Nikolaus mit viel Musik

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Heute ist der Tag des Heiligen Nikolaus! Ihm ist sie geweiht, jene Kirche, die jeder Besucher der Prager Altstadt zumindest schon einmal von außen gesehen hat, die St.-Nikolaus-Kirche IMG_3293(Kostel svatého Mikuláše) am Altstädter Ring .

Es handelt sich um ein barockes Meisterwerk des großen Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer, der die Kirche in den Jahren 1732-35 erbaute. Angemerkt sei hier, dass er nur wenige Jahre später auf dem anderen Moldauufer (der Kleinseite) noch eine barocke Nikolauskirche erbaute (die wir schon hier beschrieben haben).

IMG_3292Im 13. Jahrhundert wurde an Stelle der heutigen Kirche am Altstädter Ring eine gotische Kirche erbaut, die ebenfalls nach dem Heiligen Nikolaus benannt wurde; das barocke Gebäude ersetzte sie, nachdem ein Feuer Ende des 17. Jahrhunderts die alte Kirche zerstört hatte. Der Heilige Nikolaus begrüßt uns schon von außen an mehreren Stellen als Barockstatue, etwa oberhalb des Nebeneingangs (großes Bild oben) – komplett mit seinen klassischen ikonographischen Attributen wie Bischofsmontur und drei Äpfeln.

An der Gestaltung wirkten bedeutende Künstler der Zeit mit. Der italienische Bildhauer Bernardo Spinetti schuf die umfangreichen Skulpturen und Stuckarbeiten, der berühmte bayerische Großmeister der Barockmalerei, Cosmas Damian Asam, malte die Deckenfresken.

IMG_3287Den barocken Überschwang, den die Kirche mit ihrer großen Kuppel ausstrahlt, verbindet man üblicherweise mit der Gegenreformation, also mit der erstarkten katholischen Kirche nach dem Dreissigjährigen Krieg. Die Geschichte der Kirche ist aber vielschichtiger. Die mittelalterliche Kirche war im 15. Jahrhundert noch eine Hochburg der Hussiten gewesen. Erst die Niederlage der böhmischen Stände bei der Schlacht am Weißen Berg 1620 brachte die Kirche wieder unter IMG_3294katholische Kontrolle. Sie wurde Teil eines Benediktinerklosters. Als ebensolche wurde sie auch in ihre heutige barocke Gestalt gebracht. Das Glück, dieses Prachtbau zu besitzen, blieb den Benediktinern aber nicht lange hold. 1787 wurde es im Zuge der großen Klosterenteignungen durch Kaiser Josef II. säkularisiert. Sie diente fortan abwechselnd als Lagerhaus oder als Militärkapelle. Die dazugehörenden Klosterbauten verschwanden Ende IMG_3286des 19. Jahrhunderts.

Als die Kirche 1871 wieder zum Gotteshaus wurde, geschah es wiederum nicht mehr im Zeichen des Katholizismus, sondern sie wurde die erste offizielle Russisch-Orthodoxe Kirche im Lande. Zar Nikolaus II., der 1894 den Thron bestieg, spendierte später für das inzwischen renovierte Bauwerk einen großen Kronleuchter (Bild links).

Nach dem Ersten Weltkrieg, genauer: 1920, übereignete der Staat die Kirche der Tschechoslowakischen Kirche (Církev československá), die sich seit 1971 mit dem Zusatz „hussitisch“ versieht, obwohl es sich um eine reformistische Abspaltung IMG_3289der katholischen Kirche handelt. Wie dem auch sei, dieser Gemeinde gehört St. Nikolaus noch immer, ja sie ist sogar ihr Hauptsitz. Den üppig barocken Charakter des Gebäudes haben die Neohussiten nicht verändert, obwohl man ihn eher mit der anti-reformistischen Gegenreformation verbindet.

Im Gegenteil: Es handelt sich um ein recht lebensfrohes Gebäude, denn berühmt ist die Kirche heute vor allem durch ihr reges Musikleben. In kaum einem Gotteshaus Prags finden so viele klassische Konzerte statt – mindestens (!) eines pro Tag! (DD)

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