Und oben strahlt der Sowjetstern

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Die monumentale Stalinstatue auf dem Letna-Park wurde schon 1962 gesprengt. 1991 folgte nach der Samtenen Revolution das sowjetische Panzerdenkmal (nachdem es vorher rosa angemalt worden war). Jede Epoche hat in Prag ihre architektonischen Spuren hinterlassen. Dass man aus der Zeit des Stalinismus und seiner Verbrechen nur noch wenige Relikte findet, ist verständlich.

IMG_6293Aber auch diese Zeit kann nicht ausgeblendet werden. Deshalb ist das größte Gebäude des „sozialistischen Realismus“ in Prag, wie man den pompösen  „Zuckerbäckerstil“ offiziell bezeichnete, immer noch das, was es ursprünglich auf war: ein Hotel.

Als es 1952 bis 1954 nach Entwürfen des Architekten František Jeřábek im Stadtteil Dejvice erbaut wurde, nannte man das heutige Hotel International noch Hotel „Družba“. Das ist das russische Wort für „Freundschaft“, denn in dieser musste man ja sich damals mit den „Russen“ (gemeint sind die „Sowjets“) zwangsweise verbunden fühlen. 16 Stockwerke, 88 Meter hoch und ganz oben strahlt der 1,50 Meter große Sowjetstern – so als ob wäre 1989 nichts geschehen.

Äußerlich hat das ganze Ding eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kulturpalast in IMG_6288Warschau, aber die Prager können dankbar sein, dass das Hotel dann doch nicht so riesig (d.h. 230 Meter hoch!) ist, wie der Koloss von Warschau. Es dominiert jedenfalls nicht so sehr den gesamten Rest des Stadtbilds.

Der immer noch pompöse Monumentalismus wird außen ergänzt durch Friese und Statuengruppen, die das glückliche und schöne Leben aller Arbeiter und Bauern IMG_6292(mit der „kleinen“ Ausnahme der rund 4 Millionen „Kulaken“, die unter Stalin ums Leben gebracht wurden) in der UdSSR darstellen. Man könnte den protzigen Polit-Kitsch fast schon putzig finden, wüsste man nicht, was für eine zutiefst menschenverachtende Ideologie dahinter steckte, die im 20. Jahrhundert so viele Menschenleben forderte..

Das Hotel wechselte nach der Samtenen Revolution oft den Besitzer (meist internationale Hotelketten) und damit auch oft den Namen. Aus Družba wurde IMG_6294Holiday Inn, dann Crowne Plaza, dann InterContinental, jetzt International.

Wer drinnen übernachtet, kann ein gewisses Flair kaum ableugnen – das ist nicht von der Hand zu weisen. Die riesige Eingangshalle mit ihrem Marmor, Plüschteppichen und glänzenden Kronleuchtern strahlen jedenfalls einen gewissen Charme aus. Stalin ist ja schließlich schon lange tot. Und sein Geist spukt hoffentlich nicht im Hause herum …. (DD)

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