Das schönste Renaissancegebäude außerhalb Italiens

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In den Jahren 1538–1560 ließ Kaiser Ferdinand I. für seine aus dem polnischen Königshause stammende Ehefrau Anna von Böhmen und Ungarn einen kleinen Sommerpalast bei den königlichen Gärten bei der Burg bauen. Sie selbst erlebte die Fertigstellung nicht mehr, da sie bei der Geburt einer ihrer Töchter am Kindbettfieber starb. Auch Ferdinand selbst sah das Gebäude nie in fertiggestellter Form, da er nach 1541 Prag als Residenz verließ und nach Wien zog. Aber er hat Prag etwas Bedeutendes IMG_3946hinterlassen. Das sogenannte Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny) steht im Rufe, der schönste Renaissance-Palast außerhalb Italiens zu sein.

Nun ja, ganz unitalienisch ist er natürlich nicht, denn der Entwurf und die Form des Gebäudes in eines umgekehrten Schiffes stammen von dem italienischen Architekten Paolo della Stella, der das Ganze von seinem Landsmann Giovanni de Spatio realisieren ließ.

Das Schlösschen wurde dabei von einer großen Arkade mit Säulen umgeben, über der ein Fries mit 114 Reliefen mit vielen Jagdmotiven und den IMG_3960Portraits von Ferdinand und seiner Frau Anna. Im Jahre 1563 wurde dem Gebäude durch den Architekten Bonifaz Wohlmut noch die heutige Dachetage aufgesetzt. Vor dem Schloss wurde 1564-1568 in den Königlichen Gärten ein schöner Brunnen durch den Glockengießer Tomáš Jaroš gegossen, der sogenannte Singende Brunnen (weil die Tropfen, die auf die Metallränder fallen, lustige Klänge ergeben), der von einer Figur des Hirtengottes Pan verziert ist.

Ferdinands Nachfolger Rudolf II. nutzte den Bau als Observatorium, danach stand es meist leer und zu Ende des Dreissigjährigen Kriegesrichteten die Schweden noch einmal arge Verwüstungen an. Vom ursprünglichen Zweck, ein Lustschlösschen für eine Königin zu sein, war auch die Verwendung weit entfernt, die im 18. Jahrhundert ihm Kaiser Joseph II. zudachte. IMG_3944Unter ihm wurde es ein Labor für die kaiserliche Artillerie, die dort Schießpulver herstellte.

Erst 1836 sorgte Graf Karl Chotek von Chotkow dafür, dass die Artillerie auszog und das Schlösschen einem kultursinnigeren Nutzen zugeführt wurde. Er ließ zwischen 1841 und 1855 ein großes klassizistisches Treppenhaus und im ersten Stock eine Kunstgalerie mit von dem Maler Christian Ruben entworfenen Motiven aus der reichen böhmischen Geschichte einrichten – von denen man im Bild links die Ermordung des Heiligen Wenzel durch seinen bösen Bruder sieht.

IMG_3934Zudem ließ Graf Chotek unterhalb des Schlösschens den Chotek Park (Chotkovy sady) anlegen, den ersten öffentlichen Park für die Prager Bürger anlegen, von dem man einen schönen Blick auf die Burg genießen kann. Aus den Fenstern des Schlösschens kann man wiederum die Aussicht auf den Park genießen. Chotek hat hier fast so etwas wie ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Seit 1950, als man das Gebäude nochmals renovierte, wird es auch für Wechselausstellungen genutzt. 1962 registrierte man es endgültig als nationales Kulturdenkmal und Anfang der 90er Jahre erfolgte eine abermalige Renovierung. Seither erstrahlt es in jenem Glanze, den sich Kaiser Ferdinand dereinst wohl von Herzen gewünscht hat. (DD)

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