Wo nicht nur der Don Giovanni uraufgeführt wurde: Das Ständetheater

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Es ist der älteste feste Theaterbau Prags – das Ständetheater. Das ursprünglich Gräflich Nostitzsche Nationaltheater wurde im Auftrag seines ersten Namensgebers, des Grafen Franz Anton von Nostitz-Rieneck  nach einem Entwurf des Architekten Anton Haffenecker 1781-1783 IMG_0084erbaut, dessen Originalbau man als Modell im oberen Foyer sehen kann (links) – gerade rechtzeitig, um die erste Prager Aufführung von Mozarts Entführung aus dem Serail dort herausbringen zu können. Eröffnet wurde das Haus allerdings mit Lessings Emilia Galotti.

Am 29. Oktober 1787 aber erfolgte die bis jetzt berühmteste Aufführung des Hauses: die Weltpremiere des Don Giovanni. Noch eine weitere Oper des Meisters sollte hier uraufgeführt werden, 1791 mit die etwas altmodische Oper La Clemenza di Tito, die Mozart IMG_5171im Auftrag der böhmischen Stände zur Krönung Leopolds II zum Böhmischen König eiligst komponieren musste. Anlässlich dieser Krönung fand im Theater auch ein Ball statt. Hübsch dokumentiert ist dies in einer kleinen Ausstellung – ebenfalls im Foyer der 1. Gallerie.

Kurz danach kauften die Böhmischen Stände das Theater. Daher der Name, den Vaclav Havel dem Theater nach der großen Rennovierung 1991 wieder gab.

IMG_5160Nach Mozart wirkten hier noch viele berühmte Komponisten als Musikdirektoren. Hervorzuheben sind besonders Carl Maria von Weber und Gustav Mahler.

Das Haus war zwar ursprünglich nur für deutsche und italienische Produktionen vorgesehen, wurde aber dann auch, um mehr Zuschauer zu gewinnen, für Werke in tschechischer Sprache geöffnet, wirkte dann wieder als rein deutsches Haus in seiner wechselhaften Geschichte.

Für Tschechen besonders bedeutungsvoll ist, dass hier in der Form des Liedes Kde domuv  muj   aus einem Theaterstück von Josef Kajetán Tyl ihre spätere Nationalhymne zum ersten Mal gespielt IMG_0095wurde. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden hier auch viele Werke bekannter tschechischer Autoren uraufgeführt.

Das Haus erlebte zwar  viele Umbenennungen, blieb aber in seiner äußeren klassizistischen Bausubstanz  nur wenig verändert. Ein Jahrhundert nach der Erbauung gestaltete der Architekt Achill Wolf  das Interieur und die Ostfront um. Der Zuschauerraum wurde im Pompeianischen Stil gehalten, garniert mit typischen Putten der 1880er Jahre. Anfang der 1990er Jahre, wieder ein Jahrhundert später, wurde das Haus grundlegend renoviert, das untere Foyer mit Garderobe eingefügt, die Bühne höher gelegt und eine Drehbühne eingebaut. Außerdem wurde die Farbgebung des Zuschauerraums grundsätzlich IMG_5168verändert. Die ältere Farbgebung lässt sich noch gut im Film  Amadeus  (1984) von Milos Forman  erkennen. Dessen große Opernszenen  wurden nämlich im Ständetheater, das damals im Kommunismus noch nach Tyl benannt worden war, gedreht. Bei den Dreharbeiten   mit Armeemitgliedern und geheimer Staatspolizei als Statisten waren alle so von den musikalischen Darbietungen fasziniert, dass beinahe ein Brand nicht rechtzeitg gelöscht worden wäre.

IMG_0092Heute gehört das relativ kleine Haus, zum National-Theater und präsentiert neben Ballett-, Theater- und kleineren Opernproduktionen besonders die großen Mozartopern und ist vor allem bei Touristen beliebt, was man deutlich an der Kleidung sehen kann. Tschechen gehen in eleganter Abendgarderobe in die Oper,  deutsche, aber auch anglophone Touristen eher im labbrigen T-Shirt und Jeans, bereit zu einer leichten Gebirgswanderung, wo man doch nur maximal in die 2. Gallerie steigen kann! Kaum angemessen, um das einzige noch stehende Theater, in dem Mozart selbst gewirkt hat, zu feiern!  (LSD)

PS: Heute ist der 262. Geburtstag Mozarts!

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