Drei Strauße und das erste Kaffeehaus

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Strauße in freier Natur sind in und um Prag eher selten. Das war auch schon Ende des 16. Jahrhundert so, als diese schönen drei Straußenvögel auf die Wand eines IMG_4031großen Hauses nahe der Karlsbrücke auf der Kleinseite (genauer: Míšeňská 76/9) gemalt wurden. Ihnen verdankt das Haus auch seinen Namen: Dům U Tří pštrosů (Haus zu den drei Straußen). Aber warum drei Strauße? Dazu gibt es eine Legende. Die Ehefrau des Besitzers Jan Fux (gelegentlich auch: Fuchs), der das Haus 1597 erbauen ließ, hatte die Neigung zu extravaganten und teuren Wünschen. Sie wünschte sich einen Straußen und bekam ihn. Sie wünschte sich einen zweiten und bekam ihn. Beim dritten mal platzte Fux der Kragen und wünschte sich, dass seine verschwendungssüchtige Frau einfach verschwände. Wie durch Magie war die Frau am nächsten Tage weg, aber statt der bisher zwei Straußen, die bis dato die Wand seines Hauses schmückten, waren dort nunmehr drei, von denen einer ein Weibchen war. Ein wenig spukig, nicht wahr?

IMG_4032Es ist aber wahrscheinlicher, dass der gute Fux die drei Straußen 1606 von dem Maler Daniel Alexius von Květná lediglich deshalb malen ließ, weil er nachweislich ein Händler für einen damals sehr beliebten Modeartikel war, nämlich Straußenfedern. Bilder oder Kartuschen außen am Hause anzubringen, die etwas über das im Hause betriebene Gewerbe aussagten (als Werbung sozusagen), war in jenen Zeiten schlichtweg üblich. Tatsächlich findet man auch noch die Aufschrift „Federschmucker“ auf einer der Fassaden.

IMG_4033Geschichte machte das Haus allerdings im Jahr 1714, als der Armenier Georgius Deodatus Damascenus hier das erste Kaffeehaus in Böhmen eröffnete. Bisher war die hygienische Alternative zu dem meist verseuchten Wasser in der Stadt der Alkohol (selbst Kinder tranken in der Regel leichtes Bier). Mit dem Kaffeehaus begann das Heißgetränk seinen Siegeszug und die Leute fingen an, ein wenig klarer im Kopf zu werden. Vielleicht ist das die Ursache, warum in dieser Zeit die europäische Aufklärung einsetzte….

Das Renaissancehaus, das auf gotischen Fundamenten steht, wurde nach Beschädigungen zu Ende des 30jährigen Krieges 1648 noch einmal ausgebaut, aber im Kern blieb es erhalten wie es war. Das neu aufgesetzte Obergeschoss mit seinen geschwungenen Dachgauben und die kleine, an der Wand angebrachte Nepomuk-Statue zeigen, dass Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts Barockarchitektur angesagt war. Im 19. Jahrhundert wurde innen eine IMG_4034klassizistische Treppe eingebaut. Schließlich legte eine Renovierung innen in den Jahren 1972 bis 1976 eine ungeheure Menge an Malereifragmenten und bemalten Holzdecken aus der Zeit der Spätrenaissance frei.

Seit 1921 wurde im Haus ein gediegenes Hotel betrieben, das allerdings im Jahr 1949 von den Kommunisten enteignet (und darob ein wenig herunterkam), aber nach der Samtenen Revolution von 1989 gottlob wieder den Besitzern, der Familie Dundr, zurückerstattet wurde. Die Familie darf sich darüber freuen, nun nicht nur ein lukratives Haus in allerbester Lage am Fuße der Karlsbrücke zu haben, sondern auch noch ein sehr schönes und historisch bedeutsames dazu. (DD)

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