Das Landleben im Elbtal

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Es ist eines der ältesten Freilichtmuseen Europas – das Museum für Volksarchitektur (Polabské národopisné muzeum) in Přerov nad Labem – nicht weit östlich von Prag gelegen. Im Jahre 1895 kaufte der örtliche Schlossherr, Ludwig Salvator von Österreich-Toskana, zwei neben seinem Schloss (früherer Beitrag hier) liegende kleine Bauernhäuser IMG_1527und begann, eine Sammlung für die örtliche Volks- und Bauernkultur des umliegenden niederen Elbtals anzulegen. Sie blieb bis zur Nazibesetzungszeit der Öffentlichkeit zugänglich, wurde dann aber geschlossen. Erst  1967 wurde das Museum nicht nur wiedereröffnet, sondern seither auch systematisch erweitert. Insgesamt 32 Häuser/Bauwerke stehen in einem in der Ortsmitte gelegenen Areal, dem man zunächst seine Größe nicht ansieht. Sie wurden meist andernorts abgebaut und hier wieder errichtet. Fast alle stammen aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Infotafeln informieren bisweilen in Einzelaspekten (z.B. Weinbau) auch über die Zeit davor.

IMG_1526Die Gebäude wurden blitzblank restauriert und beherbergen zum Teil kleine Ausstellungen zu Aspekten des ländlichen Lebens in der Region. Wie üblich in solchen Museen kommen dabei die verschiedenen Handwerke nicht zu kurz, die zum Landleben gehören – Schmiedekunst, Imkerei, Butterherstellung, Schreinerei, Weinkellerei und so weiter. Wissenlücken bleiben da kaum noch übrig.

Aber auch andere Aspekte des Soziallebens werden durch die reiche Sammlung anschaulich präsentiert, etwa die Dorfschule oder vor allem die Festtage auf dem Land. Dazu werden die Ausstellungen ab und an ausgewechselt. In der Wintersaison, so vermuten wir, steht Weihnachten im Mittelpunkt. Bei unserem letzten Besuch im April IMG_1530waren es die gerade vergangenen Tage von Ostern und Masopust – wie man den Karneval hierzulande nennt (früherer Beitrag hier). Als Rheinländer finden wir letzteren natürlich besonders interessant und wir mussten zugeben, dass die traditionellen ländlichen Kostüme (insbesondere das Pferdeoutfit!) recht lustig sind und auch in Köln gut ankämen. Vielleicht findet sich ja mal die Gelegenheit zum Mitfeiern.

IMG_1534Nicht nur das Leben, sondern auch der Tod gehören zur Volkskultur. So gibt es sogar einen kleinen Dorffriedhof (vermutlich nur die Grabsteine!). Dazu passen gibt es die kleine Dorfkapelle aus der Zeit Maria Theresias im 18. Jahrhundert (großes Bild).

Leider ist das Museum nur von März bis Oktober geöffnet (hier auf die Homepage zur Info schauen!). Bei der Kasse dieses ungeheuer lehrreichen und unterhaltsamen Freilichtmuseums gibt es einen kleinen Souvenirladen. Ein Café gibt es leider (noch?) nicht, aber es stehen Bänke und Tische da, die von den Besuchern gerne für ein geradezu bäuerliches Picknick genutzt werden. Und da Přerov auch sonst für seine Größe viel zu bieten hat – etwa das Schloss (hier) und die keltliche Burganlage (hier), sollte man sich die kurze Autobahnfahrt von Prag aus nicht vorenthalten. (DD)

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