Milde mit dem Marschall

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Er war treuer Diener des Sowjetstaates. Er schlug den Aufstand der freiheitsliebenden Ungarn 1956 militärisch nieder. Auch an der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings hatte er seinen gehörigen Anteil. Aber: Es war auch er, der Auschwitz befreite. Und, vor allem, er war es, der in Prag die Nazis vertrieben hatte.

Was macht man mit dem Andenken eines solchen Mannes? Die Rede ist von Iwan Stepanowitsch Konew (1897-1973), General der Roten Armee und seit 1944 sogar Marschall der Sowjetunion. Die Frage könnte man als akademisch abtun, stünde da nicht im Stadtteil Bubeneč ein großes Denkmal für ihn. Noch in den Zeiten des Kommunismus wurde es 1980 von dem Bildhauer Zdeněk Krybus im Stile des lupenreinsten sozialistischen Realismus erschaffen.

IMG_6302Immer wieder – das letzte Mal 2015 – tobt im Rat des Stadtteils die Debatte, ob man das Denkmal nicht demontieren sollte, so wie man es mit den meisten Denkmälern für zweifelhafte Helden des Sozialismus getan hatte. Aber die Prager – bzw. die Ratsmitglieder –  lassen in seinem Falle anscheinend viel Milde walten. So steht er immer noch da. Freundlich reicht der Marschall auf dem Sockel den Pragern einen hübschen kleinen Strauß Blumen. Eine wahre Pazifistenseele, könnte man fast meinen.

Nicht alle finden das so richtig nett. Und so wird Konew auch mit einer gewissen Regelmäßigkeit das Opfer von Spray- oder Farbbeutelanschlägen. Für seine Milde muss der Rat deshalb wohl hohe Reinigungskosten zahlen. (DD)

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