Georg und mehr ….

Der Heilige Georg, der Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert und Drachentöter, war (obwohl selbst kein Böhme, sondern Kappadokier aus dem Gebiet der heutigen Türkei) bei den Tschechen stets populär. Die ihm geweihte Kirche in der Prager Burg (siehe hier) war die erste Grablege der böhmischen Herrscher im Mittelalter. Und der Legende nach wurde das Land Böhmen in grauer Vorzeit von einem Georgsberg aus besiedelt. Der Heilige hat fast so etwas wie den Status eines Landespatrons.

Das mögen oder mögen auch nicht die Gründe gewesen sein, warum die Erbauer des großen, an eine gewaltige Ritterburg erinnernden, vierstöckigen Wohnhauses in der Pařížská 97/15 ( an der Ecke der ul. Široká) auf der Höhe des dritten Stock beim Eckerker diese riesige und opulent gestaltete Statue des gerade den Drachen mit einem Schwert erschlagenden Georgs anbrachten. Denn nur so kann man erklären, wie sich der römische Heilige in das eigentlich böhmisch nationale Grundthema des Hauses und seiner Fassade einfügt.

Das Haus steht auf den Gebiet des ehemaligen jüdischen Ghettos in Josefov (Prag 1), das nach dem Toleranzpatent von 1782 und der Judenemanzipation von 1848, die Juden das Recht auf freie Wohnortswahl gaben, sich allmählich auflöste und nach 1893 zur Luxuslage im Stile von Paris umgestaltet wurde. Entsprechend modern und reich statteten der Architekt Jiří Justich der Baumeister Matěj Blecha das neue Gebäude in den Jahren 1905/06. Es entstand ein opulenter und wuchtiger Prachtbau der Belle Époque!

Die Fassaden ließen die Erbauer reich mit skulpturalen Elementen ausstatten, wovon der Heilige Georg in seiner römischen Offiziersrüstung nur ein Beispiel ist. Als Resultat entstand ein mit Zinnen und Erkern geziertes Meisterwerk eines historistisch aufgefassten Jugendstils. Die Skulpturen sind ein Werk des Bildhauers Karel Novák,der immerhin ein Schüler des Bildhauers Josef Václav Myslbek war, dem wir unter anderem die große Reiterstatue des Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz verdanken.

Über einem der Fenster auf Höhe des vierten Stocks befindet sich ein Stuckbanner mit der Aufschrift „1621“. Dies erinnert zweifellos an ein Schicksalsereignis, die Hinrichtung der 27 Anführer des Böhmischen Ständeaufstands am 21. Juni 1621, die sich der Habsburgerherrschaft widersetzt hatten. Mit der Hinrichtung begann die sogenannte Epoche des Temno – der Finsternis – in Böhmen, verbunden mit dem Verlust der Unabhängigkeit und der brutalen Zwangskatholisierung. Für den in der Zeit der Errichtung des Hauses in der Pařížská blühenden tschechischen Nationalismus war das Datum ein Symbol. Und es war im gehobenen tschechischen Bürgertum üblich, nationale Symbolik auch an privaten Wohnhäusern anzubringen.

Auf Höhe des Schriftzugs befinden sich zahlreiche mittelalterlich anmutende Wappen. Man könnte annehmen, dass es vielleicht die Wappen der Hingerichteten von 1621 seien, aber dafür habe ich in Stichproben kein Indiz gefunden. Für Hinweise in dieser Sache bin ich dankbar. Jedenfalls unterstreichen die Wappen den historistischen Charakter der Architektur des Hauses.

Deutlicher wird die Botschaft beim Haupteingangstor. Oben im Tympanon befinden sich zwei hussitische Krieger (Bild oberhalb links). Die Hussiten – Anhänger des spätmittelalterlichen tschechischen Frühreformators Jan Hus, die für ihr Land und ihre Glaubensfreiheit kämpften – waren stets ein zentraler Baustein der Nationalmythologie der Tschechen. Sie dürfen bei einem solchen Haus nicht fehlen, das hier den großen historischen Bogen spannt – von der Symbolfigur des Georg über die Hussiten hin zur Anklage gegen die Schrecken des Habsburgertums von 1621. Und das alles im anheimelnden spätgotisch angehauchten Stil…

Wie so viele Häuser, die zu Ende des 19. Jahrhunderts oder dem Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurden (früheres Beispiel hier), erzählt auch dieses hier also ein nationalhistorisches Narrativ. (DD)

Synagoge und Museum

Die Maisel-Synagoge in der Maiselova 63/10 im alten Judenviertel von Josefov kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie wurde in den Jahren 1590 bis 1592 – in der Blütezeit der Renaissance – erbaut. Von dem Ursprungsbau sieht man heute allerdings nichts mehr.

Beginnen wir mit dem Erbauer: Mordechai Maisel, der der Synagoge und auch der Straße, an der sie liegt, den Namen gab. Der war zu Ende des 16. Jahrhunderts Rabbiner und Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Zudem war er Bankier und kaiserlicher Hofjude. Als solcher war er der Finanzier Kaiser Rudolfs II., der recht spendabel war und ohne Maisels Geldspritzen wahrscheinlich wohl erbärmlich bankrott gegangen wäre. Der Kaiser schätzte ihn darob sehr und Maisel durfte nun sogar eine eigene Fahne führen – ein Privileg sondergleichen, das sonst kaum je Juden zuteil wurde.

Gleichzeitig gab ihm der Kaiser auch das Privileg, privat eine Synagoge bauen zu dürfen. Die Maisel-Synagoge wurde die größte Synagoge in der Stadt. Seinen Reichtum nutzte er für soziale und kulturelle Zwecke. Als Mäzen förderte er nicht nur den Bau der Maisel Synagoge, sondern auch die Talmudschule in der Klausen-Synagoge oder die Prager Beerdigungsbruderschaft. Er blieb den Menschen als Wohltäter in Erinnerung.

1689 brach das Große Feuer in der Altstadt aus, das von Agenten des französischen Königs gelegt worden war, der so die Habsburger ein wenig triezen wollte. Dem fiel auch Maisels Synagoge zum Opfer, die 1691 in völlig neuem, barocken Gewand neu aufgebaut wurde. Sie wurde dabei ein wenig verkleinert. Das führte im 19. Jahrhundert dazu, dass sie nun zu klein war. Der Architekt J.M. Wertmüller erweiterte und veränderte den Bau in den Jahren 1862 bis 1864. Schließlich, in den Jahren 1895 bis 1905 vergrößerte der jüdische Architekt Alfred Grotte (der 1943 von den Nazis ermordet wurde) die Synagoge nochmals und brachte sie in jene Gestalt, wie wir sie heute kennen. Das Resultat war nunmehr ein neo-gotisches Gebäude – eine Art Rückgriff auf eine imaginäre frühere Geschichte, die das Gebäude eigentlich (als ursprüngliches Renaissancebauwerk) nicht hatte.

Als die Nazis 1939 in Prag einmarschierten, beschlagnahmte sie das Gebäude und machten es zu einem Lager für „arisierten“ (das heißt: von ihnen gestohlenen) jüdischen Besitz. Die Nazi-Tyrannei endete 1945 und einige Jahre darauf (1955) wurde die nunmehr säkularisierte Synagoge Teil des Jüdischen Museums und zwar zunächst als Depot. Nach einer umfassenden Renovierung wurde 1965 eine Dauerausstellung mit jüdischen Kunstschätzen aus Böhmen und Mähren eröffnet, die bis 1988 Bestand hatte. Es erfolgte eine neuerliche Renovierung und seit 1996 beherbergt die Synagoge eine Ausstellung über die Geschichte der Juden in Böhmen vom 10. bis zum 18. Jahrhundert. Sie passt sich großartig in die Architektur des Gebäudes ein, wie man oberhalb rechts am Beispiel des prachtvollen neogotischen Toraschreins sehen kann, der u.a. einen Tora-Mantel aus dem späten 17. Jahrhundert enthält.

Eine besondere Rolle spielt bei der Ausstellung die Judenemanzipation. Hier denkt man zuvörderst an das Toleranzpatent Kaiser Josephs II. von 1782, dass die schwere Besteuerung der Juden, die Beschränkung der Gewerbefreiheit und die Wohnpflicht in Ghettos beendete. Aus Dank bekam eine Büste des aufgeklärten Kaisers 2015 einen Ehrenplatz auf einem Bücherregal direkt neben dem Eingang. Die Büste ist das Werk der Bildhauerin Michaela Absolonová.

Das imposante Äußere der Synagoge wurde 2014/15 einer Renovierung unterzogen, bei der vor allem die Farben aufgefrischt wurden. Man kann also eine kleine, aber sehr informative Ausstellung mit vielen wertvollen Ausstellungsstücken (wie die Buchausgabe heiliger Schriftrollen rechts, die 1530 gedruckt wurden) in einem sehr passenden und ansprechenden Ambiente genießen. (DD)

Theater der Dissidenten

Es war nicht leicht für Theaterleute, als noch die Kommunisten regierten. Avantgardistische Inszenierungen und kritische Inhalte waren von den Behörden unerwünscht und „sozialistischer Realismus“ vorgeschrieben. Aber Theaterleute wären nicht Theaterleute, wenn sie nicht dennoch ab und an gegen den Stachel löckten.

Das tat man in besonders hohem Maße im Divadlo Na zábradlí (Theater am Treppengeländer) am alten Annen-Platz (Anenské náměstí 209/5) in der Altstadt, das so etwas wie das Prager Dissidententheater schlechthin wurde. 1958 gründeten die Regisseurin Helena Philippová, die Schauspieler Ivan Vyskočil und Jiří Suchý und der Komponist Vladimír Vodička das Theater, das am 9. Dezember dieses Jahres mit Suchýs (später verfilmtes) Musical Kdyby tisíc klarinetů (Wenn bloß 1000 Klarinetten wären) den Betrieb aufnahm. Den Namen des Theaters „zum Treppengeländer“ leitet sich übrigens von der gleichnamigen Gasse (Na zábradlí) ab, die vom Annen-Platz vorbei am Theater zur Moldau führt.

Lag es daran, dass es sich nicht um ein Großtheater handelte? Traute die Obrigkeit dem Divadlo Na zábradlí keine „Massenwirkung“ zu und drückte deshalb ab und an ein Auge zu? Tatsächlich bietet der kleine Theatersaal mit ebenso kleinem Balkon nur wenigen hunderten Zuschauern Platz. Es erinnert an eine klassische Kleinkunstbühne für Kabarett (das Bild zeigt übrigens die deutsch-tschechische Kabarettvorführung Fall Mauer Fall/Zeď nám spadla im Dezember 2019). Die Wirkung war trotzdem immer groß!

Im Jahr nach der Eröffnung stieß noch der Pantomine und Regisseur Ladislav Fialka dazu und bis zu dessen Tod 1991 gehörte daher sein Pantomimentheater fest zum Programm. Die 1960er Jahre waren eine große Blütezeit des Theaters. Unter dem Regisseur Jan Grossman, der 1961 die Leitung übernahm, entwickelte sich das Programm immer mehr hin in Richtung Absurdes Theater. Schon das entsprach nicht den Richtlinien der offiziellen Kulturpolitik, aber Grossman, der schon zuvor durch unangepasste Ansichten aufgefallen war, wagte sich auch immer mehr auf das politische Terrain vor. Er tat das, indem er unter anderem den Dramaturgen und Schriftsteller Václav Havel anheuerte, der später als der führende Kopf der Dissidentenszene und als erster demokratisch gewähleter Präsident nach 1989 in die Geschichte einging. Sein 1963 uraufgeführtes Stück Zahradni slavnost (Das Gartenfest) stellte die sinistere Bürokratie der Kommunisten satirisch bloß. Im Vorfeld des Prager Frühlings, der vorsichtigen Liberalisierung des Systems im Laufe der 1960er, konnte man sich derartiges mit einigem Geschick herausnehmen.

Der Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes im August 1968, die den Prager Frühling niederschlugen, beendete dieses Phase in der Geschichte des Theaters. Grossman und Havel wurden entlassen. Trotzdem pflegte man weiterhin den kritischen Geist und nutzte dazu jeden verbliebenen Freiraum. In gewisser Weise profitierte das Theater sogar von der zunehmenden Repression, denn es fanden unzählige talentierte Filmregisseure und -schauspieler hier Zuflucht, die auf der „großen Leinwand“ Berufsverbot gekommen hatten. Dazu gehörte u.a. der berühmte Regisseur Evald Schorm, der 1970 seine Arbeitserlaubnis beim Film verlor, und der hier international beachtete moderne/experimentelle Inszenierungen bekannter Klassiker (z.B. Shakespeares Macbeth) schuf.

1989 beendete die Samtene Revolution das kommunistische System. Künsterlerische Freiheit ist seither eine Selbstverständlichkeit. Grossman kehrte zurück und leitete bis zu seinem Tode 1993 wieder das Theater als Direktor. Man pflegt hier immer noch modernes und absurdes Theater, von Zeit zu Zeit aufgelockert durch „radikale Interpretationen“ klassischer Stücke.

Das Theater befindet sich mitten in der Altstadt, weshalb auch das Gebäude selbst eine lange zurückverfolgbare Geschichte hat. Der klassizistische Bau, genannt dům U Zeleného kloboučku (Haus am Grünen Hut), wurde 1832 von dem Architekten J.K. Vítek auf der Stelle eines alten ehemaligen klösterlichen Wirtschaftsgebäudes erbaut. 1913 wurde erstmals ein Theatersaal eingebaut. Das Divadlo Na zábradlí zog also 1958 auf vorbereiteten Grund.

Seither wurde öfters umgebaut. Eine kleine Sensation, die nur dem auffällt, der darum weiß, findet sich im Zuschauersaal. Es ist die Václav Havel Loge. Nun ist das Theater für Logen eigentlich zu klein. Abaer Havel blieb dem Theater auch als Präsident zumindest als Zuschauer erhalten (was die Reputation des Theaters förderte). Deshalb baute man das kleine Kämmerchen an der Seitenwand, in dem er dereinst als Beleuchter arbeiten musste, für ihn zu einer Miniaturloge aus. In dem dunklen, schwarz gestrichenen Saal erkennt man sie kaum (s. den roten Pfeil). Eine andere Attraktion findet man außen an der Wand. Am 9. Dezember des Jahres 2008 feierte man nämlich das 50. Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass brachte man das schaurig-mysteriöse Nonsens-Kunstwerk Embryo (worüber wir bereits hier berichteten) des passend anarchischen Bildhauers David Černý an der Fassade an.

2016/17 baute man das Theater grundlegend um. Das gesamte Atrium und das Restaurant wurden umfassend modernisiert und sind jetzt richtig schick geworden. Der klassizistische Charakter des Atrium wurde dabei erhalten, aber mit einer modernen Glastreppe und viel Licht verschönert (man sieht es weiter oben rechts). Und das Restaurant lädt auch Nichtbesucher des Theaters mit seinem gepflegten Ambiente ein. Und das bisschen Etabliertsein, das dabei durchschimmert, schadet am Ende auch nichts. (DD)

Der Mäzen im Innenhof

Man entdeckt ihn in der Regel nur durch Zufall, etwa wenn man einen Weg abkürzen will und dann den Weg durch einen Hinterhof nimmt. Da steht er dann plötzlich vor einem mit seinem eindrucksvollen Gabelbart: Josef Hlávka – Architekt, Staatsmann und Mäzen.

Er ist es, da er 1908 starb, natürlich nicht selbst in Person, sondern als bronzenes Denkmal. Nach Hlávka ist sogar eine der Prager Brücken benannt, als so bedeutetend wird er gemeinhein erachtet. Dass sein Denkmal nun hier so versteckt sein Dasein fristet, verwundert. Es erklärt sich halt nur dadurch, dass der Hinterhof in der Vodičkova 15-17 in der Neustadt (der hintere Hofausgang führt auf die Jungmannova 12-14) historisch eng mit seinem bleibendem Werk verbunden ist. Er steht zwar abgelegen, aber doch am richtigen Platz.

Hlávka trat vor allem in den 1860er Jahren als Architekt und Baumeister auf. Er realisierte in Wien zum Beispiel die Hofoper (heute Staatsoper). Der Denkmalschutz lag ihm besonders am Herzen und so wurde er 1864 zum Konservator der österreichischen Centralkommission für die Denkmalpflege. In Prag unterhielt er einen Salon, in dem sich die Großen der Großen der tschechischen Kultur, darunter Antonín Dvořák, trafen. Er förderte die Künste, wo er konnte und gehörte zu den Gründern der Akademie der Wissenschaft und Künste. Das machte ihn so populär, dass er 1883 in das österreichissche Parlament, dem Reichsrat gewählt wurde. Die Wahl in den Böhmischen Landtag erfolgte 1886. Und 1891 machte ihn der Kaiser sogar zum lebenslangen Mitglied des Herrenhauses (dem damaligen österreichischen Oberhaus).

Sowohl seine erste Ehe mit der 1882 verstorbenen Anna Stach als auch seine zweite Ehe mit Zdeňka Havelková blieben kinderlos, sodass er 1904 beschloss, sein beträchtliches Vermögen der von ihm gegründeten Stiftung von Josef, Marie und Zdeňka Hlávka (Nadání Josefa, Marie a Zdenky Hlávkových) zu vermachen. Es handelte sich um ein Förderwerk für arme, aber talentierte Studenten und Nachwuchswissenschaftler. Sie kann auf eine stolze Geschichte zurückschauen, denn sie überlebte die Monarchie der Habsburger, die Erste Republik, die Nazibesetzung und den Kommunismus (wenn auch nur formal unabhängig) unbeschadet. Und sie vollbringt immer noch ihr segensreiches Werk. Hlávka kann stolz von seinem Sockel auf sein Erbe schauen.

Auf dem steht er erst eine erstaunlich kurze Zeit. Das Denkmal wurde zwar schon 1912 bis 1914 von dem Bildhauer Josef Mařatka entworfen und ein Modell wurde 1920 im Gemeindehaus aufgestellt. Aber erst 1994 goß man die nunmehr hier im Hinterhof stehende etwas überlebensgroße Statue Hlávkas, die auf einem steinernen Sockel steht.

Das ist natürlich nicht irgendein Hinterhof, es ist vielmehr der Innenhof des von Hlávka noch selbst im Neorenaissancestil erbauten Hauses der Hlávka-Stiftung (Hlávkův dům), dort wo die Stiftung auch ihren Sitz hat. Im Durchgang, der von der Vodičkova zum Hof führt, hängen an beiden Seiten je eine Gedenktafel aus Marmor, die seinen Leistungen als Architekt und Gründer der Wissenschaftsakademie (kleines Bild links) und als Gründer seiner Stiftung für bedürftige Studenten (kleines Bild rechts) erinnern. Hlávka lebt also in seinen Werken noch immer fort. (DD)

Purismus für die Versicherung

Der Adria Palast (Palác Adria), aus den Jahren 1923/24 (über den wir bereits berichteten) gilt ein Meisterwerk des Rondokubismus. Der Versicherung Riunione Adriatica di Sicurtą, die das Gebäude bauen ließ, ging es damals anscheinend gut, denn selbst dieses Riesengebäude platzte bald aus den Nähten. Also baute man in den Jahren 1929-30 auf der gegenüber liegenden Seite ein zusätzliches Verwaltungsgebäude. Da war aber bereits ein anderer Baustil angesagt.

Und so zeichnet sich das an der Jungmannova 750/34 (Neustadt) gelegene sechsstöckige Haus durch äußerst strenge Formen aus, die sich deutlich von der Überladenheit des gegenüber befindlichen Bauwerks absetzen. Der Stil wird oft als puristisch-klassizistisch bezeichnet. Wie bei alten Gebäude versuchte man dem Ganzen durch klassische „Zitate“ einen leicht italienischen Anstrich zu geben – was auf den „italienischen“ Ursprung der Riunione Adriatica anspielen sollte (die eigentlich in Triest gegründet wurde, das bis 1918 zum Habsburgerreich und ab 1918 zu Jugoslawien gehörte).

Gerade bei den Fenstererkern des ersten Stockwerks sieht man aber, das der Architekt Friedrich Lehmann sich schon stark auf den aufkommenden Funktionalismus eingelassen hatte – ein Stil, den er andernorts eifrig umsetzte. Dazu passt auch schon die technische Modernität des Gebäudes, das in der damals neuen und modernen Skelettbauweise aus Stahl und Beton erstellt wurde, und dessen markanter Eckturm geradezu auf stählernen Konsolen geradezu zu schweben scheint.

Der Eindruck des klassizistischen Rückgriffs entsteht nicht nur durch den Turm, sondern auch durch die Steinauskleidung der Fassade. Diese ist durch Rustifizierungen horizontal strukturiert, was den Eindruck von Säulen oder Pilastern nachempfindet. Das auffälligste Element ist allerdings das „Logo“ der Versicherung (die hier schon lange nicht mehr residiert) am Fuße des Turms, das Modernes und Klassisches kombiniert. Der moderne Schriftzug wird um die altertümliche Skulptur eines venezianischen Löwen – auch Markuslöwe genannt – ergänzt, der bereits bei der Gründung der Versicherung im Jahre 1838 ihr „Werbeträger“ war.

Abgerundet wird das Ganze durch die streng funktionalistisch gestalteten Uhren auf beiden Seiten des obersten Turmstockwerks, die sich fast wie Lorbeerkränze ausnehmen. Darüber befinden sich zwei Fahnenmäste, an deren Spitzen sich je ein vergoldetes Schiffssymbol befindet. Das korrespondiert mit der ähnlichen Schiffssymbolik des früheren Gebäudes und weist auf die Schiffsversicherung als besonders lukrativen Geschäftszweig der Versicherung hin. Es ist diese Mischung aus Gleichklang und ästhetischem Kontrast zum gegenüber liegenden Gebäude der Adria, das den Reiz dieses Bauwerks ausmacht. (DD)

Kelch und Kubismus

Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (Českobratrská církev evangelická) wurde als unierte protestantische Kirche zu Beginn der Ersten Republik 1918 gegründet und sah sich stets auch als Träger eines republikanischen Fortschrittsgedankens.

Das schlug sich auch in der Architektur der kirchlichen Gebäude nieder, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. Das Hus Haus (Husův dům) in der Jungmannova 22/9 in der Neustadt ist ein besonders interessantes Beispiel dafür. Das Gemeindezentrum ist besonders bemerkenswert als eines der wenigen Beispiele für ein kirchliches Bauerk im Stil des Kubismus (ein weiteres findet sich hier). Es wurde im Jahre 1923 durch den Architekten Bohumír Kozák, der übrigens Sohn eines evangelischen Pfarrers der Böhmischen Brüder war, erbaut.

Das fünfstöckige Haus hatte zuvor etliche Bauphasen hinter sich gebracht – Gotik, Renaissance und Barock -, bevor Kozák es für die Böhmischen Brüder völlig neu gestaltete. Die Fassade unterteilte er dabei in drei horizontale Abschnitte, von denen der obere durch Pilaster vertikal strukturiert ist, während der Mittlere freie Flächen für skulpurale Ausgestaltung belässt und das Erdgesoss für Schaufenster reserviert ist. Besonders im oberen Teil (drei Stockwerke) dominiert die geometrische Ästhetik des Kubismus mit seinen Kreuz-, Rechteck- und Dreieckformen.

Ebenfalls eine aus Rechtecken konzipierte konsequent kubistische Gestaltung findet man bei den Fensterumrahmungen im mittleren Gebäudeteil. Sie sind auch rechteckeckigen Formelementen zusammengesetzt, was zwar dem kubistischen Modernismusanspruch genügt, aber das Haus auch ein wenig traditionalistisch aussehen lässt. Kozák engagierte sich nämlich auch als Architekturhistoriker und Denkmalschützer und war bei seinen frühen Werken noch stark vom Klassizismus beeinflusst, bevor er sich dann dem Kubismus und später sogar dem Funktionalismus zuwandte.

Die kubistische Ästhetik des Gebäudes beschränkt sich indes nicht nur auf die Stuckatur der Fassade, sondern bedient sich auch metallener Elemente. Die kleinen diagonal kreuzförmigen Ornamente an der Fassade finden ihre Entsprechung beim Metallbeschlag des großen Haupt- und Hoftor. Sie wiederholen das diagonale Kreuzmuster in dicht komprimierter Form. Auch hier gelingt es Kozák sehr gechickt, kubistische Formensprache sehr traditionalistisch und dem kirchlich-religiösen Zweck des Gebäudes entsprechend wirken zu lassen.

Der optische Mittelpunkt sind jedoch die Skulpturen des Bildhauers Ladislav Kofránek über dem ersten Stockwerk. Im Zentrum steht dabei der tschechische Urvater der Reformation, Jan Hus, der dem Haus ja auch den Namen gibt. Hus war in der Zeit der Ersten Republik nicht nur eine religiöse Figur, sondern ein politisches Symbol der nationalen Unabhängigkeit. In den Händen hält er den Kelch, der für die Hussiten, die den Laienkelch einführten und darob mit der katholischen Kirche in Konflikt gerieten, das zentrale Glaubenssymbol war. Gerahmt wird Hus von zwei Medaillons, die je eine Heilige Schrift und ein Lamm Gottes darstellen. Heute resideren hier im Gebäude des Synodenrat und das Zentralbüro der Evangelischen Kirche, hautsächlich im vorderen Teil.

Bekannter ist jedoch ein anderer Bewohner, das passend zum Gebäude benannte Divadlo Kalich (Theater des Kelchs), das seit den 1990er Jahen im hinteren Teil residiert, aber dessen Namen groß über dem Toreingang prangt. Der Theaterbau selbst wurde in den Jahren 1935/36 von dem Architekten und Baumeister Antonín Belada hier erbaut. Heute – nach einer großangelegten Modernisierung im Jahre 1999 – zählt das Theater zu den renommierteren Kleinbühnen der Stadt, in dem (oft, aber nicht immer komödiantische) Theaterstücke, aber auch viele Musicals aufgeführt werden. (DD)

Theater mit wechselhafter Geschichte

Prag ist eine Stadt der Theater und der lebendigen Theaterkultur. Da viele der heutigen Stadtteile früher selbständige Städte waren, die über eigene große Theater verfügten (Beispiel hier), zeichnet sich das Theaterleben durch eine geradezu flächendeckende Vielfalt aus.

Ein Beispiel findet sich im nördlichen Stadtteil Libeň (Prag 8), nämlich das Divadlo pod Palmovkou (Palmovka Theater) in der Zenklova 566/34. Es ist benannt nach einem ehemaligen Weingut Palmovka auf einem Hügel, an dessen Fuß das Theater liegt. Von außen sieht man dem funktionalistischen Gebäude seine frühere Geschichte nicht an. Drinnen finden sich jedoch noch viele Spuren davon.

Zurückverfolgen lässt sich das Theater bis in die 1860er Jahre als hier eine Truppe von Amateurschauspielern unter dem Namen U Deutschů in einem Gasthaus ihr Quartier fand. 1892 erfolgte eine Vergrößerung durch Einrichtung eines Tanzsaales und schon 1899 erwarb das Ganze ein gewisser Václav Romováček, der zugleich Architekt war, und der hier 1903 ein Hotel baute und zugleich den Theatersaal abriss und durch einen größeren ersetzte. Mit 495 Sitz- und 400 Stehplätzen konnte sich das Theater mit den größten in Prag durchaus messen.

Nach einigen weiteren Besitzerwechseln erwarb die damals überaus bekannte Schauspielerin und Sängerin Mařenka Zieglerová 1907 das Theater, das sie nach sich selbst benannte, und 1908 mit der Lustigen Witwe eröffnete. Dafür hatte die Schauspielerin das Theater wieder – diesmal um eine Musikbühne – erweitern lassen. Das stärkte den künsterischen Ruf des Theaters, aber Zieglerová war sehr bald finanziell überfordert und schon 1909 wurde das Theater unter einem neuem Besitzer als Lidové divadlo Praha VIII (Volkstheater Prag 8) eröffnet, das aber ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten geriet. In der Ersten Republik erwarb dann die Sozialdemokratische Partei das Haus und richtete hier erst einmal ein großes Kino ein. Erst später gab es ab und an Theateraufführungen, meist wieder von Amateurgruppen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es wieder vollumfänglich als Theater etabliert, wozu im Jahre 1949 größere Umbauten erfolgten. Als Městské a oblastní divadlo (Städtisches und Regionales Theater) fungierte es nun.

Nach dem Ende des Kommunismus gab man dem Theater 1990 den Namen, den es heute trägt: Divadlo pod Palmovkou. Es folgten größere Umbauetn und Renovierungen. Die Fassade wurde 1997 modernisiert, 2004/2005 wurde der Eingangsbereich erneuert, das Theatercafé neu gestaltet und eine zusätzliche Kleinkunstbühne etabliert. Dadurch erkennt man zunächst kaum, dass es sich im Kern immer noch um das von Václav Romováček erbaute Gebäude handelt. Das erkennt man aber immer noch im großen Theatersaal selbst, wo noch viel von der ursprünglichen Jugendstilstukatur zu bewundern ist.

Das Theater bietet heute handfeste Inszenierungen von bewährten Klassikern von Sophokles bis Agatha Christie, lässt aber ab und an avantgardistische Autoren und Inszenierungen in den Spielplan einfließen. 2019 fanden hier auch erstmals Aufführungen der Deutschen Theatertage statt. (DD)

Wahre Kunst mit lokalem Bier

Biergaststätten mit „Craft Beer“ sind derzeit überall in der Welt der letzte Schrei. Das sind Lokale, in denen nicht das Bier von Großbrauereien zum Zuge kommt, sondern oft eine große Vielzahl von Besonderheiten kleiner lokaler Brauereien. Ein nettes Beispiel bei uns in der Nähe Zubatý Pes, was etwa so viel bedeutet wie „Bezahnter Hund“.

Das Lokal liegt in Vinohrady (Prag 2) ganz nahe am Náměstí Míru (Friedensplatz) an der Slezská 1357/1. Erst seit dem letztem Jahr befindet sich das Zubatý Pes hier in den kleinen und engen, dafür zweistöckigen Räumlichkeiten (großes Bild oben). Vorher war hier eine andere Bierkneipe angesiedelt. In der Bierszene sind die Dinge halt im wahrsten Sinne des Wortes immer im Fluß…

Warum das Lokal so heißt, wie es heißt, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest fällt der Name auf. Und Auffälligkeit ist bekanntlich schon die halbe Miete in Sachen Werbewirksamkeit. Außerdem mögen die Tschechen bekanntlich Hunde, weshalb die Idee, einen Hund in die Corporate Identity einzubeziehen, grundsätzlich schon einmal nicht schlecht ist. Ein breit grinsender Hund, der frohgemut seine Zähne zeigt, ist folglich auch das Logo des Hauses. Ein wenig erinnert der Logo-Hund des Zubatý Pes an den amerikanischen Trickfilm-Hund Scooby-Doo. Das mag aber schierer Zufall sein.

Zwei Dinge machen das Zubatý Pes zur Besonderheit. Zum Ersten: Natürlich das Bier! Das Publikum ist in der regel reichlich jünger als wir, weshalb auch etliche modische/nicht-traditionelle ausländische Biersorten (belgische Biere, Pale Ales etc.) vertreten sind. Aber das macht nur einen Teil der 24 (in Worten: vierundzwanzig) wechselnden Biersorten aus, die hier frisch gezapft (!) werden. Interessant ist vor allem nämlich die Fokussierung auf Kleinbrauerein der Prager Vororte und Randgebiete, die man als Kenner der Innenstadtbereiche selten zu sehen oder gar zu schmecken bekommt.

Ohne das Zubatý Pes würde der Innenstädter vielleicht gar nichts erfahren von der Brauerei Cobolis. Die befindet sich im Stadtteil Kobylisy (Cobolis ist die lateinisierte Bezeichnung des Ortstteils) und braut das dunkle Weizenbock, das in Tschechien etwas anders schmeckt als sein deutscher Namensvetter – etwas weniger süß, dafür etwas mehr säuerlich; eher wie belgische Weizenbiere. Man sieht es im kleinen Bild oberhalb. Oder auch – um ein zweites von vielen Beispielen zu nennen – die Brauerei Antoš aus der etwas nördlich von Prag gelegenen Kleinstadt Slaný, die u.a. das oben abgebildete Lagerbier braut, das sich durch einen angenehmenen milden Geschmack auszeichnet (sprich: es ist nicht überhopft).

Zum Zweiten: Die Einrichtung. Die ist gemütlich. Und, überall an den Wänden hängen gerahmte Kopien berühmter Gemälde aus aller Welt. Erst bei näherem Hinschauen bemerkt man, dass die abgebildeten Personen alle ein Bierglas in der Hand halten. Links sieht man das berühmteste Gemälde des amerikanischen Malers James McNeill Whistler, nämlich das Portrait seiner Mutter. Selbst Nichtkenner in Sachen Kunst kennen es aus dem ersten Mr- Bean-Film (1997) von Rowan Atkinson. Auch die Mutter scheint gerne im Zubatý Pes ein Bierchen zu kippen. Eine witzige Idee. (DD)

Flößer auf dem Luxusbau

Als man Ende des 19. Jahrhunderts die alten und bereits heruntergekommenen Häuser an den Uferzonen der Moldau abriss und durch neue Wohnhäuser und Promenaden ersetzte, wollte man oft die Vergangenheit nicht ganz vergessen machen.

In den Uferbereichen der Neustadt gingen früher neben Fischern und Sandschürfern oft Flößer ihrem harten Beruf nach und lebten meist in recht bitterer Armut. Der Beruf starb nach und nach aus. Als in den Jahren 1905/06 der Architekt Jan Petrák nahe des Ufers für sich ein großes und luxuriöses Mietswohnhaus baute, war die Zeit der Prager Moldauflößer auch stadtplanerisch zu Ende. Aber bei der Fassadengestaltung knüpfte man dann doch gerne an die Geschichte der Umgebung an.

Und so kann man in der Gorazdova 1996/13 in Prag 2 das U Kapínů genannte Haus Petráks mit seiner farbigen Giebelbemalung bestaunen, die ein idealisiertes Bild vom Flößerleben auf der Moldau präsentiert. Und über den fröhlich arbeitenden Flößern schwebt eine allegorische Engelsgestalt vor dem Hintergrund der Silhouette der Prager Burg (die man wahrscheinlich von der Rückseite des Hauses aus sehen kann).

Die Giebelfassade stimmt damit geradezu zu einem Besuch beim nahegelegenen ehemaligen Podskalí-Zollhaus am Výtoň ein, wo heute ein lokales Mueum an das Leben der Flößer und Fischer dort erinnert (sieher früherer Beitrag hier), wie es jenseits der künstlerischen Romantisierung tatsächlich wohl war.

Das Haus ist in blitzblankem Zustand. 2004 erreichten die Eigentümer, dass die Stadt Prag eine nach höchst wissenschaft-lichen Kriterien ausgeführte Restaurierung der Malereien und Stuckaturen förderte. Die Farben erstrahlen exakt genauso wie sie es damals taten, als das Haus frisch eingeweiht wurde. Das sieht schon in der Tat beeindruckend aus.

Neben den Flößern auf dem Giebel sind folglich noch erwähnenswert die mit üppigem floralem Dekor umrahmte allegorische Frauenbüste über dem Haupteingang (Bild oberhalb links) und die mit reich verziertem Gitterwerk geschmückten Balkone sehenswert. Keine Frage: Dieses Haus bietet für den Fan des Jugendstil viel für das Auge. (DD)

Auf den Spuren Jaroslav Hašeks IV: Geburtsort in der Gendarmeriewache

Er war ein böhmischer Bohémien (ja, dieser Kalauer würde sich auf Französisch – „bohémien bohémien“ – natürlich besser machen!), der gute Jaroslav Hašek. Ein verkorkstes Genie, das sich an keine konventionellen Normen hielt. Und er war der Autor der berühmten Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války (Die Erlebnisse des guten Soldaten Schwejk im Weltkrieg), die ihn unsterblich machten. Und er war vor allem ein waschechter Prager…

Und hier in Prag findet sich auch sein Geburtshaus, das sogenannte Haus der Familie Jaroslav Hašeks (rodný dům Jaroslava Haška) in der Školská 1325/16 (Neustadt). Der wohl berühmteste und möglicherweise anarchischste Schriftsteller des Landes sah hier als Sohn eines (wie später sein Sohn zur Trunksucht neigenden) Oberschulhilfslehrers am 30. April 1883 erstmals das Licht der Welt. Kurz: Hier begann das sehr unstete Leben eines Menschen, der feste Anstellungen und feste Bindungen nie liebte, als Hundedieb, Bigamist und zeitweiser Bolschewist (wenn nicht gar Landesverräter), als Trinker und Angeber, aber vor allem als das große literarische Genie bekannt wurde, dem man dafür gerne alles andere vergab.

Auch das Haus, in dem er geboren wurde, hat so seine Geschichte. Es wurde 1842 anstelle eines früheren Hauses im spätklassizistischen Stil erbaut (und seitdem durch mehrere Umbauten leicht verändert). Schon kurz nach Fertigstellung diente es lange als Gendarmeriewache. Das ein solcherart zweckbestimmtes Gebäude dereinst das Geburtshaus Hašeks werden konnte, erstaunt jedermann, der weiß, wie sehr der Schriftsteller jedwede Obrigkeit ablehnte und mit Hohn überzog. Aber man kann sich ja seinen Geburtsort nicht aussuchen.

Heute ist man hier sicher stolz auf den berühmten Sohn des Hauses. Eine mit einer Portraitbüste versehene metallene Gedenktafel, deren Aufschrift besagt, dass der Schriftsteller hier geboren wurde, brachte man 1958 über dem Eingang an. Sie ist das Werk des akademischen Bildhauers Václav Vokálek, einem Schüler des ungleich berühmteren Bildhauers Jan Štursa.

2002 wollte der Eigner das architektonisch nicht allzu bedeutende Gebäude abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen lassen. Eine švejkianisch inspirierte Bürgerinitiative schaffte es aber noch gerade rechtzeitig, bei der Statdverwaltung einen Antrag auf Anerkennung als Kulturdenkmal durchzupeitschen. Und so steht Hašeks Geburtshaus hier immer noch. (DD)

Siehe auch: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks I: Die Partei des gemäßigten Fortschritts im Rahmen des Gesetzes

Und auch: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks II: Im U Kalicha

Ebenso: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks III: Das Denkmal