Die Spende des Ritters

Er war ein Mäzen, wie es sie im wirtschaftlich aufstrebenden Prag des späten 19. Jahrhunderts häufig gab, und die viel zu dem schönen Stadtbild beitrugen, das wir heute so bewundern: Eduard Ritter von Daubek. Er spendete 1894 der Stadt Smíchov (erst seit 1922 Teil Prags) die schöne Parkanlage des Felsengarten (Sady Na Skalce).

Sein Geschlecht, das erst 1879 in den Ritterstand erhoben wurde, besaß seit 1813 den benachbarten Park Santoška samt eines dazu passenden Landhauses als privates Anwesen. 1890 ließ er das heutige Areal des Felsengartens von dem damals international bekannten Landschaftsgärtner František Thomayer zu einer 2,2 Hektar großen Parkanlage umgestalten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatte sich hier einer der vielen Weinberge der Stadt befunden; später betrieb man hier einen Steinbruch für den Quarzitabbau. Die pittoreske Felsszenerie, die dabei entstand, band Thomayer geschickt in die Gestaltung des Gartens ein, was am Ende dann dem Park seinen Namen gab. Als der Felsengarten 1894 fertiggestellt war, schenkte ihn Ritter von Daubek der Öffentlichkeit, die ihn seither gerne für die Zwecke der Naherholung nutzt.

Steil hinauf führt der Weg durch den schmalen, aber rund 300 Meter langen Park von der Straße Ostrovského unten zur Bieblova oben. Umgeben ist der Park von schönen bürgerlichen Wohnhäusern des 19. Jahrhunderts. Auf dem höchsten Punkt ließ Ritter Daubek einen zierlichen gusseisernen Pavillon aufbauen. Von hier aus kann man einen grandiosen Ausblick über Prag genießen.

Der Pavillon thront direkt über den steilen Felsenabhängen des ehemaligen Steinbruchs, vor dem sich wiederum ein Teich mit Inseln befindet. In der Felswand befindet sich auch der Eingang zu einer Grotte, die aber leider nicht für die Öffentlichkeit betretbar ist. Gerüchte besagen, dass sich unter dem Park hier auch noch einige alte Bunker befinden, aber das scheint eben doch nur ein Gerücht zu sein. Kein Gerücht, sondern Realität ist, dass tief unter dem Park und den Felsen der 2004 erbaute Mrázovka Tunnel hindurchführt, der die Last des Verkehrs von Smíchovs Innenstadt fernhält. Aber davon sieht man naturgemäß im Park nichts.

Neben dem Teich steht übrigens ein Obelisk, der dem guten Ritter von Daubek gewidmet ist (großes Bild oben), und dessen kleine Gedenktafel darauf erinnert, dass er der Stadt diesen Park gestiftet hat. Weiter unten, auf halber Höhe, steht ein anderes Denkmal, nämlich das Denkmal für die jungen Freiheitskämpfer (Pomník mladým bojovníkům za svobodu), das 1967 von der Bildhauerin Taťána Konstantinová angefertigt wurde. Er sollte den „anti-faschistischen“ Geist der Jugend wiederspiegeln, den es in kommunistischen Zeiten wachzuhalten galt. Das war damals zwar irgendwie arg systemkonform (was bei den Werken der Künsterin häufiger vorkam; siehe hier) und der Freiheitspathos hatte unter den Kommunisten gewiss etwas Verlogenes, aber auch nicht so schlimm, dass man das Denkmal nach 1989 abtragen wollte.

Um die Jahrtausendwende wurde der Park durch den Gartenarchitekten Jan Šteflíček gründlich renoviert. In dieser Zeit befand sich in der Nähe das Zentrum eines Hilfsvereins für Drogenabhängige Sananim. Dessen löbliches Anliegen führte eine zeitlang dazu, das der Park voller Drogensüchtiger war und andere Bürger ihn mieden. Inzwischen ist der Verein aber umgezogen.

Nach einer neuerlichen, von der Stadtteilregierung durchgeführten, Renovierung ist der familienfreundliche (Kinderspielplatz!) gestaltete Park ein kleines Naherholungsjuwel für die Bürger Smíchovs geworden. Das war es ja auch, was der alte Ritter gewollt hatte. (DD)

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