Idylisches Dorf und Filmkulisse

Die Umgebung von Prag ist reich an kleinen Dörfern mit idyllisch anmutendem Dorfkern. Das gilt auch für die ansonsten landschaftlich etwas eintönige Moldauebene im Kreisgebiet von Mělník, kurz bevor der Anstieg zum Erzgebirge (tsch.: Krušné hory) beginnt. Hier findet man etwa 25 Kilometer nördlich von Prag das kleine Örtchen Vrbno, dessen Kern seit 2004 zurecht eine geschützte Denkmalzone (památková zóna) ist, die sogar immer wieder einmal als Filmkulisse dient.

Die Ursprünge reichen tiefer in die Vorgeschichte zurück, als man es hier auf den ersten Blick sehen kann. Es lohnt sich, den kleinen historischen Lehrpfad um den Ort zu erwandern. Da lernt man, dass ganz in der unmittelbaren Umgebung Archäologen in den letzten Jahren reichliche Funde aus der Steinzeit (rund 5000 v. Chr.) und aus der Bronzezeit (rund 2000 v. Chr.) ausgegraben haben. Der Ort als feste dörfliche Siedlung dürfte im 11. Jahrhundert gegründet und seither kontinuierlich besiedelt worden sein, urkundlich erwähnt wird es aber erst im Jahre 1241. Die frühe Besiedlung mag viel damit zu tun haben, dass die die flache Flussauenlandschaft gut bewässert und auch recht fruchtbar ist. Aber die Nähe zum Fluss hat auch is heute ihre dunklen Schattenseiten, wie noch zu sehen sein wird.

Im Mittelalter gehörte das Dorf erst zur Herrschaft von Mělník, dann einer örtlichen Adelsfamilie namens Mléčkové z Vrbna. Schon im Jahr 1257 (hier, S.11f) ist dokumentiert, dass die Kirche (und damit wohl das ganze Dorf) dem soeben von der großen böhmischen Heiligen Agnes von Böhmen gegründeten Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern (Rytířský řád křižovníků s červenou hvězdou). Womit wir beim eigentlichen Kern des Kerns des Dorfes sind, der Kirche der Kreuzerhöhung (Kostel Povýšení sv. Kříže).

Deren Ursprünge gehen mindestens bis in das 12. Jahrhundert zurück. Bevor die Kirche in den Besitz der Kreuzherren überging, gehörte sie wohl einer Krankenhausbrunderschaft. Es handelte sich um einen einfachen rechteckigen Bau ohne Glockenturm im Stil der Romanik. Der ist im Kern und in seinen Dimensionen auch immer noch erkennbar. Die einfache und robuste Konstruktion weist darauf hin, das die Kirche auch als Wehrkirche konzipiert war. Bei Renovierungsarbeiten nach dem Hochwasser von 2002 fand man übrigens auch Reste eines romanischen Portals, das in gotischer Zeit übermauert worden war. Heute kann man den von den Restauratoren sorgfältig freigelegten Torbogen außen vom Kirchhof aus bewundern – direkt neben einer groß dimensionierten Grabstatue in Engelsform aus dem späten 19. Jahrhundert.

Ebenfalls bei den Renovierungen fand man eine mittelalterliche Wandmalerei der Kreuzerhöhung – und zwar im Chor, der im 14. Jahrhundert, also in Zeiten der Hochgotik, an die Kirche angebaut wurde. Immer wieder gab es auch danach kleinere Umbauten. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde erst der spätgotische Glockenturm hinzugefügt.

Und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unternahm man schließlich eine behutsame Barockisierung, wie das bei Kirchen in dieser Zeit ausgesprochen häufig getan wurde. Die barocke Neugestaltung veränderte bei näherer Betrachtung den optischen Grundcharakter der kleinen Dorfkirche schon recht beträchtlich, ohne dass die romanisch/gotische Struktur verschwand. Von außen kann man das am deutlichsten bei dem kleinen Vorbau für den heutigen Haupteingang sehen (kleines Bild links), der sich durch einen sehr klassisch anmutenden Giebel auszeichnet.

Insgesamt repräsentierte die Barockzeit mit ihrem bescheidenen, aber dennoch sichtbaren Prunk auch ein wenig den ökonomischen, kulturellen und sozialen Auschwung in dieser Zeit. So ist im Jahr 1764 für die Kinder des Dorfes erstmals eine richtiggehende Schule für die dokumentiert. Nicht nur die Kirche, sondern auch das Dorf als solches wurde immer mehr modernisiert.

Im Jahre 1790 baute man noch auf dem Gelände des Kirchhofs eine kleine Kapelle an, die lange Zeit als Leichenhalle diente. Sie war der Heiligen Barbara (sv. Barbora) gewidmet. Sie ist achteckig im Grundriss. Innen sieht sie – anscheindend als Folge von Hochwassern – arg beschädigt und ebenso arg heruntergekommen aus. Aber von außen verleiht sie mit ihrer ungewöhnlichen Form dem Dorf eine originelle architektonische Note.

Der kleine Kirchhof wurde übrigens im Jahre 1880 aufgelöst. Nur wenige Grabsteine blieben erhalten, darunter das oben erwähnte Engelsgrab der Familie Plačký, die – wenn man von der Größe des Grab Schlüsse ziehen will – wohl im Dorf eine wichtigere Rolle spielte.

Die lange Prägung durch Kreuzherren und Kirche hat das Dorf auch sonst ihren Stempel aufgedrückt. Schon an der im 18. Jahrhundert errichteten Friedhofsmauer findet man außen eine kleine barocke Nischenkapelle, die dem böhmischen Nationalheiligen Nepomuk (sv. Nepomucký) geweiht ist (Bild links im Vordergrund), der allerdings schon seit langem die Nepomuk-Darstellung zu fehlen scheint. Und am Ausgang des Kirchplatzes hin zur Hauptstraße findet sich die ähnlich dimensionierte Kapelle der Fünf Wunden Christi (Kaplička Nejsvětějších Pěti ran Kristových) aus dem Jahr 1705 (kleines Bild rechts). Leider auch sie ein wenig renovierungsbedürftig.

Und rund um den Kirchplatz stehen allerlei hübsche alte Gebäude. Dazu gehört das katholische Pfarrhaus (Haus 1, Bild links), das in dieser Form hier seit 1862 steht. Sehen kann man unter anderem noch die alte Schule von 1878 (Haus 60), die alte Gaststätte (Haus 27) und natürlich hauptsächlich viele größere Bauernhöfe mit ihren typischen Hoftorbögen, von denen das Haus Nr. 4 (rechts) zu den schönsten gehört.

Haus Nr 25, gegenüber der Kapelle der Fünf Wunden Christi, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und wurde danach immer wieder umgebaut. Das ist aber nicht das Besondere daran. Man muss nahe herankommen, um neben der Haustür ein kleines Metallschild zu sehen (Bild links). Es zeigt uns, wie hoch das Wasser beim großen Moldauhochwasser von 2002 stand, das verheerende Verwüstungen verursachte. Insgersamt wurde 30 Häuser in Vrbno so zerstört, dass sie abgerissen wurde. Einer der Schutzdämme, die das Dorf von einem nahe vorbeilaufenden Nebenkanal der Moldau trennt, hielt dem Wasserdruck nicht mehr stand, und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Trotz der Reparaturarbeiten, die danach erfolgten, brach an einer anderen Stelle beim (geringfügig kleineren) Hochwasser von 2013 abermals ein Damm. Und wieder richtete das Wasser Zerstörungen an. Das ist der Grund, warum die Schönheit des Dorfes sich bisweilen immer noch mit dem Eindruck eines gewissen Verfalls vermischt. Spuren einer solch geballten und doppelten Verwüstung sind halt schwer zu tilgen.

Aber die Gewalt der Wassermassen dürfte den Bewohnern des Ortes in früheren Zeiten gewiss ebenfalls vertraut gewesen sein – möglicherweise noch gravierender, denn bis Ende des 19. Jahrunderts war der Fluss noch ungebändigt. Vermutlich sind solche Ereignisse damals sogar wesentlich häufiger auf der Tagesordnung gewesen. Man denke an das große Hochwasser von 1890, das weiter oberhalb in Prag sogar Teile der Karlsbrücke zerstörte. Das betraf auch Vrbno und Umgebung. Der Fluss lag dereinst sogar näher am Dorfe, wie ein heute toter Flussarm zeigt, der sich nur wenige Meter vom Dorfkern befindet. Der lädt wiederum zu einem (Hunde-) Spaziergang in einer idyllischen Auenlandschaft ein und hat seine einstige Gefährlichkeit wohl weitgehend eingebüßt. Und man kann nur hoffen, dass die repararierten Dämme zum Kanal beim nächsten Hochwasser halten werden.

Trotz der noch verbliebenen Spuren der letzten Hochwasser-Katastrophen ist und bleibt das Dorf ein kleines romantisches Idyll. Die hübschen Häuser des Dorfkerns und die kleinen verwunschenen Sträßchen haben deshalb schon seit längerem als Drehort das Interesse der Filmschaffenden geweckt. Etliche tschechische, aber auch internationale Fernseh- oder Kinofilme wurden hier in Vrbno gefilmt. Dazu gehören die Artistenserie Circus Humberto aus dem Jahr 1988, die historische Krimiserie Dobrodružstvá kriminalistiky (in Deutschland.: Täter unbekannt – Sternstunden der Kriminalistik), die in den Jahren 1989 bis 1993 lief, die tschechische Maigret-Verfilmung Maigretův první případ (dt.: Maigrets erster Fall) von 1991 oder die internationale Victor Hugo-Verfilmung von Les Misérables mit Liam Neeson aus dem Jahr 1998. Bleibt zu hoffen, dass der Filmruhm dafür sorgt, dass Vrbno seine schönen Glanz bald wieder neu aufpolieren kann. (DD)

Hier wurde Prag vor den Preußen gerettet

Ja, wir befinden uns über 50 Kilometer östlich von Prag. Aber dieser Ort ist wichtiger als manch anderer und näher gelegene für die Stadt. Denn heute vor 265 Jahren wurde Prag genau hier das Schicksal erspart, unter die Herrschaft der Preußen zu fallen – eine Vorstellung, die man sich eigentlich gar nicht vorstellen kann. Hier fand am 18. Juni 1757 die Schlacht bei Kolín statt.

Die Schlacht war Teil des Siebenjährigen Krieges, der von 1756 bis 1763 tobte. Bei dem ging es zunächst hauptsächlich nicht um Prag. Großbritannien und Frankreich kämpften dabei um kolonialen Interessen in Indien und Nordamerika. Die österreichische regierende Erzherzogin Maria Theresia verband sich mit den Franzosen, weil sie sich dadurch Unterstützung versprach, die in den 1740er Jahren an Preußen verlorenen Territorien in Schlesien zruückzugewinnen. Dabei hatte sich Maria Theresia, die zugleich böhmische Königin war, zunächst verkalkuliert, denn den preußischen Truppen unter Friedrich II. gelang es schnell, tief ins böhmische Territorium einzudringen. Anfang Mai 1757 standen sie bereits vor den Toren Prags. Nach einer blutigen Schlacht (über die wir hier berichteten) gelang es ihnen, die Stadt völlig einzukreisen und und einen engen Belagerungsgürtel um die Stadt zu ziehen, die nun heftig von Artillerie beschossen wurde. Es war nur eine Frage der Zeit, dass Prag aufgeben würde und in Friedrichs Hände fiele.

Aber: Es sollte nicht sein. Maria Theresia – und damit dem Haus Habsburg – war andernorts das Kriegsglück hold. Nämlich auf den Feldern vor Kolín. Um den belagerten österreichischen Truppen in Prag zu helfen, schickte Maria Theresia Truppen unter dem Kommando von Feldmarschall Leopold Joseph Maria Reichsgraf von und zu Daun, einem der fähigsten Strategen der Armee, zum Entsatz. Um zu kontern, zog Friedrich II. einen großen Teil seiner Belagerungstruppen ab, um Daun abzufangen. Vor Kolín trafen darob 35.000 preußische Soldaten (davon 21.000 Infanterie und 14.000 Kavallerie) auf 54.000 österreichische Soldaten (35.000 Infanterie, 19.000 Kavallerie) aufeinander. Der „Alte Fritz“ zog also bereits mit zahlenmäßig unterlegenen Truppen in die Schlacht. Zudem hatten ihn seiner Aufklärer nur mit unzureichenden Informationen versorgt. Seine Truppen ließen sich durch Scheinangriffe am Morgen zu verfrühten Angriffen verführen. Auch sonst ging taktisch bei den Preußen alles schief und am Ende gab gegen 17.30 Uhr Friedrich die Schlacht verloren. Angeblich soll Friedrich seinen fliehenden Soldaten den bekannten Spruch, „Hunde wollt ihr ewig leben?“, nachgerufen haben, aber das ist wohl nur eine erfundene Anekdote.

Am Ende lagen 13.733 preußische und 8.114 österreichische Gefallene tot auf den Feldern. Da Daun nun ungehindert losmarschieren lassen konnte, mussten nun auch die restlichen preußischen Belagerer von Prag abziehen. Die Schlacht um Prag war gewonnen – hier in Kolín. Insbesondere im 19. Jahrhundert wurde die Schlacht auf beiden Seiten immer mehr zu einem Mythos. Die Gedenkkultur wuchs. Das kann man heute auf einem 15 Kilometer langen Lehrpfad bewundern, der (gut mit weiß-gelben Markierungen versehen) von der kleinen Ortschaft Nová Ves bis ins Zentrum von Kolín führt, studieren. Wie üblich bei Schlachtfeldbesichtigungen, gibt es an sich keine Spuren der Schlacht mehr zu sehen. Aber man gewinnt einen Überblick über das Terrain und kann sich nun etwas mehr vorstellen, was hier damals geschah. Es gibt nur wenige Infotafeln. Die konzentrieren sich hauptsächlich um die beiden Feldherrnhügel, die sich in Sichtweite gegenüber stehen, der österreichische nahe des Dorfes Křečhoř und der preußische auf dem vrch Bedřichov, dessen Name nichts anders als „Friedrichshöhe“ in Tschechisch bedeutet.

Und auf beiden Feldherrnhügeln findet man große Denkmäler, die den jeweiligen Protagonisten gewidmet sind. Das Denkmal auf dem vrch Bedřichov wurde 1841 auf Initiative eines in Nová Ves ansässigen Gutsbeistzers namens Václav Veith erbaut und sollte anlässlich eines gemeinsamen preußisch-österreichischen Manövers eingeweiht werden. Es handelt sich um einen hohen, aus grobem Stein gemauerten Obelisk an der Stelle, wo Friedrich seiner Niederlage zugeschaut hatte. Zur Ausschmückung hatte der bekannte bayerische Bildhauer Ludwig Michael Schwanthaler schon einige Reliefs angefertigt, die Preußens Niederlage darstellten. Offiziöse Stellen überzeugten Veith aber, dass man das aus Rücksicht gegenüber den nunmehr befreundeten preußischen Manövergästen besser nicht tun sollte. Und so blieb das Denkmal schlicht und ungeschmückt.

Das änderte sich – wenngleich nicht so, wie es ursprünglich gedacht war – im Jahre 1866. Da war wieder einmal Krieg zwischen Österreich und Preußen und die Preußen siegten auf der ganzen Linie. Etliche der siegreichen preußischen Offiziere machten nun eine kleine Bummeltour zum einstigen Ort der Niederlage und hackten die Namen der gerade absolvierten Schlachtfelder ein, auf denen sie gesiegt hatten, allen voran das in Königgrätz. Als der Frieden da und die Preußen wieder weg waren, reparierte man das natürlich nach einiger Zeit hier im österreichischen Böhmen. 1889 wurde eine Tafel in Deutsch und Tschechisch angebracht mit dem Text: „Zur Erinnerung an den Sieg über die Preußen im Siebenjährigen Krieg am 18. Juni 1757“. Die verschwand aber irgendwann auf unbekannte Weise. Erst 2005 wurde eine Bronzetafel mit einem Portraitrelief Friedrichs II. angebracht, ein Werk des Bildhauers Miloslav Smrkovský. In Deutsch, Tschechisch und Engisch wird daran erinnert, dass hier der Kommandostand des Königs während der Schlacht war.

Seit 1965 ist das Denkmal unter der Nummer 34469/2-879 als staatliches geschütztes Denkmal registriert. Und im Jahr 2018 hat man neben dem Denkmal auf dem Hügel, der immer mehr Touristenmagnet wurde, einen 14 Meter hohen stählernen Aussichtsturm (Bild rechts) aufgestellt. Von oben aus wirkt das Denkmal schon recht klein. Und außerdem kann man von hier das gesamte Schlachtfeld überschauen, das sich über ein sehr großes Areal erstreckte. Mit der Friedrichshöhe hat man im Prinzip den höchsten Punkt des Schlachtwanderwegs erreicht (vor allem, wenn man auch noch den Aussichtsturm hinaufgestiegen ist). Von hier aus kann man nun (ein Stück lang leider an einem recht verkehrsintensiven Straßenrand entlang) zur anderen, der österreichischen Seite wechseln.

Wie zu erwarten, ist das Denkmal auf dem ehemaligen österreichischen Feldherrnhügel mit einem kakanischen Heimvorteil versehen und somit erheblich größer und prachtvoller als das auf der Friedrichhöhe. Geradezu protzig, könnte man sagen. Es wurde allerdings später, im Jahre 1898, errichtet. Gestaltet wurde es von Václav Weinzettel, der günstigerweise zugleich ausgebildeter Architekt und Fachmann für Steinbearbeitung war. Unterstützt wurde er von dem Bildhauer Mořic Černil, der für die skulpturalen Elemente, insbesondere die Bronzetafeln, zuständig war. Der war ein damals sehr bekannter Vertreter des Klassizismus, dem wir u.a. das Denkmal für Bedřich Smetana in Hořice verdanken. Schon von weitem ist hier bei Kolín der Habsburgische Doppeladler zu bewundern, den er für das Denkmal schuf (Bild links).

Mit 15 Metern ist der Pylon des Denkmals auch deutlich höher als der 12 Meter hohe Obelisk für Friedrich II.. Das war für den Förderverein, der das Denkmal bauen ließ (unter der Schirmherrschaft von Kaiser Franz Joseph, zu dessen 50. Regierungsjubiläum es dann eingeweiht wurde!) natürlich eine Ehrensache. Zudem ist es auf einer Höhe auf freiem Feld platziert, sodass man von weitem schon erkennen kann, während das den Preußen zugewiesene Denkmal ein wenig zwischen Bäumen versteckt ist. Und das Denkmal ist selbstredend reicher skulptural ausgestattet als das vom „alten Fritz“ – ebenfalls Ehrensache. Dazu gehören natürlich klassische Siegesallegorien, wie etwa die Trophäen, die man auf der Bronzetafel oben sehen kann.

In dem Maße, wie man in den Habsburgerzeiten den Sieg von Kolín in Ehren hielt, fiel das Denkmal wiederum stark in Ungnade, als 1918 das Reich fiel und die Erste Tschechoslowakische Republik ausgerufen wurde. Tschechische Nationalisten fanden, dass in Kolín arme tschechische Soldaten sich für die verhassten Österreicher hätten opfern müssen, wie ein Aufruf 1925 verdeutlichte, der den Abriss forderte: „So oft starben Tschechen für fremde Interessen! Verstehen wir die Größe der Tage, in denen wir leben?“ Die Debatte, an der sich auch Bildhauer Weinzettl (ein Tscheche, der natürlich für den Erhalt kämpfte) beteiligte, muss wohl heftig gewesen sein. Eine zeitlang war sogar der Doppeladler demontiert, wurde aber später wieder aufgesetzt. Am Ende aber bewahrten die Kolíner Stadtväter kühlen Kopf und so steht das Denkmal noch heute – allerdings mit einigen Beschädigungen, die nationalistische Aktivisten oder auch nur Randalierer hinterließen. Die Reiterfigur des österreichischen Armeeführers Graf von Daun auf dem großen Schlachtenrelief auf der Vorderseite des Denkmals wurde bedauerlicherweise enthauptet. Das ist unschön!

Die Besucher heute, denen die nationalistische Wut der vergangenen Zeit immer ferner zu liegen scheint, wissen sicher zu schätzen, dass man dieses pompöse Kunstwerk erhalten hat. Sie können heute vom österreichischen Denkmal aus über die Weiten des ehemaligen Schlachtfelds hinüber zu Friedrich Feldherrenhügel schauen, wie man es auf dem Bild rechts erkennen kann. Bis auf den Kopf des berittenen Grafen fehlt nur wenig. Da die Nazis (Graf Daun und der alte Fritz wären möglicherweise gleichermaßen befremdet gewesen) die Schlacht irgendwie in ihre Geschichtsmythologie eingebaut hatten, wurde die Bronzetafeln 1941 auch von dem Gebot ausgenommen, als Altmetall für die Rüstungsindustrie demontiert zu werden.

Unter den Kommunisten nach 1948 beachteten man das Denkmal nur wenig und ließ es ungepflegt verfallen. Erst nachdem Ende der 1960er Jahre ein Adlerflügel abgefallen war, führte man eine 1970 abgeschlossene Renovierung durch. 2009 gab es eine neuerliche Renovierung, denn leider gibt es immer noch Vandalen, die sich Teile der Bronzen einstecken. Die Denkmalskultur hat sich seither gewandelt. Anti-Habsburg-Nationalismus und Glorifizierung von Kriegserfolgen stehen hintan. Man gedenkt primär der Opfer. 2010 wurde genau das getan, als man eine steinerne Gedenkplatte neben dem Denkmal für die Österreicher platzierte, die in Deutsch und Tschechisch schlicht „den unbekannten in der Schlacht bei Kolín gefallenen Soldaten“ gedenkt (Bild links). Es soll daran erinnern, dass hier an dieser Stelle noch unzählige Gebeine von Soldaten der preußischen und der österreichischen Armee von 1757 in einem Massengrab unter der Erde liegen.

Eine kleine Fußnote verdient übrigens auch die Tatsache, dass das Areal um das Denkmal nicht nur deshalb historisch geweihter Boden ist, weil hier Daun während der Schlacht bei Kolín seinen Feldherrenhügel hatte. Nähert man sich von unten, sieht man, dass das Denkmal auf der Erdaufschüttung einer frühmittelalterlichen Burgwallanlage, der sogenannten hradiště Křečhoř, steht. Die kann man (Bild links) immer noch gut erkennen. Sie ist noch nicht sehr intensiv erforscht, sodass man allenfalls spekulieren kann, was für ein Stück Geschichte sich hier abspielte. Sicher sind wir jedenfalls, dass an diesem Ort 1757 Prag vor den Preußen gerettet wurde. (DD)

Schlichter Brutalismus am Rande des Waldes

Der Beginn der Bauzeit der Prager Metro fiel in die Zeiten als der Kommunismus schon die Anzeichen jenes wirtschaftlichen Schwächelns aufwies, das ihn 1989 schließlich zu Fall brachte. Bei den prestigeträchtigeren Stationen im Innenstadtbereich verband man den (nicht nur) in den sozialistischen Ländern beliebten Beton-und-Stahl-Brutalismus immerhin noch mit zum Teil originellen künstlerischen Gestaltungen (wir präsentierten u.a. Beispiele hier und hier), um vielleicht auch vor ausländischen Besuchern Eindruck zu schinden.

Daher lohnt sich eine Fahrt mit der 1974 in (Teil-) Betrieb genommenen Linie C (rot) zu der Metrostation Roztyly, die in ihrer Kunstlosigkeit ein genaueres Bild der damaligen Lage widerspiegelt. Sie wurde 1980 am Rande der sogenannten Südstadt (Jižní město), der in den 1970er Jahren erbauten größten Plattenbausiedlung der Tschechoslowakei, eröffnet. Und dann hatte sie das Pech, dass das einzige auffällige Kunstwerk 1989 aus nachvollziehbaren Gründen spurlos entfernt wurde. Ursprünglich hieß sie nämlich nicht Roztyly, sondern Primátora Vacka (Oberbürgermeister Vacek). Damit gedachten die Kommunisten ihrem 1960 verstorbenen Genossen und Gründungsmitglied Václav Vacek, der erst 1945, dann aber vor allem von 1946 bis 1954 Prag als Bürgermeister in das (damals strikt stalinistische) realsozialistische System überführte. In der Metrostation ehrte man ihn mit einer großen Büste des Bildhauers Miloš Zet, der durchaus bedeutende Kunst schuf. Aber der dadurch Geehrte war dann 1989 doch zurecht aus Zeit und Gnade gefallen.

Und so können wir heute ein recht schmuckloses Gebäude bewundern. Es handelt sich um einen simplen rechteckigen Bau, der an den Längsseiten je einen Ein- bzw. Ausgang hat. Entworfen haben die Station der Architekt Vladimír Uhlíř (der in der Innenstadt mit der Station Florenc ein repräsentativeres Werk geschaffen hatte, wie wir hier zeigten) und seine Kollegin Daniela Marková-Dolejšová. Ganz ohne ästhetische Ausgestaltung wurde die Station jedoch nicht belassen. Wie an vielen Stationen der Linie C im äußeren Stadtbereich, verwendete man dazu abstrakte Keramikstrukturen auf den Wandflächen hinter den beiden Gleisen. Es handelt sich um unregelmäßie Streifen aus konkaven und konvexen Halbröhren aus Keramik.

Ein ähnliches Thema setzt sich außen fort, wo in der oberen Hälfte ein nunmehr sehr regelmäßiges Halbröhrenmuster als Band rund um das Gebäude gezogen wurde, um den Rohbeton, aus dem das Gebäude besteht, ein wenig zu überdecken. Von außen bietet die Station sowieso aufgrund ihrer Lage ein kontrastreiches Bild. Während auf der nördlichen Seite ein eintöniges Gewerbegebiet zur ebenso eintönigen Plattensiedung überleitet, betritt man vom Südausgang nach wenigen Metern ein ausgedehntes Waldgebiet. Pure Natur, die als Naherholungsgebiet bei den wanderfreudigen Pragern außerordentlich beliebt ist. Deshalb wird die Station auch oder gerade an Wochenenden reger genutzt als man es von der Südstadtlage und ihrem Image erwarten könnte – im Sommer wie im Winter, als die Aufnahmen zu diesem Beitrag entstanden. (DD)

Gassenromantik

Wer als Tourist in Prag die Romantik alter verwinkelter Gassen sucht, wird meist auf das Goldene Gässchen (Zlatá ulička) auf der Burg oder die in die nahegelegene Neue Welt (Nový Svět) verwiesen. Heimische Kenner suchen hingegen den etwas außerhalb der Burgstadt (Hradčany) gelegenen Ortsteil Střešovice in Prag 6 auf.

Die kleine Gasse Na Kocourkách hat nämlich alles, was man in Sachen romantischer Gassen suchen mag. Da merkt man es kaum, dass sie definitiv nicht auf eine so lange Geschichte zurückblicken kann, wie die zuvor genannten Gassen, die mittelalterliche Ursprünge haben. Wir befinden uns nämlich in einer alten Arbeitersiedlung aus dem frühen 19. Jahrhundert. In dieser Zeit expandierte Prag im Zuge der Industriellen Revolution und einigermaßene Lebens- und wohnqualität konnten sich die Industriearbeiter nur etwas außerhalb des Stadtzentrums leisten.

Vorher war das heute recht dicht besiedelte Střešovice recht ländlich. Wo sich heute die Gasse befindet, gab es einen Weinberg mit entsprechendem kleinen Winzerhaus. Das Haus lässt sich zumindest bis in das Jahr 1685 zurückverfolgen. Denn in diesem Jahr findet man es in einer Stadtansicht aus dem in Wien erschienenen Buch Praga caput Regni Bohemiae (Prag, die Hauptstadt Böhmens) des niederländischen Vedutenmalers und -zeichners Folpert van Ouden-Allen, der sich des Titel eines kaiserlichen Kammermalers unter Kaiser Leopold I. rühmen konnte, dargestellt. Das Winzerhaus mit dem kleinen Brunnen davor gibt es immer noch – die Weinberge nicht mehr. Bis zum Jahr 1784 stand das Weingut noch völlig alleine in der damals wohl sehr pittoresken Felslandschaft. Heute ist es in die – übrigens wegen ihrer Enge autofreie – Wohngasse integriert. Aber ein Hauch von Ländlichkeit blieb. Und so nennen die Einwohner das Areal manchmal „das kleinste Minidorf Prags“ (nejmalebnější minivesničce v Praze). Im Jahr 2004 wurde die ganze Umgebung der Na Kocourkách zur Denkmalszone erklärt.

Eine gewisse Berühmtheit erlangte die Umgebung des Gasse während der Belagerung Prags (1757) durch die Preußen im Siebenjährigen Krieg. Direkt oberhalb bauten die Preußen, die die Stadt bereits umzingelt hatten, hier ihre Artilleriebatterien auf, um die Innenstadt und die Burg zu beschießen. Das richtete in Prag viel Schaden an, aber nach einigen Tagen mussten die Preußen abziehen, da ihnen die Österreicher in der Schlacht von Kolín eine blutige Niederlage hinzugefügt hatten, die eine Verlegung der Truppen nötig machte. Die Namen der oberhalb der Gasse liegenden Sträßchen erinnern daran, etwa die U první baterie (An der Ersten Batterie), die U druhé baterie (An der Zweiten batterie) bis zur sechsten Batterie.

Erwandert man die an einem Berghang gelegene Na Kocourkách vom hübschen alten Gutshaus Kajetánka (usedlost Kajetánka) und seinem Park im Tal des Brusnice-Baches, so kommt man zunächst an der vorgelagerten kleinen Kapelle an der Pod Andělkou (kleines Bild rechts) vorbei und muss dann den etwas versteckten kleinen Einstieg in die Gasse finden, die noch richtig altmodisch mit Pflastersteinen gepflastert ist. Die in eine Grundstücksmauer eingebundene Kapelle dürfte aus der Zeit der Ersten Republik zwischen den Weltkriegen stammen – ist also etwas moderneren Ursprungs.

Da es sich um keine Touristenmeile handelt, gibt es hier noch so etwas wie eine echte Nachbarschafts-Gemeinschaft. Sie sorgt immer wieder dafür, dass die Gasse auf gepflegt in Schuss ist. Um die Jahrtausendwende wurden größere Renovierungsmaßnahmen (inklusive der Errichtung von Nachahmungen der alten Gasbeleuchtung!) durchgeführt. Es ist schön, dass es so etwas noch gibt. Der minimale Nachteil, dass sich hier (weil es eben nicht Touristen anlockt) auch keine Kneipen oder Bistros befinden, um Besucher zu laben, wird gerne in Kauf genommen. Etwas unterhalb bietet ja die erwähnte Kajetánka mit ihrem Gartenrestaurant Abhilfe. (DD)

Schöne Brücke zum einsamen Bahnhof

Wie wunderschön doch der Flusslauf der Moldau schon ein wenig außerhalb Prags ist – ganz gleich, ob der Weg flussaufwärts oder flussabwärts führt! Und dazu gehören auch die Brücken, die in immer größeren Abständen den Fluß queren, je weiter man sich aus Prag entfernt.

Sie ist weder groß, noch kann sie auf eine lange Geschichte zurückblicken, aber sie macht sich wirklich hübsch in der Landschaft: Die Fußgängerbrücke in Řež (Lávka v Řeži). Flussaufwärts in Richtung Prag sind es rund 10 Kilometer, flussabwärts bis Kralupy rund 9 Kilometer Uferweg bis zur nächsten (dann auch mit dem Auto befahrbaren) Brücke. Die Brücke eignet sich ergo als Ausgangs- oder Endpunkt schöner Spaziergänge oder Wanderungen durch das malerische und felsige Flusstal. Besonders die rechte Uferseite (Osten) eignet sich dafür vortrefflich. Aber nicht nur Wanderer und Ausflügler nutzen sie.

Für die Bewohner der kleinen, vier Kilometer südlich der Prager Stadtgrenze gelegene Ortschaft Řež (ein Teil der Gemeinde Husinec), die durch ihren Forschungsreaktor bekannt ist, den man von der Brücke aus auch sehen kann, erfüllt die Brücke einen durchaus elementaren und wichtigen Zweck. Die Eisenbahnlinie, die eine günstige Verbindung mit Prag bietet, befindet sich nämlich auf der anderen Uferseite der Moldau. Morgens und abends sieht man hier auch viele Berufspendler, die entweder von Řež nach Prag zur Arbeit oder von Prag nach Řež zum Reaktor fahren.

Der Bahnhof bzw. die Haltestelle von Řež liegt einsam und von keinem anderen Gebäude umgeben am gegenüberliegenden Ende der Brücke – angeschmiegt an die hohen Felswände des westlichen Uferareals. Man kann die Felsen auf dem großen Bild oben bewundern. Auf dem Bild links sieht man einen gerade einfahrenden Zug. Unter der Fußgängerbrücke verläuft übrigens noch eine kleine Gasleitung. Die heutige Stahlbrücke wurde erst im Jahr 2014 errichtet, allerdings auf Steinpfeilern einer älteren Brücke, die bei einem Hochwasser beschädigt worden war (über die konnte ich nichts herausfinden).

Bei der Fußgängerbrücke, die genau auf Flusskilometer 32,1 der Moldau liegt, handelt es sich um eine Stahlgitterkonstruktion. Sie ist rund 152 Meter lang und die Breite des Fußwegs beträgt 2,50 Meter. Die Maximalhöhe der Brücke ist genau 12,89 Meter. Damit ist sie ebenerdig zum Bahnhof gegenüber. Und da der Fluss hier allenfalls für Kanus und Paddelboote schiffbar ist, reicht die Höhe auch. Ansonsten wäre sie für große Schiffe ein Problem.

Mit ihrer feinen Gitterstruktur und ihrem teilweise grünen Anstrich fügt sie sich sehr harmonisch in die Umgebung ein. Und dann kann man natürlich auch die Aussicht von der Brücke selbst genießen, deren Fußweg mit auch bei Nässe rutschfest geriffeltem Tropenholz ausgelegt ist. Von dort aus erfreut man sich an dem ruhigen Lauf der Moldau durch die wildromantische Landschaft, die gerade hier besonders idyllisch ist. (DD)

Kleiner Flugplatz, große Geschichte

Als 1939 die Tschechoslowakei von den Nazis besetzt und zum „Protektorat“ umgewandelt wurde, war das allgemeine Verbot von Sport- und Hobbyfliegerei eine der vielen Schikanen für die Bürger des Landes. 1946, als der Spuk vorüber war, konnte man wieder losfliegen, was das Zeug hielt. Und so gründete man im südlichen Ortsteil Točná (Prag 12) noch in diesem Jahr einen Segelflugklub, der Teil des Tschechischen Nationalen Aeroclubs (Český Národní Aeroklub) wurde. Und man begann mit dem Bau eines kleinen Flugplatzes.

Schon in den 1930er Jahren hatte man die hügelige Umgebung wegen ihrer günstigen Aufwinde gerne für Segelfliegerei genutzt, aber jetzt ging man systematisch zu Werke. Und bereits 1947 kaufte man für das Flugfeld drei Motorflugzeuge, einen sowjetischen Doppeldecker vom Typ Polikarpov Po-2 und einen tschechischen vom Typ Aero C-104. Der Clou war ein Eindecker der amerikanischen Marke Piper J-3 Cub, den man aus ausgemusterten Beständen der US-Army erwarb. Und Anfang der 1950er Jahre gab es schon rund 20 Segelflugzeuge hier. Segelflugzeuge dominierten das Feld in Točná, denn zu diesem Zeitpunkt existierte noch ein Flugplatz im gegenüber an der Moldau liegenden Zbraslav, der häufiger für Motorflugzeuge genutzt wurde. Aber nicht nur dessen Auflösung im Jahr 1955 sorgte für einen weiteren Aufschwung in Točná.

Der Grund war eigentlich unerfreulich. Das unabhängige und freie Fliegerklubleben war den Kommunisten, die 1948 die Macht im Lande übernommen hatten, nicht geheuer. 1951 wurde die vom Regime gesteuerte Freiwillige Volksvereinigung für Aviatik (DOSLET) gegründet, die schon die 1953 der Union für die Zusammenarbeit mit der Armee (Svazarm) unterstellt wurde. Die war eine paramilitärische Organisation, die vor allem flugbegeisterte Jugendliche für den Dienst in Armee und Luftwaffe im Dienste des Weltkommunismus vorbereiten sollte. Das Vorbild dafür war die 1951 in der UdSSR gegründete Organisation DOSAAF.

Gottlob musste niemand, der hier unter quasi-militärischen Vorzeichen das Fliegen lernte, in irgendeinen Krieg. Im Kern war das wohl weiterhin so etwas wie Sportfliegerei, die hier betrieben wurde. Aber der Anschein, hier werde unermüdlich der proletarischen Revolution gedient, erhöhte die staatliche Unterstützung für den Flughafen. Eine 800 Meter lange und 100 Meter breite Landebahn wurde gebaut. Die Motorflugaktivitäten nahmen heftig zu und in den 1970er Jahren konnte man hier sogar Nachtlandungen und das Fliegen mit einem Hubschrauber lernen.

Das ging so bis zum Ende des Kommunismus 1989. Der Aeroclub Svazarmu Točná wurde aufgelöst und der ein freier Initiative entstandene neue Aeroclub Točná, wo man ohne kommunistische Indoktrination aus Spaß fliegen konnte, und nicht ständig den westlichen Klassenfeind in Visier nehmen musste. Der Aeroclub erwarb denn auch den Flugplatz als er 2008 privatisiert wurde. Es herrscht nicht nur ein reger Sportflugbetrieb…

Denn es gibt zum Beispiel auch Flugshows bei denen zuvörderst gerne eine alte Spitfire vorgeführt wird. Denn man ist hier auch sehr bewusst in Sachen Geschichte. Im Mai 1945 fanden in der unmittelbaren Umgebung besonders heftige Kämpfe während des Prager Aufstands gegen die Deutschen statt. Spaziergänger können einen Freiheitsweg 1938-1945 (Stezka svobody 1938-1945) erwandern, der auf Infotafeln die Geschichte schildert. Auch vor dem Flughafen befindet sich solch eine Tafel. Sie erzählt von der erstaunlichen Zahl derer, die noch vor dem Bau des Platzes hier vor Ort Segelflieger waren, dann beruflich Fliegen lernten und sich 1939 nach Großbritannien absetzten, um bei der Luftschlacht um England auf Seiten der Briten für die Freiheit zu kämpfen.

Einer von ihnen war Jan Šerhant. Der war 1939 Werkspilot der Schuhfirma Baťa und gerade mit der werkseigenen Lockheed Electra im noch freien Polen als die Deutschen in der Heimat einmarschierten. Er flog mit dem Flugzeug gleich weiter nachEngland und dient bis Kriegsende hochdekoriert bei der RAF. Die Electra, mit der er floh, steht seit 2015 restauriert auf dem Gelände des Flughafens Točná. Womit wir schon beim nächsten Thema sind: Dem Luftfahrtmuseum (Letecké Muzeum). Nur wenige Flughäfen dieser Größe haben so etwas. Immerhin kann man neben der Electra rund 10 alte Flugzeuge sehen, deren Ursprünge zum Teil bis zum Anfang der Ersten Rublik zurückreichen. Die größten Flugzeuge, zwei sowjetische Antonov An-2 (gebaut ab 1947), sieht man auf dem großen Bild oben. Ein Kinderspielplatz auf dem Museumsgelände rundet die Sache ab und macht den Flugplatz zum idealen Ort für Familienausflüge. (DD)

Im Lada-Land

Ladův kraj – pohádkový region (auf Deutsch: Lada-Land – die Märchenregion) nennt man die romantisch bewaldete Gegend um die Ortschaften Hrusice, Mnichovice Velké Popovice und 21 anderen Gemeinden, die sich freiwillig zusammengeschlossen haben, um ihn zu feiern: Josef Lada. In Deutschland ist er primär als der grandiose Original-Illustrator von Jaroslav Hašeks Roman vom guten Soldaten Švejk bekannt. In Tschechien liebt ihn Jung und Alt auch, weil er sie um eine wahre Märchenwelt bereichert hat. In diese Welt kann man direkt vor den Toren Prags – etwa 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt – bei schönen Wanderungen eintauchen.

Geboren wurde er 1887 im Dorf Hrusice, wo man ihm 1951 ein von dem Bildhauer Zdeněk Šejnost entworfenes Denkmal setzte. Mit 14 zog es den Schusterjungen nach Prag, wo er sich als Autodidakt zum Maler, Illustrator, politischen Karikutaristen, Schriftsteller, Biographen, Theater-Szenographen, Dichter und Saufkumpan von Hašek, mit dem er sich eine zeitlang aus Geldmangel eine kleine Wohnung teilte (und später darüber humorig lesenswerte Erinnerungen schrieb), weiterentwickelte. 121 Bücher für Kinder 197 Bücher für Erwachsene verfasste er. Ein Weihnachten ohne Karten oder Kalender nach seinen Motiven ist in Tschechien undenkbar. Aber seine große Liebe schien dem Genre des Märchens zu gehören, wie er nicht nur in seinen Pohádky naruby (Verdrehte Märchen) von 1938 zeigte. Ob Nachempfindungen tradtioneller Märchen, selbst erfundene oder parodierte Märchen – hier lief er zu Hochform auf. Ein Grund dafür, dass das in Deutschland nicht so bekannt ist, ist die Tatsache, dass viele seiner Märchen nur in indirekter Form hierhin kamen. Denn eigentlich kennt in Deutschland fast jedermann einige von Ladas Kreationen. So zum Beispiel den berühmten Vodník von 1939, eine alte Legende, die man in Deutschland durch Otfried Preußler als Der kleine Wassermann kennt.

Und wer kennt ihn nicht, den Kocour Mikeš, den Lada im Jahre 1936 veröffentlichte? In Deutschland heißt er Kater Mikesch und wurde dort ebenfalls zunächst nur durch die gelungene Nachempfindung Otfried Preußlers (1962) berühmt – und dann noch viel berühmter durch die putzige Fernsehadaption der Augsburger Puppenkiste (1964; in Farbe 1976), durch die ich ihn zum Beispiel kennen lernte. Durch diese – zugegebenermaßen recht genialen – Adaptionen geriet Lada in Deutschland als Originalautor ein wenig ins unverdiente Abseits. Aber nicht in Tschechien, wo man vor allem die lokale Gebundenheit der Ladaschen Geschichten viel deutlicher vor Augen hat. Das sieht man hier im oben erwähnten Lada-Land in der Umgebung seines Geburtsortes Hrusice. Dort wurde vor einigen Jahren zwischen Hrusice und Mnichovice ein Kater-Mikesch-Wanderweg (Cesta kocoura Mikeše) angelegt. Denn in Ladas Buch lebt der sprechende Kater tatsächlich in Hrusice. Nachdem er aus Versehen den Rahmtopf der Großmutter kaputtgemacht hat, zieht er aus Angst vor Bestrafung in die Welt hinaus. Der rechts abgebildeten Tafel auf dem Wanderweg entnimmt man, dass er genau an dieser Stelle, der Lederhöhe (Kožený vrch), noch einmal sehnsüchtig hinunter auf das Dorf schaute, bevor er weiter ging. Man sieht, das Lada den Kater in eine reale Welt eingebettet hat.

Und davon findet man überall Spuren im Lada-Land. Und der Wanderweg bzw. Lehrpfad ist nur ein Beispiel, wie die lokale Tourismusbehörde die Berühmtheit Ladas für ihr Marketing nutzt. Aber nicht nur die Behörde. Der Name Lada wirkt hier so inspirierend für jedermann, dass die Privatinitiative blüht. Kaum aus Mnichovice in den Wald gekommen, kommt man zum Beipiel an der links abgebildeten Gartenfront eines Hauses vorbei, dessen Besitzer wohl ein wahrer Lada-Enthusiast ist, und handgemachte überlebensgroße Figuren aus Ladas Märchenwelt. Man ist beeindruckt, ob der Kreativität und des Einsatzes!

Lada-Garten (Ladova zahrádka) hat der Besitzer das Ganze getauft, was mittlerweile zur lokalen Sensation geworden ist. Und so trifft man hier alte Bekannte aus verschiedenen Märchen. Neben den Charakteren aus dem Kater Mikesch etwa auch den kleinen Wassermann (Vodnik), den man hier seine Pfeife rauchend beim Angeln zusehen kann. Das Gesamtkunstwerk steht nicht in den Reiseführern, gehört aber zu den großartigsten Sehenswürdigkeiten der Gegend, weshalb es hier ausführlich erwähnt werden muss.

Weiter geht es nach Hrusice selbst. Da steht das Geburtshaus Ladas (/Bild links), das ein wenig so aussieht, als ob es seit Ladas Zeiten mehrfach renoviert, ausgebaut und stark verändert wurde. Aber man kann trotzdem erahnen, dass Lada nicht aus sehr reichem Elternhaus kam. Hier ein von Lada gemaltes Bild des Hauses im Ursprungszustand. Als arrivierter Künstler, der dann etwas wohlhabender war, kaufte er sich ein Sommerhaus im Orte, in dem sich heute ein kleines Museum befindet. Gestorben ist er allerdings 1957 in Prag, wo er seine Karriere begonnen hatte und berühmt wurde. Aber weder Geburtshaus noch Museum sind für die meisten Ausflügler, die sich meist zum Wochenende hier einfinden, die Hausptattraktion des Ortes.

Das ist ohne Zweifel die Hrusická Hospoda (Hrusicer Gasthaus). Die ist – wie das meiste an Gebäuden im Orte – zunächst einmal architektonisch recht unscheinbar. Es ist ein einstöckiges Gebäude schlichter Bauart, dass er möglicherweise hier 1943 zeichnerisch verewigte. Lada ist hier zu Lebzeiten oft eingekehrt und kannte den Wirt und die Gäste, die ihn vielleicht zu seinen Zeichnungen inspirierten.

Nicht nur das verbindet das Gebäude mit dem großen Künstler, sondern vor allem die üppige Bermalung mit Lada-Themen im Lada-Stil. Außen sind das vor allem Motive aus den Ladaschen Märchen – allen voran der Mikeš als die populärste Figur, die hier gerade einzukehren scheint. Nach ein paar Schluck Bier wird er weiter in die Welt ziehen, und – wie uns die Geschichte lehrt – Geld als sprechender Kater beim Zirkus verdienen, um nach der Rückkehr den Rahmtopf der Oma zu ersetzen. Happy End.

Und natürlich sind auf die tierischen Freunde des Katers dabei, denen er auch das Sprechen beigebracht hat, wie die Geiß Bobeš (bei Preußler: Bobesch) und der junge Kater Nácíček (dt.: Maunzerle), der die Menschensprache noch nicht ganz so gut beherrscht wie Mikeš. Die wichtigste Figur ist jedoch Mikeš‘ bester Freund Pašík (Paschik), ein Schwein, das nicht nur sprechen, sondern auch auf der Ziehharmonika lustig musizieren kann. Möglicherweise ist er sogar der beliebteste Charakter der Ladaschen Märchenerzählung. Entsprechend findet man das Schwein an prominenter Stelle auf die Außenwand der Hrusická Hospoda gemalt.

Im Inneren der Gaststätte half bei der Ausgestaltung die Tatsache, dass Lada neben Märchenmotiven auch liebend gerne raue Kneipen- und Gaststättenszenen festhielt. Aus einer davon entstammt im großen Bild oben sichtbare herrlich in die Holzeinrichtung eingepasste Blaskapelle, die in einer Gaststätte zum Tanz aufspielt. Es handelt sich um die vergrößerte Kopie eines Ausschnitts aus dem 1929 von Lada gemalten Bild Tancovačka (Tanzvergnügen). Die ganze Gaststätte ist drinnen mit überlebensgroßen Kopien dieser Kneipenbilder Ladas bedeckt. Verantwortlich zeichnete sich der Miloslav Milostný, der sie im Jahre 2008 (mit späteren Ergänzungen) liebevoll anfertigte. Milostný war kein Berufsmaler, sondern eigentlich Wirtschaftsingenieur. Aber die Hobbymalereien sind einfach kongenial!

Im Mittelpunkt der Milostnýschen Malereien gemäß Lada steht wohl dessen bekannteste Wirtshausszene, die Rvačka v hospodě (Schlägerei in der Kneipe) aus dem Jahr 1943. Das war für die Tschechen eine traurige Zeit und nichts in der Szenerie, in der die Obrigkeit in Form eines Nachtwächters mit Hellebarde erscheint, an die Nazibesetzung. Es ist die gute alte Habsburgerzeit, die man hier fast schon putzig verklärt sieht (und für die Lada wohl früher nicht viel übrig hatte). Hier sieht man die lustigste Szene, in der ein Hund sein Herrchen verteidigt, während der Nachtwächter dabei ist, jemandem möglicherweise mit der Hellebarde die Hose herunterzuziehen.

Schlägereien waren in früheren Zeit, die Lada noch mit erlebt hat, in Wirtshäusern auf dem Lande anscheinend noch sehr verbreitet. Das kann man jedenfalls mutmaßen, wenn man sich vor Augen führt, wie oft der Künstler das Thema (mit sichtbar verschiedenen Lokalitäten) in seinen Bildern verarbeitet hat. Auch in den Geschichten seines Freundes Hašek wird ja häufig darauf rekurriert. Die Wirte schienen das ob der hohen Reparaturrechnungen, die dabei anfielen, nicht so recht goutiert habe.Deshalb gehört zu meinen Lieblingsszenen hier der in den Gastraum eintretende und wutentbrannte Wirt, der mit aufgekrämpelten Armen und einem Knüppel in der Hand jetzt für Ruhe sorgen will.

Der Fairness halb sollten an dieser Stelle nicht nur die genialen Lada-Bilder von Milostný, sondern auch das Wirtshaus Hrusická Hospoda an sich gewürdigt werden, dass seit langem erfolgreich von Wirt Pavel Mach geführt wird. Es ist, wie gesagt, kongenial im Lada-Stil für alle Lada-Fans, die das Lada-Land erwandern, eingerichtet. Man könnte vom eigentlichen Herz des Lada-Landes reden. Es scheint gleichermaßen die Dorfkneipe der einheimischen und der Anlaufort für Ausflügler zu sein, die aber meist aus der Umgebung Prags kommen (Ausländer verirren sich hier eher selten hin). Es gibt gutes Markenbier und klassisch deftiges tschechisches Wirtshausessen (manchmal sogar heute rare Traditionsgerichte wie die Prdelačka, eine Schweineblutsuppe). Alles in allem: Man wird reell und preisgünstig bewirtet und das Essen passt wie maßgeschneidert zu Lada-Land und Lada-Ambiente.

Aber die Hospoda mag in Hrusice ein Höhepunkt-Erlebnis für alle lada-Fans sein, aber keineswegs die einzige Attraktion, die der Geburtsort bietet. Jeder macht hier mit beim Lada-Kult. Läden und Bauernhöfe mit Verkauf werben überall mit Mikeš und Co.. Und es gibt überall an den Wanderwegen innerhalb des Ortes kleine Statuen mit den Lada-Märchenhelden wie Vodnik, Pašik oder eben Mikeš. Im Bild links sieht man einen seltenen Schnappschuss, wie die bronzene Figur des kleinen örtlichen Mikeš-Denkmals auf eine echte Katze zu schauen scheint – vielleicht ein Nachfahre von Nácíček/Maunzele?

Kurz: Es gibt noch viel zu sehen im Lada-Land, und das, worüber an dieser Stelle berichtet wurde, ist nur die Spitze des Eisbergs. In der ganzen Umgebung wird auf Lehrpfade und auch andernorts (in Velké Popvice ist sogar eine Schule nach Lada benannt) wimmelt es nur so von Lada -Memorabilia und -Attraktionen, die auch noch in eine so schöne Landchaft eingebettet ist, dass sich gleich mehrere Ausflüge hierhin lohnen.

Die traumhafte bewaldete Landschaft mit ihren sanften Hügeln, erklärt vielleicht auch, warum bei der örtlichen Präsentation des Lada-Landes die Märchengeschichte so sehr das Bild bestimmen. Und nicht der in Deutscland bekanntere Soldat Švejk. Aber ganz unter den Tisch fällt er dennoch nicht. In der Hrusická findet er sich als Gipsrelief im Lada-Stil (von unbekannter Hand geschaffen) versteckt in einer Ecke neben dem Gang zur Toilette. Immerhin: Besser als nichts. Und Josef Lada selbst, der volkstümlichste aller tschechischen Künstler hätte diese Art volkstümlichen Humors sicher auch zu schätzen gewusst. (DD)

Robuste Schleuse, robustes Kraftwerk

Für große Frachtschiffe ist die Moldau (Vltava) auch heute nicht geeignet – zumindest nicht durchgängig. Aber etwas kleinere Boote, Ausflugsdampfer, Fähren und Yachten können sich heute bequem durch die milden Wogen des Flusses bewegen. Das war nicht immer so. Früher waren Untiefen und wilde Strömungen eine Herausforderung für die Flößer und Bootsmänner der Frachtkähne (wir berichteten). Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Prag mit der Eindämmung des Flusses durch hohe und feste Uferkais.

Dann, am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Flusslauf begradigt und bis zur Elbe mit Stauwerken und Schleusen gebändigt. Eines davon ist die Schleuse Dolany (Zdymadlo Dolany). Die Anlage befindet sich nahe der kleinen, nur wenige Kilometer nördlich (=flußabwärts) von Prag gelegenen Ortschaft Dolany nad Vltavou (Dolan an der Moldau) und ist eine von satten 13 Stau- und Schleusenwerken auf der etwas über 60 Kilometer langen Strecke von der Prager Altstadt bis zur Elbe bei Mělník. An beiden Uferseiten führt jeweils ein schöner Uferwanderweg daran vorbei.

Die ersten konkreten Pläne für die Schiffbarmachung der Moldau außerhalb Prags wurden im Jahr 1894 geschmiedet und zwar unter der Federführung des Industriellen und Eisenbahnmagnaten Karl Adalbert, Freiherr von Lanna (über dessen Stadtpalast in Prag wir bereits hier berichteten). Der bekam auch 1896 von der neu gegründeten staatlichen Commision für die Canalisierung des Moldau- und Elbe-Flusses in Böhmen (Komise pro kanalisování Vltavy a Labe v Čechách), die das Gesamtprojekt der Schiffbarmachung betrieb, den Auftrag für das Stauwerk in Dolany – eines von 11 Stauwerken, mit dem er beauftragt wurde. Lannas Firma vollendete das Bauwerk hier in Dolany im Jahre 1901.

Die Arbeit, die dabei geleistet, war solide. Bis 1986 blieb die Stauanlage im Kern unverändert. An einigen Stellen kann man die originale Architektur noch gut erkennen. Dann machten sich doch einige Verschleißerscheinungen bemerkbar und auch technisch war das Ganze dann doch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Bis 1989 dauerten die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen. Es wurden u.a. neue Stahlklappen, eine leichte Erhöhung der Barriere auf 3,3 Meter und ein neues Kontrollzentrum mit viele Elektronik neu aufgebaut. Am linken Ufer befindet sich nun die Staumauer und rechten Ufer führt nun an einer Insel die Durchfahrt mit zwei hintereinander geordneten Schleusenkammern vorbei. Der Navigationskanal ist rund 670 Meter lang.

Die Schleuse wird heute tagsüber hauptsächlich von der Freizeitschifferei – kleine Touristenschiffe, Kanuten, Ruderern, Yachten und ähnliches – genutzt. Mit 11 Metern Breite entspricht die Schleuse (sie wurde noch in kommunistischen Zeiten gebaut) nicht mehr den internationalen Standards. eine Verbreiterung auf 12 oder 13 Metern ist für die Zukunft geplant, wovon sich die umliegenden Ortschaften ein Wachstum der Tourismusbranche versprechen. So wie sie nun ist, ist die Anlage durchaus aber auch so ein kleiner Hingucker für die Wanderer und Radfahrer auf den Uferwegen hier im romantisch-felsigen Moldautal.

Das liegt auf daran, dass man 1995 bis 1998 die Stauanlage noch zusätzlich wirtschaftlich nutzen wollte und ein kleines Wasserwerk auf dem linken Ufer hinzufügte. Die hydroelektrische Einrichtung (Generatorleistung 2390 kW) hat sich als leistungsstark und robust erwiesen. Beim großen Moldauhochwasser von August 2002 verkraftete sie problemlos einen Durchlauf von 5300 Kubikmeter pro Sekunde. Hochwasser übersteht sie auch, weil sie auf einem Stahlbetonsockel erhöht steht, der etwas brutalistisch herkommt. Nur daran erkennt man, dass es sich um ein doch recht modernes Gebäude handelt.

Das Kraftwerk ist nämlich ansonsten ein wenig in einem Retro-Baustil gehalten. Die beiden im 90-Grad-Winkel zueinander stehenden Hauptgebäude sind mit Tunnelgewölben ausgestattet, die an die Proportionen der funktionalistischen Architektur, wie sie während der Ersten Republik en vogue war. Erst auf den zweiten (und genaueren) Blick merkt man, dass sie nicht aus den spätern 1920er Jahren stammen.

Mit ihrem geschmackvollen weiß-roten Anstrich passen sie sich harmonisch in die umgebende Landschaft ein. Jedenfals überlegt man sich glatt, ob man nicht irgendwann einmal sich ein kleines Boot mieten sollte, um die die Moldau entlang und durch die Schleuse von Dolany zu paddeln – was zweifellos ein ganz besonderes Erlebnis wäre. (DD)

Kleines Dorf mit viel Geschichte

Dass man in der Nähe des Flusslaufs der Berounka rund 20 Kilometer südwestlich von Prag schöne Ausflüge durch die Natur machen kann, wurde an dieser schon öfters bemerkt (etwa hier). Zu erwähnen sind dabei aber auch die hübschen alten Dörfer, durch die man dabei wandern kann. Die winzige, aber um so malerische Ortschaft Koda mit ihren idyllischen Teichen ist eines von vielen Beispielen.

Das Dorf liegt inmitten des Nationalen Naturschutzgebiets von Koda (Národní přírodní rezervace Koda), das nach dem Ort benannt ist. Wir befinden uns hier in einem der artenreichsten und schönsten Teile des Böhmischen Karsts ( Český kras). Und es handelt sich um ein sehr kleines Dorf mit dennoch erstaunlich viel Geschichte.

Die Ortschaft selbst – ursprünglich wohl ein Holzfällerdorf – wurde 1429 erstmals erwähnt. Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs. Aber die Siedlungsgeschichte ist viel älter als es mittelalterliche Chroniken erahnen lassen. Oberhalb des Dörfchens kann man heute etwas abseits des großen (blau markierten) Wanderweges die Höhle von Koda (Kodská jeskyně) finden.

Die kann man einfach so betreten. Es wurde dafür gesorgt, dass der hintere Teil, der mehrere hunderte Meter weit reicht, nicht mehr durch einen sehr engen Durchschlupf erreichbar ist. So wird Schaden abgewendet und es ist der Sicherheit der Wanderer gedient. Der nunmehr als einziges sichtbare Eingangsbereich mit seinen glatten und geraden Wänden vermittelt aber ein Verständnis dafür, warum das hier so ein beliebter Siedlungsort war. Die an einem steilen Abhang im Walde befindliche Höhle wirkt fast wie ein gemauertes Gebäude.

1923 begannen hier mehrjährige Ausgrabungen, die bis in der 1930er Jahre andauerten und bei denen die Archäologen durch ihre Forschungen herausfanden, dass die Höhle von der Jungsteinzeit (ca 5000 v.Chr.) an über die Bronzezeit und die keltische Ära bis hin zum Mittelalter eigentlich ständig bewohnt gewesen war.

Jedenfalls war die Ausbeute der Archäologen an Keramikresten, Tierknochen (darunter Reste eines erlegten Mammuts), Werkzeugen enorm und gab viel Auskunft über einen besonders alten Siedlungsraum im alten Böhmen.

Weiter unten beim Orteingang erwartet uns eine andere und neuere geschichtliche Erinnerung – eine die uns gemahnt, dass die Tschechen im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Schreckensregime erdulden mussten. Die kleine Gedenktafel erinnert an den örtlichen Wildhüter Bohumil Žíhla, der am 27. Mai 1945 (19 Tage nach der deutschen Kapitulation) von betrunkenen Rotarmisten getötet wurde, als er seine Familie gegen selbige verteidigen wollte. Das war ein erstes Zeichen dafür, dass der Wechsel von der Naziherrschaft zur Sowjetbesetzung für die meisten Bürger des Landes alles andere als eine echte Befreiung war. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)