Schöne Brücke zum einsamen Bahnhof

Wie wunderschön doch der Flusslauf der Moldau schon ein wenig außerhalb Prags ist – ganz gleich, ob der Weg flussaufwärts oder flussabwärts führt! Und dazu gehören auch die Brücken, die in immer größeren Abständen den Fluß queren, je weiter man sich aus Prag entfernt.

Sie ist weder groß, noch kann sie auf eine lange Geschichte zurückblicken, aber sie macht sich wirklich hübsch in der Landschaft: Die Fußgängerbrücke in Řež (Lávka v Řeži). Flussaufwärts in Richtung Prag sind es rund 10 Kilometer, flussabwärts bis Kralupy rund 9 Kilometer Uferweg bis zur nächsten (dann auch mit dem Auto befahrbaren) Brücke. Die Brücke eignet sich ergo als Ausgangs- oder Endpunkt schöner Spaziergänge oder Wanderungen durch das malerische und felsige Flusstal. Besonders die rechte Uferseite (Osten) eignet sich dafür vortrefflich. Aber nicht nur Wanderer und Ausflügler nutzen sie.

Für die Bewohner der kleinen, vier Kilometer südlich der Prager Stadtgrenze gelegene Ortschaft Řež (ein Teil der Gemeinde Husinec), die durch ihren Forschungsreaktor bekannt ist, den man von der Brücke aus auch sehen kann, erfüllt die Brücke einen durchaus elementaren und wichtigen Zweck. Die Eisenbahnlinie, die eine günstige Verbindung mit Prag bietet, befindet sich nämlich auf der anderen Uferseite der Moldau. Morgens und abends sieht man hier auch viele Berufspendler, die entweder von Řež nach Prag zur Arbeit oder von Prag nach Řež zum Reaktor fahren.

Der Bahnhof bzw. die Haltestelle von Řež liegt einsam und von keinem anderen Gebäude umgeben am gegenüberliegenden Ende der Brücke – angeschmiegt an die hohen Felswände des westlichen Uferareals. Man kann die Felsen auf dem großen Bild oben bewundern. Auf dem Bild links sieht man einen gerade einfahrenden Zug. Unter der Fußgängerbrücke verläuft übrigens noch eine kleine Gasleitung. Die heutige Stahlbrücke wurde erst im Jahr 2014 errichtet, allerdings auf Steinpfeilern einer älteren Brücke, die bei einem Hochwasser beschädigt worden war (über die konnte ich nichts herausfinden).

Bei der Fußgängerbrücke, die genau auf Flusskilometer 32,1 der Moldau liegt, handelt es sich um eine Stahlgitterkonstruktion. Sie ist rund 152 Meter lang und die Breite des Fußwegs beträgt 2,50 Meter. Die Maximalhöhe der Brücke ist genau 12,89 Meter. Damit ist sie ebenerdig zum Bahnhof gegenüber. Und da der Fluss hier allenfalls für Kanus und Paddelboote schiffbar ist, reicht die Höhe auch. Ansonsten wäre sie für große Schiffe ein Problem.

Mit ihrer feinen Gitterstruktur und ihrem teilweise grünen Anstrich fügt sie sich sehr harmonisch in die Umgebung ein. Und dann kann man natürlich auch die Aussicht von der Brücke selbst genießen, deren Fußweg mit auch bei Nässe rutschfest geriffeltem Tropenholz ausgelegt ist. Von dort aus erfreut man sich an dem ruhigen Lauf der Moldau durch die wildromantische Landschaft, die gerade hier besonders idyllisch ist. (DD)

Kleiner Flugplatz, große Geschichte

Als 1939 die Tschechoslowakei von den Nazis besetzt und zum „Protektorat“ umgewandelt wurde, war das allgemeine Verbot von Sport- und Hobbyfliegerei eine der vielen Schikanen für die Bürger des Landes. 1946, als der Spuk vorüber war, konnte man wieder losfliegen, was das Zeug hielt. Und so gründete man im südlichen Ortsteil Točná (Prag 12) noch in diesem Jahr einen Segelflugklub, der Teil des Tschechischen Nationalen Aeroclubs (Český Národní Aeroklub) wurde. Und man begann mit dem Bau eines kleinen Flugplatzes.

Schon in den 1930er Jahren hatte man die hügelige Umgebung wegen ihrer günstigen Aufwinde gerne für Segelfliegerei genutzt, aber jetzt ging man systematisch zu Werke. Und bereits 1947 kaufte man für das Flugfeld drei Motorflugzeuge, einen sowjetischen Doppeldecker vom Typ Polikarpov Po-2 und einen tschechischen vom Typ Aero C-104. Der Clou war ein Eindecker der amerikanischen Marke Piper J-3 Cub, den man aus ausgemusterten Beständen der US-Army erwarb. Und Anfang der 1950er Jahre gab es schon rund 20 Segelflugzeuge hier. Segelflugzeuge dominierten das Feld in Točná, denn zu diesem Zeitpunkt existierte noch ein Flugplatz im gegenüber an der Moldau liegenden Zbraslav, der häufiger für Motorflugzeuge genutzt wurde. Aber nicht nur dessen Auflösung im Jahr 1955 sorgte für einen weiteren Aufschwung in Točná.

Der Grund war eigentlich unerfreulich. Das unabhängige und freie Fliegerklubleben war den Kommunisten, die 1948 die Macht im Lande übernommen hatten, nicht geheuer. 1951 wurde die vom Regime gesteuerte Freiwillige Volksvereinigung für Aviatik (DOSLET) gegründet, die schon die 1953 der Union für die Zusammenarbeit mit der Armee (Svazarm) unterstellt wurde. Die war eine paramilitärische Organisation, die vor allem flugbegeisterte Jugendliche für den Dienst in Armee und Luftwaffe im Dienste des Weltkommunismus vorbereiten sollte. Das Vorbild dafür war die 1951 in der UdSSR gegründete Organisation DOSAAF.

Gottlob musste niemand, der hier unter quasi-militärischen Vorzeichen das Fliegen lernte, in irgendeinen Krieg. Im Kern war das wohl weiterhin so etwas wie Sportfliegerei, die hier betrieben wurde. Aber der Anschein, hier werde unermüdlich der proletarischen Revolution gedient, erhöhte die staatliche Unterstützung für den Flughafen. Eine 800 Meter lange und 100 Meter breite Landebahn wurde gebaut. Die Motorflugaktivitäten nahmen heftig zu und in den 1970er Jahren konnte man hier sogar Nachtlandungen und das Fliegen mit einem Hubschrauber lernen.

Das ging so bis zum Ende des Kommunismus 1989. Der Aeroclub Svazarmu Točná wurde aufgelöst und der ein freier Initiative entstandene neue Aeroclub Točná, wo man ohne kommunistische Indoktrination aus Spaß fliegen konnte, und nicht ständig den westlichen Klassenfeind in Visier nehmen musste. Der Aeroclub erwarb denn auch den Flugplatz als er 2008 privatisiert wurde. Es herrscht nicht nur ein reger Sportflugbetrieb…

Denn es gibt zum Beispiel auch Flugshows bei denen zuvörderst gerne eine alte Spitfire vorgeführt wird. Denn man ist hier auch sehr bewusst in Sachen Geschichte. Im Mai 1945 fanden in der unmittelbaren Umgebung besonders heftige Kämpfe während des Prager Aufstands gegen die Deutschen statt. Spaziergänger können einen Freiheitsweg 1938-1945 (Stezka svobody 1938-1945) erwandern, der auf Infotafeln die Geschichte schildert. Auch vor dem Flughafen befindet sich solch eine Tafel. Sie erzählt von der erstaunlichen Zahl derer, die noch vor dem Bau des Platzes hier vor Ort Segelflieger waren, dann beruflich Fliegen lernten und sich 1939 nach Großbritannien absetzten, um bei der Luftschlacht um England auf Seiten der Briten für die Freiheit zu kämpfen.

Einer von ihnen war Jan Šerhant. Der war 1939 Werkspilot der Schuhfirma Baťa und gerade mit der werkseigenen Lockheed Electra im noch freien Polen als die Deutschen in der Heimat einmarschierten. Er flog mit dem Flugzeug gleich weiter nachEngland und dient bis Kriegsende hochdekoriert bei der RAF. Die Electra, mit der er floh, steht seit 2015 restauriert auf dem Gelände des Flughafens Točná. Womit wir schon beim nächsten Thema sind: Dem Luftfahrtmuseum (Letecké Muzeum). Nur wenige Flughäfen dieser Größe haben so etwas. Immerhin kann man neben der Electra rund 10 alte Flugzeuge sehen, deren Ursprünge zum Teil bis zum Anfang der Ersten Rublik zurückreichen. Die größten Flugzeuge, zwei sowjetische Antonov An-2 (gebaut ab 1947), sieht man auf dem großen Bild oben. Ein Kinderspielplatz auf dem Museumsgelände rundet die Sache ab und macht den Flugplatz zum idealen Ort für Familienausflüge. (DD)

Im Lada-Land

Ladův kraj – pohádkový region (auf Deutsch: Lada-Land – die Märchenregion) nennt man die romantisch bewaldete Gegend um die Ortschaften Hrusice, Mnichovice Velké Popovice und 21 anderen Gemeinden, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben, um ihn zu feiern: Josef Lada. In Deutschland ist er primär als der grandiose Original-Illustrator von Jaroslav Hašeks Roman vom guten Soldaten Švejk bekannt. In Tschechien liebt ihn Jung und Alt auch, weil er sie um eine wahre Märchenwelt bereichert hat. In diese Welt kann man direkt vor den Toren Prags – etwa 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt – bei schönen Wanderungen eintauchen.

Geboren wurde er 1887 im Dorf Hrusice, wo man ihm 1951 ein von dem Bildhauer Zdeněk Šejnost entworfenes Denkmal setzte. Mit 14 zog es den Schusterjungen nach Prag, wo er sich als Autodidakt zum Maler, Illustrator, politischen Karikutaristen, Schriftsteller, Biographen, Theater-Szenographen, Dichter und Saufkumpan von Hašek, mit dem er sich eine zeitlang aus Geldmangel eine kleine Wohnung teilte (und später darüber humorig lesenswerte Erinnerungen schrieb), weiterentwickelte. 121 Bücher für Kinder 197 Bücher für Erwachsene verfasste er. Ein Weihnachten ohne Karten oder Kalender nach seinen Motiven ist in Tschechien undenkbar. Aber seine große Liebe schien dem Genre des Märchens zu gehören, wie er nicht nur in seinen Pohádky naruby (Verdrehte Märchen) von 1938 zeigte. Ob Nachempfindungen tradtioneller Märchen, selbst erfundene oder parodierte Märchen – hier lief er zu Hochform auf. Ein Grund dafür, dass das in Deutschland nicht so bekannt ist, ist die Tatsache, dass viele seiner Märchen nur in indirekter Form hierhin kamen. Denn eigentlich kennt in Deutschland fast jedermann einige von Ladas Kreationen. So zum Beispiel den berühmten Vodník von 1939, eine alte Legende, die man in Deutschland durch Otfried Preußler als Der kleine Wassermann kennt.

Und wer kennt ihn nicht, den Kocour Mikeš, den Lada im Jahre 1936 veröffentlichte? In Deutschland heißt er Kater Mikesch und wurde dort ebenfalls zunächst nur durch die gelungene Nachempfindung Otfried Preußlers (1962) berühmt – und dann noch viel berühmter durch die putzige Fernsehadaption der Augsburger Puppenkiste (1964; in Farbe 1976), durch die ich ihn zum Beispiel kennen lernte. Durch diese – zugegebenermaßen recht genialen – Adaptionen geriet Lada in Deutschland als Originalautor ein wenig ins unverdiente Abseits. Aber nicht in Tschechien, wo man vor allem die lokale Gebundenheit der Ladaschen Geschichten viel deutlicher vor Augen hat. Das sieht man hier im oben erwähnten Lada-Land in der Umgebung seines Geburtsortes Hrusice. Dort wurde vor einigen Jahren zwischen Hrusice und Mnichovice ein Kater-Mikesch-Wanderweg (Cesta kocoura Mikeše) angelegt. Denn in Ladas Buch lebt der sprechende Kater in tatsächlich Hrusice. Nachdem er aus Versehen den Rahmtopf der Großmutter kaputtgemacht hat, zieht er aus Angst in die Welt hinaus. Der rechts abgebildeten Tafel auf dem Wanderweg entnimmt man, dass er genau an dieser Stelle, der Lederhöhe (Kožený vrch), noch einmal sehnsüchtig hinunter auf das Dorf schaute, bevor er weiter ging. Man sieht, das Lada den Kater in eine reale Welt eingebettet hat.

Und davon findet man überall Spuren im Lada-Land. Und der Wanderweg bzw. Lehrpfad ist nur ein Beispiel, wie die lokale Tourismusbehörde die Berühmtheit Ladas für ihr Marketing nutzt. Aber nicht nur die Behörde. Der Name Lada wirkt hier so inspirierend für jedermann, dass die Privatinitiative blüht. Kaum aus Mnichovice in den Wald gekommen, kommt man zum Beipiel an der links abgebildeten Gartenfront eines Hauses vorbei, dessen Besitzer wohl ein wahrer Lada-Enthusiast ist, und handgemachte überlebensgroße Figuren aus Ladas Märchenwelt. Man ist beeindruckt, ob der Kreativität und des Einsatzes!

Lada-Garten (Ladova zahrádka) hat der Besitzer das Ganze getauft, was mittlerweile zur lokalen Sensation geworden ist. Und so trifft man hier alte Bekannte aus verschiedenen Märchen. Neben den Charakteren aus dem Kater Mikesch etwa auch den kleinen Wassermann (Vodnik), den man hier seine Pfeife rauchend beim Angeln zusehen kann. Das Gesamtkunstwerk steht nicht in den Reiseführern, gehört aber zu den großartigsten Sehenswürdigkeiten der Gegend, weshalb es hier ausführlich erwähnt werden muss.

Weiter geht es nach Hrusice selbst. Da steht das Geburtshaus Ladas (/Bild links), das ein wenig so aussieht, als ob es seit Ladas Zeiten mehrfach renoviert, ausgebaut und stark verändert wurde. Aber man kann trotzdem erahnen, dass Lada nicht aus sehr reichem Elternhaus kam. Hier ein von Lada gemaltes Bild des Hauses im Ursprungszustand. Als arrivierter Künstler, der dann etwas wohlhabender war, kaufte er sich ein Sommerhaus im Orte, in dem sich heute ein kleines Museum befindet. Gestorben ist er allerdings 1957 in Prag, wo er seine Karriere begonnen hatte und berühmt wurde. Aber weder Geburtshaus noch Museum sind für die meisten Ausflügler, die sich meist zum Wochenende hier einfinden, die Hausptattraktion des Ortes.

Das ist ohne Zweifel die Hrusická Hospoda (Hrusicer Gasthaus). Die ist – wie das meiste an Gebäuden im Orte – zunächst einmal architektonisch recht unscheinbar. Es ist ein einstöckiges Gebäude schlichter Bauart, dass er möglicherweise hier 1943 zeichnerisch verewigte. Lada ist hier zu Lebzeiten oft eingekehrt und kannte den Wirt und die Gäste, die ihn vielleicht zu seinen Zeichnungen inspirierten.

Nicht nur das verbindet das Gebäude mit dem großen Künstler, sondern vor allem die üppige Bermalung mit Lada-Themen im Lada-Stil. Außen sind das vor allem Motive aus den Ladaschen Märchen – allen voran der Mikeš als die populärste Figur, die hier gerade einzukehren scheint. Nach ein paar Schluck Bier wird er weiter in die Welt ziehen, und – wie uns die Geschichte lehrt – Geld als sprechender Kater beim Zirkus verdienen, um nach der Rückkehr den Rahmtopf der Oma zu ersetzen. Happy End.

Und natürlich sind auf die tierischen Freunde des Katers dabei, denen er auch das Sprechen beigebracht hat, wie die Geiß Bobeš (bei Preußler: Bobesch) und der junge Kater Nácíček (dt.: Maunzerle), der die Menschensprache noch nicht ganz so gut beherrscht wie Mikeš. Die wichtigste Figur ist jedoch Mikeš‘ bester Freund Pašík (Paschik), ein Schwein, das nicht nur sprechen, sondern auch auf der Ziehharmonika lustig musizieren kann. Möglicherweise ist er sogar der beliebteste Charakter der Ladaschen Märchenerzählung. Entsprechend findet man das Schwein an prominenter Stelle auf die Außenwand der Hrusická Hospoda gemalt.

Im Inneren der Gaststätte half bei der Ausgestaltung die Tatsache, dass Lada neben Märchenmotiven auch liebend gerne raue Kneipen- und Gaststättenszenen festhielt. Aus einer davon entstammt im großen Bild oben sichtbare herrlich in die Holzeinrichtung eingepasste Blaskapelle, die in einer Gaststätte zum Tanz aufspielt. Es handelt sich um die vergrößerte Kopie eines Ausschnitts aus dem 1929 von Lada gemalten Bild Tancovačka (Tanzvergnügen). Die ganze Gaststätte ist drinnen mit überlebensgroßen Kopien dieser Kneipenbilder Ladas bedeckt. Verantwortlich zeichnete sich der Miloslav Milostný, der sie im Jahre 2008 (mit späteren Ergänzungen) liebevoll anfertigte. Milostný war kein Berufsmaler, sondern eigentlich Wirtschaftsingenieur. Aber die Hobbymalereien sind einfach kongenial!

Im Mittelpunkt der Milostnýschen Malereien gemäß Lada steht wohl dessen bekannteste Wirtshausszene, die Rvačka v hospodě (Schlägerei in der Kneipe) aus dem Jahr 1943. Das war für die Tschechen eine traurige Zeit und nichts in der Szenerie, in der die Obrigkeit in Form eines Nachtwächters mit Hellebarde erscheint, an die Nazibesetzung. Es ist die gute alte Habsburgerzeit, die man hier fast schon putzig verklärt sieht (und für die Lada wohl früher nicht viel übrig hatte). Hier sieht man die lustigste Szene, in der ein Hund sein Herrchen verteidigt, während der Nachtwächter dabei ist, jemandem möglicherweise mit der Hellebarde die Hose herunterzuziehen.

Schlägereien waren in früheren Zeit, die Lada noch mit erlebt hat, in Wirtshäusern auf dem Lande anscheinend noch sehr verbreitet. Das kann man jedenfalls mutmaßen, wenn man sich vor Augen führt, wie oft der Künstler das Thema (mit sichtbar verschiedenen Lokalitäten) in seinen Bildern verarbeitet hat. Auch in den Geschichten seines Freundes Hašek wird ja häufig darauf rekurriert. Die Wirte schienen das ob der hohen Reparaturrechnungen, die dabei anfielen, nicht so recht goutiert habe.Deshalb gehört zu meinen Lieblingsszenen hier der in den Gastraum eintretende und wutentbrannte Wirt, der mit aufgekrämpelten Armen und einem Knüppel in der Hand jetzt für Ruhe sorgen will.

Der Fairness halb sollten an dieser Stelle nicht nur die genialen Lada-Bilder von Milostný, sondern auch das Wirtshaus Hrusická Hospoda an sich gewürdigt werden, dass seit langem erfolgreich von Wirt Pavel Mach geführt wird. Es ist, wie gesagt, kongenial im Lada-Stil für alle Lada-Fans, die das Lada-Land erwandern, eingerichtet. Man könnte vom eigentlichen Herz des Lada-Landes reden. Es scheint gleichermaßen die Dorfkneipe der einheimischen und der Anlaufort für Ausflügler zu sein, die aber meist aus der Umgebung Prags kommen (Ausländer verirren sich hier eher selten hin). Es gibt gutes Markenbier und klassisch deftiges tschechisches Wirtshausessen (manchmal sogar heute rare Traditionsgerichte wie die Prdelačka, eine Schweineblutsuppe). Alles in allem: Man wird reell und preisgünstig bewirtet und das Essen passt wie maßgeschneidert zu Lada-Land und Lada-Ambiente.

Aber die Hospoda mag in Hrusice ein Höhepunkt-Erlebnis für alle lada-Fans sein, aber keineswegs die einzige Attraktion, die der Geburtsort bietet. Jeder macht hier mit beim Lada-Kult. Läden und Bauernhöfe mit Verkauf werben überall mit Mikeš und Co.. Und es gibt überall an den Wanderwegen innerhalb des Ortes kleine Statuen mit den Lada-Märchenhelden wie Vodnik, Pašik oder eben Mikeš. Im Bild links sieht man einen seltenen Schnappschuss, wie die bronzene Figur des kleinen örtlichen Mikeš-Denkmals auf eine echte Katze zu schauen scheint – vielleicht ein Nachfahre von Nácíček/Maunzele?

Kurz: Es gibt noch viel zu sehen im Lada-Land, und das, worüber an dieser Stelle berichtet wurde, ist nur die Spitze des Eisbergs. In der ganzen Umgebung wird auf Lehrpfade und auch andernorts (in Velké Popvice ist sogar eine Schule nach Lada benannt) wimmelt es nur so von Lada -Memorabilia und -Attraktionen, die auch noch in eine so schöne Landchaft eingebettet ist, dass sich gleich mehrere Ausflüge hierhin lohnen.

Die traumhafte bewaldete Landschaft mit ihren sanften Hügeln, erklärt vielleicht auch, warum bei der örtlichen Präsentation des Lada-Landes die Märchengeschichte so sehr das Bild bestimmen. Und nicht der in Deutscland bekanntere Soldat Švejk. Aber ganz unter den Tisch fällt er dennoch nicht. In der Hrusická findet er sich als Gipsrelief im Lada-Stil (von unbekannter Hand) versteckt in einer Ecke neben dem Gang zur Toilette. Immerhin: Besser als nichts. Und Josef lada selbst, der volkstümlichste aller tschechischen Künstler hätte diese Art volkstümlichen Humors sicher auch zu schätzen gewusst. (DD)

Robuste Schleuse, robustes Kraftwerk

Für große Frachtschiffe ist die Moldau (Vltava) auch heute nicht geeignet – zumindest nicht durchgängig. Aber etwas kleinere Boote, Ausflugsdampfer, Fähren und Yachten können sich heute bequem durch die milden Wogen des Flusses bewegen. Das war nicht immer so. Früher waren Untiefen und wilde Strömungen eine Herausforderung für die Flößer und Bootsmänner der Frachtkähne (wir berichteten). Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Prag mit der Eindämmung des Flusses durch hohe und feste Uferkais.

Dann, am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Flusslauf begradigt und bis zur Elbe mit Stauwerken und Schleusen gebändigt. Eines davon ist die Schleuse Dolany (Zdymadlo Dolany). Die Anlage befindet sich nahe der kleinen, nur wenige Kilometer nördlich (=flußabwärts) von Prag gelegenen Ortschaft Dolany nad Vltavou (Dolan an der Moldau) und ist eine von satten 13 Stau- und Schleusenwerken auf der etwas über 60 Kilometer langen Strecke von der Prager Altstadt bis zur Elbe bei Mělník. An beiden Uferseiten führt jeweils ein schöner Uferwanderweg daran vorbei.

Die ersten konkreten Pläne für die Schiffbarmachung der Moldau außerhalb Prags wurden im Jahr 1894 geschmiedet und zwar unter der Federführung des Industriellen und Eisenbahnmagnaten Karl Adalbert, Freiherr von Lanna (über dessen Stadtpalast in Prag wir bereits hier berichteten). Der bekam auch 1896 von der neu gegründeten staatlichen Commision für die Canalisierung des Moldau- und Elbe-Flusses in Böhmen (Komise pro kanalisování Vltavy a Labe v Čechách), die das Gesamtprojekt der Schiffbarmachung betrieb, den Auftrag für das Stauwerk in Dolany – eines von 11 Stauwerken, mit dem er beauftragt wurde. Lannas Firma vollendete das Bauwerk hier in Dolany im Jahre 1901.

Die Arbeit, die dabei geleistet, war solide. Bis 1986 blieb die Stauanlage im Kern unverändert. An einigen Stellen kann man die originale Architektur noch gut erkennen. Dann machten sich doch einige Verschleißerscheinungen bemerkbar und auch technisch war das Ganze dann doch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Bis 1989 dauerten die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen. Es wurden u.a. neue Stahlklappen, eine leichte Erhöhung der Barriere auf 3,3 Meter und ein neues Kontrollzentrum mit viele Elektronik neu aufgebaut. Am linken Ufer befindet sich nun die Staumauer und rechten Ufer führt nun an einer Insel die Durchfahrt mit zwei hintereinander geordneten Schleusenkammern vorbei. Der Navigationskanal ist rund 670 Meter lang.

Die Schleuse wird heute tagsüber hauptsächlich von der Freizeitschifferei – kleine Touristenschiffe, Kanuten, Ruderern, Yachten und ähnliches – genutzt. Mit 11 Metern Breite entspricht die Schleuse (sie wurde noch in kommunistischen Zeiten gebaut) nicht mehr den internationalen Standards. eine Verbreiterung auf 12 oder 13 Metern ist für die Zukunft geplant, wovon sich die umliegenden Ortschaften ein Wachstum der Tourismusbranche versprechen. So wie sie nun ist, ist die Anlage durchaus aber auch so ein kleiner Hingucker für die Wanderer und Radfahrer auf den Uferwegen hier im romantisch-felsigen Moldautal.

Das liegt auf daran, dass man 1995 bis 1998 die Stauanlage noch zusätzlich wirtschaftlich nutzen wollte und ein kleines Wasserwerk auf dem linken Ufer hinzufügte. Die hydroelektrische Einrichtung (Generatorleistung 2390 kW) hat sich als leistungsstark und robust erwiesen. Beim großen Moldauhochwasser von August 2002 verkraftete sie problemlos einen Durchlauf von 5300 Kubikmeter pro Sekunde. Hochwasser übersteht sie auch, weil sie auf einem Stahlbetonsockel erhöht steht, der etwas brutalistisch herkommt. Nur daran erkennt man, dass es sich um ein doch recht modernes Gebäude handelt.

Das Kraftwerk ist nämlich ansonsten ein wenig in einem Retro-Baustil gehalten. Die beiden im 90-Grad-Winkel zueinander stehenden Hauptgebäude sind mit Tunnelgewölben ausgestattet, die an die Proportionen der funktionalistischen Architektur, wie sie während der Ersten Republik en vogue war. Erst auf den zweiten (und genaueren) Blick merkt man, dass sie nicht aus den spätern 1920er Jahren stammen.

Mit ihrem geschmackvollen weiß-roten Anstrich passen sie sich harmonisch in die umgebende Landschaft ein. Jedenfals überlegt man sich glatt, ob man nicht irgendwann einmal sich ein kleines Boot mieten sollte, um die die Moldau entlang und durch die Schleuse von Dolany zu paddeln – was zweifellos ein ganz besonderes Erlebnis wäre. (DD)

Kleines Dorf mit viel Geschichte

Dass man in der Nähe des Flusslaufs der Berounka rund 20 Kilometer südwestlich von Prag schöne Ausflüge durch die Natur machen kann, wurde an dieser schon öfters bemerkt (etwa hier). Zu erwähnen sind dabei aber auch die hübschen alten Dörfer, durch die man dabei wandern kann. Die winzige, aber um so malerische Ortschaft Koda mit ihren idyllischen Teichen ist eines von vielen Beispielen.

Das Dorf liegt inmitten des Nationalen Naturschutzgebiets von Koda (Národní přírodní rezervace Koda), das nach dem Ort benannt ist. Wir befinden uns hier in einem der artenreichsten und schönsten Teile des Böhmischen Karsts ( Český kras). Und es handelt sich um ein sehr kleines Dorf mit dennoch erstaunlich viel Geschichte.

Die Ortschaft selbst – ursprünglich wohl ein Holzfällerdorf – wurde 1429 erstmals erwähnt. Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs. Aber die Siedlungsgeschichte ist viel älter als es mittelalterliche Chroniken erahnen lassen. Oberhalb des Dörfchens kann man heute etwas abseits des großen (blau markierten) Wanderweges die Höhle von Koda (Kodská jeskyně) finden.

Die kann man einfach so betreten. Es wurde dafür gesorgt, dass der hintere Teil, der mehrere hunderte Meter weit reicht, nicht mehr durch einen sehr engen Durchschlupf erreichbar ist. So wird Schaden abgewendet und es ist der Sicherheit der Wanderer gedient. Der nunmehr als einziges sichtbare Eingangsbereich mit seinen glatten und geraden Wänden vermittelt aber ein Verständnis dafür, warum das hier so ein beliebter Siedlungsort war. Die an einem steilen Abhang im Walde befindliche Höhle wirkt fast wie ein gemauertes Gebäude.

1923 begannen hier mehrjährige Ausgrabungen, die bis in der 1930er Jahre andauerten und bei denen die Archäologen durch ihre Forschungen herausfanden, dass die Höhle von der Jungsteinzeit (ca 5000 v.Chr.) an über die Bronzezeit und die keltische Ära bis hin zum Mittelalter eigentlich ständig bewohnt gewesen war.

Jedenfalls war die Ausbeute der Archäologen an Keramikresten, Tierknochen (darunter Reste eines erlegten Mammuts), Werkzeugen enorm und gab viel Auskunft über einen besonders alten Siedlungsraum im alten Böhmen.

Weiter unten beim Orteingang erwartet uns eine andere und neuere geschichtliche Erinnerung – eine die uns gemahnt, dass die Tschechen im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Schreckensregime erdulden mussten. Die kleine Gedenktafel erinnert an den örtlichen Wildhüter Bohumil Žíhla, der am 27. Mai 1945 (19 Tage nach der deutschen Kapitulation) von betrunkenen Rotarmisten getötet wurde, als er seine Familie gegen selbige verteidigen wollte. Das war ein erstes Zeichen dafür, dass der Wechsel von der Naziherrschaft zur Sowjetbesetzung für die meisten Bürger des Landes alles andere als eine echte Befreiung war. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Dobřichovice – kleiner Ort mit viel Skulptur

Haifischalarm? Mitten in Böhmen? Nein, es handelt sich um ein Kunstwerk, eine Skulptur. Und wo die steht, stehen noch mehr davon. Žralok červený (Roter Hai) heißt dieses Werk der Bildhauer Ivana Junková und Jan Slovenčík, das hier 2014 aufgestellt wurde.

Wir befinden uns in Dobřichovice, einer kleinen Ortschaft mit hübschem Schloss an der Berounka, rund 20 Kilometer südwestlich von Prag und ganz nahe bei Burg Karlštejn. Der kleine Ort ist voll von modernen Skulpturen und man fragt sich bald, warum es davon eine so hohe Konzentration gibt wie man sie selbst in Großstädten selten findet.

Und damit sind wir bei Petr Váňa. Der umtriebige Bildhauer organisiert hier im Orte seit 2003 das alle zwei bis drei Ajhre stattfindende Symposion Cesta Mramoru (Marmorweg) für tschechische und auch einige ausländische Künstler. Die hinterlassen seit diesem Jahr im Orte Unmengen von Skulpturen. Und jedes Jahr kommen neue dazu. Sie verteilen sich in der ganzen Ortschaft, aber vor allem auf dem rund einen Kilometer langen Stück Landstraße, das Dobřichovice mit dem benachbarten (noch kleineren) Dörfchen Karlík verbindet.

Váňa gilt als exzentrischer, weil dezidiert katholischer Künstler (was den areligiösen Tschechen meist suspekt ist). Seit 1997 löst er immer wieder heftige öffentliche Diskussionen aus, weil er eigenständig die Mariensäule aus dem 17. Jahrhundert auf dem Altstädter Ring in Prag wiederherstellen will (früherer Beitrag hier). Die war bei Ausrufung der Unabhängigkeit der Tschechoslowakischen Republik 1918 von der wütenden Menge zerstört worden, weil sie ein zentrales Symbol der Habsburgischen Fremdherrschaft darstellte. Der Plan Váňas verletzte mithin patriotische Gefühle. Erst 2013 raffte sich der Stadtrat dazu auf, die Genehmigung im Sinne des alten Stadtbilds zu erteilen. Seither weigert sich aber das Ordnungsamt, die zum Aufbau des bereits fertigen Denkmals nötige Absperrung zu genehmigen. Der Streit geht weiter und ist nicht ganz frei von Kleingeist…

Der Output von Váňas Symposion zeichnet sich hingegen durch Abwesenheit jenes Kleingeistes aus und ist tolerant in seiner Auswahl. Avantgardistisch Modernes steht neben Skurrilem und (immer noch modernen) Rückgriffen auf traditionellere Bildhauerei. Selbst moderne Verfremdungen sakraler Themen finden hier ihren Platz, wie das rechts gezeigte Werk Květ z mojí zahrady (Blume aus meinem Garten) des Bildhauers Václav Gatarik aus dem Jahr 2009, das eine als Pflanze wuchernde Pietà darstellt, mit einer fast unheimlich gesichtslosen Jungfrau Maria.

Konventioneller ist hingegen die Skulptur Zasněný mramor (Verträumter Marmor) aus dem Jahr 2017 – ein Werk des Bildhauers Petr Novák. Mit dem Mädchen, das sich an einen Pferdehals schmiegt, können sich sicher die reitbegeisterten kleinen Mädchen der Umgebung identifizieren. Jedenfalls ist es irgendwie doch eher niedlich, denn provokant-modern.

Wiederum geradezu reduktionistisch modern und daher zu vielfältigen Interpretationen einladend ist das rechts gezeigte Werk Elementární postava (Elementare Figur) des Bildhauers Jura Plieštik. Und so findet man eigentlich als Liebhaber von Skulpuren etwas für jeden Gechmack in Dobřichovice. Und das Material, der Marmor, fügt sich ja auch schön in die Natur und das dörfliche Umfeld der ja sehr idyllischen Umgebung ein. Das empfand Váňa übrigens schon lange bevor im die Idee mit dem Symposion und dem Marmorweg kam.

Schon 1999 kam er auf die Idee, im nur zwei Kilometer entfernten Dorf Mořinka auf einem Hügel einen Menhir (bzw. einen Pseudomenhir) zu errichten, der der Landschaft dort ein geradezu vorzeitliches Gepräge gibt. Man sieht also: In der Umgebung von Dobřichovice lässt sich mittlerweile Kunst erwandern, die weit in der Gegend verstreut ist. Man kann also Kunst- mit Wandertour verbinden. Dafür sei allen Beteiligten gedankt! (DD)

Baumveteran

Dieser Baum kann auf ein langes Stück Geschichte zurückblicken. Seit Urzeiten steht er im Čimický háj (wörtl.: Tschimitzer Hain) am Rande des nordöstlichen Stadtteils Čimice (dt.:Tschimitz) in Prag 8.

Der Hain ist ein kleines Naherholungsparadies für die Prager, die dort gerne spazierengehen (eine frühere Empfehlung findet sich hier). Er ist gut mit Rast- und Spielmöglichkeiten (für die Kinder) ausgestattet; die Wege sind komfortabel; kleine Teiche verschönern die Idylle.

Früher, als er noch Teil eines Gutsbesitzes in Bohnice war, bestand der Hain hauptsächlich aus Eichen und Buchen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er als öffentlicher Wald neu aufgeforstet. Lärchen und Linden dominieren nun das Erscheinungsbild. Aber es gibt einen wackeren Baumveteranen aus der alten Zeit, auf den die Forstverwaltung und die Einheimischen sehr stolz sind. Die alte große Sommereiche (großes Bild oben) zählt bereits mehr als 300 Lebensjahre. Sie ist mit Abstand der älteste Baum weit und breit.

Zu ihrer Sicherheit ist die Eiche umzäunt, sodass sie ihren ungebrochenen Lebenswillen ungestört zeigen kann. Innen ist sie weitgehend hohl und Bienen und ein Waldkauz haben sich drinnen eingenistet. Nur oben in den Wipfeln gibt es noch lebende Zweige. Von ihnen aus können nun die Jahrhunderte an Baumleben auf die Besucher – meist einheimische Familien (die Tschechen sind ein Volk von Wanderern) – hinabschauen. (DD)

Schwimmen in der Wilden Šárka – nichts für Warmduscher

Mitten im wildromantischen Tal der Divoká Šárka liegt ein schmuckes kleines Schwimmbad aus der Zeit der Ersten Republik unterhalb einer eindrucksvollen Felsenkulisse. Schon der Weg zum Badevergnügen ist ein Naturerlebnis, muss man doch von der Straßenbahn- bzw. Bushaltestelle an McDonalds vorbei (s. Beitrag hier) mindestens 10, eher 15 Minuten durch die tiefen Schluchten der wunderschöne Naturlandschaft entlang des plätschernden Baches auf einem breit geteerten Weg, der auch von Radfahrern genutzt werden kann, wandern bis man zum schlichten kleinen Freibad kommt.

An zwei Seiten begrenzt und geschützt vor zu neugierigen Blicken der Wanderer wird es durch eine Reihe von schmalen abschließbaren Kabinen, die man für den Aufenthalt oder sogar die ganze Saison mieten kann. Wer das nicht möchte, kann die Damen – oder Herrenumkleide benutzen, die, frisch lackiert und am Eingang mit Balkonblumen geschmückt, recht einladend wirkt. Ergänzt wird die Umrahmung von modernen Toilettenanlagen und zwei Imbissbüdchen mit Biergarten. Alles ist einstöckig, schlicht, funktional, sauber und liebevoll gepflegt.

Drinnen befinden sich zwei größere Becken von maximal 1,70 m Tiefe und ein kleines Schwimmbecken für Kinder. Die größeren Becken sind durch ein Mäuerchen getrennt und verschieden kalt – warm kann man hier wirklich nicht sagen, stammt das Wasser doch aus dem Bach. Immerhin warnt einen eine schön altmodische Temperaturanzeige vor dem Kälteschock.

Diese natürliche Quelle sorgt für die besondere Qualität des klaren und sauberen Wassers, das wohl nicht oder nur kaum gechlort ist. Kalte Freiduschen, ein Fußbecken, und eine Kinderrutsche runden das Bild ab. Alles ist einfach, praktisch, nicht luxuriös, aber sauber. Zum Wald hin erstrecken sich die Liegewiesen hangauf, durch die der Bach fließt. Wer sich sonst noch sportlich betätigen will, kann auf einem abgegrenzten Feld Beach-Volleyball spielen oder eine der Tischtennisplatten mieten. Kinder werden am Trampolin ihre Freude haben. Liegestühle und Sonnenschirme werden am Eingang vermietet.

Das Freibad wird heute noch von derselben Familie betrieben, die es in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauen ließ. Das erklärt vielleicht auch die vielen liebevollen Details in der Ausstattung.

Die Berounka: Wandern von Srbsko nach Karlstejn

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Die idyllische Berounka bietet Gelegenheiten en masse für schöne Wochenendausflüge IMG_3788in die Umgebung von Prag (siehe auch hier und hier). Von Pilsen her aus dem Westen kommend, erstreckt sich ihr Lauf über fast 139 Kilometer, von insbesondere die letzten Dutzende von Kilometern vor ihrer Einmündung in die Moldau südlich von Prag Dank der Karstlandschaft (links) von atemberaubender landschaftlicher Schönheit ist. Zuletzt hatten wir die schöne Strecke entlang des Flusses von Beroun nach Srbsko (vorbei am „Matterhorn“). Man kann die Strecke auch um kaum etwas mehr als 1 1/2 Stunden verlängern, um bis nach Karlsteijn  zu gelangen, wo seit dem 14. Jahrhundert hoch über dem Ort die berühmteste königliche Burg des Landes thront (Beitrag hier).

IMG_3784Man verlässt das (leicht mit der Regionalbahn erreichbare) schöne Örtchen Srbsko (Bild links) und wandert am rechten Ufer entlang. Dort wird der bisher breit ausgebaute Wanderweg nach einer Weile zu einem eher kleinen Trampelpfad. Anscheinend nehmen die meisten Radfahrer und Wanderern von hier ab den asphaltierten und auch von Autos frequentierten Weg auf der anderen Uferseite. Das hat den Vorteil, dass man hier nun einen sehr einsamen und stillen Weg fast ungestört entlanggehen kann – vorbei an einer von den typischen kantigen IMG_3787Felsformationen des Böhmischen Krsts unterbrochenen Auen- und Felslandschaft.

Auch die Fauna scheint die Ruhe zu genießen. Mehrfach konnten wir auf dem Flussabschnitt Reiher (Bild links) beobachten, die ungestört im Wasser standen und wohl auf Fischbeute warteten. Nicht umsonst gehört auch dieser Teil des Flusses schon seit langem zu dem großen Naturschutzgebiet des Böhmischen Karst.

Vorbei an schönen Felsen schlängelt sich der Fluss zwei langezogene Kurven hin nach Karlstejn, dessen im Mittelalter angelegte Weinberge man schon von weitem sieht. Zwischendurch sieht man Rest von alten Brücken und IMG_3783durch das Tal schlängelt sich die Eisenbahnlinie, die nach (oder von) Prag führt. Der Fluß ist in der Regel seicht, der Weg eben und für unsere Lady Edith boten sich immer wieder Gelegenheiten, ein kleines Bad zu nehmen. Ein sehr erfrischender Spaziergang!

Am Ende kommt man in Karlstejn an, wo man entweder die Chance nutzt, die Burg und das kleine Dorf darunter zu besichtigen (oder dort einzukehren) oder vom kleinen Bahnhof aus wieder nach Prag zurückzukehren. (DD)