Der Visionär Groß-Prags

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Dass Prag die große Stadt ist, die sie heute ist, verdankt sie auch den Kommunalpolitikern aus der Zeit vor und unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg. Einer davon war Jan Podlipný, dem sein heimischer Stadtteil Libeň im Jahre 1935 das oben abgebildete Denkmal errichten ließ.

Ende des 19. Jahrhunderts umfasste Prag im wesentlichen noch die Stadteile, die unter Karl IV. dazu gehörten – Altstadt, Neustadt, Kleinseite, Burgstadt. Stück für Stück wurden dann aber entweder neue Stadtteile geschaffen (etwa Vinohrady, das in die bis dato landwirtschaftlich genutzten Weinberge gesetzt wurde) oder umliegende Ortschaften eingemeindet. Der Prozess erreichte in den 1920er Jahren seinen Höhepunkt.

IMG_4561Zurück zu Podlipný: Der war von Hause aus ein renommierter Jurist und engagierte sich schon früh für den Turnerbund Sokol (eine verkappte Organisation tschechischer liberaler Nationalisten), über den wir hier schon berichteten, und für die nationalliberale Jungtschechische Partei (Mladočeši). 1891 wurde er von der Partei in den Prager Stadtrat gewählt und schon 1896 wurde er Bürgermeister der Stadt – ein Amt, das er bis Ende 1900 innehatte. Von 1889 wurde er zudem noch Abgeordneter des böhmischen Landtags und vertrat die Prager Liberalen dort bis ein Jahr vor seinem Tode im Jahre 1914.

Sein Hauptanliegen war in der Kommunalpolitik stets der Zusammenschluss Prags mit den umliegenden Gemeinden, ein Ziel, das er beharrlich verfolgte. Groß-Prag war seine Vision. Seinem Wirken war es zu verdanken, dass die Ortschaft Libeň am 12. September 1901 als Stadtteil 8 in Prag eingegliedert wurde. Normalerweise (und oft mit gutem Grund) freuen sich die Bürger nicht, wenn ihre Gemeinde die Selbständigkeit verliert. In Libeň schien das anders zu sein. Hier errichtete man ihm 1935 ein Denkmal, das an schöner Stelle direkt vor dem örtlichen Schloss steht.

Die bronzene Staue des Bürgermeisters wurde von dem Bildhauer Jaroslav Brůha geschaffen, der Sockel von dem Architekten Jan Bloudek. Brůha versuchte bei seinem Portrait einen lebensnahen Realismus mit allegorischen Elementen (das Buch als Attribut juristischer Gelehrsamkeit) zu kombinieren. Aus etwas erhöhter Position kan Podlipný nun von seinem Sockel herab auf jenen Ort blicken, den er zu einem Teil von Prag werden ließ. (DD)

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