Frischgebackener Heiliger

Heute ist der 16. Mai; der Tag des Heiligen Nepomuk. In Tschechien, aber auch in Österreich und Süddeutschland ist er als der Schutzheilige der Brücken bekannt. Den Grund dafür sieht man hier im Bilde. Am März 1393 endete das Leben des guten Nepomuk vorzeitig und gewaltsam, weil der böhmische König Wenzel IV. ihn kopfüber die Karlsbrücke hinunter in die Moldau werfen ließ.

Nepomuk, der Generalvikar des Erzbischofs von Prag, war in die Machtkämpfe zwischen Erzbistum und dem König geraten, der das Bistum zu schwächen und zu verkleinern begonnen hatte. Erst später erfand man die Geschichte, dass Nepomuk dem stets eifersüchtigen König nicht berichten wollte, was dessen Frau ihm unter dem Beichtgeheimnis anvertraut hatte. Die Legende beförderte später Nepomuk zusätzlich zum Heiligen der Brücken auch noch zum Heiligen des Beichtgeheimisses. Zum richtigen Kultheiligen der Böhmen wurde Nepomuk aber erst nach dem Dreissjährigen Krieg als die Habsburger zur Festigung ihrer Macht die Gegenreformation betrieben und einen guten lokalen Heiligen für die Böhmen brauchten, der sich nicht gegen die Dynastie wenden ließ. 1670 verfasste der jesuitische Historiker Bohuslav Balbín seine Vita und popularisierte ihn. 1721 wurde er selig- und schließlich am 19. März 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen.

Der die Brücke hinunterfallende Nepomuk, den wir hier sehen, wurde im Jahr der Heiligsprechung in Sandstein gemeißelt und befindet sich im knapp nördlich von Prag gelegenen Ort Chlumín. Dort steht auf dem etwas schläfrigen, aber mit einigen Kulturschätzen gesegneten Dorfplatz vor der barocken Kirche eine große und mutmaßliche Marien- oder Pestsäule. Ob sie nämlich wirklich das Ende der letzten großen Pest in Böhmen von 1713/14 gedenken sollte, ist nämlich fraglich, da einige typische „Pestheilige“, wie etwa der Heilige Rochus, darauf fehlen. Wie dem auch sei: Die Stifterin, die in Böhmen lebende Prinzessin Anna Maria Franziska Großherzogin von Toskana von der Toskana gedachte, mit dieser Säule ein frommes Werk zu tun.

Was den Reichtum der skulpturalen Ausstattung angeht, so muss sich die Säule in Chlumín vor keinem ihrer Gegenstücke in der Königsstadt Prag verstecken (die wir u.a. hier, hier und hier vorstellten). Mehr noch als die namensgebende Maria stellte der Bildhauer Jan Pursch, der u.a. auch den Hauptaltar der Ludmillakirche im nahen Mělník gestaltet hatte, böhmische Nationalheilige mit Märtyrerstatus in den Mittelpunkt seines Schaffens. Drei von ihnen befinden sich an prominenter Stelle am Hauptsockel: Ludmilla (kleines Bild links), Wenzel (rechts), und eben Nepomuk. Und über jeder Statue gibt es ein kleines Relief, das den Märtyrtod darstellt. Bei Ludmilla das Erwürgen mit dem Schal, bei Wenzel der Schwerthieb vor der Kirchentür und – wie wir oben sehen – beim frischgebackenen heiligen Nepomuk der Sturz von der Brücke.

Damit bastelte der Künstler an der Heiligenlegende, indem er Nepomuk in eine Reihe mit bereits eingeführten Nationalheiligen stellte. Seine Statue entspricht der sich damals entwickelnd Konvention, was die Attribute angeht – mit der einen Ausnahme, dass er keinen Heiligenschein mit Sternen trägt. Nepomuk ist nämlich der einzige Heilige außer der Jungfrau Maria, der bei der Darstellung Sterne im Heiligenschein tragen darf, wenngleich nur fünf und nicht 12 (Beispiel hier). Man erkennt ihn aber trotzdem.

Chlumín ist wohl eine wirtschaftlich etwas abgehängte Ortschaft und seine durchaus sehenswerten Kulturdenkmäler – Kirche und Schloss – machen einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Dass ihre Mariensäule mit dem Heiligen Nepumuk (und anderen) etwas wirklich besonderes ist, dessen war man sich wohl immer bewusst. Sie wurde immer gehegt und gepflegt. 1958 renovierten selbst die Kommunisten sie und 2000 wurde sie noch einmal auch neuesten Stand gebracht. Blitzblank sieht das Ganze jetzt aus. (DD)

Kreuzherrenschloss im Nordosten

Das Schloss Ďáblice (zámek Ďáblice) an der U Parkánu 25/1 im nordöstlichen Prager Stadtteil Ďáblice wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt als der von der böhmischen Nationalheiligen Agnes gegründete Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern es von Konstanze von Ungarn, der Witwe des böhmischen Königs Otakar I., erwarb.

Der Orden, der seine Besitzungen in der Gegend 1254 noch einmal vergrößerte, nutzte es hauptsächlich für die Landwirtschaft für die Versorgung der von ihm betriebenen Prager Klöster. Während der Hussitenkriege fiel das Schloss kurz an die Hussiten, wurde aber schon bald restituiert. Der gotische Originalbau brannte 1526 bei einem Feuer ab und wurde danach im Renaissancestil wieder aufgebaut. Dieser neue Bau fiel 1731 ebenfalls den Flammen zum Opfer und der 1755 vollendete Wiederaufbau erfolgte diesmal im Stil des Barock, der das Äußere heute weitgehend bestimmt.

Das Schloss in der Mitte des alten Dorfkerns des andernorts von Plattenbeton dominierten Stadtteils Ďáblice ist ein L-förmiges Gebäude. Die Vorderfront gesteht aus dem zweiflügeligen Barockschloss, dessen Zentrum die Schlosskapelle der heiligen Dreifaltigkeit und des Heiligen Wenzel (Zámecká kaple Největejší Trojice a sv. Václava) bildet. Die ist vor allem durch seine Deckengemälde bemerkenswert, die von dem Maler Jan Ezechiel Vodňanský angefertigt wurden. Leider ist das Gebäude heute nicht der Öffentlichkeit zugängig, so dass man das nicht sehen kann.

Etwas entschädigen tut das Äußere dann schon. Die schmucke Barockfassade ist von einem kleinen Zwiebelturm geschmückt, auf dessen Spitze sich das für den Orden typische rote Kreuz mit seinen acht Spitzen und das namensgebende sechseckige Kreuz befinden.

Auf dem Giebel befindet sich wiederum eine Dreiergruppe von barocken Statuen. Es handelt sich um den Heiligen Wenzel, der von zwei Engeln umgeben ist. Vermutlich sind sie ein Werk des königlichen Hofbildhauers Ignaz Franz Platzer (siehe auch früheren Beitrag hier), aber ganz gesichert scheint das jedoch nicht zu sein.

Rechtwinklig dazu positioniert befindet sich ein großes Wirtschaftsgebäude, das im 19. Jahrhundert ein wenig überarbeitet und stilistisch an die frühere Renaissancephase des Schlosses anknüpft. Das Schloss gehört übrigens nicht mehr dem Kreuzritterorden, sondern wurde 1948 der Prager Verwaltung unterstellt, die es teilweise noch so nutzt wie die Kreuzherren, nämlich landwirtschaftlich. Die Kapelle fungiert wiederum als Gemeindekirche. (DD)

Klosterbesitz

Das Bildnis der Jungfrau Maria mit dem Kinde sieht man häufig die Fassaden alter Prager Häuser schmücken. Dieses hier über dem Erdgeschoss des Hauses zum Goldenen Löwen (U zlatého lva) in der Pohořelec 23/113 in der Burgstadt (Hradčany) ist aber ein wenig ungewöhnlich. Eine barocke Hinterglasmalerei sieht man nämlich eher selten.

Das Haus selbst durchlief mehrere Bauphasen. Zunächst standen hier zwei mittelalterliche (gotische) Häuser, die durch Renaissancebauten ersetzt wurden. Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts wurden beide Häuser zusammengelegt und im barocken Stil vereinigt – so wie wir es heute hier sehen können. Es handelt sich um ein einfaches zweistöckiges Gebäude mit einer Arkade im Erdgeschoss, die sich auch über alle Nachbarhäuser in der Straße erstreckt.

Ab 1773 fungierte das Gebäude als Pfarrhaus für die an das direkt gegenüberliegende Kloster Strahov (Strahovský klášter). Schaut man etwas oberhalb des Marienbildes, sieht man deshalb auch das in Stein gemeißelte Wappen des Klosters. Die Zugehörigkeit zum Kloster wird auch durch die darüber thronende Figur des Heiligen Norbert betont, der Gründer des Prämonstratenserordens, der das Kloster betrieb. Und auch das Marienbild enthält einen Bezug zum Kloster, denn zu ihren Füßen sieht man eine Landschaftsmalerei mit dem Kloster im Hintergrund, vor dem man einen zufrieden aussehenden Böhmischen Löwen (früherer Beitrag hier) liegen sehen kann. (DD)

Park für glückliche Familien

Der Stadtteil Košíře (Prag 5) liegt außerhalb des Stadtzentrum im Westen Prags, wo es etliche schöne Landschaftsgärten (zum Beispiel den Cibulka Park, den wir schon hier vorstellten) zu bewundern gibt. So auch den Klamovka Park.

Der wurde ab 1752 auf dem Gelände eines Weinbergs angelegt, dessen Ursprünge sich bis in die Zeiten Kaiser Karls IV. zurückverfolgen ließen. Nun leistete sich auf dem Areal die österreichisch-böhmische Adelsfamilie Clam-Gallas ein ländliches Anwesen (natürlich hatte man auch einen Stadtpalast im Zentrum Prags). Dessen Kern war ein großes Landhaus oder Palais, das 1757 fertiggestellt wurde, nach dem man heute allerdings vergebens Ausschau hält. Ende des 19. Jahrhunderts gab die Familie ihren Besitz auf und im Jahre 1895 kaufte die Gemeinde Košíře (die erst seit 1921 zu Prag gehört) Landhaus und Park auf und wandelte das Ganze zu einem öffentlichen Park im Dienste der Naherholung um.

Das Landhaus wurde zum Restaurant – ab 1904 mit Tanzsaal und Kino – umgewandelt. Nach dem Ersten Weltkrieg ging es an den Turnerbund Sokol über, der in den 1930er Jahren das Gebäude kurzerhand abriss und eine Sokol-Sporthalle dort errichtete. Die steht immer noch da und beherbergt eine von Pragern gerne besuchte Kneipe mit großem Biergarten. Der war in den 1970er Jahren übrigens ein beliebter Treff für Dissidenten, die von der damaligen kommunistischen Tyrannei die Nase voll hatten.

Der Park selbst ist im englischen Stil gehalten, ein Trend der 1752 sich überall in Europa durchzusetzen begann. Es handelt sich also um einen nicht-formalen Landschaftsgarten. Weite Wiesen wechseln sich mit zum Teil recht dichtem Wald ab. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Garten Dank seines Direktors, dem Gartenbauunternehmer und Botaniker Josef Blecha, seine große Zeit. Für die Öffentlichkeit organiserte er immer wieder große Blumenschauen. Während das Landhaus abgerissen wurde, ist das Erbe der Familie Clam-Gallas im Park noch gut sichtbar, denn über Jahrzehnte schmückte Generation für Generation den Garten weiter aus.

Man sieht das vor allem an den verbliebene Gebäuden und Denkmäler, die sich verstreut im Park befinden. Es gibt noch etliche Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Zeit als der Garten ursprünglich angelegt wurde. Das gehört das hübsche Barockhaus (in dem sich heute ein kleines Jugendzentrum befindet) für das Personal und die Gartenverwaltung am östlichen Rande des Parks. Die Leute hatten hier etwas zu tun, denn die Familie Clam-Gallas hielt sich im Garten unter anderem Wölfe und Bären.

Zwei weitere Gebäuden stammen ebenfalls noch aus dem 18. Jahrhundert. Da ist zum einen der berühmte Nachttempel. Es handelt sich um einen Rundtempel im römisch-antiken Stil mit einem vorgesetzten kleinen Portikus. Auf den ersten Blick sieht er ein wenig wie ein Mausoleum aus, was aber nicht der Fall ist. Darinnen wurde definitiv kein Mitglied der Familie Clam-Gallas begraben.

Von innen sieht man anscheinend (leider ist der Tempel für Besucher geschlossen) kleine verglaste Öffnungen in der Decke, die tagsüber im dunklen Innenraum den Eindruck eines Sternenhimmels vortäuschen. In jedem Fall ist es ein originelles Gebäude, das thematisch schlüssig gestaltet wirkt.

Etwas darüber befindet sich ein kleines und zweiflügeliges gläsernes Gewächshaus mit einem Mittelbau im feinsten Rokokostil, das wohl etwas später, aber noch im selben Jahrhundert erbaut wurde. Heute befindet sich in diesem sehr zierlichen Gebäude ein kleines Künstleratelier. Womit wir schon im 19. Jahrhundert angekommen sind. Der putzige neogotische Altan im großen Bild oben entstand im Jahre 1820. Das winzige Gebäude am Parkeingang, das im romantischen Windsorstil gehalten ist, beherbergt heute die Galerie Altán Klamovka, einen Verbund unabhängiger Kunstgallerien.

Die noch sichtbaren Skulpturen im Park entstanden meist später. Etwa das noch in einem späteren Beitrag zu erwähnende Denkmal für das Pferd Cassel, das um 1838 auf Wunsch von Eduard Graf Clam-Gallas entstand. Die Clam-Gallas‘ setzten ihren Tieren gerne Denkmäler. Leider ist das Steinportrait des Paradiesvogels seiner Frau Clotilde ebenso verschwunden wie das Denkmal für einen großen Hund, der wohl einem Mitglied der Familie das Leben gerettet hat. Was man noch sieht, ist eine Statuengruppe aus kommunistischer Zeit. Die glückliche, weil in realsozialistischen Zeiten lebende Familie (Rodina), die auf einem Betonsockel thront, ist das Werk des Bildhauers Karel Velický und entstand im Jahre 1960. Auch ohne Sozialismus sieht man an schönen Sonnentagen hier immer tatsächlich hier viele glückliche reale Familien, die den Park als eines der schönesten Ausflugsziele und zum Picknicken schätzen. (DD)

Kleine Kapelle als Gemeindekirche

Die Kapelle Mariä Himmelfahrt (Kaple Nanebevzetí Panny Marie) ist eigentlich mehr als eine bloße Kapelle am Wegesrand, sondern eine kleine Gemeindekirche. Sie befindet sich im etwas außerhalb gelegenen westlichen Stadtteil Košíře (Prag 5) am Fuße des heutigen Klamovka Parks.

Košíře lag dereinst weit jenseits der Stadtgrenzen Prags. Erst 1921 wurde es eingemeindet. Seit dem Mittelalter lebten hier hauptsächlich Winzer, denn der Park war früher ein großer Weinberg aus der Zeit Karls IV. im 14. Jahrhundert. Die Bevölkerung wuchs im 17. Jahrhundert nach den Wirren des Dreissigjährigen Kriegs und lebte immer noch primär vom Weinbau. Es fehlte nach den Kriegswirren an katholischen Geistlichen, und so gab es keine eigene Kirchengemeinde. Die Menschen wurden von der Kirche (im 19. Jahrhundert abgerissenen) der Heiligen Philipp und Jakob (Kostel svatého Filipa a Jakuba) in Smíchov betreut. Wer Sonntags zur Kirche gehen wollte, musste ein recht langes Wegstück wandern. Immerhin baute man nach einer gewissen Zeit für den zur Gemeinde aus Smíchov kommenden Pfarrer eine kleine Kapelle für die Gottesdienste.

1752 wurde die Kapelle im Stil des Hochbarock neu gestaltet und dabei vergrößert, was sich auch als Notwendigkeit aus dem Bevölkerungswachstum ergab. Sie bekam die Gestalt, die sie im Kern heute noch hat. Es handelt sich um einen rechteckigen Bau mit Apsis und einem kleinen Dachreiter. Der Giebel wird durch hübsche Voluten geschmückt. Das Ganze passt ästhetisch zum Park, der zur selben Zeit angelegt wurde. Sie war oft Ziel von vielen Pilgerfahrten. Ab 1838 wurde die Gemeinde durch die Pfarrkirche der Heiligen Dreifaltigkeit (kostel Nejsvětější Trojice) beim Kleinseitner Friedhof (Malostranský hřbitov) in Smíchov betreut.

Unter dem Kommunismus litt sie ein wenig durch Vernachlässigung. Und so musste sie 1999 ordentlich renoviert werden. Die Eröffnung erfolgte am 15. August des Jahres, dem namensgebenden Tag Mariä Himmelfahrt. Sie ist meist geschlossen und wirkt etwas verlassen, aber einmal die Woche findet hier immer noch ein Gottesdienst für die Menschen der Nachbarschaft statt. (DD)

Das letzte Tor der Burgstadt

Die beiden Burgbereiche Prags, der Vyšehrad am südöstlichen und der Hradčany – der berühmte Burgbezirk – nordwestlichen Ufer der Moldau wurden im 17. von einer großen Festungsmauer umgeben. Beim Vyšehrad ist diese Mauer samt ihrer Tore vollständig erhalten geblieben. Beim Burgbezirk ist nur noch eines der Tore, das Písek-Tor (Písecká brána) als Erinnerung geblieben.

Seit seiner Renovierung und dem Umbau durch den Architekten Petr Fuchs in den Jahren 2000 bis 2002 ist das kleine Tor an der K Brusce 5 in Prag 6 zu einem blitzblanken Juwel mit einer Gallerie und einem Café geworden. Es gehörte einst zu der Ende des 17. und Beginn des 18. Jahrhunderts errichteten Stadtmauer, dem sogenannten Marienfestungswerk. Das ersetzte frühere, meist unterhalb des heutigen Areal befindliche Festungsanlagen, die zum Teil bis ins 13. Jahrhundert zurückreichten, aber heute völlig verschwunden sind. Deshalb ist das 1721 von dem Architekten Giovanni Battista Alliprandi entworfene und dem Baumeister und Architekten Christoph Dientzenhofer erbaute Tor schon das dritte Tor unter dem Namen Písek.

Folglich ist das Tor auch nicht nach der tschechischen Stadt Písek benannt, wie man meinen könnte, sondern nach einer ebenfalls längst nicht mehr existierenden Ortschaft auf der Prager Kleinseite, die Na Písku hieß, und in dessen nähere eines der drei Vorgängertore stand. Manchmal heißt das heute nicht mehr dort stehende Tor auch Bruska-Tor, weil es an einem jetzt überbauten Bach dieses Namens liegt-

Von der inneren Stadtseite aus sieht das Tor – insbesondere nach der Renovierung – sehr zivil und unmartial aus. Man erkennt ihren Charakter als Wehranlage kaum. Von der anderen, äußeren Seite erweckt es einen radikal anderern Eindruck. Bloßes Mauerwerk mit großen Rustifizierungen geben dem Ganzen ein definitiv wehrhaftes Aussehen. Dazu tragen auch die skulpturalen Ausschmückungen bei. Der Bildhauer Johann Ulrich Mayer hat die Reliefs mit Kriegstrophäen und einigen grotesten Masken über dem Haupt- und den Nebentoren ganz im Stile barocker Militärästhetik gestaltet. Vielleicht sollte es für den Feind abschreckend wirken.

Wenn das der Fall gewesen sein, hat es nicht funktioniert. Schon beim ersten Angriff auf die Burgstadt während des Österreichischen Erbfolgekriegs stürmten 1741 die Truppen Karl Albrechts von Bayern (dem späteren Kaiser Karl VII.) recht mühelos durch das beidseitig von (heute nicht mehr existierenden) Bastionen flankierte Tor. Danach beschloss man weise, es primär nicht mehr zu Verteidigungszwecken zu nutzen, sondern als Zollstation. Tagsüber zockte man die fahrenden Händler ab, die in die Stadt wollten, und nachts schloss man das Tor. Wer dann noch reinwollte, musste den Torkommandanten wecken und einen guten Obolus zahlen, um in die Stadt hinein zu kommen. Das ging noch so bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Preußisch-Österreichische Krieg von 1866, der für die Habsburgerseite desaströs endete, machte endgültig klar, das Festungen dieser Art militärisch überholt waren (obwohl der Krieg gar nicht bis Prag herantobte). Außerdem wurde Prag zur industriellen Großstadt und die Mauern beengten die ökonomische Entwicklung und den nunmehr verstärkten Verkehr. Interne Zölle waren gottlob im Namen einer liberalen Handelspolitik ebenfalls passé. Ein Zollamt brauchte man hier nun nicht mehr. Man beschloss, die Mauer abzureißen.

Der Abriss wurde 1898 abgeschlossen. Nur das Písek-Tor überlebte, weil es verkehrstechnich nicht im Wege stand und sich hübsch in die Umgebung einpasste, die hier auch ein paar Worte wert sein sollte. Das Tor steht nämlich dicht beim berühmten Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny), der zu den bedeutendsten Renaissancepalästen nördlich der Alpen gehört (früherer Beitrag hier). Der Palast wiederum thront über den 1832 angelegten Chotek Park (Chotkovy sady), dem ersten öffentlichen Park in ganz Prag. Angelegt wurde der Park von Graf Karl Chotek von Chotkow, der als königlicher Oberstburggraf für das Tor und die Festungsanlage verwalterisch zuständig war.

Damit sind wir bei einer kleinen Skulptur, die direkt auf dem Vorplatz vor dem Písek Tor steht. Man sieht eine aus rostigem Eisen bestehende strahlenförmige Struktur auf einem Betonsockel. Sie ist einer Enkelin des Grafen Chotek gewidmet,  Sophie Gräfin Chotek von Chotkowa, der Frau des habsburgischen Thronfolgers Franz Ferdinand Erzherzog von Österreich-Este, der im Juni 1914 in Sarajewo jenem Attentat zum Opfer fiel, das dann den ersten Weltkrieg auslöste. Die Bildhauerin Martina Hozová, die die Skulptur erschuf, widmet es Sophie. Die Strahlen symbolisieren den Fächer, der bei ihrer Beerdigung auf ihrem Sarg lag. Das Denkmal wurde 2014 aus Anlaß ihres Todestags eingeweiht.

Und so steht das Tor heute als ein besonderes architektonisches Juwel in einer kleinen Ecke von Prag, die in jedem Fall einen Besuch wert ist. (DD)

Alte Gänse vor neuem Haus

Die drei Gänse, von denen man im Bild eine sieht, waren es wert, erhalten zu bleiben. Und das schon allein, weil wir uns im Kern der Prager Altstadt befinden, wo der Denkmalschutz streng ist.

Das hier ist das Haus Zu den Drei Wildgänsen (U tří divokých hus) in der Melantrichova 467/7. Es ist nicht ganz, was es scheint. Man sieht eine vierstöckige Barockfassade. Bis dahin ist es eine Geschichte, wie man sie in der Altstadt häufig von Gebäuden kennt. Ursprünglich stand hier ein gotisches Haus aus dem Mittelalter, das dann Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts vollständig im barocken Stil umgebaut wurde, was bei vielen Häusern seinen Grund in dem  großen Feuer von 1689 hatte, dass die mittelalterliche Altstadt weitgehend zerstörte. In diesem Falle verhalf es den drei verschieden gestalteten drei Gänsen, die sich in Kartuschen über den Fenstern des ersten Stockes befinden, zu ihrer künstlerischen Geburt.

Aber es handelt sich nur um eine Fassade. Das gesamte Haus dahinter ist erheblich moderner- genauer gesagt: In den Jahren 1931/32 wurde es komplett durch das Ingenieurbüro Mrhy nach den Plänen des Architekten Jan Voráček neu gebaut. Drinnen ist nichts vom alten Haus mehr vorhanden. Der vorbeikommende Besucher kann sich daher immer noch an den drei putzigen Gänsen erfreuen und an dem Umstand, dass der Denkmalschutz dafür gesorgt hat, dass trotz der Modernisierung ein wunderschöner Teil des Stadtbilds erhalten geblieben ist. (DD)

Wo heute Hoheiten nächtigen

Das Haus von Liechtenstein hat in Tschechien ein historisches Imageproblem. Es war Karl I. von Liechtenstein gewesen, der im Dienste der Habsburger am 21. Juni 1621 auf dem Altstädter Ring die Anführer des Ständeaufstandes von 1618 hinrichten ließ und den Böhmen damit vor Augen führte, dass es mit ihrer Freiheit nun vorbei war. Er selbst vergrößerte seine böhmischen Besitzungen durch das konfiszierte Eigentum der Besiegten. So richtig gerne erinnert man sich seiner hierzulande nicht.

Und trotzdem heißt der Palais Liechtenstein (Liechtensteinský palác) in der U Sovových mlýnů 506/4 auf der Kampa Insel der Kleinseite direkt am Ufer der Moldau tatsächlich noch Palais Liechtenstein – obwohl er nicht einmal von den Liechtensteinern erbaut wurde und ihnen im 19. Jahrhundert auch nur recht kurz gehörte. Warum denn nicht Palais Kaiserstein? Denn es war Franz Helfried von Kaiserstein, der den barocken Palast im Jahre 1696 von dem Architekten Giovanni Battista Alliprandi an Stelle zweier kleinerer Gebäude aus dem 16. Jahrhundert erbauen ließ. Der begabte Architekt dachte sich jene unregelmäßig sechseckige Grundrissform aus, die man von der Moldauseite als solche kaum wahrnimmt. Zudem gab er dem Palast einen Bootstunnel, der vom Fluss nach innen führte, der aber bei späteren Umbauten leider verschwand.

Oder warum nicht Palais Kustoš von Zubří? Denn 1729 kaufte Ferdinand Adam Kustoš ze Zubří, der erst 1725 von Kaiser Karl VI. in den böhmischen Grafenstand erhoben worden war und sich jetzt ein diesem Stande gemäßes Domizil suchte, das Gebäude für 24.000 Gulden. Er behielt es aber aus Geldnot nur 12 Jahre.

Oder warum nicht Palais Kolowrat? Denn 1741 ging das Gebäude mit der schönen Lage bei einer Auktion an das Geschlecht der Grafen Kolowrat über. Die behielten es immerhin für rund 90 Jahre. Dann verkaufte es Franz Anton von Kolowrat-Liebsteinsky, der übrigens ein liberaler Gegenspieler Metternichs war und bei der Revolution von 1848 (leider nur kurz) der erste konstitutionelle Ministerpräsident Österreichs war, im Jahre 1831 wieder. Und der neue Besitzer wurde Fürst Johann I. Josef von Liechtenstein. Und ihm verdankt der Palast nun seinen heutigen Namen: Palais Liechtenstein.

Nun war Johann I. Josef kein Karl, und tat sich hierzulande nicht mit Hinrichtungen, sondern eher als Kunstmäzen und in seinen mährischen Ländern als Agrarreformer hervor. So scheint er dem Misstrauen der Tschechen effektiv entgegengewirkt zu haben. Außerdem brachte er das Wappen des Hauses Liechtenstein in Stein gemeißelt über dem Portal an – eines der wenigen Insignien der Familie, die man in Prag findet. Zusätzlich nahm er noch einige bauliche Veränderungen vor, unter anderem den Abriss von zwei Türmen, die zu Alliprandis Ursprungsbau gehörten. Aber letztlich gehörte der Palais den Liechtensteinern auch nur 33 Jahre.

Inzwischen war das bürgerliche Zeitalter angebrochen und ein Nachfahre des Fürsten verkaufte das Anwesen 1864 nunmehr an einen Bürgerlichen, nämlich František Odkolek, dem Besitzer der nebenan gelegenen Sova-Mühle, in der sich heute das Kampa Museum für moderne Kunst befindet. Der ließ erst einmal den mittlerweile etwas heruntergekommenen Palast von seinem Baumeister František Srnec kräftig umbauen. Es wurde ein Stockwerk hinzugefügt und die Fassade – vor allem die Fenster – von Barock auf Klassizismus umgestellt. Wie dem auch sei: Obwohl er damit den Gesamteindruck des Gebäudes mehr als andere geprägt hat, käme irgendwie niemand auf die Idee, das Gebäude Palais Odkolek zu nennen. Es blieb bei Palais Liechtenstein.

Odkolek vermietete das Gebäude ab 1873 eine zeitlang an die Deutsche Technische Hochschule Prag. Aber schon 1897 gaben seine Nachkommen wegen einiger wirtschaftlicher Probleme – die Mühle hatte durch ein Feuer große Schäden genommen – das Gebäude wieder ab und verkauften es an die Stadt Prag. Die betrieb dort erst einmal eine Grundschule. Die Nazis beutzten den Palais 1940-45 als Hauptquartier der lokalen NSDAP und verwendeten die Gartenanlage daneben als Übungsplatz für die Hitlerjugend. Danach kam das Gebäude wieder unter die Obhut der Stadt, später dann übernahm der tschechoslowakische Staat das Ganze, um einige Behörden hier unterzubringen. Zwischen 1982 und 1991 wurde der Komplex, nun im Besitz des Präsidialamtes, zu einem hochrangigen Gästehaus der Regierung für ebenso hochrangige Staatsbesucher. Königin Elizabeth II. samt Prinzgemahl Philip und Sohn Charles oder der japanische Kaiser Akihito mit Kaiserin Mikoiko gehören zu denen, die hier nächtigen durften. Wo Hoheiten nächtigen, ist der Zugang für Normalsterbliche meist untersagt. Deshalb ist das Innere des Palais Liechtenstein normalerweise für Touristen nicht zu besichtigen. (DD)

PS: Wenn man den ungewöhnlichen Grundriss in Form eines unregelmäßigen Sechsecks deutlich erkennen will, kann man das wohl am besten, wenn man auf den Petřín-Berg steigt, wo man den Palast von oben sehen kann…

Friedhofskapelle mit dramatischer Geschichte

Etwas verloren steht sie da am Fußes des Vítkovberges im Stadtteil Karlín, die kleine Kapelle – dort wo einst so viele Soldaten ihre letzte Ruhestätte fanden. Aber immerhin in vorbildlich renoviertem Zustand. Dadurch sieht man ihr ihre dramatische Geschichte nicht an, die nun hoffentlich ihr glückliches Ende gefunden hat.

Um diese Geschichte zu verstehen, muss man wissen, dass Karlín bis 1817 außerhalb der Stadt lag. Erst danach wurde das Areal als Vorstadt Prags (damals unter dem deutschen Namen Karolinenthal) erschlossen. Zuvor herrschte hier fast ausschließlich das Militär. Es gab unzählige riesige Kasernen und vor allem die alte, 1737 fertiggestellte Invalidenanstalt (Invalidovna) für verarmte und behinderte Veteranen (wir berichteten hier), die 1984 ein Drehort für den Mozartfilm Amadeus werden sollte. Und Soldaten sterben nun einmal – so oder so. Und deshalb gab es hier in Karlín natürlich auch einen großen einen Soldatenfriedhof.

Die Kapelle des Soldatenfriedhofs von Karlín (Kaple vojenského hřbitova v Karlíně), die der Jungfrau Maria gewidmet ist, ist heute der einzige sichtbare Überrest des alten Friedhofs. Sie wurde 1753 bei der Anlage des Friedhofs erbaut. Es handelt sich um ein einfaches Barockgebäude mit rechteckigem Grundriss und abgerundeten Ecken, die mit Eckpilastern ausgestattet sind. Auf dem Tunnelgewölbe befindet sich ein kleiner Glockenturm.

Im Juni 1813 wurde hier der preußische Reformpolitiker und General Gerhard von Scharnhorst aufgebahrt, der gerade aus Wien von politischen Verhandlungen auf dem Weg nach Berlin hier in Prag an den Folgen einer Verletzung erlegen war, die er sich bei der Schlacht bei Großgörschen im Mai gegen Napoleons Armee zugezogen hatte. Der Leichnam wurde kurz darauf in den Berliner Invalidenfriedhof überführt. Überhaupt schienen die Napoleonischen Kriege die Zeit gewesen zu sein, in der sich der Friedhof besonders schnell füllte. Aber auch die Revolution von 1848 und der Krieg gegen Preußen 1866 forderten ihren blutigen Zoll.

Im späten 19. Jahrhundert hatte sich Karlín zu einem großen Industriestandort entwickelt. Fabriken schossen nur so aus dem Boden. Das Militär war weitgehend abgezogen und man brauchte Platz. 1894 beschloss der Stadtrat, dass der Friedhof aufgelöst werden solle, was dann 1906 umgesetzt wurde. Viele der sterblichen Überreste wurden ausgegraben und in ein Sammelgrab im Olšany-Friedhof in Žižkov (Prag 3) neu beerdigt. Auch das dortige Kriegsgrab für Soldaten der Schlachten von Dresden und Kulm (Válečný hrob vojáků z bitev u Drážďan a Kulmu), das den russischen Soldaten gewidmet war, die 1813 im Kampf gegen Napoleons Armeen gefallen waren, befand sich zunächst hier in Karlín (wir berichteten hier).

Für die Kapelle, die nach der Friedhofsauflösung etwas zweckentleert weiterhin existierte, begann eine schlimme Zeit. Die Gemeinde verkaufte sie 1917 an eine der Maschinenfabriken der Umgebung. Im Lauf der Zeit entleerte man sie, um ein Dieselaggregat einzubauen, und umbaute sie mit Silos und Lagergebäuden. Das sah schrecklich aus. 1964 erbarmte man sich und stellte das Gebäude unter Denkmalschutz, aber erst 1976 begann man auf Druck von Bürgerprotesten mit dem Abbau der Industrieanlagen und einer vorsichtigen Renovierung, wobei man feststellte, dass die wohl recht robust gebaute Kapelle die Tortur leidlich überstanden hatte.

2001 wurden Kapelle und umliegende Grundstücke an einen Immobilieninvestor verkauft. Dem machte man Auflagen – vor allem, dass die Kapelle wie geschniegelt restauriert werden sollte, und dass drumherum ein kleiner Park in Erinnerung an den alten Soldatenfriedhof angelegt werden müsse. Darin hat er sich gehalten. Alles ist proper hergerichtet – keine Frage! Ein Rätsel gibt ein kleiner weißer Katzenkopf auf, der über der Tür angebracht ist, aber der mag ein Werk von Scherzbolden sein, vor denen auch solch eine leidgeprüfte Kapelle nicht gefeit ist. (DD)

Adalbert ohne Ruder

Immer wieder überwältigend, die Karlsbrücke bei Nacht! Dieser Anblick ermuntert mich mal wieder, eine der vielen schönen Statuen auf der Brücke näher vorzustellen. Vor dem Hintergrund des beleuchteten Kleinseitner Brückenturms ragt die Figur des Heiligen Adalbert (in Tschechien Vojtěch genannt) empor.

Erschaffen wurde die Statue im Jahre 1709 von den Brüdern Michael Johann und Ferdinand Maximilian Brokoff, den Söhnen des ebenso berühmten Bildhauers Johann Brokoff. Es handelt sich um ein Werk des Hochbarock – wie es bei den meisten Statuen der Karlsbrücke der Fall ist. Insbesondere Ferdinand Maximilian Brokoff sicherte sich durch seine Statuen auf der Brücke eine Reputation, die ihm später viele Aufträge sicherte. Was man heute sieht, ist nicht das Original, das irgednwann durch Wind und Witterung bedroht war, sondern eine exakte Kopie aus dem jahr 1973, angefertigt von den Bildhauern und Restauratoren Vojtěch (Vater) und Karel Hořínek (Sohn). Das dennoch recht gut erhaltene Original kann man in den Kasematten auf dem Vyšehrad bewundern (früherer Beitrag hier).

Der gute Adalbert ist so etwas wie ein Prager Lokalheiliger. Er war im Jahr 982 einer der ersten Bischöfe von Prag geworden und hatte das erste Mönchskloster, das Kloster Břevnov, gegründet, das zum böhmischen Zentrum christlicher Bildung und Kultur wurde. 997 war er allerdings wieder andernorts unterwegs, diesmal im heutigen Baltikum, um dort die Pruzzen zu missionieren. Die waren wohl noch nicht richtig reif für die Sache und wollten nicht bekehrt werden. Stattdessen erschlugen sie ihn – mutmaßlich mit einem Ruder und durchbohrten ihn sicherheitshalber noch eimal mit Spießen. Schon im Jahr 999 wurde der Märtyrer des Glaubens heilig gesprochen.

Der böhmische Herzog Břetislav I. überführte im Zuge eines Krieges mit Polen die Gebeine aus der Kathedrale im polnischen Gniezno nach Prag. Seither ruht er im Prager Veitsdom (Katedrála sv. Víta) und wird von den Tschechen als einer ihrer großen Heiligen verehrt. Wie die meisten Statuen auf der Karlsbrücke, war die des Heiligen Adalbert auch eine Stiftung. Kaum lesbar steht auf dem von Putten geschmückten Sockel, dass sie vom Ratsherrn und Altstädter Bürgermeister Marcus de Joanelli gespendet wurde. Der Heilige ist übrigens nicht mit seinen üblichen Attributen, dem Ruder und den Spießen, mit denen er getötet wurde, dargestellt. Das würde ihn ja eher mit dem Baltikum verbinden. Stattdessen genügt die Bischofsmütze und ein Buch, was daran erinnert, dass er als Prager Bischof die christliche Gelehrsamkeit im Lande vorangetrieben hatte. (DD)