Wo der Wombat wohnt

Am 8. Januar 2022 wurde er den Besuchern vorgestellt: Cooper! Es handelt sich um einen Wombat, ein Säuger, der wie alle guten Australier zur Familie der Beuteltiere (Marsupialia) gehört. Und der putzig ist! Und eine Rarität! Und der ganze Stolz des Prager Zoos!

Und mit der Ankunft Coopers rückte wieder eine andere sensationelle Sehenswürdigkeit des Zoos in den Mittelpunkt. Die gibt es hier erst seit dem 27. Mai 2020: den Darwin Krater (Darwinův kráter). Das ist ein nach modernsten Methoden erbautes Areal, das – mit einiger Fantasie betrachtet – tatsächlich ein wenig kraterförmig angelegt ist. Links sieht man es von oben von einer der schönen Anhöhen des Zoos. Und im Darwin Krater geht es vor allem um australische Fauna und Flora.

Den Namen verdankt der menschengemachte Darwin Krater in Prag dem bekannten Darwin Krater auf der australischen Insel Tasmanien (der eigentlichen Heimat des Wombats), der ein echter Krater ist, der dereinst durch den Einschlag eines Meteoriten entstand. Auf seinem Gebiet befindet sich heute ein Naturschutzareal, in dem es ein überreiches und üppiges Maß an seltenen Tier- und Pflanzenarten gibt – die dem Prager Zoobesucher vorzustellen die oberste Aufgabe das neuen Prager Darwin Kraters ist.

Und hier nun zog Cooper der Wombat in sein nettes artgerechtes Gehege ein. Geboren war er im Juli des Vorjahres im Zoo Hannover. Es war dort die erste Geburt eines Wombats seit 1993, was unterstreicht, dass Wombats rar und gefährdet sind. Das haben sie nicht verdient, denn sie sind äußerst originelle Tiere. So ist zum Beispiel ihr Kot würfelförmig, und keiner weiß so recht, warum. Bevor er der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war Cooper erst mal in Quarantäne. Dabei wurde er umgestellt. Denn Wombats sind nachtaktiv, weshalb Cooper an das Leben am Tage gewöhnt werden musste – den Zuschauern zuliebe. Als er sich aber dem Publikum vorstellte, war der Jubel groß. Bei der Einweihung waren als Star-Präsentatoren der bekannte Sänger und Talkshow-Host Marek Eben und der weltweit berühmte Starkonditor Josef Maršálek zugegen (ob Cooper seither mit Törtchen gefüttert wird?). Das war schon ein prominentes Entrée. Nun ja, es gibt ja auch nur acht Zoos in Europa, die Wombats haben. Das muss man feiern. Zurzeit sucht der Zoo ein Weibchen – wenigstens leihweise aus einem anderen Zoo. Damit Cooper etwas zur Arterhaltung beitragen kann. Das ist in Covid-Zeiten nicht so leicht.

Über Cooper den Wombat darf man aber die anderen Bewohner nicht vergessen. Denn wer will bestreiten, dass der Tasmanische Beutelteufel zu den putzigsten Kreaturen dieses Erdballs gehört. Ist das Bild rechts mit einem der Teufelchen, das sich auf einem Stein sonnt, nicht süß? Die zur Familie der Raubbeutler (Dasyuridae) gehörenden Tiere, die nur noch auf Tasmanien in freier Natur leben, sind jedenfalls nicht die hässlichen Kreaturen, als die man sie früher im Trickfilm darstellte. Sie gehören jedenfalls zu den absoluten Publikumslieblingen – im harten Wettbewerb mit Wombat Cooper.

Wir reden hier von einem richtigen Publikumsmagneten, denn Wombat Cooper und die Tasmanischen Beutelteufel sind natürlich die Stars des Darwin Kraters, der wiederum das Star-Gehege im Zoo ist. Sie haben daher beim Marketing des (gesamten) Zoos einen besonders hohen Stellenwert inne. Das zeigt sich an den Merchandise-Artikeln, die in den Shops des Zoos angeboten werden. Der Wombat als Werbeikone findet sich unter anderem auf Wombat-T-Shirts und Wombat-Bechern. Es gibt ein Wombat Stofftier und vor allem Schokolade in Würfelform wie der Wombatkot (das ist derber, aber großartiger tschechischer Humor). Ich habe, wie man auf dem Bild oberhalb links sieht, eine Packung auf dem Geländer von Coopers Gehege photographiert.

In Sachen Tasmanische Beutelteufel scheint die Werbung eher auf erwachsene Tschechen abzuzielen, um sie dort abzuholen, wo sie traditionell am liebsten sind – beim Bier! Zur Einweihung des Darwin Kraters gab man bei der in Pilsen ansässigen Kleinbrauerei Raven einen Viererset (Bild rechts im Laden nahe der Hauptkasse) an verschiedenen Bieren unter dem Titel Ďáblovo pivo (Teufelsbier) in Auftrag. Die Sorten tragen die Namen der vier Prager Beutelteufel Sumac, Aniseed, Laurel und Nutmeg, wobei der Typ Nutmeg vorgibt, ein Kölsch zu sein. Aber das gibt es nur vor, weil es ein obergäriges Bier ist wie das Kölsch. Es ist auch definitiv lecker, schmeckt aber nicht einmal entfernt wie richtiges kölsches Kölsch. Auf jeden Fall gönnt man sich etwas richtig Gutes, wenn man den Set zu sich nimmt. Und man tut auch etwas Gutes für den Zoo, der ja immer Geld braucht, um den Tieren ein gutes Zuhause zu bieten.

Natürlich gibt es – in Übereinstimmung mit der normalen Erwartungshaltung in Sachen australische Fauna – auch Kängurus. Die zweifellos bekanntesten Beuteltiere befinden sich in einem großzügig angelegten Freigehege im nördlichen Teil des Darwin Kraters. Dort haben sie genügend Auslauffläche für ihre eigentümliche Fortbewegungsart, dem Hüpfen. Das gilt aber vor allem für die Großkängurus.

Für kleinere Tiere, die den geschützten Raum lieben, gibt es natürlich ein eigenes Gebäude, dass man beim Besuch des Darwin Kraters zentral durchqueren muss. Das Ganze ist ein wenig so wie eine künstliche Höhle gestaltet, die ein wenig die Atmosphäre einer echten Höhle im echten Darwin Krater ausstrahlt. Die Dunkelheit mag es vielen eigentlich nachtaktiven Tieren erleichtern, auch tagsüber den Besucher zu erfreuen. Überall finden sich drinnen beleuchtete Infotafeln, die didaktisch sehr gut gemacht sind (in Tschechisch und Englisch).

Bewundern kann man dort Kuriositäten des Tierreichs, wie den Kurzschnabel-Ameisenigel (Tachyglossus aculeatus) oder Schlangen, wie die Todesotter (Acanthophis antarcticus), die uns daran erinnert, dass Australien nicht nur dass Land mit den putzigsten Tieren, sondern auch das Land mit den meisten giftigen Tieren ist. Aber auch völlig ungiftige Kleinkängururs, wie das etwa rattengroße Parmakänguru oder auch Parmawallaby (Notamacropus parma) sind innen untergebracht (siehe Bild links).

Und draußen um Gehege und Gebäude herum sind große Volieren für die Artenvielfalt an australischen Vögeln reserviert, von denen man rechts im Bild Goldschultersittiche (Psephotus chrysopterygius) im vollen Flug bewundern kann. Es gibt auch ein richtiges Vogelhaus für Vögel, denen das tschechische Klima zu kalt ist. Kurz: Auf rund 4000 Quadratmetern bietet der Darwin Krater extrem viel Interessantes für den Besucher – für Kinder und Erwachsene ebenso. Der Prager Zoo hat damit eine recht einzigartige Anlage geschaffen, die Maßstäbe setzt. Jetzt muss für Wombat Cooper nur noch ein Weibchen gefunden werden, dann ist alles perfekt! (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s