Fast wie Highgate – Der Olšany-Friedhof in Žižkov

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Allerseelen ist eine gute Gelegenheit, sich dem größten Friedhof Prags zu widmen, oder besser den Friedhöfen, denn die Olšanské hřbitovy bestehen aus mehreren Teilen entlang der Vinohradská und Izraelská im heutigen Bezirk Žižkov.  Die Keimzelle der Friedhöfe war der Pestfriedhof rund um die St. Rochus Kapelle, die 1680 nach einer Friedhof1großen Epidemie  angelegt wurde. Dieser Teil ist heute nicht mehr umzäunt und auch für Hunde zugänglich.  Der östlichste Teil ist der Neue Jüdische Friedhof, auf dem auch Franz Kafkas Grab liegt.

Die Zahlenangaben über die Beigesetzten schwanken. Es sollen um die  zwei Millionen sein. Die Anlage ist riesig und man kann hier Stunden lang flanieren und die erstaunlichsten Grabmäler mehr oder weniger berühmter Prager bewundern.  Das reicht von der Hausbesitzerswitwe über den Maler Manes bis zu Freiheitskämpfern wie Jan Palach und dem Freiheitsunterdrücker Gottwald, den man, nachdem man ihn aus seinem „Tempel“ im Nationaldenkmal von Žižkov entfernt hatte, seiner Familie zur Bestattung  hier übergab.

Friedhof4Interessante Informationen liefert ein nicht chronologisch und unregelmäßig geführter Lehrpfad mit vielen kleinen Hinweistafeln  auf Tschechisch.

Der malerischte Teil aber  liegt direkt an der Metro Haltestelle Flora und gleichnamigen  Einkaufszentrum. Hier reihen sich alte, halb verfallene, Efeu umrankte Mausoleen nebeneinander als  wären sie die Kulisse für einen Gruselschocker der Hammer-Filmproduktion  mit Christopher Lee (von Friedhof3denen einige in Londons ähnlich schönem Friedhof Highgate gefilmt wurden). Und tatsächlich wurden hier auch zahlreiche Filme gedreht. Diese Mausoleen aus dem 19. Jahrhundert  hatten in den letzten Jahren sehr gelitten, dienten Obdachlosen als Unterkunft und wurden während des Baus des schon erwähnten Einkaufszentrums öfters aufgebrochen und beraubt. Schmuck aus den Gräbern fand sich auf dem Schwarzmarkt. Also mauerte man die Grabtempel zu und setzte eine Polizeiwache in den Friedhof. Zusätzlich gibt es jetzt auch eine private Friedhof6Initiative, die Grabmäler zu schützen. Und tatsächlich kann man rege Renovierungsbemühungen beobachten. Nicht nur zu Allerseelen lohnt sich hier ein Spaziergang,  aber wenn dann zahlreiche Gräber mit ewigen Lichtern geschmückt sind, ist das in der Dämmerung schon sehr stimmungsvoll. Und über die Metro-Stationen Flora und Želivského (so lang und noch weiter erstrecken sich nämlich die  Friedhöfe) sowie zahlreiche Bus- und Straßenbahnhaltestellen ist man schnell wieder zurück im gemütlichen Zuhause. (LSD)

 

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