Schloss mit trauriger Geschichte

IMG_7907Über die imposanten Sandsteinskulpturen bei Liběchov hatten wir in einem früheren Beitrag berichtet. Da darf das Schloss, in dem die Förderer dieser Kunstwerke residierten, natürlich nicht unerwähnt bleiben. Der Anblick von Schloss Liběchov kann einem die Tränen in die Augen treiben. Wie der ganze Ort, so scheint auch das Schloss von den Zeitläufen schwer beschädigt zu sein und sich in einem kläglichen Zustand zu befinden.

IMG_7912Dabei fing alles dereinst gut an. Im 16. Jahrhundert wurde an dieser Stelle von der Adelsfamilie Nostitz eine befestigte Wasserburg erbaut. Die wiederum wurde von 1725 bis 1730 von dem Architekten František Maxmilián Kaňka in ein kleines barockes Prunkschloss umgewandelt. Seine kulturelle Blütezeit kam Mtte des 19. Jahrhunderts mit dem neuen Besitzer, dem Fabrikantensohn Anton Veith, der nicht nur den Bildhauer der zuvor erwähnten Sandsteinskulpturen förderte, sondern das Schloss IMG_7914zum Treff- und Sammelpunkt einer Unzahl begabter Schriftsteller und Künstler machte.

Unschön wurde es dann im Zweiten Weltkrieg, als aus dem Künstlertreff ein Feldlazarett der Wehrmacht wurde. Danach kam die kommunistische Enteignung – verbunden mit dem üblichen Verfall und Niedergang, der nur kurz 1963 aufgehalten wurde. In diesem Jahr wurde die asiatische Sammlung des Nationalmuseums hierhin ausgelagert, was mit einigen stabilisierenden Restaurierungsmaßnahmen verbunden war. Nach der IMG_7909Samtenen Revolution erfolgte die Restaurierung. Die erwies sich allerdings für die Eigner als sehr teuer und ging langsam voran, aber immerhin voran. Dann kam die Katastrophe von 2002, die alle Fortschritte zunichte machte. Die große Elbeflut verwüstete das ganze (nahe am Fluss liegende) Dorf und natürlich auch den gesamten unteren Teil des Schlosses samt des dazugehörigen Parks. Der Schaden ist bis heute nicht behoben. Das Dorf – immer noch sowieso von kommunistischer Vernachlässigung gezeichnet – lässt seine frühere Pracht nur noch IMG_7906erahnen. Das Schloss ist im Erdgeschoss unbewohnbar. Immerhin ist der Reitstall wieder in Ordnung gebracht, wo nun ein Reiterhof betrieben wird – ein erstes Zeichen wiederentstehenden Lebens… Statuen und feinste Stuckarbeiten am Schloss sind hingegen verschwunden. Die Feuchtigkeit hat sich ins Gebäude gefressen. Desgleichen gilt für das Wirtschaftsgebäude nebenan. Die Wiederherrichtung wird lange dauern und Unsummen Geld verschlingen. Man kann nur viel Erfolg wünschen, denn das was noch vorhanden ist, ist immer noch eine Besichtigung wert. (DD)

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