Wenzel in Neorenaissance

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Ende des 19. Jahrhunderts erfreute sich der Neorenaissancestil in Prag einiger Beliebtheit. Das schönste Beispiel unter den Sakralbauten der Stadt ist zweifellos die Kirches des Heiligen Wenzel (Kostel sv. Václava) in Smíchov. Es geht also um den IMG_0839Nationalheiligen schlechthin, weshalb man erwartet hätte, dass die Kirche stilistisch an nationale Traditionen anknüpfen würde – was im Zweifelsfalle auf die böhmische Gotik zulaufen würde (siehe Beispiel hier). Aber auch mit den Stilmitteln der Neorenaissance kann man eine tschechisch-nationale Botschaft loswerden.

Die Kirche wurde von 1881 bis 1885  nach den Plänen von Anton Viktor Barvitius erbaut. Barvitius war ein Historist, der sich in der umfassenden Kenntnis vergangener Baustile kaum überbieten ließ. Jedenfalls gibt es in Prag kaum Beispiele dafür, dass man sich so präzise am Stil der italienischen Renaissance orientierte. Die liebevollen IMG_0834hübschen Details, die das belegen, machen die Kirche geradezu einzigartig. Verglichen mit anderen Neorenaissancegebäuden in Prag wirkt der Stil nicht überladen. Schon die feinen und farbenfrohen Reliefmedaillen aus Majolika, die der Bildhauer Ludvík Šimek für den vorderen Eingangsbereich entwarf (allen voran die Darstellung des Heiligen Wenzel über dem Portal, siehe großes Bild oben, und die Heilige Agnes, links), heben sich in ihrer Authenzität von vielen anderen zeitgenössischen Nachempfindungen des italienischen Renaissancestils ab.

IMG_0832Die Schlichtheit lässt die bemerkenswerte Größe des Gebäudes – 50 Meter hoch sind die Türme! –  erst richtig Wirkung entfalten. Dieser Eindruck setzt sich auch im dreischiffigen Innenraum fort. Der durch die bunten Fenster mit Heiligendarstellungen etwas dunkle Raum ist klar durch Bögen und Säulen gegliedert.

Überall dominieren die böhmischen Lokalheiligen. Wenzel, Ludmilla und Prokop sieht man neben Petrus und Paulus auf dem großen Mosaik von Josef Mathias Trenkwald im Mittelschiff. Den Altar wiederum umrahmen Statuen von IMG_0829Wenzel und Ludmilla, gestaltet vom Bildhauer Čeněk Vosmík. Der Altar selbst wurde wiederum vom Architekten Antonín Barvitius aus reinen Renaisssance-Elementen selbst gestaltet und besteht aus reinstem weißen Carrara-Marmor (Bild links). Überhaupt: Die Kirche ist trotz ihrer bewusst streng klassisch gehaltenen Gestaltung bei näherem Hinsehen sehr üppig ausgestattet.

Viele Kirchen in Prag sind außerhalb der Gottesdienstzeiten fast immer geschlossen. Immerhin: Die Wenzelskirche, die der örtlichen katholischen Gemeinde gehört, ist in der Regel vormittags für die Öffentlichkeit zugänglich. (DD)

 

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