Nicht nur berühmt für Staus und Selbstmorde

IMG_7035Schön ist sie nicht, aber riesig. Trotzdem steht man auf ihr immer im Stau. Die Rede ist von der Nusle-Brücke. Sie führt ausnahmsweise nicht über die Moldau, sondern nur über den kleinen Botič und das Nusle-Tal. Damit verbindet sie die Stadteile Nové Město (Neustadt) und Vyšehrad. Zugleich ist sie die Ausfallstraße bzw. die Verlängerung der Hauptverkehrsader (Wilsonová), die den Verkehr um die fast unbefahrbare Altstadt lenkt. Wer vom Vyšehrad her in die Stadt fährt, kann sich am Ende der Brücke, wenn er wieder „Festland“ errreicht hat, immerhin an dieser Betonskulptur ergötzen, die ein kreativer und witziger Künstler dort hat aufstellen lassen. Nach einem Stau lockert das die Stimmung wieder!

IMG_6467Die Brücke selbst ist übrigens ein Bauwerk aus kommunistischer Zeit. Bis 1990 hieß sie sogar noch Klement-Gottwald-Brücke (Most Klementa Gottwalda), benannt nach Stalins Statthalter nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist Vergangenheit. Was bleibt, ist ein vielleicht nicht gerade jedermann ästhetisch ansprechendes Bauwerk im Stil des Brutalismus, aber doch eines der quantitativen Superlative. 22.000 Kubikmeter Beton und 4.000 Tonnen Stahl wurden beim Bau verbraucht – bis dann 1973 die Eröffnung erfolgte (die Planungen begannen 1961). Über 500 Meter lang ist sie und fast 43 Meter hoch. Irgendwie kolossal! Und außerdem hat man unten die Parkgestaltung im Nusletal so so hingekriegt, dass die Brücke nicht allzu sehr störend wirkt (sie kleines Bild links).

IMG_6466Unter der Fahrbahn und damit dem außenstehenden Betrachter verborgen fährt die Metrolinie C. Man kann von außen die unter die Brücke gehängte Konstruktion der „Wanne“ erahnen, in der die Metrogleise liegen (kleines Bild rechts). Das Gewicht der Metrobahnen und das der rund 160.000 Autos, die jeden Tag über die Brücke hinweg fahren, ist so ungeheuerlich, dass den Erbauern damals anscheinend recht mulmig zumute wurde. Sie testeten die Brücke 1970 erst einmal mit 66 schweren Militärpanzern.

Ach ja, die Brücke ist sehr beliebt bei Selbstmördern, die sich hier bereits scharenweise herunterstürzten. Die Zahl hat sich reduziert als man vor einigen Jahren hohe Schutzgitter aufbaute. Vielleicht sollte man als Präventivmaßnahme auch noch etwas gegen die vielen Staus tun, die die Autofahrer hoch oben oft in den Wahnsinn und möglicherweise auch zu Wahnsinnstaten treiben. (DD)

PS: Nachtrag April 2018. Die Skulptur der Dame mit dem Verkehrsschild ist plötzlich verschwunden. Nur noch der Sockel steht. Gestohlen? Im Museum? Wir wissen es nicht. In diesem Blog ist sie jedenfalls nunmehr verewigt.

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