Der hochštapler auf dem hajzl?

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Wenn man erst einmal gelernt hat, dass dieses Š dem deutschen Sch entspricht, dann fallen einem meist die Germanismen im Tschechischen schnell auf. In diesem Lichte betrachte man das Wort hier auf dem Bild.

Es sind – gemessen an der Tatsache, dass im Lande Deutsche und Tschechen fast ein Jahrtausend miteinander lebten – recht wenige Wörter, die auf das Deutsche zurückgehen. Als sich die Tschechen im 18. und 19. Jahrhundert auf ihre nationalen Traditionen zurückzubesinnen begannen und die (deutschsprachige) Fremdherrschaft der Habsburger immer kritischer in den Blick nahmen, kodifizierten sie auch ihre Sprache so, dass sie sehr strikt von fremdländischen Wörtern bereinigt wurde. Es wurden zum Teil tschechische Kunstwörter kreiert, um sich von fremden Spracheinflüssen zu distanzieren. Das gab es natürlich auch anderswo, weshalb man sich zum Beispiel in Deutschlands offizieller Amtssprache immer noch mit dem Personenkraftwagen herumschlagen muss, wo Auto praktischer ist.

Aber trotzdem finden sich natürlich noch einige schöne Germanismen im Tschechischen. Manchmal sind es eher die saloppen, wenn nicht gar unfeinen Ausdrücke, die an das Deutsche anknüpfen. Wer sich gewählt ausdrücken will, wenn er zur Toilette gehen will, fragt in Tschechien nach der toaleta oder dem záchod. Wer es rüde haben will, sagt hajzl (wie Häusl im Österreichischen), was auch als Anrede (ty hajzle) im Sinne von „Du Depp“ verwendet werden kann. Auch, dass der Hochstapler hierzulande hochštapler heißt, ist nicht gerade schmeichelhaft für das Deutsche.

Brevnov-TürEs gibt natürlich auch Germanismen, die einfach wertneutral sind, etwa der ruksak für den Rucksack (ein deutsches Wort, dass sich weltweit durchgesetzt zu haben scheint) oder die šenk für die Schenke (Bild rechts). Allerliebst und putzig ist auch das šnuptychl für Taschentuch (Schnupftüchel).

Aber natürlich verwenden die Tschechen auch Wörter, die geradezu linderndes Balsam für die deutsche Seele sind. Kaum jemand sonst würde auf die Idee kommen, dass ausgerechnet Deutschland das Land der feinen Kulinarik sei. Wenn man heute als Gourmet in Deutschland über die haute cuisine redet, dann doch bitte en français. Um so schöner ist es zu erfahren, dass der Gourmet in Tschechien ein deutscher fajnšmekr (Feinschmecker) ist, wie das oben abgebildete Ladenschild eines Delikatessgeschäfts in der Finská 578/3 in Prag 10 schön illustriert. (DD)

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