Hochzeiten im Schloss, Mammut im Park

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Erreicht man bei der Metrostation Palmovka auf kürzestem Wege den Stadtteil Libeň (Prag 8), ist der erste Eindruck wohl in der Regel, dass es möglicherweise schickere Gegenden in Prag gibt. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn neben den recht eintönigen Wohnbereichen stößt man dort nicht selten auf ausgesprochen idyllische Plätze mit viel grün. Man muss sich nur ein wenig von der Metro entfernen. Endgültig überzeugt einen der Stadtteil, wenn man nach IMG_4570einigen Minuten Spaziergang plötzlich vor Schloss Liben (Libeňský zámek) mit seinem schönen Park steht.

Ursprünglich stand hier eine mittelalterliche Burg, die 1363 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In den Kellern soll man heute noch die alten gotischen Gewölbe sehen können. Der Glanz der Weltgeschichte fiel 1608 auf das Schloss, als hier der Frieden von Lieben geschlossen wurde. Der war eigentlich eine inner-habsburgische IMG_4565Angelegenheit zwischen Rudolf II. und seinem Bruder Matthias, und sicherte letzterem die ungarische Krone.

1662 kaufte die Stadt Prag (zu der Libeň damals noch nicht gehörte) das mittlerweile etwas modernisierte Schloss und verwandelte es in den Sommerpalast für die  Bürgermeister der Altstadt und in eine Art gehobenes Gästehaus für Staatsgäste, eine Funktion, die es bis in das späte 19. Jahrhundert beibehielt. Kaiserliche Hoheiten wie Maria Theresia und Leopold II. übernachteten hier unter anderem.

IMG_4571Dann kam die große Umwandlung in ein Prachtschloss. In den Jahren 1769 bis 1770 wurde das Schloss in seine heutige äußere Form gebracht. Der Architekt Jan Josef Prachner gestaltete aus der Burg ein Rokokoschloss vom feinsten. Hinter dem Gebäude wurde eine große Kapelle (links) errichtet, die heute noch durch ihre Deckenmalereien besticht. Sie sind das Werk der Barockmalers Ignaz Raab.

Im Schloss selbst sind nicht mehr so viele Spuren der alten Rokoko-Einrichtung wahrzunehmen, denn in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es wahlweise als Militärhospital und als Heim für Schwererziehbare Kinder zweckentfremdet. Ein Prachtraum ist allerdings erhalten geblieben und gehört heute, da die Stadt es für IMG_4578Verwaltungsaufgaben nutzt, zu den populärsten Standesämtern Prags, wo man in schönstem Barockambiente den Bund fürs Leben schließen kann.

Hinter dem Schloss kann man die dazugehörige Parkanlage besichtigen, die von dem Landschaftsarchitekten František Thomayer 1898 auf dem Grund des alten Schlossparks angelegt wurde. Von dem etwas erhöht liegenden Park kann man weit in die Ferne bis IMG_4580hin zum Nationaldenkmals auf dem Vitkovberg oder hinunter auf die sich dahinschlängelnde Moldau schauen. Ja, hier ist Libeň denn doch sehr schön.

Auf dem Gelände des Parks fand übrigens der Archäologe und Verfasser von populären Büchern über Paläontologie, Eduard Štorch, im Jahre 1906 Überreste eines Mammuts, der hier dereinst gegrast hatte, der aber dann wohl das Zeitliche segnete. Eine kleine, leider von Sprayereien verunstaltete Tafel erinnert an den großen Fund. (DD)

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