Italien in Prag

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Vom Gröbe-Park mit seiner Grotte (hier) und seinem Weinberg (hier) war in diesem Blog schon mehrfach die Rede. Aber das Ganze ist unvollständig ohne die Beschreibung der wahrhaft klotzigen Villa, die inmitten der Anlage steht.

IMG_2774Moritz Gröbe war ein erfolgreicher Eisenbahnunternehmer. Unter anderem war er 1871 am Bau des großen Tunnels beteiligt, der unter Vinohrady hin zum Hauptbahnhof führt. Oberhalb des Tunnels lag ein felsiges und kaum bebaubares Landstück, das er nun erwarb. Aus dem Erdaushub des Tunnels legte er eine ganz neue Landschaftsgestaltung an, deren Zentrum eine große Villa – die größte im an großen Villen nicht armen Vinohrady – stand.

Gröbe hatte einen Faible für antikisierende Neorenaissance-Architektur, weshalb er für den Bau der Villa (und auch der nahegelegenen Grotte) zwei entsprechende Spezialisten von Rang anheuerte, die Baumeister Anton Viktor Barvitius und Josef Schulz. IMG_27821874 wurde das Gebäude fertiggestellt. So steht nun ein veritables und recht riesig dimensioniertes Stück Italien in Prag. Wer sich das Gebäude genau anschaut, wird oben unter dem Fries an der Ostseite sogar die lateinische Widmung Gröbes an sich selbst in Latein (Mauritius Grœbe !) erkennen.

Auch drinnen prägt die Nachempfindung der Antike, was sich an den Innenausmalungen des Wiener Malers Hermann Kugler im IMG_2768pompejanischen Stil zeigt, vor allem aber an dem großartigen und sehr lichtreichen Treppenhaus. Auch wenn die Größenordnung zunächst etwas erdrückend wirkt, wenn man sich dem Gebäude von außen nähert, so kann man nicht bestreiten, dass der Hausherr und seine Architekten schon über eine recht bemerkenswerte Geschmackssicherheit verfügten.

IMG_2766Aber die Größe des Hauses (ganz zu schweigen die des Parkareals) waren schon ein Problem. Gröbe starb 1891 – konnte also sein neues Domizil 17 Jahre lang genießen. Seiner Witwe ging darob jedoch schon bald das Geld aus – so ein Haus zu unterhalten ist nämlich arg teuer. 1905 wurde es an die Gemeinde des Stadtteils 2 verkauft, in deren Besitz es heute noch ist. Während der Nazizeit litt es bereits darunter, dass die Hitlerjugend hier ein Quartier aufschlug, ein IMG_2767Bombenschaden Ende des Kriegs trug zum Niedergang bei, der durch die lange währende Vernachlässigung in den Zeiten des Kommunismus (in denen bei der Nutzung unter anderem die Kommunistenjugend in die Fußstapfen der Hitlerjugend trat) zu neuen traurigen Höhepunkten geführt wurde.

Als der Kommunistenspuk vorbei war, begann der Stadtbezirk mit der Renovierung, die Jahre dauerte und erst seit recht kurzer Zeit vollendet ist. Heute wird die Villa zum einen für öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen genutzt, zum anderen dient sie seit 2007 auch als Sitz einer IMG_2784gemeinnützigen und international operierenden amerikanischen Stiftung namens CEELI, die sich löblicherweise dem Aufbau von rechtsstaatlichen Strukturen widmet und sich an den Kosten der Restaurierung der Villa auch noch großzügig beteiligt hat.

Es lohnt sich also, bei schönem Wetter einmal einen Spaziergang im Park zu machen, um sich die Pracht von außen anschauen. Oder besser noch: Man besucht eine dort stattfindende öffentliche Veranstaltung auf, um sich die Pracht auch von innen anzuschauen. (DD)

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