Der Palast des Eisenbahnmagnaten

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Die Ausmaße und die Pracht des Schebek Palasts (Schebkův palác) erschließen sich dem Vorbeigehenden so schnell nicht. Das liegt daran, dass es sich bei der Adresse IMG_1488(Politických vězňů 7 in Prag 1) in der Nähe des Wenzelplatzes um eine enge Gasse handelt, die nur eine eingeengte Perspektive zulässt. Aber davon soll man sich nicht täuschen lassen. Als ihn in den Jahren 1870 bis 1872 der Eisenbahnmagnat Jan Schebek erbauen ließ, träumte er von einem kleinen Versailles in Prag.

Der Architekt Vojtěch Ignác Ullmann gestaltete den Palast in dem damals modischen Neorenaissance-Stil. Bei der Innengestaltung heuerte Schebek für die Wandmalereien Viktor Barvitius und die Skulturen an. Vor allem IMG_1481das Treppenhaus gehört zu den beindruckendsten in Prag (großes Bild oben; Deckengemälde kleines Bild rechts). Jedenfalls bilden Archtiektur und Ausgestaltung ein harmonisches Ganze.

Neben dem Treppenhaus und den Malereien in fast sämtlichen Innenräumen besticht auch der kleine Innenhof durch seine klare Formgebung im Sinne der Renaissance.

Schon ein Jahr nach Schebeks Tod verkaufte im Jahr 1890 seine Familie das Gebäude an die Österreichisch-Ungarische Nationalbank – seine Zeit als privates Wohnbauwerk war vorbei. Österreich-Ungarn ging und die IMG_1478Tschechoslowakische Republik kam. Das Finanzministerium des neuen Staates übernahm das Gebäude und richte dort erst einmal die Bankbehörde ein bis 1926 die Tschechoslowakische Nationalbank einzog. Nach dem Banking kam die Forschung: 1963 zog die Akademie der Wissenschaften hier ein. Der gehört es immer noch, obwohl hauptsächlich hier seit den 90er Jahren das Center for Economics Research and Graduate Education – Economics Institute (CERGE-EI) angesiedelt hat, das sich der Ökonomenausbildung widmet – was insbesondere in den Jahren nach dem Zusammenbruch des Kommunismus (unter dem das Fach grotesken intellektuellen Verzerrungen ausgesetzt war) notwendiger denn je war.

IMG_1486Aber auch für Fachtagungen anderer Organisationen und Wissenschaftsinstitutionen wird der Schebek-Palast – den man dafür mieten kann – gerne genutzt.

Ach ja: Das Gebäude hatte natürlich eine Vorgeschichte. im 14. Jahrhundert wurde hier ein gotischer Palast für die böhmische Adelsfamilie Waldstein erbaut. 1757 wurde daraus ein Waisenhaus, später der Treffpunkt einer Freimaurerloge – bis es dann von Jan Schebek gekauft wurde, der ihm dann die heutige Gestalt gab. (DD)

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