Palais für Franzosen

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Als Standort für die Französische Botschaft ist das Palais Buquoy (tschech.: Buquoyský palác) schlichtweg ideal. Auf dem ehemaligen Grund und Boden des Malteserordens auf der Kleinseite gelegen (siehe hier), verbindet das Gebäude nämlich schon seit langem die böhmische mit der IMG_1753französischen Geschichte. Im Jahre 1748 ging das Palais in den Besitz der französischen Adelsfamilie der Grafen Buquoy über. Einer der Angehörigen des Geschlechts, Charles Bonaventure de Longueval, Comte de Bucquoy, hatte bei der Schlacht am Weißen Berge 1620 der katholischen/habsburgischen Seite militärisch entscheidend zum Sieg verholfen (siehe hier), was der Familie zahlreiche neue (von den Verlieren konfiszierte) Ländereien in Böhmen verschaffte – IMG_1754plus eine immense Machtposition. Und das genügende Kleingeld für einen Palast mitten in Prag.

Das ist mittlerweile passé; den mächtigen Adel gibt es seit der Gründung der Ersten Republik im Jahre 1918 nicht mehr. Aber der französische Staat ist irgendwie ein historisch passender Nachfolger. Er nutzt den Palast seit 1919 als Botschaft.

An der Stelle des heutigen Gebäude hatten ursprünglich drei kleinere Gebäude nebeneinander gestanden, darunter seit 1598 ein kleinerer Renaissancebau des Architekten Melchior IMG_1786Gniesen. In den Jahren 1736 bis 1748 fasste man die Gebäude nach den Plänen des Prager Architekten Johann Georg Achbauer zu einem Bau mit einer einheitlichen Fassade zusammen. So – im Barockstil – kauften ihn dann die Buquoys. Im stimmigen (Neo-) Barockstil erfolgte auch die 1896 von Josef Schulz durchgeführte Innenausgestaltung, die historisch sehr werkgetreu geriet. Und das schöne Interieur gelang Schulz auch sehr verspielt französisch, was heute durch die Kunstsammlung der Botschaft noch verstärkt wird. (großes Bild oben). Jedenfalls war nun alles so barock, dass das Gebäude als Drehort für etliche Szenen des Mozartfilms Amadeus (1984) taugte. (DD)

 

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