Juwel des Jesuitenbarocks

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Nach der Schlacht am Weißen Berge 1620, die mit der Niederlage der Protestanten und der böhmischen Stände endete (siehe auch hier), waren die Jesuiten die treibende Kraft der Zwangskatholisierung des Landes. IMG_6354Aus diesem Anspruch leitete sich schon fast automatisch der Anspruch ab, dass die Jesuiten die schönsten und prächtigsten Kirchen haben sollten. Unter diesen Kirchen in Prag sticht noch einmal die Kirche des Heiligen Ignatius (Kostel sv. Ignáce) als besonders grandios hervor. Die dreischiffige Basilika ohne Querschiff, auf deren Giebel die Statue des Ordensgründers Ignatius von Loyola thront (großes Bild), liegt zentral am IMG_6357Karlsplatz (Karlovo náměstí) ist ein wahres Juwel des Frühbarock. Von außen mutet sie recht schlicht und nüchtern an, drinnen entfaltet sich jedoch barocke Pracht vom Feinsten. Sie wurde 1665 bis 1671 von dem italienischen Architekten Carlo Lurago erbaut.

Die hoch dekorativen, aber manchmal IMG_6364im Detail recht skurril anmutenden Stuckaturen (siehe der putzige kleine Totenkopf) stammen von Tomasso Soldati (der in Prag viele Spuren hinterlassen hat, etwa bei den Stuckarbeiten im Palais Lobkowicz).

Die weitere Geschichte ist wechselhaft. 1773 hob Papst Clemens XIV. den Jesuitenorden auf. Als der Orden 1814 wieder zugelassen wurde, gab man ihm die Kirche zurück. Dass die Kommunisten nach 1948 den Orden abermals enteigneten, verwundert ebenso wenig wie die Tatsache, dass die Kirche den Jesuiten 1990 nach der Samtenen Revolution abermals restituiert wurde. Die stürmischen Zeiten sind vergessen. Deshalb kann man die Kirche unbefangen besuchen und sich von der barocken Wucht des Innenraums überwältigen lassen. (DD)

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