Goldrausch in der Keltensiedlung

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Rund 30 Kilometer westlich von Prag, hoch über dem wunderschönen Fluss Berounka thront auf einem großen Schieferberg eine der bedeutendsten keltischen Siedlungsanlagen Tschechiens. Das Oppidum in Stradonice gehört zu den größten ihrer Art. In idyllischer Landschaft gelegen, lädt sie heute zum Wandern ein.

IMG_8048Begonnen hatten die Kelten mit ihrem Bau um das Jahr 120 vor Christi und sie siedelten dort bis um 30 nach Christi als sie Opfer der einfallenden germanischen Markomannen wurden. Lange blieb der Ort vergessen, landwirtschaftliche Nutzung veränderte das Erscheinungbild. Erst ein zufälliger Münzfund erweckte 1845 das Interesse unter Forschern.

Spektakulärere Funde in den 1870er Jahren führten dann zu einem Goldrausch, der von Archäologen wohl noch immer als Katastrophe größten Ausmaßes gesehen wird. Illegale Raubgräber strömten 1877 in Scharen auf das Gelände. Sie siedelten sich dort regelrecht an und steckten Claims ab wie die Goldgräber in Kalifornien. Mit Gewehren in der Hand bewachten sie ihre Claims Tag und Nacht. Bis zu 300 von ihnen sollen sich zur Zeit des Höhepunkt des „Goldrausches“ auf dem Berg getummelt haben. Die Raubgräber hinterließen eine Spur der Verwüstung. Wertvolle Funde wurden in alle Welt verhökert. Immerhin gelang es zahlreichen Museen – nicht nur in Prag, sondern auch in Wien, Berlin, Dresden und sogar im fernen Mainz – durch Erwerb der „schwarzen“ Ware viele Funde wieder einigermaßen zusammenzuführen und zu katalogisieren. Aber fachgerechte Ausgrabung sieht eben anders aus, zumal die Raubgräber (die später zum Teil ihr Repertoire durch Fälschungen erweiterten) keine moralischen Skrupel kannten. So wurden archäologisch bedeutsame Gräberfelder gefleddert und die Knochen an Leimfabriken verkauft. Schließlich setzte die Obrigkeit dem Treiben ein Ende. Der Verlust für die Forschung war zu diesem Zeitpunkt aber bereits enorm.

IMG_80511903 und dann wieder 1981 setzten seriöse Ausgrabungen ein, die immer noch reichhaltig fündig wurden. Heute führt ein von schönen Ausblicken auf die Landschaft geprägter archäologischer Lehrpfad durch das Gelände. Wirklich viele Anzeichen der ursprünglichen keltischen Besiedlung sieht man nicht, was zum Teil gewollt ist, da man nicht schon wieder Grabräuber anlocken will. Trotzdem lässt sich an vielen Stellen die Wallanlage zur Befestigung (kleines Bild rechts) immer noch gut erkennen. IMG_8046Dadurch bekommt man einen Eindruck von der recht beeindruckenden Größe des Areals.

Gut sichtbar ist auch noch das östliche Eingangstor des Oppidum (links), durch das heute noch der Wanderweg führt.

Aber besonders schön in die Landschaft fügt sich auch die sogenannte Akropole, d.h. der höchstgelegene Teil der Burgfestung, der zugleich auch Heiligtum war. Auf der Akropole in Stradonice hat man in neuerer Zeit ein Kreuz aufgestellt (siehe großes Bild oben). Wollte man die Geister der alten keltischen Gottheiten damit bannen?

IMG_8055Wer übrigens mehr über die Kelten wissen will, die dort dereinst siedelten, möge die auf dem Nachbarhügel gelegene Burg von Nižbor besuchen. Das nach schrecklichster Vernachlässigung in den Zeiten des Kommunismus arg heruntergekommene Gebäude ist heute wieder gut in Schuss und beherbergt ein Informationszentrum der keltischen Kultur. Hier erfährt man viel über die keltischen Siedlungsgebiete in Tschechien und über das Alltagsleben der damaligen Bewohner Stradonices. Ab und an gibt es im Ort und auf der Burg regelrechte Keltenfeste mit lokalen Kelten-Rock-Bands und allem, was dazu gehört. Auf sein altes keltisches Erbe ist man hier stolz! (DD)

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