Kleines Schloss mit allem Drum und Dran

Je weiter man sich aus dem Zentrum Prags entfernt und in die ländlicheren Vororte kommt, um so mehr stößt man auf reizende kleine Landsitze und Schlösser. Schloss Dolní Počernice in dem gleichnamigen kleinen und noch sehr dörflichen Ortsteil ist ein Beispiel dafür.

Das Schlossgelände ist direkt an einem malerischen Stau- und Fischsee des kleinen Flüsschens Rokytka gelegen, das den Schlosspark angenehm mit Wasser speist. Von der Burg liest man das erste Mal in einer Chronik von 1401, wo von einer Vergrößerung die Rede ist. Die Burg selbst ist also schon älter, wohl aus dem frühen 13. Jahrhundert, was auch archäologische Forschungen neueren Datums bestätigten. Die Eigentümer – meist Kleinadlige und reiche Bürger aus Prag – wechselten häufig.

Dann, im Jahre 1562 gelangte die Burg in den Besitz des gerade gegen die Türken siegreichen Königs Ferdinand I., der sie aber umgehend glan einen Bürger namens Matěj Hůlek verkaufte, der zugleich auch geadelt wurde und nun Matěj Hůlek z Počernic hieß. Der baute erst einmal kräftig um. Der ganze östliche und mittlere Teil des Gebäudes wurde im Stil der Renaissance erneuert. Und so sieht der größte Teil des Gebäudes, dass sich nun von einer befestigten Burg in ein gut bewohnbares Schloss verwandelt hatte, heute noch vom Außenbild her aus.

Wieder gab es Besitzerwechsel. Die Angehörigen des Landadels wehrten sich meist gegen den Absolutismus und die religiöse Intoleranz der Habsburger im 17. Jahrhundert, was 1618 zum berühmten Böhmischen Ständeaufstand und dem Dreissigjährigen Krieg führte. Nach der Niederlage der Böhmen wurde das Eigentum der Verlierer enteignete, wodurch in den Reihen der Sieger bald enorm reiche Kriegsprofiteure befanden. Einer von ihnen, Jan Kapr z Kaprštejna (ein Richter, der sich selbst mit seinen Urteilen bereicherte) übernahm 1621 das und andere Schlösser der Umgebung. Da er neben der Neigung zur Raubjustiz auch noch seine Frau misshandelte, wurde er 1625 von ihr und ihrem Liebhaber umgebracht, worüber wir hier berichteten.

Es folgten nochmals Besitzerwechsel, bis 1664 die Familie der Grafen von Colloredo-Wallsee Schloss und Grund erwarben. Sie bauten den westlichen Teil ganz schick im Stil des Barock um, womit es im Grunde die heutige Gestalt bekam (siehe großes Bild oben). In der Zeit wurde auch der Garten verschönert (Gewächshäuser). Allerdings zog die Familie Colloredo-Wallsee 1769 wieder aus. Die nächsten bedeutenden Besitzer – nach einigen erneuten Wechseln – war dann 1856 die ungarische Familie der Freiherren Dercsényi de Dercsény, die bis 1923 blieben, als die Stadt das Gebäude übernahm. Die modernisierten in den Jahen 1856 bis 1866 das Gebäude unter der Leitung des Architekten Jan Bělský. Insbesondere fügten sie die große klassizistische Orangerie (kleines Bild oberhalb rechts), die heute (nach baulichen Modernisierungen) einen Kindergarten beherbergt.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt (kostel Nanebevzetí Panny Marie) von Dolní Počernice ist heute die katholische Gemeindekirche, aber eigentlich ist sie sichtbar ein Teil der Burganlage. Sie war um das Jahr 1200, als sie im romanischen Stil erbaut wurde, wohl die Privatkirche des Schlossherren. Sie wurde mehrfach umgebaut, erst im gotischen Stil, dann nach 1562 mit Renaissancefenstern versehen. Forschungen haben ergeben, dass der Kirchturm im Mittelalter ein Teil der Verteidigungsanlage der Burg war. Im 18. Jahrhundert gab es eine vorsichtige Barockisierung, von der die Statue des Heiligen Laurentius vor dem Turm noch Zeugnis gibt.

Um 1890 vergrößerte man sie noch ein wenig durch den Bau eines Oratoriums und baute sie in einem dem Original frei nachempfunden neo-romanischen Stil um. Bei Renovierungsarbeiten fand man 2004 eine Sensation, nämlich originale romanische Wandgemälde aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also der Urspungszeit von Burg und Kirche. Sie wurden 2010 bis 2014 von dem Maler und Restaurator Miroslav Koželuh wieder instandgesetzt. Die alten Bilder der Romanik passen irgendwie gut zu der Neoromanik, die das Gebäude seit 1890 optisch bestimmt.

Und wenn man schon einmal das schöne Schlossareal inspiziert, sollte man sich auch das am Fischteich gelegene Gebäude der ehemaligen Mühle anschauen, das 1862 unter der Familie Dercsényi de Dercsény erbaut wurde. Es ist ganz im Stile der englischen Neogotik gehalten. Die Mühle wurde stets verpachtet. 1953 wurde die letzte Pächterfamilie, Görner, von den Kommunisten vertrieben, die das Ganze in eine landwirtschaftlichen Staatsbetrieb verwandelten. Der Kommunismus ist gottlob passé. Heute befindet sich hier ein italienisches Restaurant. Das ist nicht der einzige kulininarische Erlebnisort hier. Aber über die Brauerei berichten wir später. (DD)

Ein Stück Gartenbaugeschichte

Er ist einer der schönsten Barockgärten Prag, der Černín Garten (Černínská zahrada). Seine Geschichte ist eng verwoben mit der des Palais Czernin (Černínský palác, wir berichteten darüber), dem heutigen Außenministerium, zu dem er gehört.

Palais und Garten sind in gewisser Weise ein Gesamtkunstwerk, nicht zuletzt, weil die Architekten des einen auch den anderen stets mitgestalteten. Schaut man von einem der oberen Stockwerke des (normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossenen) Palais auf den Garten hinab, erkennt man die symmetrische und formale Struktur des Barockgartens am besten, den Hermann Jakob Graf Czernin von Chudenitz im Jahre 1683 in Auftrag gab. Ausgeführt wurden die Anlage von Palais und Garten von dem Tessiner Architekten Francesco Caratti und zusätzlich kurz darauf von seinem Landsmann Domenico Rossi.

In einer weiteren Bauphase des Palais kam dann der böhmische Architekt Franz Maxmilián Kaňka zum Zuge, der in den Jahren 1718 bis 1722 den Garten mit einem gegenüber des Palais gelegenen Lustschloss optisch abschloss. Das spätbarocke Gebäude ist heute nur von außen zu besichtigen und dient ab und an als Tagungsraum für das Außenministerium. Der dadurch irgendwie erst vervollständigte Garten wurde allerdings während des Siebenjährigen Krieges 1757 von den Truppen Preußens, die Prag eingeschlossen hatten, durch Artilleriebeschuss arg verwüstet.

Als er danach wieder aufgebaut wurde, waren formale Barockgärten mit Pflanzen in Reih‘ und Glied völlig aus der Mode gekommen. Der Englsiche Landschaftsgarten, der der Natur nachempfunden sein solle, war en vogue. Eine entsprechende Umgestaltung erfuhr der Garten Anfang des 19. Jahrhunderts. Auch sie überlebte nur recht und schlecht die Zeitläufe, denn inzwischen musste die Grafenfamilie Czernin Palais und Garten aus finanziellen Gründen aufgeben und so wurde das Areal von 1851 an das Militär verkauft und somit ein Kasernengelände. Teile des Gartens wurden zerstört und durch militärische Nutzgebäude (Pferdeställe etc.) ersetzt.

Mit dem Beschluss von 1928, den Komplex zum Außenministerium der Tschechoslowakei zu machen, musste eine gründliche Neugestaltung erfolgen. Der Palais wurde, um ihn für seine neue Funktion tauglich zu machen, von dem kubistischen Architekten Pavel Janák umgebaut, der vor allem bei der Wiederherstellung des Garten noch seinen Kollegen Otto Fierlinger hinzuzog. Dabei wurde der Garten sogar noch ein Stück erweitert, was es ermöglichte, den beiden Stilepochen der Gartenbaukunst – dem Barock und dem Landschaftsgarten – gleichermaßen zu ihrem recht zu verhelfen.

Dass der Garten (wie auch der Palais) unter der Kommunistenherrschaft vernachlässigt und den Verfall ausgeliefert wurde, dürfte nicht wirklich überraschen. Und so war es auch…

Im Jahre 1989 endete die kommunistische Barbarei gottlob. Von 1994 bis 1997 wurde nun der Garten von den Architekten Zdeněk Kuna und Jaroslav Zdražil in Zusammenarbeit mit der Garteningenieurin Vítězslava Ondřejová wieder auf Vordermann gebracht. Die heutigen Besucher wissen es ihnen zu danken.

Und so sieht man wieder vor den Seitenfassade des Palais hin zum Lustschlösschen einen authentischen formalen Barockgarten, was historisch und künstlerisch stimmig ist. Dadurch endet die Hauptachse des durch Brunnen in ihrer Symmetrie optisch verstärkten Gartens genau unter der riesigen Herkules-Statue des Barockbildhauers Ignaz Franz Platzer, die sich in einem Torbogen auf dem ersten Stock in der Fassades des Palais befindet. Mit 1,72 Hektar ist der Garten eigentlich nicht riesig dimensioniert, aber dadurch wirkt er schon optisch recht kolossal!

Westlich davon – in dem später hinzugekommenen Areal – befindet sich der Teil, der an den Englischen Garten des 19. Jahrhunderts erinnert. Der beeindruckende alte Baumbestand erweckt ein wenig den Eindruck eines echten kleinen Waldes. Ein wenig wird der Garten so zu einer kleinen Lektion zur Geschichte der Gartenbaukunst. Im Sommer lässt es sich auf den Parkbänken im Englischen Garten schön im kühlen Schatten rasten und ausruhen. Obwohl dem Außenministerium gehörend, ist der gesamte Garten übrigens in den Sommermonaten (Juli-Oktober) kostenlos der Öffentlichkeit zugänglich.

Und noch ein kleines Schmuckstück hat uns das Ende des Kommunismus und der europäischen Teilung des Kalten Krieges erbracht. Am Rande des Englischen Gartens steht ein kleiner Grenzstein aus dem Jahre 1766. Der Markstein (mit einem böhmischen Löwen darauf!) markierte dereinst die böhmisch-bayerische Grenze. Nachdem der Eiserne Vorhang 1989 gefallen war, und die Menschen wieder die Grenzen frei und friedlich überqueren konnten, bekam in der neue Außenminister und frühere Dissident Jiří Dienstbier am 16. Oktober 1990 von deutscher Seite geschenkt. Seitdem steht er hier in Prag – als Symbol grenzüberschreitender Freiheit. (DD)

Gutshaus zum Einkehren

Eingerahmt von modernen Hochhäusern und vielbefahrenen Straßen, bietet sich das Gutshaus Kajetánka (usedlost Kajetánka) in der Radimova 2393/12 in Břevnov (Prag 6) als eine wahre Ruheoase an. Der idyllische kleine Bach Brusnice wird vor dem Gebäude zu einem Teich mit üppig bebaumter Insel aufgestaut. Am Hang daneben liegt ein kleiner Park. Das ist schon schön.

Dazu lädt im und vor dem Gutshaus heute ein Restaurant mit Sommergarten zum Verweilen ein. Es gibt gepflegte Küche und ebensolche Getränke. Auch in diesem übrigens sehr hundefreundlichen Areal kann man es sich richtig gut gehen lassen. Touristen sieht man in diesem versteckten Ort fast nie, sondern nur Einheimische.

Der kleine Park mit dem Gutshaus ist das, was von den dortigen Ländereien übrig ist, die um 1628 Maria Eusebia von Sternberg hier erwarb. Um das nun entstehende Landhaus im feinen barocken Stil wurde ein großer Weinberg angelegt. Das Haus behielt seinen Zweck als Weingut noch bis ins 19. Jahrhundert, wovon man leider heute nichts mehr sieht. Der Sohn und Erbe der Maria Eusebia, Bernard Borsita von Martinitz, ließ 1665 nur wenige Meter bachabwärts die Kapelle Unserer Lieben Frau Maria von Altöttingen (Kaple Panny Marie Altöttinské) bauen, über die wir bereits hier berichteten. Dann verschenkte er das ganze Anwesen an den Theatinerorden, der es bis zu den Kirchenreformen Kaiser Josephs II. im Jahre 1783, die mit der Säkularisation des Besitzes endeten.

Die Zeit unter den Theatinermönchen war aber ebenfalls eine des Aufschwungs. So wurde das Gutshaus im Jahre 1760 noch um eine Orangerie ergänzt. Das oberhalb des Gutes befindliche Gebäude ist im klassizistischen Stil gehalten. Es handelt sich um einen zweiflügeligen Bau mit einer Rotunde im Zentrum. Die Orangerie gehört heute nicht mehr zum Parkareal, weshalb man ihn nur von außen durch einen Zaun besichtigen kann. Dafür wurde extra eine kleine Stufenempore im Park aufgebaut.

Nach der Säkularisierung wechselte das Anwesen immer wieder die Besitzer. Es kam zu Aufteilungen des landes in kleine Parzellen. Gebäude verfielen (etwa die Kapelle) oder wurden zweckentfremdet. Der Orangerie fügte die Umwandlung in ein Wohngebäude im Jahre immerhin keine tiefer gehenden Schäden zu. Das Gutshaus wurde 1878 in eine Fabrik für gewachste Leinwände transformiert, die leider drei Jahre später durch ein Feuer arg verwüstet wurde. Nacheinander wurde es in ein Ausflugslokal und ein Wohnhaus umgewandelt. Ein geplanter Abriss konnte gerade noch durch den Denkmalschutzverein Klub Za starou Prahu (Verein für das Alte Prag) verhindert werden. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 wurde es ein Heim von deren Jugendorganisation Pioniere. Da nutzte auch nicht mehr, dass das Gutshaus 1963 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Schaden war da.

Dieser Bericht (Achtung: Mit Bild für starke Nerven!) zeigt, wie es hier einige Jahre nach dem Ende des Kommunismus aussah. Es musste etwas getan werden. 2010 hat die Gemeinde die Ärmel hochgekrempelt und das Gutshaus gründlich renoviert. Es ist nun schon ein kleines Schmuckstück und ein willkommenes Ziel für örtliche Ausflügler.

Man kann es sich im dann im Restaurant gemütlich machen oder im Park umherschlendern, wo noch ein kleiner Kulturgenuss wartet, nämlich die Statuen der antiken Göttin Ceres (Bild links) und des Gottes Hermes. Sie wurden in den Jahren 1936/36 von dem bekannten Bildhauer Vojtěch Sucharda, dem Bruder des ungleich bekannteren Bildhauers Stanislav Sucharda (wir berichteten u.a. hier und hier), geschaffen, und kamen 1997 als Spende des Sucharda-Museums der nordböhmischen Stadt Nová Paka hierher. Alles das macht die Kajezánka zu einem sehenswerten Geheimtipp. (DD)

Bildhauer des Sports

Das Areal am Moldauufer beim Stadtteil Libeň (Prag 9) war früher ein verfallenes und verlassenes Industriegebiet, das heute mit Luxuswohnungen und -büros heftig „gentrifiziert“ (also aufgewertet) wird. Nur am westlichen Teil, der Libeň Insel (Libeňský ostrov), sieht man noch zwischen kleinen Schrebergärten Spuren von Verfall. Umso erstaunter ist man, wenn man bei Spazieren plötzlich und unwerwartet vor einer Wiese mit vielen Skulpturen steht.

Wir befinden uns beim ehemaligen Bildhaueratelier Zdeněk Němeček (Sochařský ateliér Zdeňka Němečka), dessen Gelände heute so etwas wie ein Skulpturenpark ist. Er dient dem Andenken des Bildhauers Zdeněk Němeček, von dessen Werk man hier eine recht repräsentative Auswahl bewundern kann. Němeček hatte nicht nur ein profunde Töpferausbildung genossen, sondern hatte in den 1950er Jahren auch ein Studium an der Prager Akademie der Bildenden Künste unter anderem bei keinem Geringeren als Professor Jan Lauda absolviert. Der war in der Zeit der Ersten Republik zwischen den Weltkriegen einer der Begründer der modernen Bildhauerei im Lande und verfolgte zudem mit seiner Kunst immer auch soziale Anliegen. Und damit inspirierte er auch seinen Schüler.

Der bekannte sich aber darob klar und eindeutig zu den kommunistischen Machthabern, die 1948 die Tschechoslowakei übernahmen. Es war offenbar kein Opportunismus, sondern Überzeugung. Und tatsächlich gibt es eine Menge Werke von ihm, die klar der politisch-ideologischen Parteilinie dienten, darunter etliche Denkmäler für den von den Nazis ermordeten kommunistischen Schriftsteller Julius Fučík (über den wir u.a. hier berichteten), von denen übrigens das in (Ost-) Berlin eines der größten ist. Als im Herbst 1989 das Ende des Kommunismus nahte, empfand er das (aus für uns wohl schwer nachvollziehbaren Gründen) als eine menschliche Tragödie. Am 17. November 1989 – also jenem Tag, der heute als Tag der Freiheit und Demokratie ein nationaler Feiertag ist – begannen die großen Demonstrationen, die die Samtene Revolution und damit das Ende der roten Tyrannei einläuteten. Und am nächsten Tag beging Zdeněk Němeček Selbstmord. Ob politische Gründe alleine entscheidend waren, ist nicht klar, aber sie schienen eine Rolle gespielt zu haben. Zumindest verbirgt sich eine persönliche Tragödie dahinter. Vereinzelt gibt es den Verdacht, dass Němeček wegen seiner kommunistischen Überzeugungen hinterher nicht die posthume Anerkennung fand, die er als Künstler verdiente. So fehlt etwa sein Name in einem der Standardlexika zur bildenden Kunst in Tschechien. Andererseits sind in der Regel andere Künstler, die regimetreue Kunst machten, nie der damnatio memoriae anheimgefallen. Wer weiß? Jedenfalls ist seine völlig zurecht anerkannte Kunst nie aus dem öffentlichen Raum entfernt worden. Ich werde mich also nicht in Verschwörungstheorien ergehen. Wer weiß? Man kann sogar sagen, dass etliche seiner Skulpturen zeitlos populär blieben.

Das hat auch etwas mit seinem offenkundigen Lieblingsgenre in Sachen Bildhauerei zu tun. Die Darstellung von kommunistischen Heldfiguren wie Fučík machte realiter nur einen sehr kleinen Teil seines Oeuvres aus. Seine Leib- und Magenspezialität war das Thema Sport bzw. Sportler in allen Arten und Ausführungen, das er mit viel Lebensnähe, Witz und auch ohne allzu plumpen sozialistischen Körperkult behandelte. Im Kontext des stalinistischen Kunstverständnisses hätte sich das meiste davon als ausgesprochener Fremdkörper ausgenommen.

Das bekannteste Werk dieser Art sehen wir im großen Bild oben, die Skulptur Kouzelník s míčem (Ein Zauberer mit Ball), die er 1983 für den Vorplatz des Stadions von Hradec Králové schuf. Wir stellten bereits hier seine Statue eines Basketballspielers vor der Sporthalle Folimanka (Sportovní hala Folimanka) vor. Kaum weniger bekannt ist seine schon sehr viel mehr abstrahierende Skulptur Cyklisti (Radfahrer), die (wie wir im Bild oberhalb links erkennen) ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zu zeigen scheint. Oder auch die nur als Torsos erkennbaren Läufer im Bild links unter dem Titel Zvítězím (Ich werde gewinnen), die der Künstler 1973 kreierte. Und nicht zu vergessen die Olympijská lípa v Libni (Olympische Linde von Libeň) aus dem Jahre 1966, eine baumförmige Metallskulptur, die wir im Bild oberhalb rechts sehen.

Ein ähnliches Thema hat er vier Jahre später, im Jahre 1977, mit seiner Skulpturengruppe Závod (Das Rennen) noch einmal aufgenommen. Im Titel steht schon weniger individueller Siegeswille im Mittelpunkt wie bei Zvítězím. Vielleicht ist das der Grund, warum die nunmehr drei (nicht vier, wie im anderen Werk) mit weniger eckigen Formen gestaltete wurde.

Warum findet man den Skulpturenpark hier in Libeň? Nun, der Künstler hatte hier von seinem Lehrer Jan Lauda nach dessen Tod im Jahr 1959 dessen Atelier übernommen, das sich heute am Rande deeses Parks befindet, auf dem wiederum heute eben eine Auswahl von Němečeks Werken zu sehen ist.

Wie etwa – um noch ein Beispiel zu präsentieren – die seltsame Bodenturnerin, die sehr abstrakt gestaltet nur ein Bein zu haben scheint (Bild links). Genaueres habe ich aber nicht herausfinden können. Es fehlen in der Regel Informationsschilder; wie das Ganze sowieso etwas spontan improvisiert aussieht (was irgendwie auch seinen Charme ausmacht).

Heute residieren in dem Atelier übrigens die Designstudios Olgoj Chorchoj. Dahinter verbirgt sich eine Gruppe von Kunsthandwerkern und Designern, die sich um keinen Geringeren als den Bildhauer Jan Němeček geschart hat – dem Sohn von Zdeněk Němeček. Der hat nach dem Zusammenbruch des Kommunismus neue Standards in der Designkultur des Landes gesetzt und wurde unter anderem mit seinen Designs für Gläser der Biermarke Pilsner Urquell 2006 weltbekannt. Das Kunsttalent liegt also in der Familie. Und dieses Familienerbe pflegt der Sohn mit dem seinem Vater, dem großen Bildhauer des Sports, gewidmeten Skulpturenpark. (DD)

Schloss mit Mordgeschichte

In den Außenbezirken Prag gibt es eine schier unendliche Zahl von kleinen Burg- und Schlossanlagen. Sie liegen fast samt und sonders außerhalb der großen Touristenströme, die meist nur den Hradčany (Burgbezirk) oberhalb der Kleinseite erreichen. Für die Einheimischen sind sie aber beliebte Ausflugsziele – allen voran Schloss Chvaly (Chvalský zámek) im heutigen Stadtteil Horní Počernice (Prag 20)

Eigentlich handelt es sich sogar um einen alten und sehr pittoresken Ortskern, dessen Zentrum die Burg bildet. Der Ort Chvaly existiert wohl schon seit dem 11. Jahrhundert. Eine Urkunde aus der Zeit des böhmischen Herzogs Soběslav I. weist es 1130 als Kirchenbesitz des Kapitels Vyšehrad aus. Die Burg gibt es aber erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, was man ersten schriftlichen Erwähnungen in Chroniken von 1428 entnehmen konnte. Die Burg gehörte nacheinander verschiedenen adligen Bürgern Prags. Vom Unglück verfolgt war Ritter Jiří Vtelenský z Vtelno, der Burg und Gut 1615 erwarb, weil er sich an dem Ständeaustand 1618 beteiligt hatte, der sich gegen die absolutistischen Bestrebungen und die Abschaffung religiöser Toleranz durch die Habsburger wendete. Nach der Niederlage des Aufstands 1620 wurde sein Besitz konfisziert.

Einige Eigentümerwechsel weiter, im Jahre 1652, fiel der Besitz in die Hände der Jesuiten, die wiederum nach einem Brand die im Kern noch recht finster mittelalterliche Burg in ein modernes Barockschloss umwandelten – so wie wir es im Großen und Ganzen heute noch sehen können. Zudem bauten sie als integralen Bestandteil des Schlosses eine Kapelle an, die der Heiligen Anna gewidmet war. Der Jesuitenorden wurde 1773 von Papst Clemens XIV. aufgelöst und so kam das Schloss in den Besitz eines gemeinnützigen Studienfonds, der hier bis 1848 residierte. In dieser Zeit (genauer: 1793/94) wurde die Kapelle umgebaut und vergrößert. Sie diente nun unter dem Namen Kirche der Heiligen Ludmilla als reine Gemeindekirche und gehört heute der Katholischen Kirchengemeinde des Ortes. 1825 wurde sie nochmals im neoromanischen Stil umgebaut, der heute ihren äußeren Eindruck prägt.

Was das Schloss anging, so gab es abermals eine Folge von Besitzerwechseln, die dem Gebäude nicht gut bekamen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde gar der südliche Flügel des Schlosses abgerissen. Die Substanz war in Gefahr. 1918 wurde deshalb das Schloss samt unmittelbarer Umgebung in Staatseigentum der neu gegründeten Tschechoslowakei überführt und vermietet. Der Verfall wurde dadurch allenfalls verlangsamt. Aber auch das endete 1951 mit dem Kommunismus. Das Ganze wurde nun in enen landwirtschaftlichen Staatsbetrieb überführt, was am Ende zur völligen Verwahrlosung und Zweckentfremdung führte. Gottlob verschwand der Kommunismus 1989 und man konnte sich endlich richtige Gedanken über eine angemessene Nutzung machen.

Seit 1993 befindet sich das Schloss nunmehr im Besitz der Stadt Prag bzw. seit einiger Zeit im Besitz des Stadtteils Horní Počernice. Nun plante man, das Schloss zu renovieren und einem Zwecks zuzführen, der seinem kulturellen und historischen Rang entsprach. Bis 2008 dauerten die Arbeiten, die zum Teil aus EU-Mittel finanziert wurden. Sie bezoegn die ganze Umgebung mit ein, denn das ummauerte Areal umfasst noch etliche barocke Wirtschaftsgebäude des Schlosses und einen um eine große Dorfplatzanlage gelegenen Ortskern mit alter Bausubstanz. Die Entwickler sahen hier das Potential für ein großes gehobenen Freizeit- und Kulturzentrum.

In einem der Wirtschaftsgebäude (kleines Bild links) befindet sich jetzt eine Kunstgalerie mit interessanten Wechsel-Ausstellungen. Auf dem Platz gibt es moderne Skulpturen, aber auch einen Kinderspielplatz. Mehrere Restaurants in historischen Gebäuden säumen den Dorfplatz. Alles ist in blitzblankem Zustand. Alles ist herrlich für Familienausflüge geeignet.

Das gilt auch für das Schloss selbst. Das enthält neben dem barocken Hochzeitssaal auch ein kleines Museum, das spielrisch und didaktisch stark auf Kinder als Publikum ausgerichtet ist, was aber keinesfalls Erwachsene abschrecken sollte. Dort kann man auch noch ein wenig zur Baugeschichte sehehn. Im ersten Augenblick denkt man im Keller, hier hätte sich damals ein Kerker befunden. Richtig düster, kalt und eng sieht es in dem finsteren Verließ aus. Stimmt aber nicht. Im Schloss gab es nie ein Gefängnis und in Wirklichkeit handelt es sich um eine Kühlkammer, wo man (der Kühlschrank war ja noch nicht erfunden) in der frühen Neuzeit im Winter gesammeltes Eis über den Sommer aufbewahren konnte.

Aber eigentlich geht es im Museum um Ortsgeschichte und um große Persönlichkkeiten, die Chvaly hervorgebracht hat. Dazu gehört unter anderem die Malerin und Graphikerin Ludmila Jiřincová. Den Tschechen noch bekannte dürfte der Trickfilmzeichner Zdeněk Smetana sein, der mit dazu beitrug, dass Tschechien in diesem Genre qualitativ so führend wurde. Dabei lernt man auch, das Smetana in den frühen 1960er Jahren Folgen der amerikanischen Kultserie Tom and Jerry in Prag gezeichnet hatte. Wer weiß heute noch, dass die amerikanischen Kapitalisten die Produktion ihren Serie aus Geldgründen outsourcten und die tschechoslowakischen Kommunisten – auch aus Geldgründen – diesen Job gerne übernahmen? Man lernt nie aus…. Im Museum von Schloss Chvaly kann man in einem kleinen Kino aber einen ur-tschechischen Trickfilm mit den von ihm geschaffenen Kobolden Křemílek und Vochomůrka (dt.: Fliegenpilz und Kasimir) bewundern.

Auch die Lokalgeschichte des Schlosses bietet Interessantes, wenn nicht gar Dramatisches, das didaktisch hübsch durch Comics-Wandtafeln präsentiert wird. Hier sieht man eine gruselige Mordgeschichte, die sich nach der oben erwähnten Enteignung des Ritter Jiří Vtelensk wegen seiner Beteiligung am Ständeaufstand 1618 abspielte. Einer der Justizräte, die die Prozesse gegen die Aufständischen leiteten, war ein gewisser Jan Daniel Kapr z Kaprštejn, der sich wie viele der Parteigänger der Habsburger hemmungslos am Besitz der Besiegten bereicherte. 1622 war er – nicht überraschend! – auf einmal zum Eigner von Schloss Chvaly geworden.

Lange konnte er die Früchte seiner Gier aber nicht genießen. Er behandelte seine Frau Anna, die ihn gegen ihren Willen heiraten musste, wohl recht schlecht. Zusammen mit ihrem eigentlichen Geliebten, dem Ritter Adam Zapský ze Zap, lauerte sie im November 1625 in einem nahegelegenen Wald dem bösen Ehemann auf, dessen Leben nun durch eine Kugel beendet wurde. Anna und Adam konnten ihr Liebesglück aber nicht lange genießen. Sie wurden schnell gefasst und zum Tode verurteilt. 1626 enthauptete der Scharfrichter Jan Mydlář , der schon 1621 die Hauptaufständischen hingerichtet hatte (wir berichteten hier), die beiden – erst sie, dann ihn. Diese schauerliche Geschichte (die eigentlich verfilmt werden könnte) wollte ich an dieser Stelle niemandem vorenthalten…

Ja, auch außerhalb des Zentrums kann Prag spannend sein. Ein Besuch von Schloss Chvaly bietet jedenfalls alles, was man sich für einen kleinen Wochenendausflug in der Umgebung Prags nur so wünschen kann, vor allem spannende Geschichten. (DD).

Bier im Bischofspalast

Gute Bildungsbürger sollten sich das Gebäude des Vojanův Dvůr (Vojan Hof) natürlich wegen seiner stadtgeschichtlichen Bedeutung für Prag anschauen. Es spricht dabei aber nichts dagegen, dort in der kleinen Brauereigaststätte gleichen Namens einzukehren und selbige näher zu inspizieren.

Der Name täuscht. Das Gebäude an der U Lužického semináře 119/21 auf der Kleinseite wurde zwar – genau wie der sich anschließende Vojan Park (Vojanovy sady) im 20. Jahrhundert nach dem Schauspieler Eduard Vojan benannt (früherer Bericht hier), der in der Gegend wohnte, aber es verdankt ihm keineswegs seinen Ursprung. Erstmals wurde das Gebäude 1248 erwähnt. Da war es nämlich der Palast oder Hof des Bischofs von Prag. Damals war das Nikolaus von Újezd, der sich vor allem durch den Ausbau der Prager Burg hervorgetan hatte. Als im 14. Jahrhundert die Prager Bischöfe zu Erzbischöfen aufstiegen, blieben sie weiterhin hier. Erst im 17. Jahrhundert zog es die Erzbischöfe in ein neues Domizil in die Altstadt. Der Hof fiel in den Besitz eines Klosters des Ordens der Karmelitinnen. Erst in den 1920er Jarhen wurde das Areal säkularisiert.

Entscheidend ist jedoch das Jahr 2018. Da eröffnet die Brauereigaststätte ihre Pforten. Die ist enorm beliebt bei den Unmengen von Touristen (aber auch eine nicht zu unterschätzende Zahl Einheimischer), die sich hier vorbeidrängen und im Sommer vor allem den Biergarten lieben. Ja, und obwohl das Vojanův dvůr mitten in einem touristischen Hotspot residiert, bekommt man für sein Geld hier reelle Qualität. Es handelt sich gewiss um eines der Top-Braulokale Prags.

Das liegt daran, dass die Betreiber schon wussten, wie man Qualität und Massentourismus verbinden kann. Schon 2014 hatten sie mitten im Gewühl der Altstad auf der anderen Moldauseite die Braugaststätte U tří růží (Bei den Drei Rosen) in der immer belebten Husova 10/232 (wir berichteten hier) gegründet und dort gezeigt, was sie konnten. Beide Lokale teilen sich Profi-Braumeister Tomáš Tuchyňa, der in beiden Brauereien durchaus für ein unterschiedliches Bierangebot sorgt – und zwar mit höchsten Qualitätsansprüchen. Hier sieht man das milde Halbdunkle (rechts) und das rötliche Rubín, ein leicht hopfiges Lagerbier.

Die Brauanlage kann man übrigens auf Anfrage besichtigen. Um das Trinken leichter zu machen, sollte man sich auch etwas zu Essen gönnen. Wie im U Tří růží bekommt man auch hier, was man von einer böhmischen Gaststätte so erwartet – deftige Küche mit Knödeln, Fleisch und was dazugehört. Uns schien die Zubereitung sogar ein wenig hochwertiger als im Schwesterlokal drüben auf der anderen Flussseite.

Nicht nur demjenigen, der wissen will, wie Bier in einem alten Bischofssitz schmeckt, sei diese Gaststätte empfohlen. (DD)

Park für glückliche Familien

Der Stadtteil Košíře (Prag 5) liegt außerhalb des Stadtzentrum im Westen Prags, wo es etliche schöne Landschaftsgärten (zum Beispiel den Cibulka Park, den wir schon hier vorstellten) zu bewundern gibt. So auch den Klamovka Park.

Der wurde ab 1752 auf dem Gelände eines Weinbergs angelegt, dessen Ursprünge sich bis in die Zeiten Kaiser Karls IV. zurückverfolgen ließen. Nun leistete sich auf dem Areal die österreichisch-böhmische Adelsfamilie Clam-Gallas ein ländliches Anwesen (natürlich hatte man auch einen Stadtpalast im Zentrum Prags). Dessen Kern war ein großes Landhaus oder Palais, das 1757 fertiggestellt wurde, nach dem man heute allerdings vergebens Ausschau hält. Ende des 19. Jahrhunderts gab die Familie ihren Besitz auf und im Jahre 1895 kaufte die Gemeinde Košíře (die erst seit 1921 zu Prag gehört) Landhaus und Park auf und wandelte das Ganze zu einem öffentlichen Park im Dienste der Naherholung um.

Das Landhaus wurde zum Restaurant – ab 1904 mit Tanzsaal und Kino – umgewandelt. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es an den Turnerbund Sokol über, der in den 1930er Jahren das Gebäude kurzerhand abriss und eine Sokol-Sporthalle dort errichtete. Die steht immer noch da und beherbergt eine von Pragern gerne besuchte Kneipe mit großem Biergarten. Der war in den 1970er Jahren übrigens ein beliebter Treff für Dissidenten, die von der damaligen kommunistischen Tyrannei die Nase voll hatten.

Der Park selbst ist im englischen Stil gehalten, ein Trend der 1752 sich überall in Europa durchzusetzen begann. Es handelt sich also um einen nicht-formalen Landschaftsgarten. Weite Wiesen wechseln sich mit zum Teil recht dichtem Wald ab. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Garten Dank seines Direktors, dem Gartenbauunternehmer und Botaniker Josef Blecha, seine große Zeit. Für die Öffentlichkeit organiserte er immer wieder große Blumenschauen. Während das Landhaus abgerissen wurde, ist das Erbe der Familie Clam-Gallas im Park noch gut sichtbar, denn über Jahrzehnte schmückte Generation für Generation den Garten weiter aus.

Man sieht das vor allem an den verbliebene Gebäuden und Denkmäler, die sich verstreut im Park befinden. Es gibt noch etliche Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Zeit als der Garten ursprünglich angelegt wurde. Das gehört das hübsche Barockhaus (in dem sich heute ein kleines Jugendzentrum befindet) für das Personal und die Gartenverwaltung am östlichen Rande des Parks. Die Leute hatten hier etwas zu tun, denn die Familie Clam-Gallas hielt sich im Garten unter anderem Wölfe und Bären.

Zwei weitere Gebäuden stammen ebenfalls noch aus dem 18. Jahrhundert. Da ist zum einen der berühmte Nachttempel. Es handelt sich um einen Rundtempel im römisch-antiken Stil mit einem vorgesetzten kleinen Portikus. Auf den ersten Blick sieht er ein wenig wie ein Mausoleum aus, was aber nicht der Fall ist. Darinnen wurde definitiv kein Mitglied der Familie Clam-Gallas begraben.

Von innen sieht man anscheinend (leider ist der Tempel für Besucher geschlossen) kleine verglaste Öffnungen in der Decke, die tagsüber im dunklen Innenraum den Eindruck eines Sternenhimmels vortäuschen. In jedem Fall ist es ein originelles Gebäude, das thematisch schlüssig gestaltet wirkt.

Etwas darüber befindet sich ein kleines und zweiflügeliges gläsernes Gewächshaus mit einem Mittelbau im feinsten Rokokostil, das wohl etwas später, aber noch im selben Jahrhundert erbaut wurde. Heute befindet sich in diesem sehr zierlichen Gebäude ein kleines Künstleratelier. Womit wir schon im 19. Jahrhundert angekommen sind. Der putzige neogotische Altan im großen Bild oben entstand im Jahre 1820. Das winzige Gebäude am Parkeingang, das im romantischen Windsorstil gehalten ist, beherbergt heute die Galerie Altán Klamovka, einen Verbund unabhängiger Kunstgallerien.

Die noch sichtbaren Skulpturen im Park entstanden meist später. Etwa das noch in einem späteren Beitrag zu erwähnende Denkmal für das Pferd Cassel, das um 1838 auf Wunsch von Eduard Graf Clam-Gallas entstand. Die Clam-Gallas‘ setzten ihren Tieren gerne Denkmäler. Leider ist das Steinportrait des Paradiesvogels seiner Frau Clotilde ebenso verschwunden wie das Denkmal für einen großen Hund, der wohl einem Mitglied der Familie das Leben gerettet hat. Was man noch sieht, ist eine Statuengruppe aus kommunistischer Zeit. Die glückliche, weil in realsozialistischen Zeiten lebende Familie (Rodina), die auf einem Betonsockel thront, ist das Werk des Bildhauers Karel Velický und entstand im Jahre 1960. Auch ohne Sozialismus sieht man an schönen Sonnentagen hier immer tatsächlich hier viele glückliche reale Familien, die den Park als eines der schönesten Ausflugsziele und zum Picknicken schätzen. (DD)

Ältester Park

Franz Kafka liebte ihn und suchte hier ab und an seine Inspiration, heißt es. Die Rede ist vom Chotek Park (Chotkovy sady), dem ersten öffentlichen Park in ganz Prag, der zugleich grandiose Aussichten auf Stadt und Burg bietet.

Seine Lage hoch über der Stadt, ganze nahe beim Burgberg und direkt unter dem vielleicht schönsten Renaissancepalast Prags, dem berühmten Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny), macht es dem Besucher leicht zu verstehen, wieso dies ein Ort der Inspiration sein kann. Und dann kommt noch der schöne alte Baumbestand hinzu! Dass der so alt ist, liegt eben daran, dass der Chotek Park eben schon so lange hier existiert.

Im Jahre 1832 wurde er noch als „Volksgarten“ angelegt und eröffnet, aber schon im Jahr 1841 nach dem Mann umbenannt, der seinen Aufbau veranlasst hatte: Graf Karl Chotek von Chotkow, der als königlicher Oberstburggraf zwar eigentlich für die Festungsanlagen der Stadt zuständig war, aber darüber hinaus als großer Förderer und Mäzen der Prager Infrastruktur auftrat. Den Park ließ er von dem Gartenarchitekten Josef Fuchs entwerfen, dessen Pläne dann vom Landschaftsgärtner Jiří Baul umgesetzt wurden.

Der Park wurde als englischer Garten (also ein Landschaftsgarten, der nicht dem barocken Modell des formalen Gartens folgt) konzipiert und sollte zugleich als eine Art botanischer Park fungieren. Heute gibt es hier 55 verschiedene Baumarten! Der Gartenarchitekt František Thomayer fügte um 1887 bis 1890 im Zentrum des Parks eine neoromantische Felsenlandschaft mit kleinem künstliche Wasserlauf, die besonders malerisch aussieht. Ihren optischen Abschluss erreichte sie aber 1913 durch die Errichtung des Denkmals für den Schriftsteller Julius Zeyer seit 1913, über das wir bereits hier berichteten, und das das Aussehen eines großen Felsens mit Höhle hat.

Und wenn man gerade beim Thema Skulpturen ist: Am Rande des zentralen Rasens steht die Stahlkonstruktion Nike 89. Nike war die griechische Göttin des Sieges und hier geht es natürlich um den Sieg der Demokratie über den Kommunismus, wie sie 1989 geschaft. Die Skulptur ist ein Werk des Bildhauers und Malers Pavel Krbálek, der nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in die Schweiz floh. Aus Freude über die neugewonnene Freiheit stellte er das Original der Nike 89 im Open Air Museum im japanischen Hakone aus, wo sie sogar einen Wettbwerb für abstrakte Statuen gewann. 2002 enthüllte er eine Replik in seiner neuen Heimat Luzern und 2003 diese hier im Chotek Park, wo sie die Tschechen daran erinnert, was sie 1989 an Großartigem gewonnen haben – ihre Freiheit!

Zu erwähnen ist noch die hübsche kleine Brücke, die über die nahe Autostraße zum nächsten Park führt, dem Letná Park (Letenské sady) . Sie wurde 1998 gebaut anstelle einer früheren Brücke aus den 1960er Jahren. Wichtiger ist jedoch die schöne Aussicht, die man am südöstlichen Rand des Parks genießen kann, der über einem steilen Abhang angelegt wurde. Schaut man geradeaus hinunter sieht man die Kleinseite und die Altstadt mit dem Flusslauf der Moldau dazwischen – samt den schönen Brücken der Stadt. Dreht man den Kopf dann etwas rechts, sieht (großes Bild oben) man die Burg auf gleicher Höher in all ihrer Pracht. (DD)

Die Spende des Ritters

Er war ein Mäzen, wie es sie im wirtschaftlich aufstrebenden Prag des späten 19. Jahrhunderts häufig gab, und die viel zu dem schönen Stadtbild beitrugen, das wir heute so bewundern: Eduard Ritter von Daubek. Er spendete 1894 der Stadt Smíchov (erst seit 1922 Teil Prags) die schöne Parkanlage des Felsengarten (Sady Na Skalce).

Sein Geschlecht, das erst 1879 in den Ritterstand erhoben wurde, besaß seit 1813 den benachbarten Park Santoška samt eines dazu passenden Landhauses als privates Anwesen. 1890 ließ er das heutige Areal des Felsengartens von dem damals international bekannten Landschaftsgärtner František Thomayer zu einer 2,2 Hektar großen Parkanlage umgestalten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatte sich hier einer der vielen Weinberge der Stadt befunden; später betrieb man hier einen Steinbruch für den Quarzitabbau. Die pittoreske Felsszenerie, die dabei entstand, band Thomayer geschickt in die Gestaltung des Gartens ein, was am Ende dann dem Park seinen Namen gab. Als der Felsengarten 1894 fertiggestellt war, schenkte ihn Ritter von Daubek der Öffentlichkeit, die ihn seither gerne für die Zwecke der Naherholung nutzt.

Steil hinauf führt der Weg durch den schmalen, aber rund 300 Meter langen Park von der Straße Ostrovského unten zur Bieblova oben. Umgeben ist der Park von schönen bürgerlichen Wohnhäusern des 19. Jahrhunderts. Auf dem höchsten Punkt ließ Ritter Daubek einen zierlichen gusseisernen Pavillon aufbauen. Von hier aus kann man einen grandiosen Ausblick über Prag genießen.

Der Pavillon thront direkt über den steilen Felsenabhängen des ehemaligen Steinbruchs, vor dem sich wiederum ein Teich mit Inseln befindet. In der Felswand befindet sich auch der Eingang zu einer Grotte, die aber leider nicht für die Öffentlichkeit betretbar ist. Gerüchte besagen, dass sich unter dem Park hier auch noch einige alte Bunker befinden, aber das scheint eben doch nur ein Gerücht zu sein. Kein Gerücht, sondern Realität ist, dass tief unter dem Park und den Felsen der 2004 erbaute Mrázovka Tunnel hindurchführt, der die Last des Verkehrs von Smíchovs Innenstadt fernhält. Aber davon sieht man naturgemäß im Park nichts.

Neben dem Teich steht übrigens ein Obelisk, der dem guten Ritter von Daubek gewidmet ist (großes Bild oben), und dessen kleine Gedenktafel darauf erinnert, dass er der Stadt diesen Park gestiftet hat. Weiter unten, auf halber Höhe, steht ein anderes Denkmal, nämlich das Denkmal für die jungen Freiheitskämpfer (Pomník mladým bojovníkům za svobodu), das 1967 von der Bildhauerin Taťána Konstantinová angefertigt wurde. Er sollte den „anti-faschistischen“ Geist der Jugend wiederspiegeln, den es in kommunistischen Zeiten wachzuhalten galt. Das war damals zwar irgendwie arg systemkonform (was bei den Werken der Künsterin häufiger vorkam; siehe hier) und der Freiheitspathos hatte unter den Kommunisten gewiss etwas Verlogenes, aber auch nicht so schlimm, dass man das Denkmal nach 1989 abtragen wollte.

Um die Jahrtausendwende wurde der Park durch den Gartenarchitekten Jan Šteflíček gründlich renoviert. In dieser Zeit befand sich in der Nähe das Zentrum eines Hilfsvereins für Drogenabhängige Sananim. Dessen löbliches Anliegen führte eine zeitlang dazu, das der Park voller Drogensüchtiger war und andere Bürger ihn mieden. Inzwischen ist der Verein aber umgezogen.

Nach einer neuerlichen, von der Stadtteilregierung durchgeführten, Renovierung ist der familienfreundliche (Kinderspielplatz!) gestaltete Park ein kleines Naherholungsjuwel für die Bürger Smíchovs geworden. Das war es ja auch, was der alte Ritter gewollt hatte. (DD)

Park mit Landgut

Am Anfang standen Weinberge, die Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert anlegen ließ. 1654 wurde auf der Höhe ein großes Gehöft im barocken Stil errichtet. Damit war die Grundlage für eine der schönsten Parkanlagen in Prag geschaffen, dem Park Santoška in Smíchov (Prag 5).

Im Jahre 1719 schenkte Prinz Adam Franz Karl von Schwarzenberg, der Oberstallmeister Kaiser Karls VI. (von dem er 1732 irrtümlich bei einer Jagd erschossen wurde), das Gehöft samt Ländereien seinem Rechtsconsulenten Dr. Franz Wilhelm Sonntag zum Dank für verschiedene juristische Verdienste, wozu unter anderem ein Rechtsgutachten gehörte, das zur Heiligsprechung des böhmischen Nationalheiligen Nepomuk führte. Unter Sonntag wurde auf dem Gelände ein Landschaftsgarten angelegt, der hübsch mit Skulpturen des berühmten böhmischen Barockbildhauers Ignaz Franz Platzer ausgestattet war, von denen auf dem Areal nur noch die Statue der Göttin Flora (Bild oberhalb links) übrig ist.

Nach seinem Besitzer Sonntag hieß das Gut ursprünglich Sontoška, was sich über die Zeit zu Santoška abschliff. Der Park ist an einen steilen Hang gebaut. Tritt man unten von der Straße Na Václavske durch das ebenfalls mit Statuen (Putten) von Platzer geschmückten Toreingang in den Park, muss man zur obersten Punkt bei der Straße Nad Santoškou einen Höhenunterschied von 200 Meter zu 266 Metern über dem Meeresspiegel überwinden. Mit 5,64 Hektar bietet der Park reichlich Auslauffläche für Mensch und Hund.

Besonders im Sommer dürfte man den schönen, sehr alten und daher sehr üppigen Baumbestand zu schätzen wissen. Zugleich galt der Park früher auch als Wasserressource. Für das Jahr 1768 ist überliefert, dass die nahegelegene Apotheke U černého orla (Zum Schwarzen Adler) in der Kleinseite das hiesige Quellwasser teuer als Heilwasser in Fläschchen verkaufte.

1813 ging das Areal an die 1879 in den Ritterstand erhobene Familie Daubek. Die ließ das alte barocke Gehöft 1868 abreißen und durch die heute hier befindliche neogotische Villa (siehe großes Bild oben) ersetzen, die heute gemeinhin Landgut Santoška (usedlost Santoška) genannt wird. Das Familienwappen der Ritter von Daubek ist noch oben auf der Fassade sichtbar. Insbesondere Eduard Ritter von Daubek machte sich um den Park und seine Pflege verdient. 1890 erweiterte er ihn um den nahegelegenen, heute ein wenig vom separierten Felsengarten (Sady Na Skalce), den er 1894 der Stadt schenkte.

1907 wurden Landhaus und Park von der Gemeinde Smíchov (die erst 1922 Teil Prags wurde) gekauft. Ein öffentlicher Park mit einem kleinen Restaurant im Haus entstand. 1933 und 1935 wurden größere Umbauten im Garten lanciert. Ein richtiges Wegenetz gehörte dazu. Kleinere Wirtschaftsgebäude, die zum Landgut gehörten, verschwanden. Im Landhaus residieren seit 1953 ein Kindergarten und eine Grundschule, nachdem das Restaurant geschlossen und zunächst durch ein Lehrlingsheim ersetzt wurde. Deshalb ist das Gebäude normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Aber es gibt ja immer noch den schönen Park mit seinen schönen Kastanienbäumen, Eschen und Ahornbäumen, der zum Spazierengehen einlädt. (DD)