Kleines Dorf mit viel Geschichte

Dass man in der Nähe des Flusslaufs der Berounka rund 20 Kilometer südwestlich von Prag schöne Ausflüge durch die Natur machen kann, wurde an dieser schon öfters bemerkt (etwa hier). Zu erwähnen sind dabei aber auch die hübschen alten Dörfer, durch die man dabei wandern kann. Die winzige, aber um so malerische Ortschaft Koda mit ihren idyllischen Teichen ist eines von vielen Beispielen.

Das Dorf liegt inmitten des Nationalen Naturschutzgebiets von Koda (Národní přírodní rezervace Koda), das nach dem Ort benannt ist. Wir befinden uns hier in einem der artenreichsten und schönsten Teile des Böhmischen Karsts ( Český kras). Und es handelt sich um ein sehr kleines Dorf mit dennoch erstaunlich viel Geschichte.

Die Ortschaft selbst – ursprünglich wohl ein Holzfällerdorf – wurde 1429 erstmals erwähnt. Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs. Aber die Siedlungsgeschichte ist viel älter als es mittelalterliche Chroniken erahnen lassen. Oberhalb des Dörfchens kann man heute etwas abseits des großen (blau markierten) Wanderweges die Höhle von Koda (Kodská jeskyně) finden.

Die kann man einfach so betreten. Es wurde dafür gesorgt, dass der hintere Teil, der mehrere hunderte Meter weit reicht, nicht mehr durch einen sehr engen Durchschlupf erreichbar ist. So wird Schaden abgewendet und es ist der Sicherheit der Wanderer gedient. Der nunmehr als einziges sichtbare Eingangsbereich mit seinen glatten und geraden Wänden vermittelt aber ein Verständnis dafür, warum das hier so ein beliebter Siedlungsort war. Die an einem steilen Abhang im Walde befindliche Höhle wirkt fast wie ein gemauertes Gebäude.

1923 begannen hier mehrjährige Ausgrabungen, die bis in der 1930er Jahre andauerten und bei denen die Archäologen durch ihre Forschungen herausfanden, dass die Höhle von der Jungsteinzeit (ca 5000 v.Chr.) an über die Bronzezeit und die keltische Ära bis hin zum Mittelalter eigentlich ständig bewohnt gewesen war.

Jedenfalls war die Ausbeute der Archäologen an Keramikresten, Tierknochen (darunter Reste eines erlegten Mammuts), Werkzeugen enorm und gab viel Auskunft über einen besonders alten Siedlungsraum im alten Böhmen.

Weiter unten beim Orteingang erwartet uns eine andere und neuere geschichtliche Erinnerung – eine die uns gemahnt, dass die Tschechen im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Schreckensregime erdulden mussten. Die kleine Gedenktafel erinnert an den örtlichen Wildhüter Bohumil Žíhla, der am 27. Mai 1945 (19 Tage nach der deutschen Kapitulation) von betrunkenen Rotarmisten getötet wurde, als er seine Familie gegen selbige verteidigen wollte. Das war ein erstes Zeichen dafür, dass der Wechsel von der Naziherrschaft zur Sowjetbesetzung für die meisten Bürger des Landes alles andere als eine echte Befreiung war. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Dobřichovice – kleiner Ort mit viel Skulptur

Haifischalarm? Mitten in Böhmen? Nein, es handelt sich um ein Kunstwerk, eine Skulptur. Und wo die steht, stehen noch mehr davon. Žralok červený (Roter Hai) heißt dieses Werk der Bildhauer Ivana Junková und Jan Slovenčík, das hier 2014 aufgestellt wurde.

Wir befinden uns in Dobřichovice, einer kleinen Ortschaft mit hübschem Schloss an der Berounka, rund 20 Kilometer südwestlich von Prag und ganz nahe bei Burg Karlštejn. Der kleine Ort ist voll von modernen Skulpturen und man fragt sich bald, warum es davon eine so hohe Konzentration gibt wie man sie selbst in Großstädten selten findet.

Und damit sind wir bei Petr Váňa. Der umtriebige Bildhauer organisiert hier im Orte seit 2003 das alle zwei bis drei Ajhre stattfindende Symposion Cesta Mramoru (Marmorweg) für tschechische und auch einige ausländische Künstler. Die hinterlassen seit diesem Jahr im Orte Unmengen von Skulpturen. Und jedes Jahr kommen neue dazu. Sie verteilen sich in der ganzen Ortschaft, aber vor allem auf dem rund einen Kilometer langen Stück Landstraße, das Dobřichovice mit dem benachbarten (noch kleineren) Dörfchen Karlík verbindet.

Váňa gilt als exzentrischer, weil dezidiert katholischer Künstler (was den areligiösen Tschechen meist suspekt ist). Seit 1997 löst er immer wieder heftige öffentliche Diskussionen aus, weil er eigenständig die Mariensäule aus dem 17. Jahrhundert auf dem Altstädter Ring in Prag wiederherstellen will (früherer Beitrag hier). Die war bei Ausrufung der Unabhängigkeit der Tschechoslowakischen Republik 1918 von der wütenden Menge zerstört worden, weil sie ein zentrales Symbol der Habsburgischen Fremdherrschaft darstellte. Der Plan Váňas verletzte mithin patriotische Gefühle. Erst 2013 raffte sich der Stadtrat dazu auf, die Genehmigung im Sinne des alten Stadtbilds zu erteilen. Seither weigert sich aber das Ordnungsamt, die zum Aufbau des bereits fertigen Denkmals nötige Absperrung zu genehmigen. Der Streit geht weiter und ist nicht ganz frei von Kleingeist…

Der Output von Váňas Symposion zeichnet sich hingegen durch Abwesenheit jenes Kleingeistes aus und ist tolerant in seiner Auswahl. Avantgardistisch Modernes steht neben Skurrilem und (immer noch modernen) Rückgriffen auf traditionellere Bildhauerei. Selbst moderne Verfremdungen sakraler Themen finden hier ihren Platz, wie das rechts gezeigte Werk Květ z mojí zahrady (Blume aus meinem Garten) des Bildhauers Václav Gatarik aus dem Jahr 2009, das eine als Pflanze wuchernde Pietà darstellt, mit einer fast unheimlich gesichtslosen Jungfrau Maria.

Konventioneller ist hingegen die Skulptur Zasněný mramor (Verträumter Marmor) aus dem Jahr 2017 – ein Werk des Bildhauers Petr Novák. Mit dem Mädchen, das sich an einen Pferdehals schmiegt, können sich sicher die reitbegeisterten kleinen Mädchen der Umgebung identifizieren. Jedenfalls ist es irgendwie doch eher niedlich, denn provokant-modern.

Wiederum geradezu reduktionistisch modern und daher zu vielfältigen Interpretationen einladend ist das rechts gezeigte Werk Elementární postava (Elementare Figur) des Bildhauers Jura Plieštik. Und so findet man eigentlich als Liebhaber von Skulpuren etwas für jeden Gechmack in Dobřichovice. Und das Material, der Marmor, fügt sich ja auch schön in die Natur und das dörfliche Umfeld der ja sehr idyllischen Umgebung ein. Das empfand Váňa übrigens schon lange bevor im die Idee mit dem Symposion und dem Marmorweg kam.

Schon 1999 kam er auf die Idee, im nur zwei Kilometer entfernten Dorf Mořinka auf einem Hügel einen Menhir (bzw. einen Pseudomenhir) zu errichten, der der Landschaft dort ein geradezu vorzeitliches Gepräge gibt. Man sieht also: In der Umgebung von Dobřichovice lässt sich mittlerweile Kunst erwandern, die weit in der Gegend verstreut ist. Man kann also Kunst- mit Wandertour verbinden. Dafür sei allen Beteiligten gedankt! (DD)

Baumveteran

Dieser Baum kann auf ein langes Stück Geschichte zurückblicken. Seit Urzeiten steht er im Čimický háj (wörtl.: Tschimitzer Hain) am Rande des nordöstlichen Stadtteils Čimice (dt.:Tschimitz) in Prag 8.

Der Hain ist ein kleines Naherholungsparadies für die Prager, die dort gerne spazierengehen (eine frühere Empfehlung findet sich hier). Er ist gut mit Rast- und Spielmöglichkeiten (für die Kinder) ausgestattet; die Wege sind komfortabel; kleine Teiche verschönern die Idylle.

Früher, als er noch Teil eines Gutsbesitzes in Bohnice war, bestand der Hain hauptsächlich aus Eichen und Buchen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er als öffentlicher Wald neu aufgeforstet. Lärchen und Linden dominieren nun das Erscheinungsbild. Aber es gibt einen wackeren Baumveteranen aus der alten Zeit, auf den die Forstverwaltung und die Einheimischen sehr stolz sind. Die alte große Sommereiche (großes Bild oben) zählt bereits mehr als 300 Lebensjahre. Sie ist mit Abstand der älteste Baum weit und breit.

Zu ihrer Sicherheit ist die Eiche umzäunt, sodass sie ihren ungebrochenen Lebenswillen ungestört zeigen kann. Innen ist sie weitgehend hohl und Bienen und ein Waldkauz haben sich drinnen eingenistet. Nur oben in den Wipfeln gibt es noch lebende Zweige. Von ihnen aus können nun die Jahrhunderte an Baumleben auf die Besucher – meist einheimische Familien (die Tschechen sind ein Volk von Wanderern) – hinabschauen. (DD)

Schwimmen in der Wilden Šárka – nichts für Warmduscher

Mitten im wildromantischen Tal der Divoká Šárka liegt ein schmuckes kleines Schwimmbad aus der Zeit der Ersten Republik unterhalb einer eindrucksvollen Felsenkulisse. Schon der Weg zum Badevergnügen ist ein Naturerlebnis, muss man doch von der Straßenbahn- bzw. Bushaltestelle an McDonalds vorbei (s. Beitrag hier) mindestens 10, eher 15 Minuten durch die tiefen Schluchten der wunderschöne Naturlandschaft entlang des plätschernden Baches auf einem breit geteerten Weg, der auch von Radfahrern genutzt werden kann, wandern bis man zum schlichten kleinen Freibad kommt.

An zwei Seiten begrenzt und geschützt vor zu neugierigen Blicken der Wanderer wird es durch eine Reihe von schmalen abschließbaren Kabinen, die man für den Aufenthalt oder sogar die ganze Saison mieten kann. Wer das nicht möchte, kann die Damen – oder Herrenumkleide benutzen, die, frisch lackiert und am Eingang mit Balkonblumen geschmückt, recht einladend wirkt. Ergänzt wird die Umrahmung von modernen Toilettenanlagen und zwei Imbissbüdchen mit Biergarten. Alles ist einstöckig, schlicht, funktional, sauber und liebevoll gepflegt.

Drinnen befinden sich zwei größere Becken von maximal 1,70 m Tiefe und ein kleines Schwimmbecken für Kinder. Die größeren Becken sind durch ein Mäuerchen getrennt und verschieden kalt – warm kann man hier wirklich nicht sagen, stammt das Wasser doch aus dem Bach. Immerhin warnt einen eine schön altmodische Temperaturanzeige vor dem Kälteschock.

Diese natürliche Quelle sorgt für die besondere Qualität des klaren und sauberen Wassers, das wohl nicht oder nur kaum gechlort ist. Kalte Freiduschen, ein Fußbecken, und eine Kinderrutsche runden das Bild ab. Alles ist einfach, praktisch, nicht luxuriös, aber sauber. Zum Wald hin erstrecken sich die Liegewiesen hangauf, durch die der Bach fließt. Wer sich sonst noch sportlich betätigen will, kann auf einem abgegrenzten Feld Beach-Volleyball spielen oder eine der Tischtennisplatten mieten. Kinder werden am Trampolin ihre Freude haben. Liegestühle und Sonnenschirme werden am Eingang vermietet.

Das Freibad wird heute noch von derselben Familie betrieben, die es in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauen ließ. Das erklärt vielleicht auch die vielen liebevollen Details in der Ausstattung.

Die Berounka: Wandern von Srbsko nach Karlstejn

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Die idyllische Berounka bietet Gelegenheiten en masse für schöne Wochenendausflüge IMG_3788in die Umgebung von Prag (siehe auch hier und hier). Von Pilsen her aus dem Westen kommend, erstreckt sich ihr Lauf über fast 139 Kilometer, von insbesondere die letzten Dutzende von Kilometern vor ihrer Einmündung in die Moldau südlich von Prag Dank der Karstlandschaft (links) von atemberaubender landschaftlicher Schönheit ist. Zuletzt hatten wir die schöne Strecke entlang des Flusses von Beroun nach Srbsko (vorbei am „Matterhorn“). Man kann die Strecke auch um kaum etwas mehr als 1 1/2 Stunden verlängern, um bis nach Karlsteijn  zu gelangen, wo seit dem 14. Jahrhundert hoch über dem Ort die berühmteste königliche Burg des Landes thront (Beitrag hier).

IMG_3784Man verlässt das (leicht mit der Regionalbahn erreichbare) schöne Örtchen Srbsko (Bild links) und wandert am rechten Ufer entlang. Dort wird der bisher breit ausgebaute Wanderweg nach einer Weile zu einem eher kleinen Trampelpfad. Anscheinend nehmen die meisten Radfahrer und Wanderern von hier ab den asphaltierten und auch von Autos frequentierten Weg auf der anderen Uferseite. Das hat den Vorteil, dass man hier nun einen sehr einsamen und stillen Weg fast ungestört entlanggehen kann – vorbei an einer von den typischen kantigen IMG_3787Felsformationen des Böhmischen Krsts unterbrochenen Auen- und Felslandschaft.

Auch die Fauna scheint die Ruhe zu genießen. Mehrfach konnten wir auf dem Flussabschnitt Reiher (Bild links) beobachten, die ungestört im Wasser standen und wohl auf Fischbeute warteten. Nicht umsonst gehört auch dieser Teil des Flusses schon seit langem zu dem großen Naturschutzgebiet des Böhmischen Karst.

Vorbei an schönen Felsen schlängelt sich der Fluss zwei langezogene Kurven hin nach Karlstejn, dessen im Mittelalter angelegte Weinberge man schon von weitem sieht. Zwischendurch sieht man Rest von alten Brücken und IMG_3783durch das Tal schlängelt sich die Eisenbahnlinie, die nach (oder von) Prag führt. Der Fluß ist in der Regel seicht, der Weg eben und für unsere Lady Edith boten sich immer wieder Gelegenheiten, ein kleines Bad zu nehmen. Ein sehr erfrischender Spaziergang!

Am Ende kommt man in Karlstejn an, wo man entweder die Chance nutzt, die Burg und das kleine Dorf darunter zu besichtigen (oder dort einzukehren) oder vom kleinen Bahnhof aus wieder nach Prag zurückzukehren. (DD)

Von Groß-Amerika nach Mexiko

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Gleich hinter der Burg Karlstejn liegt Amerika. Und von dort sind es nur wenige Schritte nach Mexiko. Glauben Sie nicht? Dann sollten sie tausenden von tschechischen Ausflüglern und Wanderern an einem schönen Wochenende zu Mexikoeinem beliebten Ausflugsziel folgen. Gemeint sind die inzwischen aufgelassenen Kalksteinbrüche Velká Amerika (Groß-Amerika), Malá Amerika (Klein-Amerika) und Mexiko im Böhmischen Karst, die tiefe Einblicke und wundervolle Fotomotive bieten.  Der größte Steinbruch ist knapp 800m lang, 150 m breit und um die 70 m tief. Dabei geht es steil nach unten. Eine Brücke überquert malerisch einen  klaren, smaragdfarbenen Grundwassersee am Fuße der schroffen Abhänge. Diese malerische Kulisse immer wieder gerne als Drehort für viele Western und andere Filme genutzt. Unter anderem wurde die berühmte tschechische IMG_4828Westernparodie Limonádový Joe (1964) hier gedreht. Aber auch Mario Adorf durfte im tschechischen Grand Canyon herumballern (Die Goldsucher von Arkansas, 1964). Und kein Geringerer als Vin Diesel drehte hier 2008 Babylon A.D..

Die Gemarkung hieß übrigens schon vor den Filmen Amerika.  Ob das wegen der Art des Abbruchs der Steine oder nach einem Gehöft, das erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt wurde, geschah, ist unklar. Beide Erklärungen finden sich auf der offiziellen Seite der touristischen Region Karlstejn.

Aber um die Steinbrüche, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960 betrieben wurden, ranken sich nicht nur schauerliche Legenden , wie z.B. die von einem spukenden SS-Offizier namens Hans Hagen, sondern sie sind auch Zeugnis  trauriger jüngerer  Geschichte. In den 50er Jahren z.B. IMG_4800wurden im tiefsten Steinbruch, genannt Mexiko, politische Gefangene ausgebeutet. Ein Denkmal erinnert daran.

Die Steinbrüche sind durch unterirdische Tunnel miteinander verbunden. Die Seen und Tunnel  von Velká Amerika sind auf legalem Wege nicht zugänglich. Es gibt  allerdings die Möglichkeit andere Tunnel und Steinbrüche im Rahmen einer geführten Tour zu besichtigen, aber ausdrücklich nicht Velká Amerika, jedoch  z.B. Malá Amerika.  Überall warnen Schilder vor dem Abstieg und weisen darauf hin, dass das Baden und IMG_4821überhaupt Betreten der Anlage strengstens verboten sei. Aber um die Steinbrüche herum ist ein, auf einer Seite sogar gut gelb markierter Wanderweg mit Schautafeln  angelegt, von dem selbst Wanderer, die unter Höhenangst leiden, immer wieder wundervolle Ausblicke genießen können – sogar auf Burg Karlstejn (Bild rechts). Sie sollten allerdings nicht unter Agoraphobie leiden. An schönen Sonntagen kann es sein, dass man in den Massen von Ausflüglern schon mal den Anschluss an die eigene Gruppe verliert. Dann ist es auch schwer, auf den beiden (zu) kleinen Parkplätzen vor dem Dorf Mořina einen Platz zu kommen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr kommt man von Prag  entweder mit dem nur selten fahrenden Bus nach Mořina oder mit dem Zug von Karlstejin aus hierhin. (LSD)

Mühlen am Bach

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Nur etwa 12 Kilometer vom Stadtzentrum, ganz am Rande der Stadt bekommt man Naturidylle pur geboten. Kaum etwas eignet sich so für einen erholsamen Wochenendausflug wie das Radotínské údolí IMG_2957(Radotintal), das man auch als das Tal der schönen Mühlen kennt. Seit 1950 ist das Gebiet entlang des Radotínbaches (Radotínský potok) Naturschutzgebiet. Der kleine, rund 20 Kilometer lange Fluss, der nahe der Prager Stadtgemeinde Radotín in die Moldau mündet, gehört zum Böhmischen Karst, der der Landschaft ihr malerisches Gepräge verleiht.

IMG_2945Die üppige und fruchtbare Auenlandschaft  um den Fluss und der zumindest im Sommer schon fast urwaldmäßige Baumbestand prägen den Eindruck ebenso wie der schroffen Kalksteinfelsen, die ab und zu beeindruckend in den Himmel ragen (siehe kleines Bild links – mit weidenden Schafen – und großes Bild oben).

Als ein Startpunkt für eine Wanderung IMG_2936empfiehlt sich das kleine 400-Seelen-Dorf Choteč. Das ist schon wegen seiner hübschen Barockkirche IMG_2935hoch oben auf dem Berg und den Resten einer Festungsanlage aus dem 15. Jahrhundert sehenswert. In der Dorfmitte stehen noch zwei schöne barocke Heiligenfiguren, der in Tschechien allgegenwärtige Nepomuk und vor allem eine Heilige Katharina, die dereinst vom römischen Kaiser Maxentius zum Tode durch Rädern verurteilt wurde, weshalb die Darstellung das Rad als Attribut zeigt. Die Heilige sieht man eher selten auf Dorfplätzen.

Von Choteč kann man bequem den Fluss entlang durch die schöne Landschaft gehen und dabei die Spezialität der Gegend beäugen. Da die IMG_2942Flusslandschaft immer sehr fruchtbar war, gab es auch immer viel Getreide. Folglich brauchte man Mühlen. Die sind am Fluss aneinandergereiht wie die Perlen einer Kette. Die erste, die man schon am Ortsausgang findet, ist die schönste und größte: die Mlýn u Veselých, (Bild links), die 1660 zum ersten Mal erwähnt wurde und seit 1776 im Besitz der Familie Veselý ist. Es gibt ein kleines Museum, für das es unregelmäßig Führungen gibt, und einen kleinen Laden, in dem man tatsächlich dort gemahlenes Mehl kaufen kann. IMG_2955Oder auch die Kalinův Mlýn, die zurzeit renoviert wird und leider nicht innen besichtigt werden kann (von außen ist sie allerdings schon sehenswert). Oder die 1665 erbaute Taslarův mlýn (Bild rechts). Und, und, und… Auf den rund 7 Kilometern des schönsten Talabschnitts gibt es sechs Mühlen zu bestaunen. In der Regel stehen davor Infotafeln, die ausführlich über die Geschichte und Gegenwart der Mühlen informieren. Insgesamt ist der ganze IMG_2960Mühlenwanderweg ausgesprochen sorgfältig für Wanderer und Ausflügler aufbereitet.

Und, wie gesagt, sie werden alle durch einen schönen und gut begehbaren Wanderweg verbunden, der vor allem im Sommer angenehm kühl und schattig ist. Ab und zu wechselt man auf kleinen Holzstegen das Ufern, die so schmal sind, dass zum Beispiel Lady Edith lieber gleich durch das seichte Wasser ging, während unsereins den wackligen Steg querte. (DD)

Die Berounka: Wandern von Beroun nach Srbsko vorbei am Matterhorn

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Die Berounka, die von Westen kommend am südlichen Rand der Stadt auf die Moldau trifft, ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Prager für das IMG_1588Wochenende. Der Fluss schlängelt sich gemütlich dahin, die Wege sind bequem ausgebaut, aber es gibt neben schönen Hügellandschaften, idyllischen Dörfern auch malerisch zerklüftete Felslandschaften, die hoch vom Ufer emporragen. Der Böhmische Karst (Český kras) zeigt sich hier von seiner schönsten Seite.

Für einen sonnigen Wochenendsnachmittag bietet zum Beispiel die rund 8 Kilometer lange Strecke von Beroun bis Srbsko, die zunächst durch eine eher sanfte Landschaft führt, viel Abwechslung und Sehenswertes. Am besten man fährt mit der Weiterlesen

Schönes Schloss am schönen Fluss

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Es ist einer Höhepunkte einer schönen Wanderung entlang der an Sehenswürdigkeiten nicht gerade armen Berounka. Dekorativ liegt das Schloss Dobřichovice am Ufer des träge dahinfließenden Flusses. Hier sollte man auf jeden Fall eine kleine Pause einlegen, über IMG_1838.JPGdie seit 1996 hier stehende (und trotz ihrer Nähe zum Schloss ästhetisch kaum störende) moderne Brücke gehen und sich ein wenig in Ruhe umschauen.

Im Jahre 1253 spendierte der böhmische König Wenzel I. die Ortschaft samt Festung dem Orden der Kreuzherren mit dem Roten Stern. Das ist auch die erste urkundliche Erwähnung der Burg überhaupt. Die Zerstörung während der Hussitenkriege nutzte der Hochmeister des Ordens und Prager IMG_1841Erzbischof Zbynko Berka von Duba und Leipa, um die Festung nach 1505 in einen komfortableren Palast umzuwandeln, und zwar im nunmehr modernen Renaissancestil. Das sieht man vor allem noch an den Seiten und im Innenhof.

Die Gestaltung der großen Vorderfront zum Ufer hin erfolgte allerdings schon im Barockstil. Denn inzwischen war das Schloss noch einmal schwer beschädigt worden, diesmal durch die IMG_1852Schweden 1631. Bein Neubau nach 1665 fügte man gleich noch eine Kirche, die Kapelle des Heiligen Judas Thaddäus, die im Jahre 1679 fertiggestellt wurde. Ein Feuer im Jahre 1779 führte abermals zu Modernisierungen im Hochbarockstil.

Bis 1848 gehörte das Schloss dem Orden. Seither wird es anderweitig genutzt. Die Kapelle dient nicht nur Gottesdiensten, sondern ist ab und an Ort für Musikveranstaltungen. Der größte Teil des IMG_1845Schlosses selbst ist heute als Restaurant zugänglich. Dieses richtet sich wohl sowohl an Hochzeitsgesellschaften als auch an Wandertouristen bzw. Prager Wochenendausflügler als Hauptpublikum. In diesem Kontext muss man die Qualität der Speisen (wir gönnten uns draußen zum Kaffee den exzellenten hausgemachten Käsekuchen mit heißer Schokoladensoße, unser Hund Lady Edith bekam ein Vanilleeis im Fressnäpfchen!), den Service und das Ambiente generell auf das Höchste loben! Hier kehrten wir nicht das IMG_1834letzte Mal ein!

Man sollte aber nicht nur bei Sonne draußen im schönen Burghof sitzen, sondern auch einmal reinschauen, denn da es kein Museum gibt, hat sich das Restaurant beschlossen, diese Aufgabe auch selbst zu übernehmen (zusätzlicher Pluspunkt!). Im Zwischengeschoß befindet sich eine kleine Ausstellung mit Infotafeln, die (nur auf Tschechisch) ausführlich über die IMG_1844Geschichte des Schlosses IMG_1842und der umgebenden hübschen kleinen Ortschaft Dobřichovice informiert.

Im oberen Geschoß sind in den Gasträumen des Restaurants noch die alten barocken Wandmalereien gut erhalten und laden zur Besichtigung ein.

Dobřichovice ist von Prag aus leicht mit dem Regionalzug zu erreichen und liegt nur etwas weniger als 20 Kilometer südwestlich vom Stadtzentrum Prags entfernt. (DD)