Die Berounka: Wandern von Beroun nach Srbsko vorbei am Matterhorn

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Die Berounka, die von Westen kommend am südlichen Rand der Stadt auf die Moldau trifft, ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Prager für das IMG_1588Wochenende. Der Fluss schlängelt sich gemütlich dahin, die Wege sind bequem ausgebaut, aber es gibt neben schönen Hügellandschaften, idyllischen Dörfern auch malerisch zerklüftete Felslandschaften, die hoch vom Ufer emporragen. Der Böhmische Karst (Český kras) zeigt sich hier von seiner schönsten Seite.

Für einen sonnigen Wochenendsnachmittag bietet zum Beispiel die rund 8 Kilometer lange Strecke von Beroun bis Srbsko, die zunächst durch eine eher sanfte Landschaft führt, viel Abwechslung und Sehenswertes. Am besten man fährt mit der Bahn von der Innenstadt Prags aus dorthin. Am Ufer sieht man schon bald, nachdem man das (nicht sehr schöne) Bahnhofsareal Berouns verlassen hat, auffällig viele IMG_1599alte Bunkeranlagen -eine Erinnerung an die dunklen Seiten der Geschichte. Bereits von Nazideutschland bedroht, baute die Tschechoslowakische Republik ab 1936 ein System von befestigten Verteidigungslinien auf, um Invasoren abzuwehren. Der dritte und innerste Ring, auch Prager Linie (Pražské čára) genannt, der die Hauptstadt schützen sollte, hatte am Flussufer der Berounka sein Herzstück. Der Verrat der Verbündeten England und Frankreich im Münchner Abkommen 1938, mit dem Hitler große Gebiete des Landes annektieren konnte, machte die Verteidigungsstrategie zunichte. Als die Nazis 1939 schließlich das ganze Land (die „Rest-Tschechei“, wie Hitler sagte) besetzten, kam es hier zu keinen Kämpfen mehr. Das hat Leben geschont, aber die Schrecken der Besetzung und des Terrorregimes nicht gemildert.

Vorbei geht es an der schönen, auf einem hohen Berg gelegenen Kirche des Heiligen Nepomuk (Kostel sv. Jana Nepomuckého), die zu der IMG_1587legendenumwobenen Ortschaft Tetín gehört. Ort und Kirche sind historisch und kulturell so interessant, dass es sicher an dieser Stelle irgendwann einen gesonderten Beitrag geben wird (wir müssen noch heraufklettern). Bis dahin begnügen wir uns mit der schon für sich genommen beeindruckenden Anblick der Kirche von unten hinauf.

Ab hier wird es ja auch schon recht felsig (obwohl der Weg am Ufer weiterhin ebenerdig und gemütlich verläuft). Und wer nicht nur behäbig wandern will, IMG_1592kann sich schon bald auf tollkühne Weise sportlich betätigen. Die Felsenlandschaft, die jetzt beginnt, ist für die Städter das Abenteuer- und Kletterparadies schlechthin. An schönen Sonnentag wimmelt es hier nur so von Leuten, die recht professionell dem Alpinismus fernab der Alpen frönen.

Es gibt leichtere, aber auch hoch anspruchsvolle Kletterrouten, aber auf jedenfall sollte man ein wenig schwindelfrei sein. Das bin ich nicht, weshalb ich froh war, das Ganze vom anderen Ufer aus der Ferne anzuschauen.

Das Areal ist nicht nur für Klettersportler enorm interessant. Die populärste, steilste und höchste Kletterwand ist nämlich zum großen Teil (im Gegensatz zu den umliegenden Felsen) ein Steinbruch, den man nach dem berühmten spanischen Königspalast in Toledo Alkazár genannt hat. IMG_1591Nähert man sich dem Steinbruch von Beroun her, fällt als erstes ein Felsen auf, der bei richtiger Sonnenbeleuchtung und aus dem richtigen Winkel ein wenig an das Matterhorn in der Schweiz erinnern könnte. Nur ein wenig kleiner als das Original ist der Fels schon. Genau deswegen haben ihn die Tschechen auch Malý Matterhorn (Kleines Matterhorn) getauft.

Der riesige Steinbruch selbst hat eine etwas halbrunde Form und wird auch als IMG_1595Amphitheater bezeichnet. Von unten sieht man, dass es dort überall kleine Tunneleingänge gibt – meist auf halber Höhe (Bild links).

Die wurden von den Nazibesatzern Ende des Zweiten Weltkriegs in den Berg getrieben. Hitler wollte in den Stollen heimlich seine angeblich (real gottlob keinesfalls) den „Endsieg“ sichernden „Wunderwaffen“ V1 und V2 bauen lassen. Die Verwirklichung gedieh allerdings nicht sehr weit. Die Kommunisten wollten wiederum radioaktiven Müll hier bunkern. Nazis und Kommunisten gehören (hoffentlich) der Vergangenheit an und die Stollen erhöhen den Spannungsfaktor für die Wanderer IMG_7102und Kletterer um so mehr.

Von hier aus kann man dem Flusslauf weiter folgen und weitere Felsenschönheiten und milde Waldlandschaften bewundern. Am Ende steht der Ort Srbsko, dessen Geschichte sich in das 15. Jahrhundert (mindestens!) zurückverfolgen lässt, und sich recht hübsch ausmacht. Vor allem aber ist man dort auf Wanderer und Touristen gut eingestellt, so dass man eine Unmenge gut Wirtschaftshäuser, Biergärten und anderer Einkehrmöglichkeiten finden kann, um nach der Wanderung etwas für das leibliche Wohlbefinden zu tun – wonach man bequem vom kleinen Bahnhof des Ortes wieder nach Prag zurückkehren kann. (DD)

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