Milada Horákovás Kenotaph

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Eine mutige Demokratin war Milada Horáková immer gewesen. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik gehörte die promovierte Juristin (damals eine Seltenheit!) zu den führenden Frauenrechtlerinnen des Landes, war führendes Mitglied im Nationalen Frauenrat. Als die Nazis nach dem Münchener Abkommen 1938 das Land besetzten, half sie verfolgten Juden und Widerstandskämpfern und schloss sich dem Widerstand an. Die Nazis sperrten sie für zwei Jahre ins Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie brutal gefoltert wurde, und versklavten sie anschließend als Zwangsarbeiterein in Deutschland, was sie nur knapp überlebte.

Sie kehrte nach Prag zurück, in der Hoffnung, dass sich nach dem Kriege wieder die Demokratie durchsetzen möge. Diese Hoffnung wurde 1948 durch die Machtübernahme der Kommunisten zerstört. Im Parlament protestierte sie energisch gegen die Demontage von Freiheit und Demokratie. Vergebens!

1950 wurde sie von der Geheimpolizei verhaftet. Die Kommunisten bastelten eine vollkommen absurde Anklage auf Landesverrat zusammen. Es kam zu einem Schauprozess (dazu dieses erschütternde Video, das ein Interview mit ihrer Tochter Jana enthält). Wie üblich verlangte das Regime beim Abschlussplädoyer der Angeklagten eine Selbstbezichtigung mit anschließender Loyalitätserklärung zum „Großen Bruder“ Klement Gottwald. Ihre Mitangeklagten erlagen dem Druck und taten, was von ihnen verlangt wurde – in der falschen Hoffnung, sie könnten so ihr Leben retten.

Milada Horáková ließ sich nicht unterkriegen. Sie stand offen zu ihrer Opposition gegen die kommunistische Diktatur. “Bedauert mich nicht! Ich hatte ein wunderbares Leben. Ich akzeptiere meine Verurteilung mit Resignation und unterwerfe mich voll Demut. Mein Bewußtsein ist klar und ich hoffe, glaube und bete darum, vor dem Hohen Gericht Gottes bestehen zu können,” schrieb sie in der Todeszelle nach der Verurteilung in ihrem letzten Brief an ihre Tochter, der heute im Nationalmuseum auf dem Vitkov-Berg ausgestellt ist

IMG_6475Trotz weltweiter Proteste und Briefen von Eleanor Roosevelt, Bertrand Russell und Albert Einstein und vielen anderen bedeutenden Persönlichkeiten: Die Richter kannten keine Gnade. Am 27. Juni 1950 wurde sie im Innenhof des Gefängnisses in Pankrác gehenkt. Auf dem Friedhof auf dem Vyšehrad  hat man ihr zu Ehren 2000 ein Kenotaph  errichtet – ein leeres „Scheingrab“, denn die kommunistischen Schergen ließen die Hingerichtete im Krematorium von Strašnice einäschern und verstreuten anschließend die Asche so, dass ihre Überreste unauffindbar blieben. Das Kenotaph mit der Büste Horákovás ist ein Werk der Bildhauerin Jaroslava Lukešová.

Im Zuge des „Prager Frühlings“ wurde das Todesurteil als unrechtmäßig annulliert, aber die vollständige Rehabilitation kam erst nach der „Samtenen Revolution“ im Jahre 1990. Die Photos zeigen das Kenotaph am 27. Juni, dem 67. Jahrestag der Hinrichtung. Es wurde deshalb von Prager Bürgern reich mit Blumen bedeckt. Zurecht haben sie an diesem Tag dieser großen und mutigen Frau gedacht.  (DD)

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