). Und es handelt sich um ein sehr kleines Dorf mit dennoch erstaunlich viel Geschichte.

Die Ortschaft selbst – ursprünglich wohl ein Holzfällerdorf – wurde 1429 erstmals erwähnt. Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs. Aber die Siedlungsgeschichte ist viel älter als es mittelalterliche Chroniken erahnen lassen. Oberhalb des Dörfchens kann man heute etwas abseits des großen (blau markierten) Wanderweges die Höhle von Koda (Kodská jeskyně) finden.

Die kann man einfach so betreten. Es wurde dafür gesorgt, dass der hintere Teil, der mehrere hunderte Meter weit reicht, nicht mehr durch einen sehr engen Durchschlupf erreichbar ist. So wird Schaden abgewendet und es ist der Sicherheit der Wanderer gedient. Der nunmehr als einziges sichtbare Eingangsbereich mit seinen glatten und geraden Wänden vermittelt aber ein Verständnis dafür, warum das hier so ein beliebter Siedlungsort war. Die an einem steilen Abhang im Walde befindliche Höhle wirkt fast wie ein gemauertes Gebäude.

1923 begannen hier mehrjährige Ausgrabungen, die bis in der 1930er Jahre andauerten und bei denen die Archäologen durch ihre Forschungen herausfanden, dass die Höhle von der Jungsteinzeit (ca 5000 v.Chr.) an über die Bronzezeit und die keltische Ära bis hin zum Mittelalter eigentlich ständig bewohnt gewesen war.

Jedenfalls war die Ausbeute der Archäologen an Keramikresten, Tierknochen (darunter Reste eines erlegten Mammuts), Werkzeugen enorm und gab viel Auskunft über einen besonders alten Siedlungsraum im alten Böhmen.

Weiter unten beim Orteingang erwartet uns eine andere und neuere geschichtliche Erinnerung – eine die uns gemahnt, dass die Tschechen im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Schreckensregime erdulden mussten. Die kleine Gedenktafel erinnert an den örtlichen Wildhüter Bohumil Žíhla, der am 27. Mai 1945 (19 Tage nach der deutschen Kapitulation) von betrunkenen Rotarmisten getötet wurde, als er seine Familie gegen selbige verteidigen wollte. Das war ein erstes Zeichen dafür, dass der Wechsel von der Naziherrschaft zur Sowjetbesetzung für die meisten Bürger des Landes alles andere als eine echte Befreiung war. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Burg auf dem Felsen – unbezwingbar

Die Aussicht auf die Fluss- und Felslandschaft ist von hier aus einfach fabelhaft. Das dürfte aber nicht der Grund gewesen sein, warum hier schon früh Menschen siedelten und eine kleine Burganlage bauten. In 40 Meter Höhe und von drei Seiten von schroffen Felswänden umgeben, war die Burg Kazín (Hrad Kazín) oberhalb des kleinen Ortsteils Lipence ein geradezu uneinnehmbares Refugium in gefährlichen Zeiten.

Spärliche archäologische Funde belegen, dass hier schon in der Steinzeit und vor allem in der Hallsteinkultur (frühe Eisenzeit) Menschen siedelten. Wandert man heute von Prag aus südwestlich die Berounka entlang, sieht man schon von weitem aus, wie die flache Flusslandschaft plötzlich in eine Berglandschaft übergehen. Und die wird immer pittoresker.

Schon bald sieht man steile Felsen in die Höhe ragen. Und diese Felsen (Bild rechts), die von einer Seite auch noch durch den Fluss gesichert waren, boten eine strategische Position, von der aus man das Areal gut beobachten konnte.

Das Ganze war wie geschaffen für eine geradezu uneinnehmbare Festungsanlage.

Die kann man, wenn man von hinten sich dem Felsen nähert, immer noch gut erkennen. Sie war offensichtlich in zwei Teile gegliedert. Zunächst geht man durch die als Landschaftserhebungen noch erkennbaren Reste der Wallgrabenanlage zur Vorburg (Bild links). Es handelte sich also eindeutig nicht um eine mit Steinmauern befestigte Burg, sondern um eine wahrcheinlich mit Holzpalisaden versehene Erdwallanlage.

Man geht weiter un die Landzunge zum Felsen verengt sich. Dort ist die zweite Wallgrabenanlage, die zur inneren Burg führt (Bild rechts). Das entspricht dem typischen Aufbau der meisten hiesigen Wallburgen. Dann ist man auf dem kleinen eingeebneten Hochplateau über dem Felsen. Solche oder ähnliche Burgen gab es schon in frühslawischer Zeit seit dem 6. Jahrhundert. Genau das bewog wohl im Jahre 1868 den örtlichen Gastwirt (damals wie heute lud der schöne Fluss hier viele Ausflügler ein), den malerischen Felsen mit seiner Burganlage Kazín zu nennen. Kazi oder Kazín war in der alten böhmischen Sagenwelt die heilkundige Schwester von Libuše, der Begründerin der Herrschaft der Přemysliden-Dynastie.

Damit hatte man den Ort mit einem populären Nationalmythos verbunden, was die Besucherzahl bis heute steigerte. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass der Ort auch nur das Geringste mit der Sage zu tun hat. Die Befestigung mit Wall und Graben dürfte wesentlich späteren Datums sein. Die Archäologen sind sich noch nicht ganz sicher und forschen noch. Frühere Grabungen und Bebauung am Rande haben die Beweislage schwieriger gemacht. Aber auf jeden Fall die Idee des Gastwirts aus touristischer Sicht eine hervorragnde. Der Ort ist für Ausflügler, Angler, Schwimmer, Schlauchbootfahrer ein Paradies und die Aussicht ist umwerfend. Felsen beschützen die Burg oben nicht mehr vor anrückenden Feinden, sondern vor Kletterern. Die sollten sich nicht hinauf wagen. Mit gutem Grund hat die Gemeinde das Klettern verboten, denn der Felsen ist nicht nur senkrecht steil, sondern aus bröckelig und es gab schon Tote. Aber auch ohne den Adrenalinkick des Kletterns ist das Ganze einen Besuch wert. (DD)

Verlassene Burg

Man kann sie noch erkennen, die alten, nunmehr von alten Bäumen bewachsenen Erdwälle. Und auch die heute freie Fläche, wo einst die Siedlung stand. Alles das erinnert daran, dass hier seit Urzeiten Menschen siedelten. Die Hradiště Vinoř, die Burgwallanlage beim nördlichen Prager Ortsteil Vinoř, liegt in einem Gebiet, in dem – wie archäologische Grabungen zeigten – vor 700.000 Jahren einer unserer Vorfahren, der Homo Erectus, jagte und sammelte. Aus Steinzeit, Bronzezeit und Aunjetitzer Kultur (siehe auch hier) hat man hier Funde geborgen.

Die Wallanlage scheint allerdings jüngeren Ursprungs zu sein. Sie liegt in dem alten Garten- und Parkareal des nahegelegenen barocken Schlosses von Vinoř. Sie misst stattliche 3,7 Hektar an Fläche und die Wälle, die auf das Siedlungsplateau führen, ragen unter Nutzung der natürlichen Hügellage rund 16 Meter in die Höhe. Während die meisten Wallanlagen dieser Art in der Umgebung Prags keltischen Ursprungs (ca. 1. und 2. Jahrhundert vor Christus) sind, und Jahrhunderte später von den ersten einwandernden Slawen um das 6. Jahrhundert nach Christus wieder in Stand gesetzt und besiedelt wurden, scheint diese Anlage hier wohl ausschließlich slawischen Ursprungs zu sein.

Funde suggerieren, dass die Burganlage im 10. Jahrhundert aufgeschüttet wurde. In dieser Zeit konsolidierte das Geschlecht der Přemysliden seine Macht in der Gegend und es begann so etwas wie eine eigene böhmische Staatlichkeit in größerem Umfang. Dass dies mit einem vermehrten Bau von Festungsanlagen verbunden war, erstaunt nicht. Die Anlage dürfte im 12. Jahrhundert aufgehört haben, als Festung zu dienen.

Auf dem inneren Areal gab es aber noch lange Zeit eine kleine Siedlung, die Ende des 14. Jahrhundert in örtlichen Chroniken erwähnt wird. Bis zum 16. Jahrhundert sind dann mehrere Besitzerwechsel verzeichnet. Zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges, genauer: 1627, wird das kleine Dorf als öde und verlassen beschrieben. Und die früheren Bewohner kamen nie mehr zurück. Nichts von dieser Besiedlung ist heute mehr zu sehen.

Heute ist ein Besuch der verlassenen Anlage mit einem Spaziergang durch unbewohnte Natur und felsige Landschaft verbunden. Man kann den Verlauf des Erdwalls, der sich mit einer Länge von über 3 Kilometern (auf zwei Burgteile verteilt) recht stattlich ausnimmt, gut erkennen. Man sieht auch, wie teilweise die Sandsteinformationen des Areals in die Befestigung eingebunden wurden. Und oben auf dem Hügel lässt die als Acker genutzte Freifläche erahnen, dass hier vor langer Zeit eine tief in die Geschichte zurückreichende Besiedlungszeit unwiederbringlich Vergangenheit ist. (DD)

Museum im Prachtbau

Die frisch vergoldeten Kuppeln glänzen in der Sonne. Oben auf der Anhöhe bildet es den würdigen optischen Abschluss des Wenzelsplatzes: Das Nationalmuseum (Národní Muzeum) von Prag. Durch seine schiere Größe dominiert es die recht überdimensionierte Fläche des Platzes. So war es auch gedacht, denn dieses Gebäude war als Sinnbild der historischen Größe Böhmens gedacht und sollte selbstbewusst die tschechische Kultur im Habsburgerreich repräsentieren.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert hatte es schon Pläne böhmischer Patrioten gegeben, ein „Vaterländisches Museum“ zu gründen. 1821 wurde im Palais Sternberg (Šternberský palác) ein erster Versuch gemacht, 1845 gab es einen zweiten Anlauf im Palais Nostitz (Nostický palác) – dem heutigen Sitz des tschechischen Kulturministeriums. Die Räumlichkeiten waren nicht wirklich geeignet, das Geld zu knapp und die Sammlung noch nicht umfassend genug, um das ganze Panorama böhmischer Kultur und Geschichte dem Publikum vorzuführen.

Andererseits gab es immer mehr Gönner und Spender in Prag, das im 19. Jahrhundert einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr. Vor allem der Initiative von František Ladislav Rieger (früherer Beitrag hier) war es zu verdanken, dass ein Landesausschuss gebildet und ein geeignetes Grundstück gefunden wurde. 1883 schrieb man einen Architekturwettbewerb aus, den Josef Schulz, der zu den großen Meister der Neorenaissance in Prag gehörte und später auch das Kunstgewerbemuseum (früherer Beitrag hier) bauen sollte. Zwischen 1885 und 1890 wurde eifrig gebaut. Das Ganze kostete fast 2 Millionen Gulden – eine unvorstellbare Summe, die aus den Spenden patriotischer Bürger zusammengekommen war.

Die Ausmaße waren riesig. 104 Meter ist die Front breit. Der höchste Punkt auf der Zentralkuppel ist 74 Meter hoch. Es soll fast dreieinhalb Tausend Türen drinnen geben. Neben dem Mittelbau gibt es zwei große Innenhöfe, die heute überdacht sind und damit noch mehr Platz für Exponate bieten. Bedeutende böhmische Künstler wurden gewonnen, um das Gebäude im Stil der Renaissance in patriotischem Geist zu beschmücken. Die Bildhauer Antonín Popp und Bohuslav Schnirch seien erwähnt, aber auch der Maler Julius Mařák, der für die große Eingangshalle 1897 große Landschaftgemälde mit tschechischen Wahrzeichen (hier Burg Karlstejn) gestaltete.

Man geht dieses prachtvolle Treppenhaus hinauf und landet im Pantheon, einer Büsten- und Statuensammlung, die die größten Geister Böhmens versammelt – von Hus über Komenius und Palacký bis Masaryk. In kommunistischen Zeiten sah das anders aus, weil Leute wie Klement Gottwald hier ihren unverdienten Platz einnahmen, aber nach 1989 stellte man den Urzustand wieder her.

Auch draußen über dem zweiten Stock sind unzählige Medaillons mit Schriftzügen angebracht, die schöpferische Geister aus Kultur und Wissenschaft darstellen, die in Böhmen lebte. Hier sieht man zum Beispiel den Astronomen Tycho Brahe, den wir bereits hier erwähnten.

Das Museum musste zu Ende des Zweiten Weltkrieg und während des Einmarsches der Sowjettruppen bei der Niederschlagung des Prager Frühlings einige Beschädigungen hinnehmen, die aber schnell repariert wurden. Aber auch so fordern die Zeitläufe generell ihren Tribut. Besonders in den Jahren des Kommunismus ließ man dem Museum vielleicht nicht ganz die nötige Pflege zukommen.

Wie dem auch sei: Zwischen 2011 und 2018 wurde das Museum zwecks vollständiger Renovierung geschlossen. Im Oktober 2018 wurde es zwar unter großem Pomp und mit viel Prominenz wiedereröffnet, aber ganz fertig war man mit der Wiederherstellung noch nicht. Bisher kann man nur Teile des Museums für temporäre Ausstellungen besichtigen. Aber auch das ist schon umwerfend genug. Allein die vergoldete Kuppel des Pantheons sieht atemberaubend aus. Und in absehbarer Zeit wird die große Sammlung, die einen Überblick über die Kultur des Landes von der Frühzeit bis zur Samtenen Revolution bieten wird, die Hallen füllen.

Noch steht also der Saurier in einer der Innenhöfe etwas einsam da. Aber bald wird die Sammlung alle Räume füllen. Material ist schließlich genug da. Im Grunde sogar mehr als genug. Denn die Sammlung ist im Laufe der Zeit so groß geworden, dass das Museum, das sich seit 1949 in Staatsbesitz befindet, im Laufe der Jahrzehnte spezialisierte Filialen außerhalb des ursprünglichen Gebäudes eröffnete, etwa das Náprstek-Museum für Ethologie oder das Bedřich-Smetana-Museum. Das alte Gebäude ist aber zweifellos das Prunkstück und wird es bleiben.

Der Weg von der Altstadt den Wenzelsplatz hinauf lohnt sich also, um die zum Eingang führenden Treppen zu ersteigen, die sich um einen Brunnen schmiegen, bei dem aus einem Löwenmaul (das böhmische Wappentier) das Wasser in ein Marmorbecken plätschert – gekrönt von den steinernen Allegorie der Bohemia (für die Tschechen mit Tschechien gleichgesetzt), der Krone des Heiligen Wenzels und den Verkörperungen von Moldau und Elbe, und den Landesteilen Mähren und Schlesien. Dann eröffnet sich das Innrere des Prachtbaus, für den man sich in jedem Falle Zeit nehmen sollte. (DD)

Libušes Burg

Prag und Umgebung sind ein Paradies für Archäologen. Die Siedlungsgeschichte reicht weit zurück und immer wieder finden sich kaum mehr sichtbare Spuren dieser langen Vergangenheit im Landschaftsbild. So auch bei der Burg Děvín (hrad Děvín) im Naturschutzgebiet in der Nähe des Stadtteils Hlubočepy (Prag 5).

Schon in der Steinzeit siedelten hier Menschen, was nicht überrascht, wenn man die Lage des Ortes kennt: Hoch über der Moldau an einer Talverengung und geeignet zur Überwachung der Wasserwege. An solchen Orten bauten später gerne die Kelten Festungsanlagen (Wallburgen), die dann im 6. und 7. Jahrhundert oft wieder von den einwandernden Slawen genutzt wurden. Hier auf Děvín gab es wohl keine keltische Besiedlung und die Wälle, die man heute noch erkennen kann, sind daher erst von den Slawen gebaut worden.

Legenden verbinden den Ort mit der Sage vom Mägdekrieg. Demnach wurde die Burg von der Seherin Libuše erbaut. Die war sauer, weil sie aufgrund ihrer Talente Stammesfürstin hätte werden können, aber von den chauvinistischen Männern abgelehnt wurde, weil sie ja „nur“ Frau war. Stattdessen wurde der Mann, den sie erwählte, Herrscher der Böhmen. Und der hieß Přemysl und wurde somit der Begründer des späteren böhmischen Königsgeschlechts der Přemysliden.

Der Unmut der Frauen brach sich später dann Bahn in dem Mägdekrieg, bei dem die Frauen, die nun in den alten Chroniken mit den antiken Amazonen verglichen wurden versuchten, die Macht der Männer zu brechen. Das gelang nach anfänglichen Kriegserfolgen nicht und die Eroberung der Burg Děvín, die das Hauptzentrum des Aufstands gewesen sein soll, setzte dem Aufbegehren der Frauen ein Ende.

Möglicherweise erfolgte die Zuschreibung der alten Burganlage zu der überlieferten Sage, in der eine Burg dieses Namens erwähnt wird, erst in der frühen Neuzeit. Jedenfalls zeigen die Orts- und Flurnamen der Umgebung immer noch davon. Der schönste Aussichtspunkt vom Norden der Berghöhe hinunter in Flusstal und zur Stadt heißt nach einem der (männlichen) Helden der Sage, Ctirad (siehe früheren Beitrag hier). Etwas darunter liegt auf dem Hügel daneben (kleines Bild links) die Ortschaft Dívčí hrady, zu Deutsch: Mädchenburg – ganz klar auch eine Anspielung auf die Sage.

Aber das sind alles Legenden. Historisch wichtig und greifbar wird das Areal erst mit dem Bau einer richtigen steinernen Burg im Jahre 1338 durch Stefan von Tetin (Štěpán z Tetína), der unter König Johann aus dem Hause Luxemburg zahlreiche hohe Ämter innehatte. Dessen Nachfahren gerieten irgendwann in finanzielle Schwierigkeit und verkauften die Anlage an das nahegelegene Kartäuserkloster von Smíchov. Die Kartäuser waren wiederum während der Hussitenkriege den Hussiten ein Dorn im Auge, die dann 1419 die Burg überrannten. Als Kaiser Sigismund im nächsten Jahr die Burg zurückeroberte, blieb nichts brauchbares mehr übrig.

Die Stätte war fortan unbesiedelt. Nominell gehörte sie nun zur Ortschaft Zlíchov, die direkt unter der Burg liegt. Im Jahre 1513 kam man auf die Idee, die letzten Reste der Burg als Zieltestgebiet für neu angeschaffte Kanonen und Mörser zu nutzen. Das war’s dann…

Und so kommt es, dass man heute keine sichtbaren Reste des Mauerwerks der mittelalterlichen Burg mehr sieht. Im Erdreich sieht man jedoch Spuren von Wallaufschüttungen, die meist auf die slawische „Urburg“ hinweisen, die eine größere Fläche abdeckte als die Burg des 14. Jahrhunderts. Man kann auch erkennen, wie geschickt die natürlichen Felsabhänge in die Festung einbezogen wurden. (DD)