Der Hit unter Touristen: Das U Fleků

Keine Frage: Unter den Prager Braugaststätten ist diese der unangefochten berühmteste Touristenmagnet. Die Rede ist vom in der Neustadt gelegenen U Fleků in der Křemencova 1651/11. Und es ist ebenfalls keine Frage: Das U Fleků ist jedem Ansturm von Touristen gewachsen. In die sieben Säle, die im Sommer noch um einen kleinen Biergarten ergänzt werden, passen rund 1200 Gäste. Verdursten muss auch keiner, denn rund 3.500 Hektoliter (das sind 350.000 Liter) des guten Gerstensafts produziert die hauseigene Brauerei im Jahr.

Die Versorgung mit Bier wird auch noch dadurch effizient gestaltet, dass es nur eine Sorte Bier gibt, nämlich das berühmte Flekovský Tmavý Ležák 13°, zu Deutsch: das Flekovský Dunkle Lager mit 13 Prozent Stammwürze. Und ehrlich gesagt: Mehr braucht man auch nicht, denn das Bier ist so herrlich samten geschmackvoll, dass man es einen ganzen Abend genüßlich trinken kann, ohne Übersättigungserscheinungen zu haben.

Das liegt daran, dass man es hier mit einem historisch bewährten Bier zu tun hat, dass schon unzählige Tests bestanden hat. Denn das U Fleků kann sich rühmen, die älteste ununterbrochen in Betrieb stehende Brauerei in Prag zu sein. Seit 1499 gibt es sie schon an diesem Orte. 1762 kam sie in den Besitz eines gewissen Jakub Flekovský, der der Gaststätte und dem Bier bis heute seinen Namen gab.

Entsprechend ist schon das Gebäude selbst schon ein historisches Baudenkmal. Als der Betrieb 1499 eröffnet wurde, stand hier ein gotisches Gebäude. Vom dem kann man noch Überreste im Kellergeschoss finden. Dieses mittelalterliche Gebäude wurde 1675 grundlegend im Barockstil renoviert. Das die Außenfassade ist immer noch davon geprägt, trotz leichter Anpassungen im klassizistischen Stil, die nach 1812 erfolgten.

Um die Jahrhundertwende wollte man wieder – dem Zeitgeist entsprechend – zurück zu den mittelalterlichen Wurzeln. Zwischen 1900 und 1905 erfolgte ein Umbau, der die Außenstruktur weitgehend unverändert ließ, sich aber drinnen eher an einem neogotischen Stil ausrichtete. Zudem wurden viele Holzvertäfelungen angebracht, as die Sache so richtig gemütlich machte. Zudem heuerte man den berühmten Historienmaler Láďa Novák an, der an den Wänden Gemälde mit den Ansichten der schönsten Burgen Böhmens und Mährens anbrachte, womit das Mittelalter-Flair noch einmal verstärkt wurde.

1949, also pünktlich zum 450 Jahresjubiläum, wurde die damalige Besitzerfamilie Brtník von den Kommunisten, die im Jahr zuvor die Macht ergriffen hatten, enteignet. Der Brau- und Gastbetrieb ging aber weiter. In den 1970er und 80er Jahren frequentierten besonders gerne offen oppositionelle Jugendliche der sogenannten Blueser-Szene aus der „DDR“, was gerade die dortigen Polizeikräfte mit Repressalien (Entziehung des Passes etc.) zu verhindern suchten. Es bis zu einem Bier im U Fleků geschafft zu haben, war fast so etwas wie ein Tapferkeitsabzeichen für die Jugendlichen.

Seit 1991 ist das U Fleků wieder an die Besitzer restitutiert. Brauer Michael Adamík sorgt dafür, dass das Bier in altbewährter Qualität gebraut wird. Neben dem qualitativ hochwertigen Bier, dessen Spitzenruf zurecht besteht, gibt es noch Speisen im Angebot, die ganz und gar dem entsprechen, was Touristen von Prag erwarten: Derb, schwer und knödellastig. Der klassische Gulasch, den man weiter oben sieht, darf nicht fehlen. Überraschend gut war die Fleischqualität des rechts abgebildeten Presssacks (Tlačenka), fand ich jedenfalls. Alles ist recht ordentlich, aber nicht spektakulär. Aber, um eine gute Grundlage für den Biergenuss zu haben, ist es absolut hinreichend.

Auch sonst bietet die Gaststätte noch viel Entertainment. In jedem Raum spielen häufiger recht unterhaltsame Akkordeonspieler klassische Bierhallenschlager und alte böhmische Weisen (diese hier, die aus dem Süden Prags stammt, fehlt natürlich selten). Für einen kleinen Obolus oder manchmal auch nur auf eine Bitte hin, spielen sie dem Kunden auch eine Wunschmelodie, insbesondere, wenn es einen Geburtstag oder etwas ähnliches zu feiern gilt. So muss es in einer Alt-Prager Kneipe zugehen, denkt man sich. Ob das nun lediglich Touristenshow ist oder nicht, bleibt eine akademoische Frage und interessiert letztlich nicht. Man hat einfach seinen Spaß!

Alle paar Wochen gibt es dazu in einem der als „Kabarett“ bezeichneten Säle (kleines Bild rechts) eine kleine Bühnenshow. Ein kleines Biermuseum und die Möglichkeit einer Führung durch das Gebäude und die Brauerei, sowie ein Souvenierladen runden das Vergnügen beim Besuch des U Fleků ab. (DD)

Ein Gedanke zu “Der Hit unter Touristen: Das U Fleků

  1. Ich komme auch aus dem Osten Deutschlands und erinnere mich, dass die Blueser aus der DDR grundsätzlich auch eine Anstecknadel aus dem U Fleku als Souvenir an der Jeansjacke trugen, wer mehr als eine dieser Trophäen hatte, war auch mehrfach da. Insgesamt ein ganz toller Blog, den Ihr da macht!!! Ich bin begeistert,

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