Die Kirche des modernen Prags

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Sie gehört zu den beeindruckendsten Sakralbauten der Moderne in Prag: Die Herz-Jesu-Kirche (genauer: Kirche des heiligsten Herzens des Herrn; auf Tschechisch: Kostel Nejsvětějšího Srdce Páně) auf dem Georg-von-Podiebrad-Platz (Náměstí Jiřího z Poděbrad). Erbaut wurde sie von dem berühmten slowenischen Architekten Jože Plečnik in den Jahren 1928 bis 1932.

Plečnik wurde in hohem Maße IMG_5286vom Präsidenten der Ersten Republik, Tomáš Garrigue Masaryk, geschätzt, der in ihm den idealen künstlerischen Repräsentanten einer neuen avantgardistischen und modernen Tschechoslowakei sah und sich seine Amtsräume auf der Burg von ihm ausgestalten ließ. Kaum ein Gebäude in Prag repräsentiert so deutlich diesen Anspruch, das moderne Prag zu repräsentieren, wie die Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Vinohrady.

Steht man vor der sehr effektvoll in der Mitte des Platzes errichteten Kirche, kann man nicht unbeeindruckt sein. Dafür sorgen schon die Ausmaße: 42 Meter Turmhöhe. Die durchsichtige Turmuhr hat einen Durchmesser von 7,6 Metern. Mehr noch ist es aber die kühne Formgebung, die besticht. In geschickter Kombination von Art Deco und altägyptischen Stilelementen hat sich der Architekt von der Arche Noah inspirieren lassen. Tatsächlich wirkt der Rumpf wie ein monumentales Schiff. Der Turm IMG_2582unterstreicht diese Monumentalität nicht nur durch seine Höhe, sondern vor allem dadurch, dass er wie eine Querwand über dem Schiff steht – gleichsam wie ein Segel.

Auch der Innenraum sprengt – ohne dabei ungebührlich revolutionär anzumuten – die Konventionen des bisherigen Kirchenbaus. Es gibt keine hohen Fenster wie etwa in gotischen Kathedralen, sondern es laufen kleine Fenster oben unter der Decke um den rechteckigen Raum. Sie nehmen mit der Ungleichmäßigkeit, mit der sie den Raum IMG_2581beleuchten, dem Inneren die Strenge. Der eiegntlich sehr übersichtliche Raum wirkt (bis sich die Augen daran gewöhnt haben) rätselhaft unübersichtlich und mysteriös. Die schummerige Atmosphäre, die dadurch entsteht, trägt zum Raumerlebnis bei.

Die sparsam, aber effektvoll eingesetzten Dekorationen bzw. Skulpturen steigert den Effekt. Das spärliche Licht spiegelt sich auf vielfältige Weise in den Vergoldungen. Am hellsten ausgeleuchtet ist die große Altarwand, die – ungewöhnlich für eine katholische Kirche – ohne Kanzel auskommt.

Bildhauerwerke stammen alle von Damjan Pešan, der ein guter Freund von Plečnik war, der auch dafür sorgte, dass sich die Innenausgestaltungen sich nahtlos in die Gesamtkonzeption einfügten.

Der politische Anspruch, ein passendes archetektonisches Statement der Ersten Republik zu sein, kommt auch nicht zu kurz. Nicht nur die Modernität der Architektur, sondern die Auswahl der Heiligen, die neben dem Altar wie schwebend angebracht sind, bringt das zum Ausdruck. Es sind dies vor allem böhmische „Nationalheilige“ wie Nepomuk, Wenzel, Prokopios oder Ludmilla. Wer eine Kirchentour durch Prag unternehmen will, sollte die Herz-Jesu-Kirche in Vinohrady dabei auf keinen Fall auslassen. (DD)

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