Park für glückliche Familien

Der Stadtteil Košíře (Prag 5) liegt außerhalb des Stadtzentrum im Westen Prags, wo es etliche schöne Landschaftsgärten (zum Beispiel den Cibulka Park, den wir schon hier vorstellten) zu bewundern gibt. So auch den Klamovka Park.

Der wurde ab 1752 auf dem Gelände eines Weinbergs angelegt, dessen Ursprünge sich bis in die Zeiten Kaiser Karls IV. zurückverfolgen ließen. Nun leistete sich auf dem Areal die österreichisch-böhmische Adelsfamilie Clam-Gallas ein ländliches Anwesen (natürlich hatte man auch einen Stadtpalast im Zentrum Prags). Dessen Kern war ein großes Landhaus oder Palais, das 1757 fertiggestellt wurde, nach dem man heute allerdings vergebens Ausschau hält. Ende des 19. Jahrhunderts gab die Familie ihren Besitz auf und im Jahre 1895 kaufte die Gemeinde Košíře (die erst seit 1921 zu Prag gehört) Landhaus und Park auf und wandelte das Ganze zu einem öffentlichen Park im Dienste der Naherholung um.

Das Landhaus wurde zum Restaurant – ab 1904 mit Tanzsaal und Kino – umgewandelt. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es an den Turnerbund Sokol über, der in den 1930er Jahren das Gebäude kurzerhand abriss und eine Sokol-Sporthalle dort errichtete. Die steht immer noch da und beherbergt eine von Pragern gerne besuchte Kneipe mit großem Biergarten. Der war in den 1970er Jahren übrigens ein beliebter Treff für Dissidenten, die von der damaligen kommunistischen Tyrannei die Nase voll hatten.

Der Park selbst ist im englischen Stil gehalten, ein Trend der 1752 sich überall in Europa durchzusetzen begann. Es handelt sich also um einen nicht-formalen Landschaftsgarten. Weite Wiesen wechseln sich mit zum Teil recht dichtem Wald ab. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Garten Dank seines Direktors, dem Gartenbauunternehmer und Botaniker Josef Blecha, seine große Zeit. Für die Öffentlichkeit organiserte er immer wieder große Blumenschauen. Während das Landhaus abgerissen wurde, ist das Erbe der Familie Clam-Gallas im Park noch gut sichtbar, denn über Jahrzehnte schmückte Generation für Generation den Garten weiter aus.

Man sieht das vor allem an den verbliebene Gebäuden und Denkmäler, die sich verstreut im Park befinden. Es gibt noch etliche Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Zeit als der Garten ursprünglich angelegt wurde. Das gehört das hübsche Barockhaus (in dem sich heute ein kleines Jugendzentrum befindet) für das Personal und die Gartenverwaltung am östlichen Rande des Parks. Die Leute hatten hier etwas zu tun, denn die Familie Clam-Gallas hielt sich im Garten unter anderem Wölfe und Bären.

Zwei weitere Gebäuden stammen ebenfalls noch aus dem 18. Jahrhundert. Da ist zum einen der berühmte Nachttempel. Es handelt sich um einen Rundtempel im römisch-antiken Stil mit einem vorgesetzten kleinen Portikus. Auf den ersten Blick sieht er ein wenig wie ein Mausoleum aus, was aber nicht der Fall ist. Darinnen wurde definitiv kein Mitglied der Familie Clam-Gallas begraben.

Von innen sieht man anscheinend (leider ist der Tempel für Besucher geschlossen) kleine verglaste Öffnungen in der Decke, die tagsüber im dunklen Innenraum den Eindruck eines Sternenhimmels vortäuschen. In jedem Fall ist es ein originelles Gebäude, das thematisch schlüssig gestaltet wirkt.

Etwas darüber befindet sich ein kleines und zweiflügeliges gläsernes Gewächshaus mit einem Mittelbau im feinsten Rokokostil, das wohl etwas später, aber noch im selben Jahrhundert erbaut wurde. Heute befindet sich in diesem sehr zierlichen Gebäude ein kleines Künstleratelier. Womit wir schon im 19. Jahrhundert angekommen sind. Der putzige neogotische Altan im großen Bild oben entstand im Jahre 1820. Das winzige Gebäude am Parkeingang, das im romantischen Windsorstil gehalten ist, beherbergt heute die Galerie Altán Klamovka, einen Verbund unabhängiger Kunstgallerien.

Die noch sichtbaren Skulpturen im Park entstanden meist später. Etwa das noch in einem späteren Beitrag zu erwähnende Denkmal für das Pferd Cassel, das um 1838 auf Wunsch von Eduard Graf Clam-Gallas entstand. Die Clam-Gallas‘ setzten ihren Tieren gerne Denkmäler. Leider ist das Steinportrait des Paradiesvogels seiner Frau Clotilde ebenso verschwunden wie das Denkmal für einen großen Hund, der wohl einem Mitglied der Familie das Leben gerettet hat. Was man noch sieht, ist eine Statuengruppe aus kommunistischer Zeit. Die glückliche, weil in realsozialistischen Zeiten lebende Familie (Rodina), die auf einem Betonsockel thront, ist das Werk des Bildhauers Karel Velický und entstand im Jahre 1960. Auch ohne Sozialismus sieht man an schönen Sonnentagen hier immer tatsächlich hier viele glückliche reale Familien, die den Park als eines der schönesten Ausflugsziele und zum Picknicken schätzen. (DD)

Ältester Park

Franz Kafka liebte ihn und suchte hier ab und an seine Inspiration, heißt es. Die Rede ist vom Chotek Park (Chotkovy sady), dem ersten öffentlichen Park in ganz Prag, der zugleich grandiose Aussichten auf Stadt und Burg bietet.

Seine Lage hoch über der Stadt, ganze nahe beim Burgberg und direkt unter dem vielleicht schönsten Renaissancepalast Prags, dem berühmten Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny), macht es dem Besucher leicht zu verstehen, wieso dies ein Ort der Inspiration sein kann. Und dann kommt noch der schöne alte Baumbestand hinzu! Dass der so alt ist, liegt eben daran, dass der Chotek Park eben schon so lange hier existiert.

Im Jahre 1832 wurde er noch als „Volksgarten“ angelegt und eröffnet, aber schon im Jahr 1841 nach dem Mann umbenannt, der seinen Aufbau veranlasst hatte: Graf Karl Chotek von Chotkow, der als königlicher Oberstburggraf zwar eigentlich für die Festungsanlagen der Stadt zuständig war, aber darüber hinaus als großer Förderer und Mäzen der Prager Infrastruktur auftrat. Den Park ließ er von dem Gartenarchitekten Josef Fuchs entwerfen, dessen Pläne dann vom Landschaftsgärtner Jiří Baul umgesetzt wurden.

Der Park wurde als englischer Garten (also ein Landschaftsgarten, der nicht dem barocken Modell des formalen Gartens folgt) konzipiert und sollte zugleich als eine Art botanischer Park fungieren. Heute gibt es hier 55 verschiedene Baumarten! Der Gartenarchitekt František Thomayer fügte um 1887 bis 1890 im Zentrum des Parks eine neoromantische Felsenlandschaft mit kleinem künstliche Wasserlauf, die besonders malerisch aussieht. Ihren optischen Abschluss erreichte sie aber 1913 durch die Errichtung des Denkmals für den Schriftsteller Julius Zeyer seit 1913, über das wir bereits hier berichteten, und das das Aussehen eines großen Felsens mit Höhle hat.

Und wenn man gerade beim Thema Skulpturen ist: Am Rande des zentralen Rasens steht die Stahlkonstruktion Nike 89. Nike war die griechische Göttin des Sieges und hier geht es natürlich um den Sieg der Demokratie über den Kommunismus, wie sie 1989 geschaft. Die Skulptur ist ein Werk des Bildhauers und Malers Pavel Krbálek, der nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in die Schweiz floh. Aus Freude über die neugewonnene Freiheit stellte er das Original der Nike 89 im Open Air Museum im japanischen Hakone aus, wo sie sogar einen Wettbwerb für abstrakte Statuen gewann. 2002 enthüllte er eine Replik in seiner neuen Heimat Luzern und 2003 diese hier im Chotek Park, wo sie die Tschechen daran erinnert, was sie 1989 an Großartigem gewonnen haben – ihre Freiheit!

Zu erwähnen ist noch die hübsche kleine Brücke, die über die nahe Autostraße zum nächsten Park führt, dem Letná Park (Letenské sady) . Sie wurde 1998 gebaut anstelle einer früheren Brücke aus den 1960er Jahren. Wichtiger ist jedoch die schöne Aussicht, die man am südöstlichen Rand des Parks genießen kann, der über einem steilen Abhang angelegt wurde. Schaut man geradeaus hinunter sieht man die Kleinseite und die Altstadt mit dem Flusslauf der Moldau dazwischen – samt den schönen Brücken der Stadt. Dreht man den Kopf dann etwas rechts, sieht (großes Bild oben) man die Burg auf gleicher Höher in all ihrer Pracht. (DD)

Die Spende des Ritters

Er war ein Mäzen, wie es sie im wirtschaftlich aufstrebenden Prag des späten 19. Jahrhunderts häufig gab, und die viel zu dem schönen Stadtbild beitrugen, das wir heute so bewundern: Eduard Ritter von Daubek. Er spendete 1894 der Stadt Smíchov (erst seit 1922 Teil Prags) die schöne Parkanlage des Felsengarten (Sady Na Skalce).

Sein Geschlecht, das erst 1879 in den Ritterstand erhoben wurde, besaß seit 1813 den benachbarten Park Santoška samt eines dazu passenden Landhauses als privates Anwesen. 1890 ließ er das heutige Areal des Felsengartens von dem damals international bekannten Landschaftsgärtner František Thomayer zu einer 2,2 Hektar großen Parkanlage umgestalten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatte sich hier einer der vielen Weinberge der Stadt befunden; später betrieb man hier einen Steinbruch für den Quarzitabbau. Die pittoreske Felsszenerie, die dabei entstand, band Thomayer geschickt in die Gestaltung des Gartens ein, was am Ende dann dem Park seinen Namen gab. Als der Felsengarten 1894 fertiggestellt war, schenkte ihn Ritter von Daubek der Öffentlichkeit, die ihn seither gerne für die Zwecke der Naherholung nutzt.

Steil hinauf führt der Weg durch den schmalen, aber rund 300 Meter langen Park von der Straße Ostrovského unten zur Bieblova oben. Umgeben ist der Park von schönen bürgerlichen Wohnhäusern des 19. Jahrhunderts. Auf dem höchsten Punkt ließ Ritter Daubek einen zierlichen gusseisernen Pavillon aufbauen. Von hier aus kann man einen grandiosen Ausblick über Prag genießen.

Der Pavillon thront direkt über den steilen Felsenabhängen des ehemaligen Steinbruchs, vor dem sich wiederum ein Teich mit Inseln befindet. In der Felswand befindet sich auch der Eingang zu einer Grotte, die aber leider nicht für die Öffentlichkeit betretbar ist. Gerüchte besagen, dass sich unter dem Park hier auch noch einige alte Bunker befinden, aber das scheint eben doch nur ein Gerücht zu sein. Kein Gerücht, sondern Realität ist, dass tief unter dem Park und den Felsen der 2004 erbaute Mrázovka Tunnel hindurchführt, der die Last des Verkehrs von Smíchovs Innenstadt fernhält. Aber davon sieht man naturgemäß im Park nichts.

Neben dem Teich steht übrigens ein Obelisk, der dem guten Ritter von Daubek gewidmet ist (großes Bild oben), und dessen kleine Gedenktafel darauf erinnert, dass er der Stadt diesen Park gestiftet hat. Weiter unten, auf halber Höhe, steht ein anderes Denkmal, nämlich das Denkmal für die jungen Freiheitskämpfer (Pomník mladým bojovníkům za svobodu), das 1967 von der Bildhauerin Taťána Konstantinová angefertigt wurde. Er sollte den „anti-faschistischen“ Geist der Jugend wiederspiegeln, den es in kommunistischen Zeiten wachzuhalten galt. Das war damals zwar irgendwie arg systemkonform (was bei den Werken der Künsterin häufiger vorkam; siehe hier) und der Freiheitspathos hatte unter den Kommunisten gewiss etwas Verlogenes, aber auch nicht so schlimm, dass man das Denkmal nach 1989 abtragen wollte.

Um die Jahrtausendwende wurde der Park durch den Gartenarchitekten Jan Šteflíček gründlich renoviert. In dieser Zeit befand sich in der Nähe das Zentrum eines Hilfsvereins für Drogenabhängige Sananim. Dessen löbliches Anliegen führte eine zeitlang dazu, das der Park voller Drogensüchtiger war und andere Bürger ihn mieden. Inzwischen ist der Verein aber umgezogen.

Nach einer neuerlichen, von der Stadtteilregierung durchgeführten, Renovierung ist der familienfreundliche (Kinderspielplatz!) gestaltete Park ein kleines Naherholungsjuwel für die Bürger Smíchovs geworden. Das war es ja auch, was der alte Ritter gewollt hatte. (DD)

Park mit Landgut

Am Anfang standen Weinberge, die Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert anlegen ließ. 1654 wurde auf der Höhe ein großes Gehöft im barocken Stil errichtet. Damit war die Grundlage für eine der schönsten Parkanlagen in Prag geschaffen, dem Park Santoška in Smíchov (Prag 5).

Im Jahre 1719 schenkte Prinz Adam Franz Karl von Schwarzenberg, der Oberstallmeister Kaiser Karls VI. (von dem er 1732 irrtümlich bei einer Jagd erschossen wurde), das Gehöft samt Ländereien seinem Rechtsconsulenten Dr. Franz Wilhelm Sonntag zum Dank für verschiedene juristische Verdienste, wozu unter anderem ein Rechtsgutachten gehörte, das zur Heiligsprechung des böhmischen Nationalheiligen Nepomuk führte. Unter Sonntag wurde auf dem Gelände ein Landschaftsgarten angelegt, der hübsch mit Skulpturen des berühmten böhmischen Barockbildhauers Ignaz Franz Platzer ausgestattet war, von denen auf dem Areal nur noch die Statue der Göttin Flora (Bild oberhalb links) übrig ist.

Nach seinem Besitzer Sonntag hieß das Gut ursprünglich Sontoška, was sich über die Zeit zu Santoška abschliff. Der Park ist an einen steilen Hang gebaut. Tritt man unten von der Straße Na Václavske durch das ebenfalls mit Statuen (Putten) von Platzer geschmückten Toreingang in den Park, muss man zur obersten Punkt bei der Straße Nad Santoškou einen Höhenunterschied von 200 Meter zu 266 Metern über dem Meeresspiegel überwinden. Mit 5,64 Hektar bietet der Park reichlich Auslauffläche für Mensch und Hund.

Besonders im Sommer dürfte man den schönen, sehr alten und daher sehr üppigen Baumbestand zu schätzen wissen. Zugleich galt der Park früher auch als Wasserressource. Für das Jahr 1768 ist überliefert, dass die nahegelegene Apotheke U černého orla (Zum Schwarzen Adler) in der Kleinseite das hiesige Quellwasser teuer als Heilwasser in Fläschchen verkaufte.

1813 ging das Areal an die 1879 in den Ritterstand erhobene Familie Daubek. Die ließ das alte barocke Gehöft 1868 abreißen und durch die heute hier befindliche neogotische Villa (siehe großes Bild oben) ersetzen, die heute gemeinhin Landgut Santoška (usedlost Santoška) genannt wird. Das Familienwappen der Ritter von Daubek ist noch oben auf der Fassade sichtbar. Insbesondere Eduard Ritter von Daubek machte sich um den Park und seine Pflege verdient. 1890 erweiterte er ihn um den nahegelegenen, heute ein wenig vom separierten Felsengarten (Sady Na Skalce), den er 1894 der Stadt schenkte.

1907 wurden Landhaus und Park von der Gemeinde Smíchov (die erst 1922 Teil Prags wurde) gekauft. Ein öffentlicher Park mit einem kleinen Restaurant im Haus entstand. 1933 und 1935 wurden größere Umbauten im Garten lanciert. Ein richtiges Wegenetz gehörte dazu. Kleinere Wirtschaftsgebäude, die zum Landgut gehörten, verschwanden. Im Landhaus residieren seit 1953 ein Kindergarten und eine Grundschule, nachdem das Restaurant geschlossen und zunächst durch ein Lehrlingsheim ersetzt wurde. Deshalb ist das Gebäude normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Aber es gibt ja immer noch den schönen Park mit seinen schönen Kastanienbäumen, Eschen und Ahornbäumen, der zum Spazierengehen einlädt. (DD)

Windsor in Prag

Wer nach dem Brexit ein Stück fast echtes England sehen möchte, der gehe hier hin, um sich dieses kleine „Schloss Windsor“ in Prag anzuschauen, das sogenannte Lustschloss des Statthalters (Místodržitelský letohrádek). Britischer geht’s nimmer.

So sah es hier natürlich nicht immer aus, denn die Anfänge des Gebäudes gehen bis in Zeiten zurück als es die Windsor-Gotik noch nicht gab – und schon gar nicht als böhmische Imitation. Die Ursprünge des Schlosses gehen in das Jahr 1266 zurück, als König Otakar II. im Areal einen Wildpark anlegte, der unter dem Namen Stromovka heute ein öffentlicher Park ist. Dazu gehörte natürlich auch ein entsprechendes Schloss, das dementsprechend damals noch als Jagdschloss bezeichnet wurde. Und noch heute kann man die schöne Aussicht auf die Natur von hier oben bewundern.

Der böhmische König Vladislav II. aus dem polnischen Herrschergeschlecht der Jagiellonen baute in den Jahren 1495 bis 1502 das Schlösschen im neogotischen Stil um. Möglicherweise sah es da dem heutigen Gebäude schon ein wenig ähnlicher als heute. Es folgte eine neuerliche Umgestaltung in den Jahren 1580 bis 1594, diesmal im Stil der Renaissance. Die schwedische Belagerung im Dreissigjährigen Krieg überlebte das Schloss 1648, weil sich einer der schwedischen Generäle hier niederließ. Aber das Gebäude erlitt schwere Schäden als 1744 die Preußen im Zuge des Österreichischen Erbfolgekriegs das Jagdschloss mit Artillerie beschossen. Danach stand es meist leer und verfiel allmählich.

Das änderte sich als der frühere königliche Finanzminister Johann Rudolph Chotek von Chotkow in seiner neuerlichen Eigenschaft als Staatsminister und Oberstburggraf in Böhmen, die er 1802 bis 1805 innehatte, sich der Sache annahm. Er wandelte 1804 den Wildpark in eine Parkanlage für die Bürger um und leitete 1805 den abermaligen grundlegenden Umbau des Schlosses ein. Da er als „Statthalter“ des Königs agierte, heißt das Schloss seit her so, wie es eben heute heißt: Lustschloss des Statthalters. Der Umbau erfolgte nach den Plänen der Architekten Antonio Palliardi und Georg Fischer nunmehr in jenem Windsor-Stil, der in dieser Zeit als der vollendete Ausdruck von Burgenromantik in Mode war.

Mit der Gründung der Ersten Republik im Jahre 1918 wurde es seiner bisherigen königlichen Bestimmungen entledigt. Eine zeitlang diente es der YWCA (Christian Youth Women Association) unter der Schirmherrschaft der Präsidentengattin Alice Garrigue Masaryková als Sommerrefugium. Das endete mit der Nazi-Besetzung 1939. Das Gebäude wurde von der Gestapo requiriert. Nach der Befreiung 1945 übernahm der Staat es und übergab es ein Jahr später der Zeitschrift- und Zeitungsabteilung des Nationalmuseums als Archiv. Und dieser Funktion dient es heute immer noch. Bei jedem Spaziergang durch den Stromovka-Park gehört das Lustschlösschen jedenfalls zu den Highlights. (DD)

Maria Theresia als elegante Schachfigur

Die Habsburger waren eigentlich nie unumstritten und wurden in Böhmen oft als Fremdherrscherdynastie angesehen. Als sich 1918 die Erste Tschechoslowakische Republik gründete, wurden viele Denkmäler der Habsburger demontiert. Plante man aus denkmalpflegerischen Gründen in den letzten Jahren eine Wiederaufstellung, gab es jedes Mal heftige politische Diskussionen (wir berichteten u.a. hier). Um so erstaunlicher ist es, dass es seit Oktober in Prag sogar ein neu angefertigtes Denkmal für Kaiserin Maria Theresia – ganz klar eine Habsburgerin! – gibt.

Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass Maria Theresia, die übrigens nebenbei auch die einzige Frau war, die je auf dem böhmischen Thron saß, in jedem Fall besser erschien als die Alternativen, die sich den Tschechen in ihrer Regierungszeit boten. Die Franzosen mit ihrem damals recht ruppigen Absolutismus wären wohl kaum besser gewesen als die Österreicher. Die Franzosen waren nämlich 1742 dabei, Prag zu besetzen. Das geschah im Zuge des Österreichischen Erbfolgekrieges, der deshalb entbrannte, weil trotz der Bemühungen ihres Vater Karls VI., durch ein Sondergesetz (Pragmatische Sanktion) ihre erzherzögliche Thronfolge (was oft ein „Sprungbrett“ zum Kaisertum war) im Reich abzusichern, der Widerstand so groß war, dass er gewalttätig eskalierte. Frauen war der Zugang zu diesem Job nämlich eigentzlich verweigert.

Die Gegner im Reich hatten sich mit den Franzosen verbündet, weil die sich immer als europäische Rivalen der Habsburger in Europa sahen. Aber in Frankreich herrschte ein wirtschaftlich verantwortungsloser Absolutismus der unaufgeklärten Sorte. Österreich unter Maria Theresia, die als die aufgeklärte Monarchin schlechthin galt, war da auch für die Böhmen attraktiver. Unter ihr gab es eine effizientere Verwaltung, mehr Volksbildung und wenigstens einige kleine Einschränkungen der Leibeigenschaft (die dann ihr Sohn Joseph II. 1781 ganz abschaffte). Bei dem Krieg kam Maria Theresia mit einem blauen Auge davon. Sie verlor ein paar Territorien und formell wurde ihr Ehemann,  Franz Stephan von Lothringen, Kaiser, aber sie konnte de facto regieren.

Oder hätten die Prager lieber von einem Hohenzollern regiert werden sollen? 1757 hatte im Verlauf des Siebenjährigen Krieges der preußische König Friedrich II. Prag mit seiner Armee belagert und hätte die Stadt samt Böhmen Maria Theresia um ein Haar entrissen, wenn nicht die Niederlage gegen die Österreicher bei der Schlacht von Kolín einen Abzug der Truppen notwendig gemacht hätte. Aber ein preußisches Prag? Undenkbar! Dann ginge es ja heute hier zu wie in Berlin. Das wollte man vorausschauenderweise schon damals nicht. Deshalb lernte man vielleicht am Ende, Maria Theresia um so mehr zu lieben.

Und so hat vor einiger Zeit der Rat des Stadtteil Prag 6 beschlossen, den bekannten Bildhauer Jan Kovářík mit der Anfertigung einer Maria-Theresia-Statue zu beauftragen. Eine kleine, nunmehr Maria Theresia Park (Park Marie Terezie) genannte Grünlage wurde als Standort ausgewählt. Die Anlage entstand erst 2017 und befindet sich über einer neu eingerichteten Tiefgarage und einer Tunneleinfahrt. Richtig schön war der Park bisher nicht, vor allem, da an vielen Stellen Lüftungsschächte herausragen. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die große Statue den Park deutlich verschönert und attraktiver gemacht hat.

Warum ausgerechnet hier? Nun, der Park liegt an der Außenmauer der nach ihr benannten Marianischen Stadtbefestung (Mariánské hradby) des Burgbezirks – ein noch weitgehend erhaltenes Stück der großen Bastionen, die den Statdteil bis ins 19. Jahrhundert umgaben. Obwohl der Ort dadurch zum Denkmal historisch passte, gab es einige kleine Proteste. Denn „Habsburg“ ist immer noch ein Reizwort für manche Tschechen, selbst wenn es um die gute Maria Theresia geht. Kritiker erinnerten, dass auf dem Gelände dort einer der führenden tschechischen Widerstandskämpfer gegen die Nazis, Václav Morávek, 1942 bei einem Gefecht mit Gestapo-Schergen getötet worden war. Es gab Petitionen, statt die Kaiserin lieber ihn hier mit einer Statue zu ehren.

Der Rat schloss sich diesen Petitionen nicht an, zumal auf der anderen Straßenseite schon 2014 ein großes Denkmal zu seinen Ehren errichtet worden war. Und man sah auch vielleicht keinen Grund, die in Sachen Naziverbrechen ja definitiv historisch unbelastete Maria Theresia nun wieder abzuwerten. Sie eignete sich nicht, um gegen den mutigen Widerstand von Tschechen gegen die Nazis ausgespielt zu werden. Und deshalb wurde am 20. Oktober 2020 – dem 280 Jahrestag ihres Regierungsantritts – die Statue von den Stadtväter und -müttern feierlich eingeweiht. Die Statue selbst ist 5,50 Meter hoch und besteht außen aus einem optisch Beton ähnelnden Kunststein-Material. Der (nicht sichtbare) Kern ist aus Polystyrol angefertigt. Eine eingeprägte Inschrift nennt den Namen, die Lebensdaten und die Herrschafttitel (Erzherzogin Österreichs, Königin Ungarns und Böhmens – und korrekterweise nicht der inoffizielle Kaisertitel des Reiches).

Kovářík hat bei der Statue kein historisch korrektes Abbild der Kaiserin liefern wollen. Es handelt sich um eine abstrakte Darstellung der Form einer Frau im typischen höfischen Kostüm aus der Mitte des 18. Jahrhundert. Spötter verglichen sie in der Presse sogleich mit einer Schachfigur (šachová figurka). Aber objektiv kann man der Statue eine angemessene Eleganz schwerlich abstreiten. Und vereinzelt haben Historiker wohl schon darauf aufmerksam gemacht, dass die Schachmetapher gar nicht so schlecht zu der absolutistischen Idee von geostrategischer Machtpolitik in den Zeiten Maria Theresia, bei der Länder wie auf einem Schachbrett zwischen den Dynastien verschoben wurden, passt. (DD)

Die Geburt der Nationalhymne

Der Park Fidlovačka. Am Rande des Stadtteils Nusle. Wenig oder gar nichts deutet darauf hin, wie eng dieser Ort mit der tschechischen Nationalhymne verbunden ist. Aber hier befindet sich der fiktive Ort ihrer Geburt.

Nun, diese Nationalhymne war ursprünglich nur ein Lied aus der Theaterkomödie Fidlovačka aneb Žádný hněv a žádná rvačka (wörtlich: Fidlovačka, keine Wut und keine Schlägerei; im Deutschen aber meist als „Das Schusterfest“ übersetzt) des böhmischen Dramatikers Josef Kajetán Tyl, der sie 1834 erstmals im Ständetheater aufführen ließ (früherer Beitrag hier).

Fidlovačka (eigentlich die tschechische Bezeichnung für ein Werkzeug zur Lederpolitur) war die Bezeichnung für eine Wiesenaue am Ufer des Botič, auf der im 19. Jahrhundert das berüchtige Frühlingsfest der Schustergesellen stattfand. Dort strömten Anfang Mai Volkmassen aus ganz Prag herbei, um sich mal so richtig volllaufen zu lassen. Es muss dabei recht derb zugegangen sein. Der heutige Park bildet nur noch einen Teil des ursprünglichen Areals. Tyls leichte Komödie Fidlovačka, die sich um die Liebe des Müllers Jeník zur schönen Liduška dreht, deren böse Tante (am Ende vergeblich) eine andere Partie für sie will, spielt vor dem Hintergrund des Festes. Allerdings brachte der tschechisch-patriotisch gesonnene Tyl (seine Büste aus dem Nationaltheater sieht man oberhalb rechts) , der sich später auch an der 1848er Revolution in Prag beteiligte, ab und an kleine politische Spitzen ein. So ist der Mitbewerber um die Hand der schönen Liduška ein deutscher Baron Dudek, der kaum Tschechisch spricht und auch sonst überaus einfältig ist.

Der Höhepunkt ist jedoch ein Lied, das im Stück der blinde Geiger Mareš singt: Kde domov můj (Wo ist meine Heimat?) Vertont wurde es für das Stück von dem Komponisten ‎František Škroup (hier das Lied aus der Verfilmung des Stücks im Jahre 1930, gesungen von Otakar Mařák). Zusammen mit der Darstellung der Deutschen wurde das Stück zum patriotischen Fanal und das Lied, das die Heimat Böhmen besang, die inoffizielle Hymne all derjenigen, die der Fremdherrschaft der Habsburger kritisch gegenüber standen. Das Lied bewahrte seinen Platz in den Herzen der Tschechen (Beispiel hier).

Der Ort, wo der Geiger Mareš im Stück sein Lied singt, befindet sich direkt neben dem damaligen Wiesengelände der Fidlovačka. Es ist die Brauerei von Nusle (Nuselský pivovar). Die gab es schon seit 1694, als sie vom Grafen Jan Josef von Vrtby ins Leben gerufen wurde. Im Jahre 1897, als sie schon lange nicht mehr in gräflichem Besitz war, wurde sie in eine Aktienbrauerei umgewandelt. Ab da ging es aufwärts und bald war dies hier die größte Brauerei in ganz Mitteleuropa. Weder Tyl noch sein Mareš hätten die Braugaststätte, in der das Stück spielte, wiedererkannt. Mit ihren Schornsteinen war die Brauerei zur Industrieanlage geworden. Die wiederum ging in den Zeiten des Kommunismus (1960 wurde sie zur Mälzerei degradiert) vor die Hunde. Zur Zeit arbeiten Investoren an der Wiederbelebung dieses wunderschönen, aber leider auch heruntergekommenen Industriedenkmals.

Und dann ist da noch das Theater am Fidlovačka (Divadlo Na Fidlovačce) am anderen Ende des Parks, in dem heute primär Komödien und Musicals aufgeführt werden. Als es 1921 gegründet wurde, nannte man es Tyl-Theater, womit man einen klaren Bezug herstellte. Stücke von Tyl, darunter auch Fidlovačka, standen hier regelmäßig auf dem Programm. Es war das erste Theater, das in der neuen Tschechoslowakischen Republik eröffnete. Das (1998 nach kommunistscher Verwahrlosung teuer renovierte) Gebäude gehörte damals mit seiner funktionalistischen Architekur zu den avantgardistischsten der Stadt. Bürokratische Nichtigkeiten bei der Betriebsgenehmigung verhinderten 1921, dass das Theater zum dritten Gründungstag der Republik mit Tyls Stück eröffnet wurde. Es eröffnete erst 10 Tage später.

Zu diesem Zeitpunkt war Kde domov můj schon längst die Nationalhymne des nun von den Habsburgern unabhängigen Landes. (DD)

Der Hirschgraben – bald öffentlich

Die Prager Burg (Pražský hrad) wurde, wie man es von einer alten Wehranlage erwarten kann, an einer durch die natürlichen Gegebenheiten geschützten Stelle erbaut. Und so wurde sie dereinst von einer tiefen und steilen Schlucht an ihrer Nordseite vor feindlichen Kriegern verteidigt. Heute nennt man diese Schlucht Hirschgraben (Jelení příkop) und die Burg braucht hier gegen niemanden verteidigt zu werden. Sie ist nunmehr ein schöner Park.

In der Regierungszeit von Rudolf II., zu Beginn des 17. Jahrhunderts, war weit und breit keine Bedrohung der Burg in Sicht und so beschloss der König, aus dem Graben eine Art Park, Wildgehege und Jagdrevier zu machen. Damit verband er auch ein wenig die schon von Ferdinand I. auf der gegenüber liegenden Seite der Schlucht gelegenen Königsgärten organisch mit dem eigentlichen Burgareal.

Links und rechts des die Schlucht durchfließenden Bachs Brusnice ließ Rudolf Bäume anpflanzen. Nun hatte der König von der Burg oben eine schöne Aussicht auch eine schöne Landschafts-gartenanlage und von unten konnte er Burg und Veitsdom bestaunen wie bei einem Waldspaziergang (siehe großes Bild oben).

Unter Kaiserin Maria Theresia wurde im 18. Jahrhundert die hölzerne Brücke, die über den Garben zum Burgeingang führte, durch einen Stein- und Erdwall ersetzt, der die Schlucht in zwei Hälften teilte, weshalb der Bach unterirdisch verlegt wurde. Der Tunnel für den Bach, der inzwischen modernisiert wurde, dient auch als Fußgängertunnel, der die beiden Parkhälften verbindet. Maria Theresia hatte allerdings mit Schwierigkeiten zu kämpfen, was die Anerkennung ihrer Herrschaft (Frauen kriegten den Job normalerweise nicht) anging, worüber der Östereichische Erbfolgekrieg ausbrach. Die feindlichen Franzosen eroberten 1741 kurzfristig Prag und verwüsteten dabei auch den Hirschgraben. Mit besonderer Genugtuung schlachteten sie vor allem die Wildtiere ab.

Danach ging es aber wieder friedlicher zu. Der Hirschgraben blieb Teil der königlichen Parks an der Burg und beherbergte bald wieder Wildtiere. 1918 verschwand das Königtum und die Republik kam. Der erste Präsident, Tomáš Garrigue Masaryk, veränderte das Aussehen des Hirschgrabens tiefgehend. Der Geist der neuen Demokratie gebot es, dass der neue Burgherr Teile des Anwesens etwas mehr der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte. Durch seinen Hausarchitekten Josip Plečnik ließ er auf dem gegenüberliegendem Abhang ein rundes Aussichtspavillon (kleines Bild oberhalb rechts) erbauen.

Masaryks Amtszeit hinterließ auch sonst Spuren im Hirschgraben Aus dem Krieg in Russland nach 1920 zurückkehrende Legionäre schenkten ihm einige Bären. Für die wurde ein Gehege eingerichtet, wo ein Veteran sie hütete. Erst in den Zeiten des Kommunismus in den frühen 1950er Jahren wurde die Bärenhaltung, die inzwischen nicht mehr ganz den modernen Vorstellungen von Tierschutz entsprach, eingestellt. Das ein wenig an Bauten der Gotik erinnernde (nunmehr leere) Gehege ist aber noch immer zu besichtigen.

Und im Jahre 1925 stellten direkt gegenüber Schüler der Kunstschule Hořice eine von ihnen unter der Leitung des bekannten (und sehr republikanisch gesonnenen) Bildhauers Franta Úprka angefertigte Skultur unter dem Titel Nachtwächter (ponocný) auf, um damit Masaryks 75. Geburtstag zu würdigen. Der Präsident freute sich über das Geschenk seiner Bewunderer. Die Republik endete leider mit der Nazi-Besetzung 1939. Kurz bevor die deutschen Truppen abzogen, verübten sie am 8. Mai 1945 noch einmal ein Massaker hier im Hirschgraben, bei dem 21 Zivilisten (darunter Teilnehmer des Prager Aufstands) brutal ermordet und verstümmelt wurden.

Mit dem Abzug der Nazitruppen endete das Zeitalter des Totalitarismus nicht. Schon 1948 kamen die Kommunisten an die Macht. Der Garten blieb für das Publikum geschlossen. Aber auch in dieser wurden immer wieder interessante Skulpturen im Gelände aufgestellt. So etwa die Statue des Rübezahl (Tschech.: Krakonoš), die von der Bildhauerin Františka Stupecká im Jahre 1957 gestaltet wurde.

Nach der Samtenen Revolution von 1989, die den Kommunismus beendete, wollte der neue Präsident Václav Havel das Areal gänzlich für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Zumindest den unteren Teil der Anlage sperrte allerdings einer seiner Nachfolger, Miloš Zeman, aus Sicherheitsgründen (wegen einer angeblich erhöhten Terroismusgefahr) ab. Inzwischen lässt er aber größere Renovierungen durchführen, die den Hirschgraben in besserem Zustand als bisher für alle Menschen betretbar machen.

Bis dahin wird der Hirschgraben immerhin ein- bis zweimal im Jahr zu besonderen Feiertagen (die Photos stammen vom Tag des Kampfes für Freiheit und für die Demokratie am 17. November 2019) für die Öffentlichkeit geöffnet. Da der eigentliche untere Eingang in Sachen Verkehrssicherheit noch nicht hinreichend ausgestattet ist, kann man diese Besichtigung nur auf einer sehr abenteuerlichen Kletterpartie auf notdürftig hergerichteten Holztreppen und Leitern beginnen. Aber das ist die Sache wert! (DD)

Vor 70 Jahren: Milada Horákovás Hinrichtung

Heute vor genau 70 Jahren, am 27. Juni 1950, wurde im Gefängnis von Pancrác Milada Horáková nach einen perfiden stalinistischen Schauprozess hingerichtet. Die mutige Kämpferin für Freiheit und Frauenrechte war in der Zeit der Ersten Republik einer der Stützen der Demokratie im Lande gewesen. Von den Nazis wurde sie als Widerständlerin ins Konzentrationslager gesteckt. Nach ihrer Befreiung bekämpfte sie die Kommunisten, die mit ihrer Machtübernahme 1948 die die Demokratie abermals zerstören wollten. Die rächten sich an ihr, indem sie sie mit gefälschten Indizien für „Landesverrat“ an den Galgen brachten. Trotz Folter ließ sie sich beim Prozess – im Gegensatz zu vielen Mitangeklagten – nicht zu einer Selbstbezichtigung mit Huldigung der Kommunistenherrschaft bewegen, sondern beharrte auf ihren demokratischen Grundsätzen.

Milada Horáková ist für die Tschechen das Symbol für die Opfer des Kommunismus und den Heldenmut des Widerstands geworden. Nach kaum einer historischen Persönlichkeit sind so viele Straßen und Plätze benannt worden, für keine anti-kommunistische Widerstandskämpferin gibt es in Prag so viele Denkmäler (siehe u.a. frühere Beiträge hier und hier). Eines davon steht auf dem Heldenplatz (náměstí Hrdinů) im Stadtteil Pancrác – unweit des Gefängnisses, in dem sie ermordet wurde.

Das Denkmal wurde im Oktober 2009 enthüllt. Für die Aufstellung hatten viele Organisationen ehemaliger politischer Gefangener, Geschichts- und Gedenkvereine, darunter der Milada Horáková-Klub (Klub dr. Milady Horákové), gesammelt. Es wurde ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben und am Ende wurde das Denkmal für Milada Horáková und die Opfer des Kommunismus (so der ganze Titel des Werks) von den Bildhauern Ctibor Havelka, Milan Knobloch und Jan Bartoš und der Sockel vom Architekten Jiří Kantůrek realisiert.

Wie der Titel des Denkmals schon besagt, wird hier zwar Milada Horáková hervorgehoben, aber auch zugleich aller von den Kommunisten in der Tschechoslowakei hingerichteten politischen Gefangenen gedacht. Auf einer Tafel unterhalb des Sockels sind 234 Namen von Ermordeten verzeichnet. Schon bei der Einweihung wurde darauf hingewiesen, dass sich diese Liste wohl noch verlängern werde und die Entdeckung vergessener Opfer auch in Zukunft auf dem Denkmal Berücksichtigung finden werde.

Das ist ein Hinweis, dass die historische Erfassung der Opfer nicht immer so eindeutig erfolgen kann wie im Falle Horákovás selbst. Es gibt viele Grenzfälle. Sollen frühere Mittäter, die sich aber später gegen die Kommunisten wandten und ihr Opfer wurden, ebenbürtig neben Horáková geehrt werden? Das ist nur eine von vielen schwierigen Fragen.

Eine zusätzliche politische Wirrnis ergab sich kurz vor der Einweihung. Ausgerechnet die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens (Komunistická strana Čech a MoravyKSČM) wollte mit einer Geldspende für das Denkmal den Anschein erwecken, für die Schandtaten der Kommunisten von damals Abbitte leisten zu wollen. Da sich die tschechischen Kommunisten auch nach 1989 nie wirklich demokratisch reformiert hatten und bis heute noch über einen veritablen stalinistischen Flügel verfügen, erhob sich dagegen erheblicher Protest von Verfolgtenverbänden.

Aufgstellt wurde das Denkmal trotzdem. In der von soziaistischer Plattenarchitektur aus den 1970er Jahren geprägten Umgebung wirkt der Platz wie eine idyllische Friedensoase, in deren Mittelpunkt nun im Schatten großer Bäume auf einem leichten Hügel stehend das Denkmal steht. Auf einem schräg nach vorne ragenden kantigen Granitsockel befindet sich die bronzene Büste von Milada Horáková, die so den Platz überschauen kann. (DD)


Eine Oase der Ruhe – Garden Café Taussig

Das Café Taussig hilft – und zwar nicht nur Menschen mit einem Handicap, um Arbeit zu finden oder sich wieder ins Arbeitsleben einzufinden. Es hilft auch „gestressten“ Touristen, die die Vlasska an den dortigen Botschaften vorbei hinaufsteigen und angelockt von den Hinweisschildern Erfrischungen an einem bezaubernden Ort der Ruhe finden.

Das Cafe, das hoffentlich in Bälde nach der Corona-bedingten Schließung wieder öffnen wird, ist einem Haus und Wohnheim der Sozialen Dienste Prag 1 als Wintergarten angegliedert. Die Getränke und Speisen kann man bei Sonnenschein in den kleinen, bezaubernden Garten mitnehmen und seine Seele beim Blick auf die Burg in Ruhe baumeln lassen (großes Bild oben).

Das Angebot an Getränken, kleinen Speisen und Kuchen ist übersichtlich, aber qualitativ hochwertig. Alles wird liebevoll von Hand zubereitet, braucht aber seine Zeit, kostet aber den Gast auch wenig Geld. Hier handelt es sich um ein soziales Projekt, das, so informiert eine Infotafel, von den Ehepartnern der Diplomaten der umliegenden Botschaften (z.B. Deutschland, USA und Irland) gefördert wird. (LSD)