Gedenken unter der Brücke

Als am 5. Mai 1945 – heute vor 76 Jahren – der Prager Aufstand (siehe auch hier und hier) ausbrach, um die Nazis endgültig aus der Stadt zu vertreiben, spielte die damals noch Troja-Brücke (Trojský most) genannte Brücke eine strategisch wichtige Rolle im Geschehen. Deshalb wurde sie schon 1947 in Brücke der Barrikaden (Most Barikádníků) umbenannt und damit zu einem Gedenkort für die hier gefallenen Aufständischen.

Unter ihrem alten Namen war die Brücke in den Jahren 1924 bis 1928 von den Architekten František Mencl und Josef Chochol im kubistischen Stil erbaut worden. Der damals immer reger werdende Autoverkehr fuhr dabei noch über einen Fahrweg mit Holzbelag, was zwar damals nicht unüblich war, aber sich als recht laut und lärmig erwies – und auch nicht als ganz verkehrssicher (Rutschgefahr bei Nässe!). Ansonsten war lange Zeit das tragischste Ereignis, das man mit der Brücke verband, der Selbstmord des bekannten Architekten Bedřich Feuerstein (dem Erbauer des berühmten Krematoriums in Nymburk), der sich hier im Mai 1936 hinunterstürzte. Eifrige Retter konnten ihn zwar nach kurzer Zeit aus den Moldaufluten fischen, aber er verstarb dennoch im Krankenhaus, ohne je das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Aber das wirklich blutigste Kapitel der Geschichte wurde hier eben während des Prager Aufstandes geschrieben. Die Brücke wurde damals von den deutschen SS-Truppen unter dem Oberkommando von Obersturmbannführer Otto Weidinger (ein Nazi-Überzeugungstäter, der auch später noch in allerlei Büchern die Untaten der SS verherrlichen sollte) als strategisches Einfallstor für den gegenüberliegenden Stadtteil Holešovice verbissen verteidigt. Als die deutschen Truppen am 8. Mai kapitulierten, wurde hier von ihnen noch am Tag darauf ein Durchbruchversuch unternommen. Die Verteidigung durch die Aufständischen, die hier Barrikaden errichteten, forderte von ihnen 41 Todesopfer ein. Nach dem Misslingen ihres Angriffs und in Erwartung eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs der zur Hilfe eilenden Roten Armee, ergaben sich die deutschen Truppen, nachdem ihnen freies Geleit zugesichert worden war. Der Versuch, sich zu den amerikanischen Truppen, die am 6. Mai schon Pilsen befreit hatten, durchzuschlagen und so der Gefangennahme durch die Rote Armee zu entrinnen, scheiterte aber.

Zwar wurde die Brücke unter der ersten (noch) demokratischen Regierung 1947 zum Gedenken in Brücke der Barrikaden umbenannt, aber das blieb zunächst nur eine Episode. Schon im Jahr darauf ergriffen die Kommunisten die Macht. Sie verschwiegen in ihrer Geschichtspropaganda für lange Zeit die Aufständischen, die ihnen zu „bürgerlich“ waren und für Freiheit und Demokratie kämpften, sondern gedachten nur der „Befreiung“ durch die Rote Armee. Immerhin dreht man hier noch 1949 einen Spielfilm mit dem Titel Němá barikadá (Stumme Barrikade), der den tapferen Aufstand und die Geschehnisse an der Brücke zum Gegenstand hatte. Aber dann verschwand das Thema unter den Kommunisten. Das änderte sich erst in den 1970er Jahren. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 begannen die Kommunisten, die Aufständischen für sich zu reklamieren. Das war – angesichts der Tatsache, dass sie viele von ihnen nach ihrer Machtergreifung als Antikommunisten in Gefängnis warfen – faktisch absurd. Aber es schien ihnen so etwas wie eine Aura nationaler Identität zu sichern.

Kurz: In den 1970er und 1980er Jahren wurden unter kommunistischer Ägide unzählige recht stattliche Denkmäler zu Ehren des Aufstandes errichtet. In dieser Zeit war die alte Brücke baufällig geworden und zudem war sie schon längst zu klein und schmal für das wachsende Verkehrsaufkommen. Um das schlimmste zu verhindern, baute man einen provisorischen Steg für Fußgänger neben die Brücke, aber das war eine bloße Notlösung. Die alte Brücke musste durch eine neue Brücke ersetzt werden. Die wurde nun von den Architekten Jiří Trnka und Petr Dobrovský in den Jahren 1972 bis 1980 in einem einfachen funktionalistisch-brutalistischen Stil (wie er damals üblich war) erbaut. Sie war breit und groß genug und große Auffahrten sorgten für den guten Verkehrsabfluss – bis heute. Vor allem am Nordufer haben sich dafür viele von Beton überwölbte Stellen gebildet, die heute etwas verkommen sind und scheinbar vielen Obdachlosen Asyl gewähren.

Es ist also möglicherweise nicht der schönste und gepflegteste Ort Prags, den man nun unter der Brücke historisch bedingt als Platz für ein neues Denkmal für die an der (alten, möglicherweise schöneren) Brücke gefallenen Opfer der Kämpfe auswählte. Dafür hat man sich bei den Ausmaßen nicht lumpen lassen. Was im Jahre 1983 der Bildhauer Jan Hendrych (hauptverantwortlich) in Zusammenarbeit mit Petr Neumann (Architekt des Sockels), nebst seinen Kollegen Otakar Příhoda und Marcela Kačerová hier aufbaute, dürfte zu den größten Denkmälern für die Opfer des Aufstandes in ganz Prag gehören. Es handelt ich um einen größer angelegten Platz mit zwei breiten Treppen. In die zweite Treppe ist ein großer, aus Stein- und Betonplatten zusammengesetzter Quader eingelassen. Auf der Vorderseite befindet sich eine große Steinplatte, auf der der Kämpfe im Mai 1945 gedacht wird, und die die Namen aller dort gefallenen Aufständischen auflistet. Das Ganze ist sehr schlicht und würdig gestaltet – ohne falschen Pathos uns auch ohne vereinnahmende kommunistische Symbolik.

Trotzdem fand man anlässlich des 60. Jahrestages des Beginns des Aufstandes, am 5. Mai 2005, er für notwendig, ein Stück post- oder nichtkommunistischer Erinnerungskultur in Ergänzung zu der alten Gedenkstätte anzubringen. Auf den grauen steinernen Platten, die sich vor dem Hauptkorpus des alten Denkmals befinden, wurde in einer Zeremonie eine kleine Tafel angebracht, die an den Jahrestag und die Opfer des Krieges im allgemeinen und der des Aufstandes im speziellen erinnert. Über der Inschrift befindet sich das Stadtwappen des Stadtteils Holešovice (Prag 7), der am gegenüber liegenden Ufer des Flusses liegt, aus dem aber die meisten gefallenen Aufständischen stammten. (DD)

Adalbert ohne Ruder

Immer wieder überwältigend, die Karlsbrücke bei Nacht! Dieser Anblick ermuntert mich mal wieder, eine der vielen schönen Statuen auf der Brücke näher vorzustellen. Vor dem Hintergrund des beleuchteten Kleinseitner Brückenturms ragt die Figur des Heiligen Adalbert (in Tschechien Vojtěch genannt) empor.

Erschaffen wurde die Statue im Jahre 1709 von den Brüdern Michael Johann und Ferdinand Maximilian Brokoff, den Söhnen des ebenso berühmten Bildhauers Johann Brokoff. Es handelt sich um ein Werk des Hochbarock – wie es bei den meisten Statuen der Karlsbrücke der Fall ist. Insbesondere Ferdinand Maximilian Brokoff sicherte sich durch seine Statuen auf der Brücke eine Reputation, die ihm später viele Aufträge sicherte. Was man heute sieht, ist nicht das Original, das irgednwann durch Wind und Witterung bedroht war, sondern eine exakte Kopie aus dem jahr 1973, angefertigt von den Bildhauern und Restauratoren Vojtěch (Vater) und Karel Hořínek (Sohn). Das dennoch recht gut erhaltene Original kann man in den Kasematten auf dem Vyšehrad bewundern (früherer Beitrag hier).

Der gute Adalbert ist so etwas wie ein Prager Lokalheiliger. Er war im Jahr 982 einer der ersten Bischöfe von Prag geworden und hatte das erste Mönchskloster, das Kloster Břevnov, gegründet, das zum böhmischen Zentrum christlicher Bildung und Kultur wurde. 997 war er allerdings wieder andernorts unterwegs, diesmal im heutigen Baltikum, um dort die Pruzzen zu missionieren. Die waren wohl noch nicht richtig reif für die Sache und wollten nicht bekehrt werden. Stattdessen erschlugen sie ihn – mutmaßlich mit einem Ruder und durchbohrten ihn sicherheitshalber noch eimal mit Spießen. Schon im Jahr 999 wurde der Märtyrer des Glaubens heilig gesprochen.

Der böhmische Herzog Břetislav I. überführte im Zuge eines Krieges mit Polen die Gebeine aus der Kathedrale im polnischen Gniezno nach Prag. Seither ruht er im Prager Veitsdom (Katedrála sv. Víta) und wird von den Tschechen als einer ihrer großen Heiligen verehrt. Wie die meisten Statuen auf der Karlsbrücke, war die des Heiligen Adalbert auch eine Stiftung. Kaum lesbar steht auf dem von Putten geschmückten Sockel, dass sie vom Ratsherrn und Altstädter Bürgermeister Marcus de Joanelli gespendet wurde. Der Heilige ist übrigens nicht mit seinen üblichen Attributen, dem Ruder und den Spießen, mit denen er getötet wurde, dargestellt. Das würde ihn ja eher mit dem Baltikum verbinden. Stattdessen genügt die Bischofsmütze und ein Buch, was daran erinnert, dass er als Prager Bischof die christliche Gelehrsamkeit im Lande vorangetrieben hatte. (DD)

Die Brücke der Kommunalpolitiker

Sie haben es geschafft, ihr Andenken zu erhalten. Denn es ist nicht anzunehmen, dass sich sonst noch jemand an die meisten von ihnen erinnern würde. Als die Brücke 1912 nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet wurde, gab es darüber in der Öffentlichkeit durchaus Unmut und Kritik über den bei Politikern durchaus üblichen Willen zur Selbstdarstellung. Aber worum ging es eigentlich?

Es ging zunächst einmal um die Hlávka-Brücke (Hlávkův most), die von den damaligen Kommunalpolitikern anscheinend genutzt wurde, sich selbst Denkmäler zu setzen. Mit der Brücke sollte eine Anbindung des Zentral-Schlachthofes (heute ein riesiges Markt-Gelände) in Holešovice zum am östlichen Ufer der Moldau gelegenen und heute nicht mehr existierenden Bahnhof Těšnov im Stadtteil Karlin geschaffen werden . Sie kreuzte dabei die im Fluss gelegene Štvanice-Insel mit der schönen Elektrárna Štvanice (Wasserkraftwerk Štvanice). Das war eine sinnvolle Infrastrukturmaßnahme.

Die Brücke trägt ihren Namen nach dem bedeutenden Architekten, Kunstförderer und Wissenschaftsmäzen Josef Hlávka, über den wir schon hier berichteten. Und an der Realisierung waren etliche große Architekten und Bildhauer beteiligt, so dass man sagen darf, dass es neben der Karlsbrücke kaum eine andere Prager Moldaubrücke gibt, die so reich und hochwertig skulptural ausgeschmückt ist. Erbaut wurde sie von 1909 bis 1912 von dem Architekten Pavel Janák und dem Ingenieur František Mencl. Vor allem Janák gilt als einer der bedeutendsten Architekten des frühen 20. Jahrhundert und als einer der Pioniere des Kubismus, von dem man schon bei dieser noch einem historisierenden Jugendstil verpflichtenden Brücke Spuren erkennen kann. Zusammen mit dem Architekten Vlastislav Hofman sollte er dann später 1911 bis 1916 die erste vollständig kubistische Brücke, die Mánes-Brücke, erbauen.

Jánaks und Mencls Brücke reichte vom Ostufer zur Insel, wo sie mit der 1908 bis 1910 von dem Architekten František Prášil Stahlbrücke zusammenwuchs, die Altstadt und Insel verband, und die wiederum eine Fußgängerbrücke aus dem Jahre 1869 ersetzt hatte. Die neue Gesamtbrücke war mit 16 Metern Breite (die 1958 bis 1962 auf 28 Meter verbreitert wurde) allerdings den neuen verkehrstechnischen Bedürfnissen der Großstadt angepasst. Der Straßenbelag bestand übrigens ursprünglich aus Hartholz. Mit zunehmendem Autoverkehr wurde der aber zu einer Gefahrenquelle ersten Ranges (Rutschrisiko) und nach dem Zweiten Weltkrieg durch Asphalt ersetzt. Prášils Brücke fiel im Gegensatz zu der Jánakschen/Menclschen Brúcke 1962 sozialistischer Stadtplanung zum Opfer und wurde durch ein recht brutalistisch anmutendes Konstrukt des Architekten Stanislav Hubička (wir berichteten hier) ersetzt, das man im Bild oberhalb links sehen kann.

Nun aber doch zum Stein des Anstoßes, den Skulpturen. Kein Zweifel: an Kunst und Qualität sparte man hier nicht. Nur die besten unter den böhmischen Bildhauern wurden angeheuert, um die aus drei großen (über den Fluß) und vier kleinen Bögen (auf der Insel) bestehende Brücke kulturell aufzurüsten. Schon am Ufer bei Holešovice fährt man beim Auffahren zwischen gigantischen (jeweils 5 Meter hoch, 16 Tonnen schwer!) Allegorien auf die Humanität (kleines Bild links) und auf die Arbeit (rechts) hindurch – beide ein Werk des bekannten Bildhauers Jan Štursa, den wir u.a. schon hier erwähnten.

Auch gegen die überlebensgroßen Reliefs mit Aktdarstellungen (m/w) der beiden damaligen Starbildhauer Bohumil Kafka, und Ladislav Kofránek lässt sich künstlerisch und auch sonst nichts einwenden. Beide waren Schüler des großen Josef Václav Myslbek, dem wir die Reiterstatue des Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz verdanken – ein Nationalbildhauer, sozusagen! Kafka sollte später die riesige Reiterstatue des Hussitenführers Jan Žižka auf dem Nationaldenkmal am Vítkov erschaffen. Die Skulpturen machen die Brücke jedenfalls zusammen mit ihren klassischen Versatzstücken zu einem echten Kunstwerk. Man findet sie dort, wo die Brücke die Insel überquert. Es handelt sich um frühe Moderne vom besten!

Nein, es geht vielmehr um die 12 Portraitbüsten, die den Brückenverlauf zum Ostufer an beiden Seiten säumen. Jede mit medaillenförmiger Rahmung in Stein rund 2,5 Meter hoch. Sie sollten ursprünglich und eigentlich bedeutende zeitgenössische Personen aus Technik und Gesellschaft darstellen. Auch sie sind künstlerisch über jeden Zweifel erhaben. Schließlich waren sie das Werk der großen Bildhauer Josef Mařatka und Otto Gutfreund (auch ein Pionier des Kubismus!), die bis heute ihren Ehrenplatz in der Kunstgeschichte innehaben. Aber die Auswahl der Porträtierten kam dann doch für die Öffentlichkeit überraschend.

Fand man den Namensgeber der Brücke, Josef Hlávka, darunter? Fehlanzeige! Oder gar den Architekten Jának? Auch Fehlanzeige! Eigentlich hatten nur die Ratsherren, die das Projekt genehmigt hatten, beschlossen, dass sie selbst und einige ihrer Vorgänger den Ehrenplatz an der Brücke verdient hätten. Motto: Kommunalpolitiker ehren Kommunalpolitiker. Die Zeitgenossen wunderten sich. Aber immerhin lernen wir dadurch heute, während wir die große Porträtkunst Mařatkas bewundern, dass es einmal (zur Zeit des Brückenbaus) einen zweiten Stellvertretenden Bürgermeister namens Václav Kasalický (kleines Bild links) gab, der einen großen Schnäuzer trug. Eine bedeutsame Erkenntnis, das mit dem Schnäuzer! Bildung schadet ja nicht.

Tomáš Černý, den man auf der gegenüber liegenden Seite der Brücke bewundern kann, hatte einen kleineren Schnäuzer (dafür durch einen Spitzbart ergänzt), aber dafür hatte er es immerhin 1882 zum Ersten Bürgermeister gebracht. Das ist ja nicht nichts, um es mit der typisch tschechischen Doppelnegation auszudrücken. Aber inzwischen ist ja sowieso Gras über die ganze Angelegenheit gewachsen. Was bleibt, ist der künstlerische Wert der Skulpturen, der ja nie bestritten wurde. Auch ihn kann man am besten erschließen, wenn man die Brücke von der übrigens recht großen und sogar per Fähre (und natürlich über die Brücke) erreichbaren Štvanice Insel aus besichtigt, die sowieso mit ihren gepflegten Grünanlagen zum Spazieren einlädt.

Und am Ende ereignete sich in den frühen 1980er Jahren die vielleicht oder vielleicht auch nicht günstige Schicksalsfügung, dass zwei der Büsten irreparabel zerstört waren. Das bot die Chance zu einer gewissen Wiedergutmachung. Der Bildhauer František Häckel wurde damit beauftragt, neue Büsten anzufertigen. Und so sind – wenngleich verspätet – Hlávka und Jának doch noch zu Ehren gekommen. Ihre beiden Büsten, von Häckel in Dampfbeton gestaltet, befinden sich seit 1984 an prominentester Stelle an der flussabwärts gewandten Seite der Brücke. Ästhetisch sind sie gut eingepasst. Auf dem Bild links sieht man den gabelbärtigen Hlávka links und den glatzköpfigen Jának rechts oberhalb eines Brückenpfeilers – wo sie auch hingehören. (DD)

Im Türkenkerker

Verzweifelt schauen sie aus ihrem engen Kerker heraus. Ob sie jemals befreit werden von ihrem schrecklichen Los?

Der besondere Reiz der Karlsbrücke (Karlův most; früherer Beitrag hier) , die ja bekanntlich im 14. Jahrhundert erbaut wurde, liegt nicht zuletzt in den Heiligenfiguren, die vor allem seit dem frühen 18. Jahrhundert auf beiden Seiten aufgestellt wurden. Und diese Statuengruppe ganz nah bei den Altstädter Türmen ist unter ihnen wohl die eindrucksvollste. Die im Gefängnis leidenden Gefangenen sind unschuldige Christen, die in die Hände der Türken geraten sind, was 1714, als der Bildhauer Johann Brokoff die Skulptur anfertigte, so im wesentlichen der Sammelbegriff für alle Muslime – also auch die arabischen – war.

Aber die Rettung ist nahe, denn drei Heilige nehmen sich ihrer an. Und die sind das Thema der Skulptur. Einer von ihnen ist der Heilige Johannes von Matha, der tatsächlich um 1198 auszog, um in Marokko von den „Heiden“ (die gewiss keine Türken waren) christliche Gefangene freizukaufen. Dabei half ihm später der Heilige Felix von Valois, der deshalb auch seine wohlbegründete Präsenz auf dem Sockel zeigt. Zusammen begründeten die beiden Franzosen dann den Trinitarierorden.

Etwas aus der Reihe – möglicherweise als Proporz-Böhme – fällt der Heilige Iwan, ein Einsiedler, der unweit von Prag bei Burg Karlštejn (genauer gesagt: hier) in einer Höhle seinem Eremitendasein frönte. Dabei lebte er nur von Pflanzen, die er im Walde fand, und der Milch einer Hirschkuh, die ihn – auf göttliche Fügung – begleitete. Die Hirschkuh und die goldenen Insignien weltlichen Besitzes liegen ihm hier zu Füßen. Von Muslimen in Gefangenschaft gehaltene Christen hat er allerdings nicht befreit – wohl aus Mangel an günstigen Gelegenheiten in den böhmischen Wäldern. Aber seine Frömmigkeit rechtfertigt in jedem Falle die Präsenz auf einem der Denkmalssockel auf der Karlsbrücke. Und bei so einer großen Sache musste ja auch irgendwie ein Böhme mit dabei sein.

Aber sind es wirklich die Heiligen, die den Betrachtern am meisten auffallen? Natürlich nicht, denn dazu ist der Türke mit seinem großen Turban und dem Schwert vor dem Kerker zu beeindruckend. Das Krummschwert ist aus Metall und nicht aus Stein. Seit der Errichtung wurde der Säbel immer wieder gestohlen und danach auch immer wieder ersetzt. Als das Denkmal errichtet wurde, wurde es von aufgebrachten Pragern immer wieder mit Exkrementen und Dreck beworfen. Denn, dass der muslimische Wächter eben wie ein Türke aussieht, war eine politische Aussage. Der Große Türkenkrieg (1683-1699) lag ja noch nicht lange zurück als die Statuengruppe errichtet wurde. Der sehr zeitgenössische Türke mit Turban war daher das personifizierte Feindbild schlechthin.

Ganz authentisch ist er in einer Hinsicht nicht. Da gleicht er mehr einem Tschechen. Er scheint nämlich Hundebesitzer zu sein. Und Hunde gelten im Islam als unrein, weshalb das Ganze nicht so recht zu passen scheint. Allerdings, so meinen einige islamische Rechtsgelehrte, dürfen sie als Wachhunde eingesetzt werden und sich so nützlich machen. Das macht der Hund vor der kleinen Zelle der Gefangenen mit Verve, wie man auf dem großen Bild oben sehen kann. Wenn der Türke den Hund allerdings nach der Arbeit mit zu sich nach Hause nimmt und als Schoßtier behandelt, ist es mit seiner Glaubensfestigkeit nicht weit her. (DD)

Die besondere Metrostation

Die Metrostation Vyšehrad weist mindestens zwei Besonderheiten auf. Die eine beeindruckt zunächst einmal wenig: Im Gegensatz zu den meisten anderen Stationen gibt es keinen mittleren Bahnsteig für beide Gleise, sondern je zwei Bahnsteige links und rechts, die mit einem kleinen Tunnel verbunden sind. Die andere Besonderheit hängt damit zusammen. Station Vyšehrad ist nämlich die einzige Station mit schöner Aussicht.

Ein Grund, warum die Bahnsteige nach außen verlegt wurden, ist genau der: Man kann nun hinausschauen. Deshalb ist die Station Vyšehrad die einzige in Prag, in der man nicht durch düsterte Gänge aus Beton und Kacheln laufen muss, sondern durch eine helle und luftige Konstruktion mit großen Außenfenstern.

Verantwortlich war dabei der Architekt Stanislav Hubička, der dabei geschickt die umgebende Landschaft und Architektur einband. Die Station steht direkt am Rande des steil abfallenden Tals des kleinen Flusses Botič im Nusle-Tal. Auf der anderen Seite geht es zum Stadtteil Vinohrady wieder ebenso steil hinauf. Das erlaubt eine herrliche Aussicht unter anderem auf eine der schönsten Barockkirchen der Stadt, der Kirche St. Marien und Karl der Große (Kostel Nanebevzetí Panny Marie a sv. Karla Velikého na Karlově), die gegenüber emporragt.

Nicht nur wegen ihrer Steillage, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die Metro von der Station direkt und unmittelbar in den Tunnel unterhalb der hohen Nusle-Brücke (früherer Beitrag hier) führt, musste sie als einzige Station oberirdisch gebaut werden. Brücke und Station gehen quasi fließend ineinander über. Das gelang so, weil beide „in einem Guss“ zusammen von Hubička entworfen und in den Jahren 1973/74 erbaut wurden.

Obwohl dem brutalistischen Stil der Zeit verpflichtet (also Geschmacksache), hat Hubička – auch mit einigen Aussichtsplattformen – dafür gesorgt, dass der Kontrast zwischen der Orgie von Stahl, Beton und Glas und der sie umgebenden alten Stadt interessant und spannungsreich bleibt. Architektonisch gehört Station Vyšehrad jedenfalls zu den interessantesten des Prager Metro-Systems. (DD)

Intelligenzbrücke

„Intelligenzbrücke“ (most intelingence) nennt der Volkmund dieses Bauwerk. Die Brücke ist natürlich nicht intelligent, zumindest nicht intelligenter als andere. Auch ist die Sache keineswegs wirklich witzig gemeint; eher sarkastisch. Vielmehr verbirgt sich hinter diesem Namen die Erinnerung an eine der vielen Perfidien der Kommunisten nach ihrer Machtübernahme 1948. Die wollten ja ein „Arbeiter- und Bauernparadies“ verwirklichen. Menschen mit bürgerlichem Hintergrund oder höherer Bildung galten da per se als Klassenfeinde. Warum sollte man die nicht zwangsweise – letztlich als Sklaven – zum Arbeiterdasein zwingen? Deshalb wurde diese Brücke von Ärzten, Philosophen, Anwälten und anderen Akademikern (im Kommunistenjargon: „die Intelligenz“) in harter Zwangsarbeit errichtet.

Pläne für eine Eisenbahnbrücke, die die Stadtteile Braník (Ostufer) und Malá Chuchle (Westufer) verbinden sollte, gab es schon in den 1920er Jahren. Derartige Pläne waren auch sinnvoll innerhalb eines Gesamtkonzeptes, das die Innenstadt vom durchfahrenden Güterverkehr entlasten sollte. Das Projekt verzögerte sich aber immer mehr und blieb im Zweiten Weltkrieg erst einmal vollständig stecken. Erst 1949 begann die nun kommunistische Regierung mit der Umsetzung. 1955 war die Brücke fertiggestellt. Die Zwangsarbeiter hatten, obwohl fachfremd, eine stabile Brücke hinbekommen und Kompetenz bewiesen. Das konnte man allerdings von den kommunistischen Planern nicht behaupten…

Eigentlich hätte die in Wirklichkeit Braník-Brücke (Branický most) benannte Brücke mit rund 910 Metern Länge (plus einem Landanteil von 800 Metern) die längste zweigleisige Eisenbahnbrücke Europas werden sollen. Aber inzwischen hatte man den Verkehr kleinteiliger geplant und ein zweites Gleis brauchte man nicht mehr. Zudem war der 400 Meter lange Tunnel, der von der Brücke ans westliche Ufer führte, mit einer für zwei Gleise zu engen Kurvenführung gebaut worden. So sieht man wegen kommunistischer Planungsfehler heute nur ein Gleis und eine leere Gleistrasse auf der Brücke. Für das, was sie heute leisten muss, ist sie mit 14 Metern Breite ein wenig überdimensioniert.

Erst 1964 wurde die Brücke überhaupt für den Güterverkehr eröffnet – zuvor wurde sie nämlich nur für statische Versuche mit verschiedenen Lokomotiven verwendet.

Die Brücke befindet sich im Durchschnitt 19 Meter über dem Spiegel der Moldau und bewältigt – für das Auge kaum sichtbar – einen Höhenunterschied von sechs Metern.

Der Baustil dieser nicht besonders auffälligen Brücke aus Stahl und Beton entspricht noch der Ästhetik des Funktionalismus der Vorkriegszeit (als die ursprünglichen Planungen begannen). Nicht besonders schön, aber es gibt hässlichere Brücken. An einem schönen Sommertag kann man über sie als Fußgänger spazieren gehen und die Moldau unter sich wegfließen sehen. Das sieht schon idyllisch aus. Aber man erinnert sich ihrer sowieso weniger wegen ihrer ästhetischen Dimension, sondern wegen ihrer historischen – als Denkmal für die Absurditäten und die Gemeinheiten der kommunistischen Ära. (DD)

Brückenmuseum

Die Karlsbrücke ist die älteste erhaltene Brücke Prags. Bis tief ins 19. Jahrhundert war sie sogar die einzige steinerne Brücke, die über die Moldau führte. Dass der möglicherweise größte Touristenmagnet der Stadt eine überaus interessante Geschichte hinter sich hat, versteht sich von selbst. Die kann man sich zu Gemüte führen, wenn man das gleich neben dem Brückentor des Altstädter Ufers das Brückenmuseum besucht.

Schon das ursprünglich mittelalterliche, später aber barockisierte Gebäude, in dem das Museum beherbergt ist, weist einen historischen Bezug auf die Brücke auf. Es handelt sich nämlich um den Palast der Kreuzherren mit dem Roten Stern, eines Laienordens, der im 13. Jahrhundert von der heiligen Agnes von Böhmen gegründet worden war. Dem Orden und seiner Geschichte ist übrigens ein Raum im Museum gewidmet (kleines Bild links).

Wie dem auch sei, dem Orden oblag auch die Betreuung der Brücke die hier hinüberführte. Steigt man in den zugänglichen Kellerraum herab, kann man die Reste jener Brücke erkennen, die ursprünglich nur wenige Meter flussaufwärts der heutigen Brücke lag. die zwischen 1158 und 1172 erbaute Judithbrücke. Die war eigentlich die erste Steinbrücke gewesen und hatte eine im 10. Jahrhundert erbaute Holzbrücke abgelöst. Sie wurde allerdings 1342 durch eine Hochwasserkatastrophe zerstört. Auf dem großen Bild oben sieht man einen der 20 Bögen, auf denen sie dereinst ruhte.

Im sehr interaktiv und didaktisch modern konzipierten Museum kann man nun an Modellen und Videos lernen, wie die Brücke dann stattdessen als Karlsbrücke nur wenige Meter daneben (und weiterhin vom Orden betreut) ab 1357 auf Geheiß von Karl IV. errichtet wurde. Man kann aktiv nachvollziehen, wie die Steinmetze die Steine zurechtmeißelten oder die Kräne funktionierten. Weiter geht es mit den Skulpturen, die Brückentürme und Brücke selbst schmücken. Riesig ist das Museum nicht, aber die viele interessante Information erfordert doch ein wenig Zeit, die man sich aich auch nehmen sollte.

Eine Sammlung von Stichen mit Ansichten aus verschiedenen Jahrhunderten runden das Bild ab und zeigen auch, wie sich die Brücke über die Zeit veränderte. Man muss jetzt nur noch den Blick aus dem Fenster genießen, der eine herrliche Aussicht auch die Brücke bietet. Wenn man sich sonst noch eine Belohnung gönnen will, kann man ja in das kleine Museumscafé gehen, wo in einem besonders schnuckelig und schön gestalteten Barockraum leckerer Kuchen und Kaffee serviert wird. (DD)

Brückchen in der Metro

Um Metrostationen zu bauen, muss man tief unterirdisch graben. Da ist es – zumal bei einer so alten Stadt wie Prag – unvermeidlich, dass man beim Graben manchmal auf archäologisch interessante Funde stößt. Das gilt auch für die Metrostation Můstek am Wenzelsplatz.

Die Station selbst ist (wie alle Stationen im inneren Stadtbereich) ein Werk der späten 1970er/frühen 1980er Jahre und stilistisch irgendwie nicht weiter bemerkenswert. Hier kreuzen sich Linie A (grün) und B (gelb). Der vom Architekten Jarmil Srpa entworfene Teil für Linie A wurde 1978, der tiefer gelegene für Linie B 1985 eröffnet. Stahl und Beton beherrschen in realsozialistischer Manier das Bild.

Zurück zur Archäologie. Was man dort fand, steckt eigentlich schon im Namen der Station. Bei dem Wort Můstek handelt es sich nämlich um den Diminuitiv des tschechischen Wortes most, was auf Deutsch soviel wie Brücke bedeutet. Das Wort Můstek bedeutet also Brückchen.

Und tatsächlich kann man im Vestibül der Station die sorgfältig restaurierten und ein wenig mit Beton abgesicherten Bögen einer kleinen Brücke aus Stein erkennen, die dort beim Bau der Metro freigelegt wurden. Das Brückenfragment stammt aus dem 13. Jahrhundert. Damals verliefen hier die Stadtmauern der Altstadt mit Gräben. Über einen dieser Gräben muss die Brücke (die so klein gar nicht aussieht) im Mittelalter geführt haben. (DD)

Moderne Nationalheilige

Heute ist ein nationaler Feiertag in Tschechien. Man feiert die beiden Heiligen Kyrill und Method, die dereinst im 9. Jahrhundert die Slawen christlich missioniert hatten und dabei auch in einigen Regionen des heutigen Tschechiens wirkten.

Kein Wunder, dass sie sich auch unter den vielen in Stein gemeißelten Heiligen auf der Karlsbrücke befinden. Den Touristenmassen, die sich tagein und tagaus über die Brücke wälzen, fällt wohl nur selten auf, dass die beiden Slawenaposteln unter den vielen Heiligen eine künstlerische Sonderstellung einnehmen. Während die allermeisten anderen Heiligen in der Zeit des Barock (beginnend mit der Statue des Heiligen Nepomuk 1683) er- und aufgestellt wurden, ist die Statuengruppe von Kyrill und Method ein Werk der Moderne des 20. Jahrhunderts.

Dass das nicht jederman sofort auffällt, liegt am Künstler, dem Bildhauer Karel Dvořák, der 1928 den Auftrag für die Erstellung bekam, den er 1938 vollendete. Dvořák (wir erwähnten ihn u.a. bereits hier und hier) bemühte sich in dieser Schaffensperiode darum, die Formensprache des Barock und der Renaissance mit den künstlerischen Mitteln des modernen Kubismus und Funktionalismus auszudrücken. Deshalb sehen die beiden Heiligen von weitem tatsächlich ein wenig wie Barockstatuen aus. Erst bei näherer Betrachtung sieht man, dass sie moderner sind.

Aber wie kam es, dass auf der seit Barockzeiten bereits dicht mit Heiligen bevölkerten Karlsbrücke 1938 überhaupt noch Platz für die beiden modern gestalteten Heiligen war? Nun, an dieser Stelle stand natürlich zuvor eine andere Statue, nämlich die des Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola. Die war ein Werk aus dem frühen 18.Jahrhundert, geschaffen von dem Barockmeister Ferdinand Maximilian Brokoff.

Dann kam die Große Flut von 1890, die der Karlsbrücke schwere Schäden zufügte, und den armen Ignatius zerstörte und wegspülte. Als man nach einer längeren Schockstarre darüber nachdachte, die Lücke im Skulpturenreigen zu schließen, hatten sich die Zeiten geändert. Nicht mehr die Habsburger regierten, sondern es gab nun die Tschechoslowakische Republik. Ignatius war ein Symbol der Gegenreformation, was für die Tschechen mit Zwangskatholisierung und habsburgischer Fremdherrschaft gleichgesetzt wurde. Den wollte man nun nicht mehr aufstellen. Kyrill und Method spielten hingegen die der Nationalmythologie der Republik eine positive und tragende Rolle.

Und genauso nationalmythologisch hat Dvořák sie hier auch präsentiert. Mit hoch erhobener Hand segnet Method das slawische Volk; etwas darunter überreicht Kyrill ein Buch (wahrscheinlich die Bibel) und das Modell einer Rotunde (die Bauform der ersten böhmischen Kirchen). Das slawische Volk, das da die Gaben von Glauben, Zivilisation und Bildung empfängt, ist in der Form von drei allegorischen Frauengestalten dargestellt. Sie repräsentieren die drei Teile der damaligen Tschechoslowakei – Böhmen, Mähren und die Slowakei. Man könnte fast meinen, die Skulpturengruppe wäre zum heutigen Nationalfeiertag geschaffen worden.

Verwitterte Nationalfarben

Sie war die dritte Steinbrücke, die in Prag über die Moldau gebaut wurde: Die nach dem Nationalhistoriker František Palacký benannte Palackého most (Palacký Brücke). Sie wurde 1878 eingeweiht und verbindet bis heute die Neustadt mit dem gegenüber liegenden Stadtteil Smíchov.

Damals hieß die 228 Meter lange und (nach einer Verbreiterung) 14 Meter breite Brücke, die von den Architekten Josef Reiter und Bedřich Münzberger erbaut wurde, allerdings noch nicht nach dem Historiker. Man nannte sie ein wenig ungelenk „Steinbrücke nach Smíchov“. Unter der Nazibesetzung wurde Mozart der Namenspatron, aber nach der Befreiung war dann endgültig Palacký angesagt.

Aber auch ohne den Namen des großen literarischen Nationalhelden hatten die Architekten klargemacht, dass ihnen die nationale Sache der Tschechen im Habsburgerreich sehr am Herzen lag. Dafür sorgten schon die auf der Brücke aufgestellten vier Statuengruppen des Bildhauers Josef Václav Myslbek mit Motiven aus der böhmischen Sagenwelt, die allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg als Verkehrsbehinderung angesehen und auf den Vyšehrad verfrachtet wurden (wir berichteten hier).

Für den heutigen Betrachter weniger offenkundig ist die Tatsache, dass die Architekten bei der Wahl des Baumaterials für die solide Neorenaissancebrücke schon ein gerüttelt Maß an patriotischer Gesinnung mit einbrachten: Blauer Granit, weißer Marmor und roter Sandstein – die Farben des panslawistischen Nationalismus also, die bis heute die tschechische Fahne schmücken. Die Luftverschmutzung hat inzwischen dafür gesorgt, dass die Farbunterschiede mittlerweile allerdings verwittert und somit nicht mehr so recht sichtbar sind. Aus weißem wurde ein gelblicher, aus dem blauen ein grauer Stein und nur das Rot des Sandsteins ist noch klar identifizierbar, wie man auf dem großen Bild oben sieht. Aber mit ein wenig Phantasie kann man sich auch heute noch vorstellen, wie sie zur Zeit ihrer Einweihung aussah.

Auf der Seite der Neustadt kann seit 1912 Palacký als Denkmal von seinem Sockel aus (früherer Bericht hier) den regen Verkehr auf „seiner“ Brücke verfolgen. Manchmal gab es auch Dramatisches zu sehen. 2002 konnte er auf der Brücke Dreharbeiten zu dem Film xXx – Triple X mit Vin Diesel beobachten und damit leider auch den tragischen Unfall von Diesels Double und Stuntman Harry O’Connor, der bei einem Stunt, an dem er an einem Fallschirm hängend von einem Schnellboot unter der Brücke durchgezogen wurde, ums Leben kam. (DD)