Bestes Bier im alten Bahnhof

Draußen vor den Toren der Stadt findet man nicht selten Kleinbrauereien, die wahre Perlen der Braukunst hervorbringen. Es wäre eine schmähliche Unterlassung, in diesem Zusammenhang die Brauerei von Řevnice (Pivovar Řevnice) nicht zu erwähnen.

Etwas südwestlich Prags fließt der kleine Fluss Berounka in die Moldau. Er ist in eine wunderschöne felsige Landschaft eingebettet, die zurecht bei Pragern als Naherholungs- und Wochenendausflugsgebiet populär ist. Eine Wanderung durch das Flusstal kann einen auch durch den malerischen Ort Řevnice führen, und dann sollte man unbedingt in der Brauereigaststätte halt machen. Wenn man dann ob des guten Trunkes und der guten Speisen des Wanderns müde ist, kann man bequem mit dem Regionalzug nach Prag zurück fahren, denn der kleine Bahnhof des Ortes liegt ganz nahe. Offenbar wurde er in den 1990er Jahren einige hundert Meter verlegt, denn ursprünglich befand sich der Bahnhof in ebenjenem Gebäude, in dem sich heute die Braugaststätte befindet. Das hübsche Gebäude aus dem Jahr 1862 stand eine Weile ungenutzt als der Bahnbetrieb hier aufhörte. 2018 gründete der Unternehmer und Investor Petr Kozák, der ein besonderes Faible für die Wiedernutzbarmachung historischer Gebäude hat, eine Aktiengesellschaft für die Brauerei, deren Vorsitzender er wurde. Dann begann man nach den Plänen des Architekten Tomáš Šantavý mit dem Umbau des Gebäudes, das nunmehr auf gelungene Weise den ursprünglichen Charakter eines Bahnhofs mit den Bedürfnissen eines modernen Gastbetriebs vereinte.

Und 2020 konnte man in dem neu gestalteten Gebäude (Adresse: Pod Lipami 71/0) die Eröffnung feiern. Die Leitung des Betrieb übernahm der aufstrebende junge Brauer Roman Řezáč, der neben seinem Talent für die Braukunst auch eine Managementausbildung mitbrachte. Ihm stellte man noch den erfahrenen lokalen Braumeister Ladislav Chládek zur Seite. Das professionell agierende Team machte die Gaststsätte und Brauerei umgehend zum Erfolg. Im ersten Jahr gingen immerhin 900 Hektoliter über die Theke – nicht schlecht für eine Brauerei, die nur ihre eigene Gaststätte bedient. Die örtliche Bevölkerung der Umgebung und die vorbeipassierenden Wanderer und Radler bilden das ökonomische Rückgrat der Brauerei – was aber nur funktioniert, wenn sich der gute Ruf hoher Qualität hinreichend herumspricht.

Und über die Qualität kann man sich nicht beschweren. Da ist natürlich an erster Stelle das hervorragende Bier zu nennen, das höchsten Standards entspricht. Es gibt eine Art „Grundangebot“ von drei Sorten. Dazu gehört das leichte helle Bier mit 10° Stammwürze (Desítka) mit seienm milden Geschmack, das wir im Bild weiter oberhalb bewundern können. Dazu gibt es etwas herbere und rötlichere Bier mit 12° Stammwürze (Bild links) und ein Pale Ale (Golden Ale) mit ebenfalls 12° Stammwürze. Pale Ales sind – obwohl keine traditionell heimische Biersorte – in den letzten Jahren vor allem unter jüngeren Menschen sehr populär geworden. Aber eigentlich stehen nie nur drei Sorten Bier auf der Getränkekarte. Denn die Pivovar Řevnice legt wert auf schnell wechselnde Tagesangebote. man kann in relativ schneller Folge hier einkehren und bekommt wieder etwas neues. Rund sechs Sorten sind es fast immer. Ab und an wird auch ein Bier einer nahegelegenen Kleinbrauerei auf die Liste gesetzt. Variatio delectat! Das könnte das Motto der Brauerei sein. Und man erlebt bei keinem der Biere eine Enttäuschung.

Man scheut sich auch nicht, geradezu ulrta-leichte Biere mit geringer Stammwürze von 7 oder 8° zu brauen, die Tschechen normalerweise etwas belächeln, weil das das Marktsegment der fitness-bewussten Radfahrer das zu schätzen weiß, für die das Berounkatal ein wahres Ausflugsparadies ist. die Vielseitigkeit im Genuss zeigt sich nicht nur in der Bierauswahl, sondern auch bei der Speisekarte. Die präsentiert nicht nur die tschechischen Klassiker wie eigelegten Käse oder Gulasch mit Knödeln, sondern auch Gerichte internationaler Provenienz. Und das auch in ständigem Wechsel des vielseitigen Angebots. Das ist weder Bier noch Essen von der Stange, sondern frisch zubereitete Cuisine – deftig, aber gut!

Der Hefeknödel mit Pflaumenmus und geriebenen Quark (eine tschechische Spezialität), den wir beim letzten Besuch aßen (Bild links) war dann noch der krönende Abschluss. Zugegebenrmaßen recht reichhaltig und somit nur bedingt für den Beginn einer Wanderung zu empfehlen. Aber schöner kann man sich den Abschluss eines Ausflugs dafür kaum vorstellen. Der Bahnhof mit den Regionalzug nach Prag ist ja in unmittelbarer Nähe.

Und der alte Bahnhofsbau hat eine mehr als würdige Nutzung bekommen Dank Roman Řezáč und seinem Team in der Pivovar Řevnice. Die kann man übrigens auch bei schlechtem Wetter besuchen, denn sie verfügt nicht nur über den großen und einladenden Außenbereich, den wir oben im großen Bild sehen können. Auch innen wird die Braugaststätte ihrem Anspruch gerecht. Die hohe Bahnhofshalle wurde zu einer sehr modernen, aber auch sehr gemütlichen Gaststätte umgestaltet, die jederzeit zum Besuch einlädt. Alles in allem: Der Besuch wird empfohlen! (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s