Park mit Landgut

Am Anfang standen Weinberge, die Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert anlegen ließ. 1654 wurde auf der Höhe ein großes Gehöft im barocken Stil errichtet. Damit war die Grundlage für eine der schönsten Parkanlagen in Prag geschaffen, dem Park Santoška in Smíchov (Prag 5).

Im Jahre 1719 schenkte Prinz Adam Franz Karl von Schwarzenberg, der Oberstallmeister Kaiser Karls VI. (von dem er 1732 irrtümlich bei einer Jagd erschossen wurde), das Gehöft samt Ländereien seinem Rechtsconsulenten Dr. Franz Wilhelm Sonntag zum Dank für verschiedene juristische Verdienste, wozu unter anderem ein Rechtsgutachten gehörte, das zur Heiligsprechung des böhmischen Nationalheiligen Nepomuk führte. Unter Sonntag wurde auf dem Gelände ein Landschaftsgarten angelegt, der hübsch mit Skulpturen des berühmten böhmischen Barockbildhauers Ignaz Franz Platzer ausgestattet war, von denen auf dem Areal nur noch die Statue der Göttin Flora (Bild oberhalb links) übrig ist.

Nach seinem Besitzer Sonntag hieß das Gut ursprünglich Sontoška, was sich über die Zeit zu Santoška abschliff. Der Park ist an einen steilen Hang gebaut. Tritt man unten von der Straße Na Václavske durch das ebenfalls mit Statuen (Putten) von Platzer geschmückten Toreingang in den Park, muss man zur obersten Punkt bei der Straße Nad Santoškou einen Höhenunterschied von 200 Meter zu 266 Metern über dem Meeresspiegel überwinden. Mit 5,64 Hektar bietet der Park reichlich Auslauffläche für Mensch und Hund.

Besonders im Sommer dürfte man den schönen, sehr alten und daher sehr üppigen Baumbestand zu schätzen wissen. Zugleich galt der Park früher auch als Wasserressource. Für das Jahr 1768 ist überliefert, dass die nahegelegene Apotheke U černého orla (Zum Schwarzen Adler) in der Kleinseite das hiesige Quellwasser teuer als Heilwasser in Fläschchen verkaufte.

1813 ging das Areal an die 1879 in den Ritterstand erhobene Familie Daubek. Die ließ das alte barocke Gehöft 1868 abreißen und durch die heute hier befindliche neogotische Villa (siehe großes Bild oben) ersetzen, die heute gemeinhin Landgut Santoška (usedlost Santoška) genannt wird. Das Familienwappen der Ritter von Daubek ist noch oben auf der Fassade sichtbar. Insbesondere Eduard Ritter von Daubek machte sich um den Park und seine Pflege verdient. 1890 erweiterte er ihn um den nahegelegenen, heute ein wenig vom separierten Felsengarten (Sady Na Skalce), den er 1894 der Stadt schenkte.

1907 wurden Landhaus und Park von der Gemeinde Smíchov (die erst 1922 Teil Prags wurde) gekauft. Ein öffentlicher Park mit einem kleinen Restaurant im Haus entstand. 1933 und 1935 wurden größere Umbauten im Garten lanciert. Ein richtiges Wegenetz gehörte dazu. Kleinere Wirtschaftsgebäude, die zum Landgut gehörten, verschwanden. Im Landhaus residieren seit 1953 ein Kindergarten und eine Grundschule, nachdem das Restaurant geschlossen und zunächst durch ein Lehrlingsheim ersetzt wurde. Deshalb ist das Gebäude normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Aber es gibt ja immer noch den schönen Park mit seinen schönen Kastanienbäumen, Eschen und Ahornbäumen, der zum Spazierengehen einlädt. (DD)

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